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Heinrich Bullinger Werke Briefwechsel HEINRICH BULLINGER BRIEFWECHSEL Band 4Briefe des Jahres 1534Bearbeitet von VorwortDie Fertigstellung des Bandes IV von Heinrich Bullingers Briefwechsel mit der Korrespondenz des Jahres 1534 hat länger gedauert, als geplant war. Nun, da das Buch in der gewohnten, sorgfältig gearbeiteten und gedruckten Form vorliegt, ist es mir ein Anliegen, kurz der Wechselfälle zu gedenken, welche die Publikation verzögert haben. Nachdem Band III 1983 herausgekommen war, verließ Dr. Matthias Senn nach acht Jahren verdienstvoller Mitarbeit die Bullinger-Briefwechsel-Edition. Auch wenn es gelang, in Dr. Hans Ulrich Bächtold eine auf dem Feld der Bullingerforschung schon ausgewiesene Fachkraft als Nachfolger zu gewinnen, hatte der Wechsel doch zur Folge, daß der auf 1985 festgelegte Termin für die Herausgabe von Band IV nicht eingehalten werden konnte. Und als Ende des genannten Jahres Prof. Dr. Endre Zsindely schwer erkrankte, erlitt die Edition einen alle Pläne durchkreuzenden Rückschlag; am 25. April 1986 starb Endre Zsindely an den Folgen seiner Krankheit. Damit hatte die Bullinger-Briefwechsel-Edition den Mitarbeiter verloren, dem sie bis dahin am meisten verdankte. Endre Zsindely war ein Hauptpfeiler, auf den man sich abstützte, als es 1964 darum ging, das Riesenwerk der Herausgabe des Bullinger-Briefwechsels in Angriff zu nehmen. Damals legte Prof. Dr. Fritz Blanke der Bullinger-Kommission des Zwinglivereins, der die Herren Prof. Dr. Anton Largiadèr und Prof. Dr. Rudolf Pfister angehörten, einen von seinem damaligen Assistenten Dr. Joachim Staedtke ausgearbeiteten «Vorbericht über einen Plan zur Edition des Bullinger-Briefwechsels» vor, der Zustimmung fand. Noch im gleichen Jahr wurde nicht zuletzt mit der Absicht, dem Projekt eine feste Basis zu geben, in Zürich das Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte gegründet. Als Bearbeiter hatte man von Anfang an Dr. Endre Zsindely im Auge; hier stand ein Mann mit einer für ein solches Unternehmen geradezu idealen Vorbildung zur Verfügung: ein Theologe mit sehr guten Lateinkenntnissen, mit regsten historischen Interessen und mit großer Archiv- und Bibliothekserfahrung. Endre Zsindely hat die ihm zugedachte Aufgabe übernommen und sich ganz in ihren Dienst gestellt; in Anbetracht der weit übernationalen Bedeutung des Forschungsvorhabens wurden die Kosten für seine Stelle vom Schweizerischen Nationalfonds übernommen. Grundlegende Vorarbeiten waren im Hinblick auf eine Edition des Briefwechsels schon früher geleistet worden. Mit der systematischen Bestandesaufnahme des Materials und der Erstellung von Abschriften hatte schon Prof. Dr. Emil Egli vor bald 100 Jahren begonnen; die Arbeit ist dann intensiv von Dr. Traugott Schieß weitergeführt worden. Als man sich zur Herausgabe entschloß, lag schon eine Sammlung von 11380 Briefen vor, von denen etwa zwei Drittel entziffert entweder in gedruckter Form oder in Abschriften greifbar waren. Trotz dieser Ausgangslage zeigte es sich dann aber bald, daß die wissenschaftliche Erarbeitung und die Drucklegung der Edition selbst doch noch viel aufwendiger war, als man gedacht hatte. So blieb das Werk von Anfang an hinter den Planungsvorgaben zurück. 1973 war es so weit, daß Band I gedruckt vorlag. Die Hoffnung auf eine Fortsetzung in beschleunigter Folge erfüllte sich vorerst leider noch nicht; vielmehr ergaben sich weitere Schwierigkeiten; - um sie zu lösen, ist die Bullinger-Briefwechsel-Edition 1979 aus dem Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte ausgegliedert und ihre Betreuung vom Zwingliverein dem Unterzeichneten übertragen worden. Die Umstellung hatte zur Folge, daß die Bände II und III 1982 und 1983 erscheinen konnten. Ferner wurde auch die Drucklegung von Band I der theologischen Werke Bullingers deblockiert und 1983 fertiggestellt. In der Reihe der Edition von Bullingers Werken folgte 1987 als Sonderband die Ausgabe der Schrift «Studiorum ratio», kritisch bearbeitet, übersetzt und kommentiert von Prof. Dr. Peter Stotz. Weitere Bände der Briefwechsel-Edition konnten aus den genannten Gründen nicht mehr in dem mit der Serie dieser Veröffentlichungen angeschlagenen Rhythmus herauskommen. Nun aber ist Band IV da. Er folgt in der Anlage den Grundsätzen, die von den Begründern der Edition festgelegt worden sind. Endre Zsindely hat sich vor dem gewaltigen Umfang des Werks, das hier entstehen soll, nie verzagt gezeigt. Er blickte vielmehr überzeugt und zuversichtlich in die Zukunft, wissend, daß ein Menschenleben nicht genügen wird, die Briefwechsel-Edition zu vollenden, und daß es deshalb darauf ankam, Arbeit zu leisten, die sich auf lange hinaus bewähren muß. Auf dieser festen Basis und dank dem Umstand, daß sich in lic. theol. Rainer Henrich ein Nachfolger für Endre Zsindely fand, der sich rasch in die große Aufgabe einlebte, konnten die Abschlußarbeiten für Band IV bewältigt werden. Die Fortsetzung der Edition liegt nun in den Händen eines verjüngten Teams, das Gewähr dafür bietet, daß die Ausgabe der Briefwechsel-Bände in Zukunft weiter zügig vorangetrieben wird. Für alle Hilfe, die in den vergangenen Jahren der Edition zugekommen ist, möchte ich im Namen des Zwinglivereins herzlich danken. Das Projekt wird finanziell vom Schweizerischen Nationalfonds und seit 1981 auch von der Zürcher Landeskirche großzügig getragen. Mein erster Dank gilt den zuständigen Vertretern dieser Institutionen; insbesondere denke ich hier an die verständnisvolle Begleitung des Projektes durch den Verbindungsmann beim Schweizerischen Nationalfonds, Herrn Dr. Rudolf Bolzern. Viel hat die Edition des Bullinger-Briefwechsels dem 1982 verstorbenen alt Dekan Pfr. Hans-Rudolf von Grebel als einstigem Präsidenten des Zwinglivereins zu verdanken, ferner den Herren Alain Dufour, Prof. Dr. Olivier Fatio, Prof. Dr. Hans Rudolf Guggisberg und Prof. Dr. Rémy Scheurer, die freundlich als Gutachter walteten. Dem Präsidenten des Zwinglivereins, Herrn Pfr. Dr. Hans Stickelberger, danke ich für uneingeschränkte Hilfsbereitschaft, dem Theologischen Verlag Zürich und seinem Leiter Werner Blum für die sorgfältige Betreuung der Drucklegung unserer Bände. Allen, die das Zustandekommen dieses Buches in irgendeiner Weise gefördert haben, sei hier mein Dank ausgesprochen. Rudolf Schnyder EinleitungBullingers Briefwechsel des Jahres 1534 wird von zwei großen, sich gegenseitig durchdringenden Ereignissträngen geprägt: einerseits von der Rückeroberung und beginnenden Reformation Württembergs durch Herzog Ulrich, andererseits von den Bemühungen um eine Einigung zwischen Lutheranern und Zwinglianern in der Abendmahlsfrage. Die erste Jahreshälfte wird beherrscht von Nachrichten über den Zerfall des Schwäbischen Bundes, den Krieg Philipps von Hessen und Ulrichs von Württemberg gegen König Ferdinand und über die Rückgabe des Herzogtums an Ulrich aufgrund des Vertrages von Kaaden. Ab Jahresmitte treten Bullingers vielfältige Bestrebungen in den Vordergrund, auf die Reformation in Württemberg Einfluß zu nehmen. Die mit der Stuttgarter Abendmahlskonkordie vermeintlich erreichte Einigung zwischen den beiden vom Herzog eingesetzten Reformatoren, dem Lutheraner Erhard Schnepf und dem Zwinglianer Ambrosius Blarer, läßt aber alte Gegensätze aufbrechen und fordert die Zürcher zur Stellungnahme heraus. Für Bucer ergibt sich die Notwendigkeit, zu einer Übereinkunft mit Wittenberg zu gelangen; vom September an entfaltet er daher - von Melanchthon ermuntert - eine eifrige Vermittlertätigkeit. Die Zürcher, zur Mitarbeit gedrängt, verzichten auf die Teilnahme an einer Theologenzusammenkunft in Konstanz, legen jedoch im Hinblick auf Bucers Verhandlungen mit Melanchthon ein auch von anderen Schweizer Kirchen mitgetragenes Abendmahlsbekenntnis vor. Der entschiedene Widerspruch aus Bern gegen jegliches Abrücken vom einfachen, symbolischen Abendmahlsverständnis Zwinglis stellt aber eine Annäherung in Frage. Das weitere Geschehen in Europa tritt im Vergleich zu jenem um Württemberg deutlich zurück. Der Politik Frankreichs begegnet Bullinger durchwegs mit Mißtrauen; auch der Gesandte du Bellay vermag ihn nicht umzustimmen. Die Pariser Protestantenverfolgungen im Anschluß an die «Affaire des placards» zum Jahresende scheinen Bullinger schließlich recht zu geben. Im Südwesten wächst ein für Genf, Savoyen und Bern folgenschwerer Konflikt heran. Angesichts der von Savoyen ausgehenden Bedrohung Genfs, die durch die Aufdeckung einer Verschwörung konkrete Gestalt annimmt, sieht sich das verbündete Bern zum Handeln gezwungen; seine Vermittlungsversuche sind jedoch so wenig erfolgreich, daß im Herbst der Gedanke an eine kriegerische Auseinandersetzung aufkommt. Wesentliche innereidgenössische Konflikte bleiben in diesem Jahr aus. Der Modus vivendi der konfessionellen Parteien wird kaum gestört. Nur gerade die Nachwirkungen der Rekatholisierung Solothurns, von denen vor allem Bern betroffen ist, finden im Briefwechsel merklichen Widerhall. Deutlicher treten die Angelegenheiten der Reformierten selbst hervor: Religiöse Außenseiter wie Schwenckfeld und Claude d'Aliod beunruhigen die reformierten Städte, ein Bestechungsskandal im Berner Rat erregt Aufsehen, Karlstadts Berufung nach Basel führt zu einer vorübergehenden Verstimmung zwischen Bullinger und Oswald Myconius. Nach wie vor arbeiten Bullinger, Myconius und Berchtold Haller beharrlich, wenn auch erfolglos, an der Verbesserung der politischen Beziehungen zwischen Zürich und Bern.Manchmal fällt ein Schlaglicht auf Kirchenpolitik und Kirchenleben in Zürich, so etwa im Zusammenhang mit den von der Synode eingeleiteten Verfahren gegen unbotmäßige Pfarrer. Zur Dauerbelastung scheinen die im säkularisierten Kloster Rüti verbliebenen Mönche zu werden; ihr ungebärdiges Treiben macht u. a. dem Ortspfarrer und dem Klosterpfleger schwer zu schaffen. Bullingers Autorität, seine Stellung als Treuhänder des zwinglischen Gedankengutes und als Sprecher der Reformierten, hat sich gefestigt - dies zeichnet sich in diesem Briefjahrgang deutlich ab, nicht zuletzt in der Anerkennung, die seine theologische Publizistik findet. Aufschlußreich ist auch die quantitative Betrachtung seiner Korrespondenz: Die Zahl der erhaltenen Briefe ist im Vergleich zum Vorjahr von 145 auf 189 angestiegen. 46 neue Korrespondenten - unter ihnen Simon Grynäus, Simon Sulzer und Johannes Stumpf - treten in Erscheinung. Ein Schwerpunkt liegt erwartungsgemäß im süddeutschen Raum. Bucer und Ambrosius Blarer, die wichtigsten der außereidgenössischen Briefpartner, sind noch stärker als im Jahr zuvor vertreten. Doch Haller in Bern, Myconius in Basel und Vadian in St. Gallen bleiben die Eckpfeiler in Bullingers Korrespondentennetz. Wir danken an dieser Stelle allen, die zur Herausgabe des Bandes beigetragen haben: Dem Schweizerischen Nationalfonds und der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich für die großzügige Unterstützung der Edition; dem Theologischen Seminar der Universität Zürich und dem Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte, deren Infrastruktur uns zur Verfügung stand; dem Personal des Staatsarchivs und der Zentralbibliothek Zürich und weiterer Archive und Bibliotheken; Herrn Jean Rott, der den Briefwechsel zwischen Bullinger und den Straßburgern durchgesehen hat; Frau Dr. Ruth Jörg und Herrn lic. phil. Bernhard Bonsack für die philologische Beratung und Hilfestellung bei der Bearbeitung der frühneuhochdeutschen bzw. lateinischen Texte; Herrn lic. theol. Rainer Henrich für den großen Einsatz bei der Drucklegung und bei der Herstellung des Registers; schließlich dem Beauftragten des Zwinglivereins, Herrn Prof. Dr. Rudolf Schnyder, der die Edition gegenüber dem Schweizerischen Nationalfonds vertritt und der uns stets mit Rat und Tat zur Seite stand. Hans Ulrich Bächtold, Kurt Jakob Rüetschi, Matthias Senn, Endre Zsindely † AbkürzungsverzeichnisBriefe des Jahres 1534 [312]Johannes [Bullinger] an
Bullinger [Ottenbach,
Januar 1534] Autograph: Zürich StA, E II 441,91 (Siegelspur) Ungedruckt Neujahrsgruß. Ein durchreisender Franzose berichtete, daß der französische König nach Italien ziehe, um die Städte, die der Papst seinem Sohn [Heinrich]in die Ehe gegeben habe, zu besetzen. Hans Junker und der Gesandte [Antoine II Lamet]werden mit Geld in die Eidgenossenschaft kommen und neue Söldner verlangen. Des Königs Schwester [Margareta von Navarra] halte am Evangelium fest. Morelets Bruder liege seit langem um des Glaubens willen gefangen. Schultheiß Hans Jakob von Wattenwyl von Bern hat mit dem französischen König verhandelt und ist nun wieder auf dem Rückweg. Fausta primordia huius anni tibi precor etc. Lieber brüder, es ist am samstag znacht zu Ottenbach ein franczsos 2 , acht vast gwaltig 3 ubernächt gsin, nach mir gschickt (ut interpres essem). Hat gseit, der kung 4 zuich mit einem reisygan 5 zug gegam Montaniß 6 die stet zu besetzen, vom bapst sinem sun ingen 7 . So köm Hans Junckar 8 uff liechmis 9 mit einem gwaltigan herran 10 und grossam gelt, die eidgnossan zu bezalan
und darnach von inan vordaran 20 tusant man in das Meilandt (das vermögendt die lender 11 nit; tu, quid sub herba latet 12 , coniice). So hat er mir gseit, des kungs schwester 13 leb noch vast 14 am evangelio, sig aber nie gfangen gsyn; wol sig des Morletten brüder 15 jeczt lang gfangen gsin und noch um des evangeliums willan etc. Wittar so ist der von Wattenwil 16 , [schul]thes [zu] Bern 2 , bym küng selbs gsyn, lang mit im ghanlat 17 . Mag nieman wussen, waß. Doch im groß eer anthan, und kung und eer 18 vast wol eiß 19 , und jeczt uff dem weg heim 20 . Der 21 ist ouch inet 22 8 tagen bym kung gsyn. Rit ernstlich 23 in die pündt 24 l Vale. Ioannes tuus. [Adresse auf der Rückseite:] An M. Heinrichen Bullinger, minen bruder, zu Zurich.
[313]Bullinger an Joachim Vadian [Zürich], 3. Januar 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342, 23r.-24v. (Siegelspur) Gedruckt: Füssli I 111-117; Vadian BW V 143-146; Teilübersetzung: Rudolf, Aussöhnungsversuch 516; Teilregest: QGT VIII 255 Besuchte Konstanz, um über die Einheit der Kirche gegen die Schismatiker Rat zu halten. Wie groß die Gefahr ist, zeigen Bucers Nachrichten [Nr. 290]über die von einem Schüler [Melchior]Hoffmans erregten Unruhen in Münster. In Schwenckfelds Wirken und Lehre sieht er die Ursache für die täuferischen Wirren sowie für die Verunsicherung Leo Juds. Der Umgang mit Schwenckfeld schadet [Jakob] Ziegler, Johannes Sapidus und Sebastian Franck. Dominik [Zili]könnte gefährdet sein. Zürich unterstützt die Bemühungen [Jakob Meyers], Zürich, Bern und Basel zu einigen. Teilt aus Briefen Berchtold [Hallers][Nr. 307. 309]mit, wie die Rekatholisierung Solothurns voranschreitet und daß Berner Gesandte dort und Solothurner Gesandte in Bern deswegen vorsprachen, sowie daß [Hans] Franz Nägeli anstelle [Bernhard] Tillmanns Säckelmeister wurde. Die Vereinbarung zwischen dem französischen König und dem Papst werde zu einem Krieg um Württemberg führen und so die Eroberung Mailands durch Frankreich ermöglichen. Der König fürchtet nur, daß die Eidgenossen Truppen gegen ihn stellen, was die Pensionenherren unter Ausnutzung der Wirtschaftsmisere gegen Zürichs Rat versuchen werden. Wenn schon, dann will offenbar Gott durch sie den Papst und den König vernichten. Über die bernische Gesandtschaft zum französischen König hat Berchtold [Haller]wenig berichten wollen. Bittet um Nachrichten aus Augsburg und ermuntert Vadian, an seinem Werk [Epitome]weiterzuarbeiten. Gratiam et vitae innocentiam a domino. Scripsi non multis ante diebus 1 Constantiam nos adiisse 2 consultandi de unitate ecclesiae contra schismaticos gratia. Periculum enim esse, ne brevi incendium a per Germaniae ecclesias maximum a schismaticis quibusdam suscitetur, qui Donatistarum et Novati [!] revocantes haeresim 3 ecclesiae alias afflictae satis multum sint incommodaturi. Nec fefellit opinio. Nam superiore prioris anni mense scribit Bucerus 4 Monasterium Westphaliae, quod pulchre evangelicum receperat dogma, misere nunc tumultari [!]. Omnia
enim urbis templa esse claussa excepto uno, in quo VI populi fretus declamet insignis quidam Hoffmannicae sectae 5 discipulus 6 adversus sancti senatus et omnium piorum consensum, esseque huius turbae authorem 7 Svenckfeldium 8 , qui primus hoc virus, sed clanculo, quibusdam propinavit, qui nunc omnia b simulans et dissimulans Augustae agat. Vereor autem, ne et ibi aliquid monstri alat. Certe Blaurerus admodum conquaeritur 9 . Dogmata hominis forsan nosti, evangelium hactenus non esse praedicatum vere, hactenus nullam esse collectam ecclesiam, ecclesiam nostram nihil aliud esse quam tyrannidem, ut quae armis et aedictis senatorum nitatur, in ecclesia nullum esse gladium, populum enim ecclesiasticum esse spontaneum, sectas non esse extinguendas. Catabaptizmum et catabaptistas non omnino improbat. Hoffmanni dogma de carne Christi coelitus delata primus invenit, etsi iam dissimulet
verum est, quod audio, profecto doleo tantos viros tam turpiter et foede commaculari. Nec Sebast[ianus] Francus 17 hanc picem nisi probe commaculatus deseret. Haec vero maximo cum dolore scribo. Misere alias quatitur tentationibus ecclesia, ut hoc dissidio careret, nisi quosdam spiritus ageret factionis et superbiae. Verum ita nobis vivis exemplis ob oculos revocat dominus veterem ecclesiae historiam, qui et tentationi procul dubio faelicem dabit eventum d . Tu curaveris, Vadiane vigilantissime, ne Dominicus 18 noster,
ad factiones natus et caput intricatissimum, hisce gerris et impostorum tricis prorsus illaqueetur. Periculum timeo, nihil certi scio. Svenckfeldius frequens et impudens est in scribendis literis et amicitia ambienda, maxime ubi sperat se aliquid impetraturum 19 . O miserum et hac parte pestiferum Argentoratum, e quo nobis tam inauspicatae provolant aves 20 ! Sed satis dolori indultum hactenus. Iam quid in concordia triadis 21 sarcienda actum sit, paucis sic accipe. Consul Basileiensis 22 inpraesentiarum nihil aliud postulavit, quam ut Tigurini condonent Bernatibus, si quid noxae aut negligentiae designarint. Deinde comes et faciles sint, si de concordia christiana offeratur consilium. Responsum est unanimi diacosiorum consensu: Bernam amamus, nec ullum nobis in eos odium. Quodsi illi negligentius quicquam egere, condonamus facile nec recusamus audire, si quid nobis offeratur consilii etc. Speramus ergo facile coalituros animos. Instigavimus praeterea consulem, ne caussae foeliciter coeptae desint Basileienses 23 . Scripsimus Bernam per omnia sacra quosdam obtestati 24 . Breviter, pii quique ominantur faustissime. Praecor ergo dominum, ut fessis rebus dexter et maturae [!] auxiliares manus admoveat. || 24r. De Solodorensibus 23. decembris sic scripsit Berchtoldus 25 : «Miseramus 4 legatos, qui caussam 8 exulum agerent et de verbi dei libertate, quemadmodum
ipsi Solodorenses Helvetiorum legatis polliciti fuerant. Sed quod liberam verbi e dei praedicationem attinebat, ne verbum quidem ex nostris audire dignabantur. Unde legati nostri re infecta redierunt. Interim monebamur, Solodorenses 14. decembris sacrificulum nephandis sacris praefecturos f parrochiae Kriegstetten 26 . Da aber die ohren grycht dero vonn Bernn sind, und die von Solothurn selbs den handel deß gloubens malefitzisch halltend, ilico monebantur a senatu Solodorenses, a Bernatibus g , ne facerent; sed et 300 viri in agro Bernensi ordinati, qui armata h manu resisterent temeraiis ausis, si secus fieri non posset. Id ubi Solodorenses resciverunt, legatum ablegant Lucernam. Quid is impetrarit, nescio. Hoc unum scio, quod 18. decembris Solodorenses 4 legatos Bernam miserunt, qui verbis blandissimis coram senatu comparuerunt. Qui prius Bernensium legatos audire dedignabantur ultro offerentes se permissuros, ut caussa exulum dirimatur. Interim verbi dei nullam mentionem habuerunt. Respondere nostri se nolle quicquam agere in caussa exulum, nisi et fidei negotium immisceatur. Quod si fieri nequeat, iam nihil se acturos, maxime cum ita fieri flagitent ipsi exules, homines pii et constantes. Addidit senatus se palam conquesturum proximis Badenis comitiis, quod fidem violent et pacta rescindant.» 28. decembris idem sic scribit 27 : «Misit nunc denuo senatus noster legationem ad Solodorenses propter exules et verbi libertatem. Non credis nec describi potest aut dici populi huius insania et impius furor. 25 pastores et verbi praecones amandarunt. Ex Alsatia et Brisgauvia turmatim advolant sacrificuli. Nulla est apud istos vel aequitatis vel veritatis ratio. Scribam brevi, quid actum sit. 57 cives iam ex Solodoro migrarunt. Jetzt fahend sy an und verbietents inn der statt, und so einer ye daruß will, heyssend sy inn sin gut werden und schetzen. Schetzt ers ze wolfeyl, so mag imms der nächst nach gelegtem pfandtschilling abzühen. Will er aber ye hinweg, so muß er ye von 10 gl. I gäben. Ich zeygs, wie es mir anzeygt ist. Sy bollwerckend häfftig inn [iro]i statt.» Hactenus Berchtoldus. Addidit et illud 28 : «Tilom[ann]us k a questurae offitio semotus est, surrogatus v[e]ro l Franciscus Nägeli.» ||24v. Quae de instituto regis Gallorum et pactis cum papa divinas, tam vera sunt, ut nihil unquam verius dictum sit, nempe quod ille Mediolanum ambit 29 . Huius enim gratia Germaniae proceres in Ferdinandum pro Wirtembergensi
principe armat 30 , ut Germanus miles Germanico bello impeditus Gallis Mediolanum diripiendum capiendumque libere cedat 31 . De Helvetiis nulla illi cura maior, ni adversa illi ferant arma. Satis illi nos inter nos dissere m . Quamquam non dubitem, pensionarios 32 nihil non tentaturos. Fortassis abutentur famis occasione et misera maleque suada vulgi pauperie. Nos tamen non cessabimus nostros dechortari, nec senatus noster cessabit. Quodsi omnino exercitus educatur, fortassis n in fatis est, ut iustissimus deus° et impium pontificem et fastu luxuque perditum regem una cum avarissimis sceleratissimisque satellitibus semel fundere funditusque delere velit 33 . Dominus non sinet inultum iam tot annis effusum sanguinem innoxium. Verum audi, quod mirabere: Bernates legationem amandarunt ad Gallorum regem, consulem a Wattenwyl et Wingarterum 34 . De ea legatione sic scripsit Berchtoldus 35 : «Rediit consul a rege. Non autem petimus auxilium ab Assyriorum rege, sed pacem iam dudum pactam servari volumus. Defertur fides nostra perfidiae et seditionis, maxime nunc exemplo Solodorensium. Ne ergo hostes sentiremus, quos amicos credebamus, missa est legatio. Legationis occasionem silebo. Caussam habes, et quod petitum est, impetratum audio. Plura non licet. Haec autem soli tibi scripserim.» Hactenus Berchtoldus. Nec ego plura nunc potui. Tu si quid ex Augusta 36 habes, indica. In coepto opere 37 labora et me tibi commendatum habe. Vive et vale. 3. ianuarii, hora noctis 10., 1534. Hein. tuus. [Adresse darunter:] Clarissimo viro D. Ioachimo Vadiano, amico imprimis charo et syncero.
[314]Oswald Myconius an Bullinger Basel, 8. Januar 1534 Original a mit autographer Unterschrift: Zürich StA, E II 343, 50r.-v. (Siegelspur) Teilübersetzung: Rudolf, Aussöhnungsversuch 517; Niehans, Bullinger-Briefsammlung 160 Myconius ist verzweifelt wegen der kühlen zürcherischen Antwort an eine Ratsabordnung aus Basel, die um eine Aussöhnung zwischen Bern und Zürich geworben hat. Wie von einem Solothurner zu vernehmen war, meinen die Katholiken bereits, Zürich habe sich den V Orten völlig ergeben, sodaß nur noch Bern und Basel als leichte Beute für sie übrigblieben. Die Zürcher ziehen offenbar die Freundschaft der V Orte einer Versöhnung mit den Berner Glaubensgenossen vor. Der Basler [Bürgermeister Jakob Meyer]sah in Zürich viel Unerfreuliches, obwohl er von [Hans Rudolf]Lavater erfuhr, dass der «gute Samen» auch noch vorhanden wäre, vor allem auf dem Lande. Der Basler Rat war entsetzt, als [Hans] Rudolf [Frey]die Antwort der Zürcher mitteilte, die heimlichen Katholiken frohlockten: Gott hilft offensichtlich den V Orten. Bullinger soll also Gott um Hilfe anrufen, soll niemandem allzu leicht trauen, und sich ganz der Heilung des «Hauptes» [der Führung in Zürich] widmen. Grüße. S. Nunquam hactenus ita de vobis desperavi, ut nunc despero, amantissime mi Bullingere, postquam tam pie petentibus sic occursum est 1 . Mendax spiritus 2 in istis versatur et superbus, unde responsio ista fluxit. Causam video: Impietatis numerus augetur subinde in praesidentibus plebi. Timeo verum esse, quod ex Salodorensibus nuper quidam 3 : Prope est, ut haeresis illa tota pereat; restant duae civitates, Berna et Basilaea - nam Tigurum Pagis se dedidit -, quas sine labore superabimus etc. An suspitione de istis carere possum, dum audio, quid egerint modo? Non expendam verba singilatim, in genere dico: Nihil boni, nihil pii video in toto responso. Pios aliud decebat. Si non est, quod vos propter illos 4 offendit, cur renuitis diligentiam reconciliationis? Scio, timetis Pagos 5 . Non vultis, ut dicant: In amicitiam redierunt cum illis, qui tam crudeliter eos in summis necessitatibus dereliquerunt 6 . Convenit vobis de Pagis, qui vestros occiderunt, qui bona abstulerunt, qui nomini Tigurino perpetuam inusserunt ignominiam 7 . Quid? Non conveniet cum fratribus, qui, tametsi laeserunt, nunc reconciliari petunt? Subest non, quod in superioribus literis 8 scripsisti, sed quod res mutari praesentes cupiant. Pater ille noster 9 de vobis testatur bonum semen 10 adhuc
esse inter vos in urbe, melius in agro 11 , prout Laveterus [!] 12 narrarit. Caeterum vidisse quaedam se, propter quae doleat. Qua de re nihil ego in praesentiarum, sed de his modo, quae ex literis tuis intelligo. Sunt ea relata ad senatum per Rodulphum 13 , ex legatis alterum. Nam ex pede laborans aedes non exit consul 14 . Bone deus, quae de vobis desperatio suborta est! Quae spes item papistis! Videbimus, inquiunt, quae bona deus ille optimus cum sanctis suis agat et acturus sit per Pagos, viros optimos et christianos. Quidquid tentant, obtinent - num sine dei auxilio? Quodsi hic auxiliatur, non possunt non eius esse. Tigurinis nihil deest, nisi ut occasionem adipiscantur redeundi ad ecclesiam. Timent nonnihil adhuc plebem, nam senatus lucrifactus est, sed propediem dabitur, ut et illa mutetur. Quam mihi dolet haec audire, pientissime Bullingere, de tuis! Crede mihi, dolor impedit, ut scribere nesciam. Vides perplexitatem enim. Quid dicam? En, capite 15 morbus est. Cura, quod in te est, ut sanetur. Deum in adiutorium invocato sine intermissione, quaere consilia et noli confidere quibusdam, de quibus hactenus nimis candide sensisti. Dies et noctes tecum et cum aliis consyderabis de remedio ad caput sanandum. Quod si non inveneris, ||50v. actum esse video. Raptim haec. Dum opportunum fuerit, pluribus ero tecum. Vale cum tuis, cum Utingero, Leone 16 , Pellicano, Theodoro 17 , omnibus. Basilaeae, octava die ianuarii anno 1534. Os. Myconius tuus. [Adresse darunter:] Domino Heinricho Bullingero, pastori Tigurinorum primo, fratri perquam charo suo. [315]Ludwig Lopadius an Bullinger [Konstanz], 13. Januar 1534 Autograph: Zürich StA, E II 358, 102 (Siegelspur) Ungedruckt Hat sich über Bullingers Brief gefreut. Durch die freundschaftliche Art, mit der sich Bullinger seiner Probleme angenommen hat, ist er ihm noch teurer geworden. Empfiehlt den Überbringer des Briefes, einen seiner Schüler. Bei günstiger Gelegenheit sollen die Käslein geschickt werden. Er hat keine Zeit, an Theodor [Bibliander] zu schreiben. Grüße an diesen und an Pellikan. S. Duplici nomine animum meum tuae oblectaverunt literae 1 , partim quod tu meis respondere etiam occupatissimus haud es dedignatus, partim quia me
compotem fieri voti, modo id tibi in manu sit, conspicor. Mihi antehac etiamnum ignotus charus fuisti ita ut nihil supra, posthac vero multo charior futurus, quod amiculi caussa etiam mediocriter de te meriti tantum suscipis negocii, ut cicius tuis quam amici rebus defuturus esse puteris. Adversa illa valetudo, qua laboraveram 2 , nonnihil remisit. Sum mihi utcunque redditus. Dominus ita nobiscum agat, quemadmodum suo ipsius nomine est dignum ipsique gloriae, nobis autem salutiferum. Iuvenis 3 ille iam biennium adhuc meus fuit discipulus. Quare eum tam certae fidei nuncium nactus cupiebam, te accederet, epistolam redderet. Caeterum, quantum ad caseolos 4 istos attinebit, ubi opportunum ac commodum fuerit, veniant sane. Precium solvam bona fide. In praesens non possum esse verbosior nec pluribus tecum agere mille obvallatus negociis. Ob quae Theodoro 5 , ut par fuerat, rescribere non est ocium, verum multa salute eum meis verbis impartias primo quoque tempore homini magno cum foenulo scripta mea remissurus. In primis autem Pellicanum, virum omnium, quos viderim, quos audierim, candidissimum, doctum, humanum, ingeniosum doctisque faventem saluta. Avocor iam nunc sonitu horae vocante ad meam instituendam pubem. Dominus te omnesque urbis Tigurinae precones constabiliat, confirmet, defendat atque dirigat, sicut suo sacrosancto evangelio dignum est. Valeas cum universa tua familia et me vicissim ames. 13. ianuarii 34. Tuus Ludovicus Lopadius. [Adresse auf der Rückseite:] Primario viro Hanrico [!]Bullingero, Tygurinorum episcopo, amico fratrique insigniter charo. [316]Bullinger an Oswald Myconius Zürich, 17. Januar 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342, 28 (Siegelspur) Ungedruckt Der Überbringer ist zuverlässig. Die Zürcher Abgeordneten wurden vor ihrer Abreise zur Tagsatzung (vom 15 .Januar) ermahnt, alle Vorschläge der Basler oder Berner treuherzig entgegenzunehmen. Hofft, daß sich eine feste Freundschaft entwickelt, wenn sich die Basler durch feindliche Lügen nicht abschrecken lassen! Bittet um Nachrichten vom Ausland.
Gratiam et pacem. Fidelis est hic vir 1 , amicus noster singularis, cui tuto potes concredere, si quid habes. Nostri legatis 2 Badenam ablegatis diligenter commiserunt, fideliter excipiant, si quid vel tui vel Bernates obtulerint 3 . Spero amicitiam firmam inter eos coalituram, modo vestri non cessent quorundam impiorum fraude deterriti. Nostrae res alias non male habent. Tu si quid ab Argentorato aut Augusta certi habes aut a Gallo aut Cervino cornu 4 , indica, si modo scire refert. Vale nostri in precibus tuis memor. Tiguri, 17. ianuarii 1534. Tuus H. Bullingerus. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Osvaldo Myconio Basileiensium antistiti vigilantissimo, fratri charissimo. [317]Ambrosius Blarer an Bullinger [Konstanz], 20. Januar 1534 Autograph a : Zürich ZB, Ms F 62, 26r.-27r. (Siegelspur) Zusammenfassende Übersetzung und Teildruck: Blarer BW I 463f Dankt für Bullingers Briefe vom 20. und 28. Dezember 1533, worin aus des Myconius Schreiben [Nr. 299]über die Vereinbarung zwischen dem Papst und dem französischen König zitiert ist, und vom 28. Dezember über Leo Juds Abkehr von Schwenckfeld und die Bemühungen der Basler um Eintracht zwischen Zürich und Bern. Teilt aus einem Brief [Georg] Besserers vom 19. Januar Nachrichten über den Tag des Schwäbischen Bundes in Augsburg mit, daß dessen Auflösung bevorstehe und Christoph von Württemberg und König [Ferdinand] sich nicht einigen könnten, sowie aus einem Brief Bucers vom [8. Januar], daß [Nikolaus]Cop wegen Bemerkungen über den gerechtmachenden Glauben in seiner Pariser Rektoratsrede über die Sitten habe fliehen müssen und die Lutherischen nun in Frankreich verfolgt würden, daß aber vorher, während des Königs Abwesenheit, das Evangelium frei gepredigt worden sei sowie daß der Papst die angedrohte Exkommunikation des englischen Königs nicht weiterverfolge. Bei solchem Wüten in Frankreich gilt es, wachsam zu sein und Christus um Beistand anzuflehen. Gervasius Schuler, der wegen Kälte einige Tage in Konstanz geblieben war, wurde am 7. Januar gut in Memmingen aufgenommen. Die Schwester [Margaretha Blarer] läßt danken und grüßen, ebenso der Bruder
Gratiam Christi tecum. Accepi duas epistolas tuas, charissime frater, alteram vicesima, alteram vicesima octava decembris die abs te datam 2 . Quibus quod non respondi, nec negligentiae meae, multo minus contemptui - nam multis mihi nominibus venerandus es -, sed innumeris meis, quibus perpetuo distineor, negociis dabis hocque minus succensebis, quod nec ratio illarum admodum responsionem postulabat. Prior ex clarissimi Myconii literis fragmentum erat pontificis et Galli utroque dignos conatus et foedam collusionern indicans 3 . Posterior laetum nuncium duplici mihi nomine adferebat, et quod prorsus a Schwenckfeldo defecisset Leo 4 , simul autem, quod Basilienses inter vos et Bernates de firmiore concordia sollicitos esse scribebas 5 . Ubi sub calcem rogabas, ut si quid ex Augustanis comitiis haberem, tecum comunicarem. Quod postremum solum meas vicissim literas expetebat, quas tum quoque destinabam, ubi primum certi aliquid rescire contingeret 6 . Id cum hactenus negatum et heri primum datum sit, nolebam intempestivis tibi meis nugis, quantumvis in istis delitiari te adfirmes, obstrepere. Accipe igitur nunc, quae Ulmensis consul Bössererus 7 heri ad me scripsit 8 inter caetera. Nam sua verba adscribere visum est: «Zu Ougspurg stat man für und für in handlung, den pundt zu erstrecken uff etliche jar. Das will dem mehrer tail 9 nitt gelegen sein; ist gar nitt zu verhoffen 10 , das noch ain pündt werd. Des globens halber verglychte 11 man sich in der ainung 12 , unß wol lydelich, und
das es die gaistlich gnanten 13 ouch nachgeben 14 ; aber es sind der nebenzettel 15 so vyl, das es sich gar stost 16 , und ist im gleich 17 das man vor ain kardannel , 18 in unsern landen haben werd, dann 19 die handlung zwyschen koniglicher majestat und hertzog Christoff von Wirtemberg will sich ouch nitt richten lassen 20 ». Haec ille ad me 19. ianuarii 21 . De pontifice et Gallo, quo tua, quae a Myconio accepisti 22 , confirmem, en tibi descriptam eius epistolae partem, quam et ipsam nudius tertius ad nos dedit Bucerus noster 23 . Ea sic habet: || 26v. «Rex Franciae 24 gravissimam caepit persequutionem in regno suo. Alter filiorum 25 Copi 26 electus in rectorem orationem de more habuit. In qua cum interspersisset paucula de fide iustificante, in tale discrimen venit per theologos, ut fuga sibi consuluerit ablato
secum forte per imprudentiam signo universitatis. Fecit magnum illic concilium 27 per praeconem renunciari 300 coronatos constitutos ei, qui fugitivum rectorem vivum vel mortuum adducat. Capti tum erant, quando is, qui haec ad nos attulit, illic solvit, supra quinquaginta 28 , lectumque edictum omnem eum, qui duobus testibus convinceretur Lutheranus, statim exurendum esse 29 . Res erit non absimilis inquisitioni Hispanicae. Putat hic nunc ultra trecentos 30 Parisiis captos. Nam episcopo 31 illic favente pietati ex animo, tum rege et regina Navarrae 32 , quae regis Franciae soror est, et aliis aliquot magnis proceribus factum est, ut absente rege Fran[cisco]33 palam praedicare Christum quidam caeperint 34 omnes , loqui liberius. Ii notati omnes nunc in summum discrimen vocantur. In mediocres enim tantum saevitur adhuc 35 . Sic nuptiis istis Herodianis 36 sanguine sanctorum litabimus. Rex Angliae eodem
adducetur 37 , vereor. Nam pontifex excommunicationem intentatam in eum non persequitur, licet ille suam super inductam adhuc retineat 38 » etc. Hactenus Bucerus. Sic, sic, mi Bullingere, vix adhuc in lucem aedito Christo apud Gallos Herodes 39 insidiatur, ut perdat. Sed firmum erit consilium domini, utut mundi tyranni putrem mensuram implere 40 pergant. Vincet ecclesiae spiritus et per hunc ipsa quoque inferorum portas 41 . Sed vigilandum 42 nobis interim et perpetuo standum pro excubiis 43 , non contemnen[di] tam ingeniosi, tanto complicio, tantis armis, tanta vi auri instructi hostes, sed Christus sedulo comprecandus, ut vel unus ipse a nobis stet, et vice nobis fuerit multorum || 27r. millium cataphractorum. Aderit omnino et suam virtutem in nostra infirmitate, velit nolit mundus, exeret 44 . Gervasius 45 , quando tuae adferebantur literae 46 , nondum advenerat. Postea vero cum uxore et liberis exactis mecum diebus aliquot ob frigoris inclementiam, quae nusquam abire permittebat, septima ianuarii Memingenum magna omnium expectatione, magno plausu pervenit. De multis charissimum fratrem admonuimus. Vehementer nos amare caepit. Uxorculam 47 viri omnino talem, qualem prius sorori meae depinxeras 48 , invenimus. Omnia faeliciter successura speramus. Soror multum se tibi debere libenter agnoscit [!] scriptura, ubi primum commodior contigerit occasio 49 ; interim se tibi diligenter et christianice commendat ac multam tibi salutem adscribere iubet, id quod etiam tota et nostra et germani fratris 50 pariter et Zvicii 51 domus facit. Salutabis officiosissime tuam coniugem 52 , quam et ipsam de facie nosse cupiant uxor 53 et soror
meae. Commendabis nos vere sancto viro dei Pellicano, praeterea Leoni 54 , Theodoro 55 cum caeteris; inprimis autem optimos viros Utingerum et Steinerum nostris verbis accuratissime saluta. Bene vale, venerande mihi et plus quam charissime Bullingere, meque communi servatori Christo sacris tuis praecationibus nunquam non commenda. 20. ianuarii anno 1534. Tuus Ambrosius Blaurerus. Primus scriba Memingensis 56 ita ad me scribit: «Der Wyda 57 hat den bundtstenden 58 gar ernstlich von wegen des jungen hertzogen von Wirtemberg 59 geschriben». Item inter caetera: «Man wollt hertzog Christoff von Wirtemberg gern gegen dem Turcken hinab mitt ainem sytz und byß in 5000 fl. jerlicher nützüng verweysen; das will er aber nitt annemmen 60 ; so will man im im land Wirtemberg nichts geben, dardurch dann der pundt zergon und in Teutschland unfrid und krieg erwachsen wirdt 61 » etc. Christus bene vertat! [Adresse auf der Rückseite:] Clarissimo ac vere sancto Tiguricensis ecclesiae antistiti Heinricho Bullingero suo, venerando fratri in Christo. Zürich. [318]Bullinger an Oswald Myconius Zürich, 22. Januar 1534 Autograph: Zürich StA, E II 347, 49f (Siegelspur) Teilübersetzung: Niehans, Bullinger-Briefsammlung 160f Beantwortet die Klagen von Myconius wegen der mangelnden Versöhnungsbereitschaft Zürichs gegenüber Bern. Die Zürcher Abgeordneten an der letzten Tagsatzung in Baden warteten vergeblich auf ein von Basel vermitteltes und von den Zürcher Reformierten erhofftes freundliches Zeichen seitens der Berner Tagsatzungsboten. Weder von Bern noch von Basel ist auf der Tagsatzung irgend etwas getan worden, um Zürich den Weg zur Versöhnung zu erleichtern. Trotzdem soll sich Myconius um Zürich keine Sorgen machen; sie [Bullinger und die zürcherische Geistlichkeit] wollen fest im Glauben stehen und auch unter Gefahren standhaft bleiben. Bullinger hofft auf Besserung mit Gottes Hilfe und bittet Myconius um Verständnis. Myconius' Brief ist am Tag der Abfassung dieses Schreibens angekommen. Grüße von Leo Jud.
Gratiam et vitae innocentiam a domino. Quid posthac scribam, frater venerande, cum te prorsus videam de nobis desperasse 1 defectionemque nostram tibi magis esse persuasam, quam quae ullis possit eximi epistolis? Ego vero speraveram negotium conciliationis 2 admodum foeliciter coeptum foelicius posse per tuos absolvi, si Bernates animi sui erga nostros promptitudinem ipsi legatione vel scripto testati fuissent, id a quod pii apud nos omnes sperarant b . Verum coniicio ex hisce tuis acerbissimis literis 3 omnem piorum ea de re spem recidisse in cineres. Age ergo, fiat voluntas domini 4 . Quod non omnia probarunt legati vestri, viri integerrimi, non miramur, cum ne nobis quidem probentur omnia nec soli in hoc orbe simus, apud quos omnia invenias absolutissima. Certe si omnia apud nos essent syncera, iam nullis in sarcienda concordia opus arbitris, quamquam istos credam vel nunc non defuturos nobis. Meliora enim de tuis mihi polliceor, quam tu tibi C de nostris, qui tamen legatis 5 nuper Badenam missis diligenter commisere, fideliter exciperent, si quid offerretur a Bernatibus. A te vero iam audio 6 , quod nihil neque tui neque Bernenses obtulerint. Unde quamnam in partem istud nostri exposituri sint, nescio. Hoc unum scio, quod divinae providentiae et fati sit inevitabilis, si quid mali, bellorum, servitutis, exilii excidiive ingruerit miseris, quibus omnia auxilia et consilia subinde disturbantur. Caeterum non est, quod de pusilanimitate nostra sis anxius. Sive enim vivendum est inter hos homines (quos maxima d ex parte e omnino impios iudicare non possumus) et verbum evangelii praedicandum nobis, sive occidendi aut in exilium ablegandi sumus, nihil tamen dissimulabimus, vigilabimus, ut sancte hortaris 7 , hortabimur ad pietatem et constantiam, accusabimus flagitia et flagitiosos, prout gratia Christi dederit orantesque ipsum confirmarit. Plura non possumus. Illi nos totos commendamus obsecrantes, ut simplicitate et imbecillitate nostra utatur ad gloriam nominis sui. Tu quoque, frater charissime, ora pro nobis et haec nostra boni consule. Spero dominum Iesum nobis f miseris contemptis proculcatisque aliquando auxiliaturum, || 50 sive id hoc in mundo sive in futuro, quod malumus, copiose largiatur.
Vale, frater dilecte. Tiguri, 22. ianuarii 1534. Hac ipsa die reddita mihi epistola tua 8 . Leo 9 te vult salvum. Hein. Bullingerus tuus. [Adresse darunter:] Clarissimo viro Osvaldo Myconio, Basileiensis ecclesiae pastori vigilantissimo fidelissimoque symmistae et fratri imprimis charo. [319]Oswald Myconius an Bullinger Basel, 23. Januar 1534 Original a , letztes Viertel autograph: Zürich StA, E II 343, 51r.-v. (Siegelspur) Ungedruckt Übermittelt die neuesten Nachrichten über die ergebnislosen Verhandlungen zwischen dem jungen Herzog [Christoph] von Württemberg und König Ferdinand I. von Österreich an der letzten Tagung des Schwäbischen Bundes. Nach Bucers Meinung «wütet jetzt der Satan in Frankreich». Der Basler Rat bereitet die Annahme eines Glaubensbekenntnisses für Stadt und Landschaft vor. Keine neuen Nachrichten über die kirchliche Lage in Straßburg. Grüße. Es ist uff dem gehaltenen pundstag 1 von der volstrekung eines anderen punds nützt gehandlet worden, dann der jung herzog zu Wirtenberg 2 sampt einem großen bystand etlicher küngenn, fürsten und deß adels hatt angfangen, begert Dübingen und Nipfen 3 . Darwider stelt sich Ferdinandus, und des jungen fürsten anforderung zu stellenn, schlecht 4 imm der künig für ein herschafft Pludens by Feldkylch 5 , daruff der herzog sich gewyderet 6 . Harwiderumb schlecht imm Ferdinandus für ein herrschafft in Kemten in der Steurma[r]k 7 , die wil der fürst von Wirtenberg ouch nitt, sonder er beharret mit sinem fürnemen sampt sinem bystand. Nun will der stand b des punds 8 , ob er sich glich wolti volstreken, sich des huß Wirtenbergs nütz beladen 9 , und vermeynt Ferdinandus, mitt dem huß Wirttenberg darin zu kommen 10 . Hie zwüschenn aber falt (uß ordnung gotz frilich) der jung furst dorzwüschenn, der maß uff sinem fürnemmen beharrende, das man sich eigentlich
Ex Galliis nihil certi habeo, nisi quod nuper scripsit uno verbo Bucerus: «In Galliis hodie saevit satan» 21 . Senatus noster cogitato, quantum malum discordia, quantum bonum concordia, pio conatu in hoc est, ut in urbe et in agro concordiam pro viribus conciliet pulchro consilio 22 , id quod audies ab eis, quos misisti nuper 23 et videbis propediem.
De Argentinensibus nondum audio, quomodo se habeant circa reconciliationem ecclesiae suae. Illud compertum, catabaptistas licentiam pessime vivendi papistis facere 24 . Vale cum tuis omnibus. Utingerum salutabis, Pellicanum, 25 Theodorum , omnes. Basileae, 23. ianuarii anno 1534. Os. Myconius tuus. [Adresse darunter:] Domino Heinricho Bullingero, antistiti Tigurino, amico et fratri charissimo suo. [320][Peter Im Haag] an Bullinger [Bern?], 27. Januar 1534 Autograph: Zürich StA, E II 340, 66r.-v. und 62r. (Siegelspur) Ungedruckt Es geht das Gerücht von Machenschaften gegen den reformierten Glauben um. Vorerst solle Zürich gewonnen werden, damit dann Bern leichter angegriffen werden könne. Bittet Bullinger, die Einigung zwischen Zürich und Bern zu fördern. In Bern stehen die Dinge in Stadt und Landschaft gut; einem möglichen Krieg sehen sie mit Zuversicht entgegen. Er braucht seinen Namen nicht zu nennen. Bittet um Geheimhaltung der Nachricht. Frid und gnad von gott unsrem fater und sinem sun, unser erlöser, sig mit ueich. Lieber her und bruder, ich lan ueich wuisen, das ich vernim, das etlich luit sich lieben 2 gegen einer fromen stat von Zuirych, die nit unsers gloubens sind, sunder wo sy könden und möchten in a usruiten 3 , das wurden sy tun. Wen sy könden mit einer fromen stat von Zuirych uiberkon 4 , so möchten 5 sy dester bas 6 mit einer fromen stat von Bernn oder andren kristelichen luiten kriegen 7 ; den es land 8 sich etlich luit mercken, vernim ich in landmerswis
Damit sind got befolen. Got wöl uns den rechten glouben meren. Geben uf dem 27. tag jener im 34. jar. Ich het ueich gern min namen geschriben; es ist aber nit von nöten. Ist newes gutz 22 us diser geschrift ze lernen 23 , so duiends 24 und behalten es in geheimd; darumm byten ich ueich umm gotes wylen. Amen. [Adresse auf der Rückseite:] Dem ersamen h. Heinrich Bulingen, bredykant zu Zuirych, in sin hand. [321]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 31. Januar 1534 Autograph: Zürich StA, E II 360, 7 (Siegelspur) Ungedruckt Berichtet über die internen Schwierigkeiten in Bern: Seckelmeister [Bernhard]Tillmann wurde vom Rat ausgeschlossen, weil er reformierte Flüchtlinge aus Solothurn ohne Anweisungen aus Bern mit Drohungen entmutigt und zur Aufgabe des Widerstandes überredet hatte. Venner [Niklaus von]Graffenried nahm 10 Kronen Bestechungsgeld an und verlor daraufhin seine Ratsstelle und seine Ehre. Schultheiß [Hans] von Erlach wies ein gleiches Angebot entschieden zurück; man spricht von weiteren Korruptionsfällen.
Haller bedauert, daß sogar überzeugte Anhänger der Reformation dieser Versuchung des fremden Geldes nicht widerstehen konnten, weil dadurch die Stellung der Evangelischen in Bern geschwächt wurde. Der Grund der Bestechungsversuche: [Philibert de Compois,]Herr von Thorens, der vier Schlösser an einen Gegner verloren hatte, versuchte das Berner Bürgerrecht und die Unterstützung Berns zu erlangen, was sein Rivale durch Geldgeschenke zu verhindern trachtete. Am 22. Februar soll in Bern eine Zusammenkunft der reformierten Orte, wahrscheinlich in der solothurnischen Angelegenheit, stattfinden. Haller ist krank gewesen. Er bittet um die Zusendung von Nachschriften von Theodor [Biblianders] Vorlesungen über die Propheten, von [Pellikans]Prophetenkommentar, Vadians «Epitome» und Bullingers Korintherkommentar. Bittet Bullinger, seine vorausgegangenen Briefe zu beantworten. Gratiam et pacem a domino. Non dubito, quin varii apud vos de nostrae reipublicae turbatione 1 rumores ferantur, charissime frater. Proinde nolui te diutius suspendere, quantumvis infecta adhuc sint omnia, ut plane vereor. Sic sese res habent: Questor noster Tilemannus ab officio, cui iam sex annis praefuit, amotus est, et cum Salodorenses in negotio verbi dei, utcunque polliciti erant omnium Pagorum 2 legatis, nihil audire nec tractari voluerint a nostris amandarintque verbi ministros 25 3 -ipseque questor minis quibusdam nostrae partis animos fregerat, ut caetum solverent, atque id citra magistratus nostri commissionem, quod mali omnis causam interpretantur -, 25. ianuarii ab utroque senatu amotus est 4 et in pristinam sortem redactus, qui tamen vix secundum habet prudentia et eloquentia illi [ad] sufficiendum. Hae autem fuerunt minae, quas effudit erga evangelicos Salodorenses agro nostro congregatos 5 : «Ir werdend üch in die straff umm der uffrur ergäben oder ir werdent fründ ze fyenden machen.» Secundo: «Ir werdend den friden oder anstand 6 annämen, doch dem globen on nachteil und gar nüt vertädinget 7 , oder wo irs nitt thätind, wurdint üch min herren ab irem ertrich wysen.» Addidit: «Das red ich für mich selb, min herren hend mirs nitt befolhen.» Ab iis cum se purgare non potuerit et senatui utrique satisfacere, hett man inn heissen der räten und burgeren stillston 8 . 30. huius mensis capto quodam a Gryers 9 bandaretus Grafenried 10 , vir
aetate et senecta venerandus ac supra modum dives, in asylum fugit 11 , quod ab eodem a Gryers uxor 12 pro munere acceperat 10 coronatos. Huic cum data esset libertas se excusandi coram diacosiis presenter - noluit forte sibi timens -, non solum a senatu et civibus amotus est, sed infamis habitus, cui nulla unquam fides sit habenda 13 . Obtulerat idem a Gryers totidem coronatos consuli ab Erlach 14 , at ille pro sua integritate et fide sic nebulonem abegit a se, ut amplius corruptionem hanc non attentaret 15 . Fertur adhuc alium quempiam apertas ad hec munera habuisse manus et senatorii ordinis non infimum, id quod dum apertum fuerit, rescies 16 . Tam misere et egre se nostra habet respublica, et dum videmus eos, et quidem ditissimos, tam modico munere corrumpi, eos item, qui verbi dei olim columnas se praestabant et omnia, quae ad religionem pertinent, promoverunt maxime, sic ab officiis et senatorio ordine excludi, quid de iis, qui pauperes sunt, qui item vel imprudentes vel pontificii sunt, cogitandum? Duos e senatu ad praefecturas hoc anno delegerunt, viros pios 17 . Questor et bandaretus amoti, necdum finis. Delectus inter cives non est abundans. Aut iuvenes a et rerum inexperti aut pontificii illis sufficiendi erunt. Sic semper periclitabitur pax publica et religio. Ad haec facile coniecturare poteris in huiusmodi tragediis domesticis animos multorum etiam iunctissimos disiungi, ut nemo iam alteri fidere ausit aut velit. Plebs sane firmissima verbo adheret et mala vult punita. Urget senatum. Sed plebis ingenium et mores nemo non ignorat. Ut autem intelligas, cur pecuniae erogatae sint: Est quidam nobilis, pius vir, nomine der herre von Torin 18 , sitzt hinderm hertzogen 19 von Saffoy 20 ; dem sind 4 schlösser
ingenommen von eim andren edelman 21 ; der hett begert burger ze Bern werden, damitt imm als einem hindersässen 22 allein zum rechten nach vermog der pündten der statt Bern und hertzogen möchte geholffen werden 23 . Damitt söllichs verhindert wurde, ist von siner widerpart das gelt usßteilt 24 , kumpt nitt vom Frantzosen. Es ist ein gots erbärmdt 25 . Ich bin sy 26 übel 27 erschrocken. Vocantur civitates christianae omnes ad comitia in urbem nostram ad 22. februarii nescio qua causa, sed subodoro eam esse, quod Salodorenses omnia, quae promiserant, negarunt mendaciter 28 . Tu fac, ne vestrates 29 negent. Kommend sy, wirt man inen gutt gschirr machen 30 , quo vetus coalescat amicitia. Ceterum, quod ad me attinet, in mense hoc ter lecto incubui, sed convalui interim b nihil magis desiderans, quam ut in Prophetas vel aliquid a Theodoro mittas, ne vestris studiis et nos omnino privemur. Poteris autem commode apud legatos, si saltem venturi sunt ad comitia. Id quod moneas etiam Christophorum Froschower. Prophetas 32 misit. Ultimum expecto tomum in lob, Psalterium etc. 33 et reliqua Vadiani 34 . De Corinthiis 35 a te illustratis nihildum accaepi. Parce. Ich hab so ilents gschriben, daß ich den brieff nitt überläsen hab. Ultima ianuarii 34. Scio multa a te petiisse in prioribus literis 36 . Si adhuc sint prae manibus et poteris, respondeas. Tuus B. H. [Adresse auf der Rückseite:] Heinrico Bullingero, Christi preconi apud Tigurum, fratri suo charissimo.
[322]Bullinger an Oswald Myconius Zürich, 12. Februar 1534 Autograph: Zürich StA, E II 347, 51 (Siegelspur) Ungedruckt Freut sich über das Zustandekommen der [Ersten Basler Konfession]und bittet um ein Exemplar. Bittet um Nachrichten aus Frankreich, besonders über die Unruhen in Paris. In Zürich vermutet man, daß Frankreich neue Kriege plant: Christian Schreiber, ein ehemaliger St. Galler in königlichen Diensten, hat in Zürich versucht, eine Flugschrift [«Oratio»] in deutscher Sprache gegen das Habsburger Herrscherhaus drucken zu lassen, jedoch vergeblich, da man befürchtete, daß das Ziel die künftige Anwerbung von Söldnern sei. Bullinger warnt auch Myconius und die Basler vor einer Drucklegung dieser Schrift, die in der deutschen Fassung soweit gemildert wurde, als ginge es um die Verteidigung der deutschen Freiheit gegen die Türken. Empfiehlt den Überbringer und bittet um die Weitersendung eines beigelegten Schreibens nach Straßburg. Gruß von Heinrich Utinger. Gratiam et pacem a domino. Gratulor vobis tam sanctam obtigisse concordiam 1 , quam nobis quidem imprecari, at obtinere hactenus non licuit. Spero tamen plurimas ecclesias vestrum imitaturas exemplum. Neque enim putandum est id consilii vobis dumtaxat esse a domino suppeditatum. Nondum tamen scriptum, de quo audio, vidi aedictum. Tu ergo pro tua sedulitate et fide curaveris, ut primo quoque nuncio habeam additis simul iis, quae de Gallo et Parisiorum turba 2 noveris certa. Nos certi nihil habemus, nisi quod ex coniecturis quibusdam timemus Gallum nova bella suscepturum. Fuit non multis ante diebus apud nos Christannus Schryber 3 , civis olim a Sangallensis, sed iam regius minister, qui orationem quandam, hoc est invectivam doctissime quidem, sed amarissime in domum Austriae, hoc est in Carolum et Ferdinandum exaratam 4 obtulit, ut typis excuderetur. Subodorati nos, quod res erat, subesse doli nonnihil negavimus. Hac enim popularium animos Caesari infensos, sibi 5 vero devinctos reddere voluit, ut ad expeditionem promptiores aliquando inveniret. Fortassis idem molietur apud typographos vestros. Tu ergo vigilaveris 6 . Oratio in nostram linguam transfusa est atque sic moderata, ut videatur consilium esse de Turca repellendo b servandaque libertate Germanica. Caetera, ut res nostrae habeant, exponet praesentium lator 7 , vir certe pius et sanctus. Vale et me, ut soles, ama. Hasce vero apposititias 8 primo quoque nuncio Argentoratum mitte.
Tiguri, 12. februarii 1534. Salvum te vult Utingerus. H. Bullingerus tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Clarissimo viro d. Osvaldo Myconio, inclytae urbis Basileae antistiti primario, domino et fratri amantissimo. [323]Oswald Myconius an Bullinger Basel, 12. Februar 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 52r.-v. (Siegelspur) Teilübersetzung: Rudolf, Aussöhnungsversuch 518 f; Niehans, Bullinger-Briefsammlung 161 Hat nicht so erbittert über die Zürcher geschrieben, wie Bullinger in seinem Brief darstellt. Allerdings war er noch nie so verzweifelt wegen ihnen als nach ihrer Antwort an die Basler. Wie konnte es geschehen, daß die Zürcher Abgeordneten nur schwiegen, obwohl anläßlich des Besuches von [Jakob Meyer] vereinbart worden ist, daß sie mit den Baslern und Bernern an der Tagsatzung [vom 15. Januar 1534] über die Versöhnung reden würden? Die Berner halten sich ja nur zurück, weil sie eine Zurückweisung befürchten. Die V Orte suchen die Einigkeit zwischen Bern und Zürich zu verhindern, um freie Hand gegen Bern zu haben, - so schrieb auch ein gelehrter Bekannter vor kurzem. Schade, daß Bullinger den Befürchtungen von Myconius so wenig Glauben schenken will. Darum soll er jetzt erfahren, daß sogar ein reformationsfreundlicher Zürcher Ratsherr gegenüber [Jakob Meyer?]erklärt habe, daß die Zürcher, die im Laufe der Geschichte bereits fünf Niederlagen gegen die Innerschweizer zu verzeichnen hätten, nie wieder gegen diese Krieg führen würden. Vom jetzigen Rat läßt sich nichts Gutes erhoffen, allein von Gott, der sein Wort beschützen wird. Viele bedauern, daß es in Zürich keinen «Geheimen Rat» mehr gibt. Wenn es den Zürcher Tagsatzungsabgeordneten auch aufgetragen wurde, das Angebot der Basler und Berner freundlich zu empfangen, genügt das doch nicht, solange sie selbst nichts sagten. Bullinger soll noch stärker ermahnen und trösten. Gerüchte von einem französischen Feldzug gegen die Eidgenossen, was jedoch wegen des Besuches von Philipp von Hessen bei Franz I. unwahrscheinlich ist. S. Exemplar ultimae, quam ad te dedi, epistolae 1 nullum est mihi, quamobrem dubito, si tam acerbe scripserim, ut tu dicis 2 . Illud scio scripsisse me, nunquam ita nostros desperasse de vobis, ut postquam lectum et auditum est responsum illud vestrum 3 . Expectarant longe aliud, postquam legationem tam honestam ad vos miserant. Nihil erat apud quosdam certius quam futurum id, quapropter vir 4 ille omnibus modis magnus missus erat, tametsi quidam dubitabant non ob aliud, quam quod senatum habetis tam lacerum.
Quid enim boni a Clodio et Clodianis 5 expectaretur, ubi certum est nosse istos, quid ex hac concordia 6 tandem ipsis confiaretur? Si gratum fuisset, quod est relatum, qui fieri posset, ut taceretis, postquam conventum esset? Si non rogare, tamen ansarn dare de reconciliatione colloquendi vobis convenisset 7 , id quod nec tu quoque negabis. Satis, puto, laboratum est a nostris. Bernenses timere video, si quid ipsi incipiant, qui laesisse putantur, responsum ferant, quod augeat discordiam potius quam adimat. Sed videre videor quid rei sit. Scripsit hisce diebus magnus quidam vir 8 et doctus, ex quo potui intelligere, quam res dolitura esset impiis istis, si ad concordiam perveniret. Conatus enim Immontanorum 9 hic est, ut postquam vident difficilius esse vos abstrahi, nunc praesertim, a via vestra, continere et remorari, ne si quid contra Bernenses atque etiam nos instituant, adfuturi sitis auxilio. Si concordia fieret, periisset spes impiorum. His boni qui videntur apud vos consentiunt, permittunt se duci, sed sentient tandem quorsumnam, nisi deus fortiter prohibeat. Haec et huiusmodi, dum scribo fideli oratione, tu mihi non credis, cum tamen hactenus ne iota quidem scripserim, quo de non fuerim plus quam certus. Sed quid, postquam Bernenses perpessi sunt, quod Tigurini et Basilienses? tum actum erit in Helvetiis de evangelio atque ita tunc demum nobis provisum. Dolet bonus ille, quem modo dixi, quod et ego doleo, vos nolle amiciciam eorum, qui eundem deum et Christum, idem verbum, easdem vobiscum habent ceremonias. Illos timetis et veneramini, qui vos exuerunt omnibus fere bonis 10 . Ingenue dico, qui hanc concordiam remorantur, imo qui in causa sunt, ne vos omni studio incumbatis, ut conficiatur, inter pios viros haudquaquam debent numerari. Gratior est enim illis vel impius, quem meticulosus sequitur, vel adfectus insolens, quo cupit rogari potius quam rogare, quam deus ille pacis et concordiae 11 . Quod autem de metu perpetuo inculco, quia fortasse te movet, audi, quam rationem habeat. Scio ex senatoribus vestris pietate nobilibus, qui 12 hisce verbis loquutus est cum bono viro 13 , dum rogaret, quemnam finem rerum vestrarum expectaret: «Illud», inquit, «constat, quinquies nos Tigurinos iam congressos esse cum Paganis istis et semper infeliciter 14 , unde talis est animus et senibus
et viris et iuventuti conceptus non futurum, ut deinceps unquam cum iisdem feliciter congredi possimus. Hinc horror, quotiescunque de bellando cum illis vel verbum incident. Quamobrem non puto futurum, ut bellum ineamus cum illis deinceps in perpetuum, quicquid tandem eveniat unquam». Indica, quid hoc sit. Dum tales ex bonis audio, quid, putas, spei concipere possum de vobis? Quamvis non ita habeat, quemadmodum tu scribis 15 , nullis literis a desperando de vobis me ||52v. posse depelli. Nam etiamsi de vestro senatu, dum talis est, prorsus spes nulla, tamen deum protectorem verbi sui 16 non apud nos solum, sed ubique esse quomodo non sperarem? Praeterquam quod audio bonum semen 17 iamdum esse et in urbe et in agro, quemadmodum proximis quoque literis significavi 18 . Conqueruntur, quibus curae sunt res vestrae, quod senatu caretis, qui, quod tractata, contineat et cui tuto possint omnia committi 19 . Scio, qui consilia nonnunquam nobiscum communicarent, quam prodessent, nisi deesset, quod iam diximus. Inde procul dubio tandem aliquid in usum communem posset contingere, hoc vero pacto, dum aliquid committitur, mox effluit ad hostes, quod non ita multo antehac factum esse certissimum est. Quod scribis de tuis, quod commiserint legatis Badenam dimissis, si quid offerretur, fideliter exciperent 20 , hoc idem et nostri commiserant 21 , sed ad quid, dum vos tacuistis? Sed hactenus de his. Quod reliquum est, tu scribe, hortare, instiga, consolare 22 , quod hucusque fecisti, et deinceps fac abundantius. Ita enim peto ex pectore. Ne illud te praetereat: Certo venit ad nos Gallum parare exercitum in Confoederatos 23 , utros autem, pios 24 an impios 25 , incertum. Spem facit, quod nihil contra nos tentet, quia dux Hessorum apud eum est hodie, unde
in singulos dies ipsum expectant Argentinenses 26. Quid sit, deus novit. Huic nos omnes opto esse quam commendatissimos. Vale. Raptim. Basileae, 12. februarii anno 34. Os. Myconius tuus. [Adresse darunter:] Domino Heinricho Bullingero doctissimo pientissimoque, domino suo in primis colendo. Tigurum. [324]Ambrosius Blarer an Bullinger Konstanz, 13. Februar 1534 Autograph: Zürich StA, E II 357, 6 (Siegelspur) Zusammenfassende Übersetzung: Blarer BW I 469 Schickt einen Brief über [die Auflösung des] Schwäbischen Bundes. Erwartet Antwort auf Nr. 317. Grüße. Bittet um Rücksendung des Briefes. Habes hic literas 1 , unde statum foederis Svevici et quid Augustensia ista comitia nobis pepererint 2 , quantum satis est, discas. Occupatissimus nunc sum alioqui plura scripturus. Dedi ad te literas 20. ianuarii 3 nec dubito, quin eas acceperis. Tuas avide expecto 4 . Saluta universum sanctorum, qui isthic sunt, chorum. Salutant te nostri omnes, inprimis uxorcula 5 et soror 6 . Bene vale, ornatissime Bullingere, et commenda nos Christo. Coniugem 7 tuam meis verbis diligenter saluta. Constantiae, 13. februarii 1534. Tuus Ambr. Blaurerus. Proximo nuncio 8 remitte, obsecro, has literas. [Adresse auf der Rückseite:] Clarissimo viro d. Heinricho Bullingero, Tiguricensi episcopo, fratri in domino charissimo.
[325]Rudolf Frey an Bullinger Lenzburg , 13. Februar 1534 Autograph: Zürich StA, E II 360, 273 (Siegel) Ungedruckt Ist krank. Wegen des Glaubens ist er von Mellingen nach Lenzburg übersiedelt. Sein Bruder aus Basel [Fridli?]kam, um mit den Mellingern über die Abzugsentschädigung zu verhandeln. Bittet Bullinger, dem wegen seines Glaubens verfolgten Joachim zu einer Stelle zu verhelfen. Wünscht Nachrichten von Bullinger. Grüße. Gnad und frid von gott dem vatter durch Cristum etc. Min früntlich gruos und alles güots a , lieber Meyster Heinrich. Ich lan üch wüssen, das ich deß lips halb kranck bin, aber der sel halb von gnaden gottes trüw ich gott, es stande wol, und bin wol zefriden, dann ich bin von Mellingen 3 gen Lentzburg uß ursach deß gloubens, damit ich by Cristo und sinem wortt möchti 4 bliben, und wil mit siner hilff die angeleitte hand an pfluog 5 nit abziehen. Witter, lieber Heinrich und güotter frund, lan ich üch wussen, das min brüoder 6 von Basel ist in kürtzen verschinen tagen by mir zu Lentzbürg gsin und hatt von minetwegen gehandlett mit denen von Mellingen von deß abzugs 7 wegen, und forderent für den abzüg zweyhundertt gl. Berner wärüng. Aber ich bin nach nit mit ynen uberkommen 8 ; aber ich wil sy zefriden stellend, und sol mich oüch kein verlüst oder verlassung deß zittlichen duren 9 um Cristus willen. Ich bin ouch bereitt, um sinet und sines worts willen mit siner hilff noch me ze liden, wo es der will gottes wäre, dann es statt wol, gott sigi lob. Witter, lieber her und frund, so ist min früntlich, ernstlich und trülich pitt an üch, das ir üch züm höchsten wellind unseren brüoder und fründ her
Joachim 10 lassen bepholen sin und im helffen, als ir oüch wol mogent 11 , und das best thüon, das er versehen werde 12 , angesehen sin verfolgüng um deß worts deß herren. Dann billich söllend wir unß yren annemen nach der leer Pauli zun Heb. am 10. Deß o sind ingedenck und miner fürbitt. Wo ich und oüch die unseren alle könttend und möchtent semlichs mit unseren vermogen verdienen, wetten wir allzit gern und guotwillig thüon und sin. Der her gebe üch oüch gnad und stercke, das ir trülich und handtlich 13 in sinem wortt mögind fürfaren biß in das end. Wellind oüch den herren für mich bitten und üch lassen bepholen sin, daß er mir gedült verlihe in miner kranckheit deß lips und erhalte under dem crütz. Züoleczt pitt ich üch, ir wellint mich oüch lassen wüssen, wie ir lebind, wie es um üch und by üch stande. Min hußfrow 14 und wir alle lassend üch alle vast grüessen. Grüessend unß üwer hußgsind, und wär üch lieb ist. Lassend unß üch allen allzitt bepholen sin. Der frid gottes sigi mitt üch allen zu aller zitt. Geben zu Lentzbürg, am 13. hornung im 1534 jar. Und grüeßend unß üwer müotter 15 sünderlich, unsere liebe baß 16 . Von mir, Ruodolff Fryg, burger zu Lentzburg, üwer allzitt williger. [Adresse auf der Rückseite:] Dem erwirdigen und wolgelertten herren Meyster Heinrichen Büllinger, predicanten zu Zürich in der statt, minem insünders guotten herren und fründ züo hand. [326]Oswald Myconius an Bullinger Basel, 16. Februar 1534 Autograph: Zürich StA, E II 336, 131 (Siegelspur) Ungedruckt Die Nachricht von den Unruhen in Paris wurde dem Basler Rat schriftlich bestätigt; sie wurde gerade an diesem Tag auch von einem Edelmann bezeugt, der von König [Franz I.]direkt nach Basel gereist kam. Der König plant etwas gegen Kaiser [Karl V.]und [König Ferdinand I.]. [Landgraf Philipp] von Hessen reiste insgeheim zu König [Franz I.]nach Frankreich. Die Aktivität einer französischen Gesandtschaft in Bayern, die gegen die beiden Habsburger gerichtet ist, bestätigt Bullingers Hinweis auf die französische Flugschrift. Die Erzbischöfe von Mainz und Trier wie auch der Bischof von Würzburg stehen auf der Seite von Philipp von Hessen. Dieser kündigte eine festliche Massenansammlung von Menschen und Pferden an. Gerüchte von türkischen Invasionsplänen gegen Italien. Grüße.
S. Tumultus, qui Parrhisiis fuisse dicitur 1 , in senatum usque nostrum hisce diebus scripto 2 pervenit, et hunc hodie testificatus est vir 3 nobilis a rege 4 recta Basileam profectus. Rex cum equitatu grandi nunc ad Parrhisios contendit, nescio, quid acturus. Parat aliquid in caesarem et fratrem huius 5 , nescio, an etiam in alios. Hessus apud eum fuit suis ignaris 6 . Quid egerit nescio. Illud scio, libellos ultro citroque datos et sigillis munitos. Interpres huius fuit Philippus, comes Furstenbergensis 7 . Galli legatio 8 ex Augusta mox concessit ad ducem Bavariae 9 . Initio blande tanquam sequestrum acturus 10 in conventu dixit, tandem tam minaciter contra caesarem et Ferdinandum, ut inde intelligam argumentum orationis eius, qua de tu nos monuisti 11 . Episcopi Maguntinensis 12 , Herbipolensis 13 , Trevirensis 14 adeo sunt amici Hesso, ut Trevirensis a rege deduxerit iterum in patriam. Admiranda haec. Indicta sunt Hesso saturnalia et equorum stabulatio, ut ita dicam, usque ad millenariam sexcentenariam. Turcam rumor est parare navigationem in Italiam. De papa ne verbum quidem audio. Deus est nobis invocandus semper, ut turbas tollat verbumque suum tueatur 15 .
Vale per dominum cum tuis et Utingero et Pellicano et Leone 16 et Theodoro 17 . Basileae, raptim, 16. februarii anno 34. Os. Myc. tuus [Adresse auf der Rückseite:] Domino Heinricho Bullingero amico. [327]Hans Vogler an Bullinger St. Gallen, [zwischen 18. und 21. Februar] 1 1534 Autograph: Zürich StA, E II 351, 153 (Siegelspur) Ungedruckt Von Pfarrer Thomas [Gaßner]in Lindau, der beim Stadtschreiber [Anton Schmölz]den Abschied vom letzten Tag des Schwäbischen Bundes in Augsburg gelesen hat, erfuhr er, daß der Bund - trotz energischer Bemühungen des Augsburger Bischofs und kaiserlichen Kommissars [Christoph von Stadion] - an der Württemberger Frage gescheitert ist und sich aufgelöst hat. Pfalzgraf Ottheinrich ließ daraufhin das begüterte Kloster Kaisheim bei Donauwörth plündern. Es wird befürchtet, daß dies noch andern Klöstern widerfahren wird. Grüße. Trostworte für den kranken [Kaspar]Nasal. Die gnaud gottes syg mitt unns allen. Amen. Yn yl, geliepter herr und bruder. Nüwe zittung 2 nicht sonders, dann 3 die tag schript mir Thoman 4 , der prediger von Lindow, die mainung 5 etc., wie irm stattschriber 6 zu Lindow uff der herren fasnacht 7 der letst abschaid dess puntztag zu Ougspurg geschickt 8 , den er gelesen hab. Der pundt ist us 9 von gottes gnauden, und hat inan 10 bischoff von Ougspurg 11 , baider küngklicher und k[aiserlicher] m[ajestet] comissarius, treffenlich angehalten 12 , nur noch ain zitt lang in den pundt zu verwilgen 13 , so welle er diewil alle ir beschwärden und ausredt 14 für den kayser bringen. Aber es ist im abgeschlagen. So hat er die stend erpetten, nach lut ains artickels der vorigen püntnus, daß sy wider uff 25. may gen Ougspurg khomen sollen, mit in zu handlen
Grutzend mir üwer gantzes hus. Der herr tröste üch etc., Leon 26 , Karolstad 27 und all prediger sampt gliepten brüder. Actum S. Gallen, ---[tag na]ch b der herren (und puren) fasnacht anno 34 jar 28 . [Maister] c Nasal 29 , verston ich, lyg etwas kranck. [Bitt dic]h d mir in zu , klagen 30 , als min trüwen. U[wer]w[iliger] Hans Vogler, jetz zu Sant Gallen. [Adresse auf der Rückseite:] An minen sonders gelieptten hernn und fründt, M. Hainrichenn Bulliger, prediger der stattgmain zu Zürych, zu handen. [328]Bullinger an Oswald Myconius [Zürich], 23. Februar 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342, 29 (Siegelspur) Ungedruckt Bedankt sich für die Zusendung des Textes [der Ersten Basler Konfession?]wie auch für Myconius' Antwort. Auf Grund von dessen Bericht über die Lage in Deutschland befürchtet er ein starkes Kriegstreiben Frankreichs gegen den Kaiser, der sich dadurch schließlich gegen die evangelischen Fürsten und Städte wenden könnte. Er charakterisiert die selbstsüchtige Politik der Mächtigen: Der Papst wünscht die Ausrottung der Evangelischen, König [Franz I.]die Besitznahme von Mailand und Neapel. Bullinger rügt die deutschen Fürsten und Städte, weil sie dem Kaiser die Treue nicht halten. Die Strafe Gottes wird die Evangelischen treffen, die den Frieden mißachten und einen von den Franzosen gewünschten Krieg innerhalb von Deutschland entfachen wollen. Gruß an [Jakob Meyer]. Gratiam et pacem. Immortales tibi, vir clarissime, gratias habeo, qui me libello 1 donaris et tam amice responderis 2 . Perge, obsecro, semper benefacere. Quae de Hesso et Gallo, legatione quoque Augustana mones 3 , supra quam dici potest, obturba[n]t a . Vereor Gallicam subesse technam. Pontifex hactenus non potuit in exitium nostrum provocare caesarem, quod princeps sit non omnino malus. Quid, si hac arte caesarea arma et in principes et urbes christianas provocaret? Pontifex hoc unum cogitat, quomodo religionem excindat.
Gallus hoc unum cogitat, quomodo Mediolano et Neapolis regno potiatur. Diversi sunt huius tragoediae catastrophe 4 . Nulla fides in principibus. Quisque rem suam quaerit. Pontifex cogitat: Si per amicitiam Galli et Germanorum Germanis infensum redderes caesarem, vicisses. Iam etsi Gallus una periret, conciliares te caesari quam minimo, utpote homini facili et clementi. Gallus cogitat: Si tu pontificis et Germanorum opera potireris Mediolano et Neapoli, deinde ne pontificem quidem vel Germanos huius aestimaris. Infensus est caesar. Imperium ambit Gallus, de iniuria papiensi se ulcisci cogitat, breviter caesarem extinctum cupit. Haec principes et urbes 5 non vident vel videre nolunt, fidem caesari datam violant, proinde carbones in capita sua congerunt 6 . Videbis, frater dilectissime, nos brevi contempti evangelii, sanguinis rusticani effusi poenas daturos b . Annon pudenda res, quod intestina bella Galli gratia in Germaniam suscipimus 7 , cum pace frui liceret? Quis offendit aut opprimit urbes? Annon libere crediderunt hactenus? Annon caesaris quoque praesidio egere in pace? Sed ita maturat vindicta domini 8 . Utinam vanus sim vates. Es ist ghein trüw nienan 9 me.
[Adresse auf der Rückseite:] Ornatissimo viro d. Osvaldo Myconio, Basileiensis ecclesiae ministro. fratri charissimo.
[329]Georg Stadler an Bullinger [Ohne Ort] , 24. Februar 1534 Autograph: Zürich StA, E II 355, 58 (Siegelspur) Ungedruckt Ist gesund und hofft, dasselbe auch von Bullinger zu hören. Man befürchtet einen Krieg. Will zu Ostern nach Zürich kommen, jedoch nicht lange bleiben, sondern wieder auf Wanderschaft gehen. Grüße. Gnad und frid von gott dem a vatter und dem heren Jesus Cristus. Amen. Lieber her und vettere 3 ich las eüch , wüsen, das ich frisch und gesünd bin. Solichs von eüch zu hören, wer mir ein grose fröwd. Lieber vetter, ich las eüch wüssen, das es noch b wol by uns statt, doch sorgt man eins kriegs. Got wend es ab nach sinem willen. Ich will auch nach uf osteren 4 by eüch sin, latt mich gott gessünd. Darümb wil ich eüch nitt vill schriben. Ich wil aüch nitt lang zu Zürich sin, dan es werden zwen gessellen 5 mitt mir ziehen. Mit denen will ich aüch wider wandlen 6 , dan es ist nit vür mich, das ich nach zu 7 Zürich bellib. Nitt me uf dis mal, dan gott sy mitt uns allen. Amen. Grussen mir eüwer husfrowen 8 und min vogtt 9 . Ttatum [!] am sant Matisttag zu nacht im 1534 jar. Von mir, Jörg Stadler, allzitt eüwer williger diener. [Adresse auf der Rückseite:] Dem achtbaren und wollgelertten Meister Heinrich Bullinger, beredicant [!] zu Zürich zu dem c grosen münster, zu hand . .
[330]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 26. Februar 1 [1534] Autograph: Zürich StA, E II 343, 91r.-v. (Siegelspur) Ungedruckt Hat von Bullinger eine ausführlichere Antwort auf seine Briefe erwartet. Was in Zürich über den Besuch des Schultheißen [Hans Jakob von Wattenwyl] in Frankreich vermutet wird, trifft nicht zu. Der Schultheiß sollte dort nicht Hilfe, sondern lediglich die Garantie des früher zugesagten Friedens erwirken. [Jean Jacques]Farel ist gefangen. Über die Zustände in Bern, besonders über den Fall des Säckelmeisters [Bernhard Tillmann], hat er Bullinger bereits berichtet. [Hans] von Erlach, [Anthoni]Spillmann, [Niklaus] von Graffenried und [Sebastian] von Diesbach sind in eine Bestechungsaffäre verwickelt: Einige Savoyer hatten zum Teil mit Erfolg versucht, diese Politiker mit Geld zu bestechen, um die Einbürgerung eines Landsmannes [Philibert de Compois, Herr von Thorens], der mit Berns Hilfe gegen sie um verlorenen Besitz zu prozessieren trachtete, zu verhindern. Man spricht auch von Verrat im [Zweiten Kappeler]Krieg. Es fehlen nun insgesamt sechs Ratsherren; und diejenigen, die nachfolgen, sind entweder bejahrte Papstanhänger oder junge Hitzköpfe. Vom Drucker hören sie von Bullingers Kommentar zu den Petrus-Briefen. Bullinger hat die versprochenen Vorlesungen Biblianders zu den Propheten nicht geschickt. In Genf predigt [Guillaume]Farel öffentlich. Eine Berner Gesandtschaft hält sich der Genfer Kriegsschuld wegen dort auf. Die Berner Schüler führten den «Acolastus» [des Gnaphaeus] auf. Haller bittet im Auftrag von Anton Noll, Bullinger möge dessen in Zürich weilenden Sohn Sebastian zur Änderung seines Lebenswandels ermahnen. Gratiam et pacem. Geliepter Heinrice, ich hatt mich anderer brieffen versähen 2 , in denen mir uff die minen 3 ein antwurt schribist. Diewil aber das nitt beschähen, vilicht diner gschäfften halb - darff es dem vergessen nitt zuleggen -, so wil ich doch dir uff din gar kurtze gschrifft 4 antwurten. Das by üch dess franczosen und unsers schultheissen halb die reed, ist nitt die warheit. Ich hab dich vorlangest dess handels berichtet, wenn du der brieffen nitt vergessen hettist. Wir suchend by niemand hilff, der unsern globen nitt bekent. Aber frid, so uns vorlangest zugsagt, begärend wir an unß gehalten werden; das ist unß nochmals zugesagt 6 . Vom verbrennen ist gar erdacht. Farelli bruder 7 ist von küngischen 8 gefangen, von unsern herren ein fürgschrifft 9 an den küng beschähen, die durch sinen canczler 10 licht 11
enpfangen und verantwurt 12 . Aber consul 13 ist in hohen eeren enpfangen und abgefertiget, in 18 tagen sin reiß ussgericht 14 . By unß wie es stand, hab ich dir ouch zumm teil zugschriben, maxime quaestoris 15 casum. Demnach hett ein saffoyscher herr 16 hie wellen burger werden, damitt er zumm rechten kommen möchte mitt ettlichen edlen, ouch Saffoyer, die imm sine schlösser ingenummen, welche edlen mitt gaben understanden, das burgrecht ze weeren 17 , und mitt gelt geworben an consulem Erlacensem 18 . Is ita abegit offerentem, ut vix e domo illius aufugeret. Deinde adortus est pandaretum Ludionem 19 10 coronatis. Is cum non minus negaret, dimisit nebulo 10 coronatos in domus ambitu. Quos cum Ludio reperisset, mox pandaretis quattuor obtulit, ut consulerent suo honori. Hi decreverunt, ut mox proprio nuncio munera remitteret, id quod fecit. Hinc famam suam redemit. Per illius enim integritatem rescivit fraudem magistratus. Tercius in ordine pandaretus Grafenried 20 , et is quoque, alias ad rem attentus, renuit. Caeterum, dum uxori offerrentur et ipsa reciperet, obticuit ille. Hinc infamis factus est in dies vitae suae. Quartus consul a Diesbach 21 , vir alias non male malus. Huic lectum iam ingredienti cum servus ille 10 coronatos offerret nec diceret causam, sed herum suum in crastinum dicturum, recepit consul, tametsi mane legatione fungeretur Friburgum 22 . Rediens tamen cum obvium haberet herum illum, causam quaesivit, cur pecuniam misisset. Quam cum retulisset, obtulit se restituturum, tametsi secum non haberet, idque cum non mox fecerit nec revelarit, sed uxori restituenda commisent, factus est et ipse infamis. Haec est illa nostra tragedia, de qua multi multa ferunt. Ceterum sunt et alia, quae de proditione quadam calamitosi nostri belli 23 dicuntur. Ea cum nondum venerint in lucem, nihil tibi scribere possum. Caremus nunc 5 senatoribus. Sextus totus est valetudinarius, reliqui iuvenes, nec habemus, qui tuto illis succedant. Aut enim senes sunt, sed pontificii, aut iuvenes calidi et minus prudentes. Tu cura, ut dominum ores pro nobis. Quid sit institutum nostrum, legati 24 referant. Ego nihil horum scio. Quomodo et illi se habeant, nescio. Sed id subodoravi, a tuis tibi saepe imponi.
Ir hend fasnacht und gutt gschirr 25 by üch, et pacem, quam mundus dat 26 , multi amplectimini. Interim tamen non despero de vobis, quamdiu per te et symmistas et verbum domini et studia tantum habent locum et auctoritatem. By unß statt es, wie es parabolae Math. 13 [3-8. 18-23] de seminante anzeigend. Typographus 27 scribit ad nos 28 de tuis in Petri epistolas annotationibus 29 , tu vero nihil, sed de Corinthiis 30 olim. De Theodori 31 iudicio in prophetas 32 nihil mittis multa pollicitus. Schlechtlich 33 , ich bin bstanden 34 . Ein kurtz brieffli schribst, da ich by semlicher bottschafft vil anders was erwarten. Ze Genff prediget Farellus offentlich, aber in den hüsern. Unser herren botten, 4 von räten und burgeren 35 , ligent daselbs a prima ianuarii usque in hunc diem von der söld dess Jenfer kriegs 36 wägen, sind noch nitt bezalt. Ist grosse unrub daselbs. Lusit iuventus nostra comaediam Acolasti 37 coram Helvetiorum legatis 38 . De iis tui referent. Also schrib ich ein langen tant 39 , welte gern, das du alle ding wystist. Aber du richtests mitt 4 linien usß. Vale. Miror, num Pelicanus et Leo vivant. Toties illos per te saluto, illi nihil salutis offerunt. Interim Leo 40 multis huc scribit et libellos mittit 44 , me vero non uno iota dignatur. Vale. 26. februarii umm die II in der nacht. Prag wenig nach, wie ich dir schribe, allein daß du mich verstandist. Vale rursum cum uxore 42 et liberis et me tuissimum semper redama. Tuum minimum nummisma.
|| 91v. Habet apud vos Anthonius Noll 43 , vir pius, qui tibi etsi incognito optime vult, filium quendam serarium, vulgo ein schlosserknecht, nomine Sebastianus Noll 44 . Is cum, ut fertur, omnia turpiter dilapidet et alieno aere se gravet, rogat pater, ut eum tuo ore et clanculum admoneas, quatenus alium se gerat et resipiscat nequaquam patris loculo fretus. Quod si non fecerit, negabit illi imposterum omnem opem. Filius est non legitimo thoro natus. Id ut tibi iniungerem, quem putat omnia apud te posse, multis adhortatus est. Percontare igitur et age, ut patris literis 45 respondeas, ne credat vir ille me neglexisse, quod tantopere precatus est. Vale. Expectabamus a vobis Röstium 46 et Ran 47 . Hi fuissent nobis gratissimi et ad conciliandum urbes nostro iudicio maxime idonei. Sed spe nostra frustrati sumus. Die cristenlichen stett gond mitt einandren umm wie ein kacz umm den bry; trüwet 48 und seet 49 niemant dem andren, was imm amm herczen ist. [Adresse darunter:] Heinrico Bullingero, apud Tigurinos ecclesiastae doctissimo suo fratri unice observando. [331]Oswald Myconius an Bullinger Basel, 28. Februar 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 53 (Siegelspur) Gedruckt: Füssli I 119-121 (Nr. 32); Corr. des réformateurs III 145-147 Zwei Angelegenheiten will Myconius nicht noch länger für sich behalten: 1. Solange die Zürcher den Geheimen Rat nicht wieder einführen, kann niemand etwas für sie tun. Dieses Instrument wäre dringend nötig, Bullinger soll darüber mit [Hans Rudolf]Lavater reden. - 2. König [Franz I.] von Frankreich sei dem Evangelium nicht feindlich gesinnt, hörte Myconius von einem evangelischen Edelmann, nur müsse es der König vor den katholischen Kirchenfürsten seines Landes verheimlichen. Dieses Wohlwollen
zeigten die Verzögerung der von [Noël]Béda gewünschten Hinrichtung von vier Evangelischen in Paris und die vom König an die eidgenössische Tagsatzung gesandten Büchlein, die jetzt in Frankreich frei gelesen würden; das erzählt auch der Gehilfe des aus Paris eingetroffenen Buchhändlers Konrad Resch. Myconius bittet um Bullingers Meinung. Grüße. S. Duo sunt, quae non potui diutius continere, quantumvis ocium desit. Alterum, quod nuper ex me 1 , nunc ex capite illo nostro 2 scribo de senatu clanculario 3 , ut ita vocem. Audio flanque, quod dum hoc carueritis, nihil boni potest agi vobiscum a quoquam. Si haberetis, innumera esse, quae ultro citroque acta non possent non prodesse plurimum. Quamobrem si ratio posset inveniri, ut ille restitueretur, video, quantum rebus nostris provideretur. Illud compertum habeo, malis nihil esse magis adversum. Audivi, dum isthic commorarer, qui 4 dicebat: «Abeant in malam crucem 5 primores nostri cum senatu isto. Vir bonus non est securus in propriis aedibus.» Expende, quid hic dixerit. Cum Lavatero sunt haec conferenda, cum quo prius etiam collata sunt, si queat inveniri, quod reipublicae vestrae commodet. Alterum est de rege Gallorum 6 . Pridie quam haec scriberem, colloquutus sum cum viro 7 nobilitate generis et professionis evangelicae praestante. Inter alia de Gallo fecimus mentionem. Tum is fere ad hunc modum: «Quae rex agit, non omnes norunt. Illud certum est apud me, ipsum non male velle evangelio et hoc, dum dissimulat, non ob aliud dissimulare, quam quod aliter nequit propter regni sui pontifices. Sine vero, ut obtineat Italiae partes, quas cupit. Videbis, quid amiciciae sit remansurum cum papa 8 et papistis. Quod dico, probavit abunde iam in quatuor iis, quos apud Parrhisios captivos tenuerunt et adhuc tenent propter evangelium 9 . Nam hos, dum Beda 10 vellet incendio tradere, hactenus servavit. Tum coegit Bedam, ut privatim cum eis congredi oporteret et insciciam suam ostendere, quod et ei cessit in magnam ignominiam. Pessime enim nugas suas ad scripturas dei adhibuit.»
Tum et libelli 11 , quos pridem misit ad Foederatorum comitia rex, impune habentur et leguntur in Galliis, quod nudiustertius dixit famulus 12 Conhardi Restii 13 , bibliopolae, ex Parrhisiis veniens. Iudica, mi amantissime Bullingere, quid hoc sit, an fides rei sit habenda necne. Putant quidam hac de causa Hesso et quibusdam civitatibus, quae hactenus fovent evangelium, cum rege convenire 14 . Nolui, ut hoc nescires. Vale et fratres omnes saluta in domino. Basileae, pridie kalendas martii anno 34. Os. Myconius tuus.
[332]Bullinger an Johannes Stumpf [Zürich], 1. März [1534] Autograph: Zürich ZB, Ms A 70, 635 (Siegel) Ungedruckt Hat Stumpfs Brief erhalten, kann aber aus Zeitmangel nicht handeln. Der Pfleger [Hans Kilchrat]
wollte wohl etwas unternehmen, doch mißlang es ihm. Die Tat der Mönche [von Rüti]ist schlimm. Will
mit dem Bürgermeister verhandeln.
Gnad und frid von gott. Üwer schryben 3 hab ich empfangen und verstanden 4 . Ist mir nitt müglich unmussen 5 jetzund ützid 6 zu handlen. Ich muß zweymal predgen. Der pfläger 7 hat nüt uffgäben. Ist wol willens xin, ettwas zu thun. Ist imm mißradten. Der münchen 8 thaat ist arg gnug 9 . Aber der tüfel schyst allwäg uff die großen huffen 10 . Doch wil ich lugen, was und wie ich handle mitt dem burgermeister 11 . Wyter kan ich nitt. Hiemitt sind gott befollen. Dem büchlin 12 wil ich nachvragen. Reminiscere. Der uwer H. Bullinger. [Adresse auf der Rückseite:]Stumpfio suo, decano, Bubikon. [333]Jakob Bedrot an Bullinger Straßburg, 3. März [1534] Autograph: Zürich StA, E II 356a, 883 (Siegelspur) Teildruck: QGT VIII 283f, Nr. 515, Teilübersetzung: Karl Schottenloher, Jakob Ziegler aus Landau an der Isar. Ein Gelehrtenleben aus der Zeit des Humanismus und der Reformation, Münster i. W. 1910. - RGST 8-10, S. 292 Wird [Heinrich]Lavater gerne bei sich aufnehmen, wenn dieser mit den bescheidenen Verhältnissen vorliebnehmen will. Otto [Werdmüller]erfüllt die in ihn gesetzten Hoffnungen. Der Straßburger Kirche wird es besser gehen, seitdem der Rat seine Pflichten wahrnimmt: Anton [Engelbrecht]wurde entlassen. [Jakob]Ziegler erweist sich als undankbar. Bedrot wundert sich, daß bisher noch niemand eine Biographie Zwinglis veröffentlicht hat, um damit den verleumderischen Schmähungen entgegenzutreten. Leicht könnte das in Form einer Vorrede getan werden, wie es jetzt mit Oekolampads Vita geschehen ist. Grüße.
S. Lavaterum 2 lubens ad me recipiam vel tua inprimis commendatione 3 adductus, modo idem ipse boni consulere tenuitatem meam velit. Est mihi domus angustior. At cum ampliorem nunc habere minus liceat, hac me contentum esse oportet. Annui victus precium erit 25 floren. nostrae monetae. Tantundem enim et alii minores etiam natu numerant. Otho 4 spem de se praesumptam fallet minime. Stylum luxu diffluentem sobrie castigat, et iudicium expoliet rerum usus. Quantum opere precium faciat, brevi, opinor, gustum tibi exhibebit. Quod tardius tibi respondeo, nuncii penuria in causa est, sed et serius mihi tuae sunt redditae. Omnia hic sat commode nunc habent, et ecclesiam commodius spero habituram, posteaquam magistratus serio magis officio suo fungitur 5 . Exautoravit is nuper, si nescis, Antonium 6 suffraganeum Spirensem quondam, octo annos aut plures hic concionatorem, hominem sane ad nihil minus quam concordiae ecclesiarum tuendae factum. Sed et Zieglerus monstrum aluit hactenus. Quod quale sit, nunc sese exerit 7 . O ingratitudinem fustuario dignam. Verum ex aliis malo haec intelligas, si nondum per Bucerum nostrum, quicquid id est, rescivisti. Miror ego neminem vestratium Zvinglii vitam posteritati commendare vel greek greek greek greek greek greek greek greek greek greek greek
greek greek greek 8 . Posset id commode fieri in praefatione aliqua 9 , quemadmodum nunc Oecolampadii vita per Grynaeum 10 Ezechielem non tantum vendibiliorem a reddet. Sed et a calumniis beatissimam animam hanc vindicabit. Ignosce, vir optime, nugis meis. Otho se tuae fidei commendat. Tu meo nomine diligenter Collinum et Theodorum 11 saluta atque in domino vale. Argentorati, 3. martii. Bedrotus. De Lavatero, quamprimum fieri potest, fieri certior cupio, ne si huic venire minus integrum sit, aliis forsan mecum habitare cupientibus frustra denegam. Per Froschow[erum] mihi significare potes omnia. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Henricho Bullingero, ecclesiastae Tigurinorum fidelissimo, domino et amico suo incomparabili, Zürich. [334]Hans Rudolf Lavater und Bullinger an Philipp von Hessen Zürich, 11. März 1534 Autograph Bullingers: Marburg, Hessisches StA, 3 (= Politisches Archiv), 1797, I (Siegelspur) Regest: PA 1797 (II 449) Danken für Philipps Brief [Nr. 273] und seinen ermutigenden Zuspruch, bei Gottes Wort zu verharren. Daraus entnehmen sie, daß es in Hessen diesbezüglich zum Guten steht. In Zürich ist man fest entschlossen, bei der erkannten Wahrheit zu bleiben. Christlicher, durchlüchtiger, hochgeborner fürst, unser willig dienst syend üch allezyt bevoran bereyt. Wir habend üwer fürstlichen gnaden schryben an unß, imm october deß 33. jars gethon 1 , mitt besonders grossen fröuden empfangen, dann diewyl
u. f. g. unß kleinfügen 2 so trostlich zuspricht und ermanet ze verharren ann gottes wort, könnend wir wol ermässen, wie wol es deß handelß halb 3 by u. f. g. stadt. Sagend deßhalben gott lob und danckend u. f. g. deß früntlichen schrybens und ermanens. Wöllend ouch deß zu gutem alle zyt yndenck sin und mitt gottes gnad getröst 4 inn erckanter warheyt beston 5 und fürfaren, wie wir dann bißhar vil trübsal erlitten und noch 6 , inn denen unß denocht gott trüwlich erhallten. Es ist ouch unser herrenn und oberen der statt und deß lands einmütiger will und styfs 7 fürnemmen, by angenomner warheyt mitt gottes gnad ze beharren. Bittend hie, u. f. g. wölle diß unser schryben für gut hallten, unß üch inn trüwen befolhen haben. Dann wo wir üch gedienen und liebs und gfallens thun köndtend, wölltend wir u. f. g. willige sin. Gott beware sy. Datum Zürych, 11. martii 1534. Üwer fürstlichen gnaden underthänige Hanß Rodolff Lavatar, vogt ze Kyburg, und Heinrich Bullinger, praedicant Zürych. [Adresse auf der Rückseite:] Dem christlichen, durchlüchtigen und hochgepornen fürsten und herren, h. Philipsen, lantgraven ze Hessenn etc., irem allergnädigsten herrenn. [335]Ambrosius Blarer an Bullinger Konstanz, 11. März 1534 Autograph a : Zürich ZB, Ms F 62, 31r.-32r. (Siegelspur) Zusammenfassende Übersetzung und Teildruck: Blarer BW I 477f; Teildruck: CSch V 12 Bestätigt, daß der Betrug des französischen Königs Deutschland beunruhige. Schwenckfeld, der in Memmingen fast wie eine Gottheit empfangen wurde, reinigt sich bei Gervasius [Schuler]und Simprecht [Schenck] von Vorwürfen, zürnt Blarer wegen dessen Warnungen vor ihm und täuscht viele Leute. Bittet, Schuler zur Wachsamkeit zu mahnen und herauszubringen, was Leo [Jud]Schwenckfeld geschrieben hat. Schwenckfeld macht mit einem angeblichen Brief an Blarer viele Leute glauben, er habe ihm den Mund gestopft. Mit [Schuler]und andern hat Schwenckfeld über die Trinität, die Fleischwerdung und den verherrlichten Leib Christi diskutiert. Er lehrt Christi Gottheit nach der Auffahrt, die Wort-Werdung des Fleisches, Christi Leiden nach beiden Naturen und die Taufe als Zeichen des christlichen Bekenntnisses. Er behauptet, seine Lehren empfange er aus der Schrift und der direkten Offenbarung. Sobald er [Schulers]Brief beantwortet hat, schickt er ihn. Grüße.
Gratia Christi tecum. Sic est, ut scribis 1 , ornatissime Bullingere: Multum toti Germaniae nostri incommodabit astutissimi et perfidissimi Galli impostura 2 , de qua alias 3 . Nihil enim possum praeter hoc unum, quod C[aspar] Schwenckfeldus Memingae 4 fuit magnifice a consulibus 5 ac caeteris exceptus, quibus ita se personata sua sanctimonia venditavit, ut numen quoddam coelitus ad se delapsum crediderint. Purgavit se multis apud Gervasium 6 nostrum et Simpertum 7 de calumniis, quas sibi a me impactas adfirmavit 8 vehementer mihi iratus, quod ecclesias aliquot admonueram, ne sanctulo illi in speciem et facundissimo homini nimium haberent fidei, ita ut illinc multi ad me scripserint 9 anxie dehortantes, ne porro in hunc modum pergam. S[chwenckfeldum] virum esse bonum ac vere sanctum, cuius omnis vita et doctrina Christum resipiat, dignum, quem christiani omnes observent et adorent. Ita dementavit simplices
istos et bonos homines, ut multis iam laboribus et scriptionibus revellendus mihi sit ex illorum animis. Quod utinam tam feliciter succedat, quam fortiter ego adnitar personam hypocritae detrahere. Tu dominum constanter et ardenter praecare, ut ecclesiam suam ab ista peste plane exitiabili quam primum liberet. Gervasium extimula, hic diligenter advigilet, ne parum prudenti gravis iste lupus turbas det ovibus Christi, id quod et ego pro virili facere nunquam cessavero. || 31v. Accepit Schwenckfeldus literas a Leone 10 . Tu diligenter expiscare a Leone b , ecquid [!] ad hunc scripserit. Nam eas Memmingae nemini voluit legere. Ubi autem resciveris ex Leone, fac me de hoc certiorem. lactat Schwenckfeldus passim apud omnes ecclesias se dedisse ad me nescio quas literas, cum ne greek 11 quidem unquam ad me scripserit. Interim exemplar earum literarum omnibus praelegit 12 , ut credant ipsum os mihi obturasse. Contulit 13 cum Gervasio et aliis verbi minstris de trinitate, de personarum in divinis secretione, de incarnatione, de conditione corporis glorificati Christi, inter quae ista quoque: «1. Der her Jesus Christus hat alles creaturlich wesen durch das crütz und lyden hingelegt, allso das er yetzund nach menschlicher natur nach siner uffart auffhört ain creatur genempt zu werden. 2. Christus ist nach der uffart eben das worden, das gott was. 3. Nitt allain ist das wort flaisch worden, sonder och das flaisch das worden, das das wort was, on vermischung der naturen. 4. Der gantz Christus nach baiden naturen hat gelitten im flaisch» etc. Baptismum non initiationis, sed professionis christianae symbolum esse affirmat. || 32r. Reclamantibus in nonnullis dixit: «Wolan, lieben brüder, ir werdts noch vyllicht alls lernen. Ich hab solich ding nitt allain uss der schrifft, sonder durch die offenbarung des herren» etc. Sed eripit epistolam tabellio 14 . Nunc respondendum mihi est ad Gervasii epistolam 15 . Alioqui hanc ipsam tibi misissem. Sed proxime misero 16 . Tu bene vale et me ama, ut facis. Saluto omnes sanctos. Constantiae, 11. martii anno 1534. Tuus Ambrosius Blaurerus. [Adresse auf der Rückseite:] Clarissimo viro d. Heilreycho Bullingero, venerando fratri in Christo.
[336]Hans Vogler an Bullinger St. Gallen, 11. März 1534 Autograph: Zürich StA, E II 351, 156 (Siegelspur) Ungedruckt Thomas [Gaßner]schreibt ihm, daß Jakob Bedrot aus Straßburg berichte, der Kornpreis sinke und man befürchte den Ausbruch eines Krieges. Vermutungen über einen Angriff Frankreichs auf König Ferdinand. Weiter übermittelte Gaßner Nachrichten über Aktivitäten der Augsburger Räte betreffend die Abschaffung des katholischen Glaubens. Vogler wünscht Zürich Gottes Hilfe. Grüße. Gott mitt unns. Amen. Yn yl. Min gelieptter, mir schript Thoman 1 , prediger zu Lindow, gewiss, daß im von Strassburg schribe Jacobus Betrottus 2 , das kornn schlache vast 3 ab, und habe ain oberkaitt daselbst erst rechtt die sach in die hand gnomen, wie ouch zu Basel. Man besorge aber allgemainlich, es werde ain schädlicher krieg by inen entston, davon er noch disser zitt nitt vyl schriben welle. (Darby hör ich, daß Lutringen und Franckrich ains, fillicht der Frantzos für 4 Franckfurt römschen küng underston 5 etc.) Das ist ein glos 6 etc. Witer hab gmeltem Toman der statschriber 7 zu Lindow mit fröden gsagt, wie im sin schwecher 8 von Ougspurg, der grichtschriber, schribe, daß ain rat Ougspurg jetz 14 tag heftig und streng ghandlett, abzustellen den bapsthum by inen 9 , und syge hüt mitwoch 14 tag verschinen 10 komen uff ain gmain oder grossen radt 11 . Zwifel nit me, es werde alles, so wider götlich warhait, abgstelt etc. Gott welle üch und uns allen sölche werch ingeben, daß wir uns daran och bessren und zunemen. Es gschech, daß wir unns unser[s] thons schämend oder us lieby bewegtt. Das wünsch ich von gott, Zürich sonders. Grützend mir üwer husfrowen 12 und muter 13 . Actum S. G[allen], yl, mitwoch vor letare anno 34 jar. Ü[wer]w[illiger] Hans Vogler, jetz S. Gallen. [Adresse auf der Rückseite:] An min geliepten M. Hainrichen Bulligern, prediger Zürych, zu handen.
[337]Bullinger an Oswald Myconius Zürich, 12. März 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342, 30r.-v. (Siegelspur) Gedruckt: Füssli I 121-123 (Nr. 33) Myconius hat ihm vor kurzem zwei Dinge ans Herz gelegt: er solle den französischen König [Franz I.] nicht allzu negativ beurteilen, und er möge die Wiederherstellung des Geheimen Rates in Zürich bedenken. Bullinger weiß nicht, was er dazu sagen soll. Der König heuchelt Wohlwollen gegenüber den Anhängern der Reformation, nur um seine selbstsüchtigen Machtziele in Italien zu erreichen; Gutes ist von ihm nicht zu erwarten. Der ehemalige Geheime Rat von Zürich mußte nach dem verlorenen Zweiten Kappeler Krieg auf Wunsch der Zürcher Landschaft beseitigt werden; vielen ist der Gedanke an seine Wiederherstellung verhaßt. Bullinger hofft dennoch, daß dieser Artikel des [Meilener]Abkommens, wie bereits andere vorher, mit der Zeit außer Kraft gesetzt werden kann, vielleicht wenn der von den Frommen Gewünschte [Hans Rudolf Lavater] tatsächlich zum Bürgermeister gewählt wird; im Augenblick läßt sich jedoch in dieser Sache nichts tun. Sendet Myconius seinen Kommentar zu den Petrusbriefen zu. Besuch und freundliche Aufnahme von vier Berner Landvögten in Zürich. Grüße. Auf Wunsch der Armen und der Pfarrerschaft hat der Zürcher Rat erlaubt, daß beim Rückkauf von Kernengülten das Mütt mit 20 Gulden abgelöst wird. S. Gratiam et vitae innocentiam a domino. Duo monuisti in postrema illa tua epistola 1 , prius, ut non omnino desperem de Gallo 2 , posterius, ut de senatu clanculario 3 restituendo cogitem. De utroque quid respondeam, ignoro. Nam de Gallo, homine impuro, prophano et ambitioso quid boni mihi pollicear, nescio. Si quid simulat, non Christi et veritatis nomine, sed ambitionis gratia simulat. Recte enim tu dicis 4 , quod Italiae cupiat esse dominus. Id sane ambit, interim neque Christum neque Germaniam tanti facit. Insignis ille veterator 5 , qui nuper multa mecum commentabatur de regis instituto nec dubito quin ex primorum Galliae mandato, tandem adiiciebat: «Der kunig möcht lyden, was gloubens man hette, nun 6 das er herr inn Italia were.» Hanc mihi sententiam expende. Senties, quam impius sit, qui pro insatiabili illa sua imperitandi libidine quidvis et pati et facere paratus est. Sed quid hic nobis sentiendum, ipsa docebit res. Interim ne quid temere approbemus vel improbemus. Grata sunt, quae tu mihi in diem super hisce rebus scribis. Nam et imprudentiorem efficiunt circumspectiorem. De senatu clanculario restituendo a nihil mihi polliceri ausim, cum quod non uni, sed multis sit adversum, tum quod post infaustam illam cladem nostram ager noster a civitate impetrarit tabulas 7 , quibus haec illi b stipulata est posthac se nullum constituturam senatum clancularium. Sed novimus, unde
istud emerserit consilii 8 . Infregimus hactenus nonnulla, quae eadem pactione erant ultro citroque recepta 9 Forsan deo duce et hanc . impiam pactionem rumpemus, tum maxime, cum dominus nobis consulem 10 propediem dederit c , quem omnes pene pii maximis optant votis. Nihil certe perinde velim nec quicquam nobis vel utilius vel magis necessarium crediderim quam senatum clancularium, sed hodie nihil hac in re promoverimus. Mitto tibi commentarios nostros in utramque epistolam Petri 11 , in quibus si quid desyderaveris, indica. Praefecti Bernenses, Lentzburgius, Küngsfeldius, Arburgius et Schenckenburgius 12 hisce diebus Tiguri fuerunt, ut amicitiam inirent cum || 30v. viris aliquot bonis. Illos senatus noster et delectus optimorum virorum triduo quam familiarissime tractav[erunt]d 13 . Deus faxit, ut propediem toti coalescamus. Vale. Tiguri, 12. martii 1534. Salvum te vult Utingerus, Steinerius, Theodorus 14 etc. Hein. tuus. Was die unßernn 15 inn dem kouff der kernen güllten 16 nachgelassen 17 reclamantibus nobis 18 , wüssend ir. Uff anrüffen und ernstlich pitt der armen inn stadt unnd land habend sy na[ch]gelassen e ein müt 19 kernen gällts mitt 20 guten guldin ze kouf[fen]f .
[Adresse darunter:] Clarissimo viro d. Oswaldo Myconio, Basileiensis ecclesiae antistiti primario, suo in domino charissimo fratri. [338]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 14. März 1534 Autograph: Zürich StA, E II 360, 9 (Siegelspur) Teildruck: Corr. des réformateurs III 149-152 Empfiehlt Simon Sulzer, der Bullinger und dessen Amtskollegen zum ersten Mal besuchen wird. Bullinger soll ihm alles für Haller Wissenswerte mitteilen, auch eigene Pauluskommentare und die von Theodor Bibliander zu den Propheten mitgeben. Sulzer wird über die Lage in Bern berichten. Hallers Äußerungen über das Karnevalstreiben in Zürich wurden von einem der Zürcher Delegierten in Bern, [Rudolf?]Stoll, unfreundlich aufgenommen. [Guillaume]Farel predigt in Genf mit Erfolg. Reformationsunruhen in Genf: Bei der Verhaftung eines Mörders, nämlich des bischöflichen Beamten [Claude Pennet], wurden in der bischöflichen Verwaltung Briefe gefunden, in welchen die Ernennung eines Statthalters durch den Bischof und die Vernichtung der Evangelischen in Genf vorbereitet worden sind. Ein Komplize [Jean Portier]ist wohl auch schon hingerichtet. Ein Mönch aus Paris [Guy Furbity], der heftig gegen die Anhänger der Reformation gepredigt hat, wurde von den in Genf anwesenden Berner Abgeordneten verklagt und soll jetzt, nachdem er von Farel und Pierre Viret in einer Disputation besiegt wurde, vom Genfer Rat zur öffentlichen Rücknahme seiner Irrtümer gezwungen werden. Da er sich jedoch weigert, wird er in strenger Haft gehalten. Da viele Mächtige, auch Kleriker, Genf verlassen haben, ist die Stadt in Gefahr. Ihre Kriegsschulden an Bern sind noch immer nicht bezahlt. Haller bittet um Bullingers Kommentare zu den Petrusbriefen und zum 2. Korintherbrief. S. Habes hic Simonem Sultzerum mihi charissimum, ornatissime Heinrice, quem eo libentius vos volui inviseret, quo certior eram propter me tibi non ingratum fore hospitem. Is, quicquid rerum nostrarum scire desideraveris, in promptu votis tuis satisfacere poterit. luvenis est, sed pius et ingenio praeditus ac eruditione non paenitenda. Cupit vos, qui Tiguri docetis et praelegitis quorumque studia ubique commendantur, audire, amicitia et familiaritate coniungi et eruditior reddi. Quicquid igitur huic communicaveritis, et mihi quoque erunt communia, qui semper domi cogor in angulis meis mussitare. Rationem legendi prophetas, quam ex Theodoro 1 hausistis, illi indicabitis. Et nunc videbo, quando tandem a te impetravero, quod denuo pollicitus es 2 , vel tua in Paulum 3 vel Theodori in prophetas annotationes 4 . Tibi certe post deum debeo, quod uno nunc anno in multis plus profecerim quam antea tribus
aut 4. Lectionis enim et studiorum rationem nullam habebam 5 . Ne itaque mihi desis, charissime frater, qui prodesse maxime poteris. Deinde age, ut in Pellicani, Theodori, Leonis 6 , Carolstadii, Binderi familiarium ac amicorum numero inscribatur. Qua ratione autem factum sit, ut hoc tempore ad vos venerit, coram referet. Multa hactenus ad te scripsi, sed necdum verbo respondisti. Silentio tamen tuo non defatigabor nec facile movebor, quod sciam animum tuum in me semper integrum et syncaerum tantaque tibi et publica et privata negocia, quibus merito neniae meae cedant. Si quid unquam a me voles, impera et iniunge, ut vel semel experiaris tuum minimum nummisma 7 . In summa: Et me et symmistas, et privata et publica tam civilia quam christiana negocia is 8 facile tibi exponet, quoniam omnibus nobis familiaris est. Stollius 9 vester mirum in modum mihi displicuit. Indignabatur a ferme, nisi male iudicem, quod Habio 10 publico tabernae hypocausto loquebar de episcopatu Klotz Ascher 11 aliisque larvalibus ludis, quibus apud vos indomita plebs carnispriviales celebraret dies 12 . Nec amplius conveni ullum illorum legatorum 13 . Gebennis Farellus 14 duobus fere mensibus in aula quadam libere praedicavit, nunc vero publice docet in templo Minoritarum 15 . Magna siquidem [!] proditio apud eos retecta est, quod mirum in modum pontificios deiecit.
Capto enim homicida, episcopi Gebennensis 16 oeconomo 17 , per tumultum 18 invente sunt literae in oeconomiae episcopalis edibus, quibus literis - et iis quidem mire prolixis - senatorem Friburgensem 19 in vicarium spiritualem subordinaverat, qui potestatem haberet propellendi et occidendi pios quosque edictis, item plebem gravare, ne Christi nomen inter eos audiatur. Immo nominavit nebulo ille cives quosdam pios mox plectendos capite, ubi primum inauguratus esset is officio suo 20 . Hoc itaque interempto superest alius eiusdem farinae proditor 21 , quem suas iam luisse penas crediderim. Fuit interea monachus 22 quidam Parisinus, insignis Thraso 23 , doctor, totus theologaster
vero Eccianis 29 argumentis 30 , tandem ab his duobus 31 tercia die convictus est, ut iam suo fateretur ore coram senatu et diacosiis se scripturis probare non posse ciborum, dierum, vestium, temporum et personarum delectum et alia, quaecunque pontificum et conciliorum decretis in ecclesiam invecta essent. Hinc legati iusticiam dici petentes - a senatu et diacosiis decretum est, cum suo ore palam errorem fateatur, quatenus ad pulsum campanae in summo templo 32 pro suggestu palinodiam cantet. Monachus, cum egre assentiret et iam in templo recantandum esset scheda sibi praescripta, cepit multis conqueri de iniuria sibi collata. Quo indignati legati Bernenses palam coram plebe iuxta sententiam senatus palinodiam exegerunt. Quod cum plebs intellexisset, ruit in monachum magno impetu et clamore, ita quod [!] nisi legati Bernenses miserum hominem defendissent, ab iis in frusta cesus fuisset. Coniectus itaque est in carcerem teterrimum, donec id libens faciat, quod senatus decrevit. Aliud novi nihil habeo. Hoc supra omiseram: Multi ex potentioribus, item canonici retecta proditione urbem deseruerunt. Ita sunt Gebennenses magno expositi periculo. Nondum solverunt urbi nostrae 9000 coronatos 33 de bello praeterito. Pro quibus solvendis laborarunt hactenus legati, sed frustra. Reliqua Sultzerus.
Vale b , charissime Heinrice, et me tibi commendatum unice ama. Audio in Petri epistolas tuas commentationes esse impressas 34 , ego vero in Corinthios expectabam 35 . Quicquid id sit, modo habeam. Rursum vale cum symmistis et coniugibus. 14. martii anno 34. Tuus B. H. [Adresse auf der Rückseite:] Heinrico Bullingero, ecclesiastae Tigurino doctissimo, fratri suo omnium longe charissimo. [339]Bullinger an Joachim Vadian [Zürich], 17. März 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342,25 (Siegelspur) Gedruckt: Vadian BW V 15Sf [Ammann Hans]Vogler ist zu einer Geldbuße verurteilt worden. Bullinger klagt, daß [in rheintalischen Angelegenheiten] die reformierten Orte überstimmt werden. Schickt seinen Kommentar zu den beiden Petrusbriefen und bittet um rasche Ausgabe von Vadians Epitome. [Rudolf]Stoll ist nach Bern gesandt worden, wozu, ist nicht bekannt. Gratiam et pacem a Domino. Voglerus ille noster, quem tu mihi commendabas 1, praeter ius et phas mulctatus est 2 , et in mulctam illam coactus est nuncius 3 ille noster consentire, nisi calamitosius quidpiam tergiversatione sua voluit admittere. Ita suffragiorum pluralitate 4 vincimur adeoque et in res foedas a turpissimis istis rapimur, ut provinciales isti miseri a nobis vel prorsus deserendi illorumque
Mitto tibi commentarios nostros in epistolam Petri utramque 9 effusos verius quam scriptos in hisce negotiorum turbis. Quam vero optarem Epitomen 10 illam tuam hodie esse aeditam! Sed et nunc quoque oro, aeditionem matures. De rebus nostris nil possum certi scribere. Mittitur hodie Bernam Stollius 11 , at cuius rei gratia, nondum potui expiorare. Vale et me, ut facis, ama. 17. martii 1534. H. Bullingerus tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Clarissimo viro doctori loachimo Vadiano, domino suo plurimum observando. [340]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 21. März 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 26 (Siegelspur) Ungedruckt Wird das ihm durch Balthasar und David überbrachte Material gut durchsehen. Mußte auf Drängen der verfolgten Solothurner Reformierten über Frieden und Krieg predigen. Hat über das rechte Verhalten der Obrigkeit gesprochen. Es stellte sich auch die Frage, ob es nicht richtig wäre, den unterdrückten Glaubensbrüdern mit Waffengewalt beizustehen. Aus Paris hört man Schlimmes. Seit der Annäherung des Papstes an Frankreich [durch die Heirat Katharinas mit Heinrich]sind [Noël]Béda und andere «Sorbonnisten» nach Paris zurückgekehrt. Die Bücher von Erasmus und Melanchthon sind verboten worden, und Verfolgungen haben eingesetzt. Unterdessen ist der Landgraf [Philipp] von Hessen in Lothringen [in Bar-le-Duc]mit dem französischen König [Franz I.]zusammengetroffen. Einige sprechen von einem großen Truppen- und Geldangebot des Königs. Andere reden von einer Heirat zwischen dem jungen Herzog [Christoph] von Württemberg und der Tochter des Herzogs von Lothringen, [Anna]. Der Schultheiß [Hans Jakob von Wattenwyl]glaubt an eine französische Betrügerei auf Kosten des Landgrafen. Auf Ostern werden in Bern wohl acht neue Räte gewählt werden müssen. Befürchtet, daß [Wolfgang von]Wingarten wegen Ehebruchs abgesetzt werden muß. Hofft auf gute Wahlen. Simon Sulzer wird bei Bullinger gewesen sein und ihm berichtet haben. Segenswünsche. Wegen Lenzburg wird er zeitig von sich hören lassen. Basel hat ein Glaubensbekenntnis angenommen. Fragt Bullinger, ob Bern dem Beispiel folgen solle.
Gratiam et pacem a domino. Ich hab, allerliepster herr und bruder, von Baltazar 2 und David 2 enpfangen ein gantzen huffen a 3 , das mich hoh erfreuwt, und imm hertzen, dann ich immerdar gspür ein getrüwen warhafften bruder an dir, dem min unwissen und b anligen och dermassen ze hertzen gatt, das ich nitt meer zumuten könde. Ich wil mitt guter muß 4 alle ding besichtigen 5 . Der fünf positionen halb, die aller dingen ein summarium sind, bin ich wol zefriden 6 ; dann wie ich dir darum geschriben, hett sich in mittler zit zutragen uss dem stupfen 7 und anwysen 8 der lidenden Salodurneren, daß ich von frid und krieg hab söllen und mussen predigen 9 Hab ich den handel 10 nitt uss sömlichem wol gegründtem 11 grund an die hand genommen von 12 testament und kilchen, sonder vom magistrat, in der alten kilchen ingesetzt, von Christo und den apostlen bestätiget, und der gsetzt in ducem pacis et belli und äben 13 das beschlossen 14 , das och du; gilt desßhalb din geist minem kleinfügen 15 gwaltige zügnus 16 . Und manglen äben 17 noch einß, diewil Solodurner unser brüder dess globens halb sind und von irem magistrat von dem evangelio getrengt und in vil wäg genötiget werdent 18 ob unserm magistrat gezimme, sin läben darzestrecken 19 wider die atheos 20 Salodurenses 21 , zu hilff der undertruckten. Faedera equidem hoc non possunt 22 nec civitas illa. Sed quid iuxta dei verbum liceat, uno verbo significabis. Lieber, verzih mir minen überlangen schriben. Ich kan nitt anders. Ich wen 23 , wie all puren thund, min nott sölle jederman anligen 24 , wie mir selbs.
Von Pariß hab ich vernummen, daß es träffelich 25 übel statt. Sid desß bapsts früntschafft 26 sind die vertribnen Sorbonisten als Beda 27 und ander 28 ze Pariß wider ingelassen. Erasmi und Melanchtonis d alle bücher, och grammatica, verbotten 29 . Ein gruselich persecution angfangen 30 . In mittler zit ist Cattorum princeps selbs apud regem Galliarum in Lothoringia gsin 31 . Was da ghandlet, weist man nitt. Etlich sagend, er hab Cattum zu eim hoptman über 10000 fusknecht und 2000 reisiger 32 gesetzt und gäbe imm 40000 kronen järlichen 33 . Etlich sagend, er habe ein bruttloff 34 gemacht mitt dem jungen hertzogen von Wirtemberg 35 und desß Lutringers tochter 36 . In summa: Huius persuasus est consul 37 imposturae Gallicae doctissimus, Cattum seduci et decipi. Proinde cavendum illi, ne Gallo quippiam fidat. So vil hör ich von den dingen sagen. Es gat uns übel mitt unserm magistrat. Ich glob, man werd uff ostren 8 senatores nüw müssen setzen 38 . Timeo pandaretum Wingarterum ob scortationem amovendum. Orate omnes, ut dominus spiritu suo electorum corda dirigat.
Ich acht 40 , Simon Sultzerus sye nun by dir gwäsen 41 , hab dir och anzeigt, so vil er gewist. Alle ding wil ich dir eigentlich 42 und gar bald schicken 43 . Salvi sitis, omnes concionatores et lectores. Lentzburg halb wil ich noche sinen 44 und dich zittlich gnug lassen wissen Es habend die Baßler ein confession dess globens den iren angemutet 46 . Meinend ettlich, wir söllends by uns och thun. Möcht dich wol darumm hören. Sobald ich bottschafft han, wil ich aber schriben. Vale. In grosser iI. 21. martii anno 34. Tuus B. H. [Adresse auf der Rückseite:] Heinrico Bullingero, ecclesiastae Tigurino doctissimo, fratri charissimo suo. [341]Oswald Myconius an Bullinger Basel, 23. März 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 60 (Siegelspur) Gedruckt: Füssli I 127-129, Nr. 35 Keine neuen Nachrichten; bald kann er Sicheres von König [Franz I. von Frankreich]berichten. Sundgauer und Breisacher gegen Herzog [Ulrich] von Württemberg. Myconius kennt wohl die Gottlosigkeit von König [Franz I.], nämlich daß dieser sich kaum um das Vergießen von Menschenblut kümmert, solange er nur seine Wünsche befriedigen kann. Es ist nötig, auf die Wiederherstellung des Geheimen Rates in Zürich hinzuarbeiten, obwohl die Aussichten auf Erfolg zur Zeit gering sind. Die Beschlüsse der letzten Tagsatzung wurden den Baslern, die daran nicht teilgenommen haben, zugesandt; zu den schönen Worten mischen sich darin dumme und hochmütige, wonach die V Orte den Landfrieden, aber auch das neue Bündnis mit Solothurn halten wollten, was ein Widerspruch ist. Myconius dankt für Bullingers Geschenk: [Kommentar zu den Petrusbriefen]. Freilich wurde Bullingers Behandlung der Frage, ob Petrus je in Rom gewesen sei, von einem Basler Diakon kritisiert und eher das Buch des [Ulricus Velenus] gelobt, der die Anwesenheit Petri in Rom bestreitet. Dank für Heinrich Utingers Brief. S. Novi nihil habeo propediem habiturus. Tunc intelliges certius aliquid de rege 1 . Sungaudienses et Brisacenses 2 delectus hisce diebus militum habuerunt propter Wirtenbergensem 3 non ut exercitum ducturi contra illum, sed ut se defensuri, si quis ipsis bello molestus esse vellet. Timent fratrem ducis
Impietatem vero regis non nunc tandem scio, sed olim, ubi pervidi, quam nihil curet sanguinem humanum tantum, ut suo satisfiat animo 5 . tum quid est, quod hominibus nullius frugi tantum pecuniae distribuit, si ambitio ex impietatis fonte non est? Sinamus hunc in praesentia. De senatu clanculario 6 restituendo laborandum est, ni tui huc sint miseriarum prolapsi, ut spes omnis de reponendo sit amputata. Colloquutus sum cum quibusdarn e nostris 7 . Illi responderunt, quod res est, instigando posse tandem obtingere, quod nunc haud queas sperare. Chiburgensis 8 , quem scis, quid posset hic, ipse nosti melius 9 . Rustici sponte sua non venient, persuasi vero. Qui scis, quid facturi essent, maxime, postquam nossent, quam ea res impiis et Molosso 10 , ut vocat Utingerus noster, contraria sit. Tu vide cum bonis viris, ne quid hic omittatur et in tempore fiant omnia, prout vides esse necessarium. Praeter haec consensus proximorum comitiorum 11 missus est ad nostros. Nam praesentes non fuerunt. Blandiciis agitur, petitur, certis de causis ad proxime futura veniant 12 . Interim tam stulta miscentur et temeraria, ni potius superba velis, ut satis mirari non possim, nempe quod Quinque Pagi velint custodire foedera, pacem nuper factam et novum ius, quod cum Salodorensibus de civitate pactum sit 13 . Si postremum hoc servare in animo est, quomodo servabunt pacem, cum hoc ipsum pactum sit contra fidem nostram? Quomodo servabunt pacem, cum haec prohibeat mire nova foedera, novas, ut ita dicam, civitates 14 ? Si stultitia est aut temeritas, supra modum est, si superbia, non dubito, quin deus aliquando sit contra superbiam tantam manum suam [!] fortiter usurus 15 . Haec scribunt, postquam inter articulos posuerunt causam Salodorensium. Breviter: Hoc video, ni modus hic, quo nos magis magisque stringunt in dies, rumpatur, actum esse propediem de salute. Ago gratias insuper de dono tuo 16 quas possum maximas. Utinam detur,
ut reponam aliquando, quae tam liberaliter hactenus contulisti! Adiiciam unum: Offendit ex diaconis meis quendam 17 , quod plus credis 18 scriptoribus quam argumentis certissimis, quae ex Paulinis literis producta sunt olim a nescio quo de Petri conversatione, qua Romae fuisse negatur 19 . Equidem non vidi adhuc, nec argumentum tale est, ut videatur multum illic esse collocandum operae. Verum is, quem offendit, novit libri authorem, virum certe, ut ipse dicit, magnum, quare nohlet aliquid in contrarium esse productum. Sine offensione multorum enim non putat istud exiisse. Haec obiter. Tu vale semper in usum reipublicae christianae. Utingero gratias ago propter literas 20 ad me. Rescribam, ubi tempus nactus fuero. Basileae, proxima post judica anno 34. Myconius tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Heinricho Bullingero, amico sincerissimo et fratri in domino suo. Z[üric]h a . [342]Georg Distel an Bullinger [Zofingen?] , 28. März 1534 Autograph: Zürich StA, E II 355, 57 (Siegelspur) Ungedruckt Dankt für Bullingers Gruß und alle seine Guttaten. Die Solothurner Obrigkeit zwingt die Reformierten zum Besuch der Messe, was diese verweigern. Deshalb wird ihnen verboten, ihrem Verdienst nachzugehen. Bittet, ein Exemplar des Petrusbriefkommentars aufzuheben. Grüße. Gnad von gott durch Cristum Jhesum. Amen. Darzu min undertanig, alltzyt wyllig dienst sye üch alweg zuvor, fruntlicher herr gfatter und lieber preceptor. Ich danck uch undertänigklich des fruntlichen gruß 2 mit dem wortzeichen 3 , so ein Venedisch geht ist 4 , darzu ouch aller andren guttätt von gott durch uch mir bewisen etc
Ich laß uch warlich wyssen, das der gwalt 5 zu Solaturn den cristenlichen personen 6 , so daselbs seßhaft, zugemutet und gebotten, das sy wie die bapstler das sacrament enpfahen sähen etc., das sy gar nüt thon wellent, ee darumb den todt ze lyden. Darum ynnen verbotten alle gwin und gwerb 7 und also nidergelegt 8 . Das ist geschehen in der wochen vorm palmtag etc. 9 Ir wöllent mir ouch ein Petrum 10 kalten 11 . Den wyll ich uff den meyen reichen 12 , so gott wyll. Grießent mir uwer hußgesind und alle brieder. Datum in vigilia palmarum anno etc. 34. Ieorius Distellius tuus obse[quentissimus]. [Adresse auf der Rückseite:] Dem trüwen und wolgelerten Meister Heinrich Bullin, predicant zu Zürich etc. [343]Oswald Myconius an Bullinger [Basel], 29. März 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343,61 (Siegelspur) Ungedruckt Empfiehlt den ungenannten Überbringer des Briefes, dem man die Antwort der Zürcher ruhig anvertrauen kann. Der Brief des Basler Rates an Zürich ist eher allgemein gehalten, da die Geheimhaltung durch das Fehlen eines Geheimen Rates nicht gewährleistet ist. Die Gegner nützen die Uneinigkeit der reformierten Orte aus. S. Quicquid qui 1 meas has reddit, tecum communicabit, in mandatis habet. Quamobrem ei credito et, quod poteris in hisce negociis 2 , exhibeto, ut aliquit certi ferat responsi. Vir talis est, ut omnes omnia bona de ipso a sperent. Scripsit senatus noster ad tuos 3 , sed in genere, reconditiora haec multitudini non ausi concredere, quod effluant omnia mox, ubi sunt cognita. Vides ad quidnam esset senatus, de quo nuper 4 , clancularius. Discordia illa nostra 5
quid aliud quam nos pessundabit, si illi voluerint? Oppriment enim imparatos, consiliis et omnibus rebus carentes. Orabis cum tuis deum, ut nobis succurrat. Vale per Christum. Basileae, in die palmarum anno 34. Os. Myconius tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Heinricho Bullingero, amico primario suo. [344]Bullinger an Oswald Myconius [Zürich], 31. März 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342, 31 (Siegelspur) Gedruckt: Füssli I 130f, Nr. 36 Über die Aussichten auf Wiederherstellung des «Geheimen Rates» in Zürich hat er bereits geschrieben. Was er vom Abgesandten Basels erfahren hat, teilte er einigen Zürcher Ratsherren mit, die sofort Kundschaften aussandten; denn bisher hatten sie keine Nachrichten über Truppenbewegungen in Italien erhalten. Der Abt von Einsiedeln will Pfarrer [Hans Keller] von Weiningen wegen Schmähungen gegen die Messe und den Landfrieden vertreiben. Den Rest wird [ein (?)]«Scholasticus» berichten. In der Frage, ob Petrus in Rom gewesen ist oder nicht, verläßt sich Bullinger eher auf die Kirchenväter als auf die Folgerungen des [Ulricus]Velenus; er wollte sich [in seinem Kommentar zu den Petrusbriefen]nicht festlegen, hält die Frage auch nicht für wichtig. Grüße. Im Gefängnis werden zwei des Verrates Verdächtigte verhört [Hans Leemann und Jakob Graf]. Gratiam et pacem. De senatu clanculario 1 apud nos instituendo quid in praesentiarum sperari possit, monui superioribus literis 2 per Christophorum Froschowerum plura colloquutus coram cum modestissimo et piissimo illo, quem misistis, viro 3 . Cuius mandata communicavi quibusdam nostrae urbis primoribus. Qui protinus expioratores amandarunt Uriam 4 et alios, qui de exercitu percontentur Italico. Neque enim huius generis vel greek monuere Sangallenses aut alii, quibus Italicae merces et consuetudines quotidiananae. Interim non contemnimus monitionem amicam, imo gratias agimus porro petentes, ut alia quoque huius generis ostendatis. Idem sumus et nos facturi, si quid videbitur monendum. Adoritur iam Heremitamus abbas 5 pastorem Winingensem 6 , ut loco pellat, quod missam et pacti nuperi placita videatur indignius proscidisse. Die
manschafft 8 ist Gerold Meyers 9 kinden 10 , das blut vogts ze Baden 11 , das lähen und nidere grycht deß appts 12 , Id fortassis coepit quorundam consilio, nimirum Svitensium, ut commodius nos bello vel iuridica actione vexare possint. Caetera scholasticus 13 . Negotium de eo, quod Petrus Romam vel viderit 14 vel non vident, in nullius tractavi 15 praeiudicium, sed ut rem dubiam et in qua parum utilitatis est, si pietatis summam spectemus, dubiam reliqui, ut quisque suo sensu abundet 16 . Ego vel hodie vetustis patrum monumentis plus crediderim, si in alteram partem inclinandum sit, quam Veleni 17 coniecturis, neque vero me in hac causa levicula quisquam coget iurare in verba Veleni 18 . Sed quid ego te hisce obtundo? Lege, quae scripsi, et invenies me nihil in aliorum scripsisse praeiuditium. Tu vale, charissime frater, una cum patre nostro 19 amantissimo, cui plurimas agunt boni viri gratias pro illa insigni pro nobis diligentia. Ultima martii 1534.
Wir habend zwen vogel in der gfängnuß für verräter 20 . Mag noch nitt wüssen, was sy singen werdent; hüt hatt man inen die seyten trüwlich gespannen etc. Tuus Hein. Bullingerus. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Oswaldo Myconio, fratri charissimo et domino plurimum observando. [345]Ambrosius Blarer an Bullinger [Konstanz], 31. März 1534 Autograph a : Zürich ZB, Ms F 62, 38r.-v. (Siegelspur) Zusammenfassende Übersetzung und Teildruck: Blarer BW I 480f Freut sich über Leo [Juds]Entscheidung [gegen Schwenckfeld]. Hat Bullingers Brief an Gervasius [Schuler] gesandt, der sich nicht verführen ließ. Schwenckfeld ist von vielen entlarvt worden und zürnt deswegen Blarer sehr. In Augsburg hat Musculus nichts mit Schwenckfeld zu tun, während Bonifacius [Wolfhart] ihn zu sehr begünstigt und beherbergt. Blarer dankt für Bullingers Kommentar [zu beiden Petrus-Briefen] und berichtet aus einem Brief des Ulmer Bürgermeisters [Georg Besserer]über einen Städtetag in Ulm und ein Bündnis von Augsburg, Nürnberg und Ulm. Grüße, besonders auch von der kranken Tante [Elisabeth Blarer], die Bullinger und Pellikan [1533]besucht hatten. Bittet, sich bei Bürgermeister Röist über Bernhard Sapidus, den Pfarrer im Sindelfinger Kloster, zu erkundigen. Gratia Christi tecum. Gratulor totis animis Leonem 1 adeo totum nostrum esse 2 ac dominum precor, ut velit id eum esse nobis perpetuo. Gervasio 3 misi tuas literas 4 per quendam 5 , qui suas 6 mihi reddiderat, quibus satis indicat, quam non sit captus picturatis istis verborum lenociniis. Schwenckfeldus non puto diutius fictam hanc personam substinuerit. Apertus prodire cogetur tot semel impellentibus et larvam detrahentibus 7 . Mihi iratissimus est, quod se apud tot ecclesias traduxerim. Mihi sat est, si propicium habeam Christum. Praestat certe unum S[chwenckfeldum]vel totum perire quam tot fratres ipsius ludificationibus decipi, quamquam et ipsum servatum cupio, si possum. Augustae dignam se sedem invenit 8 , quando illic cuivis quidlibet licet. Musculo 9 nihil
rei est cum viro. Unus Bonifacius 10 impensius favet communicato etiam hospicio, qua re multum etiam autoritatis illi conciliat apud multos, maxime vulgus.
Pro luculentissimis ac prorsum eruditis commentariis tuis 11 gratiam, quam possum, tibi habeo miratus tuam illam divinam foecunditatem, qua alia super alia magno ecclesiarum dei fructu divulgas. Nos steriles hac quidem in re 12 molestissimis ac odiosissimis negociis perpetuo distringimur, et sequendum tamen, quo vocat dominus, cuius me voluntati totum permitto. Consul Ulmensis 13 nudius tertius in haec verba inter caetera ad me scripsit: «Die püntischen stett 14 sind die tag hie gewesen, haben ain tag gehalten 15 und sich freuntlich mitt ainander bereddt, doch nichts beschlossen. Es will nitt yederman gelegen sein, sich mitt den päpstischen stetten und sonder mit denen, die brieff und sigel nitt halten b 16 , einzulassen in anichen 17 verstand 18 . || 38v. Man soll mehr uff gott und ehr sechen dann auff ain flaischliche che hand 19 . Gott geb gnad in dem und andern. Augspurg, Nürenberg und wir haben unßer pundtnuss volstreckt 20 . Hoff, es solle für unß und all ander erber 21 stett sein, das man dest minder etwas gegen in 22 fürnemen sölle.» Hactenus ille. Tu, mi charissime et optime frater in Christo Iesu, cum castissima coniuge 23 ac tuis omnibus feliciter vale. Commenda me omnibus fratribus, inprimis Pellicano, pientissimo pectori, Leoni 24 , Theodoro 25 , comitibus tuis et reliquis. Salutant vos et commendari vobis cupiunt nostri omnes, praecipue
uxor 26 , frater 27 , soror 28 , patruelis 29 et aegrota illa amita 30 , apud quam cum Pellicano fuisti 31 , quae inter acerbissimos dolores vestras sacras precationes anxia flagitat, ne tanta cruciatuum pertinacia frangatur tandem, quod absit christiana tolerantia. Mirum defectae iam aetatis mulierem tot malis perferendis sufficere posse. Iterum iterumque vale. Ultima martii 1534. Fac, roges ex consule Röstio, num secum iam sit aut fuerit hisce diebus Bernhardus quidam Sapidus 32 , parochus apud Syndelfingenum canonicorum regularium coenobium 33 . Nam scire istuc vehementer aveo. Caussam suo tempore cognosces. Affirmavit hic vocatum se a Röstio Tigurum, quod consobrinus illi sit 34 etc. T. Ambrosius Blaurerus. [Adresse auf f. 39v.:] Clarissimo viro d. Heinricho Bullingero, Tiguricensi episcopo, observando fratri in Christo. [346]Johannes Stumpf an Bullinger Bubikon, 31. März 1534 Autograph: Zürich StA, E II 340, 63r.-64r. (Siegelspur) Ungedruckt Die Mönche von Rüti haben den Pfleger [Hans Kilchrat]in Zürich verklagt. Bei der Untersuchung fällt dann die Klage dank Intrigen der Mönche auf die wehrlose Frau des Pflegers, die das üppige Leben der Mönche kritisiert hat. Diese stehen aber bei der Obrigkeit in Gnade, und statt daß sie für ihr Vergehen am Pfarrer von Wald [Martin Manhart]bestraft werden, wird nun der unschuldige Pfleger zur Rechenschaft gezogen. Stumpf bittet um Bullingers Einflußnahme zugunsten des Pfarrers von Wald.
Gratiam et pacem a deo patre et domino nostro Iesu Christo etc. Lieber M. Heinrich und bruder. Uff die nechstverschinen 1 beschrybung 2 der münchen von Rütti 3 ist unsers bedunckens nüt anders gehandlet, dan wie man denn frommen pfleger 4 dannen thun 5 und die lieben herren mit eym andern versehen möchte, der irs mels were a 6 , dan sy den gutten man vor den rechenherren 7 hoch verklagt habend, und als man in solt dargegen hören, waß die zyt, uffzewüschen 8 . Uber das habend unßer herren ein bottschafft heruff geschickt, alle handlung des pflegers zu erkonnen 9 . In mittler zyt aber habend die münch das felt beritten 10 , alle knecht, megt und hußgsyndt im closter dem frommen man ungeneigt gemacht und angericht, uber den pfleger zu klagen. Und als gemelt unser herren die münch und alles hußgsind verhort, habend si nüts anderst funden (als 11 ich verston), dan das er frommklich 12 und wol gehandlet habe, und kan sich niemand ab im klagen. Allein das wyb 13 hatt den schaden thon. Diewyl nun des pflegers wyblin das lob 14 Zürch 15 gehept, das es räß 16 sy, habend die lieben herren 17 vermeynt, destbaß mit irer klag zu schaffen 18, und hatt doch das arbeitselig 19 wyb keynen gwalt 20 im closter, ouch mit den münchen nützid zu schaffen. Aber unser herren sollend also die leckers buben 21 von eynem arbeitseligen wyb klagende hören und von eins wybs wegen bottschafft heruff schicken, und aber alle klag synodi der ertzbuben halb soll nüt beschüsßen 22 ! Also tüff steckend die schölmen im regimenth 23 mit iren gaben und durch ire jegery 24 . Die fürnemist ursach aber, darumb sy ab dem wyb klagend, ist, das sy ungedultig 25 ist, wen die münch by dißer grosßen, erbermblichen thüwrin so ein grosßen huffen hund spyßend. Den lochhündlinen 26 muß man (so man
sonst erbßen oder linßen kochet) eyner anderley muß kochen, mit ancken 27 überschütten und zu fresßen geben, mit grosßer ergerniß und verletzung aller frommen und armen gotteskinder. Ja das klagt das arm wyb. Iro gefalt nüts der lekers buben hußhalten, und redt inen zu zytten darin. Das truckt sy, und so man den luwren 28 folgen will, müeste man den pfleger endern 29 || 63v. an den man doch kein ander ursach weyßt, dan das er fromm und gottsforchtig und ein liebhaber der warheit ist. Den solt man endern von synes arbeitseligen wybs wegen und die schölmen in irer hury, jegery sitzen lasßen. O we des regiments! Gerat den münchen, das sy den frommen man hinweg bringend, so geschicht es allein darumb, das ettwo 30 ein gyttiger 31 , glysßender 32 füllbuch 33 herußkomme 34 , der der münchen lied singe. Dan so ist die glogg gegosßen 35 und die kettin gantz, die unß armen schryeren 36 mit der zyt den hals abziehen wirt. Es ist by vilen frommen lutten ein verwundern, das unser herren uber so vil christliche mandat, ordnung unnd reformation dise münch also in irem mutwillen lassend sitzen. Aber es treit 37 häßlin, wiltpret und ander gut ding! Die münch könnend nit genug rüemen, wie erlich 38 man si Zürch gehalten und zum Rüden 39 uß der masßenn früntlich tractirt habe. Am b heimgon habend sy ins closter inhin gesungen c . Ich hab gemeind, sy werind beschriben 40 , ir schalckheit und mißhandlung 41 am pfarer von Wald 42 begangen 43 zu verantworten d . Wir habend all uffgelugt 44 , wie man sy straffen und endren wurde. So ist ein nachgang 45 druß worden uff des pflegers, des bidermans, hußhalten, und die kugel uff
das arbeitselig wyb gewaltzet 46 . Das hieß schelmenwerck verstrychen 47 an , dem schuldigen anfachen und am unschuldigen ußmachen etc. Es ist under der münchen parthy groß freud und jubel. Was es bedüt, weyß ich nit. Wir werdend bericht, die sach des pflegers halb solle für rat kommen, wenn aber, mag man nit wisßen 48 . Wir besorgend ubel, den dregg, so die münch geschisßen, müesße der from pfleger ußwüschen, wie es dan zu Zurch gern also gad. Darumb, lieber her und bruder, sind umb gottes eer willen vermand und von unsertwegen gebetten, so vil uch müglich diß pracktic 49 abzugraben 50 , und wo ir gut, getrüw 51 wüsßent, by denen 52 arbeitten, lupffen 53 ob 54 , doch des tüffels wagen ein fart 55 umfiele. Thünt das best, das des pfarers handel von Wald nit verstrichen, sonder er ouch verhort werde. Ir wüsßent wol, wo ir ankeren söllend 56 , wir aber wissends nit, dan denen wir eynest 57 zulüffend, sind todt. Helffend und rattend, das unß diser from man || 64r. nit genommen werde. Es sind leider sonst zu vil blöder 58 houpter im Grüeniger ampt. Item ob ir möchtent wüsßen, wan man darin wölte handlen, ob es gut were, das der pfarer von Wald hinin 59 keme, mogend ir unß des by disem botten berichten. Hiemit sind dem herren gott befolhen, der uch syner kilchen und unß armen zu gut langwirig 60 erhalten wolle. Habend kein verdruß ab mynem ungesaltznen schryben, dan der bott hatt mych glych nach mitternacht ab dem bett genommen. Datum Bubicken, hüd zinstag ann morgen früe, 31. martii anno etc. 1534. Hanns Stumpff, pfarer zu Bubicken. [Adresse auf der Rückseite:] An Meyster Heinrichen Bullinger, predicantenn zu Zürich
[347]Dionysius Melander an Bullinger Frankfurt am Main, 3. April 1534 Autograph: Zürich StA, E II 356a, 931 (Siegelspur) Gedruckt: K[laus] Martin Sauer, Dionysius Melander d. A. (ca. 1486-1561). Leben und Briefe, in: Jahrbuch der hessischen kirchengeschichtlichen Vereinigung, Bd. 29, [Darmstadt] 1977, S. 29f Bullingers Kommentar zur Apostelgeschichte gefällt den Frankfurtern. Christoph [Froschauer] hat berichtet, weshalb das Geldgeschenk an Bullinger unter die Bedürftigen verteilt wurde. Melander hat Bullingers Dank dafür ausgerichtet. Dieser soll mit seiner Arbeit fortfahren. Mit Spannung erwartet man seine Kommentare zu den Korintherbriefen. Luther wird Erasmus erneut gegen die Reformierten aufbringen. Die Täufer haben die Kirche in Münster in die Irre geführt. Warnung vor Hoffman, Campanus, Servet, Bünderlin u. a. Mahnung, weiterhin die Feinde zu bekämpfen. Grüße, namentlich an Rudolf [Collin] und Theodor [Bibliander]. Gratiam et pacem a deo per Christum. Eruditissimi commentarii tui in Acta Apostolica 2 , Bullingere doctissime, senatui nostro ut piis omnibus arriserunt, et ut eorum gratos animos agnosceres, xeniolum quoddam miserunt. Quod autem in egenorum usum dispartitum
est 3 , causam exposuit Christophorus 4 noster. Senatui, ut audio, perplacet, modo vicissim tu gratus sis. Quibus ut fidem facerem, litteras tuas 5 , gratitudinis testes legendos, exhibui, tuamque gratitudinem commendarunt, esque senatui nostro propter pietatem atque eximiam eruditionem commendatissimus. Probantur etiam lucubrationes tuae piis atque eruditis. Perges igitur, uti caepisti, fortiter Christi spiritu aspirante. Video enim iam passim eos libros contemptui expositos, qui contentioso spiritu sunt scripti. Quibus turbantur ecclesiae, laeditur charitas, offenduntur infirmi. Quibus vero aedificatur ecclesia, iam tandem grati sunt. Ecclesiae igitur adsis, perge scribendo. Christus ut hactenus suo spiritu tibi aderit. Expectamus pii omnes ardentissimis votis, quae nunc meditaris in Chorinthios 6 . Sunt enim epistolae, quae varia tractant, locos communes insignes, hoc nostro saeculo maxime necessarios atque observandos 7 . Orabimus Christum, ut quod in te et per te caepit, perficere velit. Amen. De Hassiae et Saxoniae ecclesiis nihil habeo, quod scribam, nisi quod Lutherus suo more amarulentis convitiis denuo in se, immo verius in nos omnes provocabit Erasmum 8 . Res vehementer displicet optimis viris -paucis, qui a larva pendent Lutheri, demptis. Orandus est sedulo Christus, ut ille nobis succurrat. Video enim omnia fermentata esse. Anabaptistae misere seduxerunt ecclesiam Monasteriensem. Quorundam manibus teruntur perniciosissimi libelli Melchioris Hofmans, Campani cuiusdam, Michaelis Serveto, Binderlins 9 , ac similium. Vigilemus igitur. Ad haec Lutherani papistis longe
pertinaciores sevire in nos non cessant. Pergamus igitur gladio spiritus 10 arcere a caulis lupos rapaces 11 et tandem in Christo vincemus. Amen. , His, mi humanissime Bullingere, bene vale et hoc epistolium verius inter occupationes effusum quam scriptum boni consule et me nostramque ecclesiam Christo tuis commenda precibus. Salutabisque meo nomine diligenter symmystas tuos omnes, nominatim autem, quos novi Rodolphum 12 Marpurgi et Theodorum 13 Francofordiae 14 . Iterum atque iterum vale. Francofordiae, 3. aprilis 1534. Dionysius Melander tuus deditissimus. [348][Gervasius Schuler] an Bullinger [Memmingen], 4. April 1534 Autograph: Zürich StA, E II 361, 335r.-v. (Siegelspur) Ungedruckt Entschuldigt sein langes, seit seiner Ankunft in Memmingen (10. Januar) anhaltendes Stillschweigen mit dem Mangel an Briefübermittlern, mit Krankheit und Arbeitsüberlastung. Bald will er ausführlicher schreiben. [Kaspar]Schwenckfeld sandte Schuler das Manuskript seines Büchleins gegen die Kindertaufe; dieser will davon eine Abschrift für Bullinger machen. [Christoph]Froschauer soll sich wegen Schulers Schulden noch etwas gedulden. Grüße. Schuler erhielt einen Brief von Bucer. Wegen Schwenckfeld hätte Schuler Bullingers und [Ambrosius]Blarers Rat nötig. Gratiam et pacem a domino, charissime frater. Per deum sese michi praesentium lator 1 obtulit. Etsi a multis ocupationibus impeditus, tamen volui ad te meas dare litteras, quibus mearum rerum certior fieres. In primis vehementer doleo te hactenus meis privatum litteris, quas extorqueres, binas ad me scripsisti 2 . Redeo igitur, quem plane hactenus sopitum putaveras, et ut prochrastinationis mee iustam causam habeas, te scire volo: Dum Memmingam 3 decima ianuarii, vel ad quattuor septimanas
negotiis tam variis, tabellionumque penuria praeventus fui, ut nec Ambrosio 4 nostro velut, quod iter attinet, viciniori 5 scribere potuerim. Postea vero adversa valetudine corporis per deum adobrutus ad 4 septimanas lecto plane decumbens vehementer ergrotavi non sine magno fratrum maerore. Posteaquam vero convaluissem, licet aegre, iterum resarciendis hiis, que inter egrotandum neglecta fuerant, tam anxie oportuit laborare, ut iterum vix potui respirare plenius. O quotties, dum aegrotarem, non sine lachrimis tuam presentiam inenarrabilibus votis optavi. Nec ausim veram corporis convalescentiam fateri, nisi ubi te mei charis velut presentem litteris introspexerim, ut plane putem, michi ad resarciendam pristinam sanitatem preter tuas litteras plane nichil defuisse. Fac igitur, amice inconparabilis, ut hisce meis litteris communis amicitie nostrae suspecta ruina tolletur e medio, nisi velis Gervasium tuum, tuum inquam, iterum egrotare et animo et corpore. Accipe has veluti greek 6 ad alias, que mox incunctanter sequentur. Svenckfeldius, infausta avis 7 , libellum ab Augusta 8 ad me misit manu scriptum contra pedobaptismum 9 , quem partim exscripsi - nam iterum Augustam, cum perlectus fuerit, mihi mittendum est -, non tamen plenius propter varias occupationes. Mox vero, ubi exscriptus fuerit, mittam ad te 10 nonnullis aliis blasphemiis etc. Froschouerum nomine meo roga, ut parum temporis tolleret debitum 11 neque putet sese fraudari. Ego nondum proprium oeconomum ago b 12 . Uxor 13 cum liberis valet optime. Uxorem 14 sane in Christo foelicem, parentem 15 tuam de me optime meritam una cum liberis millies ex nobis saluta, in primis Leonem 16 inconparabilem amicum nostrum, Chunradum Pellicanum, Erasmum 17 , Theodorum Bibliandrum una cum uxoribus et liberis. Salutat te cum reliquis symistis Sympertus 18 cooperarius meus in domino, nobilis praeterea seniculus Wilhelmus a Zell. Deus conservet te Tigurinae ecclesiae diutius incolumem. Vale, delitie mee, in domino. 4. aprilis anno 1534. Scribsit ad me Buzerus hisce diebus 19 , nondum tamen Svenckfeldii praesentia [!]apud nos certus.
||335v. Ich wolt von hertzen gern von wegen Svenckfelds 20 ein tag by dir und Ambrosio Blaurero sin, wo eß ienen 21 gott fügen c . [Adresse darunter:] Sane quam venerabili Tigurinae ecclesiae episcopo Heinricho Bullingero, domino et fratri in Christo cum primis colendo. Gen Zürch. [349]Benedikt Euander an Bullinger [Isny] 5. April [1534] Autograph: Zürich StA, E II 361, 276 (Siegelspur) Ungedruckt Überlegungen zu den verschiedenen Auffassungen des Begriffs Heimat. Euander denkt an das ihm zur Heimat gewordene Zürich, wohin er zurückzukehren hofft. Bullingers Empfehlungsschreiben hat ihm viel genützt. Die offizielle Zürcher Empfehlung, von Utinger abgefaßt, wollte der Rat angesichts von Euanders gutem Ruf nicht einmal einsehen. Welche Aufgaben ihn in Isny erwarten, wird Bullinger aus dem Brief an [Georg] Binder erfahren. Constantissime equidem olim pronunciavit quidam e numero sapientum omne solum forti esse patriam 3 . Sed quandoquidem omnibus seculis celebratissimo proverbio ictatum [!] sit patriam suam cuique esse gratissimam 4 , arbitror eum greek illa philosophica 5 , non sensu metitum esse patriam ac non, ut fieret, sed ut facto opus esset, voluisse demonstrare. Nec enim puto cuiusquam quantumvis stoici greek eo severitatis processisse, ut vel crederet vel sentiret quemlibet [!]patriam cuique ex aequo esse gratam. Nam et Luciano vel patriae fumus alieno igni lucentior videbatur 6 . Quin et Ulisses greek greek greek greek 7 quique multorum hominum mores a vidit et urbes 8 , ut poetarum verbis utar, tandem exoptat patriae surgentem cernere fumum 9 .
Imo Homerus quoque ipse quasi epiphonemate 10 exclamat: greek greek greek greek greek greek greek 11 . Ego vero eam patriam vere iudico, non quae nos produxit, licet etiam eam, sed quae nos aluit magis atque ubi omnem fere vitam transegeris. Hinc fit, ut licet hic mihi optata adhuc omnia eveniant, mira tamen dulcedine ac amore me Tigurum ducit et immemorem non sinit esse sui 12 . Quo si non tanta spes superesset redeundi, idque tuo et aliorum praesidio, dei vestra[m] fidem, quam ingrata mihi, quae hic fiunt, esset[!] omnia. Sed quandoquidem scio te atque adeo omnes bonos meis votis aspirare, non dubito, quin brevi ad vos rediturus sim. Neque iam moror quorundam, si qui sunt, invidiam, qui mihi protinus Terentianum illud oggannient: «Prius mansum oportuit» 13 , cum ego solus sciam, quo affectu quamque iniquo fato inde avulsus sim. De quo libet potius tacere quam pauca dicere. Sed quod me abeuntem litteris 14 tuo atque multorum nomine scriptis induxisti, quibus me et laudasti eximie et commendasti amicissime, fecisti mihi rem non minus gratam quam multo maxime necessaria[m], te autem dignissimam. Eae enim litterae solae in multorum manus venerunt et ostentante eas passim Conrado 15 nostro omnium lectioni patuerunt. Publicum autem hoc instrumentum, quod exactissime scripserat Utingerus, studiosorum omnium singularis patronus, vestri collegii autoritate, licet exhibere vellem senatui, tamen propter vestram autoritatem et meam bonam famam legere recusavit -indignum rati, si ab eo vitae eruditionisque rationem exposcerent, de quo tam bene sperarent cuiusque fidem iam Tigurini ipsi perpetuum decennium essent explorati. Vale, decus Tiguri, mi Bullingere. Plura enim iam scribere non licet nec pluribus tibi obstrepere par est. Alias non deesset materia. Fac, quod facis, scio, me commendes Ysnensibus, si quando potes commode. Tuam familiam omne[m] salvam ego cupio. Quibus officiis me exceperint Ysnenses, scibis ex litteris Binderi 16 . 5. die aprilis. Benedictus Euander.
[Adresse auf der Rückseite:] Domino M. Hennricho Bullingero, contionatori Tigurino primario. [350]Bullinger an Oswald Myconius [Zürich], 6. April 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342, 32 (Siegelspur) Ungedruckt Der Kundschafter konnte in Uri nichts Außergewöhnliches feststellen. Auch die Konstanzer und St. Galler wissen von keiner von Innsbruck oder Italien her drohenden Gefahr, versprachen aber, solches rechtzeitig zu melden. Vadian schrieb, der Legat Ennio [Filonardi] werde nach Luzern zurückkehren. Bullinger empfiehlt den Überbringer als sehr armen Menschen, der auch in Zürich Unterstützung erhielt. Bern schrieb, die V Orte rechneten mit Zürichs baldiger Rekatholisierung; Zürich stellte dies energisch in Abrede. Gratiam et pacem per Christum. Explorator 1 , qui ab Uria 2 rediit, nihil tale apud illos actum recensuit a aut illius negotii causa unquam acta esse comitia negavit 3 . Sed nec Constantienses nec Sangallenses quicquam nunciarunt insidiarum, quae vel ab Aeneo Ponte 4 vel Italia nobis immineant. Praeterea polliciti sunt e vestigio ´se ostensuros et satis mature monituros, si quid vel nobis vel Bernatibus vel nostratibus senserint imminere periculi. Unus Vadianus pridie calendas aprilis in haec verba ad me scribebat: «Aiunt Ennium 5 Lucernam repetiturum, dignum operculum olla; nam papae sui rem agit. Qui quam probe velit nobis, in aperto est.» 6 Haec te nescire nolui plura scripturus, ubi se obtulerit occasio. Hic vero, qui hasce tibi offert literas, miser est 7 . Nostri singulis hebdomadis ipsi dimidiatum impartiuntur aureum. Tu ipsum commendatum habe. Vive et vale, frater in domino charissime. 6. aprilis 1534. H. Bullingerus tuus. Die von Bernn habend minen herren geschryben 8 , sy verstandint, wie sich die V Ort mercken lassind, Zürych werde bald den allten glouben annemmen etc. Habend sy geantwurt 9 : sy hoffend nitt, daß sy den tag immermer 10 erläben söllind etc. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Oswaldo Myconio, primario Basileien[sium] antistiti, fratri charissimo.
[351]Wolfgang Capito an Bullinger [Straßburg], 6. April [1534] Autograph: Zürich StA, E II 348, 379 (Siegelspur). Regest: Olivier Millet, Correspondance de Wolfgang Capiton (1478-1541). Analyse et index, Straßburg 1982. - Publications de la Bibliothèque Nationale et Universitaire de Strasbourg VIII, S. 178, Nr. 529 Schickt Bullinger den Brief eines Fürsten zur Lektüre. [Philipp von]Hessen plant die Besetzung Württembergs zugunsten Herzog Christophs. Kriegsvorbereitungen. Wilhelm von Fürstenberg wirbt Truppen in Straßburg. Grüße. Capito bedenkt die Folgen einer Niederlage bzw. eines Sieges Philipps für die Sache des Evangeliums und wägt die Stärke der Konfliktparteien gegeneinander ab. Johannes [Zápolya]besetzt ganz Ungarn. S. Literas ipse principis 2 lege et age, quod videbitur, coram pro republica et gloria Christi. Hessus 3 occupare meditatur ducatum Wirtenbergensem pro Christophoro duce 4 . Creditur ante pentecostes castra intra ditionem habiturus. Rex 5 contra se apparat, ut fertur. Quodsi hic ducatum tolerabilibus conditionibus vero haeredi cesserit simulque fidem fecerit Hesso posthac nihil moturum negocii, cui hactenus sevissima queque minatur, pax redibit e vestigio. Sin rex perget concordiam equabilem detrectare neque intermittere minas in Hessum, fama est tum producturum hunc bellum, quoad poterit. Comes Wilhelmus a Furstenberg ex primis ducibus est, qui hic militem conscribit 6 . Festinantur omnia, quae ad bellum. Leonem 7 Theodorum , 8 , Pellicanum ac fratres ex me officiose salutabis. Vale. 6. aprilis. V. Capito. Si cladem ceperit Hessus, heu quantum iacturae faciemus in evangelio! Qui vincet autem unus princeps tantum regem? Et tamen pleni spebus sunt felicissimaque ominantur, qui non postremas in hac tragoedia gerunt. Noster
causa, pecunia, bombardis et milite superior, hostis exercitis ducibus, sed opus erit gregario milite, ad quem sustinendum magno sumptu opus erit. loan[nes] Weida 9 Hungariam iterum totam occupat 10 . Iam habes totam futuri belli faciem coniiciendam. [Adresse auf der Rückseite:] Henrico Bullingero, ecclesiastae Tigurino, sibi in domino observando fratri [352]Oswald Myconius an Bullinger Basel, 8. April 1534 Autograph: Zürich StA, E II 336, 133r.-v. (Siegelspur) Teildruck: Corr. des réformateurs III 160-162 Gerüchte über einen großen französischen Aufmarsch in Richtung Mömpelgard gegen Gabriel Salamanca, Graf von Ortenburg. Die Basler befürchten einen Krieg in ihrer Nähe. In Paris ließ der König, der päpstlichen Bulle entsprechend, über fünfzig «Lutheraner» einkerkern. Nach seiner Besprechung mit [Philipp] von Hessen wandte sich jedoch alles zum Besseren: Vor dem und im Louvre wird das Evangelium von einem Augustinermönch und einem Karmeliten einer großen Zuhörerschaft, darunter vielen Vornehmen, frei verkündet. Die Bischöfe von Paris [Jean du Bellay] und von Senlis [Guillaume Petit] sind des Lutheranismus verdächtig, der Rektor [Nicolas Cop]ist geflüchtet, [Jean de]Sallignac wurde von der theologischen Fakultät ausgeschlossen. [Johanniterkomtur Guillaume Quynon?], die Theologieprofessoren [François]Vatable, [Jacques] Toussaint und [Pierre]Danès, auch viele gelehrte Mediziner usw. gehen zur evangelischen Predigt; darüber beklagte sich [Professor François] Le Picart in einer Predigt. Diese Nachrichten werden immer wieder bestätigt. In England wurde der Papst vom Erzbischof [Thomas Cranmer]exkommuniziert, in London wurden die Bilder von acht Kardinälen verbrannt. Nach letzter Meldung aus Frankreich ist [Gérard] Roussel wieder frei, [Noël] Béda verhaftet; ein langjähriger Gefangener aus Genf [Jean Pointet?] wurde jedoch verbrannt. Bitte um Nachrichten. Grüße. S. Fama, lubens dicerem certa, est regem 1 Burgundiam intrasse cum ingenti exercitu. Animum esse petendi Montispelligardi, quem emisse narratur 2 ; in itinere rapit, quae iubet impetus. Vicinus est huic loco Gabriel Salmanca 3 Hispanus, in Germania potens, molestus nobilitati Germanicae, cuius potentiam infringere in consiliis regis plerique dicunt esse. Certum est nobilitatem regis propositum nihil vereri. Consultat hodie comes Ortenbergensis (ita vocant Hispanum illum) cum suis, quo modo sit occurrendum. Arma Sungaudiensibus
sunt imperata, Alsaticis item reliquisque. Qui si proficiscentur, timendum, ne perierit et Sungaudia et Alsatia. Quare sunt, qui monent eum populum, ne pedem loco moveant, si salvi esse malint. Nihil video nisi consilium contra opinionem omnium. Quis non regem ad Italiam aspirare hactenus persuasus fuit? Et nunc vide, quo feratur. Displicet nobis 4 , si propius nos exercitum admoturus est. Perdita Sungaudia nobis periit horreum profecto nostrum. Quae res quam temporibus hisce foret incommodaturum, quis ignorare potest? De his hactenus. Apud Parrhisios, ut literae 5 huc perlatae docent, aguntur mira. Principio rex commotus impetrata bulla pontificia contra Lutheranos 6 captivos duxerat ultra quinquaginta, inter quos paralytici 7 quidam in lectis gestabantur in carcerem 8 . Duravit haec commotio, usque dum ex colloquio cum principe Cathorum rex redierat 9 . Tum enim omnia reddita sunt tranquilla, nec solum hoc, sed etiam optimae spei plaena. Nam Augustinensis quidam 10 evangelium
praedicat iuxta arcem Luffer a 11 magno populi concursu. In arce vero Carmelita barbatus 12 , qui ex Italia datus est a pontifice nepti suae 13 , ut curet, docet liberrime Christum. Regina, soror regis 14 , papae neptem gubernat. Viri nominatissimi conciones illas adeunt quotidie. Episcopi duo, Parisiensis 15 et Sanlius b 16 male audiunt , propter Lutheranismum 17 . Rector 18 ab urbe discessit propter evangelium, hoc est propter odium contractum ab evangelio. Salinas 19 , monachus trilinguis, extra synagogam eiectus est theologorum 20 . Nuper
se prodiderunt D. de S. Ioanne Lateranensi 21 , Vatablus 22 , Tusanus 23 , Danesius 24 , viri consulares item aliquot, tria quatuorve paria doctissimorum medicorum ut discipuli Christi conciones audiendo quotidie. Clamavit nuper Picardus 25 sophista pro concione: «Actum est de nobis. Neminem praeter vetulas mulierculas circum me video. Viri eunt ad arcem Luffer.» Post haec
venerunt literae 26 , quae diximus, adstruentes fere omnia. «Fere» dico; nam 35 omiserunt de Carmelitae 27 rebus alioqui cognitissimis. Ex Anglia sunt haec: Patriarcha 28 papam excommunicavit, et Londini per ludum crematae sunt imagines octo cardinalium cum scortis suis 29 . Praeterea hoc die ad me venit per certum nun-||133v. cium Ruffum 30 , qui hactenus detentus fuit, liberatum sententia. Bedam esse captum 31 . Ante dies 40 aliquot combustum, qui propter evangelium ante menses quindecim in carcerem ductus erat Gebennensis patria 32 . Cur nunc demum condemnatus sit, ignoro. De his satis. De captivis 33 tuis cupio scire, quis finis. De senatu incumbe pro virili 34 . Vale cum Utingero tuisque omnibus. 45 Basileae, octava aprilis anno 34. O. Myconius tuus. [Adresse darunter:] Domino Heinricho Bullingero pientissimo, amico et fratri in domino suo. T[iguru]m c .
[353]Martin Bucer an Bullinger Straßburg, 9. April [1534] Autograph: Zürich StA, E II 348, 418r.-419r. (Siegelspur) Teilübersetzung: Niehans, Bullinger-Briefsammlung 162 Dankt für Bullingers Gabe. Der Katechismus [von Leo Jud] wird gut aufgenommen. Bucer verteidigt Luther, auch wenn er sieht, wie dieser alle angreift, von denen er meint, sie würden ihm widersprechen. Mit Luther zu streiten, der doch das Evangelium predigt, ist nicht sinnvoll. Ihn, den Gott als sein Werkzeug braucht, zu verurteilen, steht uns nicht zu, obwohl man kaum schlucken mag, was Gott ihm, jetzt zum Beispiel gegen Erasmus, zu schreiben gestattet. In Straßburg ist alles ruhig. Bucer steht ganz zu den Zürchern. Grüße. Gratia domini, charissime Bullingere. Ingentes ago gratias pro munere tuo 3 . Mihi luculenter aparet, quantum et cupias et valeas etiam ecclesiae Christi ad solidam pietatem inservire. Dominus te servet et provehat. Catechismus 4 vester admodum probatur. Qui enim non probem, quae pia sunt? Desydero quidem in expositione ministerii ecclesiastici non nihil 5 , de quo alias 6 . Nunc enim non vacat. Fide vivimus 7 . Primum igitur in ecclesia, quod cum verbis tum symbolis proponitur, promissio est, quam ubi fide complexi sumus, per se consequitur nostri inter nos confaederatio. Quantum tamen ad me attinet, cum abunde videas vos ire eodem, quo omnes sancti, satis recta et haec vestra habent, ut cum prisca ecclesia velim nos omnes et ratione loquendi scripturae et caeteris congruere, deinde plebibus nostris omnia Christi sic tradi, ut ea, tanquam quae Christi sunt, recipiant et amplectantur. De Luthero, mi Heylryche, scripseram fuse, si libuisset legere, quid me in mea illa viri huius defensione detineat. Video, quam praeclare illo dominus meus ad gloriam suam usus est hactenus et adhuc utitur ad id praedicandum, a quo pendent omnia: «Iesus Christus est unus noster servator, et praeter hunc nihil potest saluti esse», praeclarius profecto ac etiam felicius quam non
dico me et mei similibus, sed quibuscunque aliis in tota Europa. Video simul furorem prorsus intollerabilem hunc, quo ita furit et debacchatur in quoslibet, 418v. || non qui ab ipso dissentiunt, sed quos putat dissentire, sicque devovet viros sanctissimos et qui ecclesiae Christi ad summam utilitatem servierunt 8 . Quae sane causa sola me protraxit in arenam, ut in ista sacramentaria pugna nomen dederim. In ipsa enim questione ab initio videre mihi videbar, ut equidem nihil hic pugnassem 9 . Sed quid faciam? Abiiciamne ilium? At dominus meus, qui quantum hic furor malum sit, et longe melius me novit et sectatur gravius, sicut dixi, praeclare utitur eo ad praedicandum evangelium suum. Quem iam Dominus tam insigni dignatur in ecclesia ministerio, egone deiiciam? Si non est meum illum deiicere, ut cum fructu hoc suo ministerio fungatur, querere debeo, ergo mala eius extenuare, dissimulare, tegere, bona magno studio adserere, defendere, praedicare. Ais: «Veteres non tulerunt tales. Maiorem rationem habuerunt sanctorum, qui iam labore suo pro Christo feliciter defuncti fuerunt. Non tulerunt furentes et debacchantes.» Talem et ego cupio non ferre Lutherum. Sed quo pacto istuc mali depulero damnando et reiiciendo Lutherum totum? Id non licet, cum dominus sic illo uti decreverit. Ubi illa nobis apud a ecclesias Christi authoritas, ut Lutherum abiiciant nobis illum damnantibus? Hoc video, pro dolor, effecisse ||419r. apud quam plurimos, Lutherum dum impugnavimus, ut cum Luthero totum abiecerint evangelium. Petit rixam a lasso 10 . At quid rixando proficiemus in rem publicam Christi? Ut Lutherus agat mitius? At hunc qui petit, irritat crabrones 11 . Ut alii inde meliores evadant? Nullus vestrum hoc sperabit. Caussa enim tota excussa est abunde et deffensi viri boni, quantum quidem possunt defendi a nobis. His ego sic includor, ut omnino devoranda putem, quae dominus Luthero permittit ut in reges, principes et neminem non, ita et in nos, lege, quae iam in Erasmum 12 . Optime vale. Hic tranquilla sunt omnia. Utinam sic maneant. Sed valete. Vereor quosdam meditari bellum 13 . Deus bene vertat. Argentorati, 9. aprilis. M. Bucerus. Scribis vos meos esse et petis, ut vester maneam. Ah, mi Heylryche, nihil in vita peto prius. Vere mei estis mihi semper observandi in domino. Alias
plura. Nunc non licuit. Saluta et millies millies totum vestrum chorum et sanctissimum Leonem 14 . [Adresse auf der Rückseite:]Optimo Christi Heylrycho Bullingero. [354]Oswald Myconius an Bullinger Basel, 10. April 1534 Autograph: Zürich StA, E II 336, 132 (Siegelspur) Ungedruckt Freut sich, daß die Gefahr, wovor er die Zürcher gewarnt hatte, sich doch nicht bewahrheitet habe. Trotzdem kann er den V Orten nicht trauen und mahnt zu weiterer Wachsamkeit. Ein Brief aus Innsbruck und auch andere Berichte oder Gerüchte sprechen von Kriegsgefahr; in Basel bringen die Bauern ihre Ernte in Sicherheit. Man ist gegen Mönche und Abte usw. sehr aufgebracht. Myconius befürchtet großes Übel und hofft auf Gottes Hilfe. S. Nonnihil gaudeo, quod nuncii vestri referunt nihil esse, de quibus nos admonuimus 1 «Nonnihil» . dico, quia praesens tantum facies aliquid tranquillitatis adtulit cordi meo, interim tamen nemo mihi eximet iam olim conceptam de Pagis 2 perfidiam, quoad in deo nobiscum non consenserint. Quocirca firmum est apud me, quod misimus 3 : sic esse in consiliis illorum nihilque deesse praeter occasionem res bene gerendi. Videndum igitur, ut contra tales simus parati, quandocunque tandem erumpant, ne imparatos nos ut olim 4 opprimant. De literis ex Oeniponte 5 nihil certius. Cur ita scripserit, si nugae sunt, equidem nescio. Armis et variis rumoribus circa nos omnia plaena. Incipiunt ruricolae vicini conducere apud nos cellaria et horrea, ubi collocent vina frumentaque, si hostes ingruerint. Minae sunt ingentes contra monachos, abbates et contra reliquos huius generis magnos. Vident nobiles, bona maiorum suorum quam impie consumantur, et tedio adficiuntur. Calamitates video magnas et multas. Qui eas arcere potest, vivit: Largiatur idem, ut et nos vivamus cum ipso 6 . Vale felix cum tuis et Utingero. Basileae, 10. aprilis anno 34. Os. Myconius tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Heinr. Bullingero suo.
[355]Martin Bucer an Bullinger und Leo Jud Straßburg, 14. April [1534] Autograph: Zürich StA, E II 348, 420r.-v. (Siegelspur) Teildruck: QGT VIII 301f Hat vergeblich auf Froschauer gewartet. Schickt seine an die Münsterer gerichtete Schrift, die Leo [Jud] lesen soll. Darin äußert er sich auch über das Amt in der Kirche, das einzige Thema, bei dem er vielleicht anders nuanciert als der Zürcher Katechismus. In Straßburg werden Soldaten rekrutiert. Capito ist krank. Grüße, auch von Matthäus [Zell] und [Jakob]Bedrot. Fratres et symmystae observandi, gratia et pax. Expectabam Froschoverum, sed illum negocia sua et vecturae commoditas nobis abripuit 2 . Mitto hic, quae scripsimus Monasteriensibus 3 . Ea, si vacat, legat Leo 4 noster. Patientis enim stomachi est. Ut cupiam salva puritate fidei in Christum ministerium ecclesiae suis, hoc est a domino ipso et apostolis usurpatis verbis commendari, hic legetis 5 . Idque unum est, quod videri queam a vestro cathechismo variare 6 . Movet me, quod cottidie experior, quam necessarium sit esse sacram politiam, eoque et sarci[ri] ministerio suam authoritatem. Corpus domini simus oportet, quod per actum cuiusque membrorum, qui cuique est secundum suam portionem, instauratur 7 . Liber est ut omnia nostra hic non excusus, sed confusus, quanquam hic typographus 8 sic deposuerit rudimenta artis 9 . Si non legere, coniicere tamen poteritis, quae volumus. Quibus ea scripsimus, in exemplum inciderunt Vaitzhudianorum 10 , nisi quod exules adhuc avertere excidium moliuntur.
Delectus hic habetur 11 et, ut audimus, nusquam alibi. Quo miles erupturus sit, nescitur. Coniecturae sunt variae, suspicio forsan potior, quae facit ad votum Wolfgangi 12 boni senis, qui in synodo 13 aderat 14 . Dominus omnia bene vertat. Impeti nos quam impetere semper mallem. Optime valete. || 420v. Comendate nos toti choro symmystarum illic. Pro Capitone orate graviter luctante cum febri sesquitertiana 15 . Matthaeus 16 vos salutat officiose et Bedrotus. Argentorati, 14. aprilis. M. Bucerus tuus, vester totus, totus, quantus est. [Adresse darunter:] Piis ac vigilantibus Christi ministris Heylrycho Bullingero et Leoni Iudae, fratribus colendis.
[356]Bullinger an Oswald Myconius [Zürich], 18. April 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342, 33r.-v. (Siegelspur) Gedruckt: Füssli I 132-134, Nr. 37 Die beiden Gefangenen, [Hans]Leemann und [Jakob]Graf, die während des Zweiten Kappelerkrieges das zürcherische Freiamt [Knonauer Amt]auf Anstiftung der V Orte zum Separatfrieden zu verführen getrachtet haben, standen zwar in Zürich vor Gericht, wurden aber schließlich auf Fürsprache der Zürcher Seegemeinden und des [Knonauer Amtes]freigelassen. Sie wurden freilich zum Verlust der Ehren und zu hohen Geldstrafen verurteilt und dürfen ihren Wohnort nicht verlassen. Die Angelegenheit ist umso schmerzlicher, weil Zürich zur Zeit des Verrates in verzweifelter Lage war. Dankt für die Nachrichten aus Frankreich und England, die auch von anderer Seite bestätigt werden. Luther gab Schriften heraus [«Von der Winkelmesse und Pfaffenweihe» bzw. seinen Brief vom 11. März 1534 an Nikolaus von Amsdorf], in welchen Oekolampad und Erasmus geschmäht werden. Damit schadet er der Kirche. Grüße. Gratiam et pacem. De captivis 1 quid referam? Evaserunt. Tum, quod totus pene Lacus Tigurinus idem olim in bello minitavit facturum se, quod hi duo suaserunt suis faciendum - Lacus Tigurinus minabatur pacem se cum Pagis inituram, si conditiones pacis recusaret urbs, id quod illeso iureiurando facere non potuisset 2 . Lemannus 3 vero (hoc enim nominis est alteri ex captivis) a Pagis 4 ante cladem captus ad suos missus est, inn das Fryampt 5 , ut reliquias inhortaretur ad deditionem, id quod fecit per internuncium Grafium 6 (sic alter appellatur captivus). Sed noluit ea ditio oblatam conditionem recipere, imo cum indignatione repulit. Evasit tandem Lemannus et ad exercitum rediit -, tum quod totus pene Lacus et ditio, quam appellant das Fryampt, interpellarunt senatum 7 pro captivis. Hic multa ultro a citroque iactata sunt. Liberati tandem, non tamen b impune omnino evaserunt. Infamiae enim notati maximas
solvunt expensas sedibusque affixi propriis Tigurinum agrum excedere prohibentur 8 . Also schantlich hatt man kriegt und ist der untrüw so vil gewäsen, daß, so man jetz dan glich straffen wöllte, die zaal so grooß ist, daß grösser unfaal 9 ze besorgen. Haec tibi scribo soli, idque maximo cum dolore. Haec caussae non omnibus notae sunt. Indoluere optimi quique de communi perfidia; fuit etiam urbs satis misera. Dann sy das Fryampt verlassen, alein ze Horgen lag etc. 10 Haec omnia nosti. Hasce vero literas cremato 11 etc. Quae de Galliis et Anglia scribis 12 , gratissima fuere; paria prorsus scribit e Parisiorum urbe satelles quidam 13 regis, vir bonus et pius. Mira vero de futuro bello 14 garriunt multi. Tu quid interim acceperis, scribe, pro nobis ora et aeternum vale. De Lutheri impudentia nuper libellis quibusdam de privata missa et in Erasmum scriptis 15 vehementer doleo. Video || 33v. enim hunc hominem ecclesiae dei plus incommodaturum, quam profuerit unquam. Interim vero hunc omnibus in Europa doctis in evangelio praeferre non cessat Bucerus 16 , miror, quo consilio. Oecolampadium, virum sanctissimum illum, praedecessorem tuum, in istis furiosis rixis palam praedicat a sathana strangulatum periisse . Vide, quid monachus iste audeat. Erasmum prorsum Arrianis adnumerat 17 et convitiorum atque calumniarum plaustra in senem c illum et de ecclesia et literis optime meritum effundit 18 . Vide, obsecro, quantis in periculis versetur ecclesia, quantis quaciatur persequtionum et tentationum procellis. Dominus conservet nos in veritate 19 . Iterum vale. 18. aprilis 1534. Salvum te vult Utingerus. Uxorem tuam 20 salutat mater mea 21 . Hein. tuus. [Adresse darunter:] Ornatissimo viro d. Osvaldo Myconio, sanctae ecclesiae Basileiensis episcopo, fratri imprimis colendo. Basel.
[357]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 18. April 1534 Autograph: Zürich ZB, Ms F 62, 320 (Siegelspur) Ungedruckt Sendet die von Bullinger ausgeliehenen Schriften dankend zurück. Berner Ratswahlen: [Wolfgang von] Wingarten wieder im Rat, Säckelmeister [Bernhard Tillmann] aber nicht; sechs neue jüngere Räte; Georg Schöni wurde Venner; [Sebastian] von Diesbach zog nach Freiburg, sein Bruder [Hans Rudolf], als Feind des reformierten Glaubens verdächtigt, wurde auch nicht gewählt. Die Synode wurde auf den 22. April festgesetzt. In Genf predigen [Guillaume]Farel und [Pierre] Viret. Freiburg verlangt darum von Genf die Auflösung des Bündnisses, Genf weigert sich; ein Schiedsgericht soll darüber in Lausanne entscheiden. Haller vermutet einen Plan der Katholiken: Die Genfer sollten wegen des Glaubens angegriffen werden, damit die V Orte und die Walliser den Bernern, die Genf beschützen mußten, umso leichter in den Rücken fallen könnten. Die vier reformierten «Banditen» von Solothurn, die sich auf bernischem Gebiet aufhalten, werden von den Eidgenossen zum Anlaß genommen, den Krieg anzufangen. [Simon]Sulzer lobt die Gastfreundschaft der Zürcher. Haller bittet um Nachrichten. Megander will seinen Kommentar zum Epheserbrief drucken lassen; die Zürcher sollen ihn begutachten. S. Remitto ea, quae mihi credidisti 1 , charissime Heinrice, quibusque quaestionibus meis iam multis et insolentibus sic satisfecisti, ut amplius nihil obiicere possim. In senatum rediit Wingarterus 2 , quaestor 3 vero minime, quod multorum odia in se multo iam tempore concitarit[!]. Additi sunt sex alii, viri, quod ad verba attinet, satis pii, sed iuvenes rerum inexperti, et nisi dominus illorum corda et consilia direxerit, vereor, ne aliquando Roboamiticos praestent consultores 4 . Georgius Schöni 5 vir et studiorum et ministrorum , patronus, non indoctus etiam, in laniorum pandaretum 6 praeter omnium spem est electus successitque Hagio. Sic igitur omnia satis faeliciter successerunt. Der schultheiß von Diesbach 7 hat by unß das burgrecht uffgäben, sich entsetzt und gen Friburg zogen; sitzt uff disen tag kein Diesbacher imm kleinen ratt, dess
sich kein Berner verdencken mag, hett doch der schultheiß noch ein bruder 8 by unß, ein vast 9 erberen 10 , verstendigen; aber diewil er verdacht als unser religion missgünstig, hett es imm gfält in der election. Unsere brüder uff dem land habend eins synodi begert; wirt jetz uff 22. aprilis. Acht wol, wärde nitt vil sunders darinn gehandlet; doch was zufalt, wil ich dich berichten 11 Ze Jenf prediget Farellus und jetz nach imm Viretus 12 , adolescens doctissimus. Habend die von Friburg das burgrecht von eim ratt grosß und klein, ja ouch von der gmeind erfordret 13 ; coguntur enim hoc facere, alioqui Antronii 14 faedera ab iis exacturi sunt. Die von Jenf hend inen das burgrecht nitt wellen hinuß geben, sunder recht botten 15 ; ist jetz der rechtstag ze Losanna 16 . Und das die practick: sobald das burgrecht inen hinusgäben, werdend si angfochten von dess globens wägen, in achtung Bern werd si understan 17 ze schirmen und inen zuzihen. Sobald das gschicht, werdent die Walliser den Bernern uff den versinen 18 nachzihen, Antronii vero aut Argoiam aut aliam ditionis partem angustiabunt. Fier panditen von Soloturn 19 sind hinder uns zogen 20; die werdent all eidgnossen ab unserm ertrich manen 21 ; wo wir sy darüber joch 22 schon 23
zum rechten enthalten 24 wend, wird der krieg sin anfang han. Das ist jetz die sag by unß. Sust hab ich nüt nüws. Sultzer kan nitt gnug verrümen üwer eerren, liebs und guts, imm bewysen 25 ; er wirt bald selbs schriben 26 . Lieber, lass unß wissen, was nüws von Franckfurt kummen 27 . Leo hett mir gschriben 28 . Weiß wol, du bist schuldig daran. Wil imm bald wider schriben 29 . Tabellio ille servus 30 bibliopolae nostri 31 est, cui tuto credere potes, si quae secretiora sunt. Megander inprimi vult sua in Ephesios 32 . Quaedam vidi, sed paucissima. Rellicani stilus est, is suo labore omnia in ordinem redegit 33 Indicabitis vos, quam prelis omnia sint digna 34 . Vale. 18. aprilis anno 34. Tuus Berch. H. [Adresse auf der Rückseite:] Heinrico Bullingero, ecclesiaste Tigurino, fratri suo germano omniumque charissimo. [358]Simon Grynäus an Bullinger Basel, 19. April [1534] Autograph: Zürich StA, E II 343, 210 (Siegelspur) Ungedruckt Lobt Bullingers Ratschlag [in einer wahrscheinlich Luther betreffenden Sache] und freut sich über ihre Übereinstimmung; denn er hat kurz zuvor schon auf Anraten Melanchthons [in diesem Sinne] an Erasmus geschrieben, damit nicht alle in die [Streit-]Sache mit Luther verstrickt werden. Er, Grynäus, ist gespannt darauf, wie sich Erasmus Luther gegenüber verhalten wird. Er wird nun, von Bullinger ermuntert, Melanchthon schreiben. Wer für den Frieden im Vaterland eintritt, der sorgt für den Frieden in der Kirche. Grüße.
S. Laudo consilium hoc tuum 2 . Equidem et mihi gratulor, qui adeo tecum plane hac quidem in re 3 conspirem. Nam haud ita multos ante dies in hanc sentenciam literas ad Erasmum 4 dedi. Scripserat enim Philippus 5 ad me 6 ac monuerat invito se greek 7 Lutherum egitque mecum, qui hunc ipsius a animum Erasmo insinuarem, eodem, arbitror, consilio, quod intelligat posse fieri, ne boni omnes, qui ab evangelio stant, in eandem cum Luthero causam implicentur 8 . Nihildum Erasmus b respondit. Avide expecto, quid senex instituat quidque faciat de Luthero. Ad ipsum paro Philippum, quod hortaris, ut scribam 9 Hoc unum idemque semper, mi Bullingere, argumentum annis iam multis fuit, qui communem cogitaret patriam et istis contentionibus medicaretur pro virili sua, paci publicae ecclesiae consuleret. Scripsit amicissime semper ac hoc postremum nunc perhumaniter. Confido iam olim futurum, ut conveniat piis inter se omnibus. Interea vale et eodem studio negotium Christi domini diligenter tracta. Saluta charissimos mihi viros Theodorum 10 , Leonem 11 , Pellicanum, Carolostadium, omnes. Valete in Christo omnes. Basileae, 19. aprilis. Simon Grynaeus tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Henricho Bullingero suo, charissimo fratri et patrono.
[359]Oswald Myconius an Bullinger Basel, 20. April 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 54r.-v. (Siegelspur) Ungedruckt Hat gerne zu den zwei Fragen Bullingers Erkundigungen eingeholt und klagt über die schwere Zeit. Der bevorstehende Krieg: [Philipp von]Hessen wird vor Pfingsten in Württemberg sein. Der [französische] König und der [Herzog von]Lothringen binden durch ihre Heere die Habsburger im Elsaß und in Breisach. Bayern wappnet sich gegen einen Einfall von Österreich oder Böhmen her. König Ferdinand hat kriegserprobte Heerführer, aber kein Geld für Truppen. Der Wojwode [Zápolya]hat ganz Ungarn besetzt. [Philipp von] Hessen ist durch Ferdinands Bedrohung zu den Kriegsvorbereitungen getrieben worden, die zugunsten von [Herzog Ulrichs] Fürstentum [Württemberg] und der evangelischen Sache und wunderbarerweise vor der habsburgischen Gegenseite so lange verborgen geblieben sind. Über Erasmus und Luther urteilt Myconius gleich negativ wie Bullinger. Zitiert die Beschimpfung von [Hieronymus] Emser und Oekolampad aus einer ihm von Markus Bertschi mitgeteilten Stelle eines Lutherwerks. Bittet um Bullingers Hilfe bei der Suche nach einem für den Kirchendienst geeigneten Mann. Wolfgang Kuchimeister kann ihm seinen Sohn senden. Bittet um Nachrichten von der Tagsatzung. S. De duobus istis, quae scribis 1 , libenter cognovi. Sed bone deus, quam miseria! Non est amplius, quod dicam. De bello futuro sic res habet: Princeps Hessorum a 2 ante pentecosten 3 erit in ducatu Wirtenbergensi cum exercitu, imperator huius exercitus dux est Brunsvigensis 4 , praeter hunc sunt duces comites et nobiles, viri profecto magni. Causa 5 per se favorem habet omnium. Pecuniae magnus numerus est, miles multus, machinae bellicae multae, adparatus totus, qualem esse decet. Rex 6 et, ut quidam aiunt, Lotharingus 7 exercitum habent coniunctim latitantem fere et per hoc munitantem, si primi domus Austriae, hoc est b Sungaudienses, Alsatici, Brisacenses c 8 ad defendendum Wirtenbergam proripere se pararent. Dux Bavariae 9 triplici exercitu cavebit, ne ex Austria seu Boemia quis obsit. Is duces quinque 10 dicitur ingenti pecunia ab imperatore Hispano
abstraxisse 11 Hostis d autem . paratum quidem nunc demum novit, sed quo tendat, iamdum haesitat. Duces habet dictis, ut quidam aiunt, exercitatiores 12 verum carent , milite, quod Ferdinandus summa laboret paupertate e 13 . Rumor est item Widam Hungarum 14 illum regnum occupasse poenitus Ferdinando occluso f 15 . Motus est Hessus, quod minis plus quam horrendis a Ferdinando exagitatur, et nisi ad hunc modum rem adgrederetur, actum esset de principatu suo, de iusticia evangelii, actum esset g de omnibus, qui h hactenus a principe 16 dependerunt i , tantaeque k turbae per Germaniam essent futurae - ita Ferdinandus impellitur cum per se tum per pfaffos -, quantae vix unquam sunt conspectae 1 . Quare deus est orandus, ut suis faveat et adsit misericorditer m . Miraculum, quod hic video, illud est, rem tanto tempore n institutam - nam o a quinque fere annis, quamvis iam duobus integris in actu fuerit p - nemine conscio praeter eos, qui tractarunt, adhuc hostem et alios latere, postquam etiam exercitus ad exeundum in procinctu est q . Absque deo non videtur tam longum silentium esse. Nam, quae nos scribimus, praeter paucissimos nemo novit, quare velim etiam apud te contineri, quousque sic profuerit. Hactenus de bello. De Erasmo et Luthero idem sentio, quod tu de altero 17 . Profuerunt initio, nunc nemo nocet perniciosius. Alter superbus et insolens est, alter amarus et ambitiosus. Deus, opto, faveat, imo emendet utrosque. De Oecolampadio interpres Lutheri mitius quiddam habet 18 , quam tu scribis 19 . Ita enim ait: «Et ego plane persuasus sum Emserum 20 et Oecolampadium et similes his ictibus
horribilibus et quassationibus subito extinctos esse» 21 . Haec tantum legi indicante Marco nostro Bersio. Miror, si aliter sit in exemplari Lutherano 22 . Equidem iurare ausim Lutherum persuasum spiritum sanctum non esse nisi apud se et || 54v. suos. Dies declarabit omnia 23 . Deus largiatur nobis suam veritatem 24 . Caeterum opus habemus opera tua: Indigemus viro docto, cordato, prudenti. Si quem noveris, qui ad subsidium ecclesiae nostrae queat dari, quantocyus indicabis, vel ex tuis vel aliunde 25 . Diligentiam adhibe, nam sic est neces[se] r . Wolfgang Kuchimeister 26 der , tischmacher, wott mir sin sun 27 schick[en]s ; enbüttend 28 imm, so es kumlich 29 , ye belder, ye lieber, so will
ich inn versuchen 30 , wie er mir geschriben heb 31 . Per ocium ei scribere non licuit. Quae in his comitiis 32 acta sunt, ubi noveris, ad me perscribito, ut videam, quomodo legati consonent aut dissonent 33 . Vale. Raptim Basileae, 20. aprilis anno 34. Os. tuus t . [Adresse darunter:] Domino Heinricho Bullingero, docto pioque fratri in domino suo. Zürich. [360]Bullinger an Oswald Myconius [Zürich], 22 .April 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342, 34 (Siegelspur) Ungedruckt Bittet Myconius, die redlichen, aber armen Gesellen, die nach Basel kommen, zu unterstützen. Diese werden beim Rat um einen Beitrag an die Summe bitten, welche sie [dem ehemaligen Schultheiß von Bremgarten, Johannes]Honegger zu erlegen haben. Zürich und Bern haben bereits je 100 Pfund beigesteuert. Honegger, den sie im Ersten Kappelerkrieg umsonst zur Rechenschaft zu ziehen versuchten, nutzt jetzt seinen Vorteil gegen diese Burschen. Der Salzherr [Jakob Goetz] und andere Basler wissen Bescheid. Gnad und frid vonn gott. Fürgeliepter bruder, ich bitt üch früntlich, ir wöllend üch dise arme xellen 1 bevolhen 2 haben inn üwer fürpitt gägen 3 minen herrenn vonn Basel, ann die sy ein bitt umb ein stür 4 thun werdent. Dann sy dem Honegger 5
22. aprilis 1534. Heinrych Bullinger, üwer getruwer. [Adresse auf der Rückseite:] Dem wolgelerten frommen und achtbarnn herren Oswalden Myconien, prädicanten zum domstifft Basel, sinem günstigen lieben herren unnd bruder.
[361]Martin Bucer an Bullinger [Straßburg], 23 .April [1534] Autograph: Zürich StA, E II 348, 422r.-423r. (Siegelspur) Teildruck: Pollet, Bucer II 297f, Anm. 8 Verteidigt Luther, dessen Verdienste um die Ausbreitung des Evangeliums von Oekolampad anerkannt worden sind und mit dem theologisch übereinzustimmen auch Zwingli bekannt hat. Abgesehen von der Frage des Abendmahls läßt Luthers Theologie doch nichts zu wünschen übrig. Diese Übereinstimmung beweisen auch die Unterschriften unter den Marburger Artikeln. Auch Bucer schätzt Luthers kämpferische Art nicht, aber was dieser lehrt, wird Bullinger jederzeit lobend aufnehmen, wenn er es nur richtig betrachtet. Bullingers im Affekt verfaßtes Schreiben veranlaßt Bucer zur Mahnung, ohne wirkliche Kenntnis Luther nicht zu verurteilen. Erasmus, den Bullinger so rühmt, hat sich noch ruchloser als Luther gegenüber den Oberländern verhalten. Capitos Krankheit. Kriegsvorbereitungen. Bucer drückt seine Zuneigung aus und wünscht bessere Übereinstimmung der evangelischen Kirchenvorsteher untereinander. Gratia et pax, mi Heylryche. Ego de Luthero nunquam ad vos, nisi vos priores scriberetis de illo ad me 2 . Cum autem amamus nos mutuum et vere, quod coram iudice Christo respondendum videtur, non dissimulo. Videor laudasse nimium, tu mihi vituperasse. In illam partem peccare semper malim, duntaxat cum de iis certamen est, qui docent dominum Iesum unum nostrum servatorem. Utinam legere vos dignaremini, quibus hic docet, non pugnat. Mirum, si non fateremini, quod mecum fatebatur d. Oecolampadius, dominum hoc prae omnibus usum ad id, ut evangelium eius orbis purum rursum audiret 3 . Audivi antehac Zvinglium apud vos synceritatem fidei Christi et agnovisse atque docuisse, priusquam Lutherana legisset, sed quae docuit tum ita cum Lutheranis congruisse, ut crederetur, quae Lutherus scripserat, iam et vidisse et recitasse. Istuc ipse mihi Zvinglius narravit 4 . Oecolampadius nunquam dissimulavit se a Luthero doctum iustitiam nostram esse fidem remissionis peccatorum, quod utique caput est totius doctrinae Christi 5 . Et si mihi nunc moriendum sit, nullum equidem christianae pietatis dogma novi, quod ille
orbi non ante alios faelicissime prodiderit. Testes sunt libri, quos ante alios aedidit. Nec video, quid in huius theologia omnino desideraturi sitis excepto eo, quod de praesentia Christi in coena crassius aequo loquitur. Certe nec Zvinglius nec Oecolampadius ultra hoc quicquam desiderarunt. Testantur id articuli Marpurgae subscripti 6 . Iam qui evangelion latius praetulerit et primus coram toto imperio defenderit quique ante || 422v. alios evangelii invidiam sustineat, puto, ipsi neminem dabitis quam Lutherum huius nomine infames apud veritatis hostes, quicquid reclametis. Fratres, ne placeamus nobis, orbis testimonium non metiamur vocibus paucorum, qui nobis nescio quid acclamant utinam tantum veritatis amore quantum odio praesentium et ipsis non consentientium, qui saepe puritatem evangelii, libertatem Christi praetexunt, cum eos nihil quam spiritus agitet seditionis. Expertus haec scribo. Nam plures ex Lutheranis regionibus literas hactenus accepi quam forsan vos. Probemus spiritus 7 . Deinde non nostris, imo nec totius[!] quidem Germaniae amplitudinem regni Christi coartemus. Rationem tractandi pleraque in Luthero non probo, pugnandi etiam execror. At quae docet, et ratio, qua docet, ubi nihil quam docet, Bullingerus nunquam non exosculabitur, si rite noscat. Si iam dominus hoc suo organo utitur tam praeclare, quicquid alias peccet, ah quid decet nos conservulos? Haec volui respondere maxime motus eo, quod in fine epistolae 8 scribis. Nam te in veritate amamus. Istuc tum affectu scriptum extimulavit me, ut his tamen monerem aut non iudicare de Luthero aut antea caussam eius probe cognoscere nec propter accidentia quaedam mala sustantiam[!] optimam reiicere. Vobis tribuimus multa merito. At quid nos hic restituimus in doctrina Christi, quod non didicerimus a Luthero? De dogmatis loquor. Nam in enarratione || 423r. scripturae quaedam forsan nobis dominus ostendit cum per alios tum nobis ipsis. Illud sit tibi, frater, argumentum certum animi non recte instituti in caussa Luth[eri], quod Erasmum sic praedicas et Lutherum adeo deiicis. Nihil enim in nos sibi unquam Lutherus permisit, quod non fecerit et Erasmus - lege epistolas huius 9 -, nisi quod quo virulentius et non rabide ut Lutherus, hoc nocentius. Deinde autem doctrinam et vitam confer utriusque. Scurriliter nimium
scripsit Lutherus, sed utinam etiam false! O fratres, fratres, timeamus iudicem, qui revelabit abscondita tenebrarum 10 . Capitoni res est cum gravissima febri 11 . Quod tu times de principe 12 , et nos veremur. Hoc amplius oremus dominum. Exercitus ingens conscribitur 13 . Impendere videntur magna. Dominus nobis adsit. Hoc vero minus turbemus [!] ipsi et in re Christi. Apud Lutherum nihil possum. Quia vos vere amo et vos me amatis, moneo, dum gratum facere video. Movet me, quod non dubito aut actum esse de reformatione ecclesiae aut nos, qui ecclesiis praesumus, oportere melius congruere. Iam a Philippo 14 et aliis multis accipio subinde literas 15 , quae spem huius faciant. Velim ergo, si liceat, nullum falsum iudicium hic obstare. Bene vale, et obsecro, boni omnia consule. Tua in caussa facilitas est, ut sic agam tecum libere. Cogita, oro, quod me Lutherus plus quam vos omnes laesit. M. Bucerus. 23. aprilis. Saluta symmystas officiosissime. [Adresse auf der Rückseite:] Heylrycho Bullingero, pastori Tigurino, viro doctissimo et pientissimo, vere charo. [362]Gebhart Hegner an Bullinger Baden, 23. April 1534 Autograph a : Zürich ZB, Ms F 39, 98 (Siegelspur) Ungedruckt Der Meßpriester von Baden erregt Aufsehen mit einer Predigt, in der er die Existenz von vier Höllen beweisen will. Bullinger wird von den Beschlüssen der Tagsatzung über den gefangenen Pfarrer [von Birmenstorf, Jakob Appenzeller] und über die Dießenhofener gehört haben. Martin Pfiffenmacher berichtet, wie Thomas, Stubenknecht zum Rüden, seinen Sohn ins Kloster Wettingen stecken möchte gegen dessen eigenen Willen. Bitte, etwas dagegen zu unternehmen, da Zürich sonst in ein schlechtes Licht kommt. Grüße.
Min früntlich, willig dienst, ouch was ich liebs und gutz vermöcht, alzitt zevor. Fromer, besonders günstiger her, ouch gethruwer, lieber und guter fründ, ich acht uch woll wüsend, wie das der mäßpfaff 2 alhie zu Baden an verschinem balmtag 3 geprediget, das vier hellen sigind, welichs er mit helger gschrifft beweren 4 und aber dhein gschrifftt 5 sonder vill , geschreig 6 darumm anzöigt hatt 7 . Witer, was uff dem tag 8 alhie gehandlett, wie es dem gfangen predicanten 9 , denen von Diesenhoffen 10 und anderer sachen halb
ergangen, acht ich, üch von tagheren 11 woll anzöigt sin, unnötig uch darvon zu schriben, anders von dem acht ich 12 , und allen Zuricherern ze gutt, von noten zu schriben sin 13 : Namlich ist Marthin Pfiffenmacher 14 von Zürich, der alhie badet, zu mir komen und mir von truwen hertzen klagt, wie das Thoman 15 , der knächt zem Rüden 16 (ich hatt schier gschriben zur wuesten 17 löitschen 18 ), sin sun hab gan Wetingen 19 in das closter 20 than, alda ein münch zu werden. Nun hab er 21 mitt dem knaben grett nach gründ, der im geantwurtt, so er recht vater und muter hett, weltt er nit darin; er mueß aber darin. Nun gester, wie Thomans fruw mit thuechlinen 22 alher zu marckt komen, hab er sy ouch darumm anzogen 23 und ubell zufriden gwäsen, die im geantwurtt, der knab der well nun darin. Ist nütt dan buebery und lugnery, dan Thoman im vor sechs oder achtt wochen die kuten 24 soll kufft haben. Hierumm, günstiger, lieber her, ich uch, ouch uß guter meinung Marthins, sölichs schrib; ist darumm, öb ir sölichs möchtind fürkomen 25 , dan man gwüß den jungen in achtt tagen anlegen 26 will, und so sölichs beschehen, wurd man nitt person, sonder Zuricher nämen 27 , welichs uns und vorab dem wortt gotes, alls ir woll gedencken, grosen anstoß legen wurd 28 . Darumm ist unser beder pitt, hierin christenlich zu handlen 29 . Ich hett uch noch viii mer zu schriben, mag aber nit sin ursach 30 miner bösen henden, so mir das bad gemachett hatt.
Hiemit uch gott dem heren befelhend. Ich bitt uch, mir zu gruetzen den cüster 31 , Meister Wernher 32 und all gutt heren und gots fründ. Datum zu Baden, uff Jeory anno etc. 1534. Gebhart Hegner, s[chultheiß?]z[u] W[interthur], u[wer]a[llzyt]w[illiger]f[ründ]. [Adresse auf der Rückseite:] Dem fromen, wolglerten Meister Heinrich Bullinger, christenlicher predicant Zürich, minem gunstigen heren und geliepten frunde. [363]Bullinger an Oswald Myconius [Zürich], 24. April 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342, 35; [Beilage:] Zürich StA, E II 441, 431f (Siegelspur) Gedruckt (ohne Beilage): Füssli I 137-139, Nr. 39 Sendet Myconius einige der Tagsatzung zu Baden [vom 14. April 1534]vorgelegte Traktanden zu. Die Basler sollen weiterhin standhaft bleiben. Ist erfreut über die günstigen Nachrichten vom Krieg [zur Rückeroberung Württembergs] und wünscht weitere Berichte. Wenn aber König Ferdinand doch siegte, würde das den Reformierten in der Schweiz viel Schmähung durch die katholischen Eidgenossen einbringen. Landgraf [Philipp von Hessen]schrieb an Bullinger, dieser solle vom Zürcher Rat die Erlaubnis für den Durchzug ihm zuziehender Söldner erwirken. Bullinger tat es zwar nicht, um keine Gerüchte über eine heimliche Zusammenarbeit mit Hessen aufkommen zu lassen, ist aber selbst erstaunt darüber, daß man den paar hundert Durchziehenden nicht nur kein Unrecht zufügte, sondern sie sogar mit Wohltaten überhäufte. Der Rat verbietet allerdings den Zuzug eigener Untertanen zu beiden Kriegsparteien. Auf Myconius' Anfrage empfiehlt Bullinger Andreas Karlstadt für den kirchlichen Dienst in Basel. Dieser ist nicht so, wie Luther ihn geschildert hat, sondern sanft und demütig. Grynäus kennt ihn. [Beilage:]Die Zürcher Tagsatzungsgesandten Haab und Rahn rühmen die feste Haltung der Basler. Diese hatten in Baden beantragt, 1. daß in den eidgenössischen Orten keine Abgesandten fremder Herren geduldet werden, 2. daß die von den V Orten mit Freiburg und Solothurn abgeschlossenen Burgrechtsverträge verlesen werden sollten. Der erste Antrag ist in Zürich, nach den Erfahrungen mit Ennio [Filonardi]und Veit Suter, sicherlich unbestritten. Zum zweiten wird sich Zürich noch mit den evangelischen Orten absprechen. Die augenblickliche Schwäche der V Orte sollte ausgenutzt werden. Eine ausfallende Bemerkung Luthers über den Tod Emsers und Oekolampads. S. Capita quaedam, vir clarissime, rerum in proximis Badenis comitiis proposita 1 , quae a te imprimis desyderari puto, annotavi in hanc hisce colligatam pagellam 2 . Tu tuos hortare, constantes sint, uti coeperunt. Gratissima mihi sunt, quae de bello 3 scribis 4 . Ich a bitt üch früntlich, ir wöllind mir also getrüwlich und eigentlich 5 , wie bißhar beschähen ist, alleß
zuschryben, quibus bonos et fidos consolari et firmare possim b . Utinam deus fortunet! Si enim contra opinionem multorum res ceciderit et Ferdinandus superior fuerit, deus bone, quanta insolentia impii nostri miseris nobis insultabunt! Orandus ergo dominus, ut nostri propter gloriam nominis sui misereatur. Scripsit mihi lantgravius 6 hisce diebus (uni tibi id credo), unum hoc apud magistratum nostrum impetrem, ut milites per Tigurinorum agrum transeuntes 7 non prohibeat aut offendere sinat. Ego vero nihil apud quemquam tentaverim vel verbo, quod crederent nescio quid consilii latitare aut inter nos foveri. Id tamen unice admiror, quod nemine vel orante vel impetrante transeuntibus aliquot centuriis nemo quicquam iniuriae intulerit, sed benefitiis onerarit. Interim tamen senatus noster non permittit cuiquam ex suis, ut castra petat vel Wirtemb[ergensis]8 vel Ferdinan[di]9 , et nos eo hortamur. Non enim nescimus, quam ansam Galli faventes partibus apprehenderent tuendi suas imposturas, si sileremus [!] in hac expeditione. Porro, quod a nobis virum petis doctum, prudentem, cordatum 10 , exhibemus tibi D. Andream Carolstadium virum eruditissimum, piissimum et exercitatissimum in sacris, adde et prophanis literis ac disputationibus, de quo plura loquuti sumus cum scholastico isto, oeconomo vestro 11 . Non est, quod verearis hominem esse talem, qualem pinxit Lutherus c 12 ; vir est mitissimus, humillimus et omni parte absolutus. Novit hominem Grynaeus 13 . Tu, an hic placeat aut quid porro facturus sim, ostende 14 . Vale. 24. aprilis 1534. Heinrychus tuus. [Adresse auf der Beilage.] || E II 441, 431 [Beilage:] 15 M. Johanß Hab und M. Heinrych Raan 16 , unser herrenn botten, sagend vil liebe, gutz und früntschafft, vonn den botten vonn Basel 17 bewysen, insonders das sy hantlich 18 und dappffer gewäsen, ouch fürgetragen,
[1.] das es gut wäre, man vermöchte 19 und verhandlete ann den übergen orten, das sy nitt uffenthielltend 20 frömbder herren botten, vonn und uß denen einer Eydgnoschafft nützid 21 guts erwachsen mag 22 etc., [2.] diewyl die Eydgnossen inn disen schwerren löuffen 23 begärend ze wüssen, weß sy sich zu den stetten deß evangelischen gloubens versähen 24 söllend 25 , begärt Basel dagägen, den pundt, mitt Fryburg unnd Solothurnn gemacht, ze hörrenn etc. 26 Hie acht 27 ich, werde eß by unß gar ghein stooß 28 haben deß ersten artickels halb. Dann min herren habend inn tryben 29 wider Ennium vor einem jar 30 . Sy habend ouch Vyten Sauter 31 und die keysserischen müssen von Zürych schicken der Eydgnossen halben 32 . Deß andern artickels halben, ouch anderer, wirt morn Marci 33 inn rädt und burgern radtschlagen 34 , was man kommlich 35 antwurten wölle. Achten
wol, man werde dem radt ze Bernn und Basel zuschryben, das man ein einmündige 36 antwurt gen Baden bringe 37 . Dann das hoffend die guten by unß. Die Immontani 38 sind inn anxt, thätend vilicht jetzund, das sust 39 nitt beschäch. Occasio non negligenda, tempus redimendum. Ich wöllt gern, das man jetzund mitt inen redte, das sy unß nitt also balgtind 40 , yemerdar 41 ir bottschafft gen Inßprug und inn Meyland hättind etc. 42 Tu scis, quid monendum sit etc. 432 || Exemplar Germanicum Lutheri sic habet: «Ich hallt 43 , das Emser und Oecolampadius und der glychen sind durch sölche fürige pfyl und spieß deß tüfels so plötzlich gestorben.» 44 Hoc quid aliud est quam interemptum aut praefocatum esse a Sathana? 45 [Adresse darunter:] Clarissimo viro d. Osvaldo Myconio, Basileiensi antistiti, fratri imprimis observando. [364]Bullinger an Joachim Vadian [Zürich], 24. April 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342, 27 (Siegelspur) Gedruckt: Vadian BW V 163f Teilt aus dem Brief des Myconius vom 20. April 1534 [Nr. 359]den Abschnitt über die Kriegsvorbereitungen mit. Der Streit zwischen dem Abt von St. Gallen und der Stadt St. Gallen soll angesichts der auswärtigen Gefahren eingestellt werden. Bittet, die Epitome weiterzuführen. S. Myconius ita ad me 20. aprilis scribebat 1 : Princeps Hessorum [...] silentium esse a . Haec Myconius. Tu si quid istarum rerum habueris, communica. Totus ego in hoc sum erga fidos quosdam viros 2 , ut litem istam abbatis 3 et vestram dirimant 4 , ita ut intra hasce turbas periculosissimas annum unum
atque alterum a contentione iuridica abstineamus, quaeque interim partium suo iure et suys utatur privilegiis, et spes est me hac in re nonnihil assequuturum. Vale, et in Epitome 5 perge. Relegere non vacavit. 24. aprilis 1534. Voglerum salvum volo. Hein. tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Doctori loachimo Vadiano, Sangallensi consuli prudentissimo, amico et domino imprimis observando. [365]Martin Bucer an Bullinger Straßburg, 24. April [1534] Autograph: Zürich StA, E II 348, 428 (Siegelspur) Ungedruckt Empfange aufmerksam den gebildeten Briefüberbringer [Johannes Lening]. Deine Ratschläge sind richtig, aber unsere Beurteilung anderer muß vom Wunsch nach Frieden bestimmt sein. Hätten nur auch jene stets um Frieden gebetet! Soweit sie [die Lutheraner(?)]Frieden suchen, werdet ihr ihnen gegenüber zuvorkommend sein. Der Fürst [Philipp von Hessen (?)]scheint gottesfürchtig zu sein; insofern wollen wir ihn unterstützen. Mit dem auf unserer Seite stehenden Boten werdet ihr ernsthaft und aufrichtig verhandeln und nicht wie Luther Unbekanntes verdammen. Er soll sehen, daß wir -anders als die Lutheraner -wahrhaft Brüder sind. Gratia domini, mi Heylryche. Hunc 2 accipe pro tua pietate et illa rara humanitate. Sunt ista consilia, ut scribis 3 . Tamen nobis iudicandum est secundum ea, quae homines profitentur.
Ex ore tuo te iudico 4 Iudicandum dico de aliis. Nos in nostra re cauti simus pro ea cognitione, quam donaverit dominus. Pacem orare debemus omnes 5 , et utinam haec olim sententia a illic sedisset omnibus. Sed hoc ampliores deo agendae gratiae, quod isto animo vos donavit. Quatenus igitur hi pacem quaesierint, officiosi in eos esse studebitis. Princeps 6 hic videtur timere deum. Hactenus faveamus ei. Homo 7 hic, qui ad vos venit, Pius et plane eruditus est, tum noster. Verum hoc. De omnibus agetis cum eo gravius et candidius, ne quis id, quod in Luthero merito damnamus, in nobis notet, inaudita scilicet et incognita condemnari 8 . Ut igitur soles, sis erga hunc Bullingerus. Saluta symmystas et adsis huic ita, ut videat nos vere invicem fratres esse prae eo, quod apud Lutheranos conspicitur. Argentorati, 24. aprilis. M. Bucerus tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Vere pio et docto Christi ministro Heylrycho Bullingero, fratri summe charo. [366]Michael Häcker an Bullinger [Buchs] , 24. April [1534] Autograph: Zürich StA, E II 441, 468 (Siegel) Ungedruckt War zusammen mit Fridolin Keller und Hans [Schmid]in Baden, wo ihnen erzählt wurde, wie Thomas, der Stubenknecht zum Rüden, seinen Sohn als Mönch ins Kloster Wettingen stecken will, was dem Ruf Zürichs abträglich wäre. Bittet deshalb Bullinger, etwas dagegen zu unternehmen und den Zürcher Rat zu benachrichtigen. Gratia et pax a deo patre et domino nostro Ihesu Christo. Amen. Min Meister Heinrich, ich laß uch wissen, wie her Fridli Keller 3 , her
Hans 4 von Dellikon und ich uff sant Jörgen tag 5 zu Baden 6 by den grossen bederen gewesen, ist uns ernstlich angezeygt worden von ettlichen 7 von Zurch, die da ein badenfart 8 habend, und gruntlich erfaren und vernommen, wie Thomma, stubenknecht 9 zu dem Rüden 10 , habe ein sun in das kloster gön Wettingen 11 gethon, ein münch uß imm ze machen, und understand in achtagen imm die kutten anzelegen 12 , welches dem heyligen evangelio gantz und gar nachteylig, ouch wider unsere herren mandaten statt und land nachteylig und ein ergerlich geschrey zu Baden: «Schow, schow, die von Zurch fahend an ire sün in die klöster ze thun. Eß wirt bald ein anders werden etc.» Darumb, min Meister Heinrich, lassend uch der schantlich handel angelegen sin, dem wyder ze sin 13 und unseren herren anzeygen mitt ernst etc. Datum ylentz, fritag nach Jeory. Vale. Michel Hacker, pfarrer zu Buchs, üwer allzyt williger. [Adresse auf der Rückseite:] Dem frommen Meister Heinrichen Bullinger, predicant zu dem grossen munster Zurch, minem lieben frund und bruder.
[367]Bullinger an Johannes Stumpf [Zürich], 28. April 1534 Abschrift von Johannes Stumpf: Zürich ZB, Ms S 313, 7v. Ungedruckt Freut sich über den Eifer, mit dem gegen die Mönche [von Rüti] vorgegangen wird. Man hat es mit durchtriebenen Leuten zu tun, weshalb man gut vorbereitet sein muß. Konrad [Lüthard]hätte sich vorsichtiger äußern sollen. Die Mönche sollen entweder durch Stumpf oder den Dekan von Uster oder durch beide zur Synode aufgeboten werden, wo sie die Anklagepunkte hören werden. Heynrichus Bullingerus primaeguardensis, ecclesiae Thuregiensis pastor primarius etc. Ioanni Stumpffio, ministro verbi ecclesiae in Bubickon. Gratiam et pacem. Placet mihi ille zelus vester, quo hypocrisim simul et malitiam in profligatissimis monachis 1 persequimini 2 . Operam dabimus, ut audacia hominum versutissimorum reprimatur. Vestrum fuerit singula ita communire, ut si illi negarint, quemadmodum nullius rei pudet, facile convinci possint. Res nobis est cum sepiis et Protheis 3 veteratoribus. Proinde probe instructos esse decet. Nihil nos delere potuimus. Nescimus enim, quae probabilia, quae dumtaxat verisimilia sint. Fratrem nostrum Conradum a4 optaremus vel prudentius vel modestius loquutum 5 . Sed quando semel emissum volat irrevocabile verbum
Valeant in domino, qui Christo tecum fidunt ministri. Mementote ministerii vestri. [368]Bullinger an [Philipp von Hessen] Zürich, 29. April 1534 Autographes Konzept: Zürich ZB, Ms K 40, 59r. Ungedruckt Hat auf Wunsch Philipps von Hessen den Gesandten [Johannes]Lening in der Ausführung seines Auftrages unterstützt. Außer dem Artikel über eine mögliche Bedrohung des Sundgaus, der für Zürich unnötig war, ist alles getreulich vorgetragen worden. Lening wird ausführlich Bericht erstatten. Durchlüch[tiger], hochgepor[ner] fürst und herr, min a gepürlich 2 , willig dienst syend u[wer] f[ürstlich] g[nad]en voran bereydt.
Demnach b u. f. g. begärt c 4 , Lenigno d 3 , u. f. g. mundtpotten 5 beholffen ze sin, hab ich minen e besten flyß angewendt, daß er sin empfälch 6 ze dem f getrüwlichisten g vollenden h möchte. Das er ouch geflyssen i gethon, biß ann den einen artickel, die bedrowung inn gestallten der k embörung 7 gägen dem Sundgöw belangend l 8 . Dann sömlichs uß vilen ursachen 9 fürzetragen sich by uns gar nitt m geschickt 10 , noch u. f. g. nutz gewäsen, allß n das ützid 11 [h]ätte mögen für[d]ern. Was dan[n]ethin by unß [u.]f. g. und iro [f]ürnemmen
Datum Zurych deß 29. tags imm aprellen imm 1534. jar. U. f. g. gantz williger diener H. B., diener deß wortz der kylchen Z[ürich]. [369]Hans Kilchrat an Bullinger Rüti, 1. Mai 1534 Autograph: Zürich StA, E II 355, 56 (Siegelspur) Ungedruckt Konrad [Lüthard]hat gebeten, jemanden von der Gemeinde abzuordnen, um bei der Obrigkeit zu seinen Gunsten einzutreten. Eine vom Weibel veranlaßte Aufforderung ist aber erfolglos geblieben, will sich doch niemand der Sache annehmen, um keinen Streit mit dem Kloster zu haben. Kilchrat bittet Bullinger, ein Mitglied des Rates zu unterrichten, da er fürchtet, Lüthard werde vielleicht allzu hart gestraft. Minn früntlich grus und wilig diennst sinnd üch altzit faran [!] bereit, lieber her. Es ist mir geschriben von her Kunraten 1 , uinserem bredikanten, so by üch zu Zürich gefangen lit 2 , und mich also ermant, zu verschalen, das tie gmeind im ein man ader [!] zwen von ir aler wägen zu mienen heren 3 schiken, da ze biten, das min heren im das best weiten tun. Und uf semlichs hab ich den weibel 4 beschikt 5 und im a die meinung antzeigt. Des er gutwilig
was unnd hat darumm die unndertanen beruft. Aber es hat nüt mögen verfahen 6 , da sich der merteil der sach nüt welen beladen und etlich die antwurt gen 7 , der keler 8 im kloster hör 9 ouch derzu, hinder dem 10 nüt zu handlen, und aber er sich der sach nüt welen beladen. Und aber damit ir nüt möchten dengken, wie es zugieng, das semlichs nüt möcht verfahen, hat es die gestalt, das mich die sach also anset 11 , das teren nach als fil sinnd, die sich abtretinnd 12 von wägen, da sy nüt unwilen 13 wider das kloster empfahind 14 ; darf nüt jehen 15 die münch b 16 . Und ist aber deren, so an die gmeind hören, wenig, und gand dan etlich näbend umm oich an die bieye 17 , die nüt zu der gmeind hören, die sich der sach ouch nüt können c beladen. Und darum so mögend ir etwan ein guten man des ratz berichten, das tenn guten heren gescheyden 18 möcht werden. Dan ich besorg, es sy inn 19 drülich 20 dartan, was 21 geret hab, dan es nüt jederman so scharpf dücht, als er aber flucht engelten mus. wie warlich d niemand in sin sagen nüt gret wil han 22 . Der almechtig got well üch und unns alli vor üblem behuten. Datum zu Rüti, fritag, was Filip und Jakoby inn 34. jar. Von mir, Hanns Kilchrat, üwer altzit willigen d[iener]. [Adresse auf der Rückseite:] Dem ersamen und erwirdigen heren, her Heinrichen Bulli, vorsteher e und bredikant zumm großen müster Zürich. [370]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 3. Mai 1534 Autograph: Zürich StA, E II 360, 11f (Siegelspur) Teildruck: De Quervain 10f Beantwortet vier kürzlich erhaltene Briefe von Bullinger. Zum 1. Brief Freut sich über den Erfolg von Bullingers Werken an der Frankfurter Büchermesse und wünscht dasselbe auch für Pellikans Kommentare. Bernische Abordnung beim Herzog von Savoyen wegen eines evangelischen Adeligen [Anton Bonjour?], dessen Güter enteignet worden sind. Kriegsgefahr. Zum 2. Brief: Megander hat sich bei Haller
nicht darüber beklagt, daß sein Kommentar zum Epheserbrief in Zürich nicht gedruckt werden konnte. Haller wird darin mit [Simon]Sulzer erwähnt, was er nicht zu verdienen meint. [Johannes]Rhellikan hat am Werk mehr Anteil als Megander. Es wurde nach Basel zum Druck gesandt. Haller freut sich über alles, was die Kirche erbaut: Bullinger soll mit seiner allgemein geschätzten Arbeit fortfahren. Der Eidgenössischen Tagsatzung hat Bern auf ähnliche Weise geantwortet wie Zürich. Johannes Lening, dem Gesandten von [Philipp] von Hessen, antwortete der Berner Rat, daß man zur Zeit keinen Durchmarsch fremder Truppen durch das eigene Gebiet erlauben könne. Von der Frechheit eines zürcherischen Landpfarrers war in Bern noch nichts bekannt. Auf der Frühjahrssynode in Bern haben Stadt- und Landpfarrer sich gegenseitig über ihre Lehre befragt. Das Ganze verlief nach Wunsch, nur Megander hat mit seiner überraschend vorgetragenen These, es gebe keinen Unterschied in der Art, wie Adam von Gott geschaffen worden sei und wir von den Eltern geboren werden, eine unnütze, für viele anstößige Diskussion verursacht. Auftritt des Franzosen Claude [d'Aliod] nach der Synode: wegen seiner antitrinitarischen Ansichten (er ist ein Schüler Michael Servets) soll ein Disput am 5. Mai mit ihm stattfinden. [Sebastian] von Diesbach ist nach Freiburg ausgewandert. Haller bittet um die Zusendung von Bullingers Kommentar zu den Korintherbriefen, sobald sie erscheinen; Bullingers Kommentar zur Apostelgeschichte gebraucht er gerade für die Predigt, den zu den Petrusbriefen las zuerst Christian [Danmatter] mit Bewunderung. Haller hielt an der Synode zwei Predigten über das Prophetenamt im Sinne von Bullingers Rede [«De prophetae officio», 1532]; er bedauert, nicht ausführlicher darüber referieren zu können. Wann könnte Bullinger nach Lenzburg kommen? Alle Berner Boten sind in Freiburg; bei ihrer Rückkehr wird dieser Brief absendebereit sein. Grüße. S. Paucis abhinc diebus quattuor a te, amicissime Heinrice, accaepi epistolas 1 , tui in me amoris testes locupletissimas. Quibus ex ordine, quod habeo, respondebo. Primum, ut tua Franckfordiae vendita sint 2 , non miror, immo potius calamitatem imminentem existimarem, quando praesens saeculum non ea amplexaretur, quibus id ipsum dominus per te, organum suum, dignatus est, tametsi Pellicani commentarios 3 etiam divenditos summe desiderem. Deinde a nostris nihil intelligo aliud, quam quod pacem maxime desiderent. Adeunt ducem Allobrogorum 4 questor 5 , Formosus 6 ac urbis architectus 7 in causa cuiusdam nobilis 8 , viri alioqui pii et boni, cuius arces et bona, quod
verbo adhereat 9 , a nonnullis occupata tenentur. In summa: Bellum abhorremus, tametsi vici omnes nihil nisi bellica tonent 10 . Atque haec ad primam responderim epistolam. Secundam epistolam 22. aprilis a te emissam 11 3. maii et tardius quidem accaepi, in qua mentionem facis commentarii Megandri in epistolam ad Ephesios 12 . Tametsi nihil audiverim ab eo, quod male consulat hunc apud vos non impressum 13 , quidquid tamen est, mihi nunquam obtulit legendum. Hypodidascalus 14 , qui transscripsit, aliquando paucula quaedam ostendit, ubi Sultzeri et mei memoriam fecit 15 , quam tamen malim obliteratam, quod nulla re dignus sim, qui apud a bibliopolas nomine prostem 16 . Certum est Megandrum paucula quaedam annotasse, caeterum Rellicanum omnia in ordinem digessisse, ut potius dixerim Rellicani esse quam Megandri. Misit libellum Basilaeam, ut illic imprimatur. Num id facturi sint necne, responsum expectat. Ego in his omnibus a domino pendeo. Prophetias non aspernor. Quod bonum et ad edificationem ecclesiae servit, cum gratiarum actione amplector in uno maiora, in alio minora agnoscens dona. Simplicitas, syncaeritas et pietas placet in iis, qui nunc scribunt. Ceterum, quae ex inani gloria prodeunt,
ipsa fronte mihi cognita videntur. Tu perge foeliciter, ut caepisti 17 . Nam quotquot in synodo nostra audivi fratres, deum in te laudant, sua dona in te apprime commendant et perpetuo desiderio tui tenentur, qui quottidie alia et alia faeliciori successu sis praestiturus. Sapere incipiunt parochi nostri et cum delectu doctos nostri temporis agnoscunt. Responsum Helvetiis iam datum 18 omnibus placet, et utinam habuissemus, antequam legati fuissent amandati! Par fuisset nostratum responsum 19 , tametsi a vestro nihil dissideat, nisi quod vestrum explicatius est, nostrum generalius. Cattorum principis 20 legatum Io[annem] Lenignum 21 comiter excaepit senatus et liberali satis responso hunc amandavit, nempe conditionem nostram nunc talem esse, ut milites nullos cuiquam permittere possint, promoturos tamen quovis modo conatum utriusque principis 22 nec illorum hostibus transitum apud nos fore liberum 23 . Proinde pastoris illius ex agro vestro importunitatem 24 et ego non miror, illius tamen nulla adhuc apud nos facta est mentio. Quae si incident, gaudeo me veritatem a te didicisse. De synodo nostra 25 hec habe: Primum convenimus omnes, quotquot sunt ministri et diaconi in Bernatium agro exclusis reliquis omnibus, exulibus scilicet Salodorensium 26 et aliis, et synodi celebrandae modum proposuimus fratribus. Is erat, ut ante prandium diebus tribus nos, qui Bernae docemus, a caeteris fratribus scrutaremur, ordine tamen observato, quomodo quisque legem evangelii, abolitionem legis, iustificationem, opera, praedestinationem, sacramenta et quicquid tale esset, doceret, ea b tamen conditione, ut simili libertate uterentur erga nos, ut et ipsi interrogati responderemus. Omnia faelicissime cesserunt et, ut speramus, cum profectu, ut scilicet, qui hactenus studiosi satis et fideles fuerunt, proficiant, ignavis calcaria sint addita 27 , quo paratiores et promptiores deinceps rationem suae provinciae reddere possint. Caeterum in his omnibus suam et hactenus a me inauditam synodo obtulit sententiam Megander. Nempe cum ipse primus rogaretur a me, quomodo legem doceret, cepit ab Adam ordiri, quomodo is creatus esset a deo 28 non
alius quam nos a nostris hodie nascamur parentibus, atque id cum tanta verborum pompa, ut a multis pro oraculo susciperetur. Franciscus 29 renuit. Fratrum aliorum cum varia essent iudicia, plerique astipularentur Megandro, ego obticui expectans, quid per «similitudinem et imaginem» dei [Gen 1, 26], iuxta quam primus homo creatus erat, intelligerent. Cum itaque singulatim rogarentur, alius legem naturae hanc esse imaginem, alius pronitatem quandam ad bonum etiam impiis communem [?]c , alius iusticiam, sanctitatem et veritatem intellexit, cumque rogaretur Megander, ultimum asseruit et alius, Schlupfindhegg 30 nimirum tibi notus, cum eo. Inferebam ego non parem esse Adae et nostram conditionem, quod Adam iuxta imaginem dei creatus sit, iustus, sanctus, verax, peccabilis tamen immo praeordinatus, ut caderet, qui tamen quantum, in se esset [?]d , peccare non potuisset, immo vim benefaciendi increatam haberet, nos vero hac libertate destituti a peccatoribus nati nihil nisi ad peccandum vim, fomitem, proclivitatem et originem ab illis receperimus, ita ut peccatum nobis sit ingenitum, Adae vero increata imago dei, id est iusticia, sanctitas et veritas, tametsi iuxta dei ordinationem casus praevisus fuerit 31 . Unde [?]e non pari modo Adam creatur a deo, ut nos a parentibus nascimur f . Hic mansimus re infecta multis per hanc loquendi novitatem et temeritatem offensis, multis item Megandri acre ingenium admirantibus. Also gond wir mitt narrenwerck umm, wend 32 allein gleert sin, achtend wenig, was buwe 33 und die kilchen verbessere. Lass ich fürgon, ut devitem contentiones inter nos et ali[as]g . Sust sind wir in allen dingen wol überein kummen und wol eins, habend ouch beredt vocationem, seu [?]h examen, permutationem, capitula und imm bann zwen mangel by unß erkent, die noch ze verbesse[ren]i . Der ein, daß kein uss schliessen noch binden oder gschieden 34 bi unser kilchen, der ander, daß kein entbinden oder versünen 35 by der kilchen ist und sy desshalb noch nitt ir auctoritet hett, wie ouch by euch fern 36 in comitiis praesente Megandro 37 beredt, und als by unß nitt erhept 38 hett mögen werden. Iam habes omnia, quae apud nos acta sunt.
Mox peracta et soluta sinodo venit ad colloquium nostrum Gallus 39 quidam parvulus, corruptae alioqui mentis, a Basilaea propter Myconium proscriptus 40 . Is proposuit nobis se aliter sentire de deo quam n[os]k . Unum asseruit deum, trinitatem et personas in divinis non minorem abominationem esse quam missam, Christum non esse deum nec naturalem dei filium nec patri consubstantialem et coaeternum, similiter spiritum sanctum nec esse deum nec patri coessentialem 41 . Huic dies designatus est quinta maii. In colloquio nostro audiemus hominem. Quodsi non cessaverit turbare ecclesias et fratres, curabimus eum proscribi 42 . Serveti Hispani nimirum discipulus est, sed sua non poterit defendere. Parvulus homuncio est et Claudius vocatur, ut, dum ad vos venerit, ipsum noscatis. Und wie sich der schimpf[t]l , wil ich dich brichten. Consul a Diesbach 43 hett das burgrecht by unß uffgen, ist gen Friburg zogen 44
12 || Caeterum, quae de epistola Corinthiorum 45 scribis iam per te illustranda, retulit et Simon 46 . Obsecro, quos semper habueris excusos quaterniones 47 ad me mittas. Posterior , epistola 48 talis est, uss deren ich mich wenig verrichten kan; wil din geist gern hören, dann er mir noch amm aller angnämesten ist, und wie ichs beger, also find ichs by dir. Apostolorum Acta pro contione tracto, ut per ocium et cum iudicio commentarios tuos 49 , quos prius tumultuanter videram, legere possim. Quae in Petrum 50 notasti, Cristanus 51 a Gerzense 52 ut prior, et diligentissime quidem pellegit, ita profectum tuum admiratur, tametsi nunc gravissima febri detineatur. Contiones duas habui de officio prophetico 53 in sinodo nostra tua oratione 54 adiutus. Utinam tantum temporis superesset, ut tibi earum scopum indicare possem! Nam alioqui, nisi adulenter [!], etiam optimi quique optime consuluerunt omnes. Aliud nihil habeo. Dominus te nobis omnibus servet incolumem! Perge in foenore dominico 55 et me, ut soles, non solum fratrem, quem hactenus tu semper praestitisti, sed suppedaneum tuum tibi commendatum habe. Lieber, lass mich wissen, wenn es dir am aller glägnist wäre, gen Lentzburg ze kummen 56 ; wil ich erdencken, obs mir doch ienen 57 ouch müglich wäre. Wir wellind denn beiten 58 biß zu end der kriegen. Vale. Nuncii 59 omnes Friburgum petierunt. Interim ego scripsi, ut dum redirent, literae paratae essent. 3. maii anno 34. Salvus sit Leo 60 , Pellicanus, Carolstadius, Theodorus 61 et alii omnes. Tuus B. H. aut H. B. [Adresse darunter:] Heinrico Bullingero, Tigurinae ecclesiae pastori fidissimo, fratri suo semper amantissimo.
[371]Die Pfarrer des Wetzikoner Kapitels an die Synode
in Zürich [Ohne Ort, kurz vor 5. Mai 1534] Ausfertigung a : Zürich StA, E II 1, 167-175 (ohne Siegelspur) Ungedruckt Die nach der Aufhebung im Kloster Rüti verbliebenen Mönche Wolfgang Huber, Sebastian Hegner und [Rudolf Spänli]geben durch ihr Verhalten und ihre Lebensweise zu Klagen Anlaß: 1. Sebastian Hegner hat auf der Frühjahrssynode 1533 im Gespräch mit andern Pfarrern das Wetzikoner Kapitel der Parteilichkeit bezichtigt; 2. Die drei Mönche weigern sich, dem Pfarrer zu Rüti im Abendmahlsgottesdienst zuzudienen; 3. Sie stören mit rücksichtslosem Benehmen den Predigtgottesdienst; 4. Wolfgang Huber ist im Umgang mit den Leuten gewalttätig und streitsüchtig; 5. Die drei lassen sich gerne mit den in Rüti vorbeiziehenden Einsiedeln-Pilgern, mit Priestern und Mönchen vor allem, ein, verhalten sich jedoch den Reformierten gegenüber abweisend; 6. Das Benehmen gegenüber dem Pfarrer von Wald [Martin Manhart], dem sie ungestraft den Heuzehnten vorenthalten und verderben lassen konnten, erregt den Unwillen des Volkes; 7. Die Anwesenheit von Dirnen, mit denen sich auch verheiratete Klosterknechte einlassen, richtet viel Schaden an; besonders stoßend ist der Fall des Marx Walder und der Margaret Guggenbüchlin; 8. Der Mönche üppiger, grober und unsittlicher Lebenswandel ziemt sich nicht für Leute, die aus den Kirchengütern unterhalten werden; 9. Die Knechte folgen dem üblen Beispiel und saufen, fluchen, schmähen (verleumdeten z. B., geschützt durch ihre Herren, den Schaffner zu Bubikon) und beschimpfen reformierte Pfarrer; 10. Die Fütterung der zahlreichen Hunde mit gutem Essen angesichts der wartenden Almosenbezüger sowie der große Aufwand für die Jagd lassen sich nicht rechtfertigen; 11. Wegen der Mönche, aber gegen den Willen des arbeitenden Volkes, findet der Morgengottesdienst so spät statt, daß sich diese gleich anschließend zu Tisch begeben können. Sie, die Pfarrer des Wetzikoner Kapitels, bitten die Synode um Rat und Hilfe. Den erwirdigen, fromen, ernsten b , fürsichtigen, ersamen, wysen herren burgermeistern, den zugesetzten 3 und den dieneren des wortz gottes im synodo Zürich versamlet, unsern gnädigen herren und lieben brüderen in got, enbieten
wir, die verkünder des evangelii des capitels Wetzikon im ampt Grünigen c , gnad und frid von got sampt pflichtiger gehorsami gantz underteniglich zuvor. Gnädigen herren und brüder, nach dem in vilen vergangnen synodis mengerlei klegtten der conventtherren zu Rüty 4 halb fürgebrachtt und doch die volgenden gnädigen und brüderlichen warnungen wenig verfangen, habend wir vor einem jar mit dem fürtrag etlicher irer unordentlicher handlungen 5 üwer ersam wysheit und liebe demietiglich gebetten, gnädiglich mit den obgenanten herren zu verschaffen 6 , sich in irem leben und wandel (in ansehung, wie gnädiglich und rychlich sy von unseren gnädigen herren uß der kilchen gut mit lybgedingen 7 versechen sind) etwas geschicktter 8 , züchtiger und yngethoner 9 zu halten und der kilchen gottes mit züchtigem wandel ein gut exempel vorzutragen, und fürnemlich, das sy sich gegen uns, den dieneren des wort gottes (die doch nüt anderst dann irer früntschafftt und gutwillickeit ye und ye begert habend), etwas früntlicher, brüderlicher und gultwilliger erzöugtten 10 , in hofnung, das dann och diejenigen, so sy inen täglich uß unseren pfarren mit gaben, suppen, mütschlinen 11 , wildpret und anderen vererungen und früntschafftten 12 anhengig machend, der warheit etwas zustendiger 13 , der bredig geflisner, unser herren mandaten bykleiber 14 , och gegen uns und unserer leer mit hinderwertigem 15 scheltten und schmitzen d 16 (damit dann das volk nit wenig verwirt und über uns verhetzt wirt) etwas mesiger und yngethoner 17 , dann ein zytlang beschechen, erfunden 18 werden soltend. Aber unser göttlich beger und das gnädig vermanen, och das vätterlich warnen unserer g[nädigen] h[erren] und des synodi
durch herr burgermeister Waldern und Meister Heinrichen Bullingern 19 beschechen, hat leider nit mer verfangen, || 168 dann das gar wenig besserung gemelter herren halb zu Rüty gespirt wirt, sonder hat es in allweg 20 iren und des husgesindes halb e die gestalt, wie hernach volget. 1. Erstlich hat der Bastion Hegnower 21 sich uff obangezeigtem synodo, vor einem jar gehalten 22 , gegen etlichen brüderen beklagtt uff die maß, sam 23 wir als partygisch allein uff sy zu klagen und anderer ir mishandlungen zu verschonen geneigtt sygind, welches uns besonder schmertzlich zu tragen. Begerend hierum, das er und die anderen erforderet 24 werdind, von uns gemeinlich und sonderlich ires wissens zügnus ze geben, in hoffnung, das inen sellichs eren und gelüptten halb zu thon gebüren selli. 2. Und als vor einem jar von den genanten herren anzöugtt ward, das sy irem predicanten 25 zu den zytten der begengnus des nachtmals Christi als diaconi oder gehilffen gar nie syend zugestanden 26 , also das och gemeltter predicant in eigner person sampt dem pfleger 27 das brot und tranck dem folk fürzetragen genötiget worden, do doch unsers bedunckens selliche dienstbarkeit
gegen der kilchen niemand bas 28 dann inen zugestanden, als die von der kilchen erhalten werden, und sich billich 29 des fröwen soltend, diewil sy doch sunst der kilchen kein nutz geberend. Sellichs aber hat man vor und nach an inen nie befunden biß uff disen tag f . || 169 3. g Demnach wirt och merglicher 30 unflyß an irem kilchgang gespürt, in dem das sy ye spat nach dem anfang, underwylen och zu halber predig erst, in die kilchen komend und demnach sich sampt etlichen inen anhengig hinder der cantzlen, ennet der muren im chor h , enthaltend 31 , daselbst etwa 32 sunst under der predig uß und yn lofend mit husten, rüsperen und schlürpen 33 mit den füssen, och etwa vor end der predig uß der kilchen gond. Sellicher unflyß dem gemeinen volk grosen anstoß geburt 34 ; deshalb etlich erber lüt sich beclagend, das durch die resonans und das gethön ires gefärlichen 35 rüsperens, hustens, hin und widerlofens das gesprech des predicanten betrübt und unverstendig gemacht und inen dardurch das gemörgg 36 genomen werde. 4. i Herr Wolff Huber 37 , keller zu Rüty, gebrucht sich offens frevels mit vilfaltigem handanlegen an die lüt, die er um kleinfüg 38 sachen bolderet 39 und schlacht j . Er ist och etwan 40 liederlich 41 von des prediglütens wegen mit fromen, redlichen k lüten und nachpuren in frid komen 42 , welches alles
im als einem diener einer christenlichen oberkheit und einem geistlichen gelerten l , so mit dem schweiß der armen uß der kilchen gut ernert wirt, übel anstat. Und diewyl uff alle sine frevel, handanlegung noch bishar nie kein buß noch straff gefolget ist, so sprechend etlich der leyen also: Der keller hat gut mit den lüten schlachen, es schatt 43 im nüt. Het ich die fryheit, ich welt och mit vilen schlachen etc. Wir geschwygen hie, wie geneigt die herren syend, sellich bussen und frevel, och von anderen iren anhengeren begangen, zu verstrychen 44 und heimlich vertädingen 45 . || 170 5. m Es beflysend sich och die obgenanten herren zu vil malen inzuziehen die wandlenden bilgeri 46 , so uff der straß gen Einsidlen 47 ziehend, und fürnemlich etliche meßpfaffen und münch, die doch weder einer loblichen stat Zürich noch irem globen günstig sind. Wie vil sy aber armer vertribner umb gottes wortz willen beherberget oder wie früntlich sy gegen den verkünderen des wort gottes und denyenigen, so sich die christenlichen mandaten und ordnungen der stat Zürich understond zu volziehen, erzöugind 48 , das hören wir nit vil rümen. Wol spürt man nit allein by inen grosen unwillen, so etlich predicanten gen Rüty wandlend 49 , sonder das och das husgsind, so den gemelten predicanten günstig, deß gegen inen engelten muß. 6. n Wie o och die vilgemelten herren dem pfarrher von Wald 50 vergangens jars den zehenden uff Scheidegg gericht 51 , ist offenbar 52 . Diewyl aber etlicher amptman uß angeben genanter herren umb miszehendens 53 willen umm eer und gut gestrafftt worden, und aber sy umb sellichs nit wyter ersucht noch erfordert 54 werdend, halt sich die red by dem gemeinen popel 55 (welches on das des zehendens unwillig ist), das sy also sprechend: Ist das recht zehendet, so weiß ich och wol, wie ich mich fürohin halten sol. 7. p Alle stifftung 56 des babstums und der abgötery ist durch unser g[nädig] h[erren] von Zürich zu Rüty reformiert und verbessert, ußgenomen die ergerliche uffenthaltung 57 der gemeinen dümen 58 , die zun zytten sich in
guter anzal da besamlendt, etwa lang da leistend 59 , deren das closter selten oder niemar ler ist, die och vil schinbarer 60 , baß und lenger dann keine armen (die doch och nach ordnung unserer g[nädigen] h[erren] den lasterhaftten in niesung 61 des almusens billich vorgan soltend) da gespyst, geherbergtt und ufen-||171 thalten 62 werdend, welcher metzen 63 sich och zun zytten die knecht und ander, so eewyber habend, misbruchend und offentlich (nit mit kleinem anstoß unserer biderben kilchgenosen) q mit inen durch die dörffer uff die kilchwyhin und in die würtzhüser fürend. Och ein ledige dürn, Margret Guggenbüchlin 64 genandt, hat vor jarn ein kind zu Dürthen 65 by einem eeman gehept, demnach sich an ein knecht zu Rüty, Marx Walder 66 (der och ein ewyb hatt), gehengtt, nachmals umb irs unverschampten lebens willen vertriben und gen Rapperschwil gewichen und doch heimlichen ingang r zum hürig 67 gehept, entlich nach abscheide gemelten knechtz widerum (uß was erlobnuß wissend wir nit) gen Rüty komen, zu einer werkhfrowen 68 angenomen, och über das, sy etwa 69 von dem pfleger geurlobet 70 worden, ist doch so vil gehandlet, das man die und ander unerbar und ebrichig personen in s unser g[nädigen]h[erren] dienst und arbeit sechen muß. Wohin nun sellich exempel uns gegen denen, so wir in unseren pfarren umb glyche mistat nach unserer g[nädigen] h[erren] mandaten by unseren eyden und verlierung der pfrunden t straffen sellend 71 , dienen 72 möge, so unser g[nädigen] h[erren] amptlüt u mit sellichen lüten hushaltend, das gebend wir allen verstendigen zu erwegen. Sellend wir uß gottes bevelch Esaie 58[1] one underlaß über die ergerlichen laster schryen, die straffen und weren, wem sellend wir dann hie in so vilfaltiger uffenthaltung sellcher lychtvertiger lüten die schuld geben? 8. v Ob dann die obgemeltten herren ir leben erbarlich, one ergernuß, fürind und in reinikheit hinbringindt, ist groser zwyfel by aller erbarkheit, diewyl alle obangezöugte 73 uppikheit im closter Rüty im schwanck gat 74 , darzu alle heimliche ingeng und hurenschlich nit minder dann hievor im babstumb w 75 , sonder mer und etwas komlicher zugericht x 76 , och sy die schlissel zu allen thüren, stägen, wegen und ingengen in iren handen und
gewalt habendt. Es ||172 vermögends och etlich torrechtig 77 personen, so mit inen leichend 78 , von inen selbs nit verhalten 79 . Darnebend sind och etlich uß inen wandels halb y unzichtiger, dann solchen erbaren lüten, so von geistlichen und kilchengüteren erhalten werdend, wol anstande mit schamparem dantzen, küssen, angryffen 80 und halsen 81 der wybsbilden, darin sy underwylen och derjhenigen, so zulugend nit verschonent, welches doch och in frowenhüseren, geschwygen in gotzhüseren abschüchlich 82 were. Ob sy och ob dem tisch mer got lobind, brystind und dancksagind oder mer von unluteren sachen redind, wissend alle die, so mit inen essend und trinckend. So nun alle unzucht da befunden wirt und die guten herren, jung, stark und wolgefutert, och das closter ohne underlaß nit allein mit liederlichen werckhwybern 83 , sonder och mit metzen beladen, und aber daneben diejhenigen, so dem evangelio und der gerechtickheit wol und aller unerbarkheit übel wellend, so bärlich 84 darum gehasst werdend. So ist den fromen und gehorsamen landtlüten und gotzferchtigen christen hiemit groser anstoß und ergernuß gegeben mit verwunderung, wie doch selche Sodoma under der verwaltung einer so loblichen und christenlichen oberkheit so lang grunen 85 und Heston möge. 9. z So nun das husgesind gemeinlich mer uff die herren, dann uff yemand anderß uffsechen treit 86 , volget daruß, das man gar wenig zucht by den knechten spürt, dann das sich etlich uß inen aa underwylen volsuffend, demnach biderb lüt in dem irenn überloffend 87 mit gotzlestren, schmähen und übelreden, als dann etwa dem fromen schaffner 88 zu Bubikon und andern bb gethon. Und so sellichs von inen cc geklagtt ist inen von den herren fürgehalten 89 und bestand 90 geben, geschwygen, das sy etlich predicanten || 173 one ursach vor iren hüsern getratzt 91 und über sy geschruwen, da etlich der vilgenanten herren by gewesen sind. 10. dd Es treit das arm gemein volk groß beduren 92 nit mit kleiner hinderred 93 das , sy by disen grimen und langwirigen thürungen nit allein ein grose anzal hunden da enthalten 94 , sonder dieselben och ein lange zyt har überflisiglich mit guter gekochtter gezügtter 95 kost und brot uß der ee kuchin
vor den armen rychlich erneret, deß die armen zun zytten, so das muß erwunden 96 , manglen haben miessen. Wiewol sellichs kurtzer tagen durch den keller 97 geendert soll sin, also das man den armen vorgeben sol, so muß man doch so vil kochen, das die hund och muß und brot habind. Damit aber die armen und biderben landtlüt zu jamer, klag, unwillen und (als zu besorgen) zu lestrung des evangelii und hinderredung 98 einer christenlichen oberkheit (die doch on zwyfel deß nit bericht ist und kein schuld treit) gefürdert werdendt, so sy das thüwr muß und brot mit hunden sehend veretzen 99 . Wir geschwygend des costens, so uff die bestelten und bemietetten 100 jäger gadt mit spysung und anderem abzug. Wiewol nun sellich gejegtt 101 unsern g[nädigen] h[erren] von Zürich als ordenlicher oberkheit durch irn amptman inen zu ergetzlickheit 102 da zu erhalten nit ungepürlich, so wirt wenig nutzes gemelter unser g[nädig] h[erren] halb darin befunden, dann das den biderben lüten die güter. zün 103 und frücht dardurch zerschleifftt und das gefangen wildpret underwylen ußerthalb unser g[nädig] h[erren]gepiet, denen so weder unserm globen noch einer loblichen stat Zürich vast 104 günstig, ußgeteilt wirt. ||174 11. ff Die biderben lüt, so uß ordnung unserer g[nädigen] h[erren] gen Rüty ze kilchen gond, beklagend sich, das man vil zu spat zu predig lüte und sellichs umb der herren willen, die nach altem bruch darnach lassend lüten, das sy nach gethoner predig glich uß der kilchen über tysch sitzend, welches aber dem arbeitenden volk, das frü zu morgenessen gg gewont hat und dann erst nach der predig über feld heim gon muß, zu schwer ist. Deßhalb etliche zun zytten one predig wider hh hinweg gangen und nit warten mögen, welches den biderben lüten einen argwon gebürt 105 , sam es gefarlich 106 bescheche, den kilchgang damit zu verkleineren und die kilchgenosen an andere ungelegnere ort zu gon ze verursachen und die predicatur (als man zwyflet ii 107 ) hiemit in abgang zu richten jj 108 . So kk nun, gnedige herren und lieben brüder, wir und besonder im ampt
Grünigen am anstoß 109 gegen denen, so ll ab unser ler, predig und globen on das unwillen tragend mm , gesessen und wonhafftt, och besonder ein strittig volk habend, und aber obangezögte 110 ergerliche hendel im schwanck gond 111 , das volk über uns gehetz, teglich nüw mer 112 und zytungen 113 unserm globen nachteilig im closter Rüty ußgossen 114 . Wo dann sellicher unrat 115 unverbessert also bestendig solt sin und zunemen, könnend wir nütz bessers darab nn verhoffen zu erwarten, dann ein züntpulver des babstumbs und alles unratz 116 , das och dise lüt mit irem anhang und hoffgesind one underlaß an dem bendel, darmit man uns das mul verknüpfen mege, spinnendt und arbeitend. Ist hierum an üwer ersame w[ysheit] und liebe umb gottes und sines heiligen wortz willen unser gantz undertenige bitt, alle gefar und ergerniß, so oo der kilchen gottes und uns hieruß erwachsen mechte, gnediglichen pp erwegen und uns (ob wir doch allweg sellichem verletzlichem unrat on beschüwen qq 117 ||175 zusechen oder wem wir hierin die schuld sellend geben) vätterlichen beratten sin. Als wir dann gegen u[wer] e[rsam]w[ysheit] und liebe, die der almechtig got im rr zu eren und der kilchen zu gut in bestendigem christenlichen und glücklichen regiment, och in verjechung 118 sines heiligen wortz alle zyt nach sinem willen vätterlich erhalten welle, uns des temietiglich getröstend und als gehorsame lüt underteniglich zu verdienen alle zyt geflissen sin wellend ss .
[372]Johannes Kambli an Bullinger Eglisau, 5. Mai 1534 Autograph: Zürich StA, E II 359, 2744 (Siegelspur) Ungedruckt Die Gemeinde Rafz hat bei Kambli über ihren Pfarrer, Johann Gumprecht, Klage geführt, der mit Trunkenheit und Mutwillen Anstoß erregt. Außerdem geht er eifriger dem Weberhandwerk nach als dem Bibelstudium. Minen gantzen gneygten, gütten willen alzit zuvor. Lieber Meister Heinnrich, es ist ein gemeind von Raffs 2 vor mir erschinen und sich des klag[t], wie Johans Guntprecht 3 , ir predicant, yettlich 4 unmessig hendel gewurcht 5 , und namlich in jarsfrist ist er ein fart 6 gen Schaffhussen gangen, und do er dahin komen ist, hat er sich so vol getruncken, do er heym ganngen, ist er underwegen am weg darnyder gelegen und allas wider oben von im geloffen, darum ich in dan vonn miner heren wegen umm 5 lib. gestrafft hab. Zu anderen 7 so hat ein gemeind von Wil 8 yecz nechst vergangen winters holcz an miner heren bü zu Eglisow 9 holcz gefurt. Und do sy widerumm heym gegangen sigend, do hat er 10 einen thottnen fogel inn weg gefunden und zü sinen gesellen geret: «Mit dem fogel wil ich etwas abendur bruchen 11 .» Und do sy heym komen sind, habend sy mit einander ze nacht gessen, und do es im end zmall 12 komen ist, hat er den thottnen fogel uß dem büssen 13 gezogen und einer mit im habend mit einem gewettet, wan derselbig den rowen thottnen fogel mit den federen also gancz innygessen 14
möge 15 und den nit wider von im gebe, so wellends inen allen das mal bezallen. Gebe er aber den wider von im, so musy er inen das mal bezallen. Also hat derselbig den fogel gessen und behalten. Do hat der Johans und sin gesel innen das mal müssen bezallen und 11 baczen darfur geben, darumm ich in yecz uf dem jargericht ouch furnemen wirtt. Darzü so ist er ein weber worden und brücht 16 sin handwercht streng 17 , küfft 18 ouch gütter neben inn, daruber er mer flis hat dan uber das studieren, dar ab 19 sölichem handel und unwessen ein kilch zu Raffs sich mer verergeret dan von siner ler nücz und frucht empfahy. Das wil ich uch gütter meingung zügeschryben haben und uch hiebin gebetten, das ir wellend das best hier inn handtlen 20 , als ich uch vertrüw. Wo ich sölichs umm uch konde beschuldigen 21 , wil ich alzit gütwillig erfunden werden. Datumm uf zinstagt nach dem meytag anno im 34. jar. Johans Kambly, obervogt zu Eglysow. [Adresse auf der Rückseite:] Dem erwirdigen, wolgelertten herenn Meister Heinrichen Bullinger, predicant zu Zurich, minem besunders gunstigenn herrenn. [373]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 7. Mai 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 27 (Siegelspur) Gedruckt: Füssli I 139f, Nr. 40; Museum Helveticum [hg. v. Johann Jakob Breitinger, vol. VII], Particula 28, Zürich 1753, S. 669f; Corr. des réformateurs III 172-174 Hat ihm [am 3. Mai 1534]bereits geschrieben. Seitdem gab es ein Streitgespräch der Berner Theologen mit [Claude d'Aliod]. Dieser leugnet die Gottheit oder wenigstens die Präexistenz Christi, die Gottheit des Heiligen Geistes und die Personen der Dreieinigkeit. Haller hält sich an Bullingers diesbezügliche Äußerungen u. a. in dessen Kommentar zum Hebräerbrief, möchte aber den Ausdruck «Person», der u. a. auch von Zwingli in seinem «Commentarius de vera et falsa religione» durch andere ersetzt wurde, näher erklärt haben. Er befürchtet, daß auch [Guillaume]Farel Antitrinitarier werden könnte. Bullinger sollte bereits durch den Überbringer des Briefes, [Hans oder Jakob?]Funk, antworten.
S. Alteras paraveram literas 1 , dum per ocium vacabat et nuncii 2 Friburgi sua agerent, doctissime Heinrice. Interim collocuti sumus cum Gallo hoc 3 , qui tametsi mentis compos non sit, natus tamen videtur ad pertinaciam et contentionem. Asseverat primum Christum nuditer esse hominem. Deinde, cum apertissimis a nobis urgeretur scripturis, admisit Christum naturalem dei filium adeoque deum esse, sed non aeternum, imo in tempore constitutum, praeordinatum, 1. Pe. 1 [20] et factum Act. 2 [36], atque hunc alioqui purum hominem esse fidei nostrae obiectum. Cui satis abunde responsum est, sed minime satisfactum. Pertinaci enim satis fieri nequit. Monuimus hominem, ut fidem hanc erroneam apud se habeat, id quod minime facturum scio. Restat, ut illi probemus spiritum sanctum esse deum et ab aeterno, quem creaturam asserit. Negat triadem, personas, tam a quoad vocem quam quoad rem. Vidi tua in Hebraeos 4 et aliis locis, quibus magnam mihi cogitandi occasionem dedisti. In hoc haereo, ut non plane intelligam, quid sibi velit vox «persona», quam notionem Zwinglius vocat in «Religione vera et falsa» 5 , alii vero nomina operationum, alii relationes aut proprietates. Vidi scolasticos in 1.-mo «Sententiarum» 6 ; sed ex illis omnibus me extricare nescio. Sic semper et in omnibus te cogor perturbare. Paucis dabis occasionem cogitandi, dummodo rei summam depinxeris. Vereor, ne et Farellus in hoc captus sit errore 7 . Curabis igitur, quam primum poteris 8 -potes vero per hunc nuncium, Funckii nostri filium 9 -, ut respondeas 10 . Ich mein, die hendel machend unß eins. Reliqua in prioribus. Vale. 7. maii 34. Tuus Berchtoldus Hall. [Adresse auf der Rückseite:]An Meister Heinrich Bullinger, sinem insunders geliepten herren und bruder.
[374]Bullinger an Johannes Fries und Konrad Geßner Zürich, 12. Mai 1534 Autograph a : Zürich ZB, Ms F 37, 488r.-v. (Siegelspur) Übersetzung: Hanhart 30f Hat keine Briefe von Fries und Geßner erhalten. Berichtet über den Kriegszug Philipps von Hessen zur Wiedereinsetzung von Herzog Ulrich von Württemberg. Man erwartet eine Schlacht und befürchtet Unannehmlichkeiten bei einem Sieg Ferdinands I. Bullinger wünscht Nachrichten von Geßner und Fries über ihre Studiensituation und ihre Professoren. Christoph [Froschauer] hat ihren Vorschlag, das Stipendium ihm nach Frankfurt mitzugeben, übermittelt. Sie werden allerdings nur die verfallende Rate bekommen. [Peter]Kolin wird das übrige erzählen. Grüße. Gratiam et pacem a domino. Nullas a vobis recipimus literas 1 , filii charissimi, id quod tabellariorum an vestra culpa fiat, nescimus. Monemus tamen, posthac vel seduliores vel prudentiores sitis dispicientes, quibus committatis epistolas. Res nostrae bene habent - melius habiturae, si tranquillius ageret Germania, in qua maximum bellum excitavit Ferdinandus rex, qui Wirtembergensem ducatum nullo dicitur possidere titulo 2 . Nam ad recuperationem eius Huldrychus dux et princeps Hessorum post tot aequas iuris postulationes frustra iam aliquot annis appellatas magnis exercitibus et expeditione incredibili armantur 3 . Nos nihil aliud quam famam in dies maximae cladis expectamus 4 . Nam et Ferdinandus probe instructus nihil vel cedit vel detrectat. Dominus Iesus pacem nobis restituat et oppressis ipsumque observantibus subveniat! Verum non est, quod hic nostri causa turbemini. Nihil nobis negotii cum istis, quamquam facile ominamur haud plurimum nobis commodaturum, si rex vincat, qui ut evangelio iniquior, ita dominandi libidine longe corruptissimus est. Iam et illud vehementer miramur, quod de studiis vestris, de professoribus et amicis istic apud vos nihil scribitis. Age, scire cupimus, quae sint studia vestra, qui preceptores. A Christophoro 5 intelleximus consilium vestrum de mittenda pecunia, nempe quod velitis istam bibliopolae nostro dari, id quod ad nundinas autumnales Franckfordiae futuras 6 faciemus, sed ea lege,
qua nos prioribus literis nunciavimus nihil missuros, nisi quod iam ipsum, quod vocant, temporis ratum iusserit, wenn es ye zu den fronfasten verfallt und verfallen ist. Caeterum si vel istud vobis fuerit incommodum vel studia non talia, qualia sperabamus 7 , redire licet, atque iterum ea lege, ut doctiores et meliores redeatis. Mementote, filii charissimi, quod alimini ecclesiastico stipendio. Ecclesiae ergo prodesse studete. Valete. Tiguri, 12. maii 1534. Salvos vos volunt fratres et stipendiarii caeteri. Heinrychus Bullingerus nomine praefectorum studio collegii. Caetera optimus vir Kolius 8 aut, si mavultis, Carbonius enarrabit.
||488v. Salvum te, Frisie, vult Nicolaus Wyß cum uxore Barbara 9 , Springlius 10 cum uxore 11 , te, Gesnere, frater germanus 12 , Andraeas patruus 13 etc. [Adresse daneben:] Ioanni Frisio Lutetiae et Conrado Gessnero apud Bituriges, agentibus optimae spei adolescentibus ad manus proprias. [375][Joachim Vadian] an [Bullinger] [St. Gallen, kurz vor 18. Mai] 1534 Abschrift a : Zürich ZB, Ms F 81, 336r.-337r. Gedruckt: Corr. des réformateurs III 183-186 4 ; Vadian BW V 158-160 5 Der französische Gesandte [Guillaume du Bellay]ist reformfreundlich und hat von seinem Gespräch mit Papst [Clemens VII.]in Marseille berichtet, daß der Papst die Messe, an der ihm etliches mißfalle, nicht
abschaffen, aber älterm Ritus anpassen könne. Über die Privatmesse, welche Vadian für einen Greuel hält, sei nicht diskutiert worden. Ein Konzil gestatte der «lichtscheue» Papst höchstens in Italien. An der Zusammenkunft [in Marseille]habe der Papst dem französischen König [Franz I.]einen Kriegszug zur Zerschlagung der Zwinglianer und Lutheraner vorgeschlagen. Der König habe dies abgelehnt, werde aber die Entscheide eines freien Konzils schützen. Frankreich ist mit Hessen und Sachsen verbündet, und auch evangelische Städte sind mit seiner Politik einverstanden. Niemand fürchtet eine Verschwörung gegen die Evangelischen. Zu Recht befürchtet der Papst seinen Sturz, wenn eine Synode frei nach der Wahrheit entscheiden könnte. Fügt eine Schrift über die Begegnung von Marseille bei. Treuen Freunden darf der Brief mitgeteilt werden. Die Epitome wird bald abgeschlossen sein. S. Orator ille Gallicus 6 , quo de ante ad te scripsi 7 homo est eximie , doctus, fautor puritatis christianismi, sed qui tamen moderatione aliqua restaurari veterem et dignam apostolica gravitate professionem religionis cuperet. Nam curari morbum tot saeculis invectum orbi et qui corpus ecclesiae velut lepra quaedam, ut aiebat, occupavit, non nisi lente et cum moderatione appositis malagmatis posse existimabat 8 . Locutum sese cum ipso pontifice 9 aiebat Massiliae 10 (fuit enim continuo biennio orator et legatus sui regis 11 nomine in pontificis aula 12 , ut plane mores romanenses ad unguem didicerit) ac multa de concilio, concordia ecclesiastica deque abrogandis quibusdam, quae parum circumspecte longus abusus invexit. Papam aiebat fateri in missa esse, quod displiceat; ideo commode eam haud abrogari quidem, sed limari et accommodam veteri usui adeoque meliorem reddi posse dixisse. Ego quaerebam, num de privata missa cum papa egerit, quam constet nil aliud esse quam foedum et ad lucrum institutum abusum dominicae coenae 13 . Aiebat in genere de missa disputatum esse neque hoc animo pontificem videri, qui sit abrogationem admissurus, sed ut alio ritu peragatur, permissurus. Miser enim videt 14 , quantum huic debeat, cui et opes et regnum acceptum refert. Sed quia non habet, quo defendat confessum errorem, fuco interim pergit vulpinari, ut daturus quaedam videatur, quaedam non permissurus, quasi vero ex eius nutu ac non potius scripturarum et fidei praescripto de illa abominatione 15 censendum sit. De concilio adeo se difficilem praebuit, ut, nisi in Italia suisque aut caesaris urbium aliqua celebrandum recipiatur, nullo pacto consensurus sit 16 . Qua re nimirum, quid de se suisque partibus sibi polliceatur, si ad lucem illam
doctrinae apostolicae sit prodeundum et ea arbitrante definiendum, palam indicavit 17 . Lucifuga enim est pessime conscius sibi 18 . 336v. || Sed audi mirum: Regem primo statim congressu adortus deliberandum proposuit 19 , num paratis viribus, conscribendo milite, paranda expeditione, caesare et selectis piisque Germaniae principibus adiuvantibus Zwingliani Lutheranique opprimendi veniant, quo exempli atrocitate territi reliqui ad obedientiam romanae ecclesiae festinent et retineri religio vera vetusque possit. Nec obscure significavit ad hoc se multorum auxiliis accinctum, modo Gallus suam operam non detrectarit 20 . Ibi a Gallo responsum est non videri sibi e re pietatis aut concordiae religionis futurum, ut - quoniam e nata nuper dissensione articulorum aliquot locorumque scripturae et Zwingliani et Lutherani scripturam appellent et clamitent, nihil se magis cupere, quam ut scriptura iudice summa litis decidatur - ab hoc medio (sic aiebat ille 21 ) ad arma aut vim ullam capescendam declinare 22 . Hac enim re suspecta, dixit rex, eorum religio fieret, qui non scripturis, sed armis suam fidem tueri pergerent. Ea de re optimum factum sibi videri, ut papa libero neque ulla suspicione odibili concilio primum, quod nostrae fidei et catholicae ecclesiae consonum sit, optimorum et doctissimorum consensu excutiat et decernat 23 . Ubi id factum sit et plane iam constet, quid ceu pium et consonum ecclesiae in tantis dissensionum iurgiis synodus legitime congregata receperit, tum demum paratum se fore ad tuendum, quod hoc modo receptum decretumque extiterit, sed et ad coercendum rebelles pari studio sese nullis sumptibus parsurum. Id papa responsum haud lubens accepit, et aliquorum suggestione ita actum negocium est, ut de rege persuadendo irritandoque multum ille spei, quanquam frustra, concoeperit. Sed immobilis ille perstitit. Quod qua causa et quorum adhibitis consiliis factum sit, iam primum liquet, quum Gallum videmus Hesso 24 et Saxoni 25 tantopere foederatum 26 . Praeterea sic attemperatum negocium, ut conscias etiam urbes, qui [!] sunt a Christo 27 rerum omnium , esse nec abhorrere a Galli conatibus vero simile putem. Tantum abest,
ut quisquam admodum timeat in nos conspiratum aut contra religionem nostram illos hanc telam esse orsos, quanquam nemo in re tanta, quid liquido animis principum insideat, potest depraehendere. Certum tamen nihil papae molestius esse, quam quod timet de gradu sese repente iri praecipitatum, si ulli synodo 337r. || libertas fiat ex vero decernendi. Novit enim quibus artibus res suae creverint, nec habet pauper, quo sese defendat, si armis et factionibus cauponari infelix aliquod bellum non liceat. Haec habui, quae ex maximis 28 illius viri propemodum ore concepta ad te scriberem. Quibus Massiliensem illum triumphum 29 coniunxi, quo te vel ocupatissimum oblectarem etiam spectro cathedra Petri digno. O tempora, o mores! 30 Sed habe persuasum tibi papae apud Massiliam egregia data verba esse neque ulli seni magis ulla in fabula illusum. Vale et, si lubet, amicis isthaec concredito, sed fidis. Omnia enim Coricaeis b plena 31 . Epitomen perducam ad finem brevi 32 favente domino. [376]Bullinger an [Oswald Myconius] [Zürich], 18. Mai 1534 Autographe Abschrift: Zürich StA, E II 342, 36r.-v. Gedruckt: Füssli I 141-144, Nr. 41; Teildruck: Corr. des réformateurs III 181f Wartet auf Briefe von ihm. Konstanz benachrichtigte den Rat von Zürich am 16. Mai vom Sieg Philipps von Hessen gegen die Truppen von König Ferdinand I. in der Schlacht bei Lauffen; weitere Erfolge im Krieg zur Wiedereinsetzung Herzog Ulrichs von Württemberg. Wegen der Freigrafschaft Burgund will sich der Rat von Zürich möglichst nicht an Philipp von Hessen und Ulrich von Württemberg wenden, um sie nicht zu beleidigen; Bern bat die beiden in einem vorsichtigen Schreiben um Zurückhaltung gegenüber der Grafschaft mit Rücksicht auf die mit den Eidgenossen bestehende Erbeinigung. Die zürcherische Antwort (in dieser Angelegenheit an die übrigen Eidgenossen) hat sich wahrscheinlich wegen der Koordinierung mit den Abgeordneten anderer Orte verzögert. Guillaume du Bellay verhandelte in Zürich mit Bullinger und Pellikan über die Voraussetzungen einer Einigung mit den Katholiken; die
Vorschläge der reformierten Orte der Eidgenossenschaft sollen dann nach Paris gesandt werden. Die Zürcher versicherten ihn ihrer Friedfertigkeit, betonten aber, bei der Wahrheit des Evangeliums verharren zu wollen; du Bellay bat um die Vermeidung schroffer Formulierungen. Bullinger bleibt skeptisch. Nach seiner Meinung ist das Ziel du Bellays: 1. König Franz I. den Protestanten als Beschützer des Evangeliums darzustellen und 2. gewisse, kaum echte Zugeständnisse des Papstes beliebt zu machen. Das Weitere ist aus Vadians beigelegtem Brief ersichtlich. Wie steht es um die Sache Karlstadts? Gratiam et pacem. Referre nequeam, quanto litterarum tuarum desyderio ardeam, nec scio, si unquam literis tuis caruerim diutius. Interim frequentissimas in hisce rerum turbis optabam. Constantia 16. huius mensis senatui nostro scripsit 2 regem 3 a Hessorum principe 4 profligatum et in fugam actum ad Nicrum prope opidulum Louffen 5 in vico, qui ab incolis appellatur zur Kyrchenn 6 occisis et in Nicro submersis , duobus milibus, praeterea et Philippo Palatino 7 , principe exercitus regis, saucio etc. 8 Quam vero id omnes verum esse vellemus. Equidem inter spem et metum anxii deum oramus et nonnihil gaudemus - gavisuri amplius, si certo id factum esse constaret. Referunt alii ducem 9 obsedisse et irruptione coepisse opidulum Kaleb 10 - munitissimum quidem illud - ad Nagald 11 rivum prope coenobium illud Hirsaw 12 vetustissimum situm, sed nullas huius rei literas habemus, fama increbuit [!]. Quodsi quid habes, cui certo niti possimus, obsecro, scribas. Vonn der graffschafft Burgund 13 habend min herren nitt wöllen den fürsten 14 schryben. Ich acht, die von Bernn habend den byden Wirtemberg und Hessen geschryben. Ich hab ouch die copy gesähen, darinn vergryffend 15 , sy vernämend, daß neiswas prattick 16 über die graffschafft Burgund gemacht. So ferr dem also, bätend sy still ze ston 17 , dann die graffschafft inen mitt erbeynig verwandt 18 etc. 19 Nostri vero, ne ulla parte principes offendant,
quando pro voto auxiliari non licet, huius rei gratia nihil scribere voluerunt. Quod legati aut literae nuper non sunt missae, ut speraveram et in eam spem me senatores haud postremi erexerant, in causa fuit temporis brevitas, et quod certi viri a senatu ordinabantur, qui responsionem adornarent. Sed illam cum caeterarum urbium legatis collatam esse existimo. Interea Guilielmus de Lange 20 , orator regis Gallorum 21 , frater Lutetiani episcopi 22 , Tigurum venit, in colloquium nos evocavit atque ibi multa de sarcienda ecclesiae concordia commentatus est orans, ut si quod nobis esset consilium, indicaremus, item, quibus in rebus aliquid pontifitiis concedere et in quibus perstare vellemus. Orare ergo se, ut Tigurini, Bernates, Basileienses, Schaffhusii etc. medium aliquod ostenderent scriptis, per quod ecclesia coire posset, et Parrhysios mitterent. Respondimus nos, nam Pellicanus mihi aderat, pluribus ad singula, sed haec in summa: nos nullum aliud habere concordiae et pacis medium, quam quod rex pacificus Christus || 36v. apostolis commisit verbum evangelii et pacis. Id nos praedicare, iuxta huius regulam omnia instituisse, ab eo vel latum unguem discedere non esse tutum. Amare tamen nos regem, qui concordiam cupiat sarcire. In cuius gratiam, si caeteris quoque videatur fratribus, libenter nos paratos esse doctrinae nostrae summam exponere et quicquid salva veritate possemus, infirmis dare 23 . Hic
monuit nihil esse nobis scribendum praefractius: «In hoc erimus, in hoc erravit Romana ecclesia, non feremus tyrannidem Romani pontificis, Romanus pontifex antichristus est etc.» 24 Ex quibus intellexi parum esse spei, nisi plus aequo concederemus etc. Discessimus igitur atque polliciti sumus nos caeteris fratribus communicaturos, quae nobis retulisset. Videbar mihi videre interim duo doctissimum illum agere hominem: 1., ut regem nobis commendaret, quo animos nostros magis haberet sibi propitios et devinctos, ut si quid ordiretur, minus reclamaremus sperantes per hunc fore restituendum evangelium. 2., quando Romanus pontifex videt pene actum esse de superstitione, quam nulla potest tueri tyrannide, conversus ad clementiam a simulatam iniquum (quod se attinet) b offert, ut aequum, id est optatum, auferat etc. 25 Caetera ex literis Vadiani 26 , quas remittas oro. Plura non potui, imo ne has relegere potui; tam festinabat nuncius 27 et urgebant negotia. Vale, amicorum charissime, me tibi commendatum habe. Sed de Carolostadio quid? 28 18. maii 1534. Tuus ille H. B. [377]Oswald Myconius an Bullinger Basel, 20. Mai 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 55r.-v. (Siegelspur) Gedruckt: Füssli I 124-126, Nr. 34 Entschuldigt sein langes Schweigen mit Geschäften und mit seiner Vorsicht gegenüber unbestätigten guten Nachrichten. Niederlage der Armee König Ferdinands I. Die Entflohenen preisen die Barmherzigkeit der Sieger [Philipp von Hessen und Ulrich von Württemberg]und tadeln die Schwäche des Königs. Brief aus Mömpelgard: Vor einer Erneuerung der eidgenössischen Bündnisse mit den V Orten, die diese wünschen, wird abgeraten, da die protestantische Armeeführung etwas gegen die Katholiken plant; bald werden weitere Fürsten im Feld stehen, auch die schwäbischen Städte, falls der Kaiser spanische Truppen nach Deutschland sendet; die V Orte und das Wallis schlossen ein Bündnis mit Savoyen, und der Bischof von Sitten [Adrian I. von Riedmatten] rüstet zum Krieg, vielleicht gegen Bern. So kann man den V Orten trauen! Die Zürcher haben dem französischen Gesandten [Guillaume du Bellay]richtig geanwortet. Wahrhaftig: was soll man an einer so zerrissenen Sache noch flicken? Unnötiges Nachgeben würde dem Bösen Vorschub leisten. Darum hält er die vermittelnde Haltung des Erasmus gegenüber dem Papismus für falsch. Dankt für Vadians Brief. Über den wegen Karlstadt in Basel gefaßten Beschluß wird er bald Bescheid geben. Grüße an Heinrich Utinger und alle Brüder.
S. Negociis adscribito, quod tam diu tacui 1 , tum et rerum incertitudini. Non enim libenter in gaudia coniicio, quae deinde contaminantur dolore, dum diversum acciderit. De clade Ferdinandinorum 2 a die sabbati proximo usque huc constanter refertur. Finitimorum ex ditione domus Austriae subinde redeunt quidam nudi, quidam vulnerati. Commendant principum 3 misericordiam omnes: «Potuissent nos», inquiunt, «occidere, sed noluerunt.» Contra regem 4 vituperant ut pauperem et indigentem. Vetus de regibus Romanis cantio haec 5 , Miserunt nostri nuncium 6 hisce de rebus. Hic nondum rediit. Postquam redierit, intelligemus, quid sit. Praeter haec scripta sunt ad me sequentia ex Montebelligardi 7 : certum esse Pagos 8 novum tentare foedus, imo vetus hac tempestate reddere novum 9 a qua re mirum quam dehortetur nos, qui praeest illic exercitui 10 . Futurum enim aliquid contra male pios 11 , quod nunc non sit detegendum. Tum intra dies 14 werdent sötlich fursten und herren imm feld sin, deren sich niemen versechen hett 12 . Gulielmum [!], ducem Bavariae, una cum Christophoro, iuniore duce Wirtenbergensi, magno exercitu hostem 13 die lunae pentecostes 14 invasurum, civitates Sveviae, Augustam, Ulmam, Nurenbergam milites et arma parare, si forte caesar Hispanos missurus sit in Germaniam, ut eis occurrant. Insuper de Pagis deque istorum a sociis, quod verum est, audi: Pepigerunt foedus novum cum Sabaudia, quod confirmatum superioribus diebus in Sedunensium valle 15 . Dixit Vallesianus: «A, das sy gott gelobt, das unser hufly 16 sich aber hett gemeret, damit wir den Luterscen [!] diß bas 17 mögend widerstan!» Episcopus Vallesianus 18 parat boardas
et pulverem, quem vocant, sulfuratum festinanter, nescio si fortasse contra Bernenses. Consydera Pagos, an non sint, quos olim diximus. Interim nos stulti desidemus. Exprobrant foedera nobis 19 , ipsi percutiunt. Abeant, et omnes, qui fidunt eis, male pereant. Oratori regio 20 probe respondisti 21 . Quid sarciretur in re tam lacera? Cum dracone 22 non aliter est congrediendum, nisi ut poenitus occidatur. Si mitius ageretur, verendum, ne veneno perditurus esset b . Quod nunc concederetur earum rerum, quae non debent, quid aliud quam initium inciperetur novarum impietatum? Haec causa, cur nunquam potuerim transire ad Eras[mi] sententiam, qua putat papismo medicaminibus subveniendum, non delendum, tanquam vel fundamentum probum sit 23 . Mediatores isti scis quid sint hac in re confecturi: quod superioribus temporibus mediatores egerunt bellici: nos oppressi, gaudent hostes. Ex eo tempore non possum amare tales. Horrori sunt profecto, quoties eos cogito. || 55v. Gratias ago de literis excellentissimis nostri decorisque patriae Vadiani 24 . Mirum enim, quam reficiat me, quicquid scribit ille vir. De Carolstadio actum apud nos 25 , sed quid responsum est, nondum commissum, ut reddam. Propediem te reddam certiorem. Vale per dominum cum fratribus omnibus, in primis Utingero. Brevi plura. Basileae, 20. maii anno 34. Os. Myco. tuus. [Adresse darunter:] Domino Heinricho Bullingero suo, Tigurinorum episcopo dignissimo.
[378]Bullinger an Joachim Vadian [Zürich], 21. Mai 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342, 26 (Siegelspur) Gedruckt: Vadian BW V 168 Guillaume [du Bellay, Seigneur] de Langey, der Gesandte des französischen Königs, besprach sich in Zürich mit den Theologen und bat um ein Gutachten zur Wiederherstellung des Kirchenfriedens. Dieses wurde versprochen, aber darin werde man von der Schrift und der Lehre in nichts weichen; man wolle mit der Wahrheit der Einheit nützen. Bullinger befürchtet, daß das [diplomatische] Unternehmen nur dazu diene, die Deutschen dem [französischen]König geneigt zu machen. Hat erst Gerüchte über den Sieg der Fürsten [Philipp und Ulrich]und wünscht genauere Nachrichten darüber sowie über Sebastian [Appenzeller]und die Pensionenempfänger. Grüße. Sollte Ferdinand unterlegen sein, geht es wohl auch dem Abt von St. Gallen nicht mehr so gut. Gratiam et pacem a domino. Guilelmus a Lange 1 , legatus et orator regis Gallorum 2 quo de tu nuper scribebas 3 , Tigurum non multos ante dies venit, nos in colloquium evocavit 4 et prorsus eadem illa nobiscum contulit, quae tecum. Vir est ingenii amoenissimi, eloquens, prudens, versutus et doctus 5 et de quo mihi optima quaeque pollicerer, si non suspicio mihi fuisset oborta illum vel aliud regis nomine intendere, quam ipsa hominis verba instructissima sane prae se ferant, vel duabus hunc sellis sedere 6 . Petiit a nobis, ut scriptis mandaremus, quod pro sarcienda pace ecclesiae nobis optimum videretur et in quibus nos esse vel infirmorum gratia cedere vellemus. Polliciti sumus id nos facturos aliquando 7 , sed paucissima adeoque nulla fore a in , quibus possimus a receptis vel dogmatis [ve]l moribus [ec]clesiasticis b vel tantillum cedere. Interim tamen nos nihil non facturos, sed c salva veritate quod modo videatur paci concordiaeque vel aliquid prodesse. Vereor ego totum hoc negotium in hoc subornatum esse ab hominibus astutissimis 8 , ut hac arte Germanorum animos regi suo adornent, quo paratiores promptioresque inveniant, cum Germanorum opera fuerit opus etc. Quo autem turbulentiora d sunt omnia hoc magis ardeo literarum tuarum desyderio. De victoria ducum 9 quaedam audivi, sed quid in re sit, nondum
liquido didici. Scio autem te istarum rerum omnium esse peritissimum. Orarem igitur, ni negotiis adobrutum magis obruere puderet, aliquot verbis annotares, quid actum sit, quinam ea clade - si modo vera sunt, quae fama circumferuntur - perierint, an princeps 10 patriam 11 recuperarit aut quid viri boni ominentur. Hac re nihil poteris hodie scribere gratius. Sed de Sebastiano 12 et pensionariis 13 quid? Vale. Salvum volo Voglerum, Studerum etc. 21. maii 1534. H. tuus. Ist neiswas 14 daran, das der Ferdinand übel gelitten 15 , wie söllte dann Antronius vester 16 so warm 17 sitzen? [Adresse auf der Rückseite:] Doctori loachimo Vadiano, Sangallensi proconsuli prudentissimo, domino suo imprimis observando. [379]Berchtold Haller an Bullinger Bern, 21. Mai 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 28 (Siegelspur) Gedruckt: Museum Helveticum [hg. v. Johann Jakob Breitinger, vol. VII], Particula 28, Zürich 1753, S. 670f Empfiehlt Simprecht Vogt, der Zürich bald besuchen wird, und beruft sich auf seine alte Freundschaft mit Bullinger. Zur Säuberung der Bibliothek [gegen Ungeziefer?] wird er Bullingers Ratschläge befolgen.
Claude [d'Aliod]soll ausgewiesen werden. Freut sich über die Nachrichten aus Württemberg, aber auch darüber, daß Bullinger geschrieben hat, man sollte das alles mit Gottesfurcht annehmen und sich vor Übermut hüten. S. Ut vobiscum, qui Tiguri sacris praeestis, familiaritatem amicamque iniret consuetudinem, charissime Heinrice, invisit vos frater noster Sympertus Vogtius Schaffhusanus, ecclesiae Bielensis minister, homo et doctus et syncaerus. Quare ut commode suo voto potiri possit, cum his diebus nobiscum Bernae versaretur, rem illi gratissimam feci, quod meis a eum vobis commendarem litteris. Id autem libentius faeci tua fretus in omnes humanitate, maxime vero, qui nomine meo ad te veniunt, ut et is testis sit nostrae mutuae amiciciae, quandoquidem Hallerum Bullingero addictum omnes sic depraedicent, ut totus ab eo pendeat, quantum citra fidei et sanae doctrinae iacturam hoc licet. Ceterum antidotum in nostram comparavimus bibliothecam 1 ; tuo igitur, quantum unquam per ocium licet, consilio obsequar. Proscribetur Gallus Claudius 2 etiam Symperto 3 optime notus; interim opus est, ut parati simus in omnibus rationem reddere eius, quae in nos est spei 4 . Nova Wirtenbergica 5 placent, placet et hoc, quod addidisti 6 , quatenus in timore domini omnia suscipiamus 7 , ne «extrema gaudii nostri luctus occupet» [Spr 14, 13]. Apud nos nihil est, quod scitu dignum videatur. Valemus alioqui omnes. Valeas et tu, charissime frater, et me, ut soles, ama. Bernae, 21. maii anno 34. Tuus B. Hallerus. [Adresse auf der Rückseite:] Heinrico Bullingero, ecclesiastae Tigurino, fratri suo charissimo. [380]Hans Vogler an Bullinger St. Gallen, 22. Mai 1534 Autograph: Zürich StA, E II 351, 157 (Siegelspur) Ungedruckt Bittet im Namen von Vadian um Nachrichten [über den Krieg in Württemberg]. Berichtet vom Städtetag in Augsburg, von der Kapitulation von Hohenasperg sowie von der Flucht [Dietrich]Späts und der Herzogin [Sabine] nach Innsbruck. Voglers Frau ist im Rheintal wieder nicht zu ihrem Recht gekommen. Hofft auf die nächste Tagsatzung. Grüße.
Gott syg ewig lob, der abermals sin hilff bewisen 1 , der gebe unns och starcke gemütt 2 . Amen. Gliepter herr unnd bruder, nüwe zittung 3 , achtend min herr Doctor von Wadt, der getrüw, und ich, ir tragend 4 mer dann wyr. Desshalb, was ir witers hapt, thund im 5 zu wissenn. Wir hörnn, der tag zu Ougspurg 6 syg angangen; wirtt etwas bringen. Hohen Aspar das schloss ist ufgeben 7 . Es ist die sag, der Spätt 8 der syg mitt hertzog Ulrichs gnannte frowen 9 gen Rafenspurg komen 10 , hab begert, sich da zu setzen. Also syg im gsagt: mög er das rechtt in ir statt gen 11 etc. Also ist er davon, die sag: gen Insprug. Die vorcht ist hie. Ob ir achtend, daß der hertzog bald prediger ins land stellen etc., oder was ir vernemend. Es hat gott die find gejagt, und nit der mensch. Ob der hertzog stillston oder witer handlenn etc., lond üch nit blangen 12 . Mir 13 frowen 14 ist abermals im Rinthal von des aptz amptman 15 alle
rechtt abgschlagen 16 . Es hilft der acht orten 17 ghaiß noch nüt. Wils gott, so wird ich uff den tag 18 wider by üch sin. Der her tröste üch sampt üwer husfrowen 19 und muter 20 . Actum yn yl, S. Gallen, fritag vorm pfingstag anno 34 jar. Grützend mir Leonem 21 und andre. Üwer williger Hans Vogler. [Adresse auf der Rückseite:] An min geliepttenn hernn und frundt M. Hainrich Bullingernn, prediger zu Zürych, zu handen. [381]Ambrosius Blarer an Bullinger Konstanz, 23. Mai 1534 Autograph: Zürich StA, E II 357, 7f (Siegelspur) Zusammenfassende Übersetzung und Teildruck: Blarer BW I 497f Entschuldigt sein langes Schweigen mit Arbeitsüberlastung. Nicht die Zürcher mit ihrem glücklichen Studienfortgang, sondern viele schwäbische Kirchen, über die er wacht, bedürfen seiner Briefe. Schwenckfeld belästigt die Kirchen und stellt sich voll hinter ein Büchlein, welches Blarer in einer ihm von Gervasius [Schuler]zugesandten Abschrift sendet. Will keine Kriegsgerüchte weitergeben, doch was der junge [Eberhard] von «Liecht», im Auftrag des [Landgrafen Philipp von]Hessen in Konstanz berichtete, ist mitgeteilt in Blarers Brief an Heinrich von Ulm, der diesen durch den gleichen Boten zu Bullinger weiterleiten soll. Hofft auf einen Erfolg der Fürsten [Philipp von Hessen und Ulrich von Württemberg], weil es um Deutschlands Freiheit geht. Dankt für die Kommentare Bullingers und Theodor [Biblianders]und die Angaben über den Betrüger [Bernhard]Sapidus. Mahnt zur Vorsicht gegenüber dem französischen Gesandten [Guillaume du Bellay]. Grüße und Segenswünsche zur Geburt des Sohnes [Heinrich Bullinger d. J.]. Gratia Christi tecum. Ego vero, praestantissime Bullingere, haudquaquam eiusmodi ulciscendi libidine feror, qualem tu mihi festivius et argutius quam verius affingis 1 . Sed quod ipse tuo silentio praetexis, ego quoque iure meo, mihi crede, praetexuero 2 . Quamquam enim a maiore tu fructu, maiore claritate, non minore
tamen occupatione et labore molestiaque b ego quoque distringor ac pene frangor. Invideo propemodum tibi ac tui similibus frugiferum istum et felicissimum studiorum cursum, cuius subinde iucundissima et quibus unice capior specimina 3 degusto. Tamen ferenda mihi mea sors et pergendum, quo vocat ille, cuius nutui nemo feliciter repugnant 4 . Meras ego anxietates, meros dolores quotidie devoro 5 , ut iniquissimus sis, si vel leviter succenseas, ubi tardius ad te scripsero. Certe felicitati vestrae istuc tribues, quod nihil vobis mea scriptione opus, qua indigent tam multae aliae Svevorum ecclesiae, quibus quantum dat dominus, diligenter invigilo 6 . Schvenckfeldum utinam explodant tandem nostrae ecclesiae! Quandoquidem adeo nobis incommodat hoc profecto perniciosius quo subtilius. Mitto descriptum libellum 7 , quem superioribus diebus ad Gervasium 8 nostrum misit, cuius quamquam non est author Schvenckfeldus, supra modum tamen depraedicat atque optat suum esse 9 - c ita scribit ad Gervasium d 10 -, quippe cuius nunquam pudere ipsum opporteret. Mitto autem talem, qualem accepi. Multas olfacies mendas, facile nihilominus genuinam lectionem pro tua sagacitate divinabis. Quid apud nos dissipent martii isti rumores, haud ad te scripturus eram in tanta hominum vanitate et mendaciorum licentia. Verum quando Hessus 11 heri nobilem adulescentem a Liecht 12 huc ad senatum et me misit, visum est tibi praecipua illa, quae nosse forte iuvabit, communicare, sed non vulgari usus artificio, nempe ut de eadem, quod dicitur, fidelia duos parietes dealbarem 13 pariter et te et charissimum sororium meum Heinrichum ab Ulmis 14
demeriturus. Nam is eam epistolam 15 , quam hocce nuncio 16 vestro ad se dedi, tibi per eum ipsum transmittet. Tu me, ut facis, constanter ama ac dominum precare, ut christianorum principum conatus 17 optime vertat. De nostro certe capite agitur deque totius Germaniae libertate. Leges cruentos conatus et omnia truculentissima. Gratiam habeo quantum possum maximam pro data ad me parte commentariorum tuorum 18 simul autem et Theodori 19 , nostri, in quibus superiora vestra 20 non aequare tantum vos, sed vincere etiam lubentissime mihi persuadeo. || 8 De Sapido 21 bene habet quod a te sum certior factus. Hunc nunquam egregium impostorem fuisse non obscuris argumentis colligo. Galli orator 22 vide ut syncerus sit et ex animo, quae prae se fert, agat. Nusquam tuta fides, monstrosa parturiunt nonnulli. Tu vigila 23 cum optimis ac vere venerabilibus tuis symmystis Leone 24 , Pellicano, Theodoro 25 , quibus me diligentissime commenda[bis] e . Commendant se tibi uxor mea 26 , soror 27 , frater 28 , fratria 29 , patruelis 30 cum Zvicciis ac caeteris sanctis fratribus. Filiolo 31 , quem ex coniuge 32 suscepisti, domini spiritum omnibus votis precamur, quo crescat
et corroboretur tandemque optimum patrem optimus filius ingenio, eruditione, pietate reliquisque dotibus pulcherrimis nobis referat. Constantiae, 23. maii 1534. Tuus Ambrosius Blaurerus [Adresse darunter:] Clarissimo Tiguricensium episcopo Heinricho Bullingero, venerando suo et charissimo fratri. [382]Hans Vogler an Bullinger St. Gallen, 24. Mai 1534 Autograph: Zürich StA, E II 35 1, 154 (Siegelspur) Ungedruckt Vadian zeigte ihm den Brief Bullingers, den der junge Appenzeller überbracht hatte, und bat ihn, für ihn im geheimen zu antworten, da er dies aus verschiedenen Gründen nicht selbst tun wollte. Im Fall des Wiler Gefangenen in Zürich, zu dessen Gunsten einige aus St. Gallen in Zürich vorgesprochen haben, ist Vadian der Meinung, daß es allen Rechtschaffenen mißfiele, wenn die Übeltäter so freikämen. Die drei Bittsteller aus St. Gallen -[Kaspar]Vonwiler, Ambrosius [Eigen]und der Stadtammann [Albrecht Schlumpf] - handelten als Privatleute. Zürich soll deren Sache ablehnen, nicht daß es den Anschein macht, als wolle man St. Gallen einen Dienst erweisen. Mahnt mit Nachdruck, daß der Übeltäter nicht zu Unrecht geschont werde, und betont, die Stadt St. Gallen habe mit der Sache nichts zu tun. Vogler wundert sich, daß Bullinger über den Feldzug Herzog Ulrichs von Württemberg nicht besser unterrichtet sei. Grüße. Bullinger soll Vadian wegen Sebastian Appenzeller ermahnen. [Gnad] a und fryd von gott durch Chrystum. Amen. Sonder vertruwter, uff gesternn sampstag [bin ich b]y b dem getrüwen Doctor von Wadt 1 in sinem hus gesin. Mir och anzaigt üwer [schrib]enn C 2 , imme by dem jungen Appenzeller 3 gethon etc. Daby hat mich er gebettenn, in ghaim [üc]h d anzuzaigen und zu schriben. Dann ers gernn selb thon 4 , so well es nit fug 5 habenn, die Füessly und ander Zürich sygend siner frowen 6 verwandt 7 und anders 8 . Namlich alls ir berichtt dess , gfangnen 9 halb von Wyl, darum dann ettlich 10 von Sant Gallen zu Zürich für in gepetten, berichtt er 11 üch, das er gantz acht 12 - doch 13 in üwer hertz on sin melden ainer
ersamen oberkait und statt - allen fromen nit wissen, och kain gfallens, daß 14 die übeltäter durch sy entledigt 15 und statt geben, fürnämlich die Wiler. Da er sagt: die üwern Zürich och sy, ir burger, oft übel trengt und noch, wo es nit besser wurde; dan die dryg von Sant Gallen sygend von aim einsamen rat nit gsant, habend och um fürpitt oder botten nie petten, der hoffnig, so es inen gfallen, sy ersucht etc. Das dann sins achtens 16 zuo rach dem bosen 17 wol für 18 die oberkait Zürich tragen und damit ablainen, daß es nit schine, als ob man ain ernsame statt verere oder gsant. Diewil gret wirt von ettlichen, es hab ainer gsagt: Hett ain statt Sant Gallen nitt mer um ain statt Zürich verdientt etc. Und damit ir die dryg botten kennent, so ist der alt burgermaister Vonwiler 19 der größt frund und hoffnung in diser statt; hoptman Brosin 20 üch bekannt; der stattaman 21 von fründtschaft 22 wegen. Das pitt er mich, üch alles in ghaim anzuzaigen, zum warzaichen 23 , das er üch in sim brieff 24 schript, uff min zu achten, ist darum, damit den übeltäter zu schir[men] nit fürghalten 25 mit onbilliger wiß, als er nit hoft. Doch hab es ain schin, als ob air statt S. G[allen] gros gfallen, das aber inen onbewist 26 noch begrüst 27 . Hierin handled nach sinen trüwen 28 . Pitt üch, zerrissend den brieff. Und wenn ir das gebrucht dess Rinthals 29 halb und darus gezogen, so fil üch gut bedunckt, möcht ich liden 30 ir fügtend mirs wider zu handen; wurd fillich künftig mir gut oder not 31 sin. Das hab ich uff sin begeren yn yl gschriben. Mich wundert, daß ir im in üwer brieff schriben, daß er üch wissen lass, ob der hertzog 32 in sim vatterland
syg oder aller dingen gruntlicher bricht 33 . Denn er, och ich, vermaintend, ir hettend truwens 34 solche kontschaft. Grützend mir drü wiber 35 in üwerm hus. Actum S. Gallen, sontag pfingstag anno 34 jar. Uwer williger H. Vogler. [Ist m]in e beger, ir wellend min her Doctor [in] f üwerm schriben 36 manen Bastions Apenzellers 37 halb; wiewol wir undered ghalten, dunckt mich künftig not 38 sin. [Adresse auf der Rückseite:] An minen sonders getruwttenn hernn und fründt M. Hainrichen Bulligernn, prediger zu Zurych, zu hannden. [383]Pfarrer von Basel
an Bullinger und die Pfarrer von Zürich Basel, 25. Mai 1534 Autograph von O. Myconius: Zürich StA, E II 343, 56 (Siegelabdruck) Gedruckt: Füssli I 144f, Nr. 42 Berufung von Andreas Karlstadt. Dieser ist von zürcherischer wie auch von anderer Seite so warm an Basel empfohlen worden, daß der Vorschlag sofort angenommen wurde. Da Karlstadt sich zufällig gerade in Basel aufhielt, wurde mit ihm auf der Synode [vom 19. Mai]direkt verhandelt; man hat ihn daraufhin einstimmig zum kirchlichen Dienst nach Basel berufen. Die einzige Sorge der Basler ist noch, ob vielleicht durch den Weggang Karlstadts der Kirche in Zürich ein Schaden erwachsen könnte. Ihr Beschluß gilt also nur dann, wenn Zürich gewillt ist, Karlstadt an sie abzutreten. S. Non vos praeterit, fratres in domino charissimi, Myconium nostrum non ita multo ante scripsisse ad vos 1 , si quem sciretis, qui posset in evangelii negocio prodesse nobis, indicaretis. Ita fraterne factum. Indicatus est enim D. Andreas Carolstadius adiuncta commendatione tali 2 ut is statim adlubuerit. Hisce diebus igitur, dum forte Basileam venerit nescimus quid acturus, quod ex vobis de illo conceperamus, visum est non alias commodius posse transigi, quam dum esset praesens. Considentes 3 itaque super ea re sumus colloquuti ac invenimus ex vestra, quamvis et ex aliorum multiplici commendatione sic eum nobis virum ecclesiaeque nostrae futurum accommodum, ut
unanimiter ad eundem recipiendum consentiremus. Unum erat, quod hac in causa nonnihil nobis tulit molestiae, si vobis fortasse Carolstadius abstractus quid ferret incommodi. tum enim in hoc eramus, ut damnum pati nos potius vellemus quam ecclesiam Tigurinam. Quod egimus igitur, aliter actum et confirmatum nolumus quam per vestrum consensum. Eum ergo si dederitis, ratum sit, quod egimus, sin aliter, recamur ut antea, curam, quod huc adtinet, ecclesiae nostrae parem nobiscum gerere non gravemini. Valete per Christum dominum et nos deo mutuiter in orationibus vestris commendatote. Basileae, 25. maii anno 1534. Fratres et seniores ecclesiae Basiliensis vestri. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Heinricho Bullingero caeterisque verbi dominici praepositis apud Tigurum, fratribus suis charissimis. [384]Dietrich Bitter an Bullinger [Köln], 25. Mai 1534 Autograph: Zürich StA, E II 361, 101 (Siegelspur) Gedruckt: Krafft 116f Hat Bullingers Brief erhalten und verteidigt sich gegen die darin gemachten Vorwürfe, daß er zu wenig häufig schreibe und bisher nichts gegen die Messe verfaßt habe. Nachrichten über die Täufer in Münster, den Aufbruch ihrer Glaubensbrüder in Holland und die dortige Sekte [der Melchioriten]. Bitte um Vadians Epitome und um Nachrichten über den Kriegszug in Württemberg. Mynen dienst moeglichs vlyß, lieber Henrice. Uß gnaden des herrn sy myr frisch und gesunt. Das selbig erfrewt mich altzyt van dyr, dynem geliebten gemaehel 1 und anderen frunden zo erfaeren. Dyne brieb 2 sampt demghenen 3 , da abe sie meldong thoind, habe ich kortz nach oisteren diß jairs entfahen, in wilchen ich verschulter oirsachen neit unbillich gestraeft und bekeven 4 werde. Will dannoch mich damit etzlicher maeß, so ich eynigen geloeben 5 bey dyr habe, verschuldicht 6 haben, das ich im nest vergangnen vastelabent 7 brieb an dich gegebenn 8 mit eyns bisschoff boeden 9 van Costens, dairin eyn kleyn opusculum Rodolphi Agricole
Myn Heinrice, by uns iß itzt nichts neuwes, dan das die widderdeuffer Monster in Westphaelen innehaben und aldae geweltlich thoben. Der bisschoff haets myt synem her krefftich umcingelt 25 . Wissen noch neit, wie es werden wil mit der oeverwynnog 26 . Die Hollender gelycher meynung 27 waeren hefftich uff der vart, etliche dusent, die 28 zo redden und zo schuttzen. Syn aber verhindert worden 29 . Ich hoer, das auch itzt under den Hollendern ein sect ist 30 , dey willen den komfftigen Messiam erwarden; laessen sich beschnyden. O herr, was ends sall syn dusser neuwer und seltzamer
secten. Und geschuet sulchs allet underm schyn des evangelii. Gegenwordiger tzeiger 31 wirt dyr alle sachen beß vertzellen. Er ist mehr bey dyr gesyn. Schick myr das opusculum Vadiani bey acta apostolorum gehoerich 32 , und gebuet myr wider, ist hyr etwas, das du gern hettes. Hiemit dem almechtigen befollen, der dich sampt dynem hueßgesind in gesuntheit beware. Datum ylens uff maendach nae phingsten anno 34. Diderich Bitter van Wipperfoird, dyn gunstiger freund. Die handelung des lantgrabens 33 und roemschen koenincks 34 im land von Wirtzburch 35 beger ich von dyr zo erfaeren, sampt der eidtgnossen anslegen und oebung 36 . [Adresse auf der Rückseite:] Dem eirsamen, wailgeleirthen 37 mynem geliebthen freundt Henrico Bullingher, wonhafftzich zu Zuerich, zo handenn. [385]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 30. Mai [1534] Autograph: Zürich StA, E II 343, 43 (Siegelspur) Ungedruckt Haller erhielt eine Abschrift von [Ambrosius]Blarers Brief an Bullinger; er hätte ihn lieber von Bullinger selbst bekommen. Vom Krieg [zur Wiedereinsetzung Herzog Ulrichs von Württemberg]erhielt Haller den ersten wahren Bericht von Bullinger, seitdem aber auch zwei andere. Die Berner wundern sich über das Schweigen der Zürcher; Haller bittet um Nachrichten. Bündnis von acht Orten mit den Wallisern und dem Herzog von Savoyen. Haller bittet um die Zusendung von Bullingers Kommentar zum [1.]Korintherbrief. Gruß von Schultheiß [Hans Jakob von Wattenwyl]. S. Attulit ad nos tabellio 2 iste copiam literarum a Blaurero ad te missarum 3 , quam vellem tu ipse ad me misisses, quanquam homini huic satis pio mihique charissimo optime faveam, quicquid muneris illi a nostris contigit. Primam de bello 4 hoc veritatem a te accepimus 5 . Deinde scripserunt Argentinenses
Si quid in Corinthios 12 excusum fuerit, dum poteris, praemitte. Vale. 30. maii. Tuum minimum nummisma. Consul 13 te salutat ex animo. [Adresse auf der Rückseite:] Suo Heinrico Bullingero, fratri semper charissimo. [386]Oswald Myconius an Bullinger Basel, 30. Mai 1534 Autograph: Zürich StA, E II 336, 134 (Siegelspur) Ungedruckt Herzog [Ulrich] von Württemberg schrieb nach der Rückeroberung seines Landes an Basel und die anderen reformierten Orte der Eidgenossenschaft und bot ein Bündnis zum Schutze der evangelischen Sache an. Die Zürcher sollen nicht wieder so eine feige abschlägige Antwort geben wie auf sein erstes Angebot, sondern nach einer Besprechung mit Bern, Basel und anderen Städten eine wohlüberlegte, weise Entscheidung treffen; das wünschen die Freunde in Basel. Bullinger soll sie vom Ausgang der Sache informieren. Gruß an Leo Jud, Empfehlung für dessen Verwandten [Hans Heinrich Winkeli?]. S. Scripsit ad nos, id est Basileam, dux Wirtenbergensis 1 de statu suo, ut videlicet patriam tandem receperit 2 . Petit a senatu consultationem iniri, si quo modo per foedus negocium evangelicum, quantum vires hic possunt humanae,
possit constabiliri. Scripsit et ad vos eodem pacto 3 . Huius meminit enim in literis nostris. Iam formido est, ne fortassis in respondendo sitis tales, quales nuper, dum petierat a vobis idem super[!] literis 4 , de quibus nosti, ac per temeritatem, imo potius timorem Pagorum, quod petiit, mox recusetis 5 . Hic vellent boni viri rem agi perquam prudenter. Quod tamen fiet, cum negocium commune (nam et nos et Bernenses et alii similiter petimur) ad consultationem communem referetur. Eget res profecto deliberatione, et quidem diligenti. Non dubito, quin iam pridem responsum dederitis 6 . Quod quidem non datum optarem, nisi formam habeat praescriptam. Tu si quid hic poteris, fac omnem adhibeas diligentiam, ne quid committatur, de quo sit olim dolendum. Responsum si quod datum, fac sciamus 7 Haec non ex meipso. Vale. Raptim, Basileae, 30. maii anno 34. O. M. tuus. Leonem 8 ex animo salvum opto, cognatum 9 hunc eius bene et honeste excipite, quaeso etc. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Heinricho Bullingero, Tigurinorum antistiti primario, fratri perquam observando suo. [387]Bullinger an Dionysius Melander [Zürich, Juni 1534] Gedruckt: In priorem d. Pauli ad Corinthios epistolam Heinrychi Bullingeri commentarius, Zürich 1534, f. 2r.-4r. (Widmungsvorrede) 2 Melander hat mit Recht festgestellt, wie aktuell der 1. Korintherbrief ist. Die Kirche der Gegenwart leidet an den gleichen Übeln wie jene von Korinth. So läßt sich die Uneinigkeit zwischen Lutheranern und Zwinglianern etwa mit jener zwischen den Anhängern von Kephas und Paulus vergleichen. Auf weitere Parallelen konkreter Mißstände weist Bullinger hin, indem er die wichtigsten Themen des Briefes der Reihe nach aufzählt. Den Brief haben die berühmtesten Männer ausgelegt, doch sind ihre Interpretationen aus verschiedenen Gründen nicht mehr in allen Punkten aktuell, so daß es auch jetzt noch Dinge gibt, die erklärungsbedürftig sind. Dabei ist Bullinger für die Werke der Alten dankbar, deren Resultate er auch an den passenden Stellen zu verwenden gedenkt.
Ad Dionysium Melandrum, Francfurdiensis ecclesiae antistitem vigilantissimum, Heinrychi Bullingeri in priorem d[ivi] Pauli ad Corinthios epistolam praefatio. Prudenter quidem petisses a me, Dionysi doctissime, enarrationem epistolae Pauli ad Corinthios 3 , si tam mihi essent parata, quae commentatori necessaria sunt, quam prompta est mihi et tibi et studiosis sacrarum literarum omnibus inserviendi voluntas. Nimirum vidisti, quam nostris illa temporibus sit accommoda. Iisdem enim morbis nostra periclitatur ecclesia, quibus Corinthiorum infecta apostoli valida sensit medicamina, ut si hodie nobis voluerimus consultum, iisdem quoque vitiis nostris efficacissima invenerimus remedia. Videmus enim hodie, id quod maximo cum dolore refero, eximias Germaniae ecclesias inter sese hoc potissimum nomine dissidere, quod haec huius, illa vero istius doctoris nomine inflatur inque alterius vesanum quodpiam rapitur odium, adeo ut iam nobis Lutheranorum et Zvinglianorum nomina non minus celebria vulgataque sint, quam Corinthiis erant Cephistarum atque Paulianorum factiosa vocabula 4. ||2v. Et ut olim apud Corinthios 5 ita apud nos videmus permultos verbi ministros non ea, quae Christi, pacis et ecclesiarum, sed ea, quae ambitionis potius, contentionis et vanae gloriae sunt, spectare. Ex quibus alii effera turgidi arrogantia vel fratribus omnibus se praeferunt et symmistas pietate, eruditione et spiritu praestantes prae se ceu umbellas quasdam despiciunt, vel data opera - non enim dicam exquisita malicia - ab iis dissentiunt, quos non ignorant secum eundem praedicare Christum. His vero peiores sunt, qui praeterea et puram evangelii doctrinam propter simplicitatem - ut et apud Corinthios quidam - aspernantur et spiritum nescio quem iactitant, cui et peculiarem quandam rhetoricam praeter eam, quam communis loquendi ratio agnoscit, novum item praedicandi modum, quin et novam tribuunt ecclesiam, quasi hodie nondum vero spiritu praedicatum sit evangelium neque ulla hactenus collecta in orbe ecclesia. Talibus enim ne ipse quidem apostolus, electionis vas, praedicavit evangelium, qui hac epistola simplicitatem evangelii propugnat, humilem de cruce Christi praedicationem laudat 6 et praecelsam istorum greek irridet. Illi ipsi splendide quidem, amplifice et suaviter mira dexteritate et loquentia disserebant de spirituali philosophia et regno Christi, mira item dicacitate saeviebant in apo-||3r. stolum Paulum 7 , caeterum ad intoleranda et dira Corinthiorum flagitia, ubi maxime vocales esse oportebat, pisce, quod aiunt, magis erant muti 8 . Cuius quidem generis doctores hodie quoque invenias innumeros, qui in innocentes fratres importunis debacchantur convitiis, interim vero usurariis, pauperum oppressoribus, tyrannis, sanguinariis, legum aequitatis et iustitiae corruptoribus, quinimo et luxu et ambitione corruptissimis nebulonibus admodum sunt propitii. Iam quae apostolus in hac de coniugio
exigua idem subinde volutasse saxum 20 , licet nec omnes nec semper meliora dederint. Quodsi ego quoque spem tuam, Dionysi praestantissime, hisce in commentariis fefellero, veniam mereor, ut qui non invideam, si alii quoque post me meliora exhibeant, dummodo nihil sinistrius de hoc animi nostri instituto non malo iudicent, sed grati sint, quemadmodum et ipse maioribus meis gratus sum et illorum interpretationibus suo in loco uti non erubesco. [388]Bullinger an Oswald Myconius Zürich, 4. Juni 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342, 37r.-v. (Siegelspur) Ungedruckt Er wird sein möglichstes tun, damit die reformierten Orte mit Herzog Ulrich von Württemberg über ein Abkommen verhandeln; ein solches hat der Herzog freilich jetzt zum ersten Mal vorgeschlagen. Der Kleine Rat von Zürich versicherte den Herzog der freundschaftlichen Gefühle der Zürcher, teilte ihm jedoch mit, daß für ein solches Abkommen der Große Rat zuständig sei; dieser werde die Sache bald behandeln. Die Sitzung fand dann am 30. Mai statt: Viele waren vom Angebot des Herzogs gerührt; eine Kommission unter Bürgermeister Diethelm Röist berät gerade jetzt über die Antwort. Bullinger will bald darüber berichten. Der Zürcher Rat ist verstimmt, daß er von Basel nicht offiziell um Beurlaubung Karlstadts ersucht worden ist, und will diesen deswegen nicht freigeben; dessen Gehalt wurde erhöht. Guillaume [du Bellay], der französische Gesandte, konnte sich vor Eck von Reischach nur knapp nach Lindau retten. Gruß an den Bürgermeister [Jakob Meyer]. Gratiam et vitae innocentiam a domino. Propter eos, quorum iussu scribebas 1 , sic respondeo verbis germanicis. So vil an mir gelägen, will ich daran sin, daß mitt gemeiner beradtschlagung christlicher stetten inn dem friden 2 und verstand 3 mitt dem Wirtemberger 4 gehandlet werde. Der hatt vornaher 5 nie nüt durch gheine brieff, so vil mir bewüst, nach gheinem sömlichem verstand allß 6 jetzund geworben. Lenigni 7 befälch was ein anders. Wie der fürst aber jetzund geschryben 8 und einer antwurt begärt, 26. may habend min herren vonn dem kleynen radt imm zu dem allerfrüntlichsten geantwurt 9 , gott gelobet, der inn widerumb zu dem sinen gepracht durch hilff christlicher frommer fürsten etc. Allß er aber eines verstands gägen inen begär, wie den sine vordren graven von Wirtemberg mitt der statt Zürych gehept 10 , sölle er sich nützid zu Zurych
versähen 11 anders 12 dann zu lieben und guten fründen, die imm alleß das thun wöllind, das imm lieb und dienst 13 etc. Aber besonderbarer verbindung, wie er dero begärt, gepüre inen allß dem mindern radt gar nitt, hinder 14 dem grössern radt ützid 15 ze antwurten oder handlen; wöllind aber diß sin fürbringen 16 wyter lassen langen und imm früntlich antwurten. Apographum non vidi, sed ex ore viri 17 cuiusdam non infimae sortis haec refero. 30. may ist es für rädt und burger kummen und allß es geläsen, mitt sömlichem danck angenommen, daß ettliche geweinet, alle gott gelopt, daß es noch allso umb sy stande, daß eren fürsten iro früntschafft begärend. Und sind zu dem verordnet, wie man und was man sich gägen dem fürsten entschliesse: herr burgermeister Röyst, m[eister] Faelix Wyngarter 18 , m[eister] Niclauß Setzstab 19 , Jacob Funck 20 ; die söllend demnach iro ansähen 21 widerumb für rädt und burger bringen. Was wyter verhandlet und mir ze wüssen wirt, will ich anzeygen, wie und was sich gepürt. Jetzund, wie ich das schryb, 12. postmeridiana 4. iunii, sind sy 22 by einandren in aedibus Röystii 23 .
Mich will beduncken, eß habend min herren die rädt ze verdrieß angenommen 24 (ich red alein uß argwhon 25 ), daß ein ersammer radt Basel inen nitt, 37v. || sunder ir unß alein geschryben 26 . Hatt deßhalb Carlstatten nitt wöllen erlouben, sunder imm sin pfrund bessert 27 mit 10 eymer 28 wyn und 10 müt 29 kernen. Vor hatt er 80 gl. 30 alein, daß sy jetzund imm die 20 stuck zu den 80 geschöpfft 31 , daß es 100 worden. Doch wirt ich sunders 32 darvon sust 33 schryben. Guilielmus a Lange 34 , Galli legatus, hatt heruff vonn München geylt, und hätte inn Egg vonn Ryschach 35 schier ergattet 36 ; doch ist er imm gen Lindow hinyn endrunnen. Jetzund hatt er imm den seew und all straassen verleydt, daß er nitt hinuß gedar 37 und besorgt, er werde heruß ggäben etc. 38 Ob üch neiswas 39 wyter vonn Wirtemberg unnd Franckrych ze wüssen, schrybend bald. Zurych, 4. iunii 1534. Salvum volo consulem 40 , p[atrem] p[atriae]. Hein. Bulling. tuus.
[Adresse darunter:] Domino Osvaldo Myconi[o], Basileien[sium] ecclesiae doctori fidelissimo. suo in domino charissimo fratri. [389]Oswald Myconius an Bullinger Basel, 5. Juni 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 57 (Siegelspur) Gedruckt: Füssli I 146f, Nr. 43 Wenn die Zürcher nicht im Sinn gehabt haben, Karlstadt den Baslern zu überlassen, warum empfahl ihn dann Bullinger? Zweifellos ist allein sein Eingreifen daran schuld, daß der Rat von Zürich diesen nicht ziehen lassen will. Jetzt müssen die Basler eine Sonderbotschaft in dieser Sache nach Zürich senden. Bullinger könnte die Basler, die ihm ernsthaft zürnen, nur dadurch versöhnen, daß er jetzt seinen Einfluß für die Entlassung Karlstadts aus Zürich doch noch einsetzt und das auch erreicht. Bullinger soll auf den dem Verwandten Leo Juds [Hans Heinrich Winkeli?]mitgegebenen Brief antworten. S. Dum praeter animum erat vestrum Carolostadium dimittere, quur tu tantopere virum commendasti? 1 Quur in postremis literis ad finem adiecisti: «Quid de Carolostadio» 2 , tanquam eius nos essemus obliti? Non dubium est, quin tu unus in causa sis, quamobrem senatus nolit dimittere 3 , propter commendationem, quam somnio te coram hoc et instituisse et perfecisse. Potius erat meliusque, si propositis causis nostris, ob quas illum recepissemus, admonuisses, ut hac in re morem nobis gererent, cum hoc sine ipsorum fieri posset iactura. Nunc nos ecce cogitis legationem ob eam causam ad tuos mittere 4 , qui precentur, ut quod apud nos statutum, id isti ratum habeant, si velint literis et ecclesiae quodammodo nostrae consultum. Quod prius igitur peccatum est, nunc fac emendetur quacunque tandem ratione, ni malis fratres et ecclesiam Basiliensem iniquiorem fore tibi. Erras, si putas me iocari. Nemo est enim, qui factam renunciationem non adscribat Bullingero, ego vero in primis. Fac igitur, amicorum charissime, nobis hic reconcilieris. Quod fiet, si effeceris, ut Carolostadius dimittatur. Non est recantandum tibi quicquam, sed dicendum modo precibus te permotum nostris et literarum amore, quas apud nos promotas magis cupias ea quidem parte, qua Carolostadius ante omnia promovere a possit. Non desunt nobis docti, non deest ratio doctrinae, sed hic ad suum munus alius alio dum cogitur respicere, fit, ut damno nonnihil iaceamus obnoxii. Ergo si sic feceris, non est, quod queat exprobrari deinceps. Reliquum est, respondeas ad literas 5 , quas misi per cognatum 6 Leonis 7 .
Vale et iram nostram aequus interpretator. Basileae, 5. iunii anno 1534. Os. Myconius, semper tuus, etiam dum indignatur. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Bullingero, doctissimo pientissimoque antistiti Tigurino, amico et fratri ante omnes observando. [390]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 6. Juni [1534] Autograph: Zürich StA, E II 343, 39 (Siegelspur) Teildruck: Corr. des réformateurs III 186 Will die Reise des Ludwig von Diesbach nach Zürich benützen, um Bullinger dringend zu ermahnen, er solle sich dafür einsetzen, daß bei den bevorstehenden Wahlen an Stelle des angeblich ausscheidenden Bürgermeisters [Diethelm] Röist, [Hans Rudolf] Lavater oder ein anderer «frommer» Mann gewählt werde. Es gibt Gerüchte, wonach in Zürich manche den Sieg [Philipps von Hessen]in Württemberg bedauerten; wohl darum erhielt auch Bern von Zürich keine Mitteilung darüber. Vorsicht gegenüber von Diesbach ist ratsam. In Genf legte ein Priester [Louis Bernard]inmitten der Pfingstmesse sein Ornat ab und bekannte sich zum evangelischen Glauben. Haller wünscht die Zusendung des nächsten gedruckten Teils von Bullingers Kommentar zum 1. Korintherbrief. S. Quandoquidem nobilis ille Ludoicus a Diesbach 2 , vir in fide nostra satis pius, uxorem vero habens piissimam, ein Mettelinen 3 . Tigurum petiturus erat, nolui, urbem vestram meis ineptiis vacuus inequitaret, potissimum ea de causa, quod iam instat vestri magistratus deligendi dies, qui nos a eo fortius urget, quod experimur quottidie, quantum referat pium 4 habere magistratum.
Obsecro igitur, ut tu, qui rerum vestrarum maxime conscius es, maxime cures, quatenus Pius urbi praeficiatur consul. Audimus Röstium iam ab officio amovendum 5 . Huic succedat, curabis, vel Lafaterus 6 vel alius quispiam, cui res Christi magis sit cordi quam Antroniorum 7 favor et blandiciae, qui item virum praestet non meticulosum, sed constantem. Rumor apud nos est nonnullis victoriam Wirtenbergicam 8 ex corde dolere, atque ita, ut pii obtinere non potuerint, quatenus vestri nostratibus nova nunciarent gaudia 9 . Utcunque hoc te admonitum volumus, qui tecum Christum amant et quos urbs nostra habet potissimos hac in re. Nihil rerum conferes cum tabelhone 10 hoc, quam quod benignius eum salutes, si tibi occurrent: Neophitus est 11 . Ceterum Gebennis hac pentecoste 12 cum innumeri caenam peragerent dominicam, accessit palam sacrificulus quidam 13 et habitu chorali et almutio 14 indutus. Qui quamprimum ad mensam pervenit, omnia in terram proiecit veterem hominem exuens 15 coram ecclesia et se evangelio domini captivum 16 exhibens, ut in miraculum cunctis cesserit. Nulla alioqui apud nos sunt nova. Tu scribe, et siquid ex Corinthiis 17 excusum est, fac, Cristophorus 18 mittat. 6. iunii hora 9. pomeridiana. Tuum minimum numisma 19 . [Adresse auf der Rückseite:] An Meister Heinrich Bullinger, predicanten ze Zürich, sinem geliepten herren und bruder.
[391]Georg Wimpfer an Bullinger Stein am Rhein, 6. Juni [1534] Autograph: Zürich StA, E II 441, 360 (Siegelspur) Ungedruckt Hat Wolfgang Mösel den Brief Bullingers geschickt. Am 9. Juni ist er zusammen mit Zwick bei jenem zu einem Gespräch eingeladen. Dann wird er eine Antwort und Neuigkeiten von Mösel erhalten. Ist Bullinger gerne zu Diensten. Quod iniunxisti, praeclare Bullingere, exegi diligentissime. Die 5. iunii misi per militem 3 literas tuas 4 Wolffgango Mossle 5 , patri charissimo, verum non tuli responsum. Ceterum die 9. huius mensis iam futura Zwickius et ego invitati
sumus ad colloquium 6 . Eo die accipiam responsum et nova ab eo. Modo quid novi ille ad me dederit, per militem praescriptum mitto inclusa. Ea 7 lege, ut manu 3 illius remittas. Nisi opus fuerit, parum curo. Nolim autem omnia publicari. Ceterum maior es tu, quam ullis possim te demereri serviciis. Facio hoc, quod facio, ex debito, agnosco te praeceptorem et patronum et desidero placere tibi sicut omnibus bonis et piis. Proinde spera de me per gratiam dei omnia bona. Vale. Ex Steinia, 6. iunii. Tuus ex animo Georgius Wimpferus. [Adresse auf der Rückseite:] Clarissimo viro d. Henrico Bullingero, archiepiscopo Tigu[rinae]e[cclesiae], patrono suo. [392]Niklaus Wyß an Bullinger [Baden], 6. Juni 1534 Autograph: Zürich StA, E II 441, 318 (Siegelspur) Ungedruckt Berichtet über seine Badegenossen. Bittet Bullinger, sich beim Keller des [Großmünster-]Stifts [Jakob Reinhart]für seine Präsenz zu verwenden. Grüße. Min willig dienst und alles gutz zuvor, lieber Meister Heirich. Ich lan üch wissan, das ich gutt baderzellen 1 han von Kuststatt 2 und von Sant Gallen und frow Mürrerin 3 min nieste 4 nachberin ist und hett mir zu dem machhulpfen 5 . Lieber Meister Heirich, sint betten keller 6 halb von der
presentz halb alt und nüw 7 , wie min frow 8 üch betten hatt. Lieber Meister Heirich, gruzent mir üwery hußfrowen 9 und üwery mutter 10 und frow Wirtzin 11 und al nachberen und kussend mir Annely 12 an ein begly 13 von miner frowen wegen und von minan wegen und lend mir min huß anpffollen sin, wil ich um üch verdienen, und sind betten und sickent unß Annely gan Baden. Lieber Meister, frow Murrerin dut üch vast grutzen. Geben am niestan samstag vor Medardy anno domini 1534. Nicolaus Wyß üwer dinener[!] alzit. [Adresse auf der Rückseite:] Dem wolgelerten Meister Heirich Bullinger, predicant zu Zurich, minem lieben herren. [393]Simon Sulzer an Bullinger Bern, 11. Juni 1534 Autograph: Zürich StA, E II 336, 339f (Siegelspur) Ungedruckt Entschuldigt sich wegen seines langen Stillschweigens seit seinem Besuch in Zürich. Von öffentlichen Angelegenheiten will er jetzt nicht berichten, weil ja Berchtold [Haller]das ohnehin tut; ihn interessieren nur seine Studien. Zur Zeit befaßt er sich mit Aristoteles und dem Markusevangelium, lernt und unterrichtet zugleich. Er bittet um Bullingers Hilfe, besonders auch für sein Studium der Evangelien. Mit seinen Kollegen [Kaspar]Megander und [Johannes]Rhellikan verträgt er sich sehr gut, Berchtold [Haller] ist ihm ein väterlicher Freund und Beschützer. Grüße. S. Quod hactenus, ornatissime Bullingere, nihil a me literarum accepisti, nec negligentiae nec oblivioni tui imputes velim. Ea enim sunt tua erga me immerentem humanitatis officia ac merita tantique revera te facio, ut ex quo proxime a te discessi 1 , dies nulla praeterierit, qua non saepe tui sim recordatus. Sed partim tabelliones in causa fuere, quos nunquam fere, nisi dum essem
occupatissimus, habere contigit, partim vero pudor quidam subrusticus et singularis tui nominis reverentia, quominus pro eo ac debui a vel literis, quando re ipsa nequeo, gratitudinem animi testatus sim hactenus. Sed enim ne tandem hoc parum officioso silentio neglectae a te mihi amicitiae oblatae b suspicionem incurrerem, rumpere greek greek 2 posito pudore libuit, maxime, quando eam ingenii tui suavitatem ac mansuetudinem deprehendisse mihi videor, ut si vel ineptissime, quod soleo, scribam aut alioquin c tuae autoritatis et doctrinae rationem habeam parum exactam, facile eius te mihi delicti gratiam facturum certo mihi persuaserim iam pridem. Quare hoc unum in praesentiarum notum tibi facio, tua mihi in domino notitia et amicitia iucundius obvenire nihil potuisse, qua si coram perfrui liceret, felicem me plane beatumque iudicarem, quanquam ne in isto quidem locorum intervallo a d Sultzero tuo nunquam aberis animo, ut e cui semel velut iacenti manus porrigere non es dedignatus tuoque amori dignum iudicaris. Ego vero etsi adferre ad amicitiam tuam praeter fidem et benevolentiam nihil possum, eam ipsam tamen faxo ne unquam in me desideres, quam tantisper, quaeso, amplectere, dum voluntatis in te meae luculenter et copiose declarandi [!] facultas aut occasio sit, qua oblata intellecturum te spero cum homine tibi neutiquam ingrato rem esse. Ceterum de publicis negociis nihil scribo ad te, eo quod et Berchtoldum 3 id facere 4 studiose scio et quod testudineam vitam agens haec ut non inquiro, sic etiam nisi diu pervagata ad me perferuntur. Domi enim meo more delitesco me totum studiis consecrans, quae rebus omnibus missis persequi toto pectore libet quippe qui f sine his omnem mihi vitam acerbam plane iudico. Praeter Aristot[elis] lectionem nuper etiam Marcum exorsus sum. Quae me lectio quantopere exerceat, dici vix potest, ut qui in omnibus literis, tum in hac professione maxime rudis discere simul et docere cogor 5 . Quorum utrumque magno quidem conatu fit, sed nescio, quanto profectu. In explicatione textus, ut vocant, aliorum iudicium libens sequor nil ipse mihi fidens. Verum in communium locorum tractatione, dum peculiarem quandam rationem 340 || instituo, finibus nempe quaeque suis circumscribere ordine certo cupiens, immensa mihi suboritur difficultas, ut veluti mare quoddam ingressus vix terminum ullum queam perspicere. Quamobrem ea in re tu, tum ex g quo velut oraculo haec scissitari [!]libuit, quaeso, tuo mihi consilio adsis cettam mihi et studiosis frugem allaturus. Et si quae praeterea vel in evangelistas omnes vel in hunc 6 peculiariter habeas, ea mihi communicare ad tempus velis. Restituam bona fide omnia. En novae amicitiae auspicia, qui postulationibus
tam cito te fatigo. Qua in re si quid peccatur, tuae imputa humanitati, qua fretus omnia mihi apud te licere arbitror. Caetera bene habent satis. Cum Megandro et Rellicano mihi convenit. Ferre enim me didicerunt, odisse desierunt. Dominus faxit, ut Christum unanimiter spiremus omnes. In Berchtoldi ut patroni et defensoris acerrimi amicitia totus acquiesco, ut in cuius sinum omnes meas opes, ut nosti, iam pridem contulerim. Commendarem hunc tibi amandum tui tam studiosum virum, nisi et per illum ego tibi potius commendandus sim et eo tua sponte feraris. Sed molestus iam satis tibi fui. Vale ac Simonem tibi addictissimum tuis ad dominum precibus commendatum habe id mutuo facturus. Bene vale cum uxore 7 castissima, quam meis verbis salutabis amanter et diligenter. Bernae, 11. iunii anno 1534. Tuus ut suus Simon Sultzerus. Saluta Theodorum 8 , Leonem 9 , Pellicanum, Binderum, Eras[mum] 10 et bonos omnes. [Adresse darunter:] Viro ornatissimo d. Heinricho Bullingero, divini verbi praeconi fidelissimo, patrono suo colendissimo. Zürich. [394]Beat Gering an Bullinger [Schaffhausen], 13. Juni [1534] Autograph: Zürich StA, E II 441, 561 (Siegelspur) Ungedruckt Dankt Bullinger für die Bemühungen, ihn aus dem Fegefeuer [seiner Schaffhauser Stelle] zu befreien. Allerdings fühlt er sich zu ungebildet, die Nachfolge eines so gelehrten Mannes [wie Karlstadt] anzutreten, zu schwach, um die Anforderungen der Stelle zu erfüllen. Doch im Vertrauen auf Bullingers Versprechungen wird er gehorchen. Bittet um Rat, wie er die Entlassung in Schaffhausen bewerkstelligen soll. Für den Umzug nach Zürich wird er finanzielle Hilfe brauchen. Joachim wird alles mit Bullinger besprechen. Gratiam et vitae innocentiam. Non possum non ingentes tibi agere gratias, quod mei fueris memor meque ex antri patriciani purgatorio 2 liberare tentes 3 . Verum illud non vehementer probo, quod eo modo id tentas. Nam cum mediocritatem, imo parvitatem
ingenii mei considero, tunc plane non agnosco in me tales vires, quae ferendo tanto oneri possint esse pares. Deinde et isthoc plurimum me remoratur et deterret, quod indoctus ego [inu]tilior a sim, quam ut b in tam doctissimi viri 4 locum subrogari possim. Nullum detrectarem pro gloria domini laborem, quem ego pro tenuitate mea possem subire. At maior is mihi videtur, quam quod eum ferre queam. In me tales non invenio humeros. Sed quia hactenus vobis semper morem gessi, et nunc obsecundabo, verum non fretus meo ingenio, sed tua pollicitatione, qua inquis: «Kämest, welttend wir dir alles guts, alle trüw, liebe und früntschafft bewisen.» Ea itaque conditione, ea lege eoque pacto petitioni tuae consentiam. Deest autem mihi certum c consilium, quonam pacto de venia petenda rem adgrediar. Mitto igitur tibi libellum conditionis meae 5 , quonam pacto mecum convenerint Schaffhusiani. Quem si diligenter perspexeris, forte habebis promptum aliquod consilium. Nam quantum ego intellego, tunc ita mecum convenerunt, ut facile iam possim hinc sine scandalo recedere 6 . Sed expectabo vestram de hac re sententiam. Sextus articulus bene a te consideretur. Habito itaque consilio rescribas tabellasque meae cum Scaffhusianis conventionis cum literis tuis remittas simulque iniungas, quid facere me oporteat. Caeterum, licet iam paratus essem adcinctusque itineri, tamen non ita pecuniosus sum, ut iam ad itinerationem et avehendam suppellectilem sumptus mihi satis parare possem. Praeterito enim anno omnem meam pecuniam, quam praesentem habebam, consumpsi, ut hoc anno nonnisi in diem mihi vivere licuerit. Quare et hic subveniendum erit. Sed quid hisce rebus immoror etc. Ioachimus 7 frater , noster charissimus, caetera omnia tecum conferet. Vale. 13. iunii. Beatus Gerungus totus tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Doctissimo simul ac piissimo viro M. Heinricho Bullingero, fratri suo charissimo.
[395]Oswald Myconius an Bullinger [Basel], 15. Ju[ni] 1534 Autograph: Zürich StA, E II 336, 135r.-v. (Siegelspur) Ungedruckt Lehnt die zürcherische «Umsicht» scharf ab, da diese einerseits aus Aufgeblasenheit, andererseits aus Angst besteht. Auf der letzten Tagsatzung wurde über das von Herzog [Ulrich von Württemberg] und Landgraf [Philipp von Hessen]vorgeschlagene Bündnis nur insofern gesprochen, als man festgestellt hat, daß es nicht vernünftig sei, an der bestehenden Rechtslage [der eidgenössischen Orte]irgend etwas zu ändern. Die Pläne der beiden Fürsten sollten in der Schwebe gehalten werden, indem die Zürcher die Angelegenheit zuerst mit den V Orten besprechen wollten, um dann eine gemeinsame Botschaft an die Fürsten senden zu können. So geht es zu, wenn unerfahrene Kinder regieren! Über das Bündnis hätte man gar nicht so eilig entscheiden müssen, da aber die Nachricht aus Zürich zu den V Orten bereits durchgesickert war, wurde Zürich dazu gezwungen. Die Ensisheimer und Innsbrucker sind dieser Tage zusammengekommen, gingen aber wieder ratlos auseinander. Die hessische Streitmacht ist aufgeteilt, ein Teil davon bleibt in Württemberg, ein anderer beim Landgrafen und ein dritter bei [Wilhelm von]Fürstenberg. Der König [Franz I.] von Frankreich hat die Grafschaft Mömpelgard [als Pfand] übernommen. Karlstadts Frau soll sich an Myconius wenden. Grüße an Andreas Karlstadt und andere. S. Reconciliatus es 1 . Quid addam amplius? Verum audi. Nam ut omnia, ita et hoc ausim in sinum tuum effundere: Mirum, quam mihi displiceat prudentia illa Tigurina, tum quod sit vel utre inflatior, tum quod formidinem ex proxima calamitate 2 conceptam semper habeat a latere. De foedere proximis comitiis 3 nihil egit nisi non integrum esse nunc sibi quidpiam de statu suo mutare 4 Item instigavit nescio quis cacodaemon, ut legationem sequestram mittat, quae consilia cohibeat principum, ducis 5 et lantgravii 6 , ita tamen, ut ea res prius ad Pagos 7 quoque referatur, quo communis sit legatio. Et omnino sic fuisset factum, si reliqui consensissent 8 . An non in altero formido, imo in utroque, in altero inflata stulticia? Sed ita sit, ubi pueri principantur et homines rerum inexperti. Alios homines profecto requirit isthaec
celsitudo. Studemus nos a pueris, legimus, quid mundus agat et egerit ab initio, exercemur, ut vix alii quipiam. Quid, si rerum habenae nobis in manus darentur? Hoc nimirum, quod accidit Phaethonti 9 . Quid igitur, ubi pueri praeficiuntur, qui horum nihil unquam viderunt aut experti sunt? De foedere non erat tam cito concludendum, nec id requisivit princeps. Sed coacti estis propter ora futilissima, quae iamiam effuderunt ad Pagos usque, quicquid dux ad vos perscripsit 10 . Flagitium ingens, ita me deus bene amet, et, ut vereor, immedicabile. Mitteremus autem legationem nos, quibus cursus ille foelicissimus per deum aeque conducturus est ut principibus 11 ? Aut iungeremus nos eis, qui hostes sunt principum et omnis eorum actionis hostilissimi? Wolan, ich kan imm nüt thun; es ist also 12 an der zyt 13 ! Fuerunt simul Ensheimenses 14 his diebus et Enipontani 15 sed consilio carentes , omni, atque ita digressi sunt. Augetur exercitus subinde Hessus - ad quid nondum compertum 16 . Distractus est exercitus totus. Pars manet 135v. || in Wirtenberga, partem secum habet Hessus, partem Furstenbergensis 17 . Recepit in ius rex Gallus civitatem Montis Belligardi 18 . Vexillum, quod hactenus ill[ic] a fuit, discessit. Capitis dolor me abigit. Vale per Christum. 15. iu[nii]b 19 anno 1534. Os. Myco. tuus. Ad me divertat uxor Carolostadii. Domum tum indicabo paratam. Carolostadium 20 salutabis et fratres. [Adresse darunter:] Domino Heinricho Bullingero, amicorum amicissimo, domino observando suo. Zürich.
[396]Georg Wimpfer an Bullinger Stein am Rhein, 15. Juni [1534]1 Autograph: Zürich StA, E II 441, 522 (Siegelspur) Ungedruckt War am 11. [Juni]auf dem Hohentwiel bei Wolfgang [Mösel], der verspricht, Bullingers Schreiben an Herzog [Ulrich] von Württemberg weiterzuleiten. Nachrichten über den Feldzug in Württemberg. Wolfgang [Mösel]meint, es sei betreffend Reformation der Kirchen und der Tübinger Universität viel vom Herzog zu erhoffen. Salus. Tardius peregi negocium, clarissime Bullingere, moram faciente piscatore 2 illo. Vix enim ille ad 10. diem huius mensis ad me venit certis praepeditus negociis. 11. vero die montem 3 conscendimus, et primo omnium contuli cum barbato 4 de negocio michi commisso, num scilicet certo possit in manus principis Wirtembergensis 5 tradere aut certo tradi curare, quod tu ad illum missurus sis 6 . Ad hoc ille respondit brevibus intellexisse ipsum ex tuis literis, quas antea ad ipsum miseram ego 7 nichil te ad , principem missurum, quod illius animum offendat aut illius[!] adversetur. Quin plus, speret principi hoc fore gratum et acceptum. Libentissime se facturum promisit et curaturum se, ut ipse principi tradat. Speret enim brevibus principes 8 ad castrum adventuros, nisi magnis negociis impediantur. Quodsi contingat impediri illos, iam eum ipsum destinatum esse legatum per capitaneos arcis 9 ad castra principis. Quare, si quid habes, mitte confidenter. Ego illi dabo in manus, nisi mavelis aliquem nuncium ad Wolfgangum 10 mittere, curabo et hoc, id quod in tuo stat arbitrio. Ceterum novi certi nichil potuimus piscari, quamvis eo die, quo in atrio eramus, tres praecipui equites 11 venirent e castris principum. Sed quia directa ad arcem contendebant neque in atrio moram fecerant, nichil accepimus nisi hoc unum, das er vii grosser Hansen 12 uff dem Asperg funden hat, under
denen ist herren Wilhelm 13 trucksessen son 14 . Der ist umb 20 tusent guldin brantschatz angesucht 15 . Item uff Hohen Urach hatt er ain spangischen herren 16 in vinculis funden und ledig gelassen. Der hat etwas wider den kayser grett und darum an das ort gelegt 17 worden. Expectamus omni die nova. Quodsi certi quid habuero, mittam. Multi multa fingunt et menciuntur, quod in dies experimur. Vale. Raptim ex Staina, 15. iunii. Georgius Wimpffer, tuus ex animo. Magnam promittit Wolfgangus spem de principe quoad reformacionem ecclesiarum et universitatis Tubingensis. [Adresse auf der Rückseite:] Clarissimo viro d. Heinrico Bullingero, archiepiscopo Tigurinae ecclesiae, patrono suo observando. [397]Schultheiß und Rat von Winterthur an die Verordneten der
Synode in Zürich Winterthur, 18. Juni 1534 Original a : Zürich StA, E II 1, 159f (Siegelspur) Ungedruckt Sie haben das Schreiben der Synode wegen Hans [Landenberg] zur Kenntnis genommen und geben Auskunft über ihn, seine Frau und den zweifelhaften Lebenswandel der beiden, der schon wiederholt zu Tadel Anlaß gab. Hochgelertenn, wurdigen, fromen, fürsichtigen, wysen, gnädigen, günstigenn,
lieben heren. Uch sigenn unser früntlich, underthänig, willig dienst zevor, gnädigen, lieben heren. Uwer wyßheit verschriben 2 , ir uns her Hansen 3 statschribers halb gethan 4 , haben wir eigenlich 5 verhört 6 , darüff hierüber zu rat schlachen und uns zu erineren, einander zu befragen zusamen gsäsen und also vill erfünden, das uns namlich wüsend des ersten, wie uwer wyßheit dan in uwerem schriben gemeldet, das ernämpter her Hans statschryber und sin husfrow 7 ein unzimlichs, ungeschickts 8 läbenwäsen und ein unerberen, ergerlichen wandell mit cleidüng etc. fuerind. Ist nit on 9 , es ist uns öthwan verschiner jaren und zitten angelangt, wie sy miteinander ein unwäsen mit haderen, zancken unnd schweren 10 tribind, deßwägen oüch der cleidüng halb, so sin fruw tregtt, sy bede unser erichter beschickt, sy darumm gwarnet und gstrafft 11 , oüch gsagt, das sy sölichs söllind abstan. Wie aber sy sölich zancken und schweren glasen, ist uns nit wol künd 12 , dwill wir nit täglich by inen in irem hus sind, so kumpt 13 uns oüch alwäg ein ding zom letsten für 14 . Doch der ungepürlichen kleidung halb, das die sin fruw glasen 15 , ist nit, sonder gatt beckleidet, das uns bedoncken, ir sölichs ze tragen nit zime. Witter des inzüchends 16 der unnützen 17 lüthen, oüch derenhalb, so unserem heligen gluben zewider, und der gastung halb, ist nit minder; die sälbigen gastung halt er öthwan, doch nit mer also vill (siderhär, wie ir hernach hören werden, wir in darumm capittlet 18 und gstrafft haben) alß vornacher, dan
wir nit verstan, das er siderhär mäller gäben, woll zu den tagurtten 19 die gheptt hab 20 , so sind oüch etlich frömbd, die wir achten, unserem gluben nit vast hold, die zu ziten iren wandel und niderlegy 21 alß 22 mit trincken by im haben. Der groben worthen halb 23 tribt sin fruw öthwan die in der metzg, wie aber die im huß volgand 24 , ist uns nit wüsend, woll zu gedencken, wie sy im offnen wäsen oder stand 25 , darüs sy her Hans gnomen, glärnet, sy das für und für tribe. Des kilchgangs halb ist her Hans der faßnacht här, sid und wir in darumm mit worten gstrafft, nit gar ungflissen gsin, aber sin husfrow b , die selbig kompt ethwan, wan es woll gradt 26 , an eim süntag (wie eine ||160 vom adell bekleidtt) in bredig unnd bald wider daruß 27 unnd am , werchtag gar nitt. Sodan der brechung halb unnserer gepotten mit der gastung, sy an verschiner eschmitwüch gehept, ist also gwäsenn: Alls 28 wir dan die faßnacht und eschmitwuchen zehaltenn guter cristenlicher meinüng abgestellt, sind etlich unnser burger zugfaren 29 , fisch kufft, die in sinem hus zu ymbis gäsen, darin tagurttenn, nachtmall und schlaffthrünck than, in wölichem schlaffthrünck sy miteinander in zerwürffnüß komen, also wit das sy ubereinander zückt 30 und ein kleiner blutrünß 31 beschehenn ist. Söliche fräffler wir für uns gnomen und umm sölichen begangnen fräffel gestrafft, oüch her Hansen denn zu straffen für uns gstellt, nachdem wir in gehört, wir im denn beltz trüwlich sölichs handels, oüch des kilchgangs halb, deßglichenn der gastüng und inzügs deren, so wider unseren helgen gluben sind, oüch aller undingenn halb, gwäschen und gschulet 32 haben. Sölichs, gnädigen, lieben heren, sind wir von irem wäsen (wie woll villicht mer daran sin, ist uns doch sölichs nit eigenlich wüsend, dwyll ein oberkeitt ein ding alwäg zom lestenn fürkompt 33 ) bericht, dan so uns witter eigenlichs 34 wüsend, würd es uch nit verhaltenn, dan wir je des gesint, so wit unsers vermögen reichenn, schand und laster abzustellen und oüch denen beholffen zu sin, so sölichs gern ußrüten wölten, dartzu uwer ersamen wyßheit wolgefallen und geheiß nach unserem vermögen alwägen nachzukomen und zu volbringen gentzlich geneigt. Datum donstags vor Albanny anno etc. 1534. Schultheis und rät zu Winterthur.
[Adresse auf separater S. 166:] Den hochgelerten, wirdigen, fromen, fursichtigen und wysen den verordnaten eines ersamen rats und des gantzen sinodus stat und landts Zürich, unseren gnädigen, lieben herenn. [398]Erasmus Ritter an Bullinger [Schaffhausen], 24. Juni 1534 Autograph: Zürich StA, E II 362, 29 (Siegelspur) Ungedruckt Empfiehlt den Überbringer des Briefes, den Pfarrer [Konrad Heinimann von Merishausen?], der wegen Eheschwierigkeiten seiner Stelle enthoben wurde, sonst aber ein guter Mann ist. Hört, daß die Zürcher Beat [Gering] zur Rückkehr nach Zürich auffordern. Freilich würde dieser mancher Unannehmlichkeit aus dem Wege gehen, doch wäre es ein großer Schaden für die Schaffhauser Kirche. Deren Wohl mögen die Zürcher bei dieser Sache im Auge behalten. Gracia et pax a deo per Iesum Christum. Qui tibi has reddidit literas, patria Sanctogallensis est in agro Scaphusiano hactenus verbi ministerio functus 1 . Hic post obitum uxoris 2 , ex qua liberos superstites habet, aliam duxit iuvenculam 3 , cum qua nonichil contentionis et discordiarum habuit 4 , partim propter liberos, ut fit, partim quod illis moribus non fuerit imbuta, qui eam decuissent et marito fuissent placiti. Quam causam dum pauci iuste perpenderint, occasionem offensionis ecclesie praestitisse senatus noster edoctus est. Quapropter ab officio est amotus 5 alioqui minime malus homo neque propterea indignus, qui iterum posset admitti. Hunc tibi ita commendo, ut is intelligat meam commendationem tibi fuisse gratam. Ceterum intelligo vos nonnichil sollicitare Beatum 6 nostrum, ut ad vos rediret 7 . Equidem fateor, si vobis obtemperaret, iniurias, contumelias haud
vulgares devitare posset, quas hic pati oportet. Verum quod sine maximo incomodo ecclesie nostre fieri possit, nemo credere debet. Quare te reliquosque fratres plurimum oro a , ut non tantum vestre ecclesie, sed etiam nostre incrementa spectetis, quae tamen una est, nempe Christi. Vale et Erasmum, ut ipse vicissim te unice, ama. 24. iunii 1534. Erasmus Ritter, ex animo tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Et pio et docto Henrico Bullingero apud Tigurum evangelium Christi constanter adnunctianti, fratri charissimo. [399]Bullinger an Oswald Myconius Zürich, 27. Juni 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342, 38 (Siegelspur) Ungedruckt Versucht Myconius zu besänftigen, der mit seinem Schüler [Balthasar? Kuchimeister] aus Zürich offenbar Schwierigkeiten hatte. Gratiam et pacem. Audio, vir clarissime, animum tuum nonnihil mutatum erga Wolphgangi 1 filium 2 . Verum ne an falsum audierim ignoro. Caeterum unice te oro, ut adulescentulum tibi habeas commendatum. Viri enim optimi filius est, puer, quod spero, non omnino malus 3 . Vale et haec nostra boni consule. Tiguri, iunii 27, 1534. Salvum volo Carolostadium nostrum. Hein. tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Osvaldo Myconio, fratri suo charissimo.
[400]Georg Wimpfer an Bullinger Stein am Rhein, 28. Juni 1534 Autograph: Zürich StA, E II 355, 55r.-v. (Siegelspur) Ungedruckt Vom Krieg in Württemberg hört er Unsicheres und Widersprüchliches. Hat Wolfgang [Mösel] um Neuigkeiten gebeten. Befürchtungen, daß der Krieg noch weitergeht. Grüße. Nachrichten zur Lage in Württemberg: Der Herzog [Ulrich]und der Landgraf [Philipp]liegen in der Umgebung von Riedlingen. Auf die Anfrage [an König Ferdinand], ob Ulrich in sein wiedererobertes Herzogtum eingesetzt werde, ist noch keine Antwort gekommen. Der Bischof von Konstanz und die Abte von Salmannsweiler, Weingarten und Weißenau fliehen an sichere Orte. S. Preclare ac venerande senior, quod tardius scribo de Wirtenbergensi bello 1 deque principum castris 2 , non est alia causa, quam quod certi nichildum perceperim. Audio quidem multa, sed vaga et diversa et pugnancia. Hortatus sum in proximis meis literis 3 dominum Wolffgangum 4 , ut ille, si quid dignum scitu, quod saltem revelandum esset, haberet, ut communicaret, quo fratrum dominorum meorum desiderium saciarem. Sed neque ille rescripsit, nisi quod ex inclusis 5 poteris intelligere. Quas literas inclusas misit ad me ipso die Ioannis Baptiste 6 . Quibus lectis non opus est ad me remittere, sed pocius perdere propter inserta de quodam piscatore 7 tibi foto. Hortatur nos obnixe ad precandum, non quod ille metuat de salute principum, sed Germanie et Sveviae timet. Ex coniecturis possumus intelligere, si principes pacem nacti non fuerint, quam non modo ambiunt, sed ultro offerunt. Timeo belli principium nondum absolutum. Porro, quando hiis diebus rursus conveniam domino volente patrem meum praedictum, si quid dignum scitu hausero, non celabo. Rogo praeterea benigniter feras insulsam et rusticam meam scriptionem. Nolo autem, ut quidquam de me sencias, sed feras infirmum et diligas amantem. Ich mains je 8 ouch gutt, aber vil anders verschrait wart, aber der zyt duldtiglich. Salvos cupio Erasmum 9 et d. Leonem 10 , familiam in primis eciam tuam. Necessum non putavi omnibus scribere, quod possis, que velis, ipse communicare. Bene vale. Ex Stainia, 28. iunii anno 34. Fr[ater] Geor. W.
Es wirt uff mon[tag] acht tag werden, das unns die mär sind ge[n] Stain komen, der hertzog mit dem landgraffen lig zu Riedlingen 11 , Mengen 12 , Sulgen 13 etc., in der truchsässen 14 landschafft, als 15 es ouch war ist, aber in welcher gestalt 16 diewil ers nit , begwaltiget 17 noch schatzet 18 wais niemantz, , welchen weg es haben wil. Das ist aber gewusß: Sy haben angesucht by den kungischen umb antwort, ob man hertzogen Ulrichen by sinem erlangten und eroberten land wol 19 lassen pliben oder nit 20 . Deß ist inn biß uff Johannis noch von imants 21 khein antwort worden 22 . Nun ists gewusß: So man inn deß fridens nicht versichert, so wirt er ander weg suchen, welche ich besorg sin ain hartern und grössern angriff; wiewol er bißher || 55v. belaidiget noch beschediget hatt, noch so ist die verstockung unnd blindthait so groß unnd der schrecken so starck, das sy das nit erkennen, so zu gmainem hayl und friden diente. Flihen allenthalb die gwaltigen in die sichern stett: bischoff 23 ist hinuber gen Arbon 24 , apt von Salmaschwiler gen Uberlingen 25 , Wingarten 26 , Wissenow 27 gen Ravenspurg. Sy thund wie bose kind, schryen, und roufft 28 sy niemantz. Die von Zell 29 wolten gern friden haben, doch so sagen sy, der kunig sy nit ir herr, sonder ir vatter, darum wollen sy thun wie bruderbluth und zu im setzen lyb und gutt etc. [Adresse darunter:] Clarissimo ac venerando viro d. Heinricho Bullingero, archiepiscopo Tigurine ecclesie, patrono suo observando.
[401]Rudolf Weingartner an Bullinger [Zug, zweite Hälfte 1534?] Autograph: Zürich StA, E II 441, 134 (Siegelspur) Ungedruckt Bedankt sich für Briefe. P[eter]Kol[in]hat Bullinger geschrieben, wie Weingartner angegangen wurde wegen der Komturei Hitzkirch. Hat ohne Bullingers Rat nichts annehmen wollen, ist auch nicht bereit, seine Gemeinde zu verlassen und hat deshalb die Sache abgelehnt. Hans Siber wird noch mündlich darüber berichten. Grüße. S.P.D. Plura ad te scribere profecto presens tum temporis tum ocii incommoditas obstitit neque tulit. Unice autem hoc scias, vir ornatissime, das ich nütt weiß, wie oder wormitt ichs um üch bschulden 2 und verdienen sol das früntlich enbieten und zuschriben 3 , mir von üch jetz zwey oder trü mal beschechen etc. Ich wil aber gott mitt mund und hertzen bitten, das er üch somlich widergelte etc. Demnach, min lieber herr und bruder, so ist üch wol ze wüssen, wie das ich ein zittlang den handel gottes mitt trüwen harfür an den tag getragen han etc. Lan üch hie bin wüssen ut intimum meum, das ich dess gneigten willens und gmüttes bin, so vil mir gott gnad verlicht, dasselbig für und für mitt bescheidenheit ze volfüren. Dess sond ir üch keis anderen gegen mir versen 4 , in hoffnung, gott werde gnad geben, das gottes eer und wolstand unsers vatterlands dardurch geufnett und pflanzet werde etc. Demnach so hett üch min gliebter bruder P[eter]Col[in]5 uß mim enpfelch zugschriben 6 , was mich hett anglanget 7 von wegen deß hußes ze Hitzkilch 8 etc. Han ich an 9 üweren rath nüd wellen annemmen. Ich bin ouch nie deß gmüttes gsin, mine schefli ze verlassen, die den handel gottes verstand und ergriffen hand,
uff das inen nütt ettwan ein schedlicher wolf uffgsetzt wurd, der der herd Cristi nütt verschonen wurd 10 , und alein angsechen die eer gottes und das heil deß völklis in hoffnung, gott werde weder mich noch mine weysle 11 verlassen. Und wil also üwerem rath volgen, und hand die sach gar von handen gschlagen 12 , und wil für und für anhalten, den handel gottes ze volfüren, nach dem mir gott gnad verlicht. Was mir witer anglegen ist, wil ich jetzmal ruwen lan biß uff andere zitt, so ich der muß bas 13 han ze schriben. Doch so wirt min vetter Hans Siber 14 witer muntlich den handel üch anzeigen etc. Handlend mitt mir als mitt einem bruder, deß ich gar kein zwifel han. Land 15 mich üch alwegen enpfolen sin. Grützent mir unsere brüder, namlich min lieben glatter M. W[erner] Steiner, Con[radum]Pell[icanum] und insunderheit min heren burgenmeister Röysten. Hiemitt sind gott befolen. Uwer alzitt williger R. W. [Adresse auf der Rückseite:] Turegiorum eclesie presidi H[enrico] B[ullingero], viro longe integerrimo iuxta inprimis observando. [402]Verordnete der Zürcher Synode an Johannes Blum Zürich, 1. Juli 1534 Abschrift von Heinrich Utinger a : Zürich StA, E II 1, 126-128 (ohne Siegelspur) Ungedruckt Johannes Blum soll sich nach Winterthur begeben und, im Beisein des Pfarrers [Matthias Hirsgarter] und des Stadtschreibers [Gebhart Hegner], Hans [Landenberg]gemäß anschließender Instruktion zur Besserung seines und seiner Frau Lebenswandel ermahnen.
Dem ersamen, frommen und wolgelerten Floro, dechan des capitels Wintertur, unserem gunstigen, lieben. Gnad und frid von got etc. Lieber her und bruder, uch ist noch unvergessen, wie im nechstgehaltnen 3 synodo vil ungeschikter artiklen wider her Hansen Stattschriber ingeleit 4 , sin geschrifftliche verantwurtung 5 dagegen verhört 6 und wir verordnet, der handlung nachzetrachten 7 . Das nun beschehen ist 8 . Hierum were jetzund unser will und meinung, das ir gen Wintertur hinzu kartind 9 , den pfarrer 10 daselbs zu uch nemind und ir bed den stattschriber 11 daselb erbätind, das er zu üch stünde und demnach ir dry nach vermög hie bygelegter instruction handlind, wie wir uch vertruwend. Hiemitt sind got bevolhen. Datum Zürich, 1. julii 1534. jar. Verordnete von den räten und predicanten vom synodo. [Instruktion:] Florus, der dechan in Winterturer capitel, Mathias Hirßgarter 12 , pfarrer ze Wintertur, und her stattschryber daselbs söllend her Hansen
Stattschryberen berüffen 13 und dem mitt ernst, nach notturfft zum ruhisten 14 , volgende meinung fürhalten: 127 || Die verordneten von eim ersamen synodo von räten und burgeren und predicanten habend wenig gefallens und vernügens 15 an siner geschrifftlichen veranwurtung 16 als die sines und insunders siner husfrowen , ungeschikten 17 wäsens halben gruntlich und wol bericht, ab dem sy ouch grossen mißfal tragend. Doch diewil er kurtzlich von eim ersamen rat oder zuchtherren ze Wintertur geschulet 18 , lassend sy es jetzzumal daby blyben des styffen 19 vertruwens, erstgemelter ersamer rat werde ouch ein flyssig ufsähen uff inn haben. Daby lassend wir imm ernstlich ansagen, das er und sin frow ernstlicher und geflissner zu der kilchen und predigen gangid, das wirten, inzühen 20 der gsellschafften, insunders deren, so unserem waren, heiligen, begründten, christenlichen glouben zewider sind und ubel redend, underlassind, unvergriffen 21 was , ungefarlicher wyß zu eren zun zyten mitt eerenlüten oder gegen armen oder ouch främden redlichen lüten beschäche, das er sich allweg der warheit flisse, lychtferige 23 in worten myde, ouch kleidung halben sich erberlich 24 halte, nit in einem roten schläppli 25 und hurris 26 jüppli 27 dahar fare, insonders aber mitt der frowen rede, das sy inn und nebend der metzge beschnittner 28 und b züchtiger worten sye, kleider trage, die iren gezimmend und schlechts 29 den pracht hinlege, das sy bedi gedenkind, wie sy uss der armen schweiß, uß dem kilchengut lebind 30 da , schlecht 31 min herren die hoffart und den pracht nit getulden wellend. Und ob er und sy sich hieran nit stiessind 32 söllend , sy sich keins anderen nit versehen 33 , dann das man es fürohin nit gestatten wil, dann ein ersame oberkeit je nit gedulden wil, das man also mitt dem kilchen gut prachte 34 .
|| 128 Es sol ouch der decanus und pfarrer ze Wintertur daruf acht haben, und wo nit schynbare 35 besserung volgte, im nechstvolgenden synodo anzeigen, inn betagen 36 , und sol er, her Hans Stattschryber, erschynen, sich ze verantwurten 37 . Söllend je alles in trüwen ußrichten 38 . Verordnete von dem synodo: m[eister] Cunrat Äscher, m[eister] Itelhans Dumysen, doctor Christoffel Klauser, Heinrich Bullinger, [403]Beat Gering an Bullinger Schaffhausen, 1. Juli 1534 Autograph: Zürich StA, E II 362, 1 (Siegelspur) Ungedruckt Gerings Gesuch um Entlassung ist, auf die Bitte der Zürcher hin und nachdem er vom Schaffhauser Rat angehört worden war, angenommen worden. Sobald er eine Transportmöglichkeit findet, will er nach Zürich kommen. Dankt Leo [Jud]für dessen väterlichen Tadel. Gnad und frid, geliebtter M. Heinrich. Wüssind, das nachdem unsere gnedigen herren von Zürich hiehar an einen ersammen radt geschriben 1 und minen begert und ich ouch persönlich erhört bin worden mines willens halb, hand hie mine herren eines ersammen radts bitt und begerung erhört. Doch so hatt mich das (als ich von vertrüwtten 2 lütten verstanden hab) wol gehulffen, das ich das hab hoch anzogen, das sy macht habind, mich ze urlouben, so hab ich glichen gwalt, urloub zu begeren. Deßhalben nun (gott sige lob und danck allen brüderen, fürnemlich üch, die daran gearbeittet habend) alle ding hinüber 3 sind hie zu Schaffhusen 4 . Ich acht ouch, es sige by üch zu Zürich hinüberhin. Doch so es nach ettweran falte 5 , so bitt ich üch, thund mir es zu wüssen uff nechsten fritag. Gend Joachimo 6 ein zedely, so sucht er ettwan einen Schaffhuser und gibt im den brieff. Ich hab mutt 7 , so bald ich fur 8 find und hie gerüst wird, so welle ich kommen, wenn es by üch nütt ist, das mer manglet, daruff ich wartten bedörffe.
Sagend Meister Löuwen 9 ich dancke imm früntlichen siner vetterlichen , straff 10 und habe sy ouch angenommen alls ein kind von einem vatter, aber ich welle (so uns gott last leben) im nitt geschrifftlich aber mundlich antwortten, dann ich all min anligen nie hette mögen gschrifftlich ußrichtten. Gott behütte üch all. Ex Schaffhusio, 1. iulii anno 1534. Beatus tuus totus. [Adresse auf der Rückseite:] An den ersammen wolgelertten M. Heinrichen Bullinger, sinen geliebtten herren und bruder. [404]Hans Vogler an Bullinger St. Gallen, 1. Juli 1534 Autograph: Zürich StA, E II 351, 155 (Siegelspur) Ungedruckt Hofft, daß Bullinger von Vadian neueste Nachrichten erhalten hat. Es geht das Gerücht, König Ferdinand habe sich für seinen Teil mit dem Herzog [Ulrich von Württemberg]geeinigt. Dieser liege nun nahe bei Ravensburg, das ihm - zusammen mit den Klöstern Weingarten, Weißenau und Baindt - Proviant liefere. Der Herzog gedenke die Städte zu schonen, nicht aber die Klöster, den Truchseß [Dietrich Spät] und den Grafen [Hugo von Montfort] zu Tettnang. Die Äbte von Reichenau, Salem und der Bischof von Konstanz befinden sich mit viel Besitz in Überlingen; sie haben dem Herzog den Proviant verweigert und halten zum Kaiser. Man erzählt sich, ein Markgraf sei mit großem Gefolge durch den Thurgau gezogen; er sei bei [Ulrich] von Hohensax, in Blidegg, in Rorschach und beim Abt [Diethelm Blarer] von St. Gallen gewesen. Grüße. Gott syg ewig mitt unns durch sinen sun. Amen. Im syg och ewig danck um sin ewige und tägliche gütty 1 . Filgliepter herr und bruder, ich hoff, min sonders günstiger herr Vadian hab üch nüwe zittung 2 , so vil nochmals 3 vorhanden, zu empotten 4 etc. Doch im noch nit wissend, sonder ich lest 5 uff gestern abend brieff 6 glesen, ainem burger 7 über sew har zugschriben, och der bott 8 muntlich gsagt, das gschray 9 also by inen etc.: namlich die sag 10 , da Verdinand für sin person dem hertzog 11 zusagen, aber für kays[erlich] m[aieste]t 12 nit 13 desshalb , sy
sorgen, nit bricht 14 , sonder das gschray, 15 er syg uffbrochen mit dryg huffen 16 . Als ich her 17 , so hette er nit über 3 mil oder minder gen Rafenspurg. Der achtet, er syg profantmaister zu Wingarten 19 im kloster 18 . Nit daß er drin syg, sonder er hat profant erfordert. Also haben im Rafenspurg 4 wägen, Wingarten 4 wägen, apt in der Ow 20 by Rafenspurg 3 wägen, Pünt 21 3 wägen mit korn, win, haber geschenckt gschickt. Item dise gnante dryg apt 22 sind mit hab in die statt Rafenspurg gwichen 23 . Man achtet 24 , er werd ir hab von den von Rafenspurg usher 25 vordern, als von sinen vinden das hinder sy gflöchtt 26 . Item die sag: er werd (villichtt) kair 27 statt nüt thun, sonder den klostern und dem truchsässen 28 , dem graffen von Tettnang 29 ; der het och gflöcht. Demselben graffen, ist sag, hab der hertzog empotten, er hab jetz 15 jar jedes jar tusent gulden us dem hertzog Wirttemberg gheptt 30 ; er wells gern och also nemen. Item zuo Überlingen ligt mit groser hab aptt Richenow 31 , Salmaschwil 32 und Merspurg 33 gflöcht 34 . Die habend dem herzogen in der stat ruch 35 profant abgschlagen. Sy wend by k[aiserlich] m[aieste]t blibenn, wiewol er wit von inen ist. Item die sag hie: daß ainer mit 40 pfärit 36 -acht man 37 ain margraf 38 - in samat gritten in Turgow
komen mit frowen wägen, daran gsin 5 hüpscher stuten. Sagt, er hab by dem von Sax 39 inkert, demnach zu Blideg 40 gessen; syg gen Roschach 41 komen; den hab her apt 42 S. Gallen empfangen. Was grossen werch gottes; der geb uns das zu erkennen, und ain merer groser gut end, als ich hoff. Amen, amen. Yn yl. Grützend mir üwer lieb husfrowen 43 , muter 44 , Leony 45 , Tumysen 46 und ander. Actum S. Gallen, mitwoch nach Petry et Pauly anno 34. Ü[wer]w[illiger] Hans Vogler. [Adresse auf der Rückseite:] An min geliepttenn M. Hainrich Bullingernn, prediger, zu handen. [405]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 3. Juli 1534 Autograph: Zürich StA, E II 360, 13 (Siegelspur) Ungedruckt Ludwig von Diesbach lobte Bullingers Freundlichkeit nach seiner Rückkehr aus Zürich, brachte aber keinen Brief von ihm mit. Haller freut sich über die Kriegserfolge in Württemberg, er befürchtet nur, daß dem zurückeroberten Herzogtum lutherische Prediger aufgenötigt werden. Ein Brief von Jakob Otter aus Esslingen und die Erfahrungen des Prädikanten von Birmenstorf und Gebenstorf, Michael [Tuberius?], beim Heer des Landgrafen Philipp von Hessen bestärkten ihn dabei. Leo Jud machte ihn auf Bucers Schreiben «an die von Münster» («Bericht...»]aufmerksam; Haller bittet um Bullingers Meinung darüber. Er meint, in der darin vertretenen Abendmahlslehre entferne sich Bucer von Zwingli. Wenn der nächste Teil von Bullingers Korintherbriefkommentar gedruckt ist, wird ihn der Briefbote gleich mitbringen; Bullinger soll damit nicht belastet werden. Meganders Kommentar zum Epheserbrief ist in Basel erschienen. In Bern steht es mit Kirche und Staat gut. Man sucht Verräter aus dem Zweiten Kappelerkrieg. Befürchtet Unglück aus Berns Vorgehen wegen des [ausstehenden] Waldshuter Zehnten. Haller predigt über die Apostelgeschichte; der Hebräerbrief wird gemeinsam mit anderen studiert. Grüße.
S. Retulit nobilis ille a Diesbach, quantum illi exhibueris humanitatis, ita ut in commendanda ea pro voto verba viderentur deficere 1 . Ubi vero literas tuas exigebam, semper omnium charissime Heinrice, respondebat te in illius abitu a domo abfuisse forte prae negotiis utriusque a oblitus. Utcunque apud nos novi nihil est, nisi quod de Wirtenbergico circumferunt bello 2 . Successus siquidem iuxta hominem placet, id vero maximopere displicet, immo id ipsum unice cum Othero Eslingiacensi vereor, cuius literas 3 10. iunii datas brevi accepi, ne ducatui Lutheranos obtrudat contionatores 4 . Nam ex nostris quidam, qui et apud vos aliquandiu est alitus, Michael 5 , ein seyfensieder, vorziten mitt Blaurero ein Alperspacher münch, kurzlich ein praedicant ze Birmenstorff und Gäbistorff, qui his diebus et principem et exercitum secutus audiri non potuit - qui cum contionatores principis Cattorum 6 , quos 4 ferunt, adire conaretur, dissuaserunt illi optimi quique. Quam primum enim illum audirent apud Helvetios evangelium docuisse, illum pro fratre penitus non agnoscerent nec etiam admitterent 7 . Praeterea retulit hanc in tota Wirtenberga famam esse, disputationem futuram, maxime vero cum Luthero ipso 8 . Sed quid expediri poterit cum homine? Siquid igitur harum rerum et tu quoque perceperis, obsecro, fac, ne me lateant. Commendavit Leo 9 libellum ad Monasterienses Buceri 10 . Cuius sententiam ferme in fine de eucharistia et quod sit principale in caena domini ubi legeris, fac, audiam iudicium tuum. Vult enim omnino in caena fidelibus
verbo et sacramentis corpus verum Christi, similiter et sanguinem exhiberi, non quod sit unitum pani naturaliter, realiter aut corporaliter, sed sicut contractus et pollicitationes in externis non solum consensu, verum etiam verbis et sacramentis (ut dum iunguntur dextrae, litterae sigillatae etc.) fieri solent, ita et in hac quoque cenae celebritate. Deinde gratiarum actionem, quam Zvinglius principe loco ubique posuit, is posteriori tribuit 11 atque iis omnibus vult sarciri posse concordiam inter nos 12 . Caeterum non dubito quaedam iam tandem in Chorinthios 13 prelo absoluta esse. Si quae sint et gratia typographi fieri poterit, tabellio 14 ille ad me ferat. Nolo autem te gravari. Nam quaecunque apud vos tua hactenus sunt excussa, Cristophorus misit. Misisti et tu dono, quasi non sis, plus quam par sit, quottidie meis negotiis et quaestionibus gravatus. Excussit Heinricus Petri Basilaeae Megandri commentarios in Ephesios 15 , quos nimirum Miconius ad vos misit 16 . Observat mirum in modum alter alterum, sed velim, «omnia fiant in aedificationem» [1 Kor 14, 26]. Valemus interim omnes summa, ni fallor hypocrisi, concordia. Valet senatus et ecclesia. Man sucht all tag praeteriti belli calamitosi 17 imposturam et proditionem. Sobald sich der handel usßtritt 18 , te non latebit. Quod tabellio ad vos pergit, mittuntur et b alii ad omnes pagos 19 . Ich bsorg, wir wellind unß frembds glücks trösten und eigen unglück uff den halß laden mitt dem zähenden zu Waltzhutt 20 . A tuis intelliges nostratum conatum, quem profecto
non certo scio. Quod scripseram proxime 21 , consul c 22 iusserat, sed longe diversum accidisse audio. Dominus novit, cur aliter, quam nos velimus, omnia gubernet, nimirum ut in hunc solum respiciamus. Summa: Utcunque in unum deum fiduciam doceamus. Semper tamen caro a carne propendet. Vale, doctissime simul et charissime Heinrice. Acta apostolorum pro contione nunc tracto, tractamus et Hebreorum epistolam pro colloquio. Illic observo, quem quisque imitetur; sed de his alias. Rursum vale. 3. iulii anno 34. Tuum minimum numisma 23 . Vide ne et is vacuus ad me veniat tabellio. Salvi sint Leo, Pellicanus, Theodorus 24 , We[r]nherus Steiner et docti quique. [Adresse auf der Rückseite:] An Meister Heinrich Bullinger, praedicanten zu Zürich, sinem insunders geliepten herren und bruder. [406]Bullinger an Philipp von Hessen Zürich, 4. Juli 1534 Autographe Abschrift: Zürich StA, E II 338, 1369r.-v. Gedruckt: Reformationsbündnisse 112f Dankt Gott für den Sieg Philipps. Fordert diesen auf, das Wort Gottes und die allgemeine Gerechtigkeit zu unterstützen und sich der Verbreitung des Evangeliums anzunehmen, ungeachtet der Verunglimpfung durch Mißgünstige. Philippsen, lantgraffen ze Hessen, graven ze Catzemelobogen[!], sinem g[nädigen] h[erren]1 . Durch[lüchtiger] hochg[eborner] f[ürst] und herr, min willig gehorsamm dienst syend u[wer] f[ürstlichen] g[naden] alle zyt bevoran bereydt. Ich sagen gott, unserm hymelischen vatter, eewig lob und danck, daß er unser rüffen erhört und u. f. g. syg, eer und pryß 2 ggäben hatt und unß die
schand abgenommen, damitt 3 alle widerwertigen 4 die eewigen warheyt verhast gemacht, by iro sye weder syg, glück noch heyl 5 . Gott der allmächtig wölle u. f. g. wyßheyt, stercke und demut verlyhen, damitt sy iro fürnemmen ze glückseligem end bringe, daß dardurch göttlicher warheyt und gemeiner gerechtigheyt uffgange 6 . Mir ist ouch ungezwifflet, aller syg, glück und heyl werde u. f. g. alein dorumb vonn gott ggäben, daß sy gottes wort und gemeine gerechtigheyt fürdere. Und so dann söliche eer iro vonn gott gunnen 7 , ist billich, daß sy vor allenn dingen gottes eer suche, und wenn es fug 8 hatt und die unmussen 9 zulassend, der warheyt, die mitt valschem schyn und vilfalltiger valscher leer verduncklet, herfür ann das liecht hälffe. Dann alle frommen und gottliebende menschen ein grosse hoffnung von u. f. g. empfangen, allß die 10 vornaher 11 allwägen getrüw ann der warheyt erfunden. Bitt also u. f. g. zum höchsten, sy wölle iro die erbreyterung 12 deß evangelii Christi lassen angelägen sin und nitt achten unserer mißgünstigen 13 ||1369v. verklagen, die unß für schwermer, uffrurer und verachter der heyligen sacramenten uußrüffend. Dann wir mitt unser leer nützid fürtragend, das nitt gegründt sye inn der geschrifft und das ye und ye alle gottesfründ gehallten und gloupt habend 14 . Gott wölle u. f. g. ze trost aller siner diener getrüwlich erhallten inn sinem göttlichen schirm. Datum Zürych, 4. iulii anno 1534. U. f. g. underthäniger, williger Heinrych Bullinger, diener der kylchen Zürych a .
[407]Bullinger an Ulrich von Württemberg Zürich, 4. Juli 1534 Abschrift von Heinrich Utinger a : Zürich StA, E II 338, 1366r.-1369r. Gedruckt: Kammerer 17-21 So wie Gott erwartete, daß das aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrte Volk Israel den zerstörten Tempel wieder auftaue, so wird auch von dem nach Jahren des Exils wieder in sein Herzogtum zurückgekehrten Ulrich die Wiederherstellung der Kirche erwartet. Unter Anführung der vorbildlichen Taten des Königs Josaphat ermahnt Bullinger den Herzog, dem Volk auf Grund der Bibel und mit Hilfe einer frommen, redlichen Pfarrerschaft zur göttlichen Wahrheit zu verhelfen. Er verteidigt den reformierten Glauben. Zum zweiten soll Ulrich, wie einst Josaphat, dafür besorgt sein, daß sein Land eine gottesfürchtige Gerichtsbarkeit und Verwaltung erhält, um so das Volk für sich zu gewinnen und des göttlichen Beistands sicher zu sein. Durchlüchtiger, hochgeborner fürst und herr. Min willig, underthänig dienst syend üweren f[ürstlichen] g[naden] alle zit bevoran bereit. Min ernstlich bitt und demütig begär ist, gnedigister herr, das ü. f. g. diß min getrüw, einfalt 1 schryben von mir unwirdigen diener deß evangelii Jhesu Christi enpfahen 2 , gütenklichen verlesen, ouch wol beraten welle, diewyl es nit vermessenlich 3 u. f. g. ze leeren 4 , sunder nun 5 zu erinneren fürgenommen ist dero dingen, die zu grossem heil, ouch träfflicher wolfart dienstlich sind. Hoff, es bedörffe für diß hin vor ü. f. g. nit vil vorredens me, als die mitt gschäfften beladen, das sy nit lange gesetzten reden erdulden mag. Gott, das höchste und früntlichiste 6 gut, ein rechter 7 richter, ein herr von wunderbaren thaten und grosser erbermde, hat sin ußerkoren volk Ißrahel mitt gerechtigkeit und zu straff der sünden in schwere gefenknus durch den gwaltigisten küng der erden, Nabuchodonosor, füren und, als sibentzig jar der gfängnis erfüllt 8 , sich widerumm mitt siner erbermd zu imm gewendt und durch gunst, rat und hilf des herlichen küngs Cyri uß dem grossen ellend 9 ledigen 10 und in sin erb und vatterland widerumm ziehen lassen 11 , in
disem allem nützid anders von imm begerende, dann das es in aller gfar und b allem lyden, das es nach luth der prophecy Danielis lyden mußt, gedultig, styff 12 an imm, ufrächt, trüw und redlich, insunders aber erkantlich und dankbar were, welches aber hernach nit nach gepür, und wie billich gewäsen, beschach, dann sy all gemeinlich und ouch sunders irer sachen warnemmend, ire huser buwtend und des tempels, ouch gottes hendlen sich wenig beludend; deßhalb sy ouch je lenger je mee gfar und mangels erlittend. Sicht man alles in dem propheten Haggeo 13 , der sy ouch hierumm bescholten und ernstlich ermandt hatt, gott dem herren dankbar ze sin, den tempel ze buwen, ungezwyflet 14 , gott wurde mitt inen sin, sy schirmen inn mitten aller iro vyenden und mitt der zyt den Messiam, unseren herren Jhesum senden, der den waren, rechten und grossen tempel ufbuwen und alle welt selig machen wurde etc. || 1366v. Sölichs alles, gnediger herr, ist allen christglöubigen zu trost, zu underrichtung und zu einem läbendigen byspil vorgeschriben, insunders aber u. f. g. fürgestellt, die glycher gstallt durch die hand gottes in groß ellend manich jar geworffen, vilerley kumbers und jamers erlitten, eintweders von sunden wegen 15 , die aber gott gnedenklich verzycht, oder das u. f. g. glych wie küng David ein herr uß dem land Ißrahels getriben 16 , durch mancherley trübsal, armut, lyden und angst geübt, ja wie gold im fhür bewärt, ze letst in sin land widerumb nit nun als ein herr, sunder als ein wyser, vil erfarner und getrüwer vatter sinem volk ingefürt wurde, ze fürdernis gottes er und aller gerechtikeit, zu trost und hilf des armen volks und zu ewigem lob, eer und pryß u. f. g. Dann je gottes krafft, trüw und gunst mitt krefftiger thatt, ouch durch ernstlichen bystand des christlichen thüristen fürsten ze Hessen, nit minder sich jetzund u. f. g. dann vor zyten Daviden und dem verkümmerten 17 Ißrahel durch den sighafften küng Cyrum herfür gethan 18 und mitt ußgestrektem arm ze hilf kommen ist. Imm sye sig, eer und pryß in die ewikeit. Hierumm wie er nützid anders von sinem volk domalen begert dann trüw und dankbarkeit, also begert er ouch jetzund von u. f. g. ungezwyflet anders nit, dann das sy 19 sin gerecht urteil, sin hertzlich erbermd, lieb und trüw erkenne, sich getrost in sin krafft, schirm und gnad gentzlich ergebe, inn einig 20 erkenne und anrüffe, imm anhange und von gantzem hertzen zu allen zyten dankbar sye, als dem allein gerechten richter, dem allein getrüwen, hertzlichen vatter, der u. f. g. bekümberet, betrübt, ernideret und geschlagen hatt, das er sy underwise, sines willens, truw und liebe verstendigite und jetzund zu siner zyt widerumb erfrowte und erhübe. «Dann er ists allein», wie Daniel spricht, «deß alle wyßheit und sterke eigen ist. Er verendret zyt und wyl, er setzt küng ab und setzt küng uf» [Dan 2, 20f], er
tödet und macht widerumb lebendig, sin ist das rych, die eer, sterke und gwalt ewenklich 21 . Wie nun zu den zyten Haggei das schynbarist 22 stuk der dankbarkeit das ufbuwen des tempels was, also kan u. f. g. gott, dem getruwen, dankbarer stuk nit bewysen, dann so sy imm den waren, rechten || 1367r. tempel ufbuwt. Sölichs wirt ouch iro glük und heil sin, sidmal der verzug des ufbuwens Ißrahel zu grossem unheil reycht 23 ; wiewol ouch das buwen nit ane 24 besundere gfar was, erhielt sy doch gott mitt krafft in mitz der vyenden 25 . So vermag ouch die straff des verzugs nit, das jemands ze unzyten und unberathschlagt ützit 26 ze handen nemmen sölle; dann Paulus, der apostel, ernstlich vermandt, der zyt ze faren 27 , das jedes zu rechter gelegner zyt mitt fugen 28 ordenlich fürgenommen werde. Derglychen habend die uralten geredt, anfangs sölle man die handlung ernstlich erwegen und, demnach 29 man das best funden, tapfer und ane verzug enden. Also sol ouch u. f. g. mit dem ufrichten des tempels des herren weder zu vil ylen, noch ze vil verziehen. Der tempel aber, von dem wir redend, ist nit ein steiniger oder höltziner tempel, sunder die vile 30 und gmeind 31 der lebendigen menschen, u. f. g. land und biderbe 32 , arme lüt, diewyl ouch Paulus spricht: «Ir sind der tempel gottes 33 .» Sömlicher tempel wirt gesübert und gebuwen zu gottes lob und eer mitt dem wort der warheit, mitt billichem gericht und unverfelschter gerechtikeit. Darumm ouch die frommen küng Juda, David, Ezechias, Josaphat und Josias iro küngrych, das inen von gott ze verwalten befolhen, anfangs und zum fürderlichisten, wenn es fug hatt, mitt gottes wort versähend und mit gutem gericht und recht versorgetend. Von dem frommen und redlichen küng Josaphat schrybt der biblische chronicschryber im anderen buch der Chronica am 17. capitel [2-10]: «Josaphat legt kriegsvolk in alle veste stett Juda und satzt amptlüt im land Juda und in den stetten Effraim, die sin vatter Asa gewunnen hat. Und der herr was mitt Josaphat, dann er wandlet in den vorigen wegen sines vatters Davids und sucht nit Baalim, das ist fremde gott und götzen, sunder den gott sines vatters und wandlet in sinen c gebotten. Darumm bestätiget 34 imm der herr das küngrych, und das gantz Juda gab Josaphat gaaben, und im fiel vil eer und rychtumb zu. Und do sin hertz getrost ward in den wegen dess herren, thett er ab allerley abgöttery. Und im dritten jar sines küngrychs sandt er sine fürsten, das sy gsatzten 35 gäbind in den stetten, und mitt inen die leviten und priester, die lartend in Juda und hattend das gsatztbuch dess herren mitt inen und || 1367v. zugend umbher in allen stetten Juda und lartend das volk. Und es kam die
forcht dess herren über alle küngrych in den landen, die umb Juda har lagend, das sy nit strittend wider Josaphat.» Hie sicht u. f. g., wie der fromme fürst Josaphat den tempel gottes ufgebuwen, was eer und pryß er damitt erlanget, was reformation er getan und wie er vor allen dingen sin volk mitt guten gesatzten und mitt dem wort der warheit versähen. Daruß u. f. g. erlernet glycher gestallt ouch vor allen dingen, gottes volk, dem u. f. g. von gott fürgestellt, mitt dem wort der warheit, das ist mitt der leer beder testamenten, ze versähen durch sömliche priesterschafft, die gottsförchtig, fromm, warhafft 36 , geleert, begnadet, züchtig, ernsthafft, trüw, tapfer, redlich, bescheiden, fridsam und fürsichtig sye, die nit ze hochfarten 37 ze , prangen 38 mitt der leer, ze balgen 39 , hochen 40 ze , ufruren oder secten zu erweken, oder ouch der welt ze ougendienen 41 geneigt, oder gut und gelt ze samlen gericht 42 , sunder allein gottes eer, friden, ruw, zucht und alles guts, ghorsame und frommkeit ze pflantzen geneigt sye. Dann wo sömliche lüt angestellt zu leeren, die ane anfechtung allein gottes eer, des herren Jhesu lieb und trüw, gemeine zucht und wolstand, ouch ewige belonung ansähend und mitt der wahrheit und krafft des lydens und der krefftigen 43 urstende 44 Jhesu Christi ernstlich, doch früntlich, tringend 45 , das menglich sehen mag 46 , das es die gruntlich 47 ewig warheit ist, wirt u. f. g. sehen, wie ring 48 die mißbruch, so mitt der zyt durch unsorgsame und mißverstand der geleerten ingerißen, abzetun und das uralt, das besser und göttlicher widerumb ufzerichten wirt. Dann unser leer, die wir das ewangelium Jhesu Christi predigend, nit zu zerstörung, zu zerrüttung aller guten sitten, ordnungen und rechten, wie man von uns ußgibt, gericht ist, nit zu stürmen 49 die helgen sacramenten, ze bewaltigen 50 gottes worts, erregen den gmeinen man über die klöster und oberkeiten oder zu abtillgung 51 ||1368r. guter künsten geneigt ist, sol unß u. f. g. ungezwyflet 52 glouben, sunder zu besserung ist sy warlich gericht, namlich das alles, das in der kilchen gottes mißbrucht ist, recht gebrucht werde, das falsch dannen getan und das gut behalten, item wo ein böses dannen than, ein bessers an die statt gestellt werde. Und das in disem allem nit unser gutdunken, sunder helige biblische gschrifft richter sye, möchte 53 ich jetzund nach der lenge 54 mitt ettlichen byspilen, darumm diser zit der span 55 ist, bewysen, wo es die zyt und muß zuliesse, ja wo mir nit u. f. g. gloub und verstand imm ewangelio Christi von loblicher gedechtnus Huldrychen Zwyngli 56 , minem vorfaren, in der leer
Christi dermaß langist 57 und vilfalt verrümpt, das ich nit vermeindt wil bewernus not sin 58 . Das ander stuk aber, damitt das volk gottes wol und zu gotts eer mitt nutz und lob dess fürsten erbuwen wirt, ist gut gericht und rächt. Darumm abermals in obgemelter Chronica am 18. cap. von Josaphaten also geschriben stat: «Und er zoch widerumm uß under das volk von Bersaba an untz 59 an das gebirg Ephraim und bracht sy wider zu dem herren, irer vätteren gott. Und er bestallt richter im land in allen vesten stetten Juda, in einer jetlichen statt ettliche, und sprach zu den richteren: Sähend zu, was ir tüyend, dann ir haltend das gericht nit den menschen, sunder gott, und er stat by üch im gricht. Darumm lassend die forcht des herren by üch sin und hütend üch und thunds, dann by dem herren unserem gott ist kein unrecht noch annemmen der person. Er nimpt ouch keine gschenckten» etc. [2Chr 19, 4-7]. Also geburt jetzund ouch u. f. g., diß gut dem armen volk ze thun, das inen regenten, obren, vögt, richter und amptlüt gesetzt, die gott lieb und sin wort werd habind, die aller zucht, frieden und frommkeit hold syend, die bösen schälk, gottes verachter, schender, schmeher, gwaltsamer und wüste unreine menschen hassind, die frommen, fridsamen, gotzförchtigen liebind, || 1368v. also früntlich den guten und grusam den bösen syend, die stät und styff an guten gsatzten haltind, glych dem armen und rychen richtind, nach gstallt der sach, nit uß ansehen der personen oder bewegung der gaben, die ouch u. f. g. mitt iro unordnung by dem volk nit verhassdt machind, sunder die gantz redlich, trüw und fromm syend an gott, an u. f. g. und gantzer gmeind 60 . Dann mitt ernst und trüw, mitt gericht und recht wirt ein volk also gewunnen. Gott selbs wirt ouch dermaß bewegt, mitt sinen gnaden sömlichem frommen fürsten byzestan, das er 61 in die ewikeit nach luth und sag des 72. psalmen nit bewegt 62 wirt. Sölichs alles welle u. f. g. ernstlich bedenken und ze hertzen setzen, nit achten der kleinfüge 63 dess, der diß schrypt, sunder der untödtlichen warheit, die warlich alle die erhaltet, so iro truwend und uff sy buwend; ungezwyflet so u. f. g. mitt allem ernst den tempel gottes der gstallt wie gehört ze buwen understat, gott der ewig und warhafft werde iro rych bevestnen, und 64 ob er das schon mitt mancherley anfechtung bekümmeren 65 , wirt er es doch zu glükseligem end schiken 66 , das nit nun u. f. g. ellend zu grossem namen kommen, sunder ouch die eer und pryß iro ggeben, das sy getrost mitt sampt dem christenlichen und thüristen fürsten ze Hessen, mines gnedigisten
herren, inn disen gefaren und bösen zyten das liecht der warheit und gmeine grechtikeit durch anschikung 67 gottes in tütschen landen uffgestellt. Sölicher zuversicht zu u. f. g. sind alle gotsliebhabende menschen by uns, bittend ouch mitt ernst, das gott der barmhertzig üwer beder fürsten weg leyte, das wir vor imm unserer hoffnung nit zu schanden werdind, das u. f. g. sich des sigs nit ze vil erhebe 68 , sunder allweg in demut in ernstlichem rüffen zu gott und in gottes forcht beharre, damitt gottes nam gebrisen, der ware gloub gefürderet und u. f. g. || 1369r. zu rechten ruwen und gebürlichem lob by menglichem, jetzt und by unseren nachkommen gelangen möge. Welle u. f. g. von mir als einem träffenlich günstigen und unverdrossnen diener, wo ich gut were, ufnemmen. Datum Zürich, des 4. tags im höwmanot des 1534. jars. U. f. g. underthäniger gantz williger Heinrych Bullinger, diener der kilchen Zürich. [Adresse von Bullingers Hand darunter:] Dem durchluchtigen hochgepornen fürsten und herrenn h. Ulrychen, hertzogen ze Wirtemberg und ze Teckh, graven ze Mimpelgart, sinem g.h. [408]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 5. Juli [1534] Autograph: Zürich StA, E II 343, 38 (Siegelspur) Ungedruckt Bullingers Kommentar zum 1. Korintherbrief erhielt er vom Buchhändler [Christoph Froschauer]; er möchte wissen, wann der Kommentar zum 2. Korintherbrief erscheinen wird, um die beiden Werke zusammenbinden zu lassen. Biblianders Kommentar zum Propheten Nahum zeugt von großer Gelehrsamkeit, Haller wünschte aber, dieser würde die Propheten nicht vereinzelt stückweise, sondern in [biblischer] Reihenfolge behandeln. Hauptmann Hans Junker wurde wegen Schmähungen gegen das reformierte Bern im Aargau in Gegenwart des französischen Gesandten und dessen Begleitung verhaftet und sollte nach Bern gebracht werden, entfloh aber aus dem Gefängnis. Wie gefällt Bullinger das Anliegen des Briefüberbringers? Haller gar nicht. Gratiam et pacem a domino. Que per tabellionem 2 nostrum in Chorinthios 3 , charissime Heinrice, exegeram, misit bibliopola 4 , nempe priorem epistolam ad finem usque - alteram
Caeterum est quidam capitaneus a Raperswil 11 , quem vocant Hans Juncker. Qui cum Bernates fidem hereticam et caninam habere multis modis et locis praedicasset, casu cum Gallorum legato 12 a comitiis Badenis 13 Araugiam venit. Quod cum senatus noster resciret, iussit, ut Aroenses captivum in urbem nostram ducerent. Id cum tute non possent propter comitatum Galli («ubi enim cadaver, illic aquile» [Mt 24, 28]14 ), miserunt legatos 15 ad nostros, ut ipsi curent adduci. Venerunt et ambo Gallorum legati 16 cum 50 equitibus comitati, et multis precibus cum veniam ambirent, amandavit eos senatus (nam iam emiserat cohortem, qui hunc adducerent ex Arovio): sese, dum causa illius prae manibus sumeretur, preces illorum non traditurum oblivioni. Interim, antequam Arowensium legati et nostra cohors illuc Arowam venire potuerit, evasit ille e vinculis, sed quo auctore, nescitur adhuc 17 . Haec sunt apud nos nova. Caeterum, quae tabellio noster apud vos egerit, ut tibi placeant, scribas; nam mihi displicent. Si quae sunt in alteram Corinthiorum epistolam excusa, scripsi Christophoro 18 , ut per te mihi mittenda curet. Vale, charissime frater. 5. iulii. Tuum minimum nummisma 19 . [Adresse auf der Rückseite:] Heinrico Bullingero, fratri suo charissimo.
[409]Ludwig Lopadius an Bullinger [Konstanz], 7. Juli 1534 Autograph: Zürich StA, E II 358, 94 (Siegelspur) Ungedruckt Lobt die Wirkung der Käslein, die er von Bullinger erhalten hat, freut sich über dieses Zeichen des Erinnerns und der Zuneigung, versichert Bullinger seiner eigenen Liebe zu ihm und will wissen, wieviel Geld er ausgegeben hat. In Konstanz hat man die Wiedereinsetzung Ulrichs in Württemberg mit Freude zur Kenntnis genommen und erwartet nun viel von ihm in bezug auf die Ausbreitung des reformierten Glaubens. Grüße. Theodor [Bibliander] wird er im Augenblick wohl nicht schreiben können. S. Quod apiculis florentes cythisi, quod capellis sunt salices, quod rivulis gramina, illud tuos Lopadio caseolos 1 extitisse noveris. Etenim hos qui attulit nuncius 2 plus mihi apportavit gaudii, atque vel una navis vehat. Atque hinc coniecturam facio, quam mei simulachrum neutiquam tua exciderit memona necdum tibi venerim in oblivionem. Res ipsa loquitur. Tua in me arguunt beneficia permagna, quanto me prosequaris amore. Tu ergo dignissimus, qui redameris. Te vero deamabo non tam de munere quam de insigni virtute ac pietate, quam in te sitam esse videmus. Amor enim nullo magis emitur quam se ipso. Quis autem nisi insanus, improbus aut impius non faveret, non cupidissime tibi studeret, amatori verae religionis, amatori pietatis ac evangelicae veritatis? Nec mihi in dubio ponitur, quin, quod est maximum et optimum, Christus, dominus noster tibi in primis bene cupiat beneque velit, cuius te spiritu duci agique intelligo permultis argumentis. Is et te in omnia suo ipsius evangelio digna dirigat. Porro mihi sodes significes epistola, quantulo aere hi tibi steterint casei, brevique, quod dixeris esse pecuniae, numerabitur. Nam prorsum dispiciam, ut quo modo gratiam vicemque referam. Propterea a nec immerito gaudemus laetamurque, quod principi Ulrico 3 suus recuperatus est ducatus, quod bellum illud optatissimos nactum est exitus 4 . Exaudivit pios quosdam dominus ac hisce modis viam stravit ad evangelii praedicationem etiam huic populo, qui diu multumque iniquis collationibus gravibusque tributis oppressus fuit. Atque quod fuit miserrimum, nec ulla patuit illis via audiendi verbum dei. Atque utinam b princeps ille tam sit de evangelio praedicando suis sollicitus superato hoste quam David de domo domini inaedificanda. Pocius Ezechiam, losaphat malit imitari quam pharaonem
Iam plura non licet occupatissimo addere. Tu bene cum laudatissima tua familia valeas. Veteres salutabis amicos, Pellicanum, Theodorum, cui scribere fortasse non dabitur in praesens. 7. iulii 34. Tuus Ludovicus Lopadius. [Adresse auf der Rückseite:] Hanrico Bullingero, viro pia doctrina doctaque pietate insigni, suo charissimo fratri. [410]Georg Wimpfer an Bullinger Stein am Rhein, 7. Juli [1534] Autograph: Zürich StA, E II 441, 130f (Siegelspur) Ungedruckt Hat die Sache [mit Bullingers Briefen an Herzog Ulrich und Landgraf Philipp]erhalten und sofort an Bartmann [Wolfgang Mösel]weitergegeben, der Bullinger selbst über das weitere Vorgehen berichten wird. Auf dem Hohentwiel erwartet man die Fürsten täglich. Der Friede ist ausgerufen und die Kriegsknechte sind entlassen worden. Das Lager der Fürsten liegt bei Riedlingen. Die evangelischen Städte haben Ferdinand I. um Beschützung ihres Glaubens gebeten. Militärische Unterstützung der Fürsten durch den Bischof von Konstanz und den Herzog von Braunschweig. Philipp hat zwei Prediger in seinem Gefolge. Mösel meint, es bestehe keine Gefahr, daß die lutherische Abendmahlsauffassung angenommen werde. Frid und fröd, gunstiger, lieber herr und patron. Uff den 5. julii hab ich den handel 2 uff nacht empfangen und 6. julii zu frier 3 tagzyt selbs gen Syon 4 tragen, dem Bartman 5 in sein hand uberantwort. Der hatt mit den junckherren 6 sich berattschlagt und mir bevolhen, euch ze schriben; so erst der handel verfertiget 7 will , er, Bartman, euch dann selbs schriben 8 und wissen lassen, wie es gefertiget sey. Witter batt ich in
newer mären 9 halb und gestalt deß fridens. Daruff gab er mir die antwort, das inen vom firsten 10 deß 11 noch nichts zugeschriben wär. Sy wartitind ouch baider oder aller drier firsten 12 täglich. Aber ander warind usß dem leger 13 komen, die sagten inen, uff donstag nechst verschinen 14 nach mittag sy der friden gerüfft 15 worden und die knecht daruff geurlobt. Er sey aber also usgeschruen, das zu baider sitten die gefangen ledig, alle deß kriegs vech 16 und hendel uff und ab 17 , und solle zu baider sytt jederman by dem sinen pliben und gelassen werden. Wie vil aber der kunig 18 gelt geben müs, ist mir nit ze wussen. 12 tonnen sind gehaischt worden etc. Ir werden hernach deß wol bericht empfahen. Die von Stockach haben dem hertzogen ainen botten gefangen, gestreckt und enthoptett. Aber ich waiß nit, was inen getrompt 19 . Sy sind, waß firnäm ist, uß der statt geflohen. Die baid firsten haben das leger von Ehingen haruff biß gen Salmaschwiler 20 in drien huffen liggen. Sy aber ligen by Riedlingen in zwaien dorffern, namlich Unlengen 21 und Tagendorff 22 . Es ist die sag 23 uff dem berg 24 , der landgraff wöll im abschaiden und haimritten dem bischoff von Mentz 25 ain vortantz schencken 26 von etwas anspraach 27 wegen. Es ist dem Bartman gesagt, die evangelischen stett hab[ind d]em a Ferdinando ain bottschafft geschickt und begert, das er inen schirm deß gloubens halb thuw, oder sy wellind ain andern schirm suchen 28 ; was aber mit gottes wort mög widerfochten 29 deß , erpieten sy sich abzeston. Item der bischoff von Costantz hatt den firsten ettlich geschutz geschickt. Item Brunschwig 30 hat 700 pferd innert acht tagen geschickt, und sunst vil pferd und fusßvolck komen. Item der landtgraff hatt zwen predicanten by im. Das ain ist der lesmaister 31 , das ander der provisor
Sollichs hab ich mögen uff diß mal erfaren. Witter wirt euch Bartmann selbs berichten. Gehapt euch wol, und wo ich euch dienen kan, da sparen 37 mich nit; dann zu dem, das ichs euch schuldig bin, wils ich allzitt truilich und willig thon. Zu Stein, 7. iulii. Ewer williger Georg Wimpfer. [Adresse darunter:] Dem frommen und erwirdigen herren M. Heinrichen Bulling, sinem gunstigen und lieben patron. [411]Oswald Myconius an Bullinger Basel, [nach 7.]1 Juli 1534 Autograph: Zürich StA, E II 336, 136 (Siegelspur) Ungedruckt Der von Bullinger ihm empfohlene Knabe [Balthasar Kuchimeister] ist zwar brav, als Schüler jedoch sehr unwissend. Myconius kann ihn auch für kleinere Schreiberdienste nicht gebrauchen; trotzdem ist er noch unentschlossen, ob er ihn nach Hause schicken soll. Irrtümlich scheinen Briefe nach Bern und Schwyz falsch abgesandt worden zu sein. Myconius ist besorgt, was nach dem Frieden [von Kaaden]folgen wird. In Paris wurde ein gelehrter Evangelischer verbrannt; durch seine Predigt am Scheiterhaufen wurden rund viertausend Menschen bekehrt. Grüße. Myconius erwartet Theodor Biblianders Übersetzung und Auslegung des Buches Nahum. S. De pueri 2 , quem nuper mihi commendasti, ingenio scias plus nimio probum esse, et simplex, id quod facit, ut nunc non cum matre 3 dimiserim. Quamvis nec ipse discedere voluerit, dum optionem darem. In literis pro
tempore, quo coepit adire praeceptores, satis profecit. Alioqui nihil novit, nisi quod vidit apud matrem. Dum docetur, prae nimio studio saepius offendit. Usui mihi prorsus non est. In dubio sum tamen dimittamne an non. Opus habeo, qui cibum et potum probe ad mensam et a mensa disponat, qui literas aliquando describat, imo et excipiat nonnunquam a dictante, qui res et verba alio perferenda diligentius curet. Qualem hunc sperare non possum longo tempore adhuc. Quid faciam igitur? Patri viro bono lubens inservirem, puero admodum bene volo. Usui tamen mihi non est propter aetatem et ruditatem. Sic haereo. Caeterum aiunt scribam istum 4 nescio quid errasse circa literas Bernam et Svitiam mittendas 5 . Si quid est, dicito quaeso. Post pacem 6 illam confectam ego nobis timeo non simpliciter. Divinabis 7 . Combustus est nuper Parrhisiis vir 8 bonus et doctus, constans in domino usque in mortem. Audita condemnatione fere mutus fuit, usque dum iam ad rogum pervenit. tum coepit concionari de eucharistia sermone et longo et efficaci, ut dicat, qui audivit, circiter quatuor hominum millia conversa esse. Illud timuit, si fuisset loquutus, amputatam linguam fuisse, quamobrem ad tempus tacuit. Regem 9 puto talem esse, qualem tu quondam descripsisti 10 . Vale semper cum Utingero, Pellicano, Theodoro 11 cuius Naum 12 hactenus , expectavi, sed frustra. Dominus Grynaeus indicavit his diebus in lucem exiisse, alioqui nondum vidi. Basileae, mense iulio anno 1534. Os. Myconius tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Heinricho Bullingero, docto pioque sibique percharo domino. Zürich.
[412]Ambrosius Blarer an Bullinger [Konstanz], 8. Juli [1534] Autograph: Zürich StA, E II 357a, 830 (Siegelspur) Zusammenfassende Übersetzung und Teildruck: Blarer BW I 507 Dankt für Bullingers Kommentar zum 1. Korintherbrief. Fand im elften Kapitel nichts Stoßendes. Der Franzose [Guillaume du Bellay) sagte Falsches. Die wahre Absicht des Fürsten [Herzog Ulrichs von Württemberg]wird bald durch die Tat erklärt sein. Das übrige wird [Johannes]Zwick berichten. Grüße. Gute Wünsche zur Badekur. Die Schwester [Margaretha Blarer]wird selbst schreiben und etwas senden. S. Numquam ego solvendo fuerim, charissime Bullingere. Adeo tu me novis subinde nec vulgaribus beneficiis tibi devincis. Non potuerunt nobis illae dilucidissimae in divum Paulum enarrationes 2 non vehementer placere, tametsi nondum vacaverit omnia legere 3 . In undecimum tamen caput diligenter quae scripsisti evolvimus nec videmus, cur quisquam nisi vel iniquissimus vel nullius iudicii hinc possit offendi 4 . Gratia Christo, qui tot nobis doctos scribas in regno caelorum non invidet. Is te nobis quam diutissime servet ac te ipso identidem meliorem ac omnino superiorem efficiat! De a iis, quae Gallus ille 5 , cuius nuper mihi mentionem faciebas 6 , tibi dixit b , ocioso sis animo. Tam enim vana sunt, quam non possunt non verissima esse, quae boni viri [con]scii c consiliorum principis 7 ad nos perscripsere 8 . Brevi vero res ipsa christiani principis d christianissimum institutum declaraverit 9 . Nos interim, quod conatur, sacris ac perpetuis precationibus diligentissime iuvemus. Caetera Zviccius noster, pientissimum illud et Christi gloriam [!] unice ardens pectus, quem, nisi vobis commendatissimus esset, multis vobis commendarem. Nunc suapte virtute iamdudum vestris animis illapsus est 10 . Optimos
et eruditissimos viros Pellicanum, Leonem 11 , Theodorum 12 , inprimis autem sanctissimam coniugem tuam 13 nostris verbis officiose saluta nosque illis diligenter commenda. Faxit Christus, ut feliciter lavetis 14 et, quicquid est etiam intercutum sordium, semel eluatis, ut non solum corpori robur, sed animo vigor et alacritas, quae fieri non potest quin perpetuis istis studiis hebescat nonnihil, ingenio addatur. Bene vale, observande et plus quam charissime frater, nostri apud dominum memor. 8. iulii. Soror 15 ipsa vel tibi vel Pellicano scripserit 16 mittens nescio quos pulveres, quibus utimini et exhilarescite e . Tuus Ambr. Blaurerus. [Adresse auf der Rückseite:] Clarissimo viro d. Heinricho Bullingero, venerando suo fratri in Christo. [413]Bartholomäus Müller an Bullinger Biberach, 9. Juli 1534 Autograph: Zürich StA, E II 355, 59 (Siegelspur) Ungedruckt Kann nur schwer ausdrücken, welche Freude ihm Bullingers spontanes Schreiben gemacht hat. Freut sich ganz besonders, daß Bullinger und Bibliander Zwinglis Freundschaften weiterpflegen. Ist schon lange angetan von Bullingers Schriften. Dieser möge vor allem die beiden Korintherbriefe kommentieren, über die Zwingli nur allzu kurz geschrieben hat. Grüße.
Gratiam et pacem. Quanta me voluptate affecerint litere tue 2 , humanissime vir, non facile dixerim, quantumque me tibi debere putem, verbis consequi non possum, quod nullis meritis de te meis ultro me invitaris ad tuam familiaritatem. Non enim expectasti, ut te literis anteverterem ac rogarem, ut me dignum redderes benevolentia tua. Id mihi diu multumque adgredi cogitanti ipse sponte occurristi teque ipsum adeo humaniter perbenigneque obtulisti ac nullum praetermisisti humanissimi hominis officium. Utinam scires, quanta sit tua apud me eruditio, quam mirabilis quamque divina! Intelligeres profecto haudquaquam in ingratum contulisse tuam familiaritatem. Non quod me dignum ducam tua amicicia, qui infimi mancipii loco haberi cupiam. Gaudeoque mihi plurimum, quod non solum in professionem sacrarum literarum, sed et in amicorum hereditatem succedere institueritis tu atque Bibliander Zwinglio nostro, sancte memorie viro meique charissimo 3 , quocum mihi tanta familiaritas benevolentia fuit, ut maior cuiquam esse posset cum nemine. Scripta tua dudum me in tui amorem pellexerunt. Dii faxint, a coepto non desistas, sed in alias quoque epistolas, presertim in duas, quas ad Corinthios scripsit Paulus, annotares 4 . Que enim Zwinglius scripsit 5 , breviora sunt. Commendo tibi patrueles meos 6 , et si quid fuerit, quod possim tua causa, iube, impera et me sepius oblecta tuis elegantissimis literis.
Saluta meo nomine vel Millis [!] Leonem Iudae, episcopum vestrum, et Pellicanum, syncerum a interpretem sacrarum literarum b . Salute plurimum impertiunt vos omnes symiste nostri 7 seque commendatos cupiunt. Vale nostrique memineris nuntio oblato. Denuo vale. Biberaci, anno 1534, mensis iulii die 9. Tuus Bartholomeus Millius, concionator Biberacensis. [Adresse auf der Rückseite:] Prestantissimo viro Heinrycho Bullingero, antistiti in verbo Tyguri, domino et amico suo observandissimo c . [414]Martin Bucer an Bullinger Straßburg, 11. Juli 1534 Autograph: Zürich StA, E II 347, 128f (Siegelspur) Ungedruckt Gott hat Frieden gegeben. Die Reformierten in Mömpelgard sind freilich nunmehr den Franzosen ausgeliefert. Bucer erhofft sich Gutes für die Verbreitung des Evangeliums im Herzogtum [Württemberg]. Die Zürcher handeln sträflich gegenüber den Schaffhausern, wenn sie Beat [Gering]zurückrufen. Erasmus [Ritter]kann man in Schaffhausen nicht allein lassen. Bullinger kennt ja die Ränke des Gegenspielers [Benedikt Burgauer]. Er soll, falls es nicht anders geht, dafür besorgt sein, daß der Nachfolger ebenbürtig ist. Jud soll an Bucers Hinweis auf den Wortgebrauch der Kirchenväter nicht Anstoß nehmen. Grüße. Gratia et pax, Bullingere observande. Pacem 1 , ut vides, praeter multorum spem dominus nobis dedit, nec sunt nostri 2 Franco aliter obnoxii, quam tenet ille iam Montem Pellicardi 3 . Miseret me quidem horum hominum. Sed ultro oblatum etiam evangelium noluerunt admittere. In ducatu illud etiam optarunt, speroque ibi res feliciter habituras, quantum quidem solet istuc nobis hoc seculo donari. Gallus iste 4 ,
de quo scribis a 5 , vana jactavit de duce 6 . Feruntur tamen conditiones quaedam admodum durae carni, quod nescio quibus rationibus obnoxium sibi principatum rex 7 fecerit 8 . In Schafhusianos graviter vos Tigurini peccatis, qui Beatum 9 ab illis revocatis 10 , et peccat ille graviter, qui revocari se potitur 11 . Solus enim Erasmus 12 non est satis ibi, et nosti ingenium antagonistae 13 . Si etiam tu aut Leo 14 soli Tiguri essetis, adhuc ministerium multo haberet firmius, quam si Schafhusiae sint Erasmus et Beatus. Te per Christum oro, fac, mutetur hoc consilium, aut si omnino ita fieri necesse est, ut Erasmo alium collegam detis, et eum non quemlibet, sed gravem, syncerum, candidum, eruditum 15 . His profecto in hac republica opus est. Optimo et pientissimo Leoni me commenda, quem oro ne offendat, quod sensu bono patres usos quibusdam vocibus ostendere conatus sum 16 . Ego illis nec uti volo nec, ut alii utantur, docere. Simplicitas et mihi summe placita, maxime || 129 in praesenti seculo sic spinoso. Unum hoc specto, ne videamur dissentire a priscis illis sanctis, ubi tamen ipsi senserunt pie. Optime valete. Spero Antronios vestros 17 nunc habituros modestius. Commenda me sancto viro Pelicano ac dic, quod eius cognatus 18 apud me
non fuerit, praestiturum alioqui illi, quicquid in rem eius potuissem. Saluta meis verbis d. Bibliandrum, Collinum, Fabritium ac reliquos. Argentorati, 11. iulii 1534. M. Bucerus tuus ex animo. [Adresse darunter:] Pientissimo, doctissimo et vigilantissimo Tigurinorum episcopo [Hein]rycho b Bull[ingero]c , fratri char[issimo]d . [415]Hans Jakob von Wattenwyl an Bullinger Bern, 11. Juli 1534 Autograph a : Zürich StA, E II 360, 269 (Siegelspur) Ungedruckt Will dem empfohlenen Rudolf Weber helfen, sobald es die Ratsgeschäfte erlauben. Grüße an Werner Steiner. Gnad und frid von got durch unsren heren Jesum. Wolglerter, ersamer, wiser, guinstiger, lieber her, ich hab üwren brieff 1 empfangen antreffend meister Rudolf Webern 2 und bin gutz, geneigtz willens, im mines vermögens in ansechung siner kunst 3 , fromkeit und uwers beger zu helfen. Aber es het sich bishär nit konnen schicken 4 von file 5 der
gescheften, der min heren 6 bißher beladen sind gwesen und noch sind. Aber sobald es gesin mag, wil ich lugen, das in dem handel 7 gearbeit werd, darmit er mög wuissen, waran 8 er sich lassend söll. Deß wellend guter meinung b von mier verstan. Gott syg mit üch. Grüsend mier Meister Werny Steiner und ander gut heren und gsellen. Zu Bern uff 11. tag juli 1534. Uwer gutwilliger H. Jacob von Watenwil. [Adresse auf der Rückseite:] Dem wolgelerten, fromen, ersamen Meister Heinrich Bullinger, minem guinstigen, lieben hern. [416]Georg Wimpfer an Bullinger Stein am Rhein, 11. Juli [1534] Autograph: Zürich StA, E II 441, 266 (Siegelspur) Ungedruckt Nachrichten über das Ende des Krieges [in Württemberg]und über die Kriegskosten. Glückwünsche für die Badekur S. Gunstiger herr und lieber patron, uff den 10. tag iulii ist usß der firsten leger 2 uns bottschafft komen von ainem firnemen kriegsman 3 dem , ouch die firsten ain firdernus 4 geben haben, das der krieg 5 gentzlich gericht 6 unnd das geschutz deß landgraffen mit 5 fenlin knechten hin uff Strassburg gefiert und belaidt 7 werde, die firsten aber am 9. tag uffgebrochen hin uff Stuckgarten. Do will der hertzog erstlich das land besetzen und die empter versehe. Was er dann witter firnemen, werden wir wol horen. Achten, er werd darnach mit ettlichen pferden uff Dwiel 8 . Der bericht 9 deß fridens: Am erlitten kosten 10 wirt den firsten 11 6 tonnen gold 12 , und sollen die kungischen 13
dem hertzogen Mumpelgart widerum ledig machen 14 , daruff er hatt 1 tonnen unnd 30 tusent guldin entlenet 15 und 16 , firter diser handlung halb kein teil gegen dem andern ansprach suchen 17 , ouch deß gloubens halb zwischen inen, den parthien niemantz beschediget werden. So nun ab Dwiel mir der glichen minder oder mer bericht kompt, ouch anders, wils ich euch onverzogenlich zuschicken, und gesegen euch und ewer gesellen 18 gott das bad 19 . Ich wunsch euch 20 ain hürlingsuppen 21 , waiß nit, ob ichs noch bringen wird oder nit. Gott sey mit euch. Amen. Stein, 11. iulii. Ewer williger Georg Wimpfer. [Adresse auf der Rückseite:] Dem frommen, erwirdigenn herren M. Heinrichen Bullinger, prediger zu Zurrich, minem gunstigen, lieben patron, zu handen. [417]Andreas Karlstadt an Bullinger Basel, 14. Juli 1534 Autograph: Zürich StA, E II 336, 21 (Siegelspur) Gedruckt: Barge II 598 Von seiner Lage in Basel wird der Überbringer des Briefes berichten. Die Bibliotheken werden auf Anordnung des Basler Rates unter seiner Mitarbeit zusammengelegt. Er hält Vorlesungen über das Deuteronomium. Von den Friedensbedingungen [von Kaaden]weiß in Basel niemand Sicheres. Myconius ist zu ihm wie ein Vater. Grüße. S. Si bene vales gaudeo. Ut nos valeamus et quid agamus, is significabit, qui has ad te perfert 1 . Ex multis bibliothecis unam nitimur iussu senatus facere 2 .
Deuteronomion hebraice alternis praelego. Pacis 3 conditiones nemo, opinor, hic novit. Si nosti, communica. Myconius mihi parentis loco est. Faxit deus, ut longam, eamque incolumem vitam degat. Vale feliciter. Et d. Theodorum 4 , Leonem 5 , Pellicanum, prepos[itum]6 , Heinrichum Utinger, Nüschel[er]7 , Golden 8 , d. Ioannem lacobum Amanum, Colinum 9 et reliquos omnes omniumque coniuges meis verbis salutari cupio. Basileae, die 14. iulii anno 34. Tuus Carolostadius. [Adresse auf der Rückseite:] Prudenti et eximio viro d. H. Bullingero, Tiguri a concionatoribus primario, fratri charissimo a .
[418]Felix Ott an Bullinger [Zürich, Mitte Juli 1534] 2 Autograph: Zürich StA, E II 441, 640 (Siegelspur) Ungedruckt Hat sich nach seiner Heimkehr [aus Urdorf] von Christoph [Klauser] untersuchen lassen. Hofft auf baldige Genesung. Klauser rät ihm von der Fortsetzung der Badekur ab, weshalb sich Ott von den Mitbadenden verabschiedet. Bullinger soll Werner Steiner bitten, Otts Schulden, wie verabredet, zu bezahlen. Min fruntlich grutz zuvor, lieber Meister Heinrich. Wie ich heim komen bin, bin ich ilentz zu Dockter Kristoffel 3 gangen und im min anligen gesagt. Hat er mir den hals besechen und mir glich ein gurgellwasser gemacht, das sölly ich ilentz bruchen. Das hab ich also gethan und bin gutter hoffnung mitt der hilff gottes, es werdy min sach bald gutt. Aber von des badens wegen hab ich inn ouch gefragett. Wil er mir nit ratten, witter ze baden von wegen der grossen hitz, sidmal mir die kranckheit alle von übriger 4 hittz komen ist. Und darumb ist min früntlich und ernstlich pitt an üch, ir wellen mir all unsern badenxellen 5 fast gnaden 6 und sy früntlich bitten, das sy an mich nütt zürnen wellend. Ouch dancken ich üch und den andren allen als gutz 7 . Dann wo ich üwerem jedlichen köntty dienen, weltty ich alltzitt willig funden werden. Und wie ich mitt Meister Werny Steiner gerett hab von allen sachen, bittend mir in, das er mirs usrichty 8 , wie bald er dann wider heim kömbt, wil ich in usrichten und bezalen.
Nit me dann gott der allmechtig sy mit uns allen, und gesegny gott allen üwer bad etc. Felix Ott, ferwer zu Zürich. [Adresse auf der Rückseite:] Dem wolgelertten, frommen, ersamen und wisen Meister Heinrichen Bullinger, jetz zu Urdorff. [419]Joachim Vadian an Bullinger St. Gallen, 26. Juli 1534 Gedruckt: Epitome trium terrae partium, Asiae, Africae et Europae, compendiariam locorum descriptionem continens, praecipue autem quorum in Actis Lucas, passim autem Evangelistae et Apostoli meminere. Cum addito in fronte libri elencho regionum, urbium, amnium, insularum, quorum Novo testamento fit mentio ... Per loachimum Vadianum medicum. Zürich, Christoph Froschauer, 1534, 2°, f. A2r.-A5v. (Widmungsvorrede) a 1 ; Die Dedikationsepisteln von und an Vadian, hg. v. Conradin Bonorand und Heinz Haffter, St. Gallen 1983. - Vadian-Studien 11, S. 147-158 (mit Regest); Regest: Näf, Vadian II 374f. Heute meinen viele Diener am Evangelium, sie dürften neben der Heiligen Schrift keine andere Wissenschaft behandeln. Auch die Täufer verwerfen Sprachkenntnis und Rhetorik. Recht zu geben scheint ihnen der Mißbrauch der Philosophie in den letzten Jahrhunderten, doch ist eher ein gelegentlich falscher Umgang mit der Wissenschaft als deren Verbannung aus der Kirche zu ertragen. Wie es stets Ketzer gab, so auch jenen Mißbrauch; denn der Vater der Lüge, der sogar Christus und die Apostel zu versuchen wagte, überredete die Weisheit, die Torheit des Kreuzes zu verachten. Überhebung erreichte er bei Christusverächtern und bei Christen, weshalb Tertullian das Auftreten von Gnostikern der Philosophie anlastete. Die Lehren der Arianer, die zur Zeit Kaiser Konstantins I. Krieg zwischen den Kirchen brachten, und jene des Eunomius und Pelagius sind aus Mißbrauch griechischer Philosophie abzuleiten.
Die Pelagianer stellen den Menschen auf göttliche Stufe, obwohl er nur Sünder ist. Später führte der Machtanspruch der Bischöfe zum Schisma. Endlich wurde dem Verdienst der Heiligen zuerkannt, was nur Christus geben kann, Dienst in Herrschaft und Gnade in Geldhandel umgewandelt und Weltliches und Spitzfindiges mit Geistlichem durcheinandergebracht. Aus Aristoteles kannte man nur, was sich für Streitgespräche eignete. Der Christ soll Gutes nicht verdammen, weil es mißbraucht werden kann. Sogar die Bibel kann verdreht werden. Sie enthält alles zum Leben und Heil Nötige. Hieronymus und Augustin lehnten den rechten Gebrauch der Wissenschaften nicht ab. Deshalb soll die Theologie als Herrin aller übrigen Wissenschaften des Verkehrs mit diesen, ihren Dienern, nicht beraubt werden. Auch die Erforschung der Natur kann zur Verehrung des Schöpfers führen. Ohne den Heiligen Geist gibt es zwar keine rechte Erkenntnis, aber mit ihm begabt wird man - ähnlich der Biene - aus den Naturwissenschaften nur den Honig, das was auf Gottes Herrlichkeit verweist, aussuchen. Paulus verurteilt arrogant machende Philosophie, zählt aber zu den kirchlichen Geistesgaben Weisheit, Wissen, Heilkunde und Sprachkenntnisse. Die Heiden wußten viel Wertvolles. So wie nur der Architekturkenner ein Bauwerk recht beurteilen kann, werden wir Gottes Schöpferkraft mehr bewundern mit Kenntnissen in der Astronomie und der Naturkunde. Cicero, Chrysipp, Vergil und Aristoteles schlossen aus Naturbeobachtung auf die Existenz eines göttlichen Geistes. Paulus tadelt deshalb die Heiden, weil sie dennoch viele Gottesbilder schufen. Zweckdienlich und glaubensgemäß ist es, sich auch den freien Wissenschaften zu widmen, obwohl der menschliche Verstand nie an das Unerforschliche heranreicht. Das macht unser Bemühen demütig. Widmet Bullinger als Anhang zu dessen Apostelgeschichtskommentar die Epitome. Will jene widerlegen, die verurteilen, was sie nicht verstehen, und so wahre Frömmigkeit bekämpfen. Orts- und Geschichtskenntnisse sind zum Studium der Bibel unentbehrlich. Karten geben gute Veranschaulichung. Vere pio et erudito viro d. Henricho Bullingero, amplissimae ecclesiae Tigurinae episcopo, loachimus Vadianus S. Habet haec nostra aetas, vir doctissime, complusculos evangelii ministros, pios quidem illos et diligentes viros, qui b immodica quadam, ut mihi videtur, scripturarum veneratione adducti in ea sunt haeresi, ut existiment c presbyteris ad pascendum gregem dominicum 2 vocatis non licere praeter scripturam vere sacram ullam philosophiae partem legere aut tractare. Huius enim nihil esse, quod ad salutem nostram attineat, nec quadrare, ut quae sunt hominum solertia inventa, ad coelestem illam et a deo revelatam philosophiam adhibeantur. Pastorem esse debere, qui ecclesiae praeest, non contemplatorem, nec aliud illi spectandum magis, quam ut plurimorum salus doctrina illa, quam apostolus sanam vocat 3 , quaeratur. Eam d nec in hominum placitis consistere neque ab ulla naturae parte praestari, sed ex unico illo et inexhausto «fonte aquae vivae in vitam aeternam salientis» [Joh 4, 14], qui quidem in scripturis prophetarum et apostolorum ceu amplo quodam in labro 4 contineatur, haurire 5 oportere. Quam e opinionem et catabaptistae 6 de internae ,
videlicet vocationis sufficientia persuasi, non semel apud nos publicis in congressibus cum clamore et strepitu ita suo more tuebantur, ut in totum et linguarum peritiam et eloquentiae studium supploderent atque f exibilarent. Illorum autem existimatio tametsi in speciem non multum aliena esse a veritate videatur g propter abusum studiorum et artium, quem proximis aliquot saeculis stupor quidam et, ut sic dicam, publicus hominum veternus orbi invexerat, tamen propius intuenti constabit, arbitror, errorem esse non minus pernitiosum, quam illorum h fuit, qui negarunt sacras literas sine ope philosophiae unquam recte aut doceri aut intelligi posse. Ac mihi quidem, si alterutram in sententiam eundum pedibus 7 esset, tolerabilius videretur in eam peccare partem, quae abusum doctrinarum admitteret, modo interim essent, qui probe uterentur, quam illam probare sententiam, quae honestarum artium studia prorsus tollenda esse de ecclesiis arbitratur i . Dignum k autem foret admiratione, quonam pacto venerit usu, ut quemadmodum ab ipsis ecclesiae cunabulis ad nostra usque tempora nunquam haeretici defuerunt, qui apostolicam doctrinam loco movere et suam ingerere fuerunt ausi, ita sane neque || A 2v. ab illo hominum genere vacarit ecclesiae, qui in re christiana studio philosophiae et aliarum artium bonarum cognitione vehementer abuterentur. Dignum, inquam, admiratione foret, nisi constaret non omnem spiritum ex deo esse 8 , sed sancto illi omnis veritatis authori 9 alium in mundo contraponi erroris l authorem et «mendacii m parentem», qui «ab initio in veritate non stetit» [Joh 8, 44], cuius non aliud maius studium, quam ut per speciem quandam recti ipso n rerum optimarum abusu imponat et sic callide in errorem incautas mentes praecipitet. Qui o suam quandam telam in Christo tentando 10 orsus mox et cum ipsis apostolis ut olim cum Mose congressus 11 miraculorum fidem magicis praestigiis suis subvertere conatus est, prius quidem in Simone Samaritano 12 , deinde p in Elyma Cyprio 13 , quorum utriusque scriptura meminit. Mox paulo, quum hac a parte parum profecisset, facile persuasit philosophiae q , ne ad humilis doctrinae famam sese submitteret, sed cristis erectis 14 stultitiam crucis 15 haberet contemptui. Quod quidem non apud illos modo est assecutus, a quibus derisi sunt apostoli 16 , id quod et Paulus ab Atheniensibus passus est 17 , sed et his persuasit, qui cum nomen Christo dedissent, in consortium ecclesiae iam
recepti r erant. Caeterum s elati peritia carnis, quum humiliora et simpliciora t viderentur, quae prodidissent apostoli, quam ut in eis acquiescendum putarent, ingentia quaedam, ut ipsis videbatur, sed revera otiosa u , supervacanea et impia commenti maximis erroribus sunt involuti, ut non iniuria Septimius Tertullianus, vetus author, in libro De praescriptionibus haereticorum 18 philosophiae tribuat v , quod in ecclesia passim haereses extiterint w . Valentinus 19 enim Platonicus fuit et Cerdonis 20 discipulus Martion Stoicus 21 , sed et Ptolemaeus 22 Valentini et Appelles 23 Martionis discipulus, cum a magistris nihil variarint, de iisdem fontibus suas hausisse fabulas creduntur. Iam et Arrium X 24 sunt qui tradant philosophicorum dogmatum abusu deceptum, quominus errorem de substantiae patris ac filii inaequalitate vitaverit malueritque ratiocinando etiam admonitus placere sibi, quam ex simplici scripturarum traditione y tenere veritatem, ut ex ea scintilla - adeo res est pestilens pervicatia - incendium natum sit Constantino Magno 25 imperante, quod ecclesias et orientis et occidentis non uno saeculo gravissimis odiis et ceu intestino quodam z ac plane civili bello alternante, ut fit, principum favore afflixerit. Neque in hoc discordiarum finis aa : Post Eunomium 26 negantem spiritui sancto quicquam cum patre et filio esse commune Pelagius
Sed ut prosequamur institutum: Paululum sub Gregorii primi 33 tempora, cum pax in ecclesiis vigeret et respiratio quaedam ab incommodis haereticorum data fessis videretur nec essent, qui arcanum illud trinitatis sola adoratione comprehensum tam foedis errorum maculis aspergerent, ecce derepente, ne non essent haereses, ab hoste illo veritatis alia est seminata discordia, et ab episcopis hh de monarchia, exitiali videlicet humilitatis peste, cogitari coeptum. Quae sane ambitio clarissimas illas orientis et primaevae religionis altrices ecclesias cum Romana ecclesia miserabili clade commisit, et ii cum nullus esset contentionis finis, post simultates kk ultro citroque nulla -
pace omnium dixerim -moderatione exercitas, perpetuo schismate sint ii dissociatae . Sed nihilominus interim est de regno, de agris urbibusque possidendis 34 laboratum 35 , nec sine artibus, quas hoc loco dicere non attinet. Demum nescio qua philosophia ll eo deventum audaciae, ut homini palam arrogarentur, quae solius dei sunt, quodque Christi erat et servatoris et vindicis salutis mm 36 , idipsum operibus unctorum et sanctorum meritis e penuario Pelagii denuo depromptis attributum fuerit. Quae omnia nn quum non infeliciter promovissent et tribus retro plus minus saeculis 37 a magnis quibusdam, ut tum videbantur, patronis oo asserta defensaque fuissent et in tanta securitate licere videretur, quod liberet, factum est, ut quod ministerii erat pp , in dominatum et tyrannidem abierit, quodque gratiae fuisset gratisque iam olim credentibus daretur, id ferme totum uno impetu ad quaestum seu - ut Petrus eam rem vocat 38 -cauponationem conversum est qq . Et, ut breviter dicam, ea rr enata facies ecclesiae, quam videmus ss . Ac mihi quidem hoc in loco nec errata temporum istorum persequi nec mores stringere animus est tt . Hoc tantum moniturus eram, nullis unquam saeculis usque adeo abusui patuisse honestas artes ac velut socium foederatumque haeresibus philosophiae studium, quam proximis quadringentis annis 39 christianis nobis patuit. Sic enim uu sacris eloquiis scripturarum peregrina prophanaque, ne dicam impia, quidam intriverunt, sic spinosa curiosaque miscuerunt sacrosanctis, ut vv simplicibus et communi obrutis malo conscientiis non alia magis de caussa, quae humana erant, pro divinis recepta, rursum, quae divina, non multo pluris aestimata sint, quam ea somnia, quae homines tanta cum authoritate ceu divina ww mortalibus obtrusissent. Parum autem erat pium aut theologicum, quod Aristotelem 40 non sapiebat 41 . Atque
utinam eius viri, quem ut summum in omni scientia 42 Pli-||A 3v. nius 43 laudat, magis frugiferas lucubrationes ac non ea tantum, quibus ad perplexas disputationes, contentiones et pugnas sumus abusi, recepissemus. Absit autem, ut homo christianus quicquam per se bonum aut commodum ideo damnandum esse putet, quod sint aut fuerint, qui abuti quam uti maluerunt. Quae sunt enim sub coelo aut res aut artes, quibus ingenium hominis, ut est ad errorem xx natura pronum, abuti non queat? Ipsa scriptura tot nominibus sacra etiamnum ab haereticis aut inverecunde contemnitur yy aut certe pro re nata zz torquetur, ne non ei doctrinae, quae aaa defenditur, suffragari videatur. Proinde bbb recte mihi et pie sentire videntur, qui quidem in eo loco propheticas et apostolicas scripturas habent, ut in eis semel omnium eorum, quae ad vitam et salutem nostram attinent, traditionem ita perfectam et consummatam statuunt [!]ccc , ut demere quicquam aut addere velle confessam blasphemiam dicant, rursum, quicquid praeter illas sic asseritur, ut salutis in eo ratio statuatur, id ipsum nec credi oportere nec recipi, quod ddd impostura sit, non pietas, dicere ex dei voluntate esse et deo placere per Christum, quod nec per prophetas deus, nec per apostolos filius dei Christus docuit, sed et impudentissime obtrudi simplicitati credentium, quae palam cum scripturis pugnant. In qua sententia, nisi fallor, scriptores sunt eee omnium ecclesiarum praeconiis commendati, praecipue autem Hieronymus et Augustinus, qui et lucubrationes suas non alia lege volunt recipi et probari, quam si quae docent interpretando, a canonicis illis oraculis nusquam dissentiant 44 . Sed fff eosdem authores, quos iam nunc commemoravi, quum tot praeclaris artibus ornatos tantaque rerum omnium peritia et cognitione instructos ad illud coelestium mysteriorum arcanum ceu bene lotis manibus 45 accessisse videamus, profecto bonos piosque omnes vel solo exemplo admonuere nihil esse reiiciendum illarum artium, cuius usus honestus esse queat. Ea re factum ggg , ut cum illis sentire nequeam, qui sacratissimam illam professionem ceu hhh reginam quandam in suo solio positam solitis fraudare ornamentis simulque omni commeatu spoliare contendunt, dum liberalia studia eamque philosophiae partem, quae rerum nobis coelo terraque insignium
vim, rationem et naturam multorum saeculorum decursu tanta ingeniorum solertia perspectam exploratamque iii proponit, suo fungi munere, hoc est dominae 46 illi, cui omnia debent, obsecundare et morigerari non permittunt nec recipiunt, quod dicimus in illis perdiscendis tractandisque modum quendam nobis placere kkk et satis esse, si partem aliquam aetatis lll illis tribuant, ut quaedam etiam in transcursu ad meliora festinantes perinde atque e Nilo canis 47 , quod dicitur, degustent tantum, qui episcopi sunt futuri. Fateor autem me non videre, qua in re ope duntaxat nostra et || A 4r. consilio iuvari religio et semita aliqua aperiri pietati queat, si nullus esse locus debet his doctrinis, quibus velut asseclis veritatis a penitiore rerum creatarum indagatione ad ipsius creatoris summam admirationem ascenditur. «At nemo», aiunt, «venit ad me, nisi pater meus traxerit eum» [Joh 6, 44]. Fatemur et pernegamus vel ipsis scripturis bene usurum, qui spiritu domini non imbuitur. Ea enim «quae sunt dei», teste Paulo, «nemo novit nisi spiritus dei» [1 Kor 2, 11]. Hic autem, inquiunt, in omnem veritatem nos ducit 48 . Recte sane. Dabunt igitur nobis, velint nolint, neminem maiore cum fructu studiorum atque artium ceu prata quaedam floribus plena perambulaturum, quam eum ipsum, qui dextro domini spiritu praeditus instar apis reiectis noxiis ea tantum, quae sunt mellea, decerpit nec alia legit quam quorum indicatura maiestas mmm , potentia et gloria illius, a quo sunt condita, orbi exhiberi quam amplissimo praeconio possit. At hoc ipsum, aiunt, non fecerunt apostoli philosophia. Sed iidem non prohibuere. Paulus philosophiam damnat nnn 49 , sed eam duntaxat, quae quidem
Iam ut fructum id genus studiorum propius indicemus, non negabunt, arbitror, de architecti peritia neminem certius et melius iudicare posse ppp , quam qui fabricae, quam is est architectatus, artificium novit, nec laudare illum aut admirari ullum verius posse, quam qui artis fecit periculum. Sic, arbitror, permittent nobis rerum in tota natura insignium perscrutationem citra controversiam ad hoc invitare bonas mentes, ut et potentiam et sapientiam et maiestatem conditoris rerum omnium hoc magis tenere, admirari et deamare peragant qqq , quo sunt propius vestigia illa inexhaustae plenitudinis assecuti. Sunt artes, quae coelestium nobis corporum circuitus, quae intervalla, quae magnitudinem, quae ortus et occasus, quae dierum noctiumque, praeterea
temporum et anni partium successionem ac vicissitudinem commonstrant. Sunt, quae animantium prope omnium || A 4v. naturas, ut infinita illas experientia deprehendit, explicant. Sunt, quae rerum e sublimi apparentium et in totum omnium eorum, quae in aere fiunt, caussas exponunt. Postremo terra marique -quibus maxime partibus spectabilis est illa in usum rrr mortalium prognata rerum opulentia - nihil tam minutum aut exile visum antiquitati, quin annotare et literis mandare libuerit, modo aliquis inde fructus cognitionis aut admirationis appareret. Quarum omnium cognitione eum, ut dixi, fructum percipimus, ut et vehementi artificis admiratione capiatur pius animus ac mox tantarum rerum fontem amplius quaerat et vereatur, praeterea sss facile secum cogitet nec semper fuisse opus ttt , in quo tantum artificium eluceat, nec ex se uuu aut fortuitum esse, quod tam pulchro et admirabili ordine est distinctum. Nam et M. Cicero 52 , gravis in primis author, prodidit veteres philosophos naturae contemplatione adductos eo demum scrutando pervenisse, ut mentem esse faterentur, cui gubernanti parerent omnia. «Ut si quis», inquit, «in domum aliquam aut gymnasium aut in forum venerit, quum videat omnium rerum rationem, modum, disciplinam, non possit ea sine caussa fieri iudicare, sed esse aliquem intelligat, qui praesit et cui pareatur, multo magis in tantis motibus tantisque vicissitudinibus, tam multarum rerum atque tantarum ordinibus statuat necesse ab aliqua mente tantos naturae motus gubernari.» 53 Haec Cicero vvv . Sed et Chrysippus 54 eodem authore fassus est ab ipsa se natura didicisse esse deum, qui omnia conficiat 55 . Unde et Maronianum 56 illud deductum videtur: «Principio coelum ac terras camposque liquentes Lucentemque globum lunae Titaniaque astra Spiritus intus alit, totamque infusa per artus Mens agitat molem et magno se corpore miscet.» www 57 Aristoteles autem ita censuit, ut «si qui essent qui sub terra semper habitavissent, deinde aliquo tempore patefactis terrae faucibus ex illis abditis sedibus evadere in haec loca, quae nos incolimus, atque exire potuissent, quum repente
terram et maria coelumque vidissent, nubium magnitudinem ventorumque vim cognovissent aspexissentque solem, eiusque tum magnitudinem pulchritudinemque, tum etiam efficientiam cognovissent, quod is diem efficeret toto coelo luce difusa, cum autem terras nox occupasset, tunc totum coelum cernerent xxx astris distinctum et ornatum lunaeque luminum varietatem tum crescentis, tum senescentis eorumque omnium ortus et occasus atque in omni aeternitate ratos innumerabilesque cursus - quae cum viderent, profecto et esse deos et haec tanta opera deorum esse arbitrarentur.» yyy 58 Ea re factum est, ut apostolus principio epistolae ad Romanos sapientes ex gentibus hac maxime de caussa et irae et damnationis reos faciat, quod deus illis sui cognoscen-||A 5r. di semitam aperuit, ipsi vero apprehensum et cognitum zzz ut deum non glorificaverint, sed mutata gloria pro uno multos deos fecerint imaginibus non solum mortalis hominis similitudine effictis, verumetiam volatilium et quadrupedum et reptilium etc. 59 Quae res quomodo acciderit, ex his libris, quos de natura deorum M. Cicero scriptos reliquit 60 , clarissime deprehenditur. Caeterum cum Paulus hoc ipso loco palam doceat invisibilia dei ex creatione mundi, dum per opera intelliguntur, pervideri et hac via aeternam et potentiam et divinitatem eius patere 61 non , erit, quod amplius causentur adversarii, quin liceat, ut semper licuit, imo vero et conducibile sit et maxime decorum religioni honestis disciplinis et studiis liberalibus vacare eos, qui scripturarum professores et ecclesiarum praesides sint futuri, cum ita natura comparatum esse videamus, ut quantum quidem in nostra industria situm est, ab his rebus, quae sensibus nostris sunt obviae, ad sublimiora remotioraque noscenda naturali quodam ordine perducamur. Neque nos offendit, quod quidam obiiciunt in veterum recentiorumque de naturis rerum placitis permulta videri, quae partim dubie et incertis caussis prodita, partim non satis liquido indagata sint, maioraque esse, quae captum humanum fugiant, quam quae ad notitiam nostram pervenerunt, praeterea et Peripateticos 62 fateri frequenter animum nostrum in multarum rerum inquisitione hallucinari, quae naturae tamen caussas pernoscenti sunt manifestissimae. At aaaa hoc ipsum vel maxime ad architecti illius et conditoris laudem attinet, cui non modo acceptum referimus, quod cognoscimus, verum etiam tanta varietate, multitudine et excellentia rerum vere mirabilium circumsepti fatemur tamen bbbb longe praestantiora sublimioraque esse, quae
mortalis animus noster non assequitur, quam quae maiorum solertia et diligentia in lucem sunt prodita. Haec nimirum via est, quae nos in adorationem incomprehensae illius maiestatis allicit. Haec ingens dei nostri gloria, quae nostros conatus humiliat. Ipse Paulus in tertium raptus coelum 63 tradit nos in res coelestes ceu per speculum et aenigma intueri nec visuros de facie ad faciem 64 nisi permutatos et indutos melioribus cccc 65 . Sed in re propemodum manifesta sum longior, quam aut ferat ratio aut ego instituerim. Libuit autem mihi, Bullingere, hac dddd de re contra quorundam insolentiam ceu praefari eeee , ut quoniam tu pro singulari tua qua es a domino donatus eruditione post aliquot apostolorum epistolas summa dexteritate expositas 66 in alterum librum evangeliorum Lucae, qui acta apostolorum inscribitur, commentarios adornares 67 et simul literis tuis suavissimis efflagitares 68 , ut quae nuper fratribus meis, ministris verbi, pro Lucae historia illustranda, cum eam una revolverimus ffff , adiuncta generalium tabularum orbis demonstratione dictassem 69 , ||A 5v. in Epitomen redacta ad te mitterem 70 , quo tuis commodum connexa 71 prodirent in lucem, ego primum
omnium istorum calumniis contrairem, qui quod non intelligunt, damnant et sub praetextu pietatis ipsam vere pietatem oppugnant nec vident hoc se maxime quaerere neque aliud assequi, si succedat votis gggg , quam ut inertia illa, quae tot saeculis christianum orbem ceu barbaris captivum miserrime afflixit, denuo revocata solidam pietatem tot illustribus disciplinis veterum exemplo comitatam funditus evertant et conficiant. De geographiae hhhh seu cosmographiae utilitate dictum est a nobis alias 72 , et satis constat hanc philosophiae partem, quum paulo diligentius explicatur, sic affinem esse universae de rerum natura vestigationi, ut ferme, quicquid est passim in orbe illustre et memorabile, secum trahat. Sed et frequens consensus eruditorum tantum huic facultati tribuit, ut fateantur studiosos nec locorum notitiam nec rerum gestarum seriem recte posse vel in scripturis accipere, qui illius prorsus sint ignari. Mihi certe, quum isthaec dictarem, duae res maxime spectabantur. Prior quidem, ut quoniam Lucam tam multum esse in locorum mentione viderem, ex hac nostra ceu rudimentaria institutione intelligerent ne illos quidem certo ordine aut magno cum fructu teneri memoria posse, nisi prius terrae totius forma, ut in partes distributa est utque extra intraque littora 73 mari alluitur, perdisceretur. Nam ut membri a corpore resecti, sic nec partis ullius terrarum notitiam habere seorsim possis, nisi prius de situ, facie et habitu corporis totius constiterit. Deinde, ut iiii ad gentium ac populorum res gestas adeoque ad omnimodam historiam noscendam cohortarer, quod huius lectione non res modo, quae referuntur dignae sint cognitu, verum etiam ipsa locorum tam crebra mentio subinde memoriam exerceat et ad tabularum fidem, ut quaeque suis partibus inserta adnotataque sunt, revocet. Ante omnia autem admonebam nihil esse in hoc doctrinae genere, quod in tam perplexa nominum locorumque varietate et multitudine memoriam fidelius iuvaret, quam usum tabularum veterum, maxime autem generalium
Vale. Sangalli, 7. kalend[as] august[i] anno 1534. [420]Lienhard Tremp an Bullinger Bern, 28. Juli 1534 Autograph: Zürich StA, E II 360, 271 (Siegel) Ungedruckt Fragt Bullinger in einer Heiratssache, ob ihm einer des Badener Geschlechts der Hünenberg bekannt sei; dieser soll in Zürich gewesen sein. Eine Frau, die er bevogtet, schickt einen ihrer Söhne nach Zürich. Bitte, sich um ihn zu kümmern. Grüße an [Anna]Zwingli, deren Sohn Wilhelm wohlauf ist. Tremp und seiner Frau ist dieser sehr lieb. Gnad und fryd von got, unserm himelschen vater, durch unsern heren Jhesum Christum etc. Wussend, min lieber her und bruder, ich bin gebäten von etlichen kristenlichen luten 1 , so ein fromy dochter hand zu verelichen, uch zu schriben umm einen fruntlichen rat zu byten in diser sach. Und namlichen so stelt einer nach diser dochter, heist sinem geschlecht nach der Hunenberg 2 und ist von Baden. Da hand wir vernomen, er sygy nü a etwas zites zu Zurich gesin us ursach, das er öuch genämpt sygy ein lüterscher, wie dann die gotzfyend 3 redend. Nü so hand wir doch diser person kein sündry bekantnüss 4 anders , dann 5 das er ein watlichy 6 person ist. Da wil ich uch byten als einen vertruwten 7 frund, ob uch disy person bekant wäry, so wellind mich söllichs lassen wussen. Ir söllend by guten truwen nit gemeldet werden, dann ich jez zumal keim vertrüwteren in Zurich nit wusty zu schriben. Darumm so tund nach minem begären. Kan ichs verdienen 8 , so söllend ir mich gutwillig finden.
Denne 9 so schickt min vogt fröw 10 by zöuger 11 dis briefs einen iren sün 12 gen Zurich. Da wil ich uch in sünderheit byten, ir wellind öuch etwas ufsächens uf in haben, damit er zu zücht und ler des furderlicher zogen wärdy. Das sol verdienet werden. Und umm die obemelty 13 sach, so es müglich wäry, wellend mich by disem boten ein antwürt lassen wussen 14 etc. Denne so wil ich uch biten, wellend uns die Zwinglinn 15 fast gruessen und ira sagen, ir sün Wilhelm sygy frisch und gsund. Er gat fur und fur zu schul, und wiewol er fast kindisch 16 ist, so tut doch er nach sinem alter gnug der ler halben. Er ist mir und miner husfröwen 17 fast lieb von sines fromen vaters 18 wegen, der mir nach got nit uss minem herzen künt etc. Nit me, dann got syg mit üch. Geben zu Bern, uff zinstag nach Jacoby im 34 jar. Uwer allzeyt gutwilliger Lienhart Tremp. [Adresse auf der Rückseite:] An den wolgelerten Meister Heinrich Büllinger, bredickant zu Zurich. minem insünders lieben heren und bruder. zu handen. [421]Hans Jakob von Wattenwyl an Bullinger Bern, 28. Juli 1534 Autograph a : Zürich StA, E II 360, 275 Der nochmals empfohlene Rudolf Weber scheint in Bern willkommen zu sein. Will ihm, falls er kommt, helfen. Schreibt ihm im gleichen Sinn. Gnad und frid von got durch unsren heren Jesum. Wolgelerter, ersamer, wiser, guinstiger, lieber her, nachdem ir mier neher mals 1 geschriben 2 von wegen meister Rudolfs Webers, hab ich mich so fil bearbeit 3 und nachfrag gehept, das mich dunckt, er werd gunst hie 4 haben, wiewol ich in noch nüt versechnen 5 kan. So es im aber gelegen, sust har 6 ze komen, wet 7 ich so ernstlich in siner sach handlen, das erkundigen wurd, waran 8 er wer, im och mins teils von üwer und sinen wegen beholfen sin 9
mins vermügens. Das hab ich üch guter meinung uff üwer nechst schriben zu entlicher 10 antwurt wellen schriben. Ich schrib im och gliche meinung 11 . Hiemit sig der frid gotz mit uns allen. Zu Bern uff 28. tag julii 1534. Uwer gutwilliger H. Jacob von Watenwil. [Adresse auf der Rückseite:] Dem wolgelerten, ersamen und wisen Meister Heinrich Bollinger, minem guinstigen, lieben hern. [422]Johannes Frey an Bullinger Kappel, 4. August [1534] Autograph a : Zürich ZB, Ms F 62, 358 (Siegelspur) Ungedruckt Freut sich über die Ausbreitung des evangelischen Glaubens. Wer würde nicht spüren, daß Gott den Kirchen in Schwaben seine Gnade zukommen läßt? Gottesfürchtig ist es, an einer einmal gefaßten Meinung nicht unentwegt festzuhalten, sondern sie dann zu ändern, wenn sie von einer besseren Erkenntnis überholt wird. In Zürich stehen die Dinge zweifellos dank Bullingers Wachsamkeit so zufriedenstellend. Der gute Führer bringt es zustande, daß die anderen ihm im Guten folgen. Grüße. Gratia et pax a deo. Scripsit in oratione quadam consul ille Romanus 2 adversus Catilinam non minus iocundos atque illustres esse dies, quibus conservamur, quam illos, quibus nascimur, quod salutis certa ratio sit, nascendi incerta conditio, tum quod sine sensu nascamur, cum voluptate certe conservamur 3 . Caeterum longe diversam meam ineo rationem: Solidissimum gaudium apud fideles omnes exoriturum, ubi viderint evangelicam facem non modo irradiare nobis Romanamque caliginem discuti, sed et a domino foveri et conservari, ut iam in illo die dominus regni habenas teneat solus atque ad hunc omnes confluant gentes, superstitione eliminata imaginibus comminutis unum et solum adorent et praedicatione divini verbi liberati redemptori in sanctitate et iustitia reliquam aetatem transigant 4 . Equidem apud te, praeceptorem meum, fateri cogor ineffabilem laeticiam, quam nobis attulit Noviomagi 5
epigramma in obitu missae deliniatum 6 . Quis admodum fuerit stupidus, ut non divini spiritus charism[a]b diffusum et Svevicis ecclesiis communicatum sentiat? Tametsi vitilitigator 7 ille cornicetur 8 , pugnis et calcibus obnitatur greek greek greek Interim optimus ille et coelestis pater suis nunquam deest organa disponens ad coagmentandum sacrosanctum tabernaculum pontificiis cuniculis occupatum et impiissimorum machinis concissum[!]. Pie quidem isti ratiocinantur ad exemplum excellentissimorum antistitum ecclesiae nuperrime ex gentibus post Christi ascensum collectae non continuo, si quid semel animo visum fuerit, omni id studio et contentione servandum esse, verum rectius tunc mutare sententiam, cum eam melior et rectior superaverit. Domini sane opus esse coniicis. Illo reclamante negocium ferventius surgit apud fideles. Hoc ineptiente veritas ipsa, quae nuditate gaudet, magis magisque Germaniae angulos perrumpit. Quid dicam? Cum ille studet ut lutulentus sus cum quovis volutari 9 , omnes tamen propemodum Germaniae proceres palmam tribuunt potius dei verbo quam somnio humano. Atqui malim, ut christiana tranquillitas ad pristinum nitorem revocaretur et secundum quod scriptum est, singuli ad aedificationem ecclesiae abundare quaererent 10 . Contentiones enim tum pessimae, cum efflagrant. Porro ad nostra iam venio. Herus 11 nostrae reipublicae statum exposuit haud dubie opera et vigiliis tuis maximis adhuc satis incolumem. Et utinam incommoda, quae praesagiis infallibilibus pro foribus esse animadvertimus, deus optimus maximus, rectorum consiliis tanquam medicine remediis leniantur! Sane admittendum c , ut syncerissima respublica construatur, bene morata sit civitas. Nam qui bonum prebet ducem, facit is, ut alii bene sequantur. Rursum piscis primum a capite foetet 12 , et contagione principum reliquum vulgus inficitur. Quae non ignarus sum te obnixe moli[ri]d . Deus faxit, ut absque fuco eius imperium dilatetur, eidola nomini eius glorios[o] e cedant, vita inculpata et morum innocentia salutis greek sequamur 13 !
Vale faustis avibus. Uxorem 14 tuam omnemque familiam cupimus incolumem. Dominum praepositum 15 , vicinum tuum 16 meumque cognatum et patronum meis verbis salutato et apud istum semper habebis commendatum. Ex Capella, 4. augusti. Ioannes Liberianus, semper tuus greek greek greek greek greek deditus. [Adresse auf der Rückseite:] Eruditissimo simul et integerrimo Heinrycho Bullingero, Tigurinae ecclesiae episcopo, praeceptori charissimo. [423]Wolfgang Mösel an Bullinger Hohentwiel, 12. August 1534 Autograph: Zürich StA, E II 355, 54 (Siegel) Gedruckt: Kammerer 22 Hat Bullingers Briefe [an Philipp von Hessen und Ulrich von Württemberg, Nr. 406f] erhalten und entschuldigt sich, daß er sie den Fürsten nicht übergeben konnte, indem er ausführlich schildert, wie alle seine Übermittlungsversuche fehlschlugen. Nun schickt er Bullinger die Briefe zurück. Dankt für Bullingers Schreiben an ihn, Mösel, selbst. Die Reformation breitet sich in Württemberg aus. Gottes gnad, huld und hillf sey euch allen durch Jesum Christum, unnsern herren. Erwirdiger lieber herr, die brieff 1 , so ir mir zugeschikt, hab ich empfangen 6. julii, aber nit gehandelt, als ich gern gthon hett. Darumb bitt ich gantz ernstlich verzeichung a umb gottes willen, und hörend mein entschuldigung. Zum ersten hab ich die brieff gschikt bey eim vertrautten 2 botten 3 in das leger 4 . Ee aber er gar ins leger kommen, ist er gewend 5 durch ein annderen botten, der mit im kam und sagt, man geb den knechten und raisigen urlaub und die f[ürsten] wurden gwis uff Twiel zu uns komen 6 . Do freüet ich mich, das ich inen beiden f[ürstlichen]g[naden] die brieff selbs in die hend
geben sol. Darnach, do es sich verzoch 7 , kertten die fürsten gen Stutgart 8 ; batt ich meine junckherren 9 , sie sollen mir ain botten uff mein gelt erlauben. Sagt der ain junckherr zu mir, er wolt die brieff bald selbs in ir hend antwurtten 10 . Er ist aber noch bey uns, und haben mir all mein anschleg 11 gefellt 12 . Noch hab ich ain entschuldigung, die ich nit schriben gthor 13 , wils euch aber, ob gott wil, bald selb sagen. Ich versich mich 14 aigentlich, ir werdent bald selbs zu beiden f[ürsten] kommen. Ferdinands practic haben wir vorhin 15 gutte kundschafft gehabt. Das aber ich die brieff so lang eüch nit wider zugschickt, beckenn ich mich unrecht gethon. Hab sie ain mal geschikt und dem botten 16 ernstlich bevolchen, das ers in eur aigen hennd antwurt oder widerbring. Hat mirs widrumb bracht und gsagt, ir seien in aim bad 17 . So hab ichs jetzt meinem vertrauten lieben frund und sun 18 geben, das ers uffs beldist euch überantwurt bey gwisser bottschafft. Bitt hiemitt umb gottes willen verzeichung. Weitter sag ich eüch allhöchsten b danck umb die epistel und christenlichen ermanung 19 , die ich nitt verdienen kan, darumb es alles verlorn, was man mir thut. Es sol yderman mein müßig gan 20 . Wil aber dennocht nit vergessen solcher eür guthaten, kum ich annders 21 zu meinem herren 22 . Weitter lass ich wissen, das die evangelischen freyhaitten vast zunemmen in unserm land. Wie es aber stande umb die forcht gottes, seinen geboten und christenlicher ghorsame, wais ich noch nit. Darumb hellfend uns bitten, das wir nitt vergessen und nit undanckbar seien dern[!]grossen wunde[r]thaten gottes, 23 an seinen vatterlichen rath füronhin nichts hanndlen. Hiemitt seie die krafft gottes in uns allen. Ex Twiel, 12. augusti 34 anno. Ewer gantz williger Wolf Mösel, wechter uff Twiel. Bekanntnus Ambrosii Blaurers und [...]c
[Adresse auf der Rückseite:] Dem erwürdigen diener des wortts gottes in der chirchen Zurch, meinem besunder lieben herren zu handen. M. Heinrich Bullingern. [424][Johannes Zwick] an Bullinger [Konstanz, Mitte August 1534] Autograph: Zürich StA, E II 346, 95r.-96v. (Siegelspur) Teildruck: Blarer BW I 515f, Anm. 1 Teilt für Bullinger allein Besonderes aus Ambrosius [Blarers]Brief an den Herzog [Ulrich][und einem Brief Blarers an Zwick] mit: 1. Blarers Befremden über [Erhard]Schnepfs Schroffheit, der ihm, weil Konstanz das Augsburgische Bekenntnis unterzeichnet habe und vom Kurfürsten [Johann von Sachsen] in den [Schmalkaldischen]Bund aufgenommen worden sei, nicht ein fleischliches, schrift widriges Abendmahlsverständnis aufdrängen dürfe. 2. Blarers einfaches Abendmahlsbekenntnis. 3. Seine Mahnung, in Württemberg das Gleiche wie in den umliegenden Städten lehren zu lassen zur Vermeidung von Zerrüttung und um genügend Pfarrer zu finden. [4.] Seine Bitte um Privataudienz, in welcher er dann die [Marburger Formel von 1529]als Grundlage einer Übereinkunft vorschlug. Schnepf nahm sie zu [Ulrichs] Freude an. [Württemberger oder Stuttgarter Konkordie]. [5.]Blarers Klage über die Hofleute und die Verzögerung seiner Berufung durch den Kanzler [Johannes Knoder]. [6.]Herzog [Ulrich]sei Melanchthon nicht gewogen wegen seiner Verunglimpfung in der Sprichwörtersammlung des [Johann Agricola] von Eisleben. Aus andern Nachrichten erwähnt Zwick [Leonhard]Ecks Aufenthalt in Stuttgart, die reichsrechtliche Selbständigkeit des Herzogs [Ulrich], Gerüchte von Berufungen [Andreas]Osianders und Philipp [Melanchthons]nach Tübingen, weil die Basler [Simon]Grynäus nicht ziehen lassen wollen. Bittet um Rat, wie man mit einem Arianer [Claude d'Aliod]handeln soll, und um Ausleihung von Pellikans Repertorium, falls es [Gregor]Mangolt nicht abschreibe.
Lieber Maister Hainrich. Ich mus uch nebend der epistel 2 , die ir och anderen zaigen mögend, etwas bsünders und aigens zuschriben; doch lassends by uch beliben 3 ; dann wie mengerlay gen Zurch gschriben würt, also würt och mengerlay von Zurch schriben. So ist sünst das spruchwort gwiss: Silentium tutum praemium 4 . Noch 5 mag ich uchs nit verschwigen. Wann irs glesen hond, so zerrisend 6 den brieff, und was ir glich wol aim guten frund sagen weltend, so denckend 7 doch mines namens nit. Und mit dem geding 8 so wissend, das M. Am[brosius]9 ille noster dem fursten 10 ain brieff 11 zugschikt hat, als er schon gen Stutgarden komen 12 , und gar ernstlich darin gegen im ghandlet 13 des sacrament halb. 1. Erstlich, das in doch gantz befrombde, das in der Schnepff 14 so gantz
grell 15 ersucht 16 habe, diewil doch die unseren der sächsischen confession 17 uff dem richstag zu Ougspurg 18 zughalten 19 und underschriben 20 habind, und der churfurst 21 mit sampt den sinen nit allain der underschribung, sunder och der erlüterung in dem artikel vom sacrament wol zufriden gwesen sye 22 und sich daruff mit den unseren in christenlich verstentnus 23 ingelassen hab. Hette also vermaint 24 , Schnepfius hette in 25 by dem selbigen bliben lassen, welche bekantnus nit anderst lutet, dann das der lib Christi ym nachtmal warhafftiklichen dargeraicht werde etc. 26 Diewil er in aber daby nit hab wellen lassen bliben, sunder yn uff ain vil gröbere und flaischlichere wys und wider die art der schrifft (hec verba sunt illius nostri 27 ), och änlichait des [gloubens]a , desglichen wider [das] furgeben 28 der eltesten, furnemsten lerer der kilchen, ersucht habe, und das ouch wyter dann wir nie syind ersucht worden, achte er, sin f[urstlich]g[nad] hab wol zu ermessen, mit was fugen 29 und christenlichen glimpf 30 sollichs bscheche 31 . 2. Wyter hat er dem f[ursten] in siner schrifft anzaigt, was doch sin bekantnus sye vom sacrament, namlich das die wort Christi war syind, wie sy lütind, das Christus, so er sagt: «Nemend, essend, das ist min lib» etc. 32 , sinen
gleubigen warlich sinen lib zu essen gebe ||95v. zu ainer spis des ewigen lebens 33 , das er in ynen und sy in ym ewigklichen bliben sollen 34 ; daby es billich bliben und usserthalb der ainfaltikait wyter nit sölte furwitzlich 35 disputirt noch flaischlich dancken 36 zugelassen werden. Das ist die summa siner bekantnus gwesen im brieff an den fursten. 3. Zum dritten hat er den fursten gar ernstlich vermanet, das er umsichtig sin welle in dem handel 37 und erwegen, was darus volgen möchte, vorus zu was ergernus und zerrüttung raichen möchte, wo er sin furstenthüm anderst dann by den umligenden stenden und stetten 38 glert und ghalten werd. Item hat er ym anzaigt, wo man uff solliche flaischliche und grobe wys vom sacrament solt glert und geredt werden, das man nit so vil truwer diener des wort gottes finden wurd, als er in sinem land bedörffen werd, sunder müste allerlay her gloffner lüt anstellen 39 etc. [4.] Uber disse schrifftliche vermanung hat er vom f[ursten] wyter begert, das er in ad privatum colloquium admittiere. Das ist gschechen 40 etc. Da hat er die vorgenden puncten on zwifel ernstlicher gworben. In colloquio hat er in frylich och underricht, wie er mit dem Sch[nepfio] möcht überkomen 41 . Item so er mit im also uberkeme, und er anneme, das och Luther vom Ecolampadio angnomen 42 , das dann er, der f[urst], von ynen baiden die handschrifft
[5.] Item inter caetera scribit 50 : «In principe nichil desydero, in aulicis multa.» 51 || 96r. Och sind argwön vorhanden, das etlich davor gsin sind, damit Ambro[sius] wol ains monats später ist berüfft worden, dann vom fursten befolchen 52 . «Omnes b etc. Suppressisse quidam putant literas cancellarium 53 , quod princeps postea cognoscens ex bono viro indigne tulit.» 54 - Omnia haec, mi frater, mortuo scripsim c 55 . [6.] Item, der f[urst] hat sich och hofflich 56 vernemen lassen, das er dem
Melanthoni nit als gnedig sye «propter Islebii 57 proverbia 58 , in quibus Philippo autore nonnichil sibi maculae aspersit» 59 . Item, D. Eck 60 ist dry tag zu Stugarten gwesen 61 , schribt mir ain gut gsell 62 ; hat man yn von hoff gspiset 63 etc. Item, wissend, das der hertzog das land inhat mero imperio et potentia, das er niemants lehen tragt, dann vom rych 64 . Der künig mus den passion singen 65 , schribt mir ain guter frund 66 . Doch ist im die gnad bschechen, das die fursten verwilliget conditiones pacis in silentio ston 67 , es begebe sich dann, das inen nit welte ghalten werden; sed sigillis et fideiussoribus omnia sunt roborata 68 - . Omnia mortuo scripserim.
Item, ich vernim, das vil pratiken 69 vorhanden syind, damit luterisch predigen in das land komind. Etlich sagend und mainend, Osiander 70 und Philippus d 71 komind gen Tübingen; dann die von Basel habind Gryneum 72 nit wellen lassen. Bitten gott gar ernstlich; dann ich gloub, M. Ambrosius werd sich müssen liden 73 . Item, ir möchten mich wissen lassen, wie ir doch vermaintind, das man mit aim Arrianer 74 handlen mocht 75 , nachdem nichts an im hulffe. Soll man
richten, so ists ergerlich, diewils den glouben antrifft; soll man verwysen, so tut er wyter schaden; soll man gfangen halten, so bruchts lang zyt und wil, wiewol es mich schier das best dunckte 76 . ||96v. Lieber, getrüwer her und bruder, lassend diss min schriben by uch bliben, und bittend gott. Item, schickend mir by dem Mangold oder sünst das repertorium, so Pellicanüs gmachet hat 77 , wo es der Mangold nit möchte abschriben. Ich wils uch in ain monet verzug 78 wider zuschicken. Damit sye der almechtig gott mit uch. Haeae[!]literae tuae sunt, Bullingere, quas solus leges lecta priore epistola 79 . [425][Johannes Zwick] an Bullinger [Konstanz, kurz nach Mitte August 1534] Autograph: Zürich StA, E II 346, 41 (Siegelspur) Ungedruckt Bullinger soll Capitos Meinung bedenken, daß man gegen die Arianer [Antitrinitarier]nicht mit Anklagen vorgehen solle, sondern daß vielmehr diese den negativen Satz von Christi Nicht-Gottheit beweisen sollten. Zwick hält statt des seltenen negativen Beweises für gerechter, daß [die Evangelischen] ihre [Glaubens-]Aussagen beweisen und Ankläger bleiben und bittet um Rückgabe des Briefes.
Admonere quoque te volo, observandissime vir, ut diligenter perpendas Capitonis argumentum 2 , quo putat nullo negotio stringendos Arrios 3 . Primo argumentatur, ni fallor, a creatione. Non negant Arrii per Christum omnia condita, sed Christum omnia condidisse non admittent, nec sequetur: Per Christum omnia condita sunt 4 . ergo ipse ille deus conditor 5 . Secundo putat Arrianis partes accusatoris permittendas urgendosque, ut negativam hanc probent 6 , Christum non esse deum. Hic memineris rarissime iure cogi quemquam, ut negativam probet. Magis aequum et iustum est nos probare, quod affirmamus, deinde nos quoque manere accusatores. Quodsi accusatoris partes volumus in reos reiicere, forte videbimur caussae nostre non per omnia fidere eamque parum esse stabilem suspicari. Literas lectas rogo ut remittas 7 . Vale et da veniam, quod te adeo crudis literis obtundo. [Adresse auf der Rückseite:]Bullingero. [426]Hans Vogler an Bullinger St. Gallen, 19. August 1534 Autograph: Zürich StA, E II 351, 159 (Siegelspur) Ungedruckt Hatte die Absicht, Bullinger um Hilfe zu bitten, da er mit seiner Frau zu hohen Kosten untergebracht ist. Schickt einen Brief der Straßburger an die Stadt Lindau, den er von Thomas [Gaßner]erhalten hat. Gaßner teilte Vogler mit, daß Blarer in Stuttgart predige und der Herzog seine Predigt täglich besuche, und berichtete über die Auseinandersetzung mit dem hessischen Prädikanten [Schnepf]. Vogler hofft, bald bei Bullinger zu sein. Grüße. Bittet um neue Nachrichten.
Gott mitt unns durch Christum. Amen. Sonders min gelieptter herr und bruder, wissend unnsser gsondthait 1 . Also hortend wir gernn von üch mitt fröden etc. Ich bin all tag dess willens gsin, zu üch von miner husfrowen 2 und mintwegen ettwas zu pitten 3 . Wir husend nochmals mitt grossem schaden 4 , wiewol by günstigen und fromen lüten 5 . Demnach schick ich üch alhie, sover irs nitt vor habend 6 , als ich wol hoff üch zugeschicktt, das mir der tagen Thoman 7 , prediger zu Lindow, zugeschickt hat, welches air 8 stat Lindow der tagen von Strassburg zugsant 9 , och warhaft mögen ir besechen baid kopygen 10 , dann ers abgschriben und mir in truwen zugeschickt. Schript mir och daby, daß im gsagt, daß der Blarer getrüw zu Stugarten predige 11 und der hertzog dryg 12 fürsten all 13 , all tag an sin predig gangen und an kain mess. Es sygen och die kilchen zu eng, das das volck nit hinin mög so unzal 14 . Gott geb das gelygen[!]. Schript och, daß im der hessisch predicant 15 , der dann mer dann luterisch sy, etwas widerstandtz gethon hab dess sacramentz halben 16 . Sy söllend sich aber veraintt haben 17 , daß sy jetz rüwig predigen. Es sygen sunst och noch zwen 18 da, die kenn er 19 nitt.
Ich hoff zu gott, in kurtzem by üch zu sin. Min husfrow last üch sampt üwer frowen 20 , och namlich die muter 21 , grüssen; och ych. Yn yl, S. Gallen, actum mitwoch vor Bartholomey anno 34. Habend ir nüwer zitung 22 etc. Üwer williger Hans Vogler, jetz zu S. Gallen. [Adresse auf der Rückseite:] An min gelieptten hern unnd frundt M. Hainrichen Bulligem, prediger zu Zurych, zu handen. [427]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 21. August [1534] Autograph: Zürich StA, E II 360, 33 (Siegelspur) Ungedruckt Jakob Bedrot berichtete vom Friedensvertrag von Kaaden, der für die Sieger, Landgraf Philipp von Hessen und Herzog Ulrich von Württemberg, viel ungünstiger ausgefallen sein soll als für König Ferdinand I. Herzog Ulrich, ein Anhänger der zwinglischen Abendmahlslehre, hatte von den ihm vorgeschlagenen drei Theologen (Melanchthon, Ambrosius Blarer und Simon Grynäus) Blarer bereits berufen, doch sein Kanzler verzögerte die Sache bewußt, bis der streitbare [Lutheraner]Erhard Schnepf von Philipp von Hessen empfohlen und vom Herzog angenommen wurde. Schnepf bedrängte Blarer in Stuttgart, bis es zur Unterzeichnung einer Kompromißformel in der Abendmahlslehre kam. Haller kann deren Inhalt nur aus dem Gedächtnis wiedergeben, da Bedrot den Text auf Bucers Wunsch hin nicht mitteilte. Der Herzog möchte Schnepf gerne loswerden. Der Friedensvertrag, dessen vierter Punkt die «Sakramentarier» verbieten soll, tritt erst auf Invocavit [14. Februar 1535] in Kraft; bis dahin wird man wissen, wer damit gemeint ist. Oswald Myconius ist in die Markgrafschaft Baden gereist. Grynäus hat noch keine Berufung nach Württemberg. Gefährliche Lage in Genf: Nachdem die rechtlichen Verhältnisse zwischen der Stadt Genf und dem Bischof und Savoyen durch das Urteil von Payerne geregelt schienen, wurde [im Frühjahr]in der Stadt ein bischöfliches Komplott aufgedeckt, und vor kurzem scheiterte ein bewaffneter Überfall. Wegen erneuter Bedrohung aus Savoyen hat nun Genf die Berner um Hilfe gebeten. Die Bitte wurde, vor allem wegen der noch immer nicht bezahlten alten Kriegsschuld, abgeschlagen; außerdem benützten die Genfer das Gotteswort nur als Deckmantel für eigene Zwecke. Bern ermahnte auch Savoyen. Die reformierten «Banditen» von Solothurn rechtfertigt Haller mit der «verlogenen» Haltung der Solothurner Obrigkeit. Liest Bullingers Kommentar zum 1. Korintherbrief und erhofft eine Fortsetzung. S. Fuit apud nos diebus his lacobus Bedrottus comitatus mathematico Cristiano Herlino 2 , uterque et pietate et eruditione praeclarus. Is longe alia de
pace Cheruscorum 3 retulit, quam a Sangallensibus per Crispinum 4 nostrum acceperimus. Primum princeps 5 una cum filio 6 quiete ducatum possidere dicunt, demnach sol es fallen an den Ferdinandum als a ein affterleehen 7 , doch jedermans recht vorbehalten. 2. sol Cattus 8 et alter 9 Ferdinandum erkennen als ein römschen küng. Bedenck, was Ferdinandus da erobret hab. 3. hett mir Bedrot anzeigt, als unß gsagt, Ferdinandus sölt den fürsten bezalen 2 hundert tusent gulden, er hab sy nie hören gedencken 10 . 4. sy dem Cherusco 11 vorbhalten, die töffer und sacramentierer in sinem land nitt ze tulden. Die andren, so mir nitt so vil angelägen, sind mir vergessen 12 . Demnach arbitri synd gsin dux Saxoniae 13 item , Jörg von Saxen 14 , [zev]or Empsers
ist es zeletst dahin kummen, daß sy beed sich gegen enandren verschriben hand, deren copy ich gläsen hab. Ist ein amphibology: daß sy by allen verstendigen unser warheit nitt nachteilig, und wirt hierinn Schnepfio ouch gnug gschähen 24 . Habs nitt dörffen fordren abzeschriben, dann in secreto vom Bucero als 25 nur ze sagen dem Bedrotten befolhen, ne minus intelligentes mox in calumniam tam principis quam Blaureri raperentur. Weiß wol, daß die verschribung glyche wort hat: «Ich Erhardus Schnepf», die ander «Ich A. Blaurer bekenn, daß ich die wort desß herren, ‹das ist min lib› [Mt 26, 26 par]vermögend, daß der lib Christi essentialiter et substantive in abentmal Christi sy und empfangen werde.» 26 Ich wil mich nitt verredt han, acht wol, es werde dir als 27 zugschriben. Doch sy das vorhanden, daß wie Schnepfius der glertest in Hessen ze Marpurg unwillig und ungern sy, ettlich mal urlob geheischet, daß imm Cattus sin stipendium träffelich, etiam vino Ringauico, gebesseret und mitt eeren nitt können urlob heischen, sye das desß Wirtenbergers anschlag, so bald er kan Schnepfium mitt eeren abfertigen, wärde ers thun. Der fierd artickel aber dess Indes, diewil der frid noch nitt zugsagt, sunder ein zil gstelt 28 biß uff invocavit 29 , werde denn erst ad declarationem kummen, welches die sacramentierer syind, in hoffnung, hie zwüschend werde jederman der sach wol underricht. Miconius ist gen Margrafen Baden 30 gfaren ze baden. Gryneus vo[ciert] c a Cherusco. Unser sachen halb stat es aber gfarlich. Dem bischoff von Jenf 31 und herzogen von Saffoy 32 sind in [der]d urteil ze Betterlingen 33 gegäben von den 10 orten ir grechtsame 34 vorbehalten 35 . Hiezwischend hett der bischoff ein prodition angrycht, gen Jenf wellen seczen an sin statt ein ritter von Friburg, die aber an tag kummen, die verräter, einer oder zwen, grichtet. Vermeinend die Jenfer, der bischoff hab sin recht verwürckt 36 . Also hett er ein züg, weist niemand wie vil, versamlet, die statt Jenf under der evangelischen predig Farelli überfallen understanden und mitt inen zbanck gon 37 , dess sy
gwarnet und all die statt einmütig vor imm bschlossen 38 , das ilents minen herren zugschriben 39 , die ir bottschafft hiningschickt 40 , die uff hütt harus gschriben, es samle sich ein nüwer zug, desß herczogen acht 41 ich, sins adels usß der Watt, Fußinier 42 etc. Begärend die Jenfer 200 man zumm zusatz 43 . Ist uff hütt inen abgschlagen 44 . Si söllend bzalen das sy schuldig, namlich 9900 e kronen 45 ; so wellend min herren wyter handlen nach vermog desß burgrechten. Schribend och hiemitt unß nitt gelägen sin allwäg uffzewischen 46 , wenn si wellind. Si habend dem herczogen vor oder in der statt sin capellen und götzen gstürmpt, sind fräch, förcht, gots wort sy irs kibs 47 deckmantel, und daß wir dist minder sy söllend verlassen 48 . Es schribend ouch min herren dem herczogen und siner Watt, daß sy wellind by der urteil 49 bliben 50 . Weiß nitt, was noch darusß wirt. Wir bsorgend grossen uffsatz 51 , falsch prackticken 52 . Der panditen 53 halb hept man sy nitt so fast 54 . Diewil aber die von Soloturn inen, andren orten und minen herren alle ding erlogen und kein rechtbieten 55 nütt hilfft, hend si christelicher senftmütickeit vergessen und unnüczen buben eins uff brottäschen 56 gen, die sy verräterend und käczerend 57 . Doch so die botten jecz uff den tag 58 werdend kummen, wirst du desß handels bricht. Das sind die gassenmeer 59 von Jenff und Solothurn. Hab als 60 dir nitt wellen verhalten, modo lapidi huic scripserim. Du weist
wol pro prudentia tua mir in allen dingen ze raten und by den dinen och das beest ze thun. Diner commentari 61 halb, so vil ich drin gsähen, bin ich wol zefriden, lob gott; ich habs aber noch nitt cum indicio et collatione aliorum bsichtiget, wird sy fürenhin baß achten 62 . Es hett ein fin buch gaben beed epistlen zun Chorinthiern; du best aber einmal meer dann gnug thon. Wenn ich wiste, daß du weltist die ander epistel ouch lassen usßgon 63 , welt ich disers nitt binden; lieber, lasß michs wissen. Jetz weiß ich nitt wyter. Vale et scribe sepius, quam hactenus feceris. 21. augusti. Tuus B. H. [Adresse auf der Rückseite:] Heinrico Bullingero, concionatori Tigurino, fratri suo omnium charissimo. [428]Konrad Geßner an Bullinger Paris 26. , August 1534 Autograph a : Zürich ZB, Ms F 62, 257 (Siegelspur) Gedruckt: Hanhart 346f Seit fast einem Jahr haben Geßner [und Johannes Fries]keinen Brief aus Zürich erhalten. Gespannt warten sie auf Nachrichten über Bullinger und die Heimat. Sie haben [Johann Jakob]Ammann geschrieben. Bitte um Geld, mit dessen Hilfe sie in ihren Studien weiterkommen würden. Versicherung, daß sie sparsam und fleißig sind. S. Iam fere annus est, qui nobis tamen vel seculum videtur, quod nihil a vobis literarum accepimus 2 . Alii diuturno silentio sepe in alienam atque secus, quam res habeat, opinionem veniunt. Sed vestra in nos propensa voluntas atque studium etiam sine literis et, ut ita dicam, sine tessera nunquam non testatissima nobis erunt. Sollicite tamen interim et quasi aperto sinu puerorum instar literas a vobis et avide expectamus et tacite poscimus, quo cum de nostratibus omnibus, tum vero de te praecipue et patria certiores fiamus: greek greek greek greek greek - nosti Homerica 3 .
Quod ad nos, Ammiano scripsimus 4 , quem si modo redditae sunt, rem omnem tibi aperuisse arbitror. Te cuius es humanitatis clientes non neglecturum speramus atque adeo certi de fide tua sumus. Spes fere dubia esse solet, greek greek greek greek greek Nos quoque iam olim multis, iisque magnis, tibi nominibus obligati certam magis tuam benignitatem fidemque quam spe conceptam habemus. Amaltheam inter sidera collocatam ferunt, quae lovem nutrisset. Tu vero quantam laudem merebere musas love prognatas tam candide tam liberaliter fovendo! Non alia musis greek reddes, nisi quae in earum studiosos contuleris. Verum haec hactenus. Pecuniam quam maturrime mitti vellemus. Nosti illud greek greek greek greek greek greek, quamvis greek Diogenes greek greek vocarit 5 . Pergimus in literis pro virili perrecturi amplius, nisi hic etiam ipsae musae pecunia flectendae essent ut aureo malo Hippodameia 6 . Verum et hic et in aliis omnibus argenti Charybdin 7 Parisios dixeris. Nos interim, quod eius licet, frugaliter et parce, neque id sine musis, aetatem agimus. Vale, praesidium et dulce decus 8 nostrum. Parisiis, 7. calendas septembris 1534. Conradus Gessnerus, ex animo tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Eximio viro d. Henrico Bullingero Tiguri a sacris concionibus, patrono studiorum optimo. Zürich. [429]Bullinger an Joachim Vadian Zürich, 27. August 1534 Autograph: St. Gallen Kantonsbibliothek (Vadiana), Ms 32, Nr. 218 (Siegelspur) Gedruckt: Vadian BW V 185f Das gemeinsame Bekenntnis von Ambrosius Blarer und Erhard Schnepf über die stoffliche und wesentliche, aber nicht örtliche Gegenwart Christi im Abendmahl ist unklar und wird zu Streitigkeiten führen. Versichert, er achte aufmerksam auf allfällige Werbungen des St. Galler Abtes. Johannes Haab wacht ebenfalls. Schickt sein Buch «De testamento seu foedere dei unico et aeterno». Gratiam et pacem a domino. Novi habemus nihil, nisi hoc tibi, vir ornatissime, novum sit, quod Blaurerus et Schneppffius uno ore fatentur 1 : «Virtute verborum Christi ‹hoc est
corpus meum› [Mt 26, 26 par] verum corpus Christi vere a , hoc est substantive et essentialiter, non autem quantitative aut qualitative aut localiter contineri et edi in coena.» 2 In qua confessione nonnihil lucis et simplicitatis desydero. Vereor enim, ne rixarum maximum sit futura seminarium. Sanctis omnia sancta. Praeterea accurate, opinor, vigilo, si quippiam ambiturus sit Antronius 3 , ut proximo quoque die sciatis, sed nihildum sensi. Habius quoque strenue invigilat et diligenter partes nostras tutatur 4 . Mitto tibi expositionem nostram De testamento dei unico et aeterno 5 adversus multas haereses hodie emergentes 6 scriptam. Vive et vale semper nostri memor. Totus enim tuus sum. Tiguri, 27. augusti 1534. Hein. Bullingerus tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Clarissimo viro D. loachimo Vadiano, amico longe integerrimo. [430]Benedikt Euander an Bullinger Isny, 29. August [1534] Autograph: Zürich StA, E II 360, 277f (Siegelspur) Teildruck: Blarer BW I 528; MO II 775f; Teilregest: Melanchthon BW, Regesten II 146 Zweifelt nicht, daß Bullinger genau über die Ereignisse [in Württemberg]Bescheid weiß, will ihm aber doch schreiben, da so viel Unterschiedliches und Unangemessenes geschieht. Schickt die Abschrift eines an Frecht gerichteten Blarer-Briefes, in dem Blarer darstellt, wie es mit Hilfe der Marburger Formel zur
Vereinbarung mit Schnepf kam. Euander kann allerdings nicht erkennen, daß aufgrund dieser Formel in Marburg eine Einigung zwischen Zwingli und Luther zustande gekommen wäre, und vermutet, daß für die in der Sache Unkundigen die Gegensätze mit Worten vertuscht werden sollen. Die Abschrift eines an Frecht gerichteten Briefes von Bucer zeigt, daß dieser überzeugt ist, die Lutheraner hätten mit der Formel mehr Konzessionen gemacht als Blarer. Für Euander ist es unzumutbar, aus Rücksicht auf die Unverschämtheit eines anderen von der Wahrheit abzurücken. Der Teilkopie eines Briefes von Philipp [Melanchthon] an Bucer läßt sich das Interesse an einer Konkordie entnehmen. [Peter]Buffler hat die Artikel des Friedens [von Kaaden]in Erfahrung gebracht, aus denen Euander das Verbot der Sakramentierer zitiert. Es verwundert nicht, wenn deshalb das Herzogtum nach der Augsburger Konfession reformiert wird, es schmerzt aber, da doch Zwingli [die Abendmahlslehre von]Luther widerlegt hat. Nachrichten. Grüße. Domino Heinrico Bullingero. Quamvis non dubitem, quin omnia luculentius ac, ut ita dicam, amussatius, quae passim geruntur, scias, vir excellentissime, quam ut meis scriptis certior fieri debeas 2 , tamen quandoquidem cottidie tam varia contingunt atque meo iuditio indigna quaedam, non possum, quin simul ea ad te perscribam, simul autem, quid tu de illis sentias, perconter. Ac primum quidem, quid inter Schnepffium et Plaurerum nuper Sthutgardiae actum sit et quo pacto iam illis conveniat, prosequar. Sed ut eo comodius omnia persequar atque minus a vero aberrem, ipsius Plaureri literas, quibus ipsemet de illo negotio predicatorem Ulmensem 3 certiorem fecit et deinde Ulmensis misso huc ipsius Plaureri autographo 4 nostrum Friccium 5 , verbotim transscriptas mittimus. Sic itaque habebat ipsius Plaureri manu scripta epistola, quae 26. augusti Ulmam perlata est 6 : «Plaurerus Frechtio suo s. d. Scias illa collatione 7 omnino ex diametro Schnepffium et me depugnasse nec ulla ratione subscribere me potuisse huius sententiae. Adeo carnaliter et corporaliter› identidem mihi inculcabat 8 . Deindo vero, ubi plus compelassem principem pluribus exponens 9 , quantum referret, ut pax inter nos coiret, ille rursus advocato Schnepffio multis egit 10 , ut alter alterum sic intelligeret, quo in unam descenderemus sententiam. Post longam contentionem, [cum] forte fortuna mecum haberem schedulam
quandam a Lutheranis Marpurgi nostris oblatam 11 , quae sic habebat: ‹Wir bekennend, das uß vermögen diser wort: ,diß a ist min lib, diß ist min blut' der lib und das blut Christi warhafftiklich, hoc est essentialiter et substantive, non autem qualitative vel quantitative vel localiter, im nachtmal gegenwirtig siend und geben werdind›, Schnepffius ait ita se mihi accedere posse, si ista largiar. Ubi mox ego: ‹Nihil›, inquam, ‹detrecto, modo me non graves quibus nuper adverbiis fleischlich, liblich.› Id quod cum polliceretur, mox princeps: ‹Ego›, inquit, ‹testis fuero› magno interim gaudio perfusus. Vides igitur, christiane frater, nihil me a nostrorum sententia alienum dedisse. ‹Substantialiter› habebat prius Saxonicae confessionis apologia 12 , quam nostri quoque receperunt 13 , et ipse quoque ingenue testatus sum non laturum me, si vel Schnepffius vel quisquam dicat me vel latum, ut aiunt, unguem discessisse 14 ab ea sententia, quam per omnes ecclesias, ubi meo ministerio usus est deus, docui. Quin et princeps ipse interdixit, ne alter alterum recantasse rumore quopiam dissiparet, sed ut convenisset inter nos, uterque affirmaremus. Quamquam paucis elapsis diebus iussit princeps, ut simplicissime Saxonicam confessionem docturis parochis praescriberemus ecclesiis vicissim habendam . Quod Schnepffius sanctissime se facturum recepit. Age igitur, 15 christiane frater, ocioso animo estote. Vale.» Haec est, vir sincerissime, Plaureri epistola 26. augusti Frechtio Ulmae oblata bona fide transcripta, in qua quidem Plaurerum sibi aggratulari video, quod nihil dederit, nisi quod prius alii dederint. Sed non video, an Zvinglius unquam ista concesserit 16 , cum post illam profectionem 17 ipsi et Luthero non magis convenerit quam antea. Imo Lutherus palam professus est nihil minus quam sibi cum hisce schwermeris convenire posse 18 . Aut, si maxime
concesserunt «substantive et essentialiter», quae quidem ipsam corporis Christi quantitatem non huc ligarent, sed tamen quosdam quasi fumos paulo imperitioribus offundunt, quid sibi hac dictione «warlich» evincere velint, non liquide video, nisi quod suspicor eos data opera ita in verborum involucris ludere, ne cedere videantur. Sed haec tu per tuam singularem animi perspicatiam facilime diiudicabis. Nunc, quae Bucerus eidem Frechtio Ulmensi de futura inter nos concordia scipserit 27. augusti, accipe 19 : «Bucerus Frechtio suo s. d. Philippus 20 hodie luculentissime spem fecit solidae concordiae. Non est itaque, quod de ducatu Virtenbergensi desperemus et quod [!] iterum de palinodia sinamus ut ceteros fumos evanescere. Certe plus illi 21 de suo concedunt, dum concedunt ‹non qualitative, non ||278 quantitative, non localiter›, quam nos demus per ‹essentialiter et substantialiter› 22 . Quis enim nostrum non semper est confessus Christum ipsum nobis exhiberi, hoc est secundum essentiam et substantiam, sed profecto ratione non huius seculi, ergo non carnaliter etc.? Fortes et tollerantes simus. Dominus istum ecclesiae paroxismum contemperabit. Argentinae.» Haec sincere ut omnia Bucerus, sed non satis graviter meo quidem iuditio, quod dixit ipsos plus concessisse quam nos, quasi vero oporteat de vero concedere propter alterius importunitatem aut quasi illis hominibus etiam plurima concessisse satis sit, nisi penitus eis subscribas atque pedibus in ipsorum sententiam descendas. Sed cur perpetuo meas nugas illis litteris illinio, quin potius eam epistolam, qua Philipus Bucerum in illam futurae concordiae spem erexit, subiungam? 23 «Philipus Bucero s. d. Quod scribis annitendum esse, ut inter nos fiat concordia, profecto nuper ea de re cum nostro principe 24 collocuti sumus. Sed expecto landgravium brevi, ut spero, ad nos venturum 25 . Et ut non venerit, scribam ei meas quasdam cogitationes 26 , quas tecum aliquando communicabo. Profecto enim nihil magis opto rerum omnium, quam ut illud ingens scandalum dissensionis inter nos aliquando auferatur, quod quantum impediat evangelii cursum, non ignoras. Vides me greek greek greek 27 . Sed spero ceteros etiam futuros mitiores. Christus respiciat ecclesiam et restituat sanctam et piam nobis concordiam!» Haec habui, vir sincerissime, quae in praesentia ad te litteris mandarem. Verum quod adhuc archanius habeo ac magis quam Eleusina sacra 28 celandum, etiam in tuum sinum effundam, quo tu vestris rebus melius consulere
et prospicere possis. Id mihi nuper praeter praedicatorem nostrum 29 etiam primae nobilitatis civis 30 non citra dolorem in aurem insusurravit, hac tamen conditione, ne cuiquam nec scriptis nec verbis communicem, nisi quos sciam fideliter continere et qui rebus aliquo modo consulere possint. Illud autem tale est, quod Buflerus 31 magno sumptu atque miris artibus alicunde comparavit noviter icti inter Ferdinandum et ducem Wirte[nbergensem] foederis titulos 32 , in quibus praeter alia, quae mihi non narravit, hoc quoque inest: «Eß selle auch der hertzog von Wirtenberg alle, sy syind geistlich oder weltlich, mit krieg unangefochten lon 33 und sy by ierem glouben und wesen bliben lon, ouch den sacramentierern und widerteufferen selle er in sinem furstenthum weder schutz noch schirm gen 34 den kunikliche majestat , welle gegen inen offne hand haben 35 .» Quae si ita, ut retulit - ac minime dubito, vera sunt -, non mirum est nunc ad Saxonicam confessionem illum ducatum reformari 36 . Quod tamen vehementer dolendum est omnibus, cum Zwinglius noster totam fere b Lutheri confessionem in elenxo quodam, cui titulum indidit: «Daß dise wort, diß ist min c lib etc.» 37 , refellat ac non minore labore impugnanda sit quam papismus 38 . Deinde, quos nuncupent «sacramentierer» et unde illa excogitata verba proficiscantur, facile subolebit ei, qui scit Saxoniae ducem inter illos pacis arbitros non fuisse postremum 39 . Vale ac, quid tu de illo praesenti rerum statu sentias aut comperti habeas, mihi litteris significes, ut si Plaurerus bene egerit et Zwinglius etiam illud prius concesserit ac rerum aliarum quoque omnium status bene habeat, desinam solicitus esse, si minus, me frustra macerem, cum emendare non possim.
Salutabis meis verbis Pellicanum, virum integerrimum meumque compatrem optimum, Heinricum Utingerum, singularem omnium studiosorum patronum, Theodorum 40 , magnum nostri colegii ornamentum, et, si tibi audeo plus imponere, Leonem 41 quoque, virum, quantusquantus est, divinum atque doctum. Tuam quoque familiam vehementer salvam cupio. Ysni, 29. augusti d . Benedictus Euander. [Adresse auf f. 280v.:] Pietate ac eruditione conspicuo viro d. Heimricho Bulingero, Tigurino evangelistae primario, domino suo colendissimo. [431]Dietrich Bitter an Bullinger Köln, 30. August 1534 Autograph: Zürich StA, E II 361, 102 (Siegelspur) Gedruckt: Krafft 117-119 Hat nach Ostern Johann Wilden einen Brief an Bullinger mitgegeben [oben Nr. 384]. Wiederholt das Versprechen zu schreiben, auch wenn er nichts zu berichten hat. Nachrichten über die Belagerung der Stadt Münster durch den Bischof und über den trotzigen Widerstand der Einwohner. Die Soester werden auch «Sakramentierer» genannt, aber nach Bitters Meinung könnten sie noch gerettet werden. Bittet um die Zusendung von Vadians Epitome und um Nachrichten aus Zürich. In der Frage des Altarsakraments soll sich Bullinger nicht zu sehr auf sich selbst verlassen und die von Erasmus empfohlenen Werke von Alger und Guitmund lesen. Grüße. Mein fruntwilliger dienst, was ich dyr zu gutem gefallen liebs und guytz vermach 1 , altzeit zovorn, fruntlicher lieber Henrice. Wiß, das ich sampt denn frunden, dem heren sie lob, in zemlicher gesuntheit und wolfart bin, wuchs mich altzeit erfrewte von dyr zo erfaren, auch deyner geliebten haußfrauwen 2 und kindern. Ich habe nit lang nach oestern brieb 3 an dich geben mit meinem gutem gunner Johan Wilden 4 , harneschmecher, burgern zo Colln. Weiß neit, ab sie dyr behandigt 5 . Dairinnen (hab ich recht enthalden 6 ) under andern gebetten ist, du mein versuemnuß, etlich mael im widderschrieben gescheit 7 , neit in arichwain 8 stellest, und dairneben verheischen 9 : Habe ich wol sonders neit zo schrieben, will, ehe
ich ungeschrieben ließ, alleyn das wortlyn vale schrieben. Der meynong bin ich ouch noch. Habe darum diß brieblyn zogericht, wiewol ich sunderlich neit zu schryben wist. Dan der Munstersche handel, will ich achten, sey bey euch genochsam ußgebreittet. Nu das sey oder nit, wisse, das der widderteuffer rott binnen 10 Munster geweldig worden ist 11 durch eynen genant Stuten Bernt 12 . Haben darum ir wesen (wie dyr wail 13 bewust) uffrichten willen, ghein oberkeit dulden, alle guetter gemeyn haben, widderteuffen, ehescheiden etc. So fern das die dhoemhern und vort 14 andere burger, umbtrint 15 (als man sagt) sechshondert, entwychen mosten 16 und umb hulff iren bisschoff 17 ersoichen, der dan sulchs zo hertzen gefast und eyne 18 mit mehr fursten, nemlich dem bisschoff von Coln 19 und hertzogen von Gulich 20 persoenlich und des hertzogen von Gellers 21 und bisschoffs von Luytg 22 und Trier 23 geschickten zoldnern die stat an vunff orthern beschantzt 24 , voir palmen 25 heer biß uff heutigen tag, in meynong, sie ab irem boesen, gifftigen voirnemen zo wenden sonder 26 groeß bloetvergiessen und der stat zerstuerung. Nachdem aber solchs neit gedeyen mach, want 27 id 28 sien binnen Munster eyn trotzige, dorffige 29 versamlung, die dickwiel 30 sich auß der stat in die leger geben und vill schadens gedain 31 , so sien die fursten ernster meynong, sulchen stat mit den ghenen dairinne sien 32 gantz zo verdiligen 33 . Und ist itzt so vern komen, das man eyne portz 34 voir der ander nit mehe kent. Und willen sie, spricht man, yrstes tags stormen 35 . Wie es faren werde, weiß got. Ich versehen mich 36 , sie 37 moegens neit enthalden 38 , want vill honde der hasen thoet, haben auch gar keyn entsetzt 39 .
Das arm volck ist jemerlich under dem schyn des evangelii verfoirt. Schryen und roeffen ummerdair 40 umb underrichtung auß der gschrifft, und sunst gheins weegs von irem handel abezowychen. Diß ist zom kortzten von Munster. Wie es sich begeben wirt, will ich zom negsten nit bergen. Den von Soist 41 wick 42 man neit vill guytz und nent sie sacramentarios. Ich halde doch wol, man werde sie neit lichtlich angryffen, want synt mit mehe stetten im bundt; moegen geredet werden. Haben sich selbs auch nit saumt, will got anders mit innen sien etc. Ich dancken dyr, lieber Henrice, alles guytz und diener boicher, damit du mich eherest. Weiß nit, wie ichs vergelten soll, und bidden zom andern, nitt hinderlaeß 43 das compendium Vadiani in acta apostolorum 44 verordent 45 nach diener verheischung. Auch beger ich zo wissen die handelung 46 deins vatterlands. Noch bitt ich: Stant neit zo hart uff dyr selbs 47 , und liß doch Alvarum 48 und Guimundurn 49 vom Sacrament des altairs. Dan Erasmus scribt [!], er habe nit sonder frucht dusse gelesen 50 . Ich aber habe sie neit gesehen, halte, sie sigen woll zo bekommen. Myr sien jonck 51 , mogen verfoirt werden. Nimbs voir goet, dan ich gunnen dyr glych myr selbs. Hymit dem hern befoln, und groetz myr dyn hueßfraw 52 , dynen broeder 53 und andere frunde tausentfalt. Datum zo Coln, am 30. tag augusti anno 34. Diderich Bitter von Wipperfoird, dien gunstiger freundt.
[Adresse auf der Rückseite:] Dem eirsamen und wolgleirten Meister Henrich Bullinger, meinem gunstigen guten freund zo handen. Gen Zürich. [432]Erasmus Ritter an Bullinger Schaffhausen, 2. September 1534 Autograph: Zürich StA, E II 362, 30 (Siegelspur) Ungedruckt Schickt Bullinger die Abschrift eines Schreibens von [Ambrosius]Blarer an Benedikt Burgauer, das den Wortlaut der im Beisein des Herzogs [Ulrich von Württemberg]zustande gekommenen Einigungsformel enthält. Bittet um Bullingers Meinung darüber. Gracia et pax a deo per Iesum Christum. Mitto ad te exemplar, quod optima fide ab epistola manu Blaureri scripta excerpsi, quam hiis diebus ad Benedictum Burgoverum dedit 1 , ex qua sentenciam suam de cena dominica 2 , quam coram principe 3 fassus est, liquido ac certissime cognoscere potes, deinde etiam, quid te ceterosque deceat, veritati scilicet periclitanti humeros supponere. Vale et animum tuum super hac re michi indicato 4 , oro. Ex Scaphusia, 2. septembris 1534. Erasmus Ritter, ex animo tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Et pio et docto M. Heinrichio Bullingero apud Tigurum Christi evangelium adnunctianti, fratri observando.
[433]Bullinger an Ulrich von Württemberg Zürich, 4. September 1534 Autographes Konzept: Zürich StA, E II 338, 1370r.-1371v. Gedruckt: Kammerer 23f Hat vor zwei Monaten eine Ermahnung an Herzog Ulrich geschickt [Nr. 407], die ihm nicht übergeben werden konnte, weshalb er sie ihm nochmals zusendet. Die Gegner der Wahrheit freuen sich darüber, daß die «Sakramentierer», womit die Anhänger der von Zwingli und Oekolampad vertretenen Abendmahlsauffassung gemeint sind, vom [Kaadener] Frieden ausgeschlossen sind, da deren Lehre im Reich nicht geduldet wird. Bullinger bedauert das, erhofft aber von Ulrich Besseres, um so mehr als Ambrosius Blarer berufen wurde, der dasselbe wie die Zürcher lehrt, und rechtfertigt deren Abendmahlsverständnis, indem er es in den Grundzügen zusammenfaßt. Bittet Ulrich, an der Wahrheit festzuhalten, und bietet seine Hilfe an. Wiewol a ich berycht und eygentlich weyß, daß u[wer] f[ürstliche]g[naden] mines vermanens nitt notwendig, noch denocht hab ich guter vertruwter meynung vor zweyen monaten ein vermanung an u. f. g. geschryben 1 , die ouch überschickt, wiewol sy u. f. g. nitt überantwurt b , wie ich gehofft, one zwyfel uß gheiner untruw, sunder daß es sich vilicht sust nitt hatt, gschefften c und krieglicher unruwen halben, fügen wöllen 2 . Dieselben überschick ich nochmalens und bitt, u. f. g. wölle sy willicklich vernemmen. Dann was geneygten, underdienstigen 3 und getruwen willens zu u. f. g. wir, die das euangelion Jesu Christi predgend inn den stetten der Eydg[noßschaft] tragind, mitt was ernst wir ouch mittsampt unsern gemeynden für u. f. g. heyl, syg und wolfart zu gott geschruwen, was d fröuden wir ab u. f. g. syg 4 enpfangen , weist 5 , dem alle hertzen offen stond. Nun, so gott sin gnad und e barmhertzigheyt rychlich mitt u. f. g. geteylt, ||1370v. sind wir für und für in sorgen, daß nitt ettwan unser hoffnung 6 betrüpt werde, me durch der mißgönner 7 lyst 8 dann durch u. f. g. wüssen oder willen. Es wirt mitt besondern fröuden vonn den mißgünstigen der warheyt gerümpt, wie die sacramentierer
das sacrament essend, aber nitt das, so durch das sacrament bedütet und fürgetragen wirt 20 . Gnedigster fürst und herr, ich bitt u. f. g. umb gottes willen, sy wölle diß min schryben gnedencklich uffnemmen, bedencken und ze hertzen fassen, trüwlich ob der warheyt hallten u 21 , damitt dem rächten und waaren herfür geholffen, die nienen 22 verduncklet, warer gottesdienst gepflanzt, rächte und nütze studia gefürdert und aller superstition geweert werde. Wo sich noch bißhar die warheyt herfür v gethon un ||1371v. iro nitt stattlich, dappferlich w mitt grossem ernst nachkummen, hatt sy sich widerumb verloren mitt grossem schaden dero, die sy nitt ernstlich, volkommen, und wie es hört 23 , annamend. Gott wölle u. f. g in sinem willen, ze sinen eern und ze heyl der christenen gmeind trüwlich erhallten, daß sy x glich den frommen fürsten David, Ezechia, Josaphat und Josia handlend eewigs heyl und lob erlange. Was ich y aber darzu mitt z getrüwen diensten helffen, deßglych mitt leeren und schryben, ouch ernstlichem aa bitten zu gott, nützen bb möchte cc , will dd ich (weiß ouch, daß alle andere diener des worts by unß des früntlichen embietens 24 sind) ee alle zyt bereydt sin. Bittend, u. f. g. wölle unß befolhen haben umb der warheyt und deß herren Jesu willen, deß unwirdige, doch berüffte diener wir sind. Datum Zürych, deß 4. septemb[ers] 1534. [434]Hans Vogler an Bullinger St. Gallen, 6. September 1534 Autograph: Zürich StA, E II 351, 160 (Siegelspur) Ungedruckt Wegen des [Bade-]Geschenks Herzog Ulrichs von Württemberg für Bürgermeister Röist wird Vadian brieflich an Georg von Hewen in Tuttlingen gelangen. Vogler und seine Frau sind dankbar für Bullingers und anderer Bemühungen in der Zürichbergsache; er bittet um Fürsprache bei Bürgermeister Röist. Grüße an Kaspar [Nasal]und den Goldschmied. Es geht das Gerücht, Ambrosius [Blarer]hätte widerrufen.
Grüße an Bullingers Frau. Peter Weber hat vor des Abtes Rat die Interessen der Gemeinden, die ihren reformierten Pfarrer noch ein Jahr lang behalten möchten, vertreten; er ließ nichts über die Verhandlungen verlauten, war aber sehr zuversichtlich. Gott mitthayly 1 unns sin gnad unnd stercky. Amen. Min herr und günner, von wegen mines herrn Rösten 2 , der schencky halb hertzog Ulrichs 3 etc., hat min her Vadian mitt mir trüwlich geendett 4 und ainen burger 5 uff hütt zu her Jörgen von Hewen 6 gen Thuttlingen den nächsten 7 geschicktt, mitt ernstlichem vertruwtem befelch verhoffter erschiessung 8 etc. etc. Disser ist dem von Hewen bekant. Hat mich och ainen brieff 9 , im von dem von Hewen der tag 10 zugschriben, lessen lassen: under anderm, das er zway thier 11 gefangen, daß er jagtt der hoffnung, bald mer gfangen haben. Der bott fart 12 och dahin, ob der von Hewen sich gwaltz
underston 13 , so es villecht zu lang gen Stutgarten 14 , oder gen Stutgarten langen lassen etc. Demnach hab ich miner husfrowen 15 anzaigt üwer trüw 16 , sampt andrer 17 , Zürychbergs halb 18 . So es der will gottes wär, begerte sy dess, guter hoffnig, m[in] g[nädig] h[erren] wurdend wib und kind ansechen 19 . Und wiewol ich wais, wie ir gsinett, nüt zu sparen 20 , so pittend wir uch doch, min hernn Rösten dannocht och zu erinnern, daß wir von dem unsernn 21 , um das unser 22 und us dem vatterland triben 23 . Ob uns gott wol och billichen straft um beschuldung 24 , so ist doch, gott syg lob, sin wortt und das, so air 25 statt Zürich anghang 26 und ghais 27 , die höchsten ursachen; hoff billich 28 angsechen 29 werden. Ir wissend, was not 30 ist dar zu thun. Daby lass ichs bliben. Beger das ewig zu verdienen 31 . Gott syg üwer lon. Pitt üch, mir minen hern maister Kaspar 32 und den goldschmid 33 zuo grüssen. Es ist vyl gschray 34 als ob Maister , Ambrosy 35 widerrüft. Grützend uns uwer husfrowen 36 . Actum S. Gallen, sontag 6. tag settember, anno 34 jar. Ü[wer]williger armer Hans Vogler, jetz zuo Sant Gallen. Petter Weber ist vor dess apts 37 rat gsin. Was mit im grett ist, sagt er nitt etc. Doch ist er frölich 38 . Item der aptt durch den hoptman 39 hat an sy begert; begert, soverr sy nach dem jar in mit den predicanten rüwig lon 40 oder nit mer nache loffen, well er inen das jar zulassen 41 . Also bringent sy das an gmaind 42 ; doch acht 43 ich nain.
[Adresse auf der Rückseite:] An min sonders günstigen hernn und fründtt M. Hainrich Bulligern, prediger m[iner] g[nädigen] h[erren] zu Zürych. [435]Johannes Zwick an Bullinger und Konrad Pellikan Konstanz, 9. September 1534 Autograph: Zürich StA, E II 346, 3f und 9f (Siegelspur) Teildrucke: Blarer BW I 539, Anm. 1; Oekolampad BA II 699 (XIV), S. 380: zusammenfassende und erläuternde Teilübersetzung: Köhler, ZL II 342 [Verteidigt die] zu philosophische [Württemberger Konkordie] mit Gottes Innewohnen in Christo und den biblischen [Anthropomorphismen] über Gott. Von Christi Gegenwart im Abendmahl ist nur das «Wie» umstritten. Zwingli übernahm, wie Oekolampad, Bucer, Philipp [Melanchthon]und Luther, die [Marburger]Formel für sich, aber nicht für die [Zürcher]Kirche. Blarer glaubte daher zu Recht, damit Schnepf überwinden zu können. Entgegen Pellikans Befürchtung gab Blarer nicht zu, daß das Brot stofflich Christi Leib sei. Auch Luther behauptet dies nicht, sodaß Blarer nicht von den Lutheranern übertölpelt worden ist. Blarer berichtet vom Aufkeimen der Häresie des Savoyers [Claude d'Aliod]und wünscht Bullingers Orientierung über die Konkordie und die [Verpflichtung]der Württemberger Pfarrer auf das Augsburgische Bekenntnis. Zwick schickt Bullingers Schriften gegen die Häretiker zurück. Schreibrohre fürs Hebräische herzustellen, wie Jud wünschte, gelang Zwick noch nicht. Pellikan soll Werner [Steiner]grüßen, und dieser soll ihm nicht die Schuld an Möttelis Taten anlasten. Grüße. Ist bereit, Pellikan in St Gallen zu treffen Bullingero et Pellicano Johannes Zvick. Salutem. Et nos optaremus sententiam de sacramento minus philosophicam 1 , sed quid facias? An non praeferenda est ecclesiarum aedificatio verbosis istis contentionibus - quanquam non adeo philosophica sit sententia, quin cum veritate dici queat, corpus Christi praesens esse in caena substantialiter, essentialiter, adde etiam corporaliter, modo statim addas, quo de corpore sentias, nempe non palpabili aut locali. An non deus corporaliter habitat in Christo 2 , cum tamen deus non sit corpus 3 ? Tribuit scriptura 4 deo os 5 , palpebras 6 , nasum 7 , aures 8 , imo non humani solum corporis membra, sed etiam volatilium: Sub umbra alarum ut protegat 9 , precamur, et tamen est spiritus deus 10 quantusquantus est. Nonne sic quoque dici potest: Ubi duo aut tres congregati fuerint in nomine Christi, ille est in medio illorum 11 substantialiter et essentialiter, sed non localiter, nec quantus aut qualis est. An non satis exprimunt
posteriora haec verba, quam praesentiam Christi adstruam? Iam si quaeratur, corpus Christi an vere sit in caena 12 , omnes respondebunt sic esse. Qua vero de re contenditur? Scilicet de modo, et qua forma a adsit. Nunc si dicam adesse substantialiter corpus Christi in caena nullis praescriptis limitibus, fieri posset, ut suspicareris de carnea quadam corporis praesentia dictum. Hoc ne suspiceris, modum praesentiae praescribo, que scilicet sit non secundum hoc corpus b , quod est palpabile et locale, vobis c iam relinquens iuditium sensisse me Christum adesse vel in caena vel inter duos aut tres 13 iuxta spiritum. Cur igitur non praescribitur Christi corpus non esse in caena ||4 nisi spiritualiter? Sic quidam. Quaero, cur non Christus quoque dixer[it] d : «Nisi manducaveritis carnem meam» etc. 14 addideritq[ue]e : «spiritualiter» aut in caena panem porrigens f : «Hoc est corpus meum 15 , scilicet spiritualiter» aut tale quidpiam. Hinc Zvinglius quoque hanc sententiam 16 (qua de in praesentia est quaestio) recepit ab Aecolampadio et Bucero 17 , cum audisset eandem a Philippo quoque et Luthero receptam. «At hunc modum loquendi non adferam ecclesiae meae», inquit pie memorie miles, «utcumque sententia mihi non improbetur.» 18 Quacumque ergo ratione sanctissimi illi viri, Zvinglius, Aecolampadius et Bucerus, hanc de eucharistia sententiam concordiae studio g conscripserunt 19 , pari omnino nec alia putavit integerrimus frater Ambrosius 20 et opinionem et affectus Schnepf[ii]h superari posse 21 . Tu vero, Pellicane, scribis 22 displicere tibi sententiam hoc nomine, quod nunquam concessum sit panem substantialiter 23 esse corpu[s] i domini. Sed nec Ambrosius isthuc concessit,
neque ul[la] k est quaestio, sitne corpus Christi panis. Dann d[as]l wer ain recht hültze schürysen 24 . Lutherus quoque non adserit panem esse corpus aut esse sub speciebus panis 25 . Ergo, ut hac de re nichil convertitur, ita nihil quoque illusum est Ambrosio ab impiis Lutheranis, ut tuis 26 verbis utar. Multo minus cyrographo 27 hanc questionem confirmavit, hac scilicet m nunquam inter eos nata. Porro quid nunc agatur in principis 28 ditione, non possum scire. Ex proximis vero literis Ambrosii 29 , quod ad te, Bullingerum, adtinet, sic scribit, imo omnibus nobis scriptum sit: ||9 «Sabaudi 30 haeresis non uno solum loco suppullulat. Utinam Luthe[rani] et Zvingliani compositis suis verbigerationibus coniunctis copiis ad hanc fortiter expugnandam converterentur!» Haec ille. O quam vere hoc optat pius frater, siquidem oculatissimos nos esse oportet, ne imponant nobis humilitatis spem vagabundi isti errones. Semper enim monstri aliquid alit in ecclesia adversarius Christi. Sequentia quoque addit: «Bullingerum quam primum de concordiae nostrae ratione certiorem facies interim et hoc indicans, curatum a principe, ut docturis in ditione sua verbi ministris Saxonicae Confessionis formulam in caenae negotio simpliciter praescribamus 31 . Ea sic habet, corpus et sanguinem Christi vere esse praesentia in caena et distribui vescentibus 32 . Non vult hic 33 ullas moveri turbas nec feret, ut alius alium hoc nomine conviciis insectetur, sed singuli veritatem simplici sua facie contuendam exhibeant.» Vos orate pertinaciter, optimi viri, ut cum multo fructu 34 currat verbum dei 35 . Iuditia de tractandis haereticis remitto 36 . Si reliquam partem de locis divinitatis Christi 37 expectas, fac, sciam. Alioqui manebit apud me.
Calamum haebraicum conor parare, qualem vellet Leo 38 , sed non succedit. Temptabo autem magis ac magis 39 . 10 || Wernherum 40 salutabis mihi, tu Pellicane, quam officiosissime. Hortare tamen interim optimum amicum, ne si quid peccavit Mötelinus 41 me , culpae insimulet, quasi mihi impurae facetiae displiceant, impuriora vero non item. Dolet mihi certe, si quid ab illo, scilicet Mötelino n , gestum est, cuius non potest honestissimam rationem reddere. Ego vero rationem non reddam. In hac enim causa non me habuit authorem neque consultorem. Theodorum 42 , sanctissimum minimeque superciliosum pectus, diutissime nobis incolumen conservet Christus. Valete in Christo cum omnibus familiis vestris, praecipue uxoribus 43 et liberis. Parcite lituris 44 . Audio te, Pellicanum, brevi profecturum Sanctogallum 45 . Ego paratus sum te eo loci convenire, si diem condixeris. Datum Constantiae, 9. septembris 1534. Io. Zvick.
[436]Martin Bucer an Bullinger Straßburg, 10. September [1534] Autograph: Zürich StA, E II 348, 403r.-405r. (Siegelspur) Teildruck: MO II 775f Dankt für Bullingers gelehrte Arbeiten und dessen Warnung vor Claude [d'Aliod], der nach Straßburg gekommen ist. Berichtet über die Einigung zwischen Blarer und Schnepf, den er in Heidelberg schon als Dickkopf kennenlernte, und beurteilt die Konkordienformel positiv. Allerdings entwickelt sich die Reformation in Württemberg doch in die lutherische Richtung. Es wird behauptet, Blarer habe widerrufen. Dieser ist jetzt beim Herzog in Urach. Bucer sendet den Ausschnitt eines Briefes von Philipp [Melanchthon], der an einer Einigung interessiert ist und Bucers Vermittlung billigt. Gegen die Täufer geht man [in Straßburg]jetzt strenger vor. Freut sich auf Bullingers «De testamento». Entschuldigt sich dafür, daß er einen von Bullinger empfohlenen Jüngling nicht angesprochen hat. Myconius war in Straßburg. Grüße. Bedrot ist abwesend. Salve in domino plurimum. Gratias tibi ago imortales, optime Heylryche, de tuis religiosis et doctis lucubrationibus 2 , item de eo, quod monuisti de Claudio 3 illo, qui ad nos venit, ut solent illa monstra omnia. Sed non haerebit. De negocio Schnepfii et Blaureri sic habet: Postquam Schneppfius mira arte innocentissimo principi 4 obtrusus est 5 et neglectum, ut in tempore 3 vocaretur Blaurerus 6 , quo princeps iusserat, qui alias multo ante Schnepfium adfuisset, nos ut etiam antea 7 nihil omisimus, quo averteretur Schnepfii severitas 8 , impetratumque est per Sturmium 9 , ut princeps iusserit nihil amplius exigere, quam ut iuxta confessionem Sax[onicam] doceatur de eucharistia 10 , quae habet «Christi corpus vere in coena adesse et exhiberi vescentibus» 11 . Nullum b ibi essentialiter et substantialiter. Initio autem Schnepfius Blaurerum
ferre collegam noluit nisi de eucharistia consentientem 12 . Ibi princeps misere perplexus. Neutrum enim dimittere voluit multis ex caussis, maxime autem religionis. Schnepfium enim magni facit propter constantiam, quam prae aliis praestitit Augustae 13 . Tum est is facundissimus, sed duri simul capitis. Ita a multis annis eum novi. Aegimus simul Heydelbergae 14 . || 403v. Dum itaque Blaurerus affirmaret nos non esse in ea sententia, quod nihil quam panis et vinum in coena sit, sed nos quoque velle hic adesse Christi corpus, obiiciebat ille: «Sed non verum!» nostro affirmante nos agnoscere ipsum Christum adesse, qui utique verum habeat corpus, sed percipi eum mente. Perceptionem ille omisit, de obiecto ursit, quod recipiatur. Sic ventum eo est, ut Blaurerus, quo ostenderet se agnoscere hic ipsum Christum percipi, sed a mente, verba illa admitteret, quae habetis 15 . Nam «quantitative, qualitative et localiter» omnem excludit perceptionem corporalem. Sunt enim haec obiecta sensuum. «Essentialiter» autem et «substantialiter» soliditatem exprimit veri Christi vere praesentis, sed tantum ab animo percipiendi. Substantia enim et essentia intellectus obiectum est. Sola percipitur mente. Princeps, ubi Schnepfius ista verba recaepit, prae gaudio exilivit et amandato veredario 16 huc scripsit haec Sturmio 17 . Is veredarius intra unum diem et dimidiam noctem a Studtgardia huc - sunt milliaria 15 non parva - pervaenit. Populares ducis inducti a sacrificis, cum non possunt retinere papatum, || 404r. omnes clamant pro Lutherana reformatione, mitiore scilicet papistis. Deinde sunt aliae caussae ingentes carni, ut principem oporteat aliquid deferre Saxonibus. Caverat princeps, ut non pro recantatione alterius partis, sed amicabili concordia et sententiae utriusque partis explicatione id, quod sibi invicem confessi fuerunt, haberetur. Ibi quoque Schnepfius recaepit se voces illas «carnaliter», «corporaliter» non exacturum. Sed interea, ut mos est istis hominibus, per omnem ditionem scripserunt Blaurerum recantasse 18 . Id puto ferendum fuisse, ut Blaurerus haereret in administratione ecclesiarum huius principatus.
Nunc agit apud principem Urachi absente Schnepfio, ubi inotescet principi utrique, ut non dubitem, rem habituram melius. Deinde expectamus Philippum 19 , qui ista ad me nuper scripsit 20 : «Quod scribis annitendum nobis esse, ut inter nos fiat concordia, hoc profecto ago, et nuper ea de re cum nostro principe collocuti sumus. Sed expecto landtgravium brevi, ut spero, ad nos venturum. Et ut non venerit, scribam ei meas quasdam cogitationes, quas tecum aliquando communicabo. ||404v. Profecto enim nihil magis cupio rerum omnium, quam ut illud ingens scandalum dissensionis inter nos aliquando aufferatur, quod quantum impediat evangelii cursum, non ignoras. Vides me greek greek greek Sed spero caeteros etiam futuros mitiores. Christus respiciat ecclesiam suam et restituat sanctam et piam nobis concordiam.» Haec ille. Similia scripsit ad Francum quendam 21 , ad c quem etiam testatus est sibi non displicuisse meam moderationem in hac caussa d 22 . Puto itaque nihil metuendum a sophisticis ullis verbis. A catabaptistis metuendum antehac fuit. Obsolescent, sed nihil ultra sedu[c]tionem simplicium. Nunc caeptum agi in eos saeverius 23 , ut putem omnino rem posthac habituram melius. Librum tuum «De unico et aeterno testamento» 24 libenter videbo - nondum enim allati libri sunt. Necessarium hoc temporis argumentum. Veniam precor, optimum iuvenem illum tuum 25 ne appellavi quidem. Fui his diebus ita districtus negociis, ut ne spirare quidem licuerit, et primum cum respondeo nunc tibi, lego commendationem 26 eius. Myconius etiam his diebus adfuit 27 , quocum tamen paucis horis esse licuit. Posthac talibus, obsecro, des literas, ut ipsi ad me veniant. Poteras vel unicum hoc per eum scribere, ipsum esse illum fabrum, quem ||405r. mihi commendaris. Bene vale. Argentorati, 10. septembris. Commenda me diligentissime Leoni 28 nostro et reliquis symmystis tuis. Salutat te Capito. Bedrotus abest. M. Bucaerus tuus.
[Adresse auf der Rückseite:] Pientissimo et doctissimo Christi servo Heylrycho [B]ullingero e , pastori [Tig]urinorurn f , amico [et] g fratri charissimo. [437]Ambrosius Blarer an Bullinger [Urach] , 11. September 1534 Autograph a : Zürich ZB, Ms Z XI 313.6 (Siegel) Ungedruckt Dankt für Bullingers Besorgtheit. Seine Briefe an die Konstanzer sind auch für die Zürcher gedacht. Übergab persönlich Bullingers Brief an Herzog [Ulrich von Württemberg], der ihn aber geschäftehalber noch nicht lesen konnte. Sah die Abschrift ein und sendet sie zurück. Dankt für «De testamento». Will den Mahnungen betreffend Klöster und Studien nachkommen. Deutsche Messen werden nicht eingeführt, weil auch die Reutlinger als Lutheraner sie nicht kennen. Auch die Bilder dürften später abgeschafft werden. Aber jetzt ist der Herzog noch zu sehr sonst beansprucht. Philipp [Melanchthon] und Osiander sind berufen, ebenso auf sein [Blarers]Drängen Grynaeus. Der Herzog ist gottesfürchtig; am Hof sind es nur wenige. Die Abreise drängt. Grüße. Stimme Leo [Jud], der hart schrieb, mild. Gratiam habeo christianiss[imae]diligentiae et piae sollicitudini tuae 2 clarissime , Bullingere, venerande mihi et charissime frater. Quod nihil scribo, dabis innumeris meis -quibus tamen non enecor - occupationibus. Puto vero vobis etiam scripta, quae Constantien[sibus] meis scribo, quamquam illos etiam semel iam et secundo solum salutavi 3 . Literas tuas 4 ipse reddidi principi 5 , quas plane exporrecta fronte excipere videbatur.
Crediderim nondum legisse. Nam multis distringebatur negociis 6 . Optime de te sentit et loquitur. Copias 7 legi. Vehementer arrident mihi argumenta, nec quicquam est, quod quenquam nisi plane iritabilem offendere queat. Remitto eas per hunc ipsum nuncium 8 . Gratiam habeo pro iis, quae De unico dei testamento 9 misisti. Totum me tibi, idque multis nominibus, devinctum agnosco. Quae de monasteriis et alendis studiis caeterisque prudenter admones 10 , quantum in me erit, summa fide curavero. Missae Germanicae haud instituentur 11 , praesertim cum nec apud Reutlingenses b vicinos, et Lutheranos tamen videantur c 12 . Simulacra d et ipsa, puto, tollentur 13 , tametsi tardius omnia, quod alioqui sit occupatissimus princeps 14 . Vocatus est Philippus 15 , Osiander item Noricus ille 16 me ne suspicante quidem. Adduxi autem principem, ut Grynaeum quoque adscisceret, cui proximis
diebus principis nomine scripsi 17 . Philippus nihil nobis incommodabit. Osiandrum multi putant minime deserturum ampliß[imam] suam conditionem. Vos Christum sedulo perquam[?] praecamini, ut caussam suam ipse diligenter commendatam habeat. Princeps vere dei timens est et huius gloriae studiosus. Verum desidero in aula bonos et dominum quaerentes viros. Vix enim est unus aut alter 18 . Sed urget profectio 19 . Tu bene vale, observande mi et opt[ime] frater. Saluta castiss[imam] uxorem 20 tuam cum omnibus fratribus. Leonem 21 , qui duram ad me epistolam dedit 22 , fac mitiges 23 . Neque enim hic ego in culpam vocandus, qui quod potui, praestiti 24 . Non videbatur prorsus deserenda mihi caussa propter istas spinas. Iterum vale, utque Ambrosius sim, quem esse sane iubes, tuis mihi e praecibus impetra. 11. septembris 1534. T. Ambrosius Blaurerus. [Adresse auf der Rückseite:] Clariss[imo] viro d. Heylreicho[!] Bullingero, Tiguricen[sis] episcopo observando et chariss[imo] fratri. [438]Felix Schmid an Erasmus Schmid bzw. Bullinger [Stein am Rhein?], 13. September 1534 Autograph: Zürich StA, E II 335, 2009 (Siegelspur) Ungedruckt Hat einen Brief von der Zürcher Obrigkeit erhalten, in welchem er aufgefordert wird, sofort vor dem Rat in Zürich zu erscheinen. Da dies für ihn bei währender Weinernte schwierig ist und er den Grund für die Aufforderung nicht kennt, bittet er, der Sache nachzugehen und einen Aufschub zu erwirken. Falls Erasmus Schmid nicht zu Hause ist, soll sich Bullinger in diesem Sinn der Angelegenheit annehmen.
Bruderliche truw und alles gutz bevor, lieber b[ruder], M. Erasmus. Wüssend unser aller gesunthait, gott hab lob. Semlichs von uich allen uns zu hörenn, besunder jetzzumal von der schwöster 2 , were uns sunders grosse fröd etc. Demnach, lieber bruder, uff hüt sampstag 3 nach mittag umm die 3 kumpt mir diser brieff (so ich uich hiemit schick) von minen heren und obern von Zürich 4 . Bringt mir Crista Wangner 5 und sagt, der Hans Asper 6 habe im den geben zu Zürich, er sölle in mir geben etc. Befrömbt mich semlich schriben grässlich und kan nit erdencken, was ich doch vor minen heren so ilenz ze schaffen hab. Mag 7 nit wüssen, obs ain arge oder gutte mainung 8 hat, jetz in der grossen unruw; dan es uff mitwuch in allem herpst 9 by uns würt sin, und hab niemans, der mir min ding versech 10 , dan es genaw 11 zu wil gon. Und hab ich eben vil dem gemainen man usshy gebaitet 12 , und well gott, daß ich ettwas schaff, so ich selbs dahaim bin; wil verschwigen, so ich nit dahaim wer. Wie es dan wetty gon, mag jettlicher gedencken. Dan vast wenig win würt. Zudem so kan und waiß ich kain ross anzekumen 13 ; ursach 14 jederman ist in aller unruw im herpst und im seget 15 und ist , grössere unruw nit durchs ganz jar dan jetz mit den rossen. So kan ich zu fuss nit gon, ursach min schenckel und knüw, wie ier wol wüssend. Und were min mainung (uff üwer verbesserung 16 ) ier hettid still der sach nachgefragt, ettwa by aim vertruwten ratsfründ, ob ier ursach mines beschribens 17 und erforderens 18 möchtid erfaren, was mainung und gestalt 19 semlich beschriben beschehe etc., wie ier dan baß kündend 20 weder , ich uich schriben könd. Darnach ier dan erfürid, guz oder böß, darnach tätid ier witter. Dan mir semlich beschriben schwär und zum tail groß 21 ist, und kan nit ersinnen noch erdencken, was sy doch mög bedütten. Dan ich nützid waiß vor minen heren ze schaffid z hend 22 , das semlich schriben und erforderen erhösche 23 . Darumb, lieber bruder, thund das best und kerend fliss an. Und dunckte mich, ob ier uich schon gegen aim vertruwten oder zwayen liessid mercken,
oder gegen dem burgermaister 24 selbs (so iers ratten wettid 25 ), mine heren und obern hettid mich beschriben, uff nächst mitwuch vor inen ze erschinen. Nun were mir semlichs schwär, ursach der unruw oben erzelt, und hette uich uff semlichs geschriben, im besten die sachen ze erfaren, ob der tag 26 nit uffgeschoben möchte werden ain tag 8 oder 12 27 , und der herpst verruschete 28 , were mir sunderlich ain grosser dienst. Wo es aber je nit anderst künd 29 und möchte sin, so künd ich erkennen und ermessen, daß ich minen heren und obern gehorsam sölle sin, und billich, und söll und müsse erschinen. Es kumme mir dan als übel als es wölle, so müß und söl ich gehorsam sin etc. Semliche mainung verstond ier oder Maister Hainrich vast 30 wol, mir darin das best ratten und helffen und sorgen, so ich doch jetzzumal 31 hinin söll oder müß, daß ich kain ross künd oder mög ankumen etc. Begär uff das üwer rat und verschriben 32 antwurt by zöger 33 , sampt der messif 34 . Und wie ich üwer hilff und rat begär, also, so ier nit anhaimsch 35 werid, begär ich glicher gestalt uff das allerhöchst von Maister Hainrich Bullinger. Hiemit sind gott alle befolhen. Datum in il, uff 13. tag septembrii 34. Felix Schmid. [Adresse auf der Rückseite:] Dem würdigen und gelerten hern Maister Erasmo Schmid, chorhern zu Zürich, minem lieben bruder, und in sinem abwesen dem wolgelerten hern Maister Hainrichen Bullingern, predicanten zum münster zu Zürich, minem günstigen heren. [439]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 14. September 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 29 (Siegelspur) Ungedruckt Bern vermittelt zwischen dem Herzog von Savoyen und Genf einige wenige im Rat befürworten freilich den Krieg. Von der Verhandlung in der Angelegenheit Solothurn weiß Haller noch nichts. [Ambrosius] Blarers Bekenntnis [die württembergische Abendmahlskonkordie]löste angeblich bei den Papisten Freude aus. Haller wurde wegen dieser Sache von Erasmus [Ritter]ermahnt, die gefährdete Wahrheit gemeinsam hochzuhalten. Haller antwortete ihm, daß er sich keiner Gefahr seitens der «Konfession» Blarers bewußt sei, wenn man sie nur richtig auslege; er wies zugleich auf Bullingers Kommentar zu 1 Kor 11 hin. Wann erscheint Bullingers Kommentar zum 2. Korintherbrief? Haller will nämlich die beiden Bände zusammenbinden lassen. Die Zürcher Tagsatzungsboten sollen recht standhaft gewesen sein.
S. Gebennensium res sic se habent, ut senatus noster totum se pro componendo duce 1 et hace civitate interponat 2 . Paucissimi sunt, qui bella volunt, sunt tamen etiam ex cordatioribus. Nescio, quis eos sic fascinet. In causa Salodurensium 3 quid actum sit his comitiis 4 , a te aliquando audiam. Nam ego de iis nihil scio. Quod ad Blaureri confessionem 5 attinet, audio papistas mire per omnem Helvetiam triumphare et illius palinodiam hac confessione factam iactare. Deinde scripsit ad me Erasmus Schaffhusanus 6 , quem ni fallar, et ipsum quoque offendi suspicari cogor, quod me admoneat, quatenus nos, qui in Helvetiis uno ore Christum docemus, in hac imminente veritatis ruina conveniremus supposituri humeros 7 , ne veritas magis ac magis periclitetur. Respondi 8 illi me periculum nullum adhuc videre, ubi pie et factum et confessionem Blaureri interpretemur. Remisi hominem ad ea, quae tu in 1. Cor. 11. divulgasti 9 . Ad caetera forte aliis occupatus nihil respondisti. Ich welte gern dine annotationes in beed epistlen ad Corinthios 10 zemmen binden; so acht du uff die nächsten ostermesß 11 weltist lassen usßgon, bitten ich dich, wellist mich das lassen wissen. Du kumpst minen nitt ab 12 diewil ich läb. , Audio legatos tuos constanter suo officio functos 13 . Vale, charissime Henrice a , et me commendato utere pro voto. 14. septembris anno 34. Tuus B. H. [Adresse auf der Rückseite:] Heinrico Bullingero, ecclesiastae Tigurino, fratri suo charissimo.
[440]Andreas Karlstadt an Bullinger Basel, 15. September 1534 Autograph: Zürich StA, E II 336, 22a (Siegelspur) Gedruckt: Barge II 599f Freut sich über Bullingers glückliche Heimkehr von der Badekur. Berichtet auf Wunsch Bullingers über seine Tätigkeit in Basel: Er hält Vorlesungen [an der Universität] bei sehr unterschiedlicher Zuhörerschaft über das Deuteronomium, wobei ihm die hebräische Aussprache noch etwas Schwierigkeiten macht, predigt jede dritte Woche, und unterrichtet auf Geheiß des Myconius die Pfarrerschaft über die Dialektik und Rhetorik des Aristoteles, ergänzt durch praktische Übungsarbeiten der Teilnehmer; unter diesen auch Markus Bertschi. Karlstadt hofft auf gute Ergebnisse. Er besucht die Vorlesungen von Simon Grynäus und Alban [Thorer]. Grynäus wird für kurze Zeit nach Württemberg ausgeliehen werden. Grüße. Graciam a deo patre domini nostri Iesu Christi. Amen. Congratulor tibi sanum ex thermis reditum 1 cupioque vos omnes salubrem beatamque semper vitam degere. Quandoquidem studiorum meorum rationem ac cursum inquiris 2 obsequor 3 : Hebraica et lego et interpretor, nempe Deuteronomium Moseos. Interpretatio qualis sit, aliorum esto decernere. Quod ad pronunciationem attinet, certe non possum non fateri me nondum esse satis instructum. Nec quaeror, quod rabinorum super pronunciatione sentencias non praesto. Quis enim posset, quum saepissime dissenciant diametro, id est contradictorie? Sed vellem mihi celeriorem linguam ac paratiorem esse. Caeterum auditorium habeo satis silens, sed mirabiliter varium, fierique nequit, quin alios negligam, dum aliis opitulari conor. Myconii absentis vicem pro mea virili gessi, qui nunc, deo laus, rediit incolumis 4 . Posthac meam obibo Deutero[nomium] a alternis hebdomadis praelecturus, cuius cap. 5 hactenus absolvi. Terciam hebdomadam concionandum est etc. Extra ordinem Myconio meo praecipiente et rogantibus concionatoribus aliquot dialectica Trapezuncii 5 enarrare orsus
sum Aristotelica ab illo omissa, dum per ocium licet, admiscens, qualia sunt, quae de uno multoque 6 , de composito et simplici pronunciato 7 Aris[toteles] scripsit. Finivimus enunciationis tractatulum 8 . Iam quisque auditorum exempla e bibliis profert. Huiusmodi namque exemplis exposui omnia. D. Marcus 9 pulchrum proloquium compositum, sed unum, protulit. Deinde singuli singula vel ex materia, quam praedicant, vel aliunde depromsere. Nunc iam praedicabilium praedicamentorumque b usum adnitimur reddere ad frugem longe meliorem scholasticis perducturi, nisi nobis imponamus ipsi. Hinc facile colliges, quo simus inter nos vincubo iuncti, potesque cernere pene operas, quas elocavi. Sed et audio alios. Equidem auditor sum Grynei in libro Pen hermenias 10 . Audio D. Albanum 11 , qui Dioscoridem 12 graece interpretatur. Habes iam opinor, ad molestiam, quid agam. Gryneus vocatus accomodabitur, ut sic dicam, principi Wirtembergensi ad tempus non ita longum 13 . Vale feliciter. Saluta coniugem 14 , matrem 15 , dominos meos H[einricum]
Uttingerum, Theodorum 16 praecep[torem], Leo[nem]17 , Pelli[canum], Nüsselerum et [Hein]richum Golde c 18 . Basilee, die 15. septembris anno 34. Tuus Carostadius. [Adresse auf der Rückseite:] Eximio eruditissimoque viro d. Heinricho Bullingero, episcopo Tigurino, suo maiori. [441]Dionysius Melander an Bullinger Frankfurt am Main, 17. September 1534 Autograph: Zürich StA, E II 356a, 932f (Siegelspur) Ungedruckt Bullingers Kommentar zum 1. Korintherbrief hat ihn befriedigt. Mit Gottes Hilfe möge Bullinger auch den Kommentar zum 2. Korintherbrief vollenden und seine Arbeit mit weiteren Schriften fortsetzen, die man sehnlich erwartet. Gegenseitige Ermunterung ist nützlich. Melander fürchtet die Rücksichtslosigkeit der Lutheraner. In Augsburg ist die Reformation eingeführt worden. Melander wollte sich bei Bullinger mit einem Geschenk bedanken, doch Christoph [Froschauer]weigerte sich, dieses mitzunehmen. Grüße. Gratiam et pacem a deo per Christum. Dono dei opt[imi]max[imi] et mihi et piis ac studiosis omnibus satisfecisti, Bullingere doctissime, tua eruditissima in Corinthios interpretatione 1 . Orabimus communibus votis dominum, ut et alteram 2 ac reliqua, quae polliceris ad ecclesiae profectum, Christi spiritu foeliciter possis absolvere. Nam ut tua scripta ab eruditis probantur, ita, quae meditaris, avidissime expectantur. Perge igitur fortiter. Christus, cui inservis, olim tuos compensabit labores. Sed quid ultro currentem hortor? Minime dubito te, quod facis, perpetuo facturum. Tamen non inutile iudico, ut mutuis litteris nos a inhortemur, quo noster in opere domini grandescat fervor et in adflictione reviviscat animus. Sathanae enim regnum, optime frater, ut nosti, haud debellatum est. Quare aliquot laborum nostrorum conatus adhuc adiiciendi sunt tantisper, dum is inplumis abire cogatur, qui nos hactenus insectatus est. Dominus det ecclesiae suae pacem et stabilem in cognita veritate cursum. Timeo Lutheranorum praefractam improbitatem. Volunt esse fidei nostrae dominatores 3 .
Querunt sibi a principibus huius mundi securitatem, etiam si sit cum aliorum omnimoda internitie b . Sed bene habet. Est deus in caelis, qui providus omnia curat. Nolint velint omnes adversarii, nihil aliud tandem futurum est, quam quod divino iudicio infallibili certissima rerum dispositio olim mortalium oculis expositura est. Curemus interea voluntatem domini. Quaeramus intrepidi ac indefessi unum Christi regnum, certi divinam veritatis virtutem nihil non exuperaturam. Augustani tandem, gratia sit Christo, nacti sunt vel aliquousque divinam aspirationem rerumque meliorum fulgorem per uniformium contionum redditionem atque privatarum sacrarum aedium occlusionem 4 . Poterant omnia in universum e medio tolli, quae boni quique sublata vellent, nisi antesignanorum fuisset nimium contabunda timiditas. Iuditium, quod vocant, camerae imperialis in nos propter papismum abolitum strenue tentare omnia pergit, quo denuo ad restitutionem res veniant. || 933 In hoc adpellatur caesar, invocantur principes, minatur urbi privilegiorum amissio 5 : Summa, hostis malus neque hodie vires exerere desinit suas. Proinde sola constantia opus est, sine qua omnis virtus inanis et evanida erit. Te igitur et tuos in domino hortor, ut ecclesiae vestrae precationibus dei patris praesentiam iuxta eius pollicitum nobis impetretis. Caeterum volui xeniolo aliquo animi gratitudinem erga te aut uxorem tuam 6 declarare. Sed modis omnibus ad te perferre Christophorus 7 recusavit. Tu igitur, si quid a me cupis fieri, audenter impera et me obsequentissimum habebis. lis igitur, optime et dilectissime Bullingere, vale perbelle in domino cum domo tua tota et fratres et symmystas tuos omnes, nominatim autem venerandum Pellicanum ac eruditissimum Bibliandrum meo nomine officiosissime salutato. Dominus adsit vestro ministerio spiritu suo sancto. Orate pro nobis et ecclesia nostra, id quod et pro vobis saedulo facimus. Francofordiae, 17. septembris anno salutis 1534. Tuae humanitatis addictissimus Dionysius Melander.
[Adresse auf f. 930b v., zugeklebt:] Doctissimo iuxta ac pio d. Heinrycho Bullingero, antistiti 8 Tigurino, praecipuo domino ac fratri in Christo plurimum observando. [442]Oswald Myconius an Bullinger Basel, 17. September 1534 Autograph: Zürich StA, E II 336, 137 (Siegelspur) Ungedruckt Ambrosius Blarers Abendmahlsbekenntnis hat Myconius zunächst erschreckt, weitere Nachrichten aus Stuttgart haben ihn, was Blarer betrifft, jedoch beruhigt; auch Blarer selbst dementiert die Gerüchte von seinem Frontwechsel. Myconius beschreibt, wie die Württemberger Konkordie zustande kam: Erhard Schnepf wurde von Blarer auf eine in Marburg [1529] von Luther, Oekolampad und Zwingli ausgearbeitete Einigungsformel verpflichtet. Jemand, der kürzlich mit Blarer und Schnepf in Stuttgart gesprochen hat, berichtete Myconius von der vagen Formulierung, die mehrere Deutungen zuläßt. Myconius betont die Sinnlosigkeit einer solchen «Scheinkonkordie», auch wenn sie sich auf Oekolampad und Zwingli beruft; gerade Zwingli befürwortete immer klare Formulierungen! Bullinger soll fest bleiben. Grüße. S. Postquam e thermis Badensibus redii 1 , confessio mihi Blaureri de sacramento coenae 2 oblata est. Quam ubi cum horrore perlegissem, non ita multo postea literae sunt redditae ex Stutgardia, quae me, quod adtinet ad Blaurerum, mihi restituerunt. Illae breviter sic habent: Ubi Blaurerus et Schnepfius inter se chirographis confessionis firmati sunt, tum et princeps 3 ab utroque, Blaurerus adiecit: «Non autem carnaliter editur Christus.» Schnepfius dixit: «Darin red ich üch gar nit.» Ergo mox alter in testem horum vocat principem, qui et adnuit se memorem futurum. Hoc certe Blaurerum apud me excusat. Sed et illud excusat: Rumor de recantatione Blaureri iam ad omnes ut et apud nos pervenerat tam fortis, ut coactus sit eum compescere pro suggestu 4 . Quod quia fecit, non est, quod querar. Blaurerus confessionem prior requisivit, ut quae facta sit longo ante Marpurgi a Luthero, Oecolampadio et Zvinglio 5 , atque id agnovit Schnepfius. Quod ideo dico:
Qui literas ad me dedit 6 , sic se gessit, ut a Schnepfio sit apud Blaurerum Zvinglianus adpellatus. Hic 7 protinus ad hunc meum igitur, ut cautius agat. tum meus: «Wie? Bin ich zwinglisch, so bin ich luterisch; bin ich blaurersch, so bin ich schnepfisch, es sy dann üwer confession nüt.» Haec, mi Bullingere, nolui nescires, ut expendas, quibus agant homines illusionibus. Confessio enim talis est, ut nihilominus pars utraque suam opinionem tueatur. Id quod facile patet ex his, quae acta sunt. Si igitur Oecolampadius et Zvinglius hanc eandem confessionem fecerunt, quam anno superiore ad te perscripsi 8 , quid aliud putas in animo fuisse, nisi ut simulata concordia digrederentur? Interim enim Lutherus suam opinionem retinuit et nostri illi suam. Verum inquiunt: Aliquid est concedendum pertinacibus, ne Christus totus amittatur. Si sic agendum est cum veritate, non video, quid differat in ratione tradendi a pessimis mendaciis. Dicere possem igitur, ut olim hic de eodem negocio Zvinglius sanctae memoriae: «Wiß oder schwarz oder gar nüt 9 .» Reliquum est, ut pro gratia tibi data rempublicam Christi diligenter cures nec te sinas abduci a palponibus. Videor enim videre, quid apud vos a tentent. Deus constantiam largiatur et docendi robur ad sanctificationem nominis dei 10 semper. Vale cum tuis et Utingero et Pellicano et Leone 11 . Huic scribam propediem. Nunc enim non tantum est ocii. Basileae, 17. septembris anno 34. Os. Myco. tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Heinricho Bullingero, praeconi verbi dominici apud Tigurinos primo, fratri in domino charissimo suo.
[443]Martin Bucer an Bullinger [Straßburg], 25. September [1534] Autograph: Zürich StA, E II 348, 387r.-388v. (Siegelspur) Ungedruckt Dankt für die übersandten Werke Bullingers. Was in «De testamento» steht, unterschreibt Bucer alles, er möchte nur eine Kleinigkeit zur Frage der Zeremonien genauer formuliert haben. Bei den Ausführungen über die Eucharistie im Kommentar zum 1. Korintherbrief lobt Bucer Bullingers Eifer für die Einheit der Kirche. Bucers Schrift an die Münsterer ist von Philipp [Melanchthon]und anderen Lutheranern, ja sogar von Osiander, gut aufgenommen und empfohlen worden. Luther hält an seiner Abendmahlsauffassung vom leiblichen Essen des Leibes Christi fest. Bucer hofft auf gegenseitige Verständigung und bittet, Bullinger möge seine Schrift gegen den Bischof von Avranches durchlesen und ihm seine Meinung mitteilen. Grüße an Jud und Bibliander, dessen Nahum-Kommentar sehr gefällt. Gratia et pax, Bullingere observande. Gratias ago pro egregiis lucubrationibus tuis. Illam De unico dei foedere 2 perlegi et ago gratias domino, qui tibi in mentem immisit hoc argumentum tractare pernecessarium isthoc maxime tempore, quo haeretici 3 ad unum omnes ex eo, quod fingunt duos populos, duo foedera, suas fallacias approbare multis videmus. Nos iis, quae scripsisti, subscribimus omnes 4 . Quia tamen vis Momum 5 sibi aliquid in Venere perquirere 6 , quod arrodat, malim illud in pagina 15. D. «eaque sibi placere pronunciavit, quae revera negligebat» 7 dictum mitius, ne cui calumniatori vel hac parte pateas impacturo te tribuere deo mendacium. Nosti, ut hic religiosus fuerit d[ivus]Augustinus. Non neglexit modo deus, verum etiam abominatus est ceremonias adhibitas absque fide. Verum fide factas quanti faecerit, ipse passim testatur. Et potuit sine his ab idolatria suum populum servare, imo, nisi fide verbi ab idolatria abstracti
essent, iam in ipsis quoque Mose ceremoniis idololatrae erant. Quid ergo, si dicamus 8 , cum populus iam auctus pro imbecillitate spiritus opus haberet, ut quae dei sunt, eis multis modis et quibuscunque ingenium humanum ex[c]itari potest, inculcarentur, deum voluisse verbis audibilibus tot etiam visibilia adiicere 9 , quae suo modo ad omnem dei doctrinam comendandam facerent, non solum inani per se occupatione abstinerent a ceremoniis idololatrarum. Antequam descendissent in Aegyptum, nondum erant iustus populus, et si tum quoque habuerint suas ceremonias, in Aegypto premebantur tyrannide. Ubi itaque iusta politia donare eos dignatus est dominus, rationem quoque praescripsit sui cultus, operosam quidem illam. Sed ita multis opus habebant admoneri dei sui et adsuefieri in omnibus rebus, etiam minutissimis, pendere a nutu dei et agere ex praescripto eius. Tu cum d[ivo]Augustino significatione easdem illorum cum nostris cerimoniis agnoscis 10 . Consequens igitur est, ||387v. cum fide exhibebantur, ut eo fuerint apud deum numero, quo nostrae, quas adeo non negligit deus, ut se ipsum per has nobis communicet. Sui quidem caussa deus nihil nostri penitus moratur, nostri vero caussa, cum omne praecipiat nobis et, quae ad cultum suum deputavit, sic instituerit, ut suam nobis bonitatem praedicent cum primis et quodamodo exhibeant, unde et in hiis semper fidei professio fuerit divinaeque bonitatis praedicatio. Videtur satis causae esse, ut ampliorem usum ceremoniis veteris populi tribuamus, quam ut occupantes tantum populum obstiterint, quo minus caperet illum admiratio ceremoniarum gentilium 11 . Vide quam multis sus Minervam 12 . Sed quae tua est facilitas, boni consules omnia. Quae de s[acra] eucharistia disseruisti in epistolam ad Corinthios 13 quoque, legi et ingentes gratias ago domino Iesu, qui dedit hoc studium ad sanctarum ecclesiarum concordiam, ad quam tamen illi 14 , quos ambimus in domino, non ita propendent. Quos si nihil aliud, communis tamen hostis, qui perpetuo a hac irrepere molitur, qua nos non coimus, mitigare debebat b .
Nos autem Christus moveat, qui tam nihil omisit, ut nos sibi in patre reconciliaret, ut propterea mortuus sit 15 . Moveat tam grave offendiculum tot myriadum filiorum dei in omnibus Europae regnis, moveat gratia illa amplissima Christi, qui in omnibus re ipsa dedit idem sentire, utcunque verbis pugnemus. Quod si non tibi et tui similibus iudicio praeditis et disserendi tolerantibus evincere potero, emoriar. Sed vides istuc ipse. Scriptum nostrum Ad Monasterienses 16 satisfecit tibi 17 . Illud praeter Philippum 18 et multos Lutheranos Osiander ille acer approbat adeo, ut his diebus mihi scripserit 19 se iam multis amicis persuasisse sententiam nostram tolerabilem esse et ipse iam fraternitatem in domino addixerit. Retinet mordicus Lutherus || 388r. suum loquendi modum, ut dicat accipi in coena corpus domini leiplich in die hend, mund, mit der paten 20 und allem, da sye er und so wol den ungleubigen als den gleubigen 21 . Sic videtur sibi exprimere debere veritatem exhibitionis Christi iuxta illa verba: «Accipite, hoc est corpus meum» [Mt 26, 26], et hanc quoque sic solidam esse, ut consueto more loquendi omnia, quae symbolo fiunt, per quod domini corpus exhibetur, ipsi quoque corpori domini cum eo symbolo exhibito tribui possint. Ea sunt videre, tangi, leyphich accipi c et caetera. Impiis exhiberi tantum quantum piis sentit, non autem eos recipere tantum. De diffuso corpore domini ille nihil. Nam «localiter» excludit et agnoscit in uno loco coeli dominum esse posse et tamen hic praedicari. De his duobus, corpus domini cum pane uniri naturaliter aut localiter esse in tot locis, nulla est quaestio cum Luthero. In eo solo est, quibus verbis satis exprimi possit et religiose ea, quam in coena dominus praesentiarn exhibet, nec, crede mihi, impugnat aliud quam inania symbola in coena adserere. Quod vero avelli ab ea sententia nondum potuit, qua nos ita sensisse credit, id parit nobis tot criminationes. Iam aliquot magni et docti, non tantum Germani, totis viribus in id incumbunt, ut aliquando nos invicem intelligamus. Nam norunt isti, quid hebrew hebrew 22 . Hac rima, qua adhuc hiamus, irrumpere se posse sperant. Et initio facto a vobis: greek greek 23 , caussas ipse facile coniicis. Verum de hoc vident dominus. Nos modo ita domini caussam geramus, ne a nobis istuc mali accersatur. Ut vero nos mutuo intelligeremus[!] et eo pacto non dissidii[!]modo, sed illud etiam offendiculi amoliamur, quod est ex crassiore illorum loquendi formula, scis verbis opus esse, quae utrinque satisfaciant. In hoc ergo perpetuo incumbo.
Quare te oro, percurras, quod mitto scriptum contra Abrincensem 24 , et rescribe de his. Vale in || 388v. domino reverenter salutaturus Leonem 25 nostrum atque Bibliandrum, cuius doctissimus commentarius in Nahum prophetam 26 mirifice arridet. Optime valete et oculos attollite in messem totius orbis 27 et necessitatem concordiae messorum nunquam ab animo ablegate. Denique non ex iis, qui nobis scriptis suis applaudunt, tanquam nos superiores simus, aestimemus filios dei omnes. Ingens turba est eorum, qui prae infirmitate fidei nondum agnoscere nos possunt eos, qui sumus. Iterum ac iterum vale. M. Bu. tuus. 25. septembris. [Adresse darunter:]Heylrycho Bullingero, eruditione et pietate eximio fratri observando. [444]Andreas Karlstadt an Bullinger Basel, 27. September 1534 Autograph: Zürich StA, E II 336, 22b (Siegelspur) Gedruckt: Barge II 600 Bedankt sich für die ihm zugesandten Geschenke. Er ist besorgt, weil es Gerüchte gibt, wonach Bullinger Ambrosius Blarers [Württemberger Abendmahlskonkordie]gutheißt und sogar etwas Ähnliches predigen will. Karlstadt glaubt das natürlich nicht, bittet aber trotzdem um eine kurze schriftliche Erklärung, damit er Bullinger gegen solche Vorwürfe besser in Schutz nehmen kann. Darum bittet er auch um die Zusendung von Bullingers «Assertio [utriusque in Christo naturae]». Grüße. S. Graciam tibi, prudentissime Bullingere, habeo. Nam munera gratissima 1 , quae misisti, cepi. Caeterum fama est te id, quod infirmitatis caussa fecit d.
Plaurerus 2 , immo quod fecit, ut sibi Christum infirmis adnunciare liceret 3 , sic approbare, quod plerique verentur istic te similia per publicas conciones evulgaturum. Quod ego minime credo. Novi enim tuam et eruditionem et constanciam. Quare e re tua feceris, si mihi de re ea vel schedam mittes, ut ora quorundam obstruam suspicantium te robustis iam et aedificatis in domino infirmitatis lac inserturum 4 . Sic talique lenitate, quod illi paulo durius garriunt, narrare iam libitum fuit. Si pro vulnere ducis quod dico, scias e charitate profectum nec aliud me quaerere, nisi ut honorem de me bene meriti ratione certa defendam. Idcirco remittes quam primum Assertionem 5 , quoniam honorem et famam tuam omniumque Tigurinorum conservare pro mea semper virili adnitor. Vale faeliciter. Saluta dominos et fautores amanter. Basileae, die septembris 27. anno 1534. Tuus Carolostadius. [Adresse auf der Rückseite:] Doctissimo viro d. Heinricho Bullingero, Tigurino antistiti, patrono et fratri colendissimo. [445]Hans Vogler an Bullinger St. Gallen, 27. September 1534 Autograph: Zürich StA, E II 351, 158 (Siegelspur) Ungedruckt Wegen des Badegeschenks an Bürgermeister Röist hat Vadian einen Boten zu Jörg von Hewen, und dieser einen zum Herzog [Ulrich von Württemberg]in Urach geschickt. Der Herzog habe geantwortet, er werde das Schreiben nicht vergessen. Jörg von Hewen hätte Röist gerne etwas geschickt, hatte aber auf der Jagd kein Glück. Vogler erzählte Peter Weber, was er in der Zürichberg-Angelegenheit von Röist erwarten könne. Grüße. Die gnad gottes mitt unns allen. Amen. Gelieptter herr und bruder, dess handels 1 der schencky halb herr Rösten 2 etc. hatt min her Docter von Wadt 3 truwlich 4 ghandlett, namlich aim burger 5 1 gulden geben, der den nächsten 6 zu her Jörg von Hewen ritte, welchen guldin er für in, mich och üch, dargebenden 7 . Der bott ist zu dem von
Hewen komen. Der hat ylentz 8 dem hertzogen 9 ain aignen botten 10 gschickt. Der hertzog ist zu Urach funden, und am fritag wider uff Stutgarten zu wellen. Der hertzog hat geantwort, er söll her Jorgen sagen, er well dess schribens nitt vergessen. Der bott achtet 11 , im wurde etwas gen Zurich komen, und so es durch Schaffhusen für wildprät, wurd es wol us prätt 12 . Nit wais ich, ob etwas sid 13 gen Zurich komen ist. Der von Hewen, sagt der bott, hab och selb zwen tag gejagt; hette gern her Rösten für sich etwas geschickt, aber dieselben tag nie kain grät 14 gfangen etc. Witer hab ich Petern Weber dess Zürichbergs halb 15 anzaigt und befelt, was er an minem hern Rösten finden 16 , oder sunst hoffnung. Dann ich hofte Petter Weber als bald, da ich wär 17 , so ver es sin fug wäre 18 . Grützend uns üwer lieb husfrowen 19 , kind 20 , vatter im Zürychberg 21 etc. Actum S. G[allen], sontag vor Michahely anno 34. U[wer]w[illiger] Hans Vogler. [Adresse auf der Rückseite:] An min gliepttenn hernn und gunner M. Hainrichen Bulligernn, prediger zu Zurych. [446]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 29. September 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 48 (Siegelspur) Ungedruckt Obwohl krank, will er Bullingers drei Briefe beantworten. Die von Bullinger aus Bern erbetenen Schriftstücke zu den Ereignissen der letzten Jahre kann er wahrscheinlich nur teilweise beschaffen und abschreiben lassen, weil einige dem Zweiten Landfrieden gemäß den V Orten ausgehändigt werden mußten. Bern hat dem Herzog von Savoyen unter Berufung auf den Rechtsspruch von Payerne die Vermittlung der eidgenössischen Orte im Streit zwischen Savoyen und der Stadt Genf angeboten. Die unter sich uneinigen Genfer leben in Furcht vor den aus der Stadt exilierten «Banditen» und ihren bischöflich und savoyisch gesinnten Helfern. Eine Berner Truppe von 4000 Mann unter der Führung von Wolfgang von Wingarten und Peter Im Haag steht bereit; man hofft trotzdem auf eine friedliche Lösung. Die Entsendung einer Berner Botschaft nach Zürich als Annäherungsversuch zwischen den beiden Städten ist
nutzlos, weil es in Zürich keinen Heimlichen Rat mehr gibt. Die Gesandten von beiden Seiten verderben die Sache immer wieder. Johannes Haab soll sich vor den Abgeordneten katholischer Orte ungeschickt benommen haben. Haller bittet um die Zusendung von Bullingers Werk über die zwei Naturen Christi [die «Assertio utriusque in Christo naturae»]. S. Tametsi infirmitate mea premar, charissime Heinrice, nolui tamen hunc ad te vacuum redire nuncium 1 , quin ternis a literis 2 vel aliquid responderem. Quae petis, ut transcribi curem 3 , sedulo id agam, modo sint prae manibus et mihi a secretario 4 communicari liceat. Apud Valerium 5 haec non sunt, quandoquidem nunc scribit, quae anno 19. acta sunt. quae in negocio Silvanorum 6 erant prae manibus, una cum literis commeatum negantibus 7 Bremgarti 5 Pagis - conditione pacis sic exigente - tradita sunt 8 , quorum copiam vix crediderim esse apud nos. Reliqua, si supersunt et mihi creduntur, habebis. De Gebennensium negocio 9 sic se res habet: Pacem speramus. Pro pace impetranda emissi sunt legati ad Allobrogum ducem 10 ea conditione, ut si quae habeat adversus Gebennam b , eos conveniat apud Helvetiorum Pagos, qui Paterniaci 11 sententia lata prius bellum, e quo et hoc nascitur, composuerant
Quod scribis de ineunda civitatis utriusque amicicia 23 deque legatis ad vos mittendis: Es ist vergäbens; ir habind kein heimlichen ratt 24 , mitt dem man sich könde beraten, wie die sach anzegriffen wäre. So verderbend üwer und unser botten vil ze tagen, das wäger 25 wär erspart. Habius 26 male se habuit, und wäre ein kleins gsin, als ich hör sagen, wenn er sich nitt von dem botten
von Friburg 27 , vogt Bschiesser 28 von Glarus und Isenhutt 29 von Appenzell desß entschlossen 30 . Ich mag nimmen schriben. Lieber, schick mir De duplici natura 31 , sobald müglich. Vale. Ipsa Michaelis anno 34. Tuus Berch. H. [Adresse auf der Rückseite:] Heinrico Bullingero, ecclesiastae Tigurino, fratri suo charissimo. [447]Johannes Rhellikan an Bullinger Bern, 29. September 1534 Autograph: Zürich StA, E II 360, 73 (Siegelspur) Ungedruckt Bedankt sich für die ihm bei seinem jüngsten Besuch in Zürich erwiesene Freundlichkeit. Klagt über die Gleichgültigkeit der [Berner]Landpfarrer, die die Katechese der Jugend vernachlässigten, und bittet die Zürcher Kirche, diesem Problem alle Aufmerksamkeit zu schenken. Grüße. Berchtold Haller sendet einen eigenen Brief Salus et tranquilla conscientia per Christum. Essem omnino ipsa ingratitudine ingratior, doctissime Bullingere, si tantam humanitatem mihi a toto Musarum Tigurinarum choro exhibitam silentio praeterirem 1 . Proinde, quanquam partim infantia mea, partim temporis brevitas obstet, quominus universis et singulis gratias meritas agam, tamen ne ingratitudinis nota mihi inuratur, malui utcunque tecum balbutire, tibi, Theodoro 2 ac reliquis omnibus nunquam intermorituras gratias agere quam prorsus tam obviam benevolentiam erga me silere. Vestram itaque, hoc est proxenetarum opem imploro, ut mea causa universis et singulis meo nomine gratias agatis. Haec hactenus. Caeterum unum est, quod proxime tecum colloquens oblitus sum, videlicet, ut tibi parochorum quorundam a agrestium segnitiem in cathechizando
significarem. Ea namque in re mirum est quam altum dormitent, quum tamen pueri, ut scis, reipublicae seges sint. Quodsi plaerique in ista oscitantia pergent, dubium mihi non est, quin evangelium brevi subvertatur. Proinde, mi Heinriche, quum Tigurinarum ecclesiarum cura tibi et symmystis tuis commendata sit, quaeso, hac in re vigilantes estote 3 . Vale. Ex Berna in ipso Michaelis festo anno 1534. Megander te plurimum salvere iussit, item Franciscus 4 , Suicerus itidem b . Bertoldus 5 sua ipsius epistola 6 te salutat. Salutabis et tu vicissim meo nomine d. Utingerum, praepositum Liberianum 7 , Pellicanum, Theodorum 8 et d. Steinerum. Denuo vale in Pylios annos 9 . Tuus Rhelicanus, ut olim. [Adresse auf der Rückseite:] An Meister Heinrichen Bullinger, sinen lieben heren und guten fründ. Zürich. [448]Dietrich Bitter an Bullinger [Köln], 30. September 1534 Autograph: Zürich StA, E II 361, 103 (Siegelspur) Gedruckt: Krafft 120f Münster wurde gestürmt, doch nicht erobert. Mit einer Blockade soll die Stadt ausgehungert werden. In Köln sorgt man sich über neu entstehende Sekten, weshalb man vorläufig bei den alten Kirchenbräuchen bleibt. Die bessere Predigt des Evangeliums trägt wenig Frucht. Bitter dankt für Bullingers «De testamento» und den Kommentar zum 1. Korintherbrief sowie für einen Käse. Verteidigt sich gegen den Vorwurf der Schreibfaulheit. Grüße. Die Lehrer genießen in Köln geringe Achtung. Gnaid und frid. Von belegerung der stat Munster habe ich letst angetzeicht 1 . So wiße, dat die stat an sechs orthen mit eyn storm angelouffen 2 , doch neit erobert, und synt ihrer voir der stat bey die zweytausent umbkommen und vill verwundt. So hait nun der busschoff sechs blochheuser beginnen zo machen uff die gemynste 3 wege. Die will er mit zoldeners belagen, in meynong zo verhoeden
Unse hern zo Coln sien net wenich bekummert und sorgfeldich 7 mannichley secten halben, so hie und dort erstaen, die eyne noch seltzamer dan die ander. Doin moegliche varsamy 8 , das in irer stat nicht news angefoirt werde, halten sich noch tzer tzyt gants und gar bey alten ceremonien 9 . Das euangelion wirt aber reyner gepredigt dan sunst lange, mit kleiner vrucht; wenich keeren sich dran etc. Ich habe untfangen 10 expositionem foederum 11 unnd commentaria in priorem ad Corinthios 12 und das stuck keyß 13 . Syn myr alle angenem, und dancken dyr dusentvalt. Das du mich aber vermeinst geneygder zom schryven sollen werden 14 durch schickung des keeß dan chartliche 15 gaeben, doest myr neit recht. Ich habe neger dan binnen jairs 16 drie briebe uffgeschickt, einen 17 by des busschoffs boeden van Costens 18 , den andern 19 bey eym colnischen burger 20 , den dritten 21 nu newlich, buessen 22 den eytzigen 23 dairinne , vertzeichnet, was gaben ich von dyr entfangen. Das Compendium Vadiani in acta apostolorum 24 habe ich neit gesehen. Wan ich dyr wiste irgens mit liebe zo doin, wolde ich neit hinderlaessen 25 . Ich wolde broder Jacob 26 mit eym hollentschen keese beladen; wolde in neit dragen. Ist was bey uns, das dich oder dein wyb 27 belust, gebuet zo myr 28 . Und sys hiemit dißmaels dem almechtigen befollen. Groiz myr dynen broeder 29 und hueßfraw 30 sere. Item, die leer 31 doech 32 in Cohen gar nichts; ist in keyner achtong. Das volck weyß nit, wilchen weg es noch uß wil. Halten ir kinder neit zo gueten
dingen. Daruß fluest, das ich und myn gleich 33 in kleyner achtong sien und moessen alleyley besoechen 34 , solle myr uns erneren. Datum ultima septembris anno 1534. Diderich Bitter van Wipperfoird. [Adresse auf der Rückseite:] Dem eirsamen und wolgeleirtenn Meister Heinriche Bullinger, meynem gunstigen, guten freundt zo handenn. Gen Zürich. [449]Bullinger an die Zürcher Pfarrer Zürich, [1.]1 Oktober 1534
Gedruckt: Heinrich Bullinger, Utriusque in Christo naturae tam divinae quam humanae, contra varias haereses, pro confessione Christi catholica, Assertio orthodoxa, Zürich 1534, f. A2r.-A3r. (Widmungsvorrede)2 Legt die am Felix-und-Regula-Tag [11. September]gehaltene Rede im Druck vor, da deren Veröffentlichung von vielen gewünscht worden war. Hat das in Worten nicht faßbare Thema anderswo möglichst einfach ausgelegt, ohne auf einzelne Spitzfindigkeiten und Gotteslästerungen der Häretiker einzugehen. Die beste Antwort auf ihre Argumente ist eine klare Darstellung der einfachen Wahrheit. Das Wesen Gottes ist unfaßbar. Mit Jesus Sirach mahnt Bullinger, bescheiden zu bleiben und sich nicht von Satan zu Wortstreitereien verführen zu lassen. Heinrychus Bullingerus omnibus verbi ministris per agrum Tigurinum Christum praedicantibus. Gratia vobis et pax a deo patre et Iesu Christo, domino nostro. Habetis hic typis excusam, fratres et symmistae charissimi, assertionem nostram, quam feriis Felicis et Regulae 3 in celebri conventu nostro 4 recitavi et quam tantopere cupiebatis pro fratrum et ecclesiarum utilitate typis in multa transcriptam exemplaria vulgari. Obtemperavi vestris monitis. Vos videritis interim, quam bene consulueritis et quam foeliciter aliena fruamini opera. Ego certe negotium istud magnificum et inenarrabile alias 5 simplici quadam ratione subtilitatibus illis ac tricis imaginariis praetermissis exposui. Video enim et in sacris ista quam simplicissime tradi et inexquisita fide percipi. Proinde neque singulis haereticorum argutiis, obiectionibus et blasphemiis respondi. Nam simplicem veritatem perspicue || A. 2v. proposuisse exposuisseve
est argumentis haereticorum mendacium astruentibus respondisse. Et haec disputatio de essentia dei instituitur, quam nemo hominum facile exposuerit. Recte enim dictum est deum comprehensibilem non esse deum 6 . Dei enim proprium est incomprehensibilem 7 esse. Recte item dictum est abyssum palma mensuratos esse, qui essentiam dei, uti est, concipere et humanis verbis efferre voluere 8 . Quanto prudentius consuluit Ecclesiasticus dicens: «Altiora te ne quaesieris et fortiora te ne scrutatus fueris, sed quae praecepit tibi deus, illa cogita semper et in pluribus operibus eius ne fueris curiosus. Non est enim tibi necessarium ea, quae abscondita sunt, videre oculis tuis, ne ergo in pluribus operibus eius fueris curiosus» [Sir 3, 21-23]. Haec, inquam, expendamus, o fratres, in his simus. Nostrum est clementiam, bonitatem, veritatem, omnipotentiam, sapientiam et iustitiam dei inculcare, mysterium Christi 9 , meritum redemptionis eius et fidei virtutem commendare, item charitatis et innocentiae studium urgere. Ab his ad pugnas ver-||A 3r. borum 10 , imo et ad curiosissimarum absconditarumque rerum scrutinium avocare cogitat sathan. Materiam ergo contendendi uberem suppeditat, nimirum, ut necessariis et hisce utilibus rebus neglectis omnia et studia et dicta et facta nostra ad pugnas verborum dirigamus. Vigilemus itaque sobrii 11 , prudentes, pii, fideles, constantes in vero ac diligentes simus subinde orantes dominum, ut rebus bene gestis illum aliquando cum universa ecclesia, cui nos praefecit, videamus, sicuti est 12 . Vos interim valete et ecclesias vobis commissas diligite. Tiguri, mense octobri anno 1534. [450]Bullinger an Andreas Karlstadt [Zürich], 4. Oktober 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342, 40 (Siegelspur) Gedruckt: Füssli I 149-151 Auf Karlstadts besorgte Anfrage versichert ihm Bullinger 1. daß Ambrosius Blarer nicht der Verfasser der württembergischen Abendmahlskonkordie sei, sondern den alten Text nur zur Beschwichtigung Erhard Schnepfs hervorgeholt habe, und 2. daß er, Bullinger, der Kirche von Zürich diesen Synkretismus doch gewiß nicht empfehle. Davon ist bei keinem der Zürcher Prediger die Rede, vielmehr halten sie an der Abendmahlslehre Zwinglis weiterhin fest. Auch Blarer hat diese Lehre nie widerrufen, wie seine Briefe zeigen; sonst hätte er auch Bullingers Kommentar zum 1. Korintherbrief, vor allem den Abschnitt über das Abendmahl, nicht so gelobt. Jemand scheint die Zürcher in Basel verleumden zu wollen. Dankt für Karlstadts freundliche Ermahnung und sendet ihm sein frisch erschienenes Werk «Assertio utriusque in Christo naturae» zu. Grüße.
Gratiam et vitae innocentiam a domino. De Blaurero non possum non bene sentire, vir in domino mihi plurimum observande, utpote homine et pio et docto, et qui luculentissimis ad nos epistolis 1 scriptis sancte testatus est se de pristina sua sententia nihil mutasse. Non ipse primus huius confessionis 2 author est, sed certo consilio iam olim ab aliis concompositam protraxit atque turbulentum Schneppffii ingenium hac arte sancta sedavit 3 . Iam vero quantumvis sim stupidus, attamen adeo vaesanus non sum, ut istum syncretismum, cuius occasionem et consilium non nescio, pro contione publica eveham ipsumque ecclesiae nostrae commendem 4 . Mihi crede, frater charissime, huius ne verbo quidem a quoquam nostrum mentionem esse factam. Alia sunt, quae nobis inculcanda sunt nostris quam substantialitates et quantitates imaginariae. Ubi vero occasio iusserit de eucharistiae sacro disserere, nos id ecclesiae nostrae tradimus, quod ei traditum est ab initio a sanctae memoriae viro H[uldrycho]Zvinglio 5 et quod ipse iam ferme decimum in annum credidi et docui 6 . Non ergo est, quod tu vel alii vereantur nos recantare, quod hactenus bene docuimus. Neque Blaurerus, nisi prorsus fallat et propriis in epistolis mentiatur, quicquam revocavit. Quin nuper commentarios nostros in Paulum ad Corinthios 7 tantum non approbavit 8 , maxime id quod de eucharistia tradidimus in cap. 11 9 . Est nescio quis apud vos spiritus turbulentus, qui subinde infausta quaedam de Tigurinis fratribus Basileae spargit. Oro, ne quid temere de nobis credatis. Interim gratias tibi ingentes habeo, quod amice nos monueris. Obtestor te per communem fidem, ut tali in nos animo semper esse pergas. Nam nos tui sumus. In monimentum amicitiae nunquam intermoriturae mitto tibi ea, quae de vera Christi divinitate et humanitate 1. octobris aedidimus 10 . [In] a calce non[nu]lla de [eu]charistia com[pe]ries b 11 . Vive, vale, frater amantissime et in Christo nobis plurimum observande.
Vale cum Gryneo, Marco 12 nostro tuaque familia. Salvum te volunt uxor 13 , mater 14 , vicini. 4. octobris 1534. H. Bullingerus tuus [Adresse auf der Rückseite:] Doctori Andreae Carolostadio, verbi apud Basileienses ministro, fratri in domino et venerando plurimum et longe charissimo. [451]Bullinger an Oswald Myconius Zürich, 4. Oktober 1534 Autograph: Zürich StA, E II 342, 39 (Siegelspur) Gedruckt: Füssli I 147f Bullinger hat das volle Vertrauen zu Ambrosius Blarer, daß dieser an der wahren Lehre festhält; das wird auch von Bucer und mehreren Pfarrern aus Württemberg bestätigt. Einer von diesen, der früher auf zürcherischem Gebiet Pfarrer war, brachte gute Nachrichten von den Tugenden Herzog Ulrichs von Württemberg und von der zürichfreundlichen Einstellung fast des ganzen Adels; als dieser Pfarrer sich zur zürcherischen Abendmahlslehre bekannte, nahm es Erhard Schnepf mit Gleichmut auf. Bucer erhielt einen freundlichen und beruhigenden Brief von Melanchthon. Blarer ist gegen Andreas Osianders Berufung nach Württemberg. Von Bucers Büchlein [«Bericht...»] will Bullinger Myconius bald schreiben. Jetzt sendet er Myconius seine «Assertio» über die beiden Naturen Christi mit Ausführungen zur Abendmahlslehre. Gute Wünsche zum Abschluß der Badekur. Gratiam et vitae innocentiam a domino. Optime, frater venerande, de Blaurero sentio, tum quod fratres ab eo redeuntes optima quaeque polliceantur et ipse literis 1 ad nos scriptis bene iubeat sperare. Nihil se mutasse sancte asseverat in nostra sententia, imo communi veritatis confessione 2 . Sed et Bucerus idem testatur 3 , testantur hoc et aliarum per Sveviam ecclesiarum ministri literis 4 ad me scriptis. Venit ad nos nuper vir 5 et pius et egregie eruditus, qui hactenus in agro Tigurino verbi extitit minister, nunc vero in agro Cherusco 6 praefectus est ecclesiae non postremae. Is miras quasdam in principe 7 virtutes depraedicabat, asseverabat totum fere nobilium ordinem a partibus stare nostris, se palam praesente Schnepfio confessum de eucharistia confessionem nostram, quam aequo is receperit animo. Scribit Bucerus Philippum amicissime ad se scripsisse 8 . Blaurerus alium quidem quam Osiandrum vocatum vellet 9 , sed a
Philippo ait nil nobis periculi etc. Orandus nobis dominus, ut omnia ad gloriam nominis sui evehat. De Buceri libello 10 brevi a respondebimus 11 , Mitto nunc Assertionem nostram utriusque in Christo narurae 12 , in cuius calce paucula quaedam annotavimus de eucharistia 13 . Obsecro, ut nos tibi in precibus et consiliis habeas commendatos, sed et valentem et Nestoreos viventem in annos 14 e thermis rediisse 15 optamus. Vive et vale, venerande in domino frater. Nunc non plura potui. Tiguri, 4. octobris 1534. H. Bull. tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Osvaldo Myconio, Basileiensis ecclesiae antistiti vigilantissimo, fratri in domino plurium observando. [452]Ambrosius Blarer an Bullinger Tübingen, 5. Oktober [1534] Autograph: Zürich StA, E II 357, 19f (Siegelspur) Gedruckt: Blarer BW I 562f Half den Empfohlenen. Schätzt Bullinger hoch. Dessen Briefe an den Herzog [Ulrich]wird dieser gewiß noch lesen, denn er denkt gut von Bullinger. Philipp [Melanchthon]kam noch nicht. Osiander hält sich in Stuttgart auf und freut sich über Bullingers Einverständnis mit Bucer. Blarer ordnet entgegen den Gerüchten nichts an, was sich nicht ziemt. Stimmt Bullingers Abendmahlslehre zu. Auf den Hinweis auf gläubige Prediger wird er später zurückkommen. Einige aus der Eidgenossenschaft sind aufgenommen worden. Dankt für einen zweiten Brief und ein Büchlein. Johannes Wagner wird Neuigkeiten [aus Württemberg]berichten. Der Herzog [Ulrich] ist in Wildbad. Das Volk schließt sich dem Evangelium an. Die Theologen [der Universität]außer Balthasar [Käufelin]bekämpfen die Wahrheit. Blarers Widerruf [in der Abendmahlslehre] ist eine Lüge der Gegner. Er verzichtet auf eine öffentliche Rechtfertigung, um weitern Streit zu vermeiden. Freut sich, daß Bullinger und Leo [Jud]wegen der Württemberger Konkordie besänftigt sind. Gratia Christi tecum. Quos literis tuis tantopere mihi commendasti 2 , charissime Bullingere, observande frater in Christo, qualicumque meo consilio paululum iuvi. Atque
utinam tantum re ipsa, quantum erat in votis, iuvare licuisset! Plane intellecturi erant boni viri, quanti apud me esset Bullingeri commendatio. Te profecto, mi frater, imo in te dominum et egregia illius dona, quibus adeo ecclesiis commodas, ut debeo, facio maximi precorque plurimum, ut coelesti sui spiritus incremento quotidie nobis te ipso quoque maior evadas. De tuis ad principem nuper datis literis 3 nihil habeo, quod scribam. Innumeris certe tum cum eas sibi redderem, negociis distinebatur, ut ne legere quidem vacaret. Non dubito vero, quin postea legerit. Expiscabor occasione aliqua nacta, ecquid placuerint. Bene sensit de tuo ingenio tuaque eruditione et sana in Christum fide, nunc etiam non paulo melius, postquam me narrante de tuis rebus omnibus factus est certior. Philippus 4 nondum advenit, sed venit non pridem Stutgardiam Osiander 5 illic, puto, haesurus tantisper, dum redeat princeps 6 . Modestiore iam est spiritu, quam fuit aliquando. Scripsit nuper ad Bucerum sic inter alia: «Bullingerum vestrae sententiae subscribere etiam ab aliis audio. Quod si sine dolo est, magis etiam gaudeo.» 7 Quod hortaris, ne quicquam praeter christianum decorum in hominum gratiam designem 8 , recte facis, et ita stat animus, quicquid de me iactent vanissimorum hominum vanissimi rumusculi. Confessio tua de coenae negocio 9 uti mihi placeat, prius ad te scripsi 10 . Vellent nonnulli tantum operae te sumpsisse, ut ostenderes exhiberi hic etiam corpus Christi, quantum a te sumptum est, ut evincas panem non esse corpus, quod nemo affirmet 11 . Quod indicas esse istic fideles aliquot verbi ministros 12 , bene est. Nam usui nobis erunt suo tempore. Nunc enim plures advolant, quam quibus prospici queat, et incertum adhuc, qui et quot parati mittendi sint. Interim tamen unus atque alter ex Helvetiis receptus est, ut frustra calumnientur nullum ex illis suscipi. Sed iam ad alteram epistolam tuam 13 , ubi primo gratias tibi quantas possum maximas ago pro missa ad me parte libelli tui 14 , quem non licuit tamen
per occupationes penitius introspicere, sed pium tamen et eruditum ut omnia tua lubentissime iudico. Quid apud nos agatur, hic tibi Ioannes Wagnerus 15 bona fide narraverit. Princeps etiamnum in Thermis Ferinis 16 est. Plebs hic evangelio Christi satis magno numero accedit 17 . Ex theologis unus solus est D. Ba[l]thassar Wilpergensis 18 , quocum mihi conveniat. Caeteri ad unum omnes iunctis copiis veritatem oppugnant et, quantum possunt, expugnant 19 . Et facile coniicis, mi frater, quo in fimoso bubili verser ||S. 20 et quod mihi Augiae stabulum repurgandum siet 20 , ubi non uno tantum Hercule opus sit, quamquam satis animorum quotidie mihi addit Christus satisque virium nec infelix est conatuum meorum successus. Gratia Christo, qui usque per nos vincit. Eum pro me sedulo cum ecclesia tua piis votis interpella, ut in bene coeptis melius semper in finem usque promoveamus. De mea ista recantatione 21 nihil aliud scribo nisi hanc esse ab hostibus
veritatis impudentissime ut multa alia confictam. Publicitus me purgarem, nisi peius subinde recrudescerent facta istiusmodi mala 22 . Primam concordiae nostrae rationem probe tenes, quam profecto multum gratulabar tibi, magno iudicio viro, haud discplicere. Quin etiam placatum iam Leonem 23 , ut scribis 24 , vehementer gaudeo. Quem cum Pellicano ac caeteris symmystis, Theodoro 25 praesertim, meis verbis amanter et christianice saluta meque illis accuratissime commenda. Bene vale, semper mihi suspiciende ac venerande Bullingere, meque, ut facis, constanter et unice deama. Tubingae, 5. octobris a . Tuus Ambrosius Blaurerus. [Adresse darunter:] Clarissimo et incompar[a]bili b eruditione viro [d.]c Heinricho Bullin[gero]d , Tiguricensi episcopo, [d. et fratri] e observando suo. [453]Ambrosius Blarer an Bullinger Tübingen, 6. Oktober 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 36r.-v. und 31a-c v. (Siegelspur) Gedruckt: Blarer BW I 563-566 Ist befremdet über die Lüge, er habe seine bisherige Abendmahlslehre in der [Württemberger]Konkordie mit Schnepf widerrufen. [Herzog Ulrich]gebot beiden, nicht zu behaupten, der andere habe seine frühere Auffassung aufgegeben. Viele Pfarrer sind mit der Konkordie zufrieden. Blarer und die Seinen lehrten entgegen anderer Behauptung immer: Wein und Brot sind nicht nur Zeichen; Christi Leib und Blut sind im Abendmahl wahrlich gegenwärtig. Dies stimmt mit dem Augsburgischen Bekenntnis überein, auf welches die Württemberger Pfarrer verpflichtet werden. Bibelstellen gegen Feinde und Gottlose. [Drei Beilagen mit] einer Einfügung, einem Titelvorschlag samt Begründung, falls Bullinger Blarers Erklärung in Form eines Sendbriefes veröffentlichen will, sowie einer Verbesserung. Johannes Wagner ist Briefbote. [Georg]Distel kehrt zurück.
Meines widerruffs 2 halber, so ich im articul das nachtmal Christi betreffend thon soll haben, betrömbdt mich zum hochsten, wer doch söliche unverschampte lüge anfangs auffgeblaasen 3 und erdicht 4 hab, dann das allain der laidig 5 satan, so ein lugner und von anfang in der warhait nitt gestanden 6 , zu nachtail der warhait durch seine botten 7 , deren er allenthalb vyl hat, sölichs ausspeyet, welchs in doch, ob gott will 8 , nichts helffen soll a . Ich hab in der vergleichung 9 mitt meinem lieben herren unnd mittbruder Maister Erhart Schnepfen in diser sach ain ainig 10 wort weyter nitt nachgeben, dann wie ich bysanher 11 hierinn zu Costentz und in andern schwebischen stetten offt und vyl gelehrt hab 12 , mich ouch damals vor angeregtem 13 Schnepfen und dem fursten 14 selbs bezügt, das ich durch söliche concordi mein vorig 15 mainung und lehr gar kains wegs welte begeben haben. So hat auch der christlich, thür fürst selbs gewelt, ouch unß baiden mundtlich bevolchen, das unser kainer von dem andern ausgeben 16 sölle, das er von seiner vor gehaltnen 17 mainung gefallen seye, sonder das wir unß auff ain weg und maaß, unß zu baiden thailen leydig 18 , vergleicht haben. Zu dem so seind ye all fürnem und namhafft diener des wort gottes diser concordi und vergleichung halber wol mitt mir zufriden, wie ich dann ir freuntlich, brüderlich zuschreiben 19 desshalb bey handen hab. Es hellt sich ye nitt allso, wie b viel leut 20 wähnen 21 wellen c, das sy 22 oder ich unsere kirchen gelehrt haben, im gnadreychen nachtmal Christi nichts dann weyn unnd brot sein und geben werden, oder das die hochwirdigen sacrament allain des abwesenden Christi zaichen seyen; dann was sollt diß die glöbigen nützen? Sonder ist allweg
mitt ernst und allen truwen von unß d fürgeben e 23 , das der war leyb und das war blut Christi in seinem nachtmal warlich gegenwirtig seye und geraicht werde 24 , wie dann ouch die sachsisch bekandtnuss 25 , auff nechst 26 gehaltnem reychstag zu Augspurg kai[serlicher]m[ajesta]t übergeben 27 , ainfaltigklich fürgibt, welch bekantnuss in disem articul 28 auch gemeldter unser gnediger fürst und herr unß baiden bevolchen hat 29 , den pfarrhern, so in seiner f[urstlichen]g[naden] furstenthumb auffzusetzen 30 oder von den vorauffgesetzten belyben 31 seind, fürzegehen 32 , ouch f inen bevelchen, ire kirchen dergestallt ze lehren g , mitt ernstlichem eynbinden 33 , das yeder h den andern dabey beleyben und weyter onersucht 34 lassen, auch alles schmechen 35 oder schmützen 36 desshalb solle underlassen belyben. ||36v. Ja eben sölich gantz christlich des fromenn fursten vorhaben und handlung tut dem tufel zorn 37 , das er sich gedenckt in ander weg ze rechen. Noch wurt inn der herr in kurtz under unser füss zertretten 38 . Darum lasst die weht die weht sein 39 und nach ir art handlen. «Der yn unß ist grosser dann der in der weht» [1 Joh 4, 4]. Unser widerwertig 40 pflegen allweg etwas auffzupringen, damitt si sich in dem abfal irs reychs, welchs inn teglich under den henden verschwyndt 41 , trösten und inen selbs etwas labung und fröd machend. Aber, wie geschriben ist: «Der rum der gottlosen bestaat nitt lang, und die fröd des gleisners 42 weret ain ougenplick» [Hi 20, 5]. Der trüw gott und vatter im himel hailge und erhalt unß durch die warhait seines krefftigen und ewig bestendigen worts byß in das ewig leben 43 . Amen. Datum zu Tubingen auff den 6. tag octobris anno 1534. Ambrosius Blaurer.
||31c [1. Beilage: i ] Ista inserta vellem mox post haec verba a principio 44 : «Der laidig satan, so ain lugner und von anfang in der warhait nitt gestanden ist, zu nachtail der warhait durch seine botten, deren er allenthalb vyl hat, sölichs ausspeyet, welchs in doch, ob gott wyll, nichts hellfen soll» - hic insere sequentia: «gleich so wenig alls, das er durch seine glider vyl ander prachtig lugenen ausgossen hat, alls das ich sollt zu Costentz entloffen sein, ouch nitt mehr weder gen Esslingen noch ander stett, da ich gepredigt hab 45 kommen dörffen, sampt unzalbarn andern nichtigen reden, deren unwarhait heller am tag ist, dann das sy verantwurtung bedörffen. Ich beyn sölicher verlumbdung und schmachwort wol gewon. Wir sind nitt besser dann unser herr und hailand Christus, der unß für all unser getruwe dienst bey der wellt kain ander besoldung dann schmach, schand und verfolgung verhaissen hat 46 . Er verlich christlich langmütikait 47 , und das wir unser seelen in der geduldt besytzen und byß in das end verharren mögen.» Iam addantur 48 : «Ich hab in der verglichung mitt meinem ||31cv. lieben herren und mittbruder Maister Erhart Schnepffen in diser sach ain ainig wort» etc. ||31 a [2. Beilage: k ] Quid, si ista mox formulis grandiusculis 49 excudenda cures? Sed non velut a me iussus, nec cuiusquam nomen praefigatur, sed is titulus: «Von dem widerruff Ambrosii Blaurer ain ausszug auss ainem sendbrieff, von im an ainen guten fründ geschriben anno 1534, 6. octobris». Faceret hic titulus, ut adversarii etiam mox raperent, quicquid id esset paginae. Impleretur forte una pagina aut duae, aut in unam solam chartam pingenda forte erunt 50 . Fac, quod videtur. Supprime vel ede 51 , ut iudicaveris expedire gloriae Christi et meo nomini. Nam utrumque, si possim, vindicatum cupiam, quamquam nolim hic quicquam tamquam ex professo a me aeditum. Et tu cave, ne quid aliud addatur. ||31b [3. Beilage: l ]Quae hodie ad te per Ioannem Wagnerum 52 ad te scripsi, sic habent inter caetera 53 : «Sonder ist allweg mitt ernst und allen truwen
von unß fürgeben, das der war lyb und das war blut» etc., quae sic emendata velim, si forte excudenda putaveris 54 : «das der lyb und das blut Christi im . nachtmal des herren warlich gegenwirtig seyen und geraicht werden». Sic enim ad verbum habet Saxonica confessio latina 55 . ut «verum» non ad corpus et sanguinem, sed ad praesentiam et exhibitionem referatur. Non quod hoc quicquam referat, sed quandoquidem hic citare visum est eam confessionem, conveniet illis ipsis verbis ista reddere, ne ut sunt supersticiosi nonnulli, putent me data opera voluisse mutare, quae vellent non mutata. 5. septembris 56 . Redit ad te bonus ille Distel 57 . [Adresse auf der Rückseite:] Suo venerando et charissimo fratri Heylricho Bullingero. Tiguri. [454]Andreas Karlstadt an Bullinger Basel, 6. Oktober 1534 Autograph: Zürich StA, E II 336, 23 (Siegelspur) Gedruckt: Barge II 600f Bedankt sich für Bullingers Buchgeschenk [«Assertio...»]und Brief. Bullinger hat recht: Ambrosius Blarers Lage ist ganz anders als die der Zürcher; um Seelen zu retten, müssen sich die Hirten manchmal verkleiden. Christus soll nur auf Grund der Heiligen Schrift verkündet werden. Augustins Meinung darüber gefällt ihm. Zwingli und Oekolampad hatten in Marburg dieser Einigungsformel nie zugestimmt, auch wenn sie in Oekolampads Handschrift erhalten geblieben ist. So etwas wird nun benutzt, erneut Verwirrung zu schaffen. Bullingers «Assertio utriusque de Christo naturae» behandelt ein dringend wichtiges Thema, da göttliche und menschliche Natur Christi oft nicht richtig verstanden werden. Darum predigte auch Karlstadt mehr als zwanzigmal über: «Das Wort ward Fleisch...» [Ich 1, 14]. Empfiehlt Pierre Toussain. Grüße. S. Graciam ago cum pro munere 1 donato tum ob epistolium 2 , quo quorundam ora licebit obstruere. Prudenter iudicas aliam Blaureri, aliam Tigurinorum esse conditionem. Nam oportet pastores interim aliena specie in turbam luporum irruere, ut oves eripiant, atque sic cernimus Paulum fecisse 3 . Faxit autem[?] a deus omnipotens, ut Christum, qui secundum scripturas a veris apostolis praedicatus est 4 , non aliter quam ad praescriptum scripturae proferamus.
Mihi placet Augustini sententia: «Noli meis» etc. 5 , quam optime nosti. Equidem vero Christum peccata conscientiis aufferentem pacemque divinam corpore suo adferentem vere magnum et quantum agnosco scioque non potuisse corpus suum sine quantitate accomodare peccatorum ablationi, idque testantur Moses, Esaias[?], apostoli et ipsemet Christus. Quare cavendum, ne dum quantitatem adimimus Christo, eripiamus nobis viam ad caelos 6 . Quid autem, si Z[vinglius] et Oec[olampadius] aliquid humanum passi fuissent? Atqui certiores facti sumus ipsos Marpurgi 7 nunquam voluisse talem locutionem suscipere. Reperta hic quidem est Oecolampadii manus 8 , qua huiusmodi scriptum est. Sed offendimus itidem eum non sua sed Lutheranorum sensa optataque descripsisse 9 . Haec nihil ad te, sed ut videas, quibus modis non modo tueri aliorum forte bene reperta sed fecem attrahere et effundere in homines iam recte formatos conantur. Recte vero de duplici Christi b natura scripsisti 10 rebus ipsis exigentibus. Videmus enim alios divinitatem, alios humanitatem minime agnoscere 11 . Commovit et me quorundam impietas, ut iam plus quam 20 sermones super expositione illius: «verbum caro factum» [Joh 1, 14] fecerim 12 . Q utinam nihil adversum c dei filium moliamur! Veniunt lupi in vestimentis ovium 13 ventrem attenuantes, ut gloriam imminuant Christi 14 . Vale faeliciter et d. P[etrum] Thossanum 15 tibi commendatum habe, sed et
me. Saluta coniugem 16 , matrem 17 , filias 18 , item d. H[einrichum]Utingerum et d. Leonem 19 atque alios meque argue fortiter, si vel verbo vel facto discedere labive audis. Vale iterum. Basileae, 6. octobris anno 34. Tuus Carolostadius. [Adresse auf der Rückseite:] Eruditissimo viro domino Heinricho Bullingero, episcopo Tigurino, domino suo observando charissimoque. [455]Oswald Myconius an Bullinger und Heinrich Utinger Basel, [kurz vor dem 10. Oktober] 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 59 (Siegelspur) Gedruckt: Füssli I 153-155. Teildruck: Oekolampad BA II Nr. 699, 380f Ist froh, daß die Zürcher Blarer die Marburger Akten zugestellt haben, sodaß dessen Mißverständnis, Oekolampad und Zwingli hätten beim Entstehen des Sächsischen Bekenntnisses mitgewirkt, beseitigt wird. Hält sich an das, was Zwingli veröffentlicht hat. Die Lutheraner schämen sich ihrer Auffassung und bedienen sich deshalb undeutlicher Formulierungen. Luther hat die von Oekolampad und Zwingli angestrebte Freundschaft sogleich wieder verraten. Schnepf nennt Peter Kutter abfällig einen übermäßigen Zwinglianer und verletzt ständig das Abkommen, wie Froschauer Bullinger berichten wird, nicht zu sagen, Blarer habe ihm nachgegeben. Die Basler hoffen, daß Melanchthon ins Herzogtum Württemberg kommt. Schickt ein Büchlein Bucers mit der Bitte um rasche Beurteilung. Bucer will sich streng an Oekolampad und Zwingli gehalten haben; er meinte auch, daß sich eine Einigung der Kirchen in Deutschland günstig auf Italien, Frankreich und England auswirken würde. Kardinal [Jean de Lorraine], der Bruder von Antoine II., dem Herzog von Lothringen, ist nach der Nachricht vom Tode des Papstes [Clemens VII.] nach Rom aufgebrochen, um sich die Papstwürde zu erkaufen. S. Benefici estis in me, domini et fratres charissimi, quamobrem gratias ago quod possum maximas habeoque. Utinam se offerat occasio aliquando, ut par referam! Ea re nihil posset evenire mihi gratius.
Admodum placet mihi, quod acta Marpurgensia 2 misistis ad Blaurerum. Videtur falli vir bonus, quod dicit confessionem Saxonicam illam factam etiam ab Oecolampadio et Zvinglio 3 , quamvis ut aliquando scripsi 4 , eandem Gastius, diaconus meus, invenerit inter chartas Oecolampadii 5 . Unde plane in dubium coniectus haereo nonnihil a , tametsi declino magis ad ea, quae sunt a Zvinglio publicata. Utcunque sit, in hoc ego sum sententia Lutheranos pudere suae opinionis et effugium non habere nisi verborum illorum «substantive et essentialiter, non quantitative aut qualitative, aut localiter» 6 obscuritatem et perplexitatem. Quodsi Oecolampadius et Zvinglius consenserunt, id factum existimo, ut amiciores digrederentur. Quamvis, dum recte consydero: Quod signum Lutherus deinceps dedit amiciciae? Praevaricator pacti nonne scripsit hostilissime de Zvinglii opinione ad comitem, margraphium inquam Brandenburgensem? 7 Schnepfius autem de Petro Cutero 8 , qui nunc ad nos diversus Canstadio 9 praefectus, dixit 10 : Aiunt hunc supra modum esse Zvinglianum. Si confessio pariter est ab omnibus facta, quid haeccine verba sibi volunt? Interim tamen quem iam nominavi, pridie quam haec scriberem, praesente Froschovero bono nos animo iussit esse. Sperare se deum largiturum, ut omnia tandem agantur pro voto nostro. Ego nescio quid superbiae et perfidiae notare soleo in Lutheranorum animis, id quod exemplum Lutheri modo dictum satis arguit. tum de Schnepfio narratur, ut audistis ex Froschovero, scripsisse ad suae farinae fratres Blaurerum transiisse in suam opinionem, cum tamen cautum fuerit a principe, dum uterque chirographis hunc satiarent, ne diceret alteruter alterum sibi cessisse 11 . Praeter
haec fert rumor Melanchtonem venturum in Wirtembergam. Qua de re dum hisce diebus colloqueremur et quidam 12 diceret, utinam rumor esset verus, addidit d. Grynaeus: «Et ego opto. Nam supra vulgum aliquid de hoc viro novi.» Faciunt haec spem, de qua paulo ante, futurum, ut pacata reddantur propediem omnia. Postremo libellum mitto Buceri 13 , quem legatis quaeso et iudicium vestrum mihi detegatis quam ocyssime. Est enim, cur id petam. Interea legam et ego. Testatur literis 14 ad me nihil se scripsisse, nisi quod Oecolampadius scripserit in Dialogo suo 15 et Zvinglius in Secunda responsione ad Eccii calumnias 16 . Addit, si inter ecclesias Germaniae foret concordia, mox accessuram Italiam, Galliam et Angliam 17 . Novi illud audite: Cardinalis 18 ducis , Lothoringiae 19 frater, abiit in Italiam audita morte papae 20 ter centum millibus coronatorum empturus papatum. Valete per dominum Iesum. Basileae, raptim, anno 34. Os. Myconius vester. [Adresse auf der Rückseite:] D. Heinricho Bullingero et d. Heinricho Utingero, amicis venerandis suis. Zurich. [456][Gervasius Schuler] an Bullinger Ravensburg, 12. Oktober 1534 Autograph: Zürich StA, E II 359, 2746r.-v. (Siegelspur) Ungedruckt Bullingers Brief und seine Werke, u. a. «De testamento seu foedere Dei unico et aeterno» und den Kommentar zum 1. Korintherbrief, hat Schuler durch Gregor Mangolt erhalten und auch anderen Glaubensbrüdern
mitgeteilt. Er bedankt sich für dieses Geschenk und lobt die Arbeiten Bullingers und Konrad Pellikans. Bullinger soll Gott um Heilung der kranken Glieder der Kirche bitten. Als eifriger Streiter Christi und starker Achill soll er weiterhin tapfer gegen die Feinde des Gottesworts kämpfen, die Schwachen und Verirrten aber zu Christus zurückführen. Grüße. Gratiam et pacem a domino etc. Literas tuas 1 per Mangoltheum 2 una cum libello De unico et aeterno foedere seu testamento dei 3 cum aliis nonnullis plane divinis lucubrationibus tuis ad nos transmissis, precipue que in priorem Pauli epistolam tuo opere et labore in lucem prodiere 4 , accepimus. Fratribus ea communicavimus. Quo patrem nostrum celestem palam nobis verbum suum, licet aliter quam antea per servum suum Mosen populo, annuntiantem agnovimus, preterea te organum singulare et vas dei electum 5 esse non dubitamus. Quare gratias agimus tibi, imo deo per te immortali, qui sua bonitate et immensa clementia nos sanguine filii sui redemptos, spiritu oris sui regeneratos, superioribus seculis et a teneris, ut aiunt, unguiculis humanis obacceratos[!] traditionibus, quarum iam accerbitate dentes obstupuerunt - nos scilicet inedia cibi spiritus sancti vere animam reficientis macilentos, ferme effractos et exhaustos iamiam afatim suavitate eius vere foecundantis ac vivificantis verbi ubertim reficit, pascit ac fovet, et quod in nobis hactenus obscuratum, id lumine vultus sui novissimis nostris temporibus per te confratremque tuum Conradum Pellicanum plane illustrat amplissime 6 . Tu insuper, frater in Christo charissime, petis amicitiam nobiscum auspicari. Quod, rogo, fortius vere amicitie vel necessitudinis vinculum putas quam germanos uno dumtaxat fratres patre natos an membra fortassis simul uni agnata corpori? Itaque nos et fratrem et membrum quamvis fragile et infirmum, eo tamen corpori 7 , cuius Christum caput esse apostolus docet 8 , tibi ceterisque gratia dei multo nos cum doctrina tum virtute et gratia nobilioribus et facile primis conglutinatum a concreatumque speramus. Quapropter per id ipsum commune nostrum caput Christum Ihesum oramus, ne nostri licet saucii pudeat membri. Sed age, tu - quod comune nostrum est offitium - verus et in hoc a deo specialiter vocatus et electus sacerdos fidelis et assiduus noster sis patronus, sindicus et advocatus coram optimo maximo patre nostro clementissimo. Precibus tuis intercede exorator fidelissimus, ut quod is mancum et per viciatam nostram naturam 9 in nobis languidum ac saucium agnoscit, id sua gratia sanare et resarcire misericorditer dignetur, «harundinem quassatam non confringat et lignum fumigans non extinguat» [Jes 42, 3]. cui proprium est misereri et benefacere etiam nobis, licet immeritis, is, qui se tutum asylum ac unicam nostram salutem se pollicetur et exhibet. Tu insuper strenuus Christi miles 10 ,
athleta 11 , tu fortis Achilles 12 funge fortiter tuo munere et oficio, tu acriter pugna gladio spiritus sancti 13 , omnes verbi adversarios eo prosterne, intrepidus hostes convince ac comprime, sed interim infirmos ac debiles subleva, anxios consolare 14 , errantes ad caulam gregis Christi oves reducito. Sed quid Lydum in planiciem provoco 15 ? Deus optimus maximus, quod per te cepit, misericordia sua perficiat 16 . Vale in unica omnium nostra salute, Christo Ihesu. Confratrem nostrum Conradum Pellicanum || 2746v. et cunctos, qui iuxta Christi Ihesu doctrinam sanctimoniam viteque puritatem sectantur, nostris verbis salutare velis. Salvere vos iubent vicissim fratres mecum Christum profitentes. Datum Ravenspurgi, quarto idus octobris anni 34. [Adresse darunter:] Doctissimo misteriorum dei dispensatori fidelissimo Henrico Bullingero, Tigurino antistiti, domino ac fratri suo in Christo inprimis colendo. [457]Oswald Myconius an Bullinger Basel, 14. Oktober 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 58 (Siegelspur) Gedruckt: Füssli I 151-153 Bullinger und alle anderen versicherten ihm, die Abendmahlsfrage sei in Württemberg glücklich gelöst, so daß er und die Basler bereits auf die Ausdehnung der wahren Kirche hofften. Inzwischen werden sie jedoch von den Straßburgern [Bucer etc.]beunruhigt, Ferdinand I. bereite einen Krieg gegen sie unter dem Vorwand vor, sie hätten ein falsches Abendmahlsverständnis, ihr Abendmahl sei ohne Christus. Die Basler sandten ihnen daraufhin die [Erste]Basler Konfession zu. Die Straßburger versuchen sie unterdessen von Bullinger zu trennen: Bullinger habe ja Bucers «an die von Münster» gerichtetes Büchlein gutgeheißen, die Basler seien anderer Meinung als Bucer. Den Baslern wird zu verstehen gegeben, daß nur die Zuwendung zum Lutheranismus sie retten könne. Myconius bittet um Bullingers Meinung über Bucers Schrift, die er noch nicht kennt, wie auch über die, welche er unlängst Bullinger zugesandt hat. S. Scribitis omnes ad me 1 rem et causam eucharistiae in Wirtenberga feliciter habere 2 . Unde spes non parva mihi et fratribus meis hactenus fuit ecclesiam veram dei propediem fines dilatare quam amplissime. Interea tamen ecce conturbor ab Argentinensibus 3 , tanquam bellum immineat capitibus nostris a nescio quo Ferdinando, cuius quidem titulus futurus sit sacramentum
coenae perperam intellectum 4 . Obiectant enim nobis coenam esse sine Christo, quemadmodum tragoedia repraesentans Atraeum est sine Atraeo 5 . Equidem dico ingenue illud non prius probari posse, quam et fidem nobis abesse probant. Hoc cum nequeant, neque illud poterunt. Si fides est enim, et Christus est, si fides non est, neque Christus est. Misimus confessionem nostram 6 praestolantes, quidnam sint responsuri 7 . Vide, quid agant interim: Te mihi obiiciunt, tanquam totus cum Bucero sentias, nos vero dissentiamus. Ita scribunt: «Bullingerus album calculum 8 libello Monasteriensi 9 adiecit. Nihil, inquit, scribi possit magis appositum animo suo.» Quid tu hic adprobaveris, nescio. Libellum eum non vidi, neque est, qui de eo quidpiam mihi narrarit. Postquam videro, qui scis, an et ego aliquid adiiciam? Breviter, ita male nobis ominantur, ut quibus, ni Lutherani fiamus, sit pereundum. Non utuntur hisce verbis quidem, verum ea, quibus utuntur, aliter interpretari nequeo. Miror, quid sit rei. Latet, quod divinare possum, non autem dicere pro vero, quamvis apud me sit plane verum. Illud igitur peto, nobis scribas, quid in libello Buceri probaris, dein, quid in eo, quem nuper misi 10 , reperias. Vale per Iesum Christum cum ecclesia tua. Haec in sinum tibi. Raptim Basileae, 14. octobris anno 34. Os. Myconius tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Heinricho Bullingero, charissimo in domino fratri suo
[458]Bullinger an Joachim Vadian [Zürich], 16. Oktober 1534 Autograph: St. Gallen Kantonsbibliothek (Vadiana), Ms 32, Nr. 244 (Siegelabdruck) Gedruckt: Vadian BW V 193f Dankt für die Widmung der «Epitome» und das vom Drucker [Christoph Froschauer]überbrachte Exemplar. Blarer habe sich hoffnungsvoll über die Reformation in Württemberg, über Osiander, Melanchthon und Grynäus geäußert. Sendet ein Büchlein Bucers und ein eigenes und bittet um Vadians Urteil über Bucers. Widersetzte sich den Bestrebungen des [St. Galler Abtes], [reformierte]Pfarrer zu entfernen. Der Frauenfelder Landvogt [Christoph von Sonnenberg]verfolgt das evangelische Bekenntnis. Gratiam et pacem a domino. Multis me tibi, vir observande, benefitiis obstringis, et ego me tibi multa debere agnosco. Inscripsisti mihi Epitomen 1 et piissimam et eruditissimam, ad cuius lectionem eruditissimi quique obstupescunt penitus. Adeo mirantur rara illa domini a in te dona. Gratia domino, qui ea tibi dedit, partim ut ecclesiae suae per te prodesset plurimum, partim ut te ipsum aeterna imortalique gloria apud sanctos donaret. Praeterea dono mihi obtulit tuo iussu bibliopola 2 Epitomen, pro qua tibi maximas refero gratias. Illam vero hoc chariorem habebo, quo mihi tu tuique nominis memoria sacratior est. Dominus te nobis in longa servet saecula! Scribit hisce diebus Blaurerus 3 se recantasse nihil 4 . Fateri se idem nobiscum, in coena a fidelibus fide manducari corpus domini eo modo, quo fides solet etc. 5 Scribit se in principe desyderare nihil 6 , sperare rem optime cessuram 7 Osiandrum nunc , agere Stutgardii, qui paulo nunc sit mitiore praeditus spiritu quam antea 8 . Philippum Melanch[thonem] et S[imonem]Grynaeum expectant 9 . Melanchton amicissime scripsit ad Bucerum amicitiam offerens 10 . Eandem obtulit et Osiander 11 . Buceri libellum De dogmatis christianis ad Abricensis maledicta 12 , item nostrum libellum De utraque in
Christo natura 13 tibi dono mitto. Recipiuntur a principe in ministerium verbi nostrorum aliquot et caeteris libentius 14 . Breviter: Optima quaeque pollicetur Ambrosius 15 , optima pollicetur et Bucerus. Tu quid de libello eius sentias, indica 16 . Omnem moveo lapidem 17 nihil non , tento, quo Antronii 18 conatibus apud nostros obsistam et ministros verbi retinendos doceam 19 . Utinam multum proficiam! Sunt, qui desperarint pene. Sunt, qui cordatius agant 20 . Immontani 21 egregie superbiunt. Praeses Frouenfeldius 22 haud segniter persequitur religionem nostram 23 Dominus adsit se invocantibus! . Vive et vale. Relegere non vacabat. 16. octobris 1534. H. Bull. tuus. [Adresse auf der Rückseite:] D. loachimo Vadiano, consuli Sangallensi prudentissimo, suo plurimum observando patrono.
[459]Konrad Müppein an die Synode in Zürich Wädenswil, 18. Oktober 1534 Autograph: Zürich StA, E II 1, 190 (ohne Siegelspur) Ungedruckt Wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe die Messe zu sehr gerühmt. Er wird nur deswegen verklagt, weil die Altäre noch immer nicht aus der Kirche entfernt worden sind, dies jedoch ohne seine Schuld. Die einschlägigen Bibelstellen gegen den Gebrauch der Altäre hat er nie verschwiegen und führt sie auch hier auf. Zur Information schickt er den Text einer Predigt über den Mißbrauch der Messe. Seine schlechte Gesundheit im Frühling und im Herbst ist schuld an seinem Fernbleiben von der Synode. Wird sich bemühen, den Willen der Synode gehorsam auszuführen. Gratiam et pacem a domino nostro Iesu Christo. Magnifici patres ac praeceptores mei observandissimi, quanta mihi, humilimo vestro, opus erit paciencia, cum tot in dies nugis, imo falsis accusacionibus coram benignissimis diaconibus vestris mihi tocies falso detrahi percipio.
Cum igitur antea quamplures falsos accusatores de me experti estis, credetis et illum 3 mihi odiosum, qui de me mentitur me missam nimium extollere 4 . Incusant me emuli isti ex eo, quia altaria in ecclesia nostra non sunt deposita 5 , sed id haut meo reatu. Scitis non esse meam praecipiendi aut cohibendi potestatem, sed solum pronunciandi verbum dei, quod sane nusquam transeo neque tacui illud Esai. 27[9]: «Ponet dominus omnes lapides altaris sicut lapides cineris.» Omnia altana devastabit in templo Iudeorum, idque per Ezechiam factum dinoscitur Esai. 36 [7]. Hinc sanctuarium dissipatum Daniele id praedicente, Dan. 9 [27]. Quid Asa, quid losaphat 2 Paralip. 14 [3.5] et 17 [6]egerint, non preterii etc. Hii destruxerunt excelsa atque altana ideo, quia noluit deus ultra offerri sacrificia frustra, Esai. 1 [12]. Magis nostra destruenda sunt altana, quia imolacionem Christi credimus et scimus omnia sacrificia esse impleta. Quare in dies clamo: «Cur non deponitis? Magis homines quam deum timetis?» Si quid latius mihi agendum iubeant paternitates vestrae, meum est ad omnia parere. Sic pro mea et aliorum informacione mitto ad vos pauca, quae de abusibus misse publice pronunciavi 6 , si tantum ocii datur vobis, legenda. Si quopiam et in his simplicissimis scriptis meis erraverim, commendo me emendacioni vestrae obtemperantissimum. Demum absencie mee 7 rationem reddo. Deus scit, quod non mentior spiritui sancto Ananie atque Saphire instar 8 . Quemadmodum omni vernali atque autumnali tempore, ita et nunc mea adversa valitudo ambulare me vetat. Nemo, precor, ad deterius mihi imputare velit. Ego, quodquod inculcent emuli, ad beneplacitam vestram voluntatem obedienciamque et statuta nostra sinodalia pro mea virili omnem evangelii laborem exactissime impendere studebo. Et si quid aliud foret, quod mea diligencia pro vestra gratia atque commodo efficere posset, praesto sum omnia relinquere et vestro mandato, quod spiritu sancto agitur, obedire. Ex Wedischwil, octobris die decima octava 1534. Conradus Müppein, evangelii et pauperum eius servitor, obtemperatissimus[!] vester 9 .
[Adresse auf der Rückseite:] Prestantissimis atque doctissimis viris singulisque reverendis honorifice sinodalium congregatorum fratribus, dominis ac praeceptoribus eius percolendissimis. [460][Nikolaus Steiner] an [die Synode in Zürich] [Zürich], [vor 20. Oktober 1534] 4 Kanzleiabschrift a : Zürich StA, E II 1, 153-155 Ungedruckt Steiner versichert, treu zum Evangelium zu stehen. Er hat sich vor der Synodalkommission vergeblich gegen zwei Vorwürfe wegen Pfrundlaufens zu rechtfertigen versucht. Felix Brennwald [der Amtmann des Abtes von Einsiedeln im Kloster Fahr] ist bereit, als Zeuge für ihn auszusagen. Er, Steiner, habe nur versucht, mit Hilfe des Abtes, der ihm von früher her verpflichtet war, Brennwalds und der Räte in Zürich das Pfarramt Weiningen zu erhalten, da er - trotz seiner Verdienste für Zürich und die Kirche - Not gelitten und von niemandem habe Hilfe erwarten können. In der Sache sei dann aber nichts unternommen
worden. Die zweite Anklage habe ihm vorgeworfen, er hätte versucht, illegal die Pfarrei Wädenswil von Konrad Müppein zu erwerben; dazu verweist er auf Müppeins Brief [Nr. 461]. Daß er vom Rat, auf Antrag der Synode, ausgeschlossen und vom Predigtamt in Schwamendingen abgesetzt wurde, empfindet er als harte und ungerechte Strafe. Dieses Urteil würde, wenn es in Kraft bliebe, ihn an den Bettelstab bringen. Er hat den Rat um Gnade gebeten, sei von diesem aber an die Synode gewiesen worden mit der Zusicherung, daß deren Urteil respektiert würde. Steiner bittet nun die Synode, ihm zu verzeihen und ihn wieder aufzunehmen. Eerenvesten, frommen, wysen, gnedig herren, hochgelerte, göttliche vätter unnd brüder. Nachdem mich gott berüfft hat von der finsternus zu sinem liecht der warheyt 5 , so bin ich ylentz uffgestannden unnd dem nachzogen unnd die hand an pflug geleyt unnd niemermer hindersich gesechen 6 , innmitten der trübsal hindenab von gott nie gefallen, sonnder als eyn gethrüwer knecht bestanden 7 by sinem herren unnd fürohin bis an min end allso mich gott lassen finden unnd wirt mich nieman von siner hand ryssen 8 . So hat gott unns gemanet: «Welcher staadt, luge 9 , das er nit falle» [1 Kor 10, 12]. So mag 10 one gottes krafft nieman ston, alsdann manchen ußerwelten gott hat lasßen fallen unnd wider uffgericht. Allso wie dann eyn statutum synodale zugipt 11 , das nieman sich selbs zu eynem bischoflichen ammpt erwellen oder inflechten 12 sölle 13 - dann eyn bischoff erwelt soll werden uß göttlichem willen mit hilff unnd gunst des gemeynen volcks, der kilchen unnd verwilgung der necheren 14 byschoffen 15 , damit der zorn gottes nit über unns komme; als dann durch den propheten geredt wirt: «Sy hand inen selbs eyn künig gesetzt, unnd nit uß minem befelch» [Hos 8, 4] - so bin ich anclagt von üweren verordneten 16 , wie ich wider söllich b göttlich ordnung gehandlet habe, unnd mir zwen artigkel
Aber miner red ist keynen glouben geben 19 . So kan ichs nit hoch achten 20 , dann in eygner sach kan eyner im selbs nit züggnus geben, dann eyn yetlicher gunt im selbs 21 unnd redt nüt schedlichs wider sich, als das der herr selbs redt: «Gib ich mir selber zückniß, so ist es nüt, aber anndere gebent mir zügknus» [Joh 5, 31f] etc. Nun uff söllichs so han ich minen lieben gefatter C 22 unnd guten fründ 23 , nammlich Felix Brenwalden 24 , gebetten, üwer würdi zuberichten, was ich an in bracht unnd begert han, mit sinem mund unnd hand 25 . Das hatt er nit wellen thun von wegen siner kranckheyt, ouch von üch nie erfordret. Unnd so 26 ir mir nit gloubend, so 27 gebent ir sinem schryben ouch keyn glouben. So aber ir die warheyt an im suchen 28 , so will er sy nit verhalten unnd redt eben die meynung. Unnd ist allso, wie ich gesechen han, das ich bißhar von aller mentschlicher hillf, radt
unnd trost verlassen bin, unnd das zechen jar 29 lang, unnd umb des vatterlands unnd voran gottes eer willen umb all min hab unnd gut kommen bin 30 , das nit kleyn ist, unnd die vergangnen drü jar loblich unnd eerlich eyner gstifft 31 gedienet hab umb 12 guldin uff hoffnung der gnaden, unnd aber keyn gnad nienen gespürt han, sonnder verschupft 32 unnd verworfen bin, unnd aber so vyl jar unnd tag uff mir han 33 , das ich zu keyner arbeyt mee gschickt 34 unnd vermüglich 35 bin, dann ich gar nach 36 der eltest predicant bin unnd dryßig unnd acht jar eerlich der kilchen gedienet han unnd mir keyn negligentz noch versumnus nie fürgehalten, so han ich nun rechtbrief unnd sigel an eynen herren von Eynsidlen 37 durch sin amptman 38 wellen lassen erfordren. Darumb 39 ich unnd mine forderen 40 getrüwlich gedienet haben inn minen jungen tagen, darumb 41 mir eyn zusag 42 beschechen ist, so ich mangel haben wurde unnd mit eyner pfrund nit versächen were, das dan ich vom gotshus solte versechen 43 werden oder des herren tisch han 44 . Unnd so mir Wynigen 45 gelichen wurde, so welte ich miner ansprach vernügt sin. Ich verhofte ouch, mine gnedigen herren 46 wurdent mir darzu helffen unnd radten, unnd hinder 47 der rechten kilchen, one gunst unnd willen 48 üi 49 wellen handlen. Das dann ich dem Brenwalden befolchen, dem apt fürzeträgen. Das hatt er nit gethan unnd ist der sach 154 || nie gedacht 50 . Ich welte vyl lieber, ich wurde sunst versächen 51 wie annder unnd min fylfaltig lyden unnd alter inn gutem bedacht unnd mine redliche trüw, die ich der kilchen bewyßt han, mit flyß ermessen etc.
Zu dem annderen, wie ich sölle gelouffen sin zu Meyster Curadt Müdbeyn 52 gan Wädischweyl 53 unnd im sin pfrund wellen abkouffen unnd ettliche specher 54 nahin geloufen unnd söllichs von mir ußgeben. Wolan, mir were wol nodt, ettwas darzu zereden. Das will ich umb liebe unnd fridens willen verschwygen, daruff ich keyn anndtwort gib. Hörent sin anndtwurt hie geschriben 55 . Mir mag doch min pfrund nit belyben, die ich iusto titulo han überkommen 56 unnd brief und sigel darumb han, darumb 57 ich keyn koufman bin. Wirdigen unnd gnedigen herren, uff sölliche thatt unnd übertrettung hand mine gnedigen herren mit recht unnd urtheyl, uff anrüffen der predicanten, mich beroubet unnd entsetzt mins prophetißen ammpts unnd diensts der pfrund Schwamendigen 58 , das doch mir das gröst leyd ist unnd straaff, das mir mag begegnen 59 . Deß diensts halb hette es nit nodt 60 , dann niemand uß sinem gut reysen soll, aber deß ammpts halb, das ich mit söllicher grosser müg, arbeyt, armut unnd ellend unnd mit dem schweyß mines vatters überkommen han, von der wyegen uff darzu erzogen bin unnd also verwürckt soll han unnd gott, der cristenlichen kilchen, ouch mir selbs on nutz sin unnd all min zytliche eer, glück unnd naarung darinn staat. Darzu, so man die straaf ansicht, so muß ich von allen frommen verdacht 61 sin als eyn lasterhaftiger übelthäter. Das erwege eyn yetlicher inn sinem hertzen. An sit dolor similis etc. 62 Unnd so söllicher sententz 63 nit solte revociert werden (als ich doch nit trüw 64 ), so welte ich vyl lieber noch eyn krieg erlyden, da ich zu dem dritten maal beroubet 65 bin d . Ja lieber den tod erlyden unnd mit Paulo zu gott rüffen: «Wer thut mir uff den lyb, das ich mit gott läbe» [Phil 1, 23], ouch mit dem Jerimia reeden: «Verflucht syg der man, der minem vatter das bottenbrot 66 bracht het, das im eyn sun geboren syge» [Jer 20, 15]. Mir wäre lieber, ich were an der geburt umbkommen oder in muterlyb verdorben, weder 67 inn sölliche schmach ergeben (si res sic se habet). So mag nüt annders darnach folgen, dann das ich min vatterland muß myden, das ich zu dem sibenden maal mit minem blut han helffen schirmen 68 , unnd eyn eerliche,
fromme frowen mit den kinden 69 verlassen unnd den bättelsack an hals nemmen unnd in das ewig ellend gan. Das statt mir daruff 70 . Man hat sunst arbeytseliger 71 lüten gnug etc. Darumb so han ich in min alten tagen, damit unnd ich nit erst allso geschmecht unnd geschent wurde, mine gnedigen herren umb barmhertzigkeyth gebetten 72 , da nun nit mangel ist. Die will söllich ordnung unnd satzung zu unnsern zyten 73 nit im bruch sind gesin unnd nüwlich von gott angefangen, so will gott durch mich sinen punt unnd leges uffrichten unnd die kilch reformieren, unnd mich zu dem hund verordnet, der dem löwen vor soll geschlagen werden 74 unnd das , heyligthumb bin, an dem er anfachen will straafen 75 , so das, will ichs umb siner eeren willen dulden. Uff das min gnedig herren mich also inn der straaff byßhar hand lassen stan unnd für üch ze keeren befolchen; was gnaden unnd gutes ich by üch find, das wend min gnedigen herren mir nit abschlachen 76 . Ich hoff, ouch ir habind inen daran wol gedienet etc. ||155 Herumb 77 so erman ich üch göttlicher barmhertzigkeyth, diewyl unnd ir genent werdend sün des oberisten gotts unnd vatters 78 . Das ir das an mir bezügint, das ist gnad unnd barmhertzigkeyth; darby erkent man sine kinder, namlich die sin werch thünd etc. 79 . Zum dritten, so erman ich üch cristenlicher liebe, die da ist eyn band aller folckommenheyt 80 , die staadt 81 so , eyner treyt die schwachhevt sines nechsten, verzicht dem schuldigen unnd nit raach sucht umb siner übelthatt willen etc. 82 Unnd ansechen 83 die grossen schäden, so ich erlitten han an eer, lyb unnd gutt, ouch die trüw, so ich bewisen hab inn gottes wort unnd allen sinen dieneren, unnd die usserlich süsse des evangelions keyn tropfen nie versucht han, aber yense 84 überflüssig 85 , besonnder allweg uß dem kelch unnd bächer des herren Jeramie unnd Esaie 86 , da mir folkommene maaß ingeschenckt ist, getruncken han etc. So ist gott nit ewig erzürnt, sonnder nachlessig 87 allen denen, die in bittend. Also bit ich üch gemeynlich jetlichen
innsunders, mir umb gottes willen verzychen unnd vergeben, wie ir wend, das gott üch vergebe, unnd mir wider zustellen min ammpt, damit ich gott unnd der cristenlichen kilchen dienen möge nach dem befelch gottes. Dann so will ich mich baß umsechen fürhin 88 unnd wachbarer sin über gottes wort unnd ordnung. So nutzt mich eyn ammpt nüt, wenn ichs nit zebruchen han, darumb ir gemeynlich bitten, mine gnedigen herren, mich inn gnaden zu bedencken unnd myne alten tag versechen unnd an minen trübsälen vernügt sin. Das will ich umb gott unnd yetlichen 89 beschulden . Hiemit befilch ich üch gott unnd sinen gnaden etc. [461][Konrad Müppein] an Rat und Synode in Zürich Wädenswil, [vor 20. Oktober 1534] Kanzleiabschrift a : Zürich StA, E II 1, 157 Ungedruckt Hat von Nikolaus Steiners Amtsenthebung gehört. Der Vorwurf, Steiner habe ihm ein finanzielles Angebot zur Übernahme der Pfarrei Wädenswil gemacht, stimmt nicht. Durch Vermittlung von Jakob [Hegner]in Altstetten habe ihm Steiner lediglich eine Art von Stellvertretung - wie etwa im Falle Jost Müllers zu Thalwil -angeboten, bis sich erweise, wie seine Gichtkrankheit verlaufe. Bittet um Milde für den betagten Steiner und um dessen Wiederaufnahme in die Synode. Den strengen, vesten, fürsichtigen unnd wysen burgermeyster unnd rath, ouch dem eerwürdigen unnd hochgelerten synodo der statt Zürich, sinen gnedigen herren unnd obern. Gnad unnd frid von gott. Min gehorsam, willig dienst zevor, strengen, vesten, fürsichtigen, wysen, ersamen, from, hochgelerten ir mine gnedigen herren. Mir fügt ze wissen 3 der erbar alt vatter, herr Niclaus Steyner, wie er von minen gnedigen herren unnd von eym hochwürdigen synodo ußgeschlosßen, dar zu gottes eer eyner gantzen cristenlichen gmeynd unnd sin selbs gantz unnutz erkenth 4 syge, umb das er by mir gehandlet unnd verwürckt 5
solle han, nammlich, das er mir myn pfarrpfrund habe wellen abkouffen unnd abfeylsen 6 . Des muß ich in inn der warheyt entschuldigen, dann gegen mir keyns abfeylsens nach abkouffens nie gedacht ist, dann er mich wol erkent 7 hatt, keyn kouffman sin, noch keyn pfrund veyl han, ouch dess göttlichen rechtens noch üweren cristenlichen statuten sinodalien 8 keyn übertretter sin, darumb er mir keynen kouff angemutet hat. Ist aber inn anfang nechstvergangenen wynters beschechen, das ich miner podagrenischen kranckheyth 9 halb geschriben han an her Jacoben 10 zu Altstetten, mir eyn geschickten bruder ze erfaren, der mir min pfarr den wynter helffe versächen. Da hat er mir zubracht genanten herr Niclaus Steyner. Der mich ouch von unnser beyder jugent har erkenth 11 , hatt söllicher meynung mit mir geredt: Sidtenmaal 12 ich die pfarr nit alleyn möchte versechen, umb 13 das ich berg unnd tal zu den krancken nit wandlen möchte - als 14 ich mich beclagte -, ob ich denn welte inn sin huß gan Zürich zien zwey oder dry jar bis ich möchte erfaaren, wie sich min kranckheyt erziechen 15 wölte, so welte er mir von der pfrund lassen nachvolgen 16 , was billich 17 wäre nach miner herren erkantnus, wie ouch mit herr Josen 18 zu Tallwyl gehandlet ist. Er vertrüwte 19 ouch, deß gunst unnd gutten willen durch gut gunner unnd fründ 20 an minen herren unnd oberen wol mögen erlangen, ouch an minem herr schaffner 21 . Ich was der sach nit bedacht 22 im andwort ze , geben. Daby ist es
beliben, unnd hat keyner dem annderen diser sach nimmermer gedacht 23 . Hiemit han ich üch der waarheyt bericht. Deßhalb ich hoff, er hierinn nützit uneerlichs, ungöttlichs, noch üweren statutis synodalibus 24 verletzlichs gehandlet habe. Darumb mir das erschrockenlich ze hören, in so schwarlich gestrafet söllen sin, dann ich hoff, ir selbs ermessen könnind, das er in vorgemelter red weder geschrifft noch üwer cristenliche statuta 25 geletzt habe, dann ich im ouch des nit gestand 26 geben wölte han, als ir mine gnedigen herren mich bißhar eyn lange zyt erkent 27 hand, unnd nimmer annderst erfinden 28 werdend. Ist min ernstlich pitt umb gottes unnd cristenlicher liebe willen, das ir den guten alten bruder, der nun hinfür sins alters halb billicher ze bitten, ob er ettwas mißhandlet 29 hette, abzestan 30 , dan 31 so schwaarlich ze strafen wäre 32 , 1. Ti[motheus] 5[1], nit zwyfel, er wurde bußwürcken 33 unnd alle cristenliche bruder anrüffen, gott für in ze bitten, als Simon 34 gethan hat nach der straf Petri, act[orum] 8[24]. Gnedigen ir mine herren wöllind sin alter gnedigclich bedencken unnd dise sine wordt, gutter meynung geredt, nit so hoch anziechen noch achten 35 , sunder in gnedigclich widerumb inn die kilchen annemmen unnd in inn den stand siner vorigen eeren setzen. Begert er allzyt umb üch als sine gnedigen herren unnd oberen inn gantzer üch wolgefelliger gehorsame zu beschulden b 36 , unnd söllichs will ich ouch als üwer gehorsamer, in allen eeren unnd brüderlicher liebe mins vermügens 37 inn aller guttwilliger c undertenigkeyth gott unnd üch, minen gnedigen herren, allzyt inn großem ernst mich flysen ze dienen. Sind gott befolchen in gnaden. Geben ze Wädischwyl. [Ohne Unterschrift]d
[462]Heinrich Lüthi an Bullinger [Winterthur], 21. Oktober 1534 Autograph: Zürich StA, E II 1, 192 (Siegelspur) Ungedruckt Kann sich wegen seines Rheumatismus nicht auf die Reise [zur Synode nach Zürich]begeben und bittet Bullinger, der Synode den Grund seiner Abwesenheit mitzuteilen. Er ist der Ansicht, seine Mitpfarrer müßten ermahnt werden, ihr Amt ernster zu nehmen, und führt Beispiele ungenügender Amtsführung an. Heinricho Bullingero H. Lutius gratiam et pacem a domino exoptat. Ut peregre modo concedam 1 vel eques vel pedes quoque, mihi sane per adversam valetudinem haud licet, quum noctem proximam insomnem propemodum duxi. Ita graviter ac nimis atrociter morbus ille meus, quem vulgo das gesuchty 2 vocant, adortus est, qui me subinde misere divexat. Is circa iuncturas ac membrorum compagines latitans vim suam exerit gnaviter. Qui fit, ut modo vel mihi invito domi desidendum sit. Proinde te etiam atque etiam oro atque obsecro hanc meam absentie iustam causam coram greek 3 indices, si ita opus facto tibi visum fuerit, ne forte quispiam ex fratribus me contumacem esse existimet. Porro fratres sedulo inhortandos opere precium esse arbitror, ut paulo dignius ac honorificentius sacramenta tractent. Nescis enim, mi charissime frater, quam indigne quidam ac nimis contemptim de iis cum dicant tum sentiant quamque ridicule quantoque contemptu sacerrima hec mysteria administrent. Invenias quosdam, quibus satis est - ut ex multis incommoditatibus unam saltem perducam -, quum eis venit puer baptizandus, verbis tantum uti substantialibus ac protinus importatum puerum in manus accipere ac dicere: «Baptizo a te in nomine patris etc.», quasi piaculum sit aliqua piarum precum forma praescripta b sacramenta vestire atque exornare. In multis, mehercle, desidero magnam vigilantiam. Infirmos non revisunt. Fratrum, qui in Christo obdormierunt, iuxta constitucionem 4 apud ecclesiam mentionem non faciunt ullam, quibus propemodum hominis ac vacce discessus iuxta est. Precationem dominicam, symbolum, praecepta Christi, legis summam a contionibus publicis palam rudi populo non praedicunt. Quotus quisque greek pro synodi constitutione 5 observat? Plerique huc spectant unice, ut subinde innovent aliquid c vel prorsus abrogent parum interim memores,
quantam vigilantiam ac prudentiam hic nostra functio requirat quamque circumspecte hic d agendum sit, ut non modo demoliamur, sed edificamus 6 ac laudetur deus in omnibus. Vale feliciter. Hanc nostram commonifactionem eo animo accipias, quo ego feci, hoc est pio ac bono. Anno 1534, undevigesimo octobris, derepente summo diluculo ad lucernam. [Adresse auf der Rückseite:]Heinricho Bullingero, urbis Thigurine episcopo, domino ac fratri suo charissimo. [463]Bullinger an Ambrosius Blarer [Zürich, 22. Oktober 1534] Autographe Teilabschrift a : Zürich StA, E II 337, 62r.-v. Gedruckt: Blarer BW I 587-589; Teilregest: Köhler, ZL II 346 [Zürcher Abendmahlsbekenntnis vom Oktober 1534:] Wie Zwingli, Oekolampad, Bertram [Ratramnus] und Augustin bekennen die Zürcher, daß Christi Leib und Blut im Abendmahl von den Gläubigen gegessen und getrunken werde. Christus ist dabei gegenwärtig, aber nicht fleischlich, sinnlich; denn leiblich sitzt er zur Rechten Gottes an einem Ort des Himmels. Im Abendmahl ist er in der besonderen Art des Sakraments, die nur Gläubigen bekannt ist, da. Abzulehnen sind daher die Transsubstantiation und andere fleischliche Meinungen sowie umgekehrt die Auffassung, es handle sich um bloße Zeichen. Dieses Glaubensbekenntnis ist im Auftrag von Jud, Pellikan und Bibliander geschrieben. Blarer soll es Grynäus,
Philipp [Melanchthon]und Osiander zeigen, die sich Bucer nicht widersetzen. Bucer lehrt nach eigenem Zeugnis [Nr. 443]wie Oekolampad und Augustin, dem die Zürcher Lehre entspricht. Statt gegeneinander sollte man gemeinsam gegen den Antichristen kämpfen. Auch bei Verschmähung ihrer Freundschaft wollen die Zürcher auf dem Weg des Herrn bleiben. Ambrosio Blaurero Heinrychus Bullingerus gratiam et vitae innocentiam optat a domino. Quod sanctae memoriae Huldrychus Zvinglius ad illustrissimos Germaniae principes ad Eggii b calumnias 3 , quod Ioannes Oecolampadius in dialogo ad Melanchtonis epistolam ultimo respondit 4 , immo, quod ante illos Bertramus c 5 et d[ivus] Aurelius Augustinus de hoc sacro scripsit et agnovit in libro praecipue De doctrina christiana 6 et in Tractatibus super evangelium Ioannis 7 et aliis in locis 8 , hoc ipsum nos hodie asserimus, nempe Christi
corpus et sanguinem vere a fidelibus in coena edi et bibi 9 . Unde consequens est Christum neque abesse neque coenam domini dici posse, in qua dominus non est d . At hic omnem reiicimus servitutem carnalem. «Nihil enim sensibile tradidit nobis Christus», ut ait d[ivus] e Chrysosto[mus]. «Res quidem sensibiles tradidit, omnia autem intelligibilia» 10 . Fatemur ergo Christum ad dexteram patris sedere 11 in loco aliquo coeli propter veri corporis modum 12 , at in coena eum esse more sacramentis proprio et sous noto fidelibus, qui sacramenta non carnali servitute, sed spirituali potius f libertate g venerantur 13 . Itaque non probamus eos, qui vel transsubstantiationem asserunt vel hoc coene sacrum mysticum carnalibus obnubilant opinionibus. Illos quoque improbamus, qui interim praesentiam Christi sic negant, ut in hoc sacro coenae mystico nihil quam panem et vinum, nuda inquam signa, agnoscunt 14 . Haec h nostra est confessio i , qui Tiguri Christum praedicamus, Leonis Iudae, Conradi Pellicani 15 , Theodori Bibliandri et aliorum, qui haec ad te, Ambrosi charissime, scribere iusserunt. Praeterea k , si tibi videatur consultum, haec nostra Simoni quoque Grynaeo 16 , Philippo 17 et Osiandro 18 communicato l . Audimus hos non admodum adversari Bucero 19 , qui tamen
subinde testatur hoc ipsum se adserere, quod ante se tradiderit Oecolampadius m 20 et Augustinus 21 . Idem cum et nos faciamus n || 62v. - Buceri enim omnia nondum legimus ipsi 22 -, quid adhuc veluti hostes iudicamur? Confessio illa nostra non nuper nata o est domi nostrae, sed ante saecula aliquot ab Augustino prodita 23 , quem nemo unquam ortodoxum et catholicum ecclesiae p doctorem esse negavit. Satis hactenus pugnatum utrinque maximo et infirmorum scandalo 24 et impiorum gaudio. Ipsa res posceret tandem, ut omni simultate posita coniunctis copiis in antichristum 25 moveremus. Nos operam nostram pollicemur veterumque iniuriarum rixarumve immemores fratres esse pergemus. Quodsi quis nostram contempserit amicitiam aut orthodoxe q de eucharistia sentientes damnant, nos r innocentia nostra freti pergemus pro data nobis gratia 26 in via domini caussamque nostram summo et aequissimo iudici deo 27 commendabimus 28 , qui novit, quid in hac re spectemus. Caeterum nullo affectu aut praeiuditio 29 haec scribimus, qui optima quaeque speramus, maxime cum tu, Ambrosi, una cum Grynaeo nostro, sacratissima deo et sanctae concordiae dicata pectora, intelligatis, quantum hic nos conari, anniti laborareque conveniat s . [Schluß und Adresse fehlen.]
[464]Johannes Zwick an Bullinger Konstanz, 22. Oktober 1534 Autograph: Zürich StA, E II 364, 89 (Siegelspur) Ungedruckt Erwartet einen zu Ambrosius [Blarer]gesandten Boten zurück. Der Kaiser soll ein Flottenunternehmen gegen die Türken planen. Wunsch nach Einigkeit der Kirche. Grüße. Dankt für Bullingers «Assertio utriusque in Christo naturae» gegen die «Arianer» und zur Erhaltung der Kircheneinheit. Ludwig Hätzer wurde wegen seiner Gottlosigkeit in Konstanz bestraft. In seiner Prophetenübersetzung gestand er Christus den Gottesnamen nicht zu. Zwick bittet um Rückgabe seines Briefes [Nr. 435]. Salve. Nec ego quicquam habeo, quod te scire referat. Ad Ambrosium 1 vero nuntius 2 missus est, quem in horas expecto. Si quid ille scitu dignum adtulerit, non ignorabis. De Caesaris adventu 3 nos nihil habemus. Tamen sunt, qui dicant navalem armaturam contra Turcam parari 4 . Nobis Christi negotium agentibus anxie observandum est, ne animos nostros disiungant insolentes quidam affectus, ex quibus ecclesiae nascatur dissidium, deinde, ne cessemus serio clamare ad deum, ne nos gregemque fidei nostrae concreditum 5 misericordia sua deserat. Amen. Pellicanum, Leonem 6 et Stainerum cum reliquis optimis fratribus salvos volo.
Gratias habeo tibi pro libello, quem nuper misisti, de utraque Christi natura 7 . Opere pretium est omnes nervos intendere, ne non erumpant Arriani 8 , non[!] solum propter articuli istius errorem 9 sed ne nova et lamentabili , discordia pessum eat ecclesiae sancta unitas. Sed nonne falsarium insignem a egit Hetzerus 10 ille, qui suae impietatis paenas apud nos luit? 11 [Is] enim b prophetas vertens 12 neque apud Esaiam neque Hieremiam Christo dei nomen tribuit 13 . Tale fuit illius hominis ingenium. Epistolam 14 meam remitte aliquando 15 . Non enim habeo exemplar 16 nec vellem cuivis venire in manus. Vale, ornatissime vir, nec desine, me quo caepisti amore complecti. Constantie, 22. octobris 1534 c . Io. Zvick. [Adresse auf der Rückseite:] Ornatissimo d. Hainrico Bullingero, episcopo Tigurino, observando fratri.
[465]Johannes Zehnder an Bullinger Aarau, 26. Oktober [1534] Autograph: Zürich StA, E II 441, 769 (Siegelspur) Ungedruckt Die bernische Obrigkeit ist bestrebt, in ihrem ganzen Herrschaftsbereich das gemeinsame Bekenntnis des Glaubens zu befestigen. Man hört, daß der Herzog von Württemberg die Reformation einführen will. Ein Württemberger Bote hat berichtet, daß überall Mangel an Pfarrern herrsche. Deshalb versuchen diese zwei Prediger aus dem Solothurnischen, die vor einem Jahr vertrieben worden sind, in Württemberg eine Stelle zu erhalten. Zehnder bittet Bullinger, sie in Briefen an Blarer oder Otter zu empfehlen, und verbürgt sich für ihre Rechtschaffenheit. Gracia et pax per Christum etc. Semper te plurimum valere libentissime audio. Interim nichil novarum rerum hac vice apud nos, que vel te rescire[!] vel delectare possint, novi, preter quod in dominorum nostrorum Bernensium votis sit communem per totam eorum diccionem fidei confessionem agere 2 . Faciat deus, quo per universum Helveticum agrum in melius etiam bona voluntate dei componantur. Sed audi, quid velim. Est communis equidem fama apud nos, Wittenbergensem nempe ducem 3 per totam diccionem suam evangelium, quantum citra omne[m] tumultum fieri potest, ut predicetur per suos, sumopere curare. Unde omnes, qui sano sane tamen favent evangelio, apud ipsum promoveri posse et rursus ex malicia resistentes expelli nemini dubium est. Eiusmodi ita sint necne, ingnoro[!], te autem cercius scire nequaquam hesito. Retulit et deinde proximis hiisce diebus ad nos nuncius Wittenbergensis 4 , vir cum pius tum satis constans, quomodo per totum ducatum defectus sit non parvus concionatorum et fere usque ad trecentos 5 . Unde satis certum, quin si qui
nostracium Wittenbergensium cum mores tum gravitatem itineris sufferre possint - facile eos pro modulo suo condicciones reperturos affirmavit. Ex quo bii duo fratres 6 permoti hactenus in Solodurnensium diccionibus concionandi munere functi proximoque tumultu 7 eiecti illuc deambulando se conferre statuerunt et ita talibus mediis, utcumque tandem illic se res habeat, aliqua saltem ex parte perquirere. Adque enimvero summa necessitas eos adegit. Est enim iam annus, ubi penitus omni condiccione caruerunt. Quod interim inopiam, imo famem cum pueris perpessi, non scriptu opus est, sed interim tu cogitare potes, quid paciendum, que absurda audiendum, que tandem angustie hunc manent, qui nichil habet, nichil callet, quo possit domi suo succu vivere, sed plane ita a gracia aliorum in totum pendere[!]. Verum interim quum nullius in toto ducatu noticiam habeant, cum quo negocium conferant, rogant tuam humanitatem, ut pro singulari ingenii tui perspicacitate commendaticias ad Blarerum vel Otherum 8 litteras 9 exhibere velis, ut quo iure quave iniuria a Solodurnensibus eiecti, pernoscatur. Et ego, ut dingni[!] sunt, tibi commendatos habere velis, rogo. Sunt sane viri cum pii tum satis docti, dingni[!] certe, in quos eiusmodi beneficii[!] colloces. Vale una cum uxore 10 et pueris tuis. Salutat te et uxorem tuam coniux mea 11 . Ex Aragia, 26. octobris. Ioannes Zender, ex animo tuus. [Adresse auf der Rückseite:] Non minus integro quam erudito viro M. Heinrico Bullingero, apud Tigurinos concionatori, amico et fratri haud vulgari.
[466]Bullinger an Martin Bucer Zürich, 28. Oktober 1534 Abschrift Johann Jakob Simlers a : Zürich ZB, Ms S 37, 25. Ungedruckt Gibt Myconius, der sich erkundigt hat [Nr. 457], [im Brief Nr. 467] ein positives Urteil über Bucers [Bericht] an die Münsterer und die darin enthaltene Abendmahlslehre: Leben und Gerechtigkeit kommen allein aus Glauben; zum Wort fügte Gott sichtbare Zeichen der unsichtbaren Gnade; in Brot und Wein empfangen allein die Gläubigen Christi Leib und Brot; die Gnade ist nicht an die Sakramente gebunden, die ohne Glauben nichts sind. Somit setzt sich Bucer entgegen früherem Verdacht nicht überall den Zürchern entgegen. Dunkle Ausdrücke können mild interpretiert, aber für viele gefährlich werden. Sie entspringen seinem lobenswerten Konkordieneifer, während Luther stur auf der sinnlich wahrnehmbaren Gegenwart beharrt. Schnepf habe den Hessen von Blarers Lehränderung berichtet. Blarers Inkonstanz verdrießt. Luther werde gegen Bucers «Defensio» wie zuvor gegen die Frankfurter das fleischliche Essen behaupten; auf Pellikans Brief habe er hochmütig eine Antwort verweigert. Teilt das an Blarer geschickte Bekenntnis [Nr. 463] mit. Bucers «Defensio» gefällt sehr bis auf die schriftwidrigen und daher zu streichenden Zugeständnisse an jene, die Heilige anrufen und glauben, daß Gott der Heiligen wegen Gutes schaffe. Vermißt in Augustins «De cura pro mortuis agenda» die Einfachheit. Dankt für die Bemerkungen [Nr. 443] zu seinem «De testamento»; die deutsche Fassung ist an einigen Stellen erweitert, beigefügt ist seine «[Assertio] de utraque in Christo natura», in der er ähnliche Kirchenväterstellen wie Bucer benutzte. Schreibt an [Kommentaren zu]Paulus-Briefen wie auch Bucer. Grüße. Domino Martino Bucero, fratri in domino carissimo. Nescio, quid scripseris Myconio 1 frater in domino venerande. Is certe exquisitia , diligentia nuperis perquisivit literis 2 , ecquid mihi in tuo illo ad Monasterienses
libello 3 placuerit. Se enim illum hactenus non vidisse. Proinde conscripsi ego collegique ex illo quaedam 4 , quae mihi non probari non potuerunt 5 . Videntur autem ea istiusmodi esse, ut totam in se summam doctrinae tuae de sacramento contineant: Vita omnis et iustitia vera ex fide sola est 6 . Haec ut in unum deum tendit, sic divinis nititur promissionibus 7 . A promissionibus ergo auspicatus est semper dominus salutis negotium. Quod et more hominum b nobis proposuit. Homines porro solent verbis signa addere, qualia sunt arrha 8 in matrimonio et consertio manuum 9 in contractibus 10 . Iccirco deum quoque verbis et promissionibus suis addidisse signa bonitatis veritatisque suae testimonia et visibilia Verba 11 . Hinc vulgo illud pertritum c iactari: «Sacramentum est invisibilis gratiae visibile signum.» 12 Visibilia ergo signa in coena esse panem et vinum, at invisibilia redemptionem per Christum partam, corpus et sanguinem domini 13 , quae fidelibus a solo Christo divina offerantur sive exhibeantur virtute, a ministro autem ministerialiter 14 et a sanctis mente , percipiantur spiritualiter. Non quod gratia sacramentis alligata sit aut quod per haec ceu instrumenta et canales etiam iis infundatur, qui sine fide signis participiant 15 . Error enim turpissimus est docere gratiam in sacramentis esse, vel ipsa secum afferre gratiam 16 sed , quod sacramenta sine fide nulla sint quodque sola fides sacramentorum vere participes efficiat d et quod deus per
nostra etiam operetur ministeria 17 . Quo illud pertineat quod scriptum est: «Fides ex auditu, auditus autem per verbum dei» [Röm 10, 17], item: «Surge, baptizare et ablue peccata tua invocato nomine Iesu» [Apg 22, 16], item: «Sic nos aestimet homo, ut ministros et dispensatores mysteriorum e dei» [1 Kor 4, 1] etc. 18 Haec sunt, quae mihi non placere non potuerunt quaeque animo meo suspicionem exemerunt f iam olim de Bucero sinistre conceptam 19 . Videor enim videre Bucerum nobis non omni parte, quod aliquando misere timueram, adversari 20 . Sunt tamen in opere illo 21 toto, quae pro studio illo tuo, Bucere, quo inter dissidentes 22 concordiam sarcire meditaris, licentius, paullo obscurius et nonnihil ambigue dicis. Cuius generis sunt exhibere, offerre g , uniri, naturaliter, corporaliter et alia nonnulla 23 , quae me quidem non offendunt, qui videre mihi videor persuasumque habeo te in summa sententiae a nobis non dissidere h . Neque tam sum stupidus, ut illa non norim mitius interpretari. Utinam nostro seculo, in quo haec incruduit i pugna, ad talia non offendantur simpliciores! Qui et k frequentius, ut nosti, impingunt, cum l in veterum lectionem nonnunquam incidunt. Equidem non potui non probare sanctum illud tuum studium, quo dissidentes componere quaeris. Interim nunquam non timui conatum illum tuum foelici successu cariturum. Novimus enim Lutherum simul et praeduri et intractabilis ingenii hominem esse. Perget ille, vereor, substantialem, palpabilem et sensibilem praesentiam asserere omnesque proscribere 24 , quotquot hoc crasso loquendi genere uti noluerint. Utinam vere credat et syncero fateatur ore, quod tu eum sentire ais, Bucere! Audio Schneppffium Hessis suis cum gratulatione et epinicio scripsisse 25 Blaurerum in suam descendisse sententiam 26 Sunt istic . aliquot viri boni
veritatisque studiosi 27 , quos male habuit Blaureri quae ipsis videbatur inconstantia sive imprudentia. Vides, ut isti nobiscum sentiant, si vera modo sunt, quae rumore didicimus. Imo vereor, ne ipse Lutherus tibi quoque venenatum impacturus sit dentem propter nuperam illam tuam Defensionem adversus m Abrincensis calumnias 28 . Nosti, quae olim contra ministros Francfordienses et Mummummeros n ediderit 29 , quid iactant, quomodo urserit in coena omnia esse carnalia, utpote in qua ipsa domini caro edatur realiter o ore corporeo etc. 30 Conradus Pellicanus, vir, ut nosti, mitissimus et modestissimus, ante menses aliquot Lutherum p amicissimis salutavit literis 31 , dogmatum nostrorum honestissimam mentionem fecit, amicitiam petiit. At is optimum senem et de literis et pietate optime meritum ne verbulo quidem dignatus est, imo non sine fastu tabellioni q respondit doctiorem se esse, quam qui ab eiusmodi hominibus doceri velit 32 . Sed ne occupatum multis detineam, subiicio iam confessionem nostram, quam 22. octobris Blaurero mittebam 33 ut tu ex illa , aestimes, quomodo nobis defensio tua placuerit. Est autem talis: «Quod r sanctae memoriae Huldrichus Zvinglius [...] Haec nostra est confessio s .» Huic appendi in epistola ad Blaurerum: »Atque haec est illa mea brevis de hoc sacro confessio, imo non mea tantum, sed et omnium nostrum, qui t Tiguri Christum praedicamus, [...] anniti laborareque conveniat u .» Haec ad Ambrosium hactenus. Ex quibus facile coniectabis, ut nobis placuerit defensio illa tua 34 , quam hodie demum visu verius percurri, quam acie ingenii satis alias obtusa expendi 35 In . qua non omnino placuit, quod E 3 de iis, qui absque ullo iussu et exemplo scripturae divos, ut pro se orent, invocant, scribis, nisi id de quibusdam
intellexeris veteribus, non nostri seculi hominibus 36 . Quamquam ne in veteribus quidem probari queat, quod absque iussu et exemplo scripturae factum est. Constat sane divos hodie contra iussum et exemplum scripturae invocari. Optarem ergo eam sententiam intermissam simul cum illa, qua asseris deum propter divos aut in gratiam divorum multa facere 37 . Quae etsi fideles aliquo modo intelligant, impii tamen sibi ianuam ad divos colendos apertam 38 putabunt v . Fides sane docet deum omnia nobis et facere et bona conferre propter Christum 39 . Isaias quoque clamavit w : «Abraham nescivit nos et Israel ignoravit nos, tu autem, o deus, es pater et redemptor noster» [Jes 63, 16]. Interim non nescio, quam hic se torserit Augustinus in libello De cura pro mortuis agenda 40 . Ego vero in hac caussa simplicitatem magis exosculor, quam non infeliciter ab initio huius caussae exequebaris. Fers nimirum aequo animo amice monentem x , qui tibi, frater venerande, maximas ago gratias de iis, quae nuper scribebas 41 de libello nostro, quem scripsimus De testamento 42 . Auximus eum nunc nonnullis in locis atque Germana lingua illum vulgavimus 43 , ut vides. Addidimus ea, quae De utraque in Christo natura 44 adumbravimus. In cuius calce quaedam de eucharistiae negotio invenies ex iis ferme excerpta patribus 45 , quibus tu in tua usus es defensione 46 , ut alter ex altero mutuasse videri possit. Vale nunc nec desine me quo cepisti amore complecti. Scribo in aliquot Paulli epistolas 47 . Audio te quoque idem moliri. Quid agas nescio. Scio interim te quaedam in Roma[nos] Pauli vulgasse 48 . Id si verum est, ea legere cuperem. Iterum vale. Tiguri, 28. octobris.
Salvum te vult Leo 49 , Pellicanus, Theodorus 50 Battus 51 et fratres , reliqui. Salvos volumus Capitonem, Hedionem, Bedrottum, Dasypodium et ceteros. 1534. H. Lavaterum commendatum habe. [467]Bullinger an Oswald Myconius [Zürich], 28. Oktober 1534 Abschrift von [Heinrich Utinger]a : Zürich StA, E II 345, 155-158 Ungedruckt Wegen Überlastung legt er eine Abschrift seines an Bucer gerichteten Briefes bei. König Ferdinand I. ist nicht zu fürchten, um so mehr aber die Verlockung des französischen Goldes. Großmachtziele sollen durch das Vergießen schweizerischen Blutes erreicht werden, befürchtet Bullinger. Neid und der aus Kriegsbeute entstehende Luxus werden das Land zugrunde richten, wenn man nicht zu einer bescheideneren Lebensführung zurückfindet. Er hofft, mit dem Brief an Bucer auch Myconius' Fragen beantwortet zu haben. Gratiam b et pacem a domino. Propter negotia urgentia transcripsi epistolam Bucero scriptam 1 ut , simul apographum haberem et tuae quaestioni 2 satisfacerem. Ea ergo lege. Apographum hoc mitto, ut aliquando remittas. Cupio te in domino valere plurimum. Nihil nobis a Ferdinando metuendum puto 3 . Magis timendum, ne a luxu nostro vincamur, tandem vero subigamur ab auro gallico 4 . Quod enim nostri per universam Helvetiam contra omnes leges sumptuarias commessantur et omni substantia mulctis partim exuuntur, partim intemperantia, quis, obsecro, symbolum tandem dabit nisi Gallus? Hic enim, vereor, alienis inhians regnis nostro sanguine aliquando sibi illa parare cogitat. Utinam vanus sim vates! Nostrorum certe multos neque leges neque mulctae neque correctio ulla - quamquam et hanc severiorem optarem - neque veritatis verbum acre quicquam permonent, quo frugalius viverent. Videor mihi videre Helvetiam omnem se non invidia solum, sed et fatali luxu seipsam, inquam, brevi absumpturam. Utinam spolia aliunde importata eos oppressissent solos, qui importarunt.
Verum istiusmodi sunt iudicia domini. Sed ne nos quidem immunes sumus. Placent vel hodie nobis maiorum triumphi. Caeterum, dum Bucero scriberem, ita stilum ducebam, quasi iam tibi scripsissem, quod utrique unica epistola respondere cogitarem. Est autem hoc istius apographum: «Nescio c , quid [...] monentem etc. d » Haec sunt, Myconi, frater venerande, quae Bucero scripsimus, quibus et tibi satisfactum credimus. Tu, quid ab Argentorato receperis, indica. Salvum volo Carolostadium, Bersium, Thomam 5 et reliquos, precipue autem W[olfgangum]Wissenburgium. Octobris 28. 1534. [468]Ambrosius Blarer an Bullinger Tübingen, 31. Oktober [1534] Autograph: Zürich StA, E II 357, 13f (Siegel) Teildruck und zusammenfassende Übersetzung: Blarer BW I 593f Dankt für die Bücher und den Brief Bullingers [Nr. 463] mit dem klaren Bekenntnis, welches er an Schnepf sandte. Erwartet stündlich Grynäus. Philipp [Melanchthon]und Osiander kommen noch nicht. Hofft auf Verständigung. Bucer plant eine Zusammenkunft von Theologen, wie sie auch Bullinger und Blarer wünschen. Gut ist, daß seine Rechtfertigung [Nr. 453]nicht gedruckt wurde, gilt es jetzt doch, sich gegen ein anonym erschienenes Flugblatt von seinem «Widerruf», das [Johannes]Eck an [Matthäus] Zell gesandt hatte, zu verteidigen. Will Bullingers Buch möglichst bald Herzog Ulrich überreichen, dem er nur in dringenden Fällen schreibt. Die Zürcher Kirchenordnung wird nützlich sein. Eben ist Bucer auf seiner Reise nach Augsburg hier angelangt. Vor drei Tagen erst traf Bullingers Brief vom 15. August ein. Dessen Frage nach Blarers Abfall zu den Lutheranern ist schon längst beantwortet worden. Grüße. Thomas [Hofmann]kam zur Unzeit. Gratia Christi tecum. Euntem me nuper ad concionem 2 nuncius vester 3 intercaepit tuas mihi iucundissimas literas 4 cum eruditissimis libellis 5 exhibens, pro quibus, mi Bullingere observande frater, quas possum tibi a gratias ago. Nam ut referre
unquam possim, ne cogito quidem, tant[a]b est tuorum in me beneficiorum largitio. Dominus ipse sit merces tua magna 6 . Placent impendio, quae degustavi, nec dubito reliqua etiam placitura. Quid enim in Bullingero tot ac tantis domini donis ornato displiceat? Crescis tu quotidie felicibus auctibus ac te ipsum subinde vincis pulcherrimo nimirum victoriae genere, quam dominus esse tibi velit perpetuam. Ego ad summas molestias natus videor ac plane ad ea, quae multum laboris, minimum habent iucunditatis et gloriae. Tamen lubenter me totum optimo patri permitto, qui vel hunc in modum suo me ministerio dignatur 7 . Confessionem vestram 8 , quae plane mihi solida, dilucida absolutaque videtur, Schnepfio legendam misi Grynaeo quoque, quem in horas expectamus, ubi primum venerit, exhibiturus 9 . Nam Philippus 10 ne iter quidem ingressus adhuc putatur. Osiander et ipse nescio quas moras nectit 11 . Buceri consilium de fratrum conventu nosti 12 . Multum mihi polliceor de Philippo, cuius authoritas caeteros 13 item mitigabit. Nunquam profecto magis in concordiae spem evectus fui, praesertim cum nihil non tentaturus sit princeps 14 unde , procedere ille queat. Quod vocari velles viros pios et doctos 15 , ipse quoque magnopere vellem, et aderit, scio, propediem nostris votis Christus 16 . Bene est, quod purgationem meam haud passus es typis divulgari 17 . Eccius Argentoratum Zellio misit schedulas aliquot 18 , quibus confessio mea et concordiae ratio cum Schnepfio 19 , quamquam adulterata nonnihil, exprimitur hocce praefixo titulo: «Am widerruff Ambrosi Blaurers von dem hochwirdigen
sacrament» etc. 20 Nec authoris nomen, qui imprimendas curavit, nec locus, ubi excusae sunt, nec quicquam indicatur 21 . Tantum in c frontispicio meum nomen visendum proponitur. Scribit aut[em] d Eccius ad Zellium catholicum quendam 22 in Lutheranorum gratiam ista aedidisse 23 . Q frontem et corvis dignum theologum! Ut in omnia se vertit satan, quo ministerium nostrum infamet! Prorsus meditor, qua me potissimum ratione a gravi istac calumnia christianice vindicem 24 . Principi 25 libellum tuum 26 prima statim commoditate diligenter obtulero. Nihil rescribo de tuis ad illum literis 27 , quod iam multis septimanis non fuerim secum nec licet epistolis haec agere, quibus nunquam nisi gravissimis adductus caussis, quae saepe tamen incidunt, interpello 28 . Synodi vestrae rationem 29 lubenter accepi. Nam erit mihi eius usus aliquis quemadmodum et aliarum rerumpublicarum, quae domini verbum receperunt. Sed en Bucerum nostrum adesse 30 affirmat famulus 31 . Ipsus est Augustam
certas ob caussas profecturus 32 . Exhibui epistolam tuam 33 . Ille gratias agit domino ac praeter conceptam prius concordiae spem magis etiam sperare iubet. ||14 lussit autem, ut suo nomine salutem tibi ac administris tuis adscribarn, scripturus et ipse 34 , si tantum sit ocii. Nudius quartus reddita mihi est epistola Quaedam 15. augusti a te scripta 35 . Tanta est tabellariorum vel eorum, quibus illi exhibendi vices committunt, indiligentia. Nihil autem habet, nisi quod de mea ad Lutheranos defectione certior fieri volebas. Factus autem es iamdudum 36 . Ora pro me dominum 37 . Salutem dic uxori tuae 38 sanctissimae. Commenda me clarissimis viris Leoni 39 et Pellicano, quibus nescio an scribere nunc queam per bonum hunc Thomam 40 , qui ut alii plaerique intempestiviter advolavit 41 . Tubingae, ultima octobris e . Tuus Ambrosius Blaurerus. [Adresse darunter:] Clarissimo viro d. Heinricho Bullingero, Tiguricensi episcopo, venerando et charissimo fratri.
[469]Guillaume du Bellay an Konrad Pellikan und Bullinger Paris, 31. Oktober 1534 Autograph: Zürich StA, E II 368, 514 (Siegelspur) Gedruckt: Corr. des réformateurs III 207, Anm. 7 Welches die Absicht des französischen Königs in bezug auf die Situation der Kirche ist, hat Bullinger früher schon von du Bellay erfahren. Es gibt Hoffnung, daß in der Religionsangelegenheit Einigkeit erreicht wird. Du Bellay scheint es gut, Ulrich Chelius nach Zürich zu entsenden, der weitere Ratschläge übermitteln wird. S. D. quae sit regis mei 1 circa statum ecclesiae componendum mens, sensus, animus et cogitatio, antea quidem ex me audivistis 2 . Res ipsa etiam brevi fidem est factura, neque non haud a parvus illi stimulus est additus aut spes potius iniecta conficiendi ex bonorum sententia negocii, quod ex verbis vestris 3 illum docuerim multa tempus, multa vestrum aliquot consilium mollivisse, quae ut duriora nostris videbantur, ita sarciendae unitati moram afferebant. Interim mihi et re ipsa fore visum est, si hunc ad vos D. Ulricum Chaelium 5 dimitterem 5 , qui et nonnullorum super eo negocio consilia et cogitationes
vobis communicet et ad eandem vos adhortetur curam, quae maxime omnium, etiam omnium esse debet. Valete. Ex Lutaecia Parisiorum, pridie calendas novembris 1534. Vobis ex animo deditissimus Gulielmus Bellaius. [Adresse auf der Rückseite:] Eruditissimis viris d. d. Corrado[!] Pellicano et Henrico Bullingero b . [470]Martin Bucer an Bullinger Tübingen, 1. [November 1534] Autograph a : Zürich StA, E II 348, 394r.-396v. (Siegelspur) Teildruck: Pollet, Bucer II 286, Anm. 2; Zusammenfassende Teilübersetzung: Köhler, ZL II 346f. 363f. Las [Nr. 463] bei Blarer in Tübingen während seiner Reise durch Schwaben. Nichts mehr steht einer Konkordie entgegen wie noch bei seinem Besuch [in Zürich]letztes Jahr. Luther, der in seiner Heftigkeit nicht immer richtig verstanden wird und die Zürcher durch seine Schriften verletzt hat, will die wahre, feste Gegenwart Christi im Abendmahl bekräftigen, obwohl Christi Leib im Himmel bleibt. Er behauptet keine Lokalpräsenz, keine natürliche Vereinigung von Leib und Brot. Aus den Einsetzungsworten folge, daß Christi Leib mit, in und unter den Symbolen körperlich gegeben werde. Entsprechend den biblischen [Anthropomorphismen]soll darin nichts Absurdes gesehen werden. Die Art und Weise der Gegenwart Christi überläßt er Gott. Die [Analogie] von Zeichen [und Bezeichnetem] nach Augustins Lehre anerkannten auch Oekolampad und Zwingli. Luther sagt: «[Christus]ist gegenwärtig», die Zürcher: «ist gegenwärtig im Glauben». Luthers [Vorrede] an die Waldenser [Böhmischen Brüder]und Philipp [Melanchthon]geben Hoffnung auf Frieden, sofern gelehrt werde wie in [Bucers]Schrift «An die Münsterer». Vor seiner von [Philipp von]Hessen eingefädelten Begegnung mit Philipp [Melanchthon] will Bucer in einer Nacht mit Bullinger, Leo [Jud], Myconius, Karlstadt und Sulzer in einem schaffhausischen Städtchen [Neunkirch]zusammenkommen. Bittet um Stellungnahme dazu nach Ulm oder Augsburg. Gratia et p[ax]. Legi, Bullingere observande, vestram confessionem 2 apud Blaurerum nostrum Tubingae 3 . Hac enim peto ecclesiam unam et alteram Sveviae superioris 4 . Ea perplacet, nec tantillum iam obstat generali concordiae, quam ut vos
intelligatis Lutheranam. Qua de re eram fuse vobiscum commentaturus anno superiori 5 , ita ut hac de caussa adscenderam. Verum cum nondum haberetis ingenium meum perspectum, ut nunc habere vos arbitror, putabatis mutuae concordiae magis profuturum exactiorem huius rei excussionem civiliter declinare 6 . Iam vero dominus tam benigne viam solidae ac certae concordiae nobis munit, ut profecto sine gravi scelere in universam ecclesiam dei illam diutius minime desideraturi simus. Obsecro itaque vos per viscera domini nostri Iesu Christi 7 , instate precibus 8 , ut ille utrinque oculos nobis illustret 9 , quo id videre in nobis ipsi possimus, quod utrisque dedit, et salva res erit. Lutherus, ut est in omnem partem vehementiae insolentis, non a quovis rite intelligitur, etiamsi nullus lesi animi obstet affectus 10 . Quominus mirum est vobis tam improbe acceptis ab hoc viro pleraque eius scripta, duntaxat contentiosa, parum esse pervia 11 . Si quam mihi habetis fidem - sed habetis, nisi quod mihi a studio meo in concordiam, ut vobis videtur, nimio aliquantulum metuitis -, iuro vobis per Christum meum, Lutherum nihil hic prorsus contendere ultra praesentiam veram ac solidam b Christi c , quae demonstrantibus d atque exhibitionem testantibus verbis domini constare possit, etiam-||394v. si detur corpus domini uno in loco coeli esse circumscriptive. Nam nec localem praesentiam affirmat nec unit corpus Christi cum pane naturaliter e 12 . Quo magis miror, cum vestra lego, quid tam diserte affirmetis f panem id, quod est, manere 13 , cum id Lutherus nunquam g negarit, imo primus affirmant. Videt verba esse exhibitionis hic, et corporis domini praecipue
Rationem vero, cur sic loqui velit, hanc obiicit: In scripturis cum se deus, angeli et spiritus sanctus certis ac visibilibus symbolis q exhibuerunt, dici convenit 15 : Ich hab gott leiplich r , mit meynen augen gesehen 16 , id est facie ad faciem 17 , sic etiam audivi 18 etc. Cur ergo non sic dicamus et || 395r. in hoc negocio, cum dominus tam diserte ait: «Accipite, manducate, hoc est corpus meum» [Mt 26, 26 par], er wirdt leiplich und entpfindlich 19 gegeben und entpfangen? Sic sane omnes s patres locuti sunt, et nemo non dicet: Rex t cum sceptro 20 accepit potestatem regiam, er hat den kunglichen gewalt in syne hend entpfangen. Ne quis autem sibi ab his verbis fingat aliquid absurdi in sententia Lutheri, ipse ingenue fatetur nihil sensibilium rerum pertingere ad ipsum domini corpus, sed haec, quum hunt symbolis, tribui u corpori domini propter sacramentalem unionem et naturam verborum v , quae sunt exhibitionis rei spiritualis per res sensibiles. Ex his videre est hoc, quod statuit Lutherus, aliud non esse quam primum: hic afferri, accipi et adesse ipsum Christum vere ac solide - id vero in genere relinquit nec ad localem aut ullam aliam speciem praesentiae w descendit,
committit deo, quo ipse modo velit adesse x -, alterum: cum se dominus symbolis offert, competere hic eas locutiones, quas scriptura et vulgatus usus in traditionibus vel commemoratione exhibitionum rerum invisibilium per visibilia signa usurpat, nempe ut tribuamus corpori domini, quae symbolis propria sunt. Iam hoc posterius Zving[lius]21 et Oeco[lampadius]22 nunquam improbarunt. Ut enim nihil indignum cogitetur hoc mysterio, abunde caveri potest adiecta explicatione y . Prius, cum nihil sit quam simplex praesentiae affirmatio et ipsius Christi z , vos admittere gravari non potestis sententia recepta Augustini 23 . Oecolampadius id certe probavit 24 , Zving[lius] non reiecit, nisi quod volebat interpretandi sibi id ius diserte vindicatum 25 . Vobis, || 395v. cum Augustini omnia concedantur aa , nihil obtrudetur non ferendae amphiboliae. Certe Christum ipsum apprehendi hic contemplatione fidei 26 agnoscitis. Iam Lutherus nihil quam ipsum Christum bb praesentem facit. Et sicut ii non pugnant inter se, quorum alter prospiciens a longe venientem hominem dicat: Animal est, alter: Homo est, ita nec vos, cum Lutherus dicit simpliciter: Praesens est, datur et accipitur, vos: Praesens est fidei, datur fidei, accipitur fide. Haec vestra differentia genus non submovet, sed explicat. Sed velis et illum sua explicare. Velim et ego. Et facit saepenumero, alicubi non facit. Id cum ego scio non ex contentione eum, sed religione verbi dei facere - nam id, antequam ulla esset exorta hac de re contentio, faecit in libro Ad Valdenses 27 -, puto nobis hoc tanto organo Christi condonandum cc . Nam ex hoc dd , simplici et non explicata ee praesentiae Christi confessione, nihil sequitur absurdi, nihil impii, et nihil est in positione generis ff , quod
speciebus aliquid deroget. Ferri ergo Lutherus in sua poterit generalitate et annitendum, ut ipse ferat nostram invicem explicationem. Id vero videtur Philippus 28 ab illo impetrasse. Nam expressit, ut velit pacem nobiscum inire, si ita sentiamus atque doceamus, ut habet libellus meus Ad Monasterienses 29 . De quo quid scripseris 30 , tu nosti, et consonat ei testimonio 396r. || confessio vestra missa Blaurero 31 . Instat vero opera Catti 32 , ut conveniamus Philippus et ego - id tibi uni serves gg -, quod antequam fiat, quo certius cum eo pacisci queam et de vobis - nam nobis iam convenit hh -, valde cuperem nos unam modo noctem alicubi convenire 33 in loco obscuro 34 et ad , quem sine suspicione meae praesentiae venire tu et Leo 35 possetis, item Basilien[ses] Myco[nius] et Carolo[stadius], tum unus Bernas, Simon Sultzerus. Ecclesiae vestrae turbarentur, et adversarii consilium resciscerent, si conveniremus palam. Prope Schafhusiam est oppidulum 36 quoddam in ditione eius reipub[licae]. Illo possemus sub noctem condictam advolare. Vobis propinquum est. Concederetis Schafhusiam, sub noctem iretis illo. Fidus est ibi parochus 37 , vir, ut audio,
gravis. Vel si ibi id parum conveniret, indicate locum alium 38 . Vere enim videor mihi videre dominum nostrum Iesum Christum misertum nobis et audisse multorum preces, ut finem tandem faciat isti furori. Non dubium vero, quin et ipsi nihil prius optetis, ut qui probe agnoscatis, quanta hinc remora obiecta sit cursui evangelico, quantum bonae conscientiae perturbatae. Satan quoque non semel molitus est, nunc vero singulari conatu externis ii etiam ecclesiis turbam excitare molitur. Cui Christus pulchre occurrit, et ut more suo illum fraude sua frustretur, viam parat. Tantum kk det, ut ingredi illa non negligamus. || 396v. Rescribas II , oro, frater, sententiam tuam de his vel Ulmam vel Augustam. In alterutra enim ecclesia ero hoc mense 39 . Tubingae, calendis octobris 40 . Tuus Bucaerus. [Adresse darunter:] Domino H. Bullingero suo charissimo. [471]Bartholomäus [Bertlin] an Bullinger [Waltenhofen] 2. November
, 1534 Autograph: Zürich StA, E II 356, 3 (Siegelspur) Ungedruckt Schreibt Bullinger, weil er von einem Freund vernommen hat, daß Konrad Pellikan vor kurzem die Heilige Schrift aus dem Hebräischen ins Lateinische übertragen und mit Erklärungen versehen habe.
Bittet Bullinger, ihm ein Exemplar davon zu verschaffen und durch den Boten - einen ungebildeten Menschen, der fürchtet, vom Drucker betrogen zu werden - zu schicken. Rühmt Bullinger und wünscht, auch dessen Werke zu besitzen, insbesondere den Kommentar zum Hebräerbrief und «De origine erroris». Besitzt bereits dessen Kommentare zum Römerbrief, zur Apostelgeschichte, zum 1. Korintherbrief und zu den beiden Petrusbriefen, möchte aber alles haben. Gute Wünsche. Wird vielleicht bald mehr schreiben. Gratiam et pacem a domino. Que caussa inpulerit, ut te audeam litteris barbaris ego ignotus interpellare, o Christi minister prudens ac fidelis iuxta, breviter sic habe. Scripsit ad me nuper ex intimo Alpium recessu amicus quidam 3 Cunradum Pellicanum, ecclesiae vestrae sacrae linguae interpretem fidelem et doctum, biblia sacra nuper ex fonte hebreo in latinum transtulisse adiectisque adnotationibus, tum interpretamentis aliquot locis illustrasse 4 . Quod si ita, ut spero, per Christum ipsum te virum summi nominis ac auctoritatis in christiano orbe precor adeoque obsecro: Condescende in multorum fratrum usum ac ecclesiarum nostrarum salutem ac cura, ut cum hoc tabellione 5 exemplar, si modo prostant, accipiam. Tabellio enim hic frequens ad vos itque reditque. Litterarum ignarus omnino timet forte nomine falli per typographum 6 . Tu vir, quem a Christo nobis datum merito omnes pii ac docti celebrant, in salutem ecclesiae vacillantis a natus in hoc morem gere bonis Christi doctrinam sitientibus et per famulum 7 fac, ut verum exemplar habeamus. Sacrosanctas tuas lucubrationes, quas omnes Christi discipuli in manibus, tum nocturnis tum diurnis versant, licet interim murmuret phariseus 8 , insaniat mundus, rumpatur sathan, fac, omnes habeam, presertim in epistolam Pauli ad Hebreos 9 , quam alicubi allegas, De errorum origine libros 10 ac alia si que sunt, ut certe sunt,
tui christiani animi ac sanctissimae doctrinae monumenta. Ea, quae habeo, sunt: In epistolam ad Rhomanos 11 , In acta Apostolorum 12 In , epistolam priorem ad Chorinthios 13 In , epistolas Petri duas 14 . Cetera 15 desidero. Tu curabis - nam is tibi est animus christianus -, ut per tempus omnia habeam, maxime vero biblia 16 ut supra. Christi gloriam querimus, Christum deliniamus, Christum ipso duce vivemus 17 . In hoc vale, vive et perge, vir et domine in eodem michi summe observande, usque in mortem. Mox plura, o Christi minister, si videro hec barbara, tamen christiana cordi esse. Ex Alpibus Graiis 18 , quarto nonas novembris anno etc. 34. Barptolomaeus, tuus in Christo discipulus. [Adresse auf der Rückseite:] Viro eruditione ac pietate iuxta clarissimo domino Heiricho Bullingero, amplissimae ecclesiae Tigurii episcopo longe dignissimo, suo in domino preceptori unice ac reverenter observando. [472]Lorenz Meyer an Bullinger Stammheim, 9. November 1534 Autograph: Zürich StA, E II 335, 2007 (Siegelspur) Ungedruckt Bittet Bullinger, Michael [Farner], der zurzeit wegen kirchlicher Probleme zutiefst betrübt und verwirrt ist, anzuhören und zu beraten. Weiß nicht, wie es mit der Kirche in Trüllikon weitergeht, könnte aber seine eigene Gemeinde auf keinen Fall verlassen, um dort Dienst zu tun. Grüße. Gratiam, pa[cem et] a constantiam per Christum. Obsecro te, mi Bullingere charissime, per Christum dominum, velis placido vultu suscipere et animo pio audire illum optimum et mihi amantissimum
virum Michaelem 1 , satis nunc superque satis ecclesiae in rebus adflictum, perturbatum et distractum. Mira audies 2 . Iuva et consule b . Et haec hactenus. Quo vero nunc in portu navigent 3 res ecclesiae in Trullikon, ignoro 4 . Cupio certior fieri. Id quidem non abs re, quum quidem neminem habeo, qui meam curet illuc me vocato. Ecclesiam hanc deserere non possum neque debeo 5 . Interim urget me offitii mei onus. Quod velim, intelligis. Interim bene vale in domino Iesu Christo, cui te commendo una tam ecclesia tua quam domo honestissima et fratribus charissimis. Raptim, Stammae, 9. novembris anno 34. Laurentius Agricola.
[Adresse auf der Rückseite:] Christiano viro et evangelico doctori H. Bullingero, fratri in domino observando. [473]Oswald Myconius an Bullinger Basel, 9. November 1534 Autograph: Zürich StA, E II 336, 138r.-v. (Siegelspur) Ungedruckt Bedankt sich für Bullingers reiche Information. Die Straßburger wünschten, daß Myconius - dem Capito deswegen geschrieben hat - der Diskussion über das Abendmahl in Basel ein Ende setzt, einerseits im Interesse der Einheitsbestrebungen, andererseits wegen der Kriegsdrohung König Ferdinands I. gegen die «Sakramentarier». In Myconius' Abwesenheit stritten nämlich Paul [Phrygio]und Wolfgang [Wissenburg] mit Karlstadt darüber, ob die Ausdrücke «essentialiter» und «vere» synonym seien. Unter der Leitung des Myconius unterschrieben dann 17 Basler Theologen eine Abendmahlskonfession, die ihrer gedruckten [Ersten] Basler Konfession entspricht, und sandten sie beide nach Straßburg, bekamen aber noch keine richtige Antwort. Simon Grynäus schrieb aus Württemberg nach seiner Begegnung mit den Straßburger Theologen, daß diese mit seiner [und der Basler] Abendmahlslehre einverstanden seien; warum antworten sie aber nicht? Vielleicht, weil sie befürchten, daß Karlstadt als sturer Wittenberger seine alte Abendmahlslehre verteidigen werde. Myconius ist empört über Luthers abfällige Bemerkung auf Konrad Pellikans Brief Myconius empfiehlt einen Verwandten. Die Neuigkeiten aus Württemberg wird Christoph Froschauer erzählen. Gruße. S. Longe plus egisti rescribendo 1 , quam ego iniungere fuissem ausus. Quamobrem ago tibi gratias immortaleis[!]. Non enim nunc aliud valeo. Si quid possem aliud, aeque lubens ac promptus facerem. Impone aliquando et tu. Videbis enim ad inserviendum minime invitum. De Argentinensibus paucis dicam. Pervenit ad eos dissidium esse inter nos in negocio eucharistiae. Quamobrem Capito multis ad me 2 ut dissidium , pro mea authoritate compescerem. Causas habuit futuram nescio quam inter ecclesias Germaniae concordiam 3 et bellum, quod in sacramentarios, ut vocant, strueret Ferdinandus rex 4 . Ne igitur dissidium hoc impediret concordiam et concitaret Ferdinandum in nostra praecipue capita, cupiebat istud ipsum sublatum. Nos enim solos in Germania tota dicebat esse, qui Christum non haberemus in coena praesentem, tantum vero nuda signa et inania. Quibus lectis ego stupebam, ut qui de nullo conscius forem dissidio. Inquirenti vero mihi de re diligentius compertum contentionis speciem nonnullam fuisse inter D. Paulum 5 et Wolfium 6 contra Carolostadium de vocibus «essentialiter»
et «vere», an idem, an significarent diversa 7 , atque hoc factum, dum ego essem in thermis. Noluit Carolostadius hic esse synonimiam, alii contra volebant. Convocabam igitur fratres meos omneis[!], numero decem et septem. Animum inquirebam singulorum. Invenio summam concordiam de sacramento eucharistiae, nempe eam, quam olim sumus professi coram deo et mundo super ea libello 8 in lucem aedito. Constituimus ergo confessionem mittere ad Argentinenses cum singulorum nominum subscriptione 9 , ut viderent dissidium esse nullum, concordiam summam. Adiunximus libellum aeditum precantes, si quid esset veritati dei minus consonum, ut hoc ipsum indicarent, quamvis nihil tale inveniri posse putaremus vel ipsorum iudicio. Nam si inventum quid esset, olim indicassent, ut fratres decet. Habes, ut haec peracta sunt inter nos. Hactenus vero nihil nobis responderunt de causa. Tantum docuerunt 10 propter negocia fratres omnes non potuisse a congregari. Postquam hoc factum sit, responsuros esse. Fuit interea illic d. Grynaeus ex itinere in Wirtenbergam 11 . Colloquutus est. Rescripsit 12 : «Sic res habet: Stat illa in aeternum inconcussa veritas: Fide editur corpus Christi, sed vere, sed, ut postremum ex me audivisti, essentialiter, hoc est sic, ut mediatoris Christi caro et corpus ad salutem nostram est destinatum. Consentiunt fratres.» Haec ille. Ex quibus verbis equidem nihil aliud audio, quam quod nos hactenus sumus confessi ac docuimus. Miror itaque, quid velit respondendi procrastinatio 13 , tametsi videre mihi videor, quid rei sit. Verentur, ne Carolostadius pro duricia, quam tribuunt ubique Wittenbergen[sibus], veterem suam opinionem conetur defendere, || 138v. quae quidem tenere videtur nuda et inania signa in coena domini 14 . Verum de his satis. Caeterum, quod scribis ad Bucerum 15 de Luthero dixisse ad literas Pellicani doctiorem se esse, quam qui ab eiusmodi etc. 16 : Quid aliud putas subesse quam Argentin[enses] frustra laborare de concordia 17 , ni Lutherani sint
defecturi a suo duce omnes? Bone deus, quam turpe et superbum dictum! Equidem satis detestari non possum. Misereatur nostri dominus. Ut tandem finiam: Hunc, qui literas reddit, sororium 18 meum, tibi commendatum, sicubi opera tua fuerit opus, habeto, quaeso. Mihi profecto facis, quod huic facis. Ex Wirtenberga quae novi, Froschowero commisi ore narranda. Vale per Christum et domum commissam cura diligenter. Basileae, 9. novembris anno 1534. Utingerum, Theodorum 19 , Pellicanum, omnes salvos opto in domino. Os. Myconius tuus. [Adresse darunter:] Domino Heinricho Bullingero, Tigurinorum ecclesiastae primo, fratri ac domino suo observando. [474]Johannes Bullinger an Bullinger [Ottenbach, nach 11. November 1534] Autograph: Zürich StA, E II 441, 86r.-v. (Siegelspur) Ungedruckt Kann nicht nach Zürich kommen. Ihr Onkel Jakob [Bullinger] ist bei Varese einem Raubmord zum Opfer gefallen. Johannes hat den Angehörigen einen Trostbrief geschrieben. Heinrich, Jakobs Sohn, kümmert sich um die Sache. Ihre Tante Anna hat, trotz ihres Bruders Tod, nur das Geld im Kopf. Johannes hat deren Forderungen nachgegeben. Seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Frau Haas und [Hans]Kambli. Sobald die Wege gut sind, wird er kommen. Kann Bullinger in seiner Gegend kein geeignetes Schlachtschwein beschaffen. Bullingers Frau Anna wird er mit der nächsten Transportmöglichkeit Erbsen schicken. Salus a Christo etc. Lieber bruder, das ich nit inhan 2 kum nach dinem beger, ist vil, das mich hindarat. Erstlich han ich unsers Vetter Jacobs 3 seeligen wellen warttan. Ist leider by Feriß 4 schier uff unserem erterich 5 von dryen mit furo buchschan 6 angrent 7 und mitt gwalt angfallan, im in die brust und in halß den a dolchen gestochen, nebent den weg zegen und ußzogen biß uff das hemb b , als so erfundan,
und im 200 kronen gnan 8 etc. 9 Des jetzt Heini 10 , als ich vernan 11 han, inhan 12 ist, dan ich inan 13 geschriben 14 und tröst als fründt etc. Aber die Hedigarin 15 nit iras bruders todt, sundar me gutzs geachtat 16 , mir jetzt mitwuchan wellen schickan ein knecht um 5 gl. willan, und ist das zill 17 Marthini 18 erst usß gsin c , das mich vast 19 bkumbarat 20 . Han ir gschickt 4 gl., iran zu schandt ein silbaran becher [fa]ndt[?]d 21 um ein gl., das sy iras dester baß sichar sig 22 , dan ich nit han könnan bißhar zu merckt faran, ouch nieman han konnen finden. Die barschafft hat mir gen der Stoffel 23 , der mir ein kuw leider geschundan 24 hat, kost 8 gl. 1 ort 25 . Gott sucht mich 26 etc. Ich schick dyr hie 2 gl. der Hasyn 27 ; schick irs. Ouch hat mir der Kamly 28 uff Stampffanbach ein bottan geschick um 3 mitt 29 korn, von denen ich gar nütt weiß, das zug 30 ich an gott; wol bin ich im 1 gl. und 1 eimer win von dem suran jar schuldig. Sobaldt es dan weg wirt 31 , wil ich kon 32 . Schrib mir wider. Vale. Io. tuus. Raptim scripsi. || 86v. Ich weiß dyr kein suw 33 hie enet 34 zkuffen, so thür und nach der
[Adresse daneben:] Heinricho Bullinger, sinem bruder zu Zürich. [475]Berchtold Haller an Bullinger Bern, 16. November 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 30r.-v. (Siegelspur) Gedruckt: Füssli I 156-165; Teildruck: Johann Heinrich Ott, Annales anabaptistici, Basel 1672, S. 69 Hallers Freundschaft zu Bullinger ist unverändert. Er beantwortet Bullingers neusten Brief. Darstellung vom Ablauf einer Visitation in den acht Kapiteln der Berner Landschaft. Verhandlungen der Pfarrer mit dem Rat über die Bestrafung der Täufer in Bern. Die Pfarrerschaft drängt auf die Beseitigung der Mißstände in Kirche und Staat als der eigentlichen Ursachen des Täufertums und verlangt die gleiche Behandlung für Täufer und Papisten; ihr Gutachten legt Haller bei und bittet um die Meinung der Zürcher. Die von Bullinger erbetenen Aktenabschriften über die von Bern seit der Reformation geführten Kriege kann Haller nicht beschaffen; ein Teil ist nicht mehr vorhanden, andere werden vom Rat kaum freigegeben, einige werden vielleicht zugänglich, wenn Valerius [Anshelm] sie für seine Chronik benützt; er ist bereits beim Jahr 1519 angelangt. Bullinger soll den Bernern nicht nur eine Zusammenfassung, sondern den Volltext des Zürcher Abendmahlsbekenntnisses zusenden. Die Berner sind mißtrauisch gegenüber neuen unklaren Formulierungen, die zwar auf die Einigung mit Luther hinzielen, die Einheit unter den Reformierten jedoch gefährden. Haller erörtert die wichtigsten Punkte kritisch und stellt lutheranisierende Tendenzen fest. Er schrieb auch an Ambrosius Blarer, von dem das Gerücht umgeht, er habe widerrufen und eine katholische und lutherische Abendmahlslehre angenommen. Haller wartet auf Bullingers Kommentar zum 2. Korintherbrief und auf Leo Juds Passionsgeschichte. Fürsprache für den Berner Lehrer Peter [...]. Grüße. Mit Otto Brunfels, der im Sterben liegt, hat er sich gut verstanden. S. Quid de tuo Bertoldo dubitas, charissime Heinrice? Quomodo unquam suspitio in mentem venire potuit, quod meus in te animus iam alius factus sit, qui me ipsum iam dudum sic tibi credidi et aperui ut ulli[!] unquam mortalium? Expectabam literas tuas tum ad nundinas nostras Martinianas 1 , quibus adfuturum se Cristophorus Froschover bibliopolae nostro 2 indicarat, tum etiam a legato vestro Heinrico Ron 3 , atque per illos me commode responsurum decreveram, quod hactenus capitulorum negocia prohibuerant. Sed ecce improviso adest, qui a te literas 4 adfert 5 . Primum igitur te latere nob. Quandoquidem bis in anno capitula nostra, quorum sunt octo per agrum, invisimus, voluit senatus, ut et praefecti circumquaque per agrum, quisque suo capitulo interesset auditurus, quomodo
mutuo se muli scaberent 6 . Sed tam faeliciter successit, ut optatius nihil ad edificationem ecclesiarum nobis contingere potuisset. Hunc enim ordinem observavimus, ut parochorum quisque primum rationem redderet et fidei et doctrinae suae, deinde mox alii singulatim inquirerentur, num sane doceret. Hinc mox ex indiciis singulorum aperuit se studium et eruditio cuiusque. Interrogati item sunt praefecti, quandoquidem singuli suos audiunt parochos, num ipsi aut habeant aut ab aliis acceperint querelas contra doctrinam parochi. 3 o rursus idem pastor coram omnibus indicavit, quomodo et baptismum et caenam administret et de utroque sacramento doceat. Hic iterum alii addiderunt iudicia sua, addidimus et nos nostra, ubi operae precium fuit. Similiter quaesitum est de cathechismo, quo ordine hunc quisque observet. His iam auditis ad externam ecclesiarum oeconomiam interrogationes vertimus, num in una quaque ecclesia et morum censores, quos vocamus eegoumer, et praefectus suum faciant officium, ut de se iureiurando sunt polliciti. Hic invenimus omnium malorum Lernam 7 , hic dedolati sunt coram et in faciem praefecti cum decoro tamen ne exacerbatiores, sed diligentiores officiorum suorum executores redderentur. Cuius vero nulla nobis erat potestas, ad senatum retulimus. Ultimo per fratrum suffragia decretum, num is, qui iam per omnia et sui et ecclesiae rationem reddiderat, amplius in officio ferendus esset. Sic itaque explorare potuimus certissime conferendo, interrogando obiiciendo ingenia quorumcumque, vitam etiam et mores, ecclesiarum statum, praefectorum vel negligentiam vel fidelitatem. Si quid desideraveris, admone. Nam possibile non est, ut synodos singulis annis congregemus 8 . Deinde sub finem augusti, cum anabaptistae quotidie invalescant, extorsit a nobis senatus consilium, quo commode liberari possemus ab hac fece 9 . Sperabant nos consensuros in necem illorum, at secus evenit. Ostendimus enim senatui et diacosiis 10 causam morbi huius et hereseos, nempe, cum concionatores nonnulli plus ventri indulgeant quam officio probe et fideliter exequendo, non mirum esse, quod nos in universum pseudoprophetas et censuum voratores calumnientur. Deinde, cum videant et in magistratu et praefectis pompam, luxum, avariciam, dei contemptum et verbi sui neglectum, facile simpliciores a coripheis persuadentur gerentem magistratum non esse christianum. Similiter, cum iuramenta tam facile fiant, facilius rumpantur, periuria nihil puniantur et liberum sit horrendas effutire blasphemias, nemo miretur, quod illuc torqueant scripturas, christianum omnino non iurare debere. Sic, cum videant tam neglectam iuventam in omnibus vitiorum generibus succrescere, quorum baptismum mordicus asserimus, mordicus moventur
negare etc. Hec ideo proposuimus, ne tantum festinarent ad effundendum sanguinem catabaptistarum, papistis vero multo pestilentioribus et reipublicae civili et christianae perpetuo parcerent. Tandem consilium nostrum adhibuimus, cuius copiam 11 hic habes. Sed quid dicam? Denuo cogebamur diacosiis proponere. Nihilominus negocium invitis et nobis et diacosiis dilatum est in octavam usque novembris. Ea die congregabantur senatus, diacosii et 35 praefecti ex agro. Auditis primum omnibus edictis ab instauratione ecclesiae tandem in hoc convenerunt nobis negocium ad duas ferme horas explicantibus, ut simul iurarent, aber nitt von man ze man oretenus, servaturos hoc edictum et hanc ecclesiarum externam oeconomiam. lurabit plebs reliqua in urbe, deinde in agro. Hic sibi timent papistae, quod dum hactenus a contradixerint negocio domini, pro periuris sint habendi, dum id amplius fecerint ea libertate qua hactenus. Urgebamus, ut certa pena constitueretur his, qui nollent iurare, nempe ut agrum nostrum libere cum suis facultatibus exirent, dato tamen reditu, quem et Antronii 12 et quivis habent, atque in id suo consenserunt consilio. His vero, qui nec iurare volunt nec exire, nulla adhuc decreta est pena, quamvis seditionis excusari non possint (ut catabaptistae b ). His vero, qui periuri iam fiunt, non potuimus obtinere ut certam indicerent paenam, nisi quod magistratus sibi reservavit puniendos. Tu itaque perlege et iudica, iudicet et Leo 13 caeterique fratres modo considerato rerum nostrarum statu et plebis universae ingenio. Quam primum vero poteris, remitte. Nam nulla nobis alia est copia. Propediem coram plebe urbis nostrae exequentur, tandem in agro. Haec apud nos hactenus acta sunt. Si quid in iis desideraveris, libertate tua erga me utere, utatur et Leo. Quod vero ad literas tuas priores attinet, quibus multa excribenda de transactis bellis petebas 14 , nihil horum a secretario 15 impetrare possum nisi totius senatus consensu, qui non facile patietur hec transcribi. Est item sub iuramento secretario iniunctum, ne quippiam, quod ad senatus negocia pertinuerit, cuipiam communicet. Primam reformationem impressit apud vos Froschoverus 16 . Dess Grinderwalder kriegs 17 handlung ist alle in dem lettsten unfriden Silvanis überantwurtet 18 . Copy dess brieffs, so gen Capellen
gschriben 19 ist nitt meer , vorhanden; dann inn ein sunderer schriber 20 gschriben, der sy jetz nitt wort wil han 21 . Der Genfer und Müsser zug 22 lit als 23 in missifen noch hinder minen herren 24 , ouch was imm lettsten krieg sich zutragen. Wenn es aber Valerio 25 in d'hand wurde 26 als es werden , muß, || 30v. sol er acht 27 die cronik ussschriben, da möcht es mir wol werden. Er hett jetz den prediger handel 28 bschriben, der noch nie warlich an tag ist kummen; dann die dry rechtlichen procesß in latin hinder minen herren gelägen verborgen und verschlossen, syd irem verbrennen 29 nie niemant worden ze besähen. Nun bschribt er den Luterschen handel, wie er angfangen, och wenn und wie Zwingli, der eidgnossen apostel, das evangelium ze Zürich angfangen 30 . Acht, er sy nun bald amm 20. jar; wirt sich vilicht noch verzühen biß uff unsere jar. Quod vero scribis Osiandrum et Melanchthonem in Wirtembergam venturos 31 , nescio, quid suspicari debeam. Vos confitemini hinc inde fidem vestram - cavete, ne terciam! - et de concordia quadam futura plauditis. Qua nobis nihil iam pridem optatius, at interim nos hac in re postremi nec verbo confessionum vestrarum instruimur. Timemus nos vobis imponi quantumvis prudentibus. Summarium confessionis tuae 32 dedisti. Utinam totius veram misisses copiam! Nam nescio, quis rumor fratres nostros excitant, ut solliciti sint, ne et nos quoque subscribamus neglectis ecclesiis et aperto docendi modo novis quibusdam amphibologiis, quibus cum concordiam inter Luterum et nos quaeratis, summam in ecclesiis et offensionem et discordiam concitetis. Fateris Christum vere edi et bibi in caena a fidelibus. Ego vero hactenus sic docui: Nisi quis antea Christo, celesti pane 33 , adeoque illius carne et sanguine pastus sit, a caena absit. Sic enim extra caenam fideles Christum fidei contemplatione semper habent praesentem, nec primum in caena editur et bibitur, sed fideles actione hac caene contestantur cum gratiarum actione
se iam pastös morte Christi. Non tamen negaverim verbis et sacramentis sensibus nostris refricari aut repraesentari id, quod fides iam dudum voravit et sibi praesentissimum habuit. Damnas item eos, qui in caena nihil nisi nuda signa agnoscunt. Agnoscimus quidem signa, sed dum nuda assereremus, iam non essent signa. Perpetuo enim signum signati signum est. Ut igitur panis et vinum signa sunt, ita signatum praesens agnoscimus suo modo c . Nudum vero panem et vinum in caena non agnoscimus nec iam primum in caena Christum edi ac bibi, sed esum ac bibitum contestari et confiteri. Nec negamus per operationem spiritus sancti huic actioni praesentem nos fide confirmari et caritate magis ac magis coalescere. Quid intelligas per carnalem servitutem, nescio, intelligam necne. Praeterea Christum nihil sensibile hic tradidisse, sed omnia esse intelligibilia, ni fallar, veterum d verba sunt, ego ecclesiae nequaquam proponerem. Ireneus 34 : celeste et terrestre, Chrysostomus 35 : sensibile et intellegibile seu spirituale, sacramentum et res sacramenti seu signatum, Augustinus 36 : unum oris et ventris, alterum animae et fidei ciBus et potus. Interim tamen terrestre celestis nomen induit. Sic sine periculo nos loqui possumus coram ecclesia. Meo interim iudicio utcunque modico non solum respiciendum est, ut inter ecclesiarum proceres sit concordia. Nam ea facile parari potest verborum amphibologia, ut utrinque in novam quandam et terciam consentiamus confessionem. Ecclesias autem non persuadebimus facile nos a veritate nec iota defecisse 37 . Hae igitur non minus in considerationem venire debent, quam ut docti inter se conveniant. Apertissime scripsisti in 1. Cor. 11 de hac re 38 , quibus facile subscribo, quod et vera sint et clara. Caeterum, dum dicimus in caena fidelium edi Christum, inferam. Ergo in caena fidelium exhibetur cibus ille, adeoque Christus ipse, spiritualiter saltem e et externus cibus, adferet internum, nec tum opus erit, ut nos probemus. Sed qui fuerit infidelis, is iam exhibitione spirituali sub sacramentis fiet fidelis. Quid hoc aliud quam papismus et Lutheranismus? In re ipsa et veritate facile non dubitarim inter nos convenire posse, sed diversus loquendi modus ita intricatum reddit negocium, ut nihil intricatius. Audio timeri a parte Lutheranorum Lutherum ipsum et ferme plus Brentzium 39 , a nostra vero Carolostadium et Miconium ac tercium quempiam; reliquos omnes persuasos. Hinc opere precium duxi in sinum tuum cogitationes meas pro veteri et amicicia et libertate nostra effundere, ut vel sic a te extorquerem, quid rerum cogitent proceres christianarum ecclesiarum.
Scripsi paucis abhinc diebus ipsi Blaurero 40 , ut et se declaret vel unico ad nos dato epistolio, quandoquidem et Schaffhusanis et vobis nescio quot scripserit 41 . Nos vero ab extrema Gallia, Biturigibus et Lutecia pro certissima fama divulgatum accipimus Blaurerum papistis et Lutheranis in eucharistia accessisse 42 . Boni haec consule. Pro concione scribis te tractare Matheum 43 , atque id summa diligentia. Placet studium tuum, et fratres nihil magis expectant, quibus tum maxime prodesse poteris, cum pro tua in scripturis explicandis dexteritate indefessus alia et alia dederis. Priorem ad Corinthios 44 nondum compingi curavi. Expectabo igitur posteriorem 45 , quandoquidem te huic accinctum scribis, ut excudatur. Ceterum Petrum 46 , scolae nostrae hypodidascalum, tibi et Leoni commendamus quam maxime, ut a senatu vestro, si opus fuerit, Helvetiis commendetur iamiam monasteria invisentibus. Homo pius est et ipsissima probitas, qui multa paupertate premitur. A qua facile liberari posset, ubi pro voto nunc succederet. quae hic mitto 47 vel , per hunc vel per certum nuncium remittas. Mittat item Cristophorus 48 Leonis passionem 49 . Quem ante omnia cum Pellicano salutatum volo. Salva sit et uxor tua 50 . Brunfelsius noster animam ferme agit, bonus alioqui vir. Optime inter nos convenit. Salutant te et patricii et fratres omnes. Vale. Ich mein, ich hab gsudlet, darffs nitt nemmen schriben. 16. novembris anno 34. Tuus, quantulus est, B. Hallerus. [Adresse auf 30a v.:] Heinrico Bullingero, suo semper charissimo fratri.
[476]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 17. November 1534 Autograph a : Zürich ZB, Ms F 62, 309r.-v. (Siegelspur) Ungedruckt Das Bekenntnis der Zürcher wurde von den Pfarrern von Stadt und Landschaft Bern sorgsam begutachtet. Auch sie wünschen die Einigkeit, wollen aber andererseits die bereits klar geäußerte und bekannte Wahrheit nicht preisgeben. Wenn man die äußeren Zeichen und den Inhalt beim Abendmahl vermischt und etwas dem äußeren Essen und Trinken zuschreibt, was dem inneren Genuß des Abendmahls zukommt, führt man das einfache Volk in die Irre und bietet Katholiken und Lutheranern Anlaß zu Triumph und Spott. Die Lutheraner sind kaum so, wie Bucer glaubt. Warum sollte man sich zu einem neuen Bekenntnis drängen lassen? Die Zürcher behaupten zwar, ihre Lehre habe sich nicht geändert, dem ist aber nicht so: Zwingli verabscheute Zweideutigkeiten. Sie wissen wohl noch, was Zwingli bzw. der Zürcher Rat über die Konkordienverhandlungen während des Reichstages zu Augsburg [1530]geschrieben hat. Warum weicht Bullinger von seiner im Kommentar zum 1. Korintherbrief geäußerten Abendmahlsauffassung ab? Haller verließ sich bis jetzt immer auf Bullingers und Bucers Meinung; Bucers letzten Brief an die Zürcher kennt er allerdings nicht. In Kassel wird Bucer mit Melanchthon verhandeln. Die Berner müssen also offenbar als letzte das wahre Bekenntnis ablegen und das Anathema auf sich nehmen, wenn die Zürcher und Basler mit den andern übereinkommen. Um wirklich als Nachfolger Zwinglis zu gelten, mußte Bullinger bedenken, daß man sich von der erkannten Wahrheit nicht entfernen darf, sonst werden neue Streitigkeiten der Kirche mehr schaden als der Streit mit den Lutheranern. Haller schreibt ohne Wissen des Berner Rates und bittet um Geheimhaltung. Falls die Zürcher dieses Bekenntnis umarbeiten wollten - was es wegen innerer Widersprüche auch nötig hätte -, sollte dies freimütig und rechtzeitig geschehen. An ihrer persönlichen Freundschaft soll sich nichts ändern. Grüße. Gratiam et vitae innocentiam a deo patre nostro. Confessionem vestram una cum explicatione satis erudita 1 pro iudicii nostri tenuitate perpendimus una cum fratribus nostris ex agro Bernatium. Urget nos magis, quam facile scripserim, concordiae desyderium, cui tantopere frater noster Bucerus perficiendae labore et impensis studuit 2 , ex una, ex altera vero veritas ipsa tam clara et aperta, tam faeliciter a vobis omnibus, maxime vero antesignanis universo orbi invulgata et confessa. Quod veritatem obscurius confiteri possimus b , nemo, nisi qui nec ecclesiarum nec posteritatis ullam habet rationem, suadere conabitur. Quod confundamus internam corporis et sanguinis manducationem cum symbolorum esu externo atque ita nunc externo tribuamus esui verborum involucris, quod est interni 3 , et e contra, quot erroribus involvimus plebeculam simplicem, quot ansas et papistis et Lutheranis, malevolis inquam, qui nihil nisi «sacramentarios» et «svermerios» in ore habent, debachandi, dilacerandi et traducendi administrabimus! Non ubique pia est simplicitas. Quam ut summam in Buceri instituto
deprehendunt, ita facilius et illi et nobis imponent. Id quod non frustra suspicor, maxime cum nullius unquam Lutherani literas hactenus nos viderimus, quibus se vel unus talem c erga nos fore declararet, quales omnes esse sibi persuadet Bucerus. Quapropter non video, qua ratione ad confessiones urgeamur. Habet nimirum scriptura sacramentariam allaeosim in plerisque locis. Apud patres ferme nihil frequentius. Sed dum nostra secula, nostra item pericula perpendimus, ut et vos nobis longe oculatiores in multis hactenus perpendistis, ea circumspectione d opus est, ut omnia loquamur et dicamus ac confiteamur, non quidem quae etiam salva veritate possemus apud pios interpretes, sed quae ad aedificationem ecclesiarum serviant 4 . Scribitis - id quod apud te maneat sepultum, quandoquidem nihil sit, quod tibi non tutissime hactenus crediderim - vos hunc modum loquendi et docendi hactenus in ecclesiis vestris servasse 5 . Quod tamen Zvinglii temporibus vix factum putarim, qui nihil plus abhorruerit quam verborum amphibologias, id quod omnes illius libelli testantur et Leo 6 noster non ignorat. Quin pro eadem concordia sarcienda comitiis Augustanis cum Philippo Bucerus laborabat 7 , et Capito, Oecolampadius, Zvinglius ac Megander ea de causa Tiguri convenerant 8 . Deinde, dum eadem occasione Basileae Bucerus, Oecolampadius, Megander et, ni fallar, Leo ipse convenerant 9 atque confessionem Saxonicam 10 , item et 4 civitatum, Argentorati, Constantiae etc. 11 , perpendebant, non latet vos, quae illuc senatus vester per Zvinglium scripserit 12 . Quorum omnium copia apud nos est. Ad te redeo, charissime Heinrice. Quam pie, docte, clare et faeliciter rem omnem in 11. Corinth. explicasti 13 . Cur ab iis omnibus disceditis? Certe maior mihi unquam[!] ab amicis contigit tentatio quam a Bucero et te. Si in ullius unquam mortalium gratiam quid facturus essem, vos hi estis, pro quibus etiam animum impenderem. Anno superiori Bucerus multa nobiscum disseruit in synodo de hac re una cum Bartholomaeo Veneto 14 , at tamen ita omnia distinxit et tam simbolis quam rebus sua tribuit, ut cum magno applausu a plerisque reciperentur. quae vero nunc ad vos
scripserit 15 nescio. Hac hora a Capitone accipio 16 Bucerum Caselii e Hessorum Philippum conventurum 17 . Si se sic res habet, video nos futuros omnium postremos et solos, qui tametsi indocte, vera tamen et solida cum nominis nostri anathemate confiteri oporteat, quandoquidem vobis et Basiliensibus cum reliquis omnibus convenit. Tu, ergo, charissime Heinrice, sic consilia cogites, ne discedamus a veritate aperta et publica disputatione nostra 18 confessa, ne inter nos ipsos quoque verborum contentio oriatur et oborta maius ecclesiae scandalum sit allatura quam Lutherana, ne item extremo totius orbis ludibrio et veritas et posteritas exponatur, taceo calumnias et iniurias, quas in nos papistae cum Lutheranis effusuri essent, et rem omnem sic tibi commendatam habe, ut verus Zvinglii successor habearis. Praeterea, quod ad vos scripsimus, ||309v. apud vos maneat sepultum ea quidem fide, qua vobis haec ad expostulationem vestram misimus. Nam quicquid hactenus egimus, inscio senatu nostro aegimus, quandoquidem non videbatur opere precium, cum vobis per omnia non subscripserimus. Ne igitur hac in re nos negligatis. Intelligi autem velim, ne vel Lutheranis vel typographis credatur. Quodsi vos ipsos aliter declarare volueritis aut confessionem vestram clariorem reddere, quandoquidem explicatio tam cum confessione quam secum ipsa pugnare videtur, facite hoc libere et in tempore, ne clam vel senatu vel symmistis quippiam agere cogamur. Id quod tamen minime facturi sumus. Habes omnia, quae nunc scribenda occurrerunt. Vale. Boni consule omnia. Illibata, constans et perpetua semper inter nos maneat amicicia. Salvos cupio symmistas omnes, praecipue Pellicanum et Leonem mihi caeteris fotos magis. 17. novembris anno 34. Tuus, quantulus est, Berchtoldus Hallerus. [Adresse darunter:] Heinrico Bullingero, ecclesiastae Tigurino, fratri suo semper charissimo. [477]Hans Vogler an Bullinger St. Gallen, 18. November 1534 Autograph: Zürich StA, E II 335, 2008 (Siegelspur) Ungedruckt Bürgermeister [Johannes]Varnbühler von Lindau ist am 7. November zum oberdeutschen Städtetag nach Esslingen aufgebrochen, wie Thomas [Gaßner] an Vadian geschrieben hat. Die Kirchen trafen in der
Abendmahlsfrage eine Übereinkunft. Voglers Frau bittet, Bullinger möge bei Bürgermeister Diethelm Röist ein Wort für sie und ihre Sache [im Prozeß um ihre Güter im Rheintal]einlegen. Grüße. Hat mit der Einwilligung Nasals mit Vadian gesprochen. Dieser war sehr unzufrieden; er meinte, Kaspar [Nasal] müsse von allem Verdacht entlastet werden, evtl. mit einem Schreiben. Gottes gnad mit uns ewig. Amen. Min vilgeliepter herr und bruder, nicht sonders nüwe zittung 1 ; denn ich achtten 2 , ir vor unns wissend, daß die stett im pundtt 3 zu Esslingen by ainandren sind 4 . Und namlich so ist burgermaister Varnnbüler 5 der , getrüw von Lindow bott, yetz sampstag achtt tag 6 hinweg gritten. Alsso schript der predger Thoman 7 von Lindow minem hern Docter von Wadt 8 . Villicht schript er üch disses och, so haben irs zwyfalt 9 . Und namlich 10 wie ain verainigung 11 oder zusamenkomung der kirchen beschechen, fürnämlich dess sacraments halb 12 . Da ich zu gott hoff, er werde den finden 13 disse fröud nemen. Der artickel ist ainer (was mer) 14 . Min husfrow 15 pitt üch, wie allweg obzuhalten 16 , fürnämlich daß ir min her Rösten 17 für uns und unsre kinder pittend, daß er unsser vatter und ettwan in betrachtung haben 18 ; dann wir siner hilff erwarten, sampt ander trüwen 19 . Ich wais, wenn er mag 20 , so tut er; nicht mer kan ich an inn begerenn 21 . Wir grüssend üwer lieb husgsind 22 . Der herr stercky üch als ain jungen werchzüg. Sagend maister Kasparn 23 , ich hab nach lut siner bewillgung mitt minem her Docter 24 gret. Ist übel zufriden. Er vermaint, es söllte so vyl hie ghandlet
Actum S. Gallen, mitwoch nach Othmari anno 34 jar. U[wer]w[illiger] Hans Vogler. [Adresse auf der Rückseite:] An min sonders geliepttenn herr und fründt M. Hainrichen Bulliger, prediger zu Zürych, zu handen. [478]Martin Bucer an [Bullinger und Leo Jud] Augsburg, 22. November [1534] Abschrift : Lindau Stadtarchiv, Reichsstädtische Akten 63/8, f. 7 Ungedruckt Die Zürcher wünschen eine Einigung der Kirchen. Bucer bittet sie daher, im schaffhausischen Städtchen [Neunkirch]oder in Tuttlingen oder in Konstanz sich mit ihm geheim zu treffen sowie mit [Ambrosius] Blarer, Grynäus Frecht und , je einem Vertreter der süddeutschen Städte. Da er bald nach Hessen gehen muß und am 15. Dezember [mit Melanchthon]zusammenkommen möchte, sollen die Zürcher rasch den Ort bestimmen. Der Brief geht über Lindau, damit ihn Thomas [Gaßner] lese. Er soll den gewählten Ort denen von Konstanz, Isny und Memmingen anzeigen. Die Konstanzer sollen Blarer und Grynäus benachrichtigen. Bittet, den Brief an Berchtold [Haller]und Myconius weiterzuleiten und schweigsam zu sein. Scio, quam queritis, fratres, ecclesias Christi uniri. Iam si modo mihi emoriendum, morerer in hac fide, re ipsa illis convenire, et est spes posse me ope domini id vobis approbare. Per dominum Iesum itaque obsecro et obtestor: Impendite vos hactenus corpori domini nostri Iesu Christi et dignamini mihi vestri copiam facere vel in parvulo illo oppidulo 3 , quod Schaffhusianorum
est distans miliario 4 a Schaffhusia versus b ditionem comitis Suitz 5 , vel Duttlingen 6 in ducatu Wirtenberg[ensi], ubi dominus ab c Hewen 7 modo praefectus est, in utro loco libeat, vel si malitis, Constantiae 8 . Forsan posset via iniri d , ut lateremus. Nam omnino necesse est e latere nostrum congressum. Convenire vero oportet Blaurerum, Grinaeum, Frechtum, unum ex Augustanis, Memming[ensibus], Campido[nensibus], Lindaue[nsibus], Isnen[sibus], Essling[ensibus]9 . Offertur ea occasio concordie, quam non dubito nos f haudquaquam sine dei magna offensa reiecturos. Per hunc ipsum tabellarium 10 respondete g , et mature. Nam expecto, ut in Hessiam abeundum sit mihi 11 . Diem conventus nostri oportebit esse[?] h 15. decembris 12 . Locum vos pro vestro arbitratu designate i , ad quem vos duo 13 possitis tacite[?] k convenire. Bene valete et, per Christum oro, sinite vos apparari, et ut conveniatis et mature rescribatis, idque per hunc ipsum tabellarium, qui has meas vobis perferet. Commendate me fratribus l . Auguste Vindelice 14 , 22. novembris. Literas hasce vobis misi per Lindouiam et volui, ut Thomas 15 noster illic eas legeret 16 , qui et responsum vestrum Constantiensi[bus], Isnen[sibus],
Memmingen[sibus] de loco, ubi rescripseritis, possit in tempore denuntiare, verum Constantienses Blaurero et Grineo 17 . Mar. Bucer. Obsecro valde vos, si potestis, in tempore hasce literas Berchtoldo 18 mittite cum inditio loci, ad quem vultis convenire, ut si velint, et Bernates ibi m conventui adsint. Sic oro, et literas curate ad Myconium item indicaturi locum, quo libet convenire. Omnia, rogo per dominum, tacite gerite cum diligentia. Iterum valete. 22. novembris. [479]Bullinger im Namen der Pfarrer von Zürich
an Oswald Myconius und die Pfarrer von Basel Zürich, 23. November 1534 Autograph: Zürich StA, E II 347, 52 (Siegelspur) Ungedruckt Der Zweck der beigelegten Erklärung der Zürcher zur Abendmahlsfrage ist aus Bucers ebenfalls beiliegendem Brief ersichtlich. Da die Zürcher die geheimen Beratungen, wie sie ihnen Bucer vorschlug, nicht mögen, haben sie sich lieber schriftlich geäußert. Die Basler Glaubensbrüder werden ersucht, die Schrift zu prüfen und, wenn sie einverstanden sind, einzeln zu unterzeichnen, damit sie Bucer zugesandt werden kann. Die Berner wurden ebenfalls darum gebeten. Gratiam et vitae innocentiam a domino. Quo consilio mittant vobis fratres expositionem nostram de Sacramento eucharistiae 1 , docebit huic apposita Buceri epistola 2 . Displicuit nobis nocturnus ille congressus 3 . Scriptis placuit rem istam transigere. Scripta porro ea hic habetis. Si quid in his est, quod in veritatis detrimentum tendere videatur, libere indicate, et gratias vobis agemus maximas. Hoc enim potissimum nomine istaec mittimus, deinde, quod in religionis negotio nihil sine vobis,
charissimis fratribus nostris, agere statuimus. Vos enim membra et viscera nostra 4 estis. Si ergo recte iudicavimus de eucharistia, album addite calculum 5 . Addite epistolam, qua attestemini idem vos a nobiscum sentire subscriptis singulorum nominibus. Cupimus autem, ut hoc e vestigio fiat, et per hunc quidem nuncium 6 . Per quem, obsecro, et expositionem hanc una cum Buceri epistola remittite. Hoc enim expositionis exemplar Augustam una b cum iis, quae vos reddideritis, nisi tantum subscribere placeat c , Bucero mittemus. Quod autem vobis scribimus, idem et Bernatibus nostris scribimus 7 . Valete in domino, fratres charissimi. Tiguri, 23. novembris 1534. Heinrychus Bullingerus nomine omnium ministrorum verbi Tigurinae ecclesiae. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Osvaldo Myconio caeterisque Basileiensis ecclesiae ministris. fratribus in domino charissimis [480]Pfarrer von Basel an die Pfarrer von Zürich Basel, 26. November 1534 Autograph a von Oswald Myconius: Zürich StA, E II 337, zu 69 (Siegelspur) Ungedruckt Sind mit dem Zürcher Bekenntnis gänzlich einverstanden; es entspricht auch ihrer gedruckten Konfession [vom Januar 1534]. Mit dem Hinweis auf die Behauptung der Gegner, die Basler hätten ein Abendmahl ohne Christus, veranlaßten die Straßburger die Abfassung eines neuen Bekenntnisses. Dieses ist etwas kürzer als das zürcherische, steht aber damit völlig im Einklang. Die Straßburger sind damit einverstanden; Bucer ist allerdings abwesend. Daß es beim Abendmahl auf den Glauben ankommt, muß jedem wahren Christen einleuchten. Die Gegner sprechen ihnen den Glauben ab und dies nur auf Grund von Verleumdungen, ohne ihre Bücher zu kennen, die sie ja verachten. Die Basler hoffen auf die Konkordie, um die sich die Brüder in Straßburg bemühen. S. et pacem per dominum. Hanc vestram confessionem 1 diligenter, quamvis tempus breve esset, lectam non nunc primum adprobamus, sed olim quoque confessi sumus et deo
et libello in hoc aedito Germanice, mundo b et ante dies non multos fratribus Argentinensibus, qui scriptis literis 2 eam ipsam elicuerunt hoc potissimum verbo, quo scripserant illud per Germaniam pene ferri de nobis, habere coenam sine Christo. Hoc itaque pati nequeuntes coacti sumus ad confessionem super eucharistiae sacramento faciendam veluti de novo 3 . Par est per omnia, quod adtinet ad mentem, vestrae. Brevior est expositio, interim a vestra tamen nihil poenitus dissonans. Iam c Argentinenses et nostram sententiam de praesentia domini in coena deque toto coenae probarunt negocio literis 4 et propriae manus cuiusque subscriptione excepto Bucero, ut qui domi, sicut scitis, non fuerit d 5 . Cui vero non constat, pio saltem, quod ubi fides existit, ibi et Christum vere esse? Contra ubi fides nulla, nullum etiam Christum esse? Quamobrem si coenam agentes fideles fuerimus, necesse est, ut Christum habeamus praesentem edamusque, dum panem sumimus et vinum bibimus 6 . Istud quidem ex dicto verbo satis superque e notavimus, adversarios in hac causa nostros fidem Christi poenitus negare nobis. Nam f alioqui de coena nostra tam improbe iudicare non possent. Verum quaenam haec malignitas negare, fidem eis, qui Christum docent tam synceriter, imo qui gloriari audent cum Paulo se «nihil scire prorsus nisi Iesum Christum et hunc crucifixum» [1 Kor 2, 2]? Videntur contemnere libros, qui scripti sunt quique scribuntur a nostris. Hos etenim non legunt, interim tamen credunt delatoribus, et quicquid hi deferunt, arripientes firmant. Quocirca quid deinde aliud quam meras calumnias dicerent? Iudicabit istos olim dominus 7 procul dubio. Nostrum est unanimiter rogare deum per dominum nostrum Iesum Christum, ut mentis sanitatem largiatur, qui carent 8 , defendat, qui habent. tum enim nemini dubium esse potest quin concordia consequatur in ecclesia talis, qualem iam diu bono quidem zelo quaesierunt fratres Argentinenses 9 . Dominus nos omnes conservet in aeternum!
Valete semper fide salva g et inconcussa. Basileae, raptim, 26. novembris anno 1534. Telamonius Limpergius 10 , Osvaldus Myconius, Paulus Phrygio, Andreas Carolostadius, Volffgangus Wisenburgius, Marcus Bersius, Benedictus Widman h 11 , Johannes Luitthardus 12 , Thomas Gyrfalckonius 13 , Ioannes Gastius 14 , Michael Glasser 15 , Michael Capitarius, diaconus Leonardi i 16 , Burckardus Rottpletz k 17 [Adresse auf der Rückseite:]l Domino Heinricho Engelharto, d. Heinricho Bullingero caeterisque fratribus Christum Tiguri docentibus, dominis et fratribus in Christo charissimis suis.
Buch der Basler Reformation, Reg.; ABaslerRef II-VI Reg.; Basel, Matrikel II 22f; Tagebuch des Johannes Gast (s. Anm. 14), Reg.; Gauß, aaO, S. 106; Contemporaries II 359. 13 Thomas Gyrfalk (Geyerfalck, Geierfalk,
Girfalckonius), gest. 1560, gebürtig
aus dem St. Gregorien-(Münster-)Tal, im
obern Elsaß, in der alten Diözese Basel,
Lesemeister im Augustinerkloster Freiburg
i. Üe., das er wegen seiner evangelischen
Gesinnung Anfang 1524 verlassen
mußte. Von Cornelius Agrippa nach Basel
empfohlen, wurde er dort Prädikant und
Lesemeister zu den Augustinern, 1529
Diakon und Prediger an der Münsterfiliale
St. Elisabeth, 1535 am Münster selbst
und zugleich Seelsorger der Gefangenen
und der zum Tode Verurteilten. Er war
ein treuer Freund Oekolampads und
Zwingli zugetan, aber wenig gebildet.
1526 nahm er an der Basler Disputation
teil. Vom 15. März 1551 bis Mitte Oktober
1552 vertrat er Myconius. - Lit.:
Corr. des réformateurs I 99, Anm. 2. 329,
Anm. 6. II 115, Anm. 3; Z VIII 76. 315.
IX 561 und Reg.; Oekolampad BA I. II
Reg.; Das Buch der Basler Reformation,
Reg.; ABaslerRef II-VI Reg.; Basel, Matrikel
II 22; Gauß, aaO, S. 10. 75; Bopp,
177 (Nr. 1599); HBLS IV 27 (mit weiterer
Lit.); Locher, Zwinglische Reformation
430; Contemporaries II 155.
[481]Jakob Meyer an Bullinger Basel, 28. November 1534 Autograph: Zürich StA, E II 336, 25 (Siegelspur) Ungedruckt Hat den jungen Lombart zusammen mit seinem Enkel [Hieronymus Curio]nach Straßburg geschickt. Gerüchte über eine geplante Heirat zwischen Kindern des deutschen Kaisers und des französischen Königs. Freut sich über die Mandatserneuerung in Zürich. Grüße. Gnad und frid vom herren. Früntlicher, lieber herr und bruder. Des jungen Lombarts 1 halb, den hab ich mit einem andren knaben, miner tochter son 2 , gon Straßburg geschickt.
Bitt euch, ir und Meister Leo 3 wollens mir nit verargen. Die knaben haben wollen beyeinander sin. Ich weyß euch nüwer zytung 4 uff diß moi nit ze schriben, dann die red ist, der keyser 5 und Franckrich 6 wollen kinder zesamen gen 7 . Sonst sind vil praticken 8 vorhanden zu nochtheil dem ewangelio. Üwerer herren nüwen ußgangen mandaten 9 halb hör ich gern. Gott wolle, daß mans mit frucht erzoige. Wolt gern, das man den gottlosen irer guten worten nit zuvil vertrüwte 10 . Ir verstond mich wol. Der herr wolle es alles zu heiligung sins namens geraten lassen. Grüessen mir den vogt von Kyburg 11 , Meister Leo, den Pellicanen und die bruder all. Ich wünsch euch merung des gloubens 12 und gottlicher gnaden. Der welle euch lang enthalten 13 als sin getrüwen werckzeug zu nütz und fromen siner kilchen Amen. Datum Basel, den 28. novembris anno etc. 34. U[wer]Jacob Meyger. [Adresse auf der Rückseite:] Dem wolgelerten Meister Heinrich Bullinger, hyrt zu Zurich, minem gunstigen, lieben herren und bruderlichen freund.
[482]Zürcher Pfarrer und Lehrer an Martin Bucer [Zürich, Anfang, 15., 17. Dezember 1534] Original von der Hand des Erasmus Schmid a : Straßburg Stadtarchiv, AST 168, Nr. 15, f. 207r.-208v. Gedruckt: Ernst Bizer, Martin Butzer und der Abendmahlsstreit. Unbekannte und unveröffentlichte Aktenstücke zur Entstehungsgeschichte der Wittenberger Konkordie vom 29. Mai 1536, in: ARG 35, 1938, S. 229-237 b ; Zusammenfassung mit übersetzten Zitaten und Kommentar: Pestalozzi 178f; Köhler, ZL II 366-369 [Zürcher Abendmahlsbekenntnis vom Dezember 1534:]Legen erneut ihre Lehre dar. Im Abendmahl sind Christi Leib und Blut wirklich da und werden von den Gläubigen im Glauben gegessen und getrunken. Die Sakramente sind Zeichen der göttlichen Gnade und unterbreiten diese auf ihre Art unsern
Sinnen. Zur Vermeidung von Dunkelheit wird ausführlich erläutert, daß Christi wahrer Leib nicht eingebildet und das Abendmahl nicht bloßes Gedenken mit leerem Brot und Wein ist; daß Christus sich selbst als lebendig machende Speise gibt; daß «wahrhaft essen» bedeute, ihn als Erlöser anzuerkennen und ganz in sich aufzunehmen; daß sein Leib und Blut, obwohl für den Glaubenden auch außerhalb des Gebrauchs der Symbole gegenwärtig, doch auch im Sakrament nur durch den Glauben gegenwärtig, hier aber sinnlich anschaulich sind als ein Bild der Sache, welche der Geist innerlich wirkt; daß Ungläubige nur das Zeichen und zu ihrem Gericht, Gläubige aber Christi Leib essen als ihre geistliche Nahrung; daß die Gnade nicht an die Sakramente gebunden ist; daß Christus den allein wirkenden Geist gibt, während die Rezitation der Einsetzungsworte nichts vermag, obschon die Amtsträger ihre Bedeutung durchaus behalten; daß krasse Redeweisen nicht anstößig, einfache, biblische aber besser sind; daß sie nicht bloße Symbole lehren, aber Christus geistlich, nicht fleischlich essen; daß wir ein Leib mit ihm werden und trotz Schuld zu ewigem Leben gelangen. Wollen in dieser schriftgemäßen Lehre verharren. Suchen Frieden mit Luther, der zeigen soll, daß er mit ihnen in der Sache, wenn auch mit andern Ausdrücken, übereinstimmt, und der die Weise der Gegenwart im Sakrament deutlich darlegen soll. Geben Bucer die Vollmacht, diese Schrift zu veröffentlichen sowie sie Luther, Philipp [Melanchthon], Brenz, Osiander, Agricola oder Schnepf vorzulegen, verbieten Änderungen darin und mahnen zur Wahrheit in seinen Konkordienbemühungen. Confessio Tigurinorum c . Martino Bucero d 2 . Gratiam et vitae innocentiam a domino. Tametsi saepe alias, Bucere, frater in domino venerande, de fide et doctrina
nostra, quam in eucharistiae negocio profitemur, testati simus 3 , idem tamen denuo quod antea semper nunc etiam ex corde syncero tibique e bene conscio coram deo et toto mundo testamur et confitemur. Nempe: In f eucharistiae sacramento, hoc est in gratiarum actionis coena sacrosancta verum corpus Christi, quod pro nobis in cruce fractum est, et verum eius sanguinem, qui in remissionem peccatorum nostrorum effusus est, vere adesse, dari, distribuique fidelibus, qui verum corpus Christi verumque eius sanguinem fide edunt atque bibunt. Sacramenta g enim, quae dominus instituit, divinae erga nos gratiae h symbola, signa testimoniaque sunt, quae divinas promissiones et gratuita in nos dei benefitia non solum significant, sed suo quodam modo 4 sensibus subiiciunt ac repraesentant. Haec summa est sententiae nostrae 5 . Iam, ne qua verbis insit obscuritas aut amphibologia, nos nostraque simpliciter et bona fide ad hunc modum exponimus: Cum i corpus Christi in coena adesse dicimus, idem illud corpus intelligimus, quod pro nobis in mortem est k traditum. Non enim spirituale aut imaginarium quodpiam corpus fingimus. Neque enim Christus aliud habet corpus, quam quod cooperante sancto spiritu de intemerata sumpsit virgine, quod pro expiatione delictorum totius mundi in mortem dedit, quod a mortuis redivivum resurrexit non exuta iam natura humana aut conversa in divinitatem aut spiritum l , sed defecata, ut sic dicamus, sive ut alii dicunt, glorificata 6 . Verum enim corpus, sed clarificatum 7 palparunt apostoli 8 , verum corpus coelos conscendere suis ipsorum viderunt oculis 9 , verum corpus considet ad dexteram patris inde m denuo venturum ad iudicandum vivos et mortuos 10 . Vere n adesse corpus Christi affirmamus propter eos 11 , qui aiunt nobis in
coena nihil post panem et vinum, inania quippe signa absentis scilicet o , non etiam praesentis Christi, superesse 12 . Quae opinio certe nunquam nobis vel in mentem venit, tantum abest, ut sic docuerimus unquam. Non enim asserimus hanc domini coenam ita greek 13 aut memoraculum esse, ut nonnisi p absentis Christi commonefaciat, imo praesentis magis. Quid enim egregii aut augusti celebraremus, si pane dumtaxat nudo gloriaremur? Aut quomodo coena domini diceretur, quae esset sine domino? Credimus q ergo ipsum verum domini corpus in coelos ab oculis nostris receptum sedere ad dexteram patris in uno aliquo loco coeli propter veri corporis modum, in coena vero eo interim modo eaque ratione adesse, qua ille ipse dominus se suis praesentem exhibet, qua se suis fruendum distribuit et ipsa mens fidelis ipsum capere et edere potest 14 . Palam ergo nunc enarrabimus, quomodo suis praesens sit, quomodo se suis distribuat r et quomodo hi vero eius corpore et sanguine pascantur ad vitam aeternam: Diximus s ergo vere Christum praesentem esse, denique verum eius corpus distribui credentibus adeoque hos verum corpus et sanguinem domini edere et bibere. Christus enim est ille summus et verus sacerdos 15 , qui solus virtute sua hic agit. Is promisit se nobis affuturum 16 , se nobis corpus et sanguinem suum t distributurum in cibum vitae aeternae, atque idem suis ipsius u verbis declarat, quo pacto se nobis distribuat et quo pacto v caro eius edatur esaque credentes vivificet 17 : «Panis», inquit, «quem ego dabo, caro mea est, quam ego dabo pro mundi vita» [Joh 6, 51]. Hunc ergo panem dat manducandum nobis, cum intus per spiritum suum docet 18 nos imolatione carnis suae 19 a peccatorum morte w in vitam x assertos esse. Ipse enim est panis vitae et vivificans, qui aeternum saciat 20 , ubi vere y ipsum edimus, id est vere per fidem agnoscimus. Caeterum salvator 21 agnosci non potest, nisi intelligatur is pro nobis satisfecisse. Satisfacere non potuit, si mon ac z pati non potuit. Pati autem non potuit, si veram carnem non adsumpsit 22 . Ipse ergo panis dat
nobis panem, id est ipse vivificans et satians mentem in vitam aeternam nos reficit, liberat, absolvit et vivificat 23 , idque hoc ordine aa : Primo nostri gratia incarnatus est et assumptam carnem tradidit pro nobis in mortem, ut scilicet per imolationem sui bb satisfaceret deo patri cc pro peccatis nostris. Deinde resurgit[!] a morte dd et coelos ascendit 24 , ut palam deprehenderemus cum mortis tum peccati vires adeoque et damnationis catenam esse confractam, vitam vero restitutam. Hinc ee vero donat nobis fidem ff , per quam istis rebus fidamus distribuentemque se isto more nobis suscipiamus edamusque. Per gg edere ergo et manducare corpus aut carnem domini nihil aliud intelligere possumus quam per spiritum et fidem in animo persuasum esse et firmiter credere Iesum Christum, dei filium, pro nobis esse crucifixum carnisque suae imolatione salutem nobis adeptum esse. Hic autem cibus animae, non corporis, cibus vivificus est 25 dum illa fide hh , expendit hoc tantum, domini benefitium, quod scilicet ii ab aeterna morte redemit et aeterna vita donavit. Hic cibus et ad omnem pietatis functionem et ad aeternam vitam vegetat. Quis enim non summe diligat eum aut quid non faciat aut patiatur pii kk animus eius gratia, quem videt se totum impendisse sibi, pro se mortem oppetisse ll , ut aeternum viverent fideles? Hoc est ergo carnem Christi edere atque sanguinem eius bibere: totum rapi ac transmutari in Christum 26 , huic gratias agere perpetuas, huic uni immori 27 . In eo vicissim, qui tali Christum dilectione complexus est, agit et vivit Christus omnia in eo spiritu suo operans et perfitiens 28 . Hoc ipsum est et in Christo manere et Christum habere in se manentem 29 . In summa mm : Distribuit se nobis Christus semel, cum corpus et sanguinem suum pro nobis in mortem tradidit. Distribuit nn se nobis quotidie, cum fidem dat, ut illum edamus et bibamus. Edimus autem corpus eius verum vere, cum verum corpus vera fide pro salute nostra credimus traditum et sanguinem eius pro emundatione nostri effusum 30 . Aliam corporis et sanguinis Christi praesentiam ac distributionem quam veram et spiritualem, aliam corporis Christi manducationem quam eam, quae vere et per fidem fit, non agnoscimus. Et fides quidem verarum, non falsarum rerum est 31 . Et oo quanquam Christi corpus et sanguis ad eum, quem exposuimus, 207v. || modum fidelibus semper, etiam citra symbolorum usum pp , praesentia sint, distribuantur
et iis vescantur pii, attamen nonnisi per fidem eandem nec per aliam qq quam hac ipsa ratione praesentia sunt, distribuuntur et manducantur, etiam cum in symbolis celebrantur. Non quod frustra instituerit dominus symbola, sed quod haec sine fide inutilia sint incredulis. Credulis quid prosint, quid et quanta sint, sequitur. Proximum rr enim est, ut nunc de symbolis dicamus, quomodo divinae promissionis bonitatisque testimonia sint et quomodo benefitia dei - ipsas inquam res -, quorum ss signa sunt, non modo significent, sed suo quodam more subiiciant sensibus et repraesentent. Summa illa maiestas deus nullibi non nostrae infirmitati condolens humana imitans divinas illas res suas involucris quibusdam vestit, cum quod divina per humana exposita magis fiunt nobis intelligibilia, tum quod industria nostra ad tt indagationem contemplationemque rerum divinarum per visibilia et externa pia quadam excitatur curiositate. Iam uu apud homines cuiuslibet rei traditio efficatior quodammodo videtur, cum non verbis modo, sed et signis transigitur. Id quidem videre est in foederibus, contractibus, venditionibus et multis aliis id genus similibus rebus. Volens ergo Christus ecclesiam suam in contemplationem benefitiorum dei, maxime vero mortis suae inducere, praeterea illam reddere certam et indubitatam, quod pro fidelium salute corpus suum vv in mortem tradiderit frangendum et sanguinem in emundationem nostri effundendum, sacramento panis et vini id quidem fecit. Nam cum dixit: «Accipite, edite [Mt 26, 26]. Hoc est corpus meum, quod pro vobis traditur [Lk 22, 19]ww . Accipite et dividite inter vos [Lk 22, 17]. Hic calix novi testamenti est in meo sanguine [Lk 22, 20; 1 Kor 11, 25]32 , qui pro multis effunditur in remissionem peccatorum» [Mt 26, 28] - oportet sane verum et firmum esse, quod dixit, corpus pro nobis traditum et sanguinem fusum esse in remissionem peccatorum nostrorum -, accedit his xx fractio panis externa et visibilis, accedit effusio vini sensibilis. Quae omnia vera et firma esse coarguunt, quae ipsa coenae verba referunt fidesque ipsa piae mentis recolit. Iam yy et sensibilibus evocantur sancti in consyderationem rerum invisibilium. Quod ergo pia mens coram in pane et vino fieri videt, in ipso corpore Christi et sanguine effuso facta credit, illa scilicet confracta et effusa zz esse. Videt item sacramenta haec sive signa cognationem quandam habere cum re ipsa. Sicut enim corpus humanum pane potissimum aaa et vino alitur et ad opera sua vegetatur, ita animus, qui fide in Christum et per Christum vivit 33 , non aliunde in vita conservatur nec ad opera pietatis vegetari potest nisi per ispum corpus et sanguinem domini, per vivificam
redemptionem et spiritum Christi sanctum. Porrigens ergo panem ait Christus: «Accipite bbb , comedite [Mt 26, 26]. Hoc est corpus meum, quod pro vobis traditur» [Lk 22, 19]ccc , quasi iam dixerit: «Ut panem vobis ore corporis edendum porrigo, ita animo corpus meum dono ore mentis et fidei manducandum. Panis hic symbolum sive memoraculum est corporis mei, et quo vobis mortis meae fructum indico. Ut enim pane confortatur cor hominis, ita solius mortis meae ddd benefitio aeternum vivetis.» Sic, inquam, agnoscimus sacramenta a deo eee instituta esse, ut praeclarae istius fff gratiae, de qua nobis paulo ante longus sermo fuit 34 , forent symbola, testimonia et memoracula. Gratia autem illa intus per spiritum et fidem efficaciter alit, in anima operatur, res ipsas praesentes facit spiritualiter, sicut ipsa mens cupit et potest comprehendere. Sacramenta autem visibiles quaedam formae sunt, quae foris imaginem habent rei, quae per spiritum intus operatur, illamque nunc ggg suo illo more sensibus obiiciunt. Ex hhh his autem colligimus et confitemur incredulos quidem signo participare iii , at non re ipsa. Scimus enim kkk , quod panem domini ad mortem ac iudicium edit, qui sine fide edit 35 . Scimus, quod in Christo manet, qui in fide edit. Iudas non mansit in Christo et tamen sacramento participavit 36 . Recte ergo Paulus consuluit dicens: «Probet se ipsum homo et sic de pane hoc edat et calice bibat» [1 Kor 11, 28]. Itaque non qui premunt dente, sed qui edunt corde, manducant corpus Christi lll , qui visibilem cibum spiritaliter intelligunt, spiritualiter esuriunt, spiritualiter gustant, spiritualiter saciantur. Colligimus mmm item gratiam sacramentis non esse alligatam neque haec ceu instrumenta et canales esse, quibus gratia adeoque ipsum domini corpus vel incredulo infundatur. Fides 37 enim sumentis gratiae et corporis Christi nnn capax est, non circumscriptio signi. Ipse dominus sese nobis distribuit. Eides ipsum capit et edit. Uni enim salvatori nostro ooo omnia competunt salutis. Ipse dat spiritum 38 , docet 39 , pascit, vivificat 40 et instaurat omnia. Nulla creatura hoc potest. Recitat minister verba Christi. Nihil inde percipiet, cui defuerit fides et spiritus Christi. Haec ubi adfuerint, sentiet panem esse corpus Christi, hoc est sibi id esse corpus Christi, quod corpori est panis, nimirum cibus salvificus et verus animae cibus.
|| 208r. Interim ppp vero ministerium cum verbi dei tum ministri et iustam sacramentorum qqq administrationem iusto dignamur honore. Agnoscimus enim ministros ministros esse dei, dispensatores mysteriorum dei rrr , cooperarios dei. Hos ut Christum excipimus, illorum verbum et ministerium ut verbum et operationem dei sss , quod est, suscipimus. Verba Christi omnia ideo et ipsa coenae verba attente ttt et piis animis excipiemus. Hic tamen omne incrementum et fructum omnem uni Christo acceptum feremus 41 , qui certe sacramenta frustra non instituit, etiamsi unus spiritus agat omnia 42 . Presicatur enim iis salus nobis a deo data, pronuntiantur cum authoritate et confirmatione quapiam promissiones dei, sensus convertunt a visibilibus ad invisibilia, fidem exercent, quam et proximo pollicentur, et ad charitatem mutuam invitant. Atque haec omnia dum fiunt, unus atque idem operatur spiritus, qui inspirando nunc citra instrumentum trahit, nunc per instrumentum, quo, quantum et quomodo uuu vult 43 . Ita et sola fides vim iustificandi obtinet, quam non possumus tribuere symbolis, quae benevolentiae dei in nos testimonia sunt. Rursus vvv , cum sacramenta sint verba visibilia 44 , quae docent sensibiliter, nomenque ipsum, quorum symbola sunt, sortiantur, nihil offendit nos, cum audimus panem dici corpus Christi. Circumcisio enim foedus 45 dicitur, agnus transitus 46 , adeoque ipse Paulus www panem adpellat corpus Christi 47 . Quas locutiones nolumus mutatas. Exponantur autem fide et more scripturae sancto xxx et , gratiam non modicam splendoremque habebunt illustrem. Nec yyy offendunt nos veterum picturatae et augustae sententiae, quibus rei vel excellentiam suffigurarunt vel adversarios et carnis Christi negatores urserunt. Non offendit, quod ait Chrysostomus, eum, qui supra in coelis est, omnium manibus teri zzz inque huius carnem dentes nostros infigi 48 . Hoc illorum tempora ferebant, forte expostulabant etiam. Nos illis perraro aut
nunquam utimur, utpote quibus ecclesiarum nostrarum ratio habenda est, ad quarum aedificationem Paulus omnia institui voluit 49 . Utimur ergo aaaa claris, disertis et simplicibus verbis, quae rei, ecclesiae nostrae et temporibus nostris accommoda scimus bbbb quaeque cccc fidei consentanea et scripturis sacris consona dddd non dubitamus. Ex eeee istis, opinamur ffff , colliget aequus lector a nobis non asseri symbola nuda celebrarive festum diem sive coenam absque Christo rege. Mysteriis enim nostris assistit Christus, rex et sacerdos noster Distribuit se gggg suis manducandum, sed eo modo eaque ratione, qua fidelis anima cupit et comprehendit, et sicut ipse dominus dixit: «Caro non prodest quicquam. Spiritus est, qui vivificat. Verba, quae loquutus sum, spiritus et vita sunt» [Joh 6, 63]. Vere ergo, sed hhhh spiritualiter adest et manducatur, non carnaliter. Unde coena non qualiscunque praefiguratio et repraesentatio est, sed memoriale vivax et verum. Tremendum ergo simul et iucundum est illud nostrum mysterium, in quo sacrificiorum omnium consummator 50 ipse Christus praesens est, verus sacerdos 51 et hostia unica 52 , ara vere placens deo certissimumque propiciatorium 54 , primogenitus ex mortuis 55 , primitiae resurrectionis nostrae 56 adeoque et iiii massae nostrae. Huius iucundam vocem in cordibus nostris praedicantem audimus: «Qui edit carnem meam et bibit meum sanguinem, in me manet et ego in eo» [Joh 6, 56]. Stupendo kkkk enim commertio iam deo llll per Christi, capitis nostri, carnem et sanguinem coniungimur virtute spiritus, per quem Christo consepulti vivificamur. Sumus os ex ossibus eius mmmm et caro de carne illius 57 . Quanquam enim propter naturam carnis nostrae corruptioni obnoxii simus, participatione tamen vitae ab imbecillitate nostra revocati iuxta proprietatem illius ad vitam reformamur, dum scilicet fide manducamus carnem verbo aeterno unitam eoque vivificam, quae nnnn potens est reformare ad immortalitatem 58 sui participes. Hanc oooo assertionem nostram tam multis proponimus, ne quem vel dubia in nostris remorentur vel suspitio nescio pppp quae de nobis cuiquam qqqq oboriatur. Nolumus cauponari verbum dei neque dolo aliquo malo in re sacratissima uti. Interim non sumus in quenquam animo gladiatorio, sed quod fidei
sanis rationibus et scripturis adversatur, declinamus. Sumus enim Christi, non hominum servi 59 nec in ullius iuravimus verba magistri. Veritatem canonicam sequimur, veneramur, suspicimus. || 208v. In illis porro erimus. Ista hactenus ecclesiis nostris bona fide sanaque tradidimus conscientia. Idem ante nos tradiderunt antecessores nostri 60 , viri optimi, de pietate et literis optime menti. Quae et syncera et pura fide susceperunt, nihil in hisce recantabimus, nihil mutabimus rrrr , nisi quod mutare iusserit scriptura. Imo et animas nostras, si vires suppeditarit Christus, ad confessam veritatem ponemus. Firma enim fide novimus hac in re id nos fateri, quod scripturis conforme et quod toti ecclesiae ssss semper catholicum fuit. Quod tttt Lutherum cum suis adtinet, nullam in illos simultatem exercemus, imo pacem cum illis in veritate et ex corde cupimus habere. Ferimus, ut iamiam diximus, patres vetustos uuuu , qui de hoc sacro disserentes vehementibus usi sunt loquutionibus 61 . Verum hi, ne quis impingeret, protinus sese exposuerunt vvvv et aliis in locis testati sunt hic se omnem reiicere servitutem carnalem 62 . Nulla ergo nobis super verbis cum Luthero erit contentio, modo nostro saeculo insolentia, obscura aut wwww ambigua verba exponat, ut cernere liceat in re ipsa nobis -quod tu adseris, Bucere; nos enim xxxx nulla viri huius scripta etiamdum yyyy vidimus -convenire, licet in verbis discrepare videamur. Exponat zzzz ergo ipsam Christi carnem nonnisi tide manducari, ipsum Christi corpus in aliquo coeli loco circumscriptive agere, quanquam secundum divinitatem cum patre sit ubique, in sacra vero coena aaaaa fide adesse more scilicet sacramentis proprio bbbbb , qui modus res quidem vere praesentes facit, non tamen carnaliter et ut sensibus prehendi queant, sed spiritualiter, ut fide sola percipiantur. Si igitur eo modo se exponat, iam ccccc per nos quidem licebit illi suo uti loquendi genere. Nos enim et nostro utimur non alieno neque a scripturis neque sanctorum patrum loquendi more 63 . Nobis certe in hoc pravo et perverso saeculo circumspectius loquendum, ne novo errori ullam ddddd suppeditemus ansam. Interea illas ipsas loquendi formas non omnino horremus, sed expositas per fidei ac veritatis regulam merito ferimus. Neque enim sumus, qui videmur, seditionum turbarumve authores, sed,
quantum fieri potest, cupimus adeoque eeeee semper cupivimus pacem habere cum omnibus, qui ex puro corde dominum invocant. Testamur item per ipsum domini nostri Iesu Christi adventum nos in hac causa per contentionem aut inanem gloriam agere nihil, sed onmia sobrie in gloriam nominis Christi et ut perspicua veritatis lux pure excipiatur et sine omni obscuritate et verborum ambiguitate quam simplicissime proferatur in medium. Facimus fffff autem tibi, Bucere, frater in domino charissime, potestatem haec nostra vulgandi, typis excudendi, praeterea Luthero 64 , Philippo 65 , Brentio, Osiandro, Agricolae 66 , Schnepffio aut cuilibet ggggg proponendi. Et quanquam de fide tua nihil dubitemus, Bucere, adiuramus tamen te per salutiferam domini hhhhh Iesu Christi crucem iiiii ut haec nostra his , apicibus, notis, verbis et sententiis ita aedas ac proferas, ut accipis a nobis, utque veritatem tibi in sarcienda concordia habeas commendatam kkkkk , necubi illa periclitetur. Nos nihil perinde quam lllll sanctam concordiam optamus fatemurque tibi multum in Christo deberi laudis, si sancta, iusta et vera tuis auspitiis coaluerit concordia. In quam et nunc et iam olim consensimus iis, quas hactenus recensuimus, conditionibus salvis. In quibus si quid desyderatur, indicetur bona fide ascriptis rationibus et scripturae authoritatibus, quibus haec nostra adversari videantur, et gratissimo id animo excipiemus mmmmm . Dominus Iesus misereatur nostri et ecclesiae suae. Amen nnnnn . Leo Iudae, Heinrychus Bullingerus, Heinrich Engelhart, Conradus Pellicanus, Theodorus Bibliander, Beatus Gerungus, Rudolfus Tumisen ooooo 67 , Nicolaus Zenderus 68 , Erasmus Fabritius ppppp 69 .
[483]Gervasius Schuler an Bullinger Kempten, 4. Dezember 1534 Autograph: Zürich StA, E II 359, 2745 (Siegelspur) Ungedruckt Hatte in Augsburg eine Unterredung mit Bucer über die geplante Abendmahlskonkordie. Bucer, der die Zürcher bereits brieflich um eine geheime Zusammenkunft der Reformierten an einem ihnen genehmen Ort gebeten hat, wünscht nun, Bullinger solle Konstanz vorschlagen. Schuler schließt sich diesem Wunsch an und bittet Bullinger, an dieser Tagung zusammen mit den Vertretern Berns und Basels teilzunehmen. Ein Weiterbestehen der Kontroverse würde das Werk Satans fördern und schlimme Folgen haben. Gratia et pax a deo patre etc. Secunda decembris proxime fui Auguste cum fratre nostro Bucero atque a de future concordie negotio inter nos et Lutherum coram loquutus sum 1 , et cum superioribus literis 2 ad te missis vobis Tigurinis optionem dederit, ut aliquem conveniendi nobis commodiorem deligeretis locum b , optat tamen multis de causis, ut Constantiam conveniamus, ubi commodius adeoque tutius omnia tractari possent, iussitque, ut ipse tibi multis nominibus iunctus scriberem c teque hortarer, ut Constantie locum nobis proponeres. Quodsi literae mee satis mature ad te venerint, fac, quod oro et Bucerus abs te fieri optat.
Preterea oro, ne desis tu cum Bernatibus et Basiliensibus huic tam sancto conventui. Ego scio, quae rerum turba nos ex equo maneat, ubi in hoc inveterato dissidio diutius duraverimus. Molitur mira in nos sathan. Hac unica dissidii rimula probe dispiciendum est ne praevaleat adversum nos, omnesque conatus huc flectendi, ut conveniamus animis nos, qui praesumus verbo, hocque non citra veritatem. Haberem et multa, que praeter causam praesentem tibi significarem, sed preter moram cogor colophonem addere. Vale in domino, charissime frater. Datum 4. decembris, Kampidone, 1534. Gervasius tuus ex animo. [Adresse auf der Rückseite:] Ornatissimo viro domino Heynricho Bullingero, Tigurinae ecclesiae antistiti vigilantissimo, fratri et domino cum primis observando. Zürich. [484]Johannes Zwick an Bullinger Konstanz, 9. Dezember [1534] Autograph: Zürich StA, E II 364, 5f (Siegel) Ungedruckt Weil Bucer zur Förderung der Konkordie auf eine Zusammenkunft süddeutscher und schweizerischer Pfarrer drängt, laden die zuvor widerstrebenden Konstanzer nun Bullinger, Leo [Jud], Ambrosius [Blarer] und Pellikan auf den 15. Dezember nach Konstanz ein. Bei Verhinderung bittet Zwick, die [neue] Basler Abendmahlserklärung zu senden. Verlangt seinen Brief über die Arianer [Nr. 425]zurück, weil er Bullinger nach der Herausgabe der «Assertio utriusque in Christo naturae» nichts mehr nütze. Salus. Tabellarius 2 , quem Augustam miseramus ad Bucerum 3 , rediit. Ex allatis vero literis 4 intelligimus, quam anxie studeat concordiae optimus vir existimans tales sese iam exhibere occasiones quales antea nunquam. Statuerat convocare plerosque ecclesiarum ministros tam Sveviae quam Helvetiae. Sed nos restitimus multis ex causis, de quibus ad illum 5 . Nunc in posterioribus literis 6 iterum atque iterum rogat in domino, efficere velimus, ut si ullo pacto possit fieri, tu cum Leone 7 ad 15. diem huius decembris apud nos velis comparere. Nam et ipse aderit Bucerus cum quibusdam ex Svevia 8 . Denique
proprio tabellione vocamus Ambrosium 9 sperantes et hunc adfuturum. Utinam et Pellicanus se tibi addat comitem, quem urgere ne cesses meo nomine. Quodsi vero nulla ratione ad condictum 15. diem potes adesse, tamen curato modis omnibus, ut confessionem illam, qua de nuper ad me, a Basiliensibus subscriptam habeamus 10 . Nihil vero magis optat Bucerus quam tuam praesentiam cum Leone et Pellicano. Hoc autem ut in tempore scires consilium, proprium hunc tabellionem mittere volui. 6 || Tentat satan crudelia sacramenti a huius titulo. Utinam veritati coniuncta charitate 11 occurramus, praecipue vero precatione ad deum. Literas, quas ad te scripseram de Arrianae sectae cogitationibus 12 , velim remittas 13 . Postquam enim libellum De naturis Christi aedidisti 14 nihil , possunt tibi esse usui. Sed vale, et ne frustreris spem nostram. Constantiae, 9. decembris. Tuus Io. Zvick. [Adresse auf f. 7a v.:] Clarissimo et pie[nti]ssimo b viro d. Hainricho Bullingero, gero, ecclesiastae Tigurino dignissimo, domino et fratri observando. [485]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 10. Dezember 1534 Autograph: Zürich StA, E II 343, 49 (Siegelspur) Ungedruckt Erwartet Bullingers Antwort auf seinen letzten Brief [Nr. 476]. Wegen des zürcherischen Bekenntnisses [Nr. 482]wurden die prominentesten Amtsbrüder aus den ländlichen Kapiteln Berns einberufen. Ohne ihr und des Magistrates Einverständnis wollen die Stadtberner nichts tun. Auch die Zürcher sollten ihre Landpfarrer miteinbeziehen, da Luther nach einer Einigung alle Länder mit seinem Siegesgeschrei erfüllen wird. Den Beschluß wird Bullinger bald erhalten. Versichert Bullinger seiner Freundschaft und bittet um die Zusendung von dessen Kommentar zum 2. Korintherbrief. [Otto]Brunfels ist gestorben. Grüße.
S. Ad literas proximas 1 cum non responderis, charissime Heinrice, responsum expectare non desino. Caeterum, quod ad confessionem vestram de eucharistia 2 pertinet, convocavimus ex agro nostro fratres 3 cuiusque capituli potiores - 14 habet Bernensis ager a -, absque quorum consensu, immo et magistratus ecclesiarum nomine nobis nihil penitus agendum censuimus. Nescimus vero, num vos soli apud Tigurum absque iis, quos habetis in agro, arduum hoc onus suscaepturi sitis. Videbitis nimirum, ubi Luterus vestram apprehenderit confessionem, utcumque eam vel implicaveritis vel explicatam tradideritis, quanto cum triumpho et victoriae encomio totum sit orbem repleturus. Sed de his proxime. Quam primum a fratribus deliberatum fuerit, vestra cum nostris ad vos mittemus. Interim perpetuo curabis, utcumque libertatem aut potius ignorantiam meam hac in re prodidero, firma maneat, constans et perpetua inter nos amicicia, quam nisi dudum perspectissimam teneres, non facile sinum cordis mei aperuisses. Si quae fuerint excusa in 2. Corinth. 4 , vel nuncius 5 ille vel Christophorus 6 , quem ad ferias natalicias expectamus, adferat. Brunfelsius e vivis migravit. Salutabis symmistas, uxorem 7 et familiam. Vale. 10. decembris anno 34. Tuus, quantulus est, Bercht. Hall. [Adresse auf der Rückseite:] Heinrico Bullingero, ecclesiastae Tigurino pietate et eruditione ornatissimo, fratri suo. [486]Berchtold Haller an Bullinger [Bern], 14. Dezember 1534 Autograph: Zürich StA, E II 360, 15 (Siegelspur) Ungedruckt Schreibt im Auftrag des Berner Rates ganz vertraulich von Gerüchten über fremde Kriegsvorbereitungen zur Ausrottung der Reformation. Der Herzog von Savoyen hält Genf unter Druck und will den eidgenössischen Schiedsspruch von Payerne nicht anerkennen, obwohl sich Bern dafür einsetzt. Die V Orte rühmen sich, Zürich stehe auf ihrer Seite. Sie warten auf eine Gelegenheit zum Krieg gegen Bern. Nachdem die Bemühungen der Basler zur Wiederherstellung der Eintracht zwischen Bern und Zürich bisher vergeblich geblieben sind, will Bern einen neuen Vorstoß unternehmen: Der Vogt von Lenzburg
S. Quae hisce ad te scribo, charissime Heinrice, quandoquidem ex principum nostratum iussu id fit, eo magis sepulta apud te sint, quo magis tibi velut amico primario et ex animo sibi faventi sua, et ea quidem non vulgaria concredere dignantur a . Varii ab amicis 1 etiam ad nos deferuntur rumores bellici, quibus non solum nobis, non uni et alteri civitati, sed universae ferme Germaniae christianae interitum a cesarianis, pontificiis et Hispanis interitum [!] comminantur propter evangelii doctrinam veluti extremam iam manum ad exterminandum eam apposituris. Gebennensium tragaedia exitialius atque magis intestinum prae se fert bellum. Quod enim ad concordiam attinet, nihil adhuc actum est. Allobrogum regulus 2 pernegat in universum pacis conditiones totamque belli compositionem Paterniaci ab Helvetiis omnibus decretam 3 . cui et Vadianus aderat 4 . Bernates huic non sunt cessuri. lusticiam implorabunt iudicem 5 . Quae si illis negetur, quemadmodum rara nunc est avis, alia cogitabunt consilia. Interim gloriantur et minantur Antronii 6 a parte sua constantissime futuros Tigurinos. Occasionem optant, utcunque pacem se per omnia quaerere simulent, qua vel aliorum nomine in nos gladios stringant vel nos priores contra se excitent. Cum itaque a Basiliensibus et aliis nonnullis attentatum sit civitates nostras conciliare atque in pristinam revocare amiciciam 7 tametsi , frustra, quod non sint amplius apud vos a secretis 8 , quibus haec studia tuto credi possint, nihilominus id ipsum senatus noster denuo ambit, ea vero conditione, ut tuo consilio fideli tamen et opera praefectus noster Lenczburgensis 9 cordatiores conveniat ex civibus saltem diacosiis 10 , qua tandem ratione fieri posset, ut animi civitatum fortius coalescerent. Diceres: Cur non mittitis legatos, ut videatis rem serio agi? Pusillanimes certe nostros reddidit, quod aliis hactenus negatum est. Ubi vero tu cum piis, atque iis cordatioribus consulueritis et revera consulere poteritis, exploratis multorum prius animis spe nostra non frustrari referet praefectus
ad nos, et videbis legationem seriam. Obiiceres deinde conditionibus certis publicae pacis negatum, ut amplius privati pagi privatas inter se erigant civitates . parte adversa cum Friburgensibus contra pacem actum 11 Nihil turberis. A nemo nescit 12 . Proinde civitatibus multis, multis item tabellis et sacramentis opus non erit, modo animi amore redintegrati sint. Obsecro igitur te nomine nostrorum, qui te rogatum volunt per me, summam adhibeas diligentiam, quasi tuopte ingenio et consilio id facias, et quod inveneris, mecum per praefectum 13 , compatrem meum, communices. Habes quae velim velintque nostrates. Caeterum propositiones tuas de praedestinatione, libero arbitrio 14 , magistratu, nobilibus, censibus, decimis et sabbato 15 transscribi curavi 16 , perlegi. Videntur vero plus relinquere, quam fronte polliceantur. Pro ocio perpendam. Intellexisti, quod aliquando et me ursit ein sömlich rouw 17 predigen de praedestinatione. Tuentur se multi libello Zvinglii 18 . Sed de his alias. Hodie sunt apud nos nundinae. Cras cum fratribus accingimur ad confessionem vestram 19 perpendendam. Gut ding muß wil han 20 . Unum addam, quod si per omnia meis literis respondisses per Burcardum illum, multo faelicius omnia se habitura sperassem. Gaudeo te pergere in scribendo in Pauli epistolam ad Corinthios 21 . Vale et me, ut soles, ex animo redames, qui mihi omnium mortalium charissimus es. 14. decembris. Salutant te fratres et symmistae. Francz 22 mag nütt meer. Salutat te Nollius 23 et alii. Rursum vale. Anno 34. Tuum minimum nummisma. [Adresse auf der Rückseite:] Heinrico Bullingero, ecclesiastae Tigurino, fratri suo charissimo.
[487]Pfarrer und Lehrer von St. Gallen
an Leo Jud und Bullinger [St. Gallen, Mitte Dezember 1534] Autograph Zilis a : Zürich StA, E II 337, 70a-b (Siegelabdruck) Ungedruckt Kommen der Aufforderung nach, zum von Bucer verlangten Zürcher Abendmahlsbekenntnis [Nr. 482] Stellung zu nehmen. Sehen darin bezeugt, daß durch das Brechen des Brotes und Darreichen des Kelchs die Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi den Gläubigen geistlich gegeben werde, den Ungläubigen aber nur Brot zum Gericht, wie Christus und Paulus lehren. Bezeugen selbst, daß durch das Sakrament das Verdienst von und die Teilhabe an Christi Passion den äußern Sinnen dargeboten werde, der innere Mensch dadurch mittels des Glaubens lebendig gemacht und am Jüngsten Tag auferstehen werde wegen der Freisprechung von Sünden, und daß Brot und Wein mit Furcht und doch mit Vertrauen und Selbstprüfung genossen werden sollen. Vor Gott, Luther und andern sei zu bekennen, daß sie sich gerne bessern wollen, weil hier alle nur gelallt und ihrem Amt nicht genügt haben. Vadian denke ebenso und wünsche Eintracht. Bitten um brüderliches Beten und Ermahnen. Behalten das Exemplar [von Nr. 482] ohne andern Bescheid. Salus et gratia a deo patre et pax per dominum Iesum Christum nobis dilectissimum sit cum omnibus vobis, charissimi fratres. Venerunt in manus nostras dilectionis vestrae litterae 2 nobis gratissimae ac cum amoris vestri erga nos tum pietatis testes oculatissimi addito etiam libello, quo confessionem de sacrosancta eucharistia, quam Bucerus expostulat, exponitis 3 petitisque, ut lecto eo aut nostrum album addamus calculum, aut si quid melius admonere habeamus - ut estis modesti -, hoc ipsum vobis remittamus 4 . Legimus ac relegimus b pro mediocritate nostra accurate c vestramque in tam sancta re eruditionem a deo vobis in aecclesiarum aedificationem praestitam
Habetote ergo et nostram, quam efflagitatis, super hac sancta re contestationem, nempe eo nos d[o]ctrina nostra et viribus, quas dominus nobis indignis conpresbyteris per meritum suae passionis donat 9 , inniti et usque ad vitae huius terminum innixuros l ut , omnes Christi fideles sciant per sacrosancta sacramenta externis sensibus || 70a v. meritum et participationem passionis dominicae preciosae offerri 10 , quo interior homo per ea vivificatus mediante fide revivisce[ns] cum exteriore homine in die novissimo resurgat 11 et fiat particeps gloriae Christi, qui ex mortuis resurexit et vivit de[o] aeterno, idque per poenitentiam et absolutionem peccatorum in sang[uine]agni 12 et , ut cum tremore et timore 13 , fidentes tamen et no[s]ipsos probantes ac corpus et sanguinem Christi diiudicante[s]m sic de pane illo edamus et de calice bibamus 14 . Haec confitemur vobis et aliis eadem docendo n persuademus sanctae scripturae auctoritate convicti et exemplis. Placeretque o nobis, si libere quoque coram deo, Luthero et caeteris fratribus fate[re]mini 15 , etiamsi non tam digne aut sancte pro maiestate tam divine communionis essemus locuti, nos libenter emendaturos. Omnes enim, ut verum fateamur, hallucinati sumus et friguimus[!] neque pro dignitate in hoc minister[io] ut in caeteris quoque conversati sumus. Sed haec sunt iniciorum apud plerosque studia, qui exercitatione et sapere incipimus et in dies meliores reddimur.
Caeterum et Vadiano p , domino et fratri nostro, tradidimus perlegendam, qui idem nobiscum sentit nec quicquam q magis voto et precibus optat, quam ut sancta inter aecclesiarum pastores coalescat concordia, quo uno spiritu et mente una 16 unicum r Christum dominum nostrum possemus profiteri s 17 . Reliquum t est, charissimi fratres et in domino venerandi, ut vobis gratias refferamus ingentes, quod nostri memores estis et nos diligitis in Christo. Facite tantum, ut dilectionis vestrae fructus carpamus infinitos, et semper, si quid aut admonendum est aut increpandum, sedulo perficite. Maxime sanctae precationis aecclesiarum vestrarum nos participes efficitote, ut sermo domini currat 18 et vita prestare queamus, quod sermo di-||70b r. vinus per ora nostra impura replicat. Exemplar apud nos mansitabit 19 , nisi rescripto diversum iusseritis. Gratia domini sit vobis omnibus, qui estis in Christo Iesu, cui sit gloria in sempiternas aeternitates. Amen. Vestri fratres Wolfgangus Wetter, Matheus Alther 20 , Sebastianus Cuontz 21 , Dominicus Zili et reliqui u . [Adresse auf der Rückseite:] v Tigurinae aecclesiae pastoribus Leoni Iudae, Heinrico Bullingero etc., fratribus nostris in Christo venerandis.
[488]Johannes Zwick an Bullinger [Konstanz], 15. Dezember 1534 Autograph: Zürich StA, E II 364, 7 (Siegel) Ungedruckt Auf Bucers drittes Mahnen wiederholt Zwick eindringlich die Einladung an die Zürcher zur [Konstanzer] Zusammenkunft und will die andern bis zu Bullingers Kommen hinhalten. Bei ihm sollen Bullinger und seine Begleiter einkehren. Salve. Iam tertio ad me scribit Bucerus 1 , ne quid praetermittam in te convocando. Advenire enim se cum quibusdam bonis doctisque fratribus, idque tua potissimum causa 2 . Ergo, ut omnem fidem meam apud Bucerum liberem, alterum hic tabellionem 3 mitto literis Buceri additis 4 . Quibus cum Leone 5 et Pellicano lectis - nam iis nunc non datur rescribere -facite, quod decet. Praestaret forsan facie quoque se invicem novisse fratres. Proinde ex aliis etiam causis profutura esset tua praesentia quam sacramenti. Quodsi vero uno aut altero die tardior adfuturus es, tamen per a tabellionem hunc fac sciam. Curabo enim, ut moram apud nos faciant boni viri, donec tu quoque b commode possis ad nos venire 6 . Ora vero dominum ex toto pectore, ut quod tentat Bucerus ad communem evangelii profectum, spiritu sancto autore quam felicissime succedat. Amen. Vale. Raptim, 15. decembris 1534. Tuus Io. Zwik. Omnino apud me divertas, quibuscumque comitibus sis advolaturus. [Adresse auf der Rückseite des folgenden, unbezeichneten Blattes:] Ornatissimo viro d. Hainricho Bullingero, antistiti Tigurinae ecclesiae vigilantissimo.
[489]Pfarrer von Bern an Bullinger, Leo Jud, Konrad Pellikan
und die übrigen Pfarrer und Lehrer von Zürich Bern, 16. Dezember 1534 Autograph von Berchtold Haller a : Zürich StA, E II 337, 72a r.-v. (Siegelspur) Ungedruckt Bedanken sich für den Eifer der Zürcher zur Förderung der Konkordie mit den Lutheranern. Trotzdem können sie das ihnen zugesandte Zürcher Abendmahlsbekenntnis [Nr. 482] wegen einiger Unklarheiten nicht unterschreiben; ihre Kirche ist anders zu reden gewohnt. Sie machen vom Angebot zur freien Kritik Gebrauch und melden Bedenken gegen Formulierungen an, welche die Gegenwart Christi im Abendmahl stärker betonen als dies auf Grund der von den schweizerischen Kirchen vertretenen symbolischen Abendmahlslehre Zwinglis möglich ist. Im Abendmahl bezeugen wir, daß wir zuvor schon, im Glauben, den Leib Christi zu essen und sein Blut zu trinken bekommen haben. Sie fassen die von der Berner Kirche vertretene Abendmahlslehre in einem kurzen Bekenntnis zusammen und berufen sich auf Zwinglis «Confessio ad principes Germaniae» [1530]. Ihr Bekenntnis soll jedoch nicht veröffentlicht werden; sie wollen damit nur ihre einfache Abendmahlsauffassung den Zürchern kundtun. Diese werden ermahnt, wegen eines erhofften Friedens mit den Lutheranern der Kirche und der Wahrheit - auch durch neue Zwietracht innerhalb des reformierten Lagers - keinen Schaden zuzufügen. Gratia et pax a deo patre et domino nostro Iesu Christo. Quod tantopere pro concordia inter Lutheranos et nos laboratis 1 vobis , quas possumus agimus gratias, optimi in Christo fratres ac symmistae. Nam et nos cum omnibus hominibus gloria dei et veritate illius salva pacem et concordiam habere pro virili nostra satagimus. Verum hoc nobis summopere spectandum est, ne male sarta concordia sementum longe maioris discordiae non solum inter Lutheranos et nos, verum etiam inter ecclesias nostras iaciamus. Equidem b citra immodicam ecclesiae nostrae offensionem vestrae confessioni 2 per omnia vix subscribere poterimus, utpote quae huiusmodi locutionibus non assueverit. Huc accedit, quod magistratu nostro inconsulto hoc facere tutum nequaquam videtur. Is enim non solum pars est ecclesiae, sed et patronus, quippe cui summa ecclesiarum cura concredita est 3 . Quando itaque vos, charissimi fratres nostri, monendi nobis copiam faecistis, si quid vestra c confessione minus circumspecte aut inconsulte positum fuerit 4 , non ob hoc solummodo id faciemus, sed quod fratres nos mutuo
agnoscimus fratrumque sit se vicissim commonefacere mutuaque pericula ob oculos ponere, nihil dubitamus vos omnia boni consulturos. quae itaque in confessione vestra nobis displicent minusque circumspecte - quod cum omnium vestrum pace dictum volumus - posita videntur, ad hunc se habent modum: Primum d , quod in confessione vestra adseritis corpus Christi verum vere in caena fidelium adesse, vobis subscribimus. Sic enim ex verbo dei ecclesias nostras hactenus docuimus. Verum quod subiungitis illud idem corpus illic dari et distribui, aut certe vos non intelligimus aut plus satis confessi estis. Nec est, quod obiiciatis: Attamen exposuimus nos. Etenim e quod ad corporis Christi praesentiam attinet, satis explicuistis, nec id a nobis improbatur. Sed quod sub finem inde colligitis, hoc demum inexplicatum reliquistis, cum dicitis: «Credimus ergo ipsum verum domini corpus in caena» etc. 5 «eo interim modo eaque ratione, qua dominus se suis praesentem exhibet, qua se suis fruendum distribuit.» In hoc enim asserere videmini, quod Christus se praesentem exhibeat tum primum symbolorum administratione, qui tamen antea per fidem et spiritum exhibitus, distributus et in electorum cordibus suscaeptus est. Quod vero mox additis de eo, quod Christus se nobis det ac distribuat, rursum ad caenam referre videmini, cum id ipsum iam antea factum esse oporteat. Alioqui caena Christi et fidelium dici non poterit. Hinc durius videtur esse dictum, quod Christus summus pontifex noster 6 virtute sua hic -hic, inquam in caena - hoc ipsum agat. Deinde dicitis Christum seipsum nobis exponere et declarare, quo pacto se in caena - eum nanque se istic dari et distribui affirrnatis -distribuat, citantes e 6. capite Ioannis [51]: «Panis, quem ego dabo» etc. 7 quae ut huc faciant, nobis plane non videtur, sed ut diximus, ante caenam fieri necessum est. Id quod Zvinglius olim in nostra disputatione contra Benedictum Burgouwer multis et certissimis evicit argumentis 8 . Sequentia vero: «Hunc panem dat manducandum» usque ad hoc: «distribuuntur et manducantur in symbolis» etc. 9 vobiscum confitemur et iam mox confessi sumus. Atqui ad vestram confessionem vel explicandam vel probandam parum aut nihil facere videntur. Quum vero sequitur: «Distribuuntur et manducantur, etiam cum in symbolis manducantur» 10 , si ad iam dicta retuleritis, nihil f absurdi, || 72a v. si vero ad sacramentorum esum, ut scilicet illo distribuantur, quemadmodum confessio vestra habet, vere scilicet et non symbolice tantum, probatum cuperemus. Deinde cum de symbolis vos explicatis, hoc est, quod non capimus,
nempe symbolis ecclesiam reddi certam et indubitatam, quod scilicet Christi corpus pro nobis traditum sit et fractum etc. Id quod nec verbi externi praedicatio nec simbolorum administratio nec quicquam externi poterit, sed solius dei spiritus virtus, operatio et efficacia hanc certitudinem electis confert. Caeterum, quid de symbolis sentiamus, paulo post fatebimur. Cum tandem sequitur: «Ut panem vobis ore corporis edendum porrigo» etc. 11 , quandoquidem in symbolis explicandis adhuc versamini atque hoc symbolorum administratione porrectioneque fieri adseritis, paulo ante diximus: Iam antea per fidem manducatum corpus et bibitum sanguinem esu panis et vini potu testamur. Alioqui non accessissemus fideles, sed potius in caena iam primum fideles redderemur. Quod autem mox additis, «fructum indico» 12 , longe mitius et quasi pugnans donandi verbo videtur. Haec sunt, charissimi fratres, quae in confessione vestra nobis sunt visa obscuriora, quam ut ea ab ecclesia nostra acceptari possint, et quorum vos ex charitate admonendos censuimus rogantes enixe, ut omnia eo animo, quo etiam facta sunt, plane fraterno et integerrimo, suscipiatis. Aut enim in summa vestra non intelligimus, aut vera sunt, quae scribimus. Sic autem nostram ecclesiam hac in re doctam esse paucis vobis significamus: Credimus nos et ecclesia nostra Christum vere adesse in caena fidelium, non tamen naturaliter pani unitum et sumpto pane sic distributum, sed fideli innovataeque menti sacramentaliter atque mystice exhibitum, sacramenta vero esse signa, testimonia atque memoracula gratiae per Christi mortem praestitae, et quae divinas promissiones ac gratuita dei beneficia -quemadmodum vos quoque sentitis - non solum significant, sed suo quodam modo sensibus subiiciunt ac repraesentant et propter analogiam rerum, quarum simbola sunt, nomina recipiunt, fidem excitant, exercent, testantur et ad charitatem invitant. In summa: Quicquid hac de re Zvinglius in Confessione ad principes Germaniae 13 et plerisque aliis lucubrationibus confessus est, idem nos quoque confitemur, non quod in hominis verba iuraverimus, sed quod veritatem simpliciter ab eo doctam et assertam agnoscamus. Neque vero in hoc confessionem nostram vobis transmittimus, quod eam vulgari aut typis a quocunque tandem excudi velimus, id quod inscio nostro magistratu nobis nunquam licuerit, sed ut in his nostram qua utimur simplicitatem in proponendo hoc ecclesiis nostris negocio cognoscatis. Veritatis enim oratio et simplex et aperta esse debet. Volumus nanque in hac tragoedia cum Lutheranis componenda non solum nobis consultum, sed et veritati ecclesiis nostris ac posteritati, necubi scilicet hae periclitentur -siquidem non ignoratis, quidnam patrum illae Augustae 14 de eucharistia sententiae nostro saeculo contulerint, utcunque se explicaverint. His enim magis quam simplici scripturae papatus innisus hunc de eucharistia errorem orbi obtrusit. Vos igitur,
a quibus per Zvinglium nostrum primum in orbem sparsa est haec veritas, admonitos et rogatos volumus fratres g nostros charissimos, ut re penitus circumspecta pro vestra singulari prudentia sic agatis, ne dum pacem a Luteranis sperandam putetis, novam nobis tragaediam excitetis. Valete in domino, charissimi fratres, et nostra quantulacunque, ut soletis, boni consulite. Bernae, 16. decembris anno 1534. Fratres et ministri ecclesiae Bernensis. [Adresse auf f. 72b v.:] Heinrico Bullingero, Leoni Iudae, Conrado Pellicano caeterisque verbi ministris, lectoribus et diaconis ecclesiae Tigurinae, fratribus et dominis in Christo charissimis. [490]Erasmus Ritter an die Pfarrer und Lehrer von Zürich Schaffhausen, 16. Dezember 1534 Abschrift Bullingers a : Zürich StA, E II 337, 69v. Ungedruckt Schickt ein Exemplar ihres Bekenntnisses [Nr. 491]als Anhang zu jenem der Zürcher [Nr. 482], dem er von sich aus nur ihre Unterschriften zugefügt hätte. Dankt für die Gemeinschaft sowie für die Bereitstellung eines Schutzes vor lutherischen Verleumdungen. Praestantissimis simulque doctissimis viris, charissimis fratribus, Tigurinae ecclesiae pastoribus et lectoribus, Erasmus Ritter gratiam et pacem optat a deo per Iesum Christum. Ut certiores vos faciam, praestantissimi viri, charissimi fratres, confessionis nostrae 1 , quam vestrae 2 adiunximus, exemplar vobis exhibeo, tametsi reliqui fratres si mihi, inquam, obtemperassent, plane nihil exceptis nominibus addidissem. Tam emuncta, tam absoluta vestra omnia extitere, ut non opus fuisset rem dictam denuo dicere neque post Homerum Iliada canere. Quod vero nos in numerum vestrum collocatis, quod pro fratribus, symmistis adeoque membris vestris agnoscitis, quod denique sub celeberrima vestra confessione tueri adversus calumnias Lutheranas copiam nobis et potestatem fecistis, habeo gratiam et habiturus sum, quoad vivam, maximam, a quibus tam abest ut separari cupiam, ut simul magis mori ex animo optem. Vos interim vestro in nos amore pergite. Hoc erit mihi tam gratum, quam quod gratissimum. Valete. Ex Schaffhusia, 16. decembris 1534.
[491]Pfarrer von Schaffhausen an [die Pfarrer und Lehrer
von Zürich] [Schaffhausen, 16. Dezember 1534] Abschrift von Ritters Hand a : Zürich StA, E II 337, zu f. 70 Ungedruckt Obwohl Bucer ihre Auffassung sehr wohl kennt, bekennen sie, immer biblisch die Gegenwart Christi beim Abendmahl gelehrt zu haben. Alles Außerliche ist nur wie ein Instrument, welches den widerstrebenden Körper dem Geist gehorsam macht, indem das Hören, Sehen und Schmecken betroffen werden. Unterschreiben das Zürcher Bekenntnis [Nr. 482]. Fratres, qui Scaphusie Christi evangelium adnuncciant b . Tametsi sententiam nostram de sacrosancta caena dominica charissimus frater noster Martinus Buccerus probe teneat eamque, ut ecclesie nostre proposuimus, non ignoret a , tamen - ne videamur aut sensisse aut docuisse unquam, quod sacris litteris non esset c proditum - fatemur primo Christum huic sancte institutioni adesse, quemadmodum d promisit Math. 18[20]: «Ubi duo vel tres» etc. e Deinde ipsum esse summum sacerdotem et pontificem 3 , qui suo vero tradito corpore et vero f fuso sanguine, qui sibi fidunt, vere pascit et refocillat in vitam eternam 4 modo, quo anime nostre edere ac bibere possunt. Ad quod sanctissimum opus externa omnia ceu organa et instrumenta sunt ordinata, quibus sensus externi capiantur et infestum alias corpus obsequiosum spiritui ultra sensibilia evecti reddatur. Percellitur enim auditus in adnunctiatione mortis dominice, visus in fractione panis, gustus in perceptione sanctissimorum simbolorum etc. Que omnia a charissimis fratribus nostris Tigurinis quam diligentissime sunt perpensa, quorum confessioni 5 plane subscribimus per omnia propriis manibus 6 . Benedictus Burgouer, Erasmus Ritter, Sebastianus Grubel, Wolfgangus Biderman 7 .
[492]Bullinger an Oswald Myconius und Andreas Karlstadt [Zürich, 17. Dezember 1534] Autograph: Zürich StA, E II 348, 473 r. -474 v. (Siegelspur) Ungedruckt Sendet ihnen eine Abschrift der ablehnenden Antwort der Berner auf das zürcherische Abendmahlsbekenntnis [Nr. 482] zu. Bittet sie, in einem Schreiben an die Berner diese der Aufrichtigkeit der zürcherischen Absichten zu versichern; die Zürcher wollen dasselbe tun. Diese Mitteilung ist vertraulich, Myconius und Karlstadt sollen ihm aber ihre Meinung offen kundtun. Copia epistolae Bernensis: «Quae in confessione vestra nobis displicent [...] novam nobis tragoediam excitetis. Valete. Fratres et ministri ecclesiae Bernensis a .»
Iam expendite nobis, charissimi fratres Myconi ac Carolstadi, num syncere nostra intellexerint 2 Quis ex omni illa confessione 3 nostra vel suspicari poterat nos id vel per somnium somniasse, quod illi nos de distributione asserere fingunt, quasi corpus Christi naturaliter pani sit unitum eoque iam primum per symbola distribuatur 4 . Proinde deciarate etiam vos illis synceritatern confessionis nostrae. Nam et nos amice illis hoc ipsum approbare scriptis nunc annitimur 5 . Interim vobis sous haec scripta putabitis. Non potuimus haec vos celare, qui cordibus nostris penitius estis insculpti. Quod si quid temenus et non sine veritatis, simplicitatis veraeque concordiae [damno?] b positum videritis, oramus iam secundo, ut libere moneatis. Valete et nostri memores estote in precibus. H. Bullingerus etc. Hasce litteras tu solus una cum Carolostadio lege. [493]Pfarrer von Basel an Bullinger und die Pfarrer von Zürich Basel, 18. Dezember 1534 Autograph von Oswald Myconius a : Zürich StA, E II 337, 92r.-v. (Siegelspur) Ungedruckt Teilen den Zürchern den Inhalt eines von Simon Grynäus aus Württemberg an die Basler Theologen gerichteten Briefes mit. Dieser äußerte sich pessimistisch über die Auswirkungen der nur durch unklare Formulierungen erreichten Württemberger Abendmahlskonkordie, hauptsächlich auf Grund seiner persönlichen Verhandlungen mit Erhard Schnepf. Seiner Meinung nach sollte eine eigene gemeinsame Konfession der schweizerischen Kirchen von Bullinger möglichst bald ausgearbeitet werden, um eine solide Grundlage für Verhandlungen zu haben. Die Basler schrieben bereits nach Bern und bitten nun die Zürcher, ihrerseits nach Schaffhausen zu schreiben. Eine Besprechung könnte in Aarau oder vielleicht sogar nur brieflich stattfinden, da die Zeit drängt. Die Basler sehen ohnehin nicht, was man noch Neues sagen könnte. Sie haben das Bekenntnis der Zürcher [Nr. 482]unterschrieben; wenn die Berner damit auch einverstanden wären, könnte es gleich an Grynäus geschickt werden. Die Württemberger Abendmahlskonkordie
sollten die Schweizer aus Gewissensgründen auf keinen Fall unterschreiben. Sie bitten die Zürcher Pfarrer, sich die Sache gut zu überlegen und auch mit vertrauenswürdigen Ratsherren zu besprechen. S. et pacem. Mittimus summam literarum ad nos d. Grynaei, ut consulatis, quid opus facto. Desperabundus scribit, quantum adtinet ad se 2 , propter negocium eucharistiae 3 . Nam cum fide nos edamus corpus domini vere et efficaciter, sint, qui virtute verborurn domini, tamen ministerio sacerdotis aut Christi exhibitione dicant corpus naturale dar i et sumi etiam ab infidelibus 4 . Quamobrem, quantum ad concordiam, non esse nisi fraudem. Scitis, fratres, quaenam sint confessionis 5 verba. Haec quid habent aliud quam speciem fallacem? Confitemur utrique, et neutra pars interim discedit a sua sententia. Talem concordiam quaerunt, quibus conficiendi negocium est iniunctum. Putant aliquid hi permittendum, ut pax fiat, etiam iniquius. Putant e Lutheranis quidam aliquid deesse nobis, quod sit sarciendum. Aiunt nos cogi ad confessionem praesentiae Christi in coena. Interim utamur nescio qua perpiexitate. Opus igitur esse, ut dicamus ecclesia quaeque suam sententiam, priusquam in colloquium conveniatur. Hoc consilium est omnium. Non videt Grynaeus hic aliquid solidi fundamenti, et si quod est, nullum est aliud quam Lutheri, cui tamen hactenus non consentire potuit. Concordia erit itaque sine fundamento. Procedit interea tamen, quantum intelligi datur. Tantum permittit Grynaeus b essentialiter in coena corpus Christi in fidelibus esse, item essentiam corporis Christi a fidelibus, sed sous, sumi cum declaratione, quod haec sumptio sit solius fidei etc. Verum non satisfacit haec confessio Schnepfio et, ut credibile, Luthero. Praeter hanc manducationem enim Schnepfius naturalem substantialemque dicit esse ex virtute verborum Christi et corpus Christi sumi supernaturaliter et miraculose 6 . Verba Grynaei libet hic adscribere c : «Diß hab ich abgeschlagen und kan es noch nit annemmen und weiß, wo ich ouch zu der concordi muß, das ich wirt von jederman vermaledeit werden, dann ich wirt allein der tüfel in der hell, der fridbrecher und zerrisser sin müssen. Ich welt, das der herr mich jetzund uffhüb gnädiklich uß dem spil, domit ich mitsampt üch eintweders der warheit nüt vergeb oder dem frid kein nachteil brecht.» Insuper putat hoc medium esse, quo deus peccata Germaniae et ingratitudinem super evangelio misso puniturus sit. Conventus erit circiter natalem domini 7 . Hic eius 8 verba sic habent:
«Schafft ein confession, in welcher, so vil muglich, der lieb des fridens, der warheit gefart 9 werd, damit niemen von uns mög billich klagen. Thund das uff das allerbeldist durch Bullinger, doch das Bern, Schaffhusen etc. daby sy.» Nos scripsimus Bernensibus 10 - vos scribetis Scaphusianis 11 ut propinquis -, permisimus eorum consilio instituere conventum in Arow vel literis ||92v. agere. Id idem vobis damus. Tempus breve est. Convenire vix poterimus, et postquam convenerimus, nescio, quid aliud statuere quam quod hactenus valeamus. A veritate docta discedere non licebit propter ipsam veritatem et propter nostros. Nam qualis concordia, si discordiam pararemus in nostris ipsorum membris? Quamvis scripserimus Bernensibus placere nobis conventum. Tantum indicent in tempore nobis et vobis, utrum videatur. Subscripsimus confessioni vestrae 12 . Si sciremus idem factum a Bernensibus, in promptu esset nobis consilium, nempe ut confessio illa mitteretur nuda ad d. Grynaeum, antequam e Wirtenberga discederet, ut secum ferret. Reliqua committerentur deo, nisi vobis aliud consilium foret. Breviter in consultationem hoc venit, postquam certum concordiam esse necessariam, qualis concordia recipienda, cum solida esse nequeat ex causis supradictis, nisi deus corda illa vel ferro duriora molliat. Nam si consentiemus in Wirtenbergensem confessionem 13 , laedemus conscientias nostras, laedemus populum nostrum multiphariam nec sine magno damno verbi. Quales autem tum simus erga deum, nemo non intelligit. Sin aliter sentiemus, arma deficiet populus iam mirabiliter a contentione defatigatus. Qua de re Grynaeus sic: «Die groß, unseglich, grusam ergernis geet daheer; das volck ist zwischen so langem zanck schon müd worden, wirt und wil nit meer zuhören, sunder geet wider sin straß sines hertzens ein jeder, wirt imm nit lassen widerrüffen, allein, wir griffend mit ernst unsers hertzens die sach an» etc. Diligenter itaque et non sine dei imploratione ponderabitis negocium. Tempus nobis hoc videtur, quo veritas dei, quam vere largitus est, firmabitur aut propter ingratitudinem nostram paenitus tolletur. Deus spiritum suum dimittat 14 , ut quod fuerit sanctissimum, videamus et eligamus. Amen. Valete per dominum. Basileae, 18. decembris anno 1534. Consultum videtur, ut haec non sine senatoribus intimis vestris agatis, si fuerint, quibus est fidendum. Nam ad multos hoc tempore non pertinent. Oculati sitis per deum quaesumus. Fratres Basilienses vestri. [Adresse auf 93 v .:] Domino Heinricho Bullingero caeterisque fratribus Tiguri Christum annunciantibus, fratribus in domino charissimis suis.
[494]Martin Bucer an Bullinger Konstanz, 18. Dezember [1534] Autograph: Zürich StA, E II 348, 430 (Siegel) Teilübersetzung: Köhler, ZL II 372 Las das Bekenntnis der Zürcher [Nr. 482]. Es befriedigt, doch muß den Zürchern gezeigt werden, wie gut es zur Meinung anderer paßt. Beklagt deren Fehlen am [Konstanzer]Gespräch, deren Angriffe auf nicht eingesehene lutherische Schriften und das Ausweichen vor einer Vergleichung, die nicht allein schriftlich geschehen kann und für die er dreimal schon die Schweizer, davon zweimal Bullinger, aufgesucht hat. Mahnungen und Grüße. Gratia et pax, charissime et observande Bullingere. Legi vestram confessionem 2 , sed quam necessarium fuisset nos colloqui, cuius caussa tot fratres pertraxi huc 3 in ista tempestate! Confessio per omnia satisfacit 4 , etiam interpretatio. Tamen propter alios docendi estis, quam ea quadret cum aliorum sententia a . Fatemini Lutherana vobis non visa 5 - at hi quo loco in ecclesia sunt? - et impugnantur interim. Me infelicem, qui non possum impetrare a vobis amicam de hac re collationem 6 ! Dominus novit, quid quaeram. Is adsit vobis, quorum ego rationem ubique habebo et verbum domini non cauponabora 7 . Patres olim scis ut libenter convenerint 8 . Quis ego aut ulli homines ut possitis a nobis vestrae metuere fidei? Unum obsecro: Donec plene audire nos in animum induxeritis, nolite nos iudicare, et quod molimur concordiae opus, dum caussam utrinque intellexeritis, nolite damnare. Scriptis causae istiusmodi non possunt transigi. Tertio iam sequutus vos sum, bis te 9 , nec potui impetrare iustam collationem. Id dolet plus quam effari queam, quia contra leges verae charitatis et exempla omnium saeculorum 10 . Sed nihilominus colo et amo vos in Christo, et spero adhuc fore, ut vestri mihi copiam non negetis.
Saluta fratres, et agite cum timore et tremore. Certe deus non fert, ut ipsum in ullis hominibus fastidiamus. Id vero strenue etiam diversae parti inculco b Constantiae, 18. decembris. M. Bucerus, tuus ex animo. [Adresse auf der Rückseite:] Vere pio ac docto Christi servo Heylrycho Bullingero, fratri charissimo. [495]Hans Rudolf Lavater an Bullinger [Kyburg], 21. Dezember 1534 Autograph: Zürich StA, E II 335, 2010 (Siegelspur); autographer Nachtrag: Zürich StA, E II 441, 290 (ohne Siegelspur) Gedruckt: Stucki 288f Hat in Winterthur erfahren, daß der Pfarrer von Rüti [Konrad Lüthard]entlassen worden ist. Es wird notwendig sein, einen frommen und tapferen Mann dorthin zu schicken, der den Mönchen genehm ist. Lavater schlägt Morandus Schmid aus Frauenfeld vor, den er als bibelkundigen, getreuen Menschen kennengelernt hat. Hat Erbarmen mit diesem, daß er bei den bösen Thurgauern wirken muß. Hofft, Bullinger werde den Brief günstig aufnehmen, und wünscht ein glückliches neues Jahr. [Nachtrag:]Nach Abschluß des Briefes erfährt er, daß Leute aus dem Gebiet der V Orte, aus Rapperswil usw. zusammen mit den Grüningern planen, deren Pfarrer aus dem Amt zu vertreiben. Laßt der Sache nachforschen. Min fruntlich wilig dienst und was ich eren, lieby und guts vermag zuvor, wolglerter und ersamer her etc. Alß ich hüt zu Winterthur gwesen, ist mich angelangt 1 , wie der predicantt zu Rütty 2 geurloupott 3 etc. Nun ist mir in trüwen leid, daß die predicanten nit bhutsamer sin und, alß 4 ich sorg, hiedurch vil anstoßens entstände, wiewol ich für und für uffsatztt 5 und heimliche pratica 6 besorg, daß vilicht hie mit der zitt einist der frefen huff 7 etwas witers fürneme etc. Nun wirtt von nötten sin, an das ortt ein fromen, tapfern man, der von grund grechtt, und so man den nit dahin tutt, oder einen, dem die münchen widrig, wirtt die
sach nütz sölen 8 ; dan da kein ruw nach frucht 9 sin wirtt. Und diewill ich dan alweg den handel gotz zu furdern, so vil ich gnad hett, geneigt und gar dienstlich sin wöltt, düchty mich, wo man hern Morandy Schmid 10 von Frowenfeld möcht dahin bringen, wer ein groser schick 11 , dan er gwüß ein recht from biderman und in gottes wort wol gründtt unnd vast trüw; dan ich in biß uff das bar bein 12 erckunott 13 . Zudem weis ich woll, daß er den münchen gantz anmütig 14 und angnem sin wurd, und sover eß nit unrecht und wider miner herren satzung langen 15 wurd, wurd ich ein hoch pitt an üch legen von sintwegen; dan er mich erparmt, daß er bi dem bösen Turgöwer vasell 16 sin muß. Zudem, wo er dahin komen, ich hofte, der pfarrer zuo Frowenveld 17 och möcht widerumb zukomen und grad an sin statt. Sömlich min schriben welend also gantz günstlichs willens von mir vernemen; dan wo ich nüt sonders hochs vertruwenß zu üch wer, hett ichs lasen bliben. Und üch hiemit dem einigen herren gott befolhen halten, der üch und all üwerm hußfolh 18 ein gut, glükhaft jar verlihen welle, mit pitt, min schriben ütz gegen üch bringen mogen. Datum in ill, uff Thome anno etc. 34. Üwer gutwilliger diener Hans R. Lafatar. [Adresse auf der Rückseite:] Dem wolglerten unnd ersamen hern Meister Heinrichen Bulinger, predicantt zum grosen münster Zürich, minem insonders vertruwten, günstigen und lieben herren. ||E II 441, 290 [Nachtrag:]Lieber M. Heinrich, wie ich disen brieff 19 gschriben, langt mich an 20 in diser stund, wie von etlichen von lendern 21 , Raperschwil
Datum Thome, der 5. stund angender nacht. [Ohne Unterschrift und Adresse.] [496]Abgeordnete schwäbischer Kirchen und Städte
an die Pfarrer und Lehrer von Zürich Konstanz, 21. Dezember 1534 Original a : Zürich StA, E II 337, 84ar.-v. (Siegelspur) Ungedruckt Kamen auf Bucers Rat nach Konstanz, um eine Abendmahlskonkordie vorzubereiten. Anerkennen, daß die Zürcher mit ihrem Bekenntnis [Nr. 482], das sie sehr gut finden, so gut wie auch anwesend waren.
Hoffen, daß auch Luther und Melanchthon, denen es Bucer bringt, zustimmen, obwohl gewisse reizbare Gemüter heute oft Wahres, aber vielleicht ungenügend Formuliertes verschmähen. Um sie zu beruhigen, sollte man gewisse Redeweisen, wenn sie nicht unbiblisch sind, tolerieren, um die Konkordie zu fördern. Bucer, der sein Konkordiennetz vollenden möchte und von [Philipp von]Hessen und Melanchthon vor drei Tagen nach Hessen gerufen worden ist, wollte in Kenntnis ihrer [oberländischen]Meinung über Luthers [Abendmahls-]Auffassung und die Möglichkeiten einer Vereinbarung dorthin [nach Kassel]reisen. Besprachen sich während sechs Tagen und wollen erst beschließen, wenn sie von Bucer die Antwort Melanchthons kennen. Wollen deshalb morgen die Zusammenkunft auflösen und nichts festlegen, ohne die Zürcher begrüßt zu haben. Bezeugen wachsende Achtung gegenüber den Zürchern und beteuern die Aufrichtigkeit ihres Einigungswillens. Grüße. Salutem in domino. Non vos latere putamus, fratres in domino venerandi, hisce diebus observandi Buceri nostri consilio salvos dei gratia huc nos convenisse 1 , idque potissimum ob eam causam, ut in instituenda concordia causae sacramentariae diu optatam quaesitamque rationem in domino investigantes tandem inveniremus. Ad quam rem arbitrati nobis precipue vestro et consilio et auxilio opus esse vestrum adventum expectavimus. At per literas vestrae absentiae apologiam probe adscriptam a dilectissimis fratribus nostris Constantiensibus accepimus 2 , presertim missa illa vestra confessione 3 , unde absentes vos presentes maxime agnovimus. Aeque enim animi vestri sententiam in hac concordiae in[st]ituendae causa expressistis absentes, ac nos praesentes nostras contulimus. Et sane non potuimus non vehementer istam in hac causa confessionem vestra[m] probare. Quam utinam Lutherus et Melanchton perferente eam Bucero nos[tro] 4 ita probent, ac nos illam nulla bona possumus improbare conscientia! Sed haec sunt tempora nostra, in quibus aegre satisfacias male quibusdam affectis stomachis, qui interdum solent etiam, quod vere est confessum, attamen [non] adeo sufficienter professum, reiicere aut saltem fastidire. Quodsi istis hac ratione possis consulere, ut concessis quibusdam loquendi formulis cum scriptura et orthodoxorum b placitis non pugnantibus fastidiosum stoma[chum] sis sanaturus, nihil non recuses facere cedereque, quo procedat in domi[no] concordia, qua, uti ille dixit, «parvae res crescunt», magnae vero «dilablunturi» 5 . Concordiam dicimus in domino. Nullam enim cupimus et ambimus aliam, quam quae est ex verbo domini.
Propter hoc Bucerus noster, qui i[am pridem] illius sanctae concordiae telam est orsus 6 , satagit nunc eam pertexere, [praesertim] tam c optima data occasione a pientissimo Cattorum principe 7 et pacifico [Melanch]tone, quorum literis nudius quartus Bucerus noster hinc est i[n Cattos] avocatus 8 , ut suorum expioratis voluntatibus, quid de Lutheri excussa [sententia]9 et indaganda ratione concordiae sentirent, instructior magisque certus [de omnium] sententia 10 illuc 11 Bucerus veniret. Hoc unum itaque per istos sex dies 12 hi[c fecimus]: Contulimus enim potius, quam decreverimus, decreturi tum demum, si[mulatque]cognoverimus e Bucero, quid Melanchton d Lutheri suorumque concordie [rationes]expositurus nostris sit responsurus 13 . Atque hoc responsum referet suo te[mpore] Bucerus, qui ita cupit constitutam concordiam, ut veritas non opprima[tur]. Voluimus itaque cras hinc soluturi adque nostra propicio domino 14 redituri [vobis] insalutatis hac in re nihil statuere, sed ea, quae - quo consilio inter n[os] sint conventa, simpliciter exponere, ut vel hac ratione testaremur vobis [nostrum] in vos animum, qui nullo vel metu vel favore praecipitabitur, ut verit[ate] destituatur. Testamur quoque hisce literis certe nobis de amore et observantia [erga vos]|| 84a v. decessisse nihil, sed accessisse quam plurimum, ut quos videamus aeque instituendae et absolvendae concordiae amore studioque flagrare atque nos, qui forte videmur soli velle concordiam meditari. Interea fratribus quibusdam suspicantibus, quod vel imprudentius vel impudentius id tentemus, domino ecclesiaeque suae atque adeo bonis et piis omnibus cupimus testatam esse hanc nostram voluntatem, quae aliud magis nunc nihil cupit et ardentibus votis a domino expetit, quam «ut ad id, quod assecuti sumus, eadem
procedamus regula, greek greek greek» [Phil 3, 16]15 . «Si quid enim aliter sentiremus», quod dixit apostolus, «hoc quoque nobis deus revelabit» [Phil 3, 15]. Valete faeliciter in domino et id porro vobis persuadeatis de nobis, quod hactenus, nimirum de constanter et sancte in domino fraternitatem colentibus. Constantiae, 21. decembris 1534. Augusten[sis], Ulmens[is], Memmingens[es], Constantien[ses], Campidonens[is], Isnens[es], Lindoiens[is] e 16 , Biberacensis absens, scripto tamen praesens fuit f 17 . [Adresse darunter:]g Pietate et eruditione non vulgari eximiis Leoni Iudae, Henrycho Bullingero, Conrado Pellicano, Theodorico Bibliandro et reliquis Christum Tiguri bona fide et constantia praedicantibus, dominis et fratribus venerandis.
[497]Konrad Geßner an Bullinger Straßburg, 27. Dezember 1534 Abschrift a : Zürich ZB, Ms F 44, 2V. Teildruck: Corr. des réformateurs III 235-240; CO X/2 42-44; Robert Hari, Les placards de 1534, in: Aspects de la propagande religieuse, Genève 1957. - Travaux d'Humanisme et Renaissance 28, S. 90; Übersetzung: Hanhart 36-41; Teilübersetzung: Max Niehans, Die Bullinger-Briefsammlung, in: Zwa VIII/3, 1945, S. 148f Ist von Paris nach Straßburg gezogen. Die Gründe waren: zum einen die hohen Lebenskosten, zum andern der unerträgliche Anblick der Gewalt. Diese Gewaltherrschaft ist von einigen Unbesonnenen verursacht worden, die in Paris, Orléans usw. eine messefeindliche Schrift öffentlich angeschlagen hatten. Die Schrift soll von Farel und von einem Augustiner verfaßt und in Neuenburg gedruckt worden sein. Seit dem Ausbruch der Verfolgungen seien über 300 Personen gefangen genommen und unzählige zur Festnahme ausgeschrieben worden. Es wird auf bisher unbekannte Art gefoltert, gestraft und getötet. Man habe aber erst 10 Menschen verbrannt; das Parlament warte die Rückkehr des Königs und dessen Urteil ab. Machte sich auf den Weg, weil er das Häßliche nicht mitansehen wollte und weil sich gerade Reisegefährten fanden. Vor diesen Ereignissen waren Bullingers Schriften [in Paris]eifrig gekauft und gerühmt worden. Nun aber ist alle [reformatorische]Literatur verbrannt oder in die Seine geworfen worden. Er und ein gelehrter Spanier entgingen Schwierigkeiten nur mit Hilfe des Bischofstellvertreters [René du Bellay], nachdem ihr Hauswirt ihre Bücher entdeckt hatte. Jener ist jetzt selbst gefangen. Gegen seinen Bruder [Jean du Bellay], den evangelisch gesinnten Bischof, wagen sie aber nichts zu tun. Es gibt noch einige tausend Evangelische. Auch Budé ist ganz auf der reformierten Seite. Johannes Fries blieb in Paris. Rechenschaft über seine Ausgaben. Peter Kolin und Andreas Wingarter haben ihm ausgeholfen. Wingarter ist mit einer adeligen Französin in Straßburg, da seine Tätigkeit, die Einfuhr von Büchern der «Lutheraner», entdeckt worden war. Seine Frau wird noch festgehalten. Über die Beschlagnahmung seiner Güter und Bücher werden die Richter entscheiden. Bullinger möge dies Froschauer mitteilen. Bittet, daß Peter Kolin, der ihnen großmütig aus seinem Stipendium ausgeholfen habe, zufriedengestellt werde. Hofft auf Großzügigkeit und erinnert an Bullingers Versprechen bei ihrer Abreise, sie bei Mehrbedarf nicht im Stich zu lassen. Wohnt im Hause Bucers, der in den nächsten Tagen von Marburg zurückerwartet wird. Möchte sich während seiner Zeit in Straßburg dem Hebräischstudium widmen. Sie [die Stipendiaten]hoffen, daß ihnen Bullingers Wohlwollen und Schutz erhalten bleibe. Grüße. S. Argentinam relictis Parisiis quinto idus decembris 1 veni simul, quod maiorem sumptum in dies facerem, simul etiam, quod tantae tyrannidis, quantam vos pridem audiisse credo, spectator esse non sustinerem. Quod enim ad literas, Germania nostra nihil Galliis cedere videbatur. Sed tantos motus et tragoediae initium 2 siquidem iam audivisti, haec mea praeterire[!],
sin minus, perlege. Fixi ab inconsultis quibusdam libelli 3 Gallice scripti, in Novo Castro, ut rumor est, impressi 4 . Plerique ad Farellum et quendam Augustinianum monachum authores referunt 5 . Thema erat contra missae abusum et praesentiae corporis in eucharistia negatio. Eadem autem nocte 6 Parisiis, Aureliae sive Genebi et in regii cubiculi ianua 7 affixi sunt. Hinc belli initium. Capti innumeri. Rumor circiter trecentos et ultra fert. Novis et inauditis modis torquentur longe miserrime, comburuntur, eruuntur linguae, manus praeabscinduntur. Sunt porro in certas tabulas infinita capiendorum nomina relata 8 . Sed duo studiosi 9 huc ad nos nudius quartus venerunt fuga Galliis elapsi et mulier 10 quaedam nobilissima cum famulis et nobilibus. Illi aiunt decem tantummodo hucusque combustos 11 , regem Parisios venire, huius iudicium, cum tantus sit captorum numerus, senatum expectare 12 . Ego tam dira et atrocia ne vel spectarem vel audirem, commode socios itineris nactus discessi. Ante vero quam haec exorirentur, mirum in modum omnes pii scripta tua 13 amplectebantur, sollicite emebant, honorificentissime te unum et amplissime praedicabant. Sed hac tempestate, cum singulae fere domus perquirerentur, omnes piorum lucubrationes partim Vulcano 14 datae, partim in Sequanam 15 abiectae. Ego et doctus quidam Hispanus 16 , cum multa haberemus, tandem ab hospite deprehensi sumus, qui secus ferre noluit, nisi ad ecclesiasten aliquem, qui nos absolveret, res deferretur. Nos effecimus, ut apud episcopi fratrem 17 , eius tum vicarium et evangelii fautorem, ageretur. Sic quidem evasimus. Iam autem ipse captus detinetur 18 . In fratrem enim, episcopum Parisiensem, licet evangelicum sciant, nihildum
audent. Sic omnia infestatores «greek greek greek greek» 19 , sed clam aliquot greek greek greek greek greek «greek greek greek» 20 speramus et partim certo scimus. Budaeum 21 quoque non est quod dubites. Noster est totus cum doctissimis quibusque. Sed hoc hactenus. Frisius 22 hoc tempore ad iter accinctus non erat. Nam et tumor et inflammatio cruris obstabat, tum nonnihil cum febre luctabatur et bonam linguae Gallicae partem tenebat, quod non pergenti frustra fuisset futurum, et minus quam ego sumptuum faciebat. Quamquam mihi ne vivam si parciori esse licuerit. Libros non paucos et probatissimos emi. Huc ad me spero propediem mittentur. Abfui fere biennio 23 . 26 coronatos pro annua portione - sic vocant - numeravi. Multum primo itinere Parisios, inde Biturigas et idem iter repetens huc Argentinam expendi. Et ne vestes, libros et quicquid greek greek greek requiritur, enarrando molestior sim: Quam a Pericle Athenienses 24 , eandem a me quoque veram expensi rationem dari credatis. Si vos modium frumenti 25 pro coronato computetis, stipendium in annum erit viginti quinque coronati, ut ego quidem computo. Ego duobus his annis 65 coronatos insumpsi. Accepi e Petri Coli Tugini 26 stipendio 50 francos, id est 22 coronatos cum testono, ut vocant, ab Andrea Wyngartner 27 9 coronatos, abiens
Andreas Wyngartner cum nobili quadam Galla muliere 29 Argentinae est. Resciverunt eum libros Lutheranorum invexisse. Uxor 30 capta detinetur, bonorum et librorum confiscatio b penes iudices est. Id vos Froschovero indicabitis 31 Petro Tugino inprimis satisfieri etiam atque etiam petimus. Ingenue enim amice et liberaliter suo nos stipendio uti concessit. Speramus vos c , qua estis humanitate, non tam greek nobiscum acturos. Et tu quoque, si meministi, abituris pollicebare, si quid praeter sortem usus postularet, non defuturos vos 32 . Hic in aedibus Buceri vivo, quem Marpurgo propediem rediturum expectamus 33 . Dum hic ero, in Hebraeas litteras incumbam. Unica in te et plurima spes est. Potes enim. Ne igitur nos tuo amore, benevolentia et patrocinio destitutos patiaris, etiam atque etiam obtestamur. Salvere iube omnes symmystas tuos et praeceptores meos Ammianum 34 et Collinum 35 , tum studiosos omnes, patruum meum 36 , matrem meam 37 et d. Joh. Fricium 38 .
Argentinae, in aedibus Buceri, 27. decembris 1534. Tuum mancipium, Conradus Gessnerus . [498]Hans Rudolf Lavater an Bullinger [Kyburg], 27. Dezember [1534] Autograph a : Zürich StA, E II 340, 72 (Siegelspur) Gedruckt: Stucki 293f Hat Bullingers Brief und das beigelegte Schreiben des Landvogtes auf Lenzburg [Sulpitius Haller]erhalten. Er wird sich nach dem Termin richten, den Bullinger für ein Treffen mit diesem ausmacht. Zweifelt an der Richtigkeit der Meldung über die Machenschaften gegen die Pfarrer im Amt Grüningen. Freut sich, daß ihn [Peter Simler], Bullingers Bruder Johannes, Heini Jos und andere aus dem Freiamt besuchen wollen. Pfarrer Morandus [Schmid]könnte Ruhe nach Rüti bringen, obschon er auch im Thurgau nötig wäre. Der almechtig gott verlich üch und allem üwerm volch, ouch wer üch lieb sig, ein gut und glückhaft jar etc. Wolglerter, ersamer, min insonders vertrüwter günstiger und lieber herr etc. Üwer schriben, samptt her vogt von Lentzburgs 2 ingelegter meisif 3 , hab ich uff den wienechtt abend spart enpfangen und thun üch antwurtz wiß hierüber zu vernemen 4 , das ir mit her vogt von Lentzburg mogend retig werden 5 , wan es üch glegen, doch so es möglich, mich des acht tag vor 6 zu berichten, will ich mich dan woll darnach schicken 7 , und baß 8 , dan so ich den tag ansatzti 9 . Sömlich welend bester meinung vernen 10 , üch darnach wüssen zu schicken 11 .
Des andern handels halb 12 hab ich angentz 13 heisen wider gen Raperschwil schicken und ein[en] grund, ob es gesin, erckunen 14 . Mir ist aber noch nit witer a[ntzögt] worden. Ich gib der sach nit globen, dan es doch ein über[refner] 15 anschlag 16 oder pradick wer. Wüsend ouch, daß mir der pur [uff]Ögst 18 hat antzögt, wie her prior von Capel 19 , üwer brüder her [Hans] 20 , Heini Jos 21 und ander gut herren und gesellen uß dem [Engen]Amptt 22 ein anschlag habend, mich zu sachen umb ei[n faß]nachtt tag 23 , das mir warlich ein übergroser dienst u[nd frödt] wer und nun dem fulen hufen 24 zu leydt. Da muß man [versehen]25 , daß der vogt von Lentzburg dieselbig zitt nütt treff. He[r Moran]diß 26 halb wüst ich woll, wo er nit den münchen 27 sun[ders] anmütig 28 , daß er ein schlechten dienst haben; aber si begerend [sin]. So weiß und trüw ich im aller trüw und warheit, u[nd dücht]29 mich weger 30 einer, der ruw möcht machen, dan sölt ein[er da] sin, dem die münchen abhold oder widrig sin wurden. Wi[ewol] denn, er rüwtt 31 mich zu Fröwenfeld ouch; dan er ein groß[e frünt]schaft 32 hat, daß er gegen lantfogt 33 für uffwüschen 34 ist etc. Verstan[d] min schriben im besten und sind unserm gütigen und gnedigen herren und gott befolhen. Datum in ill uff Johanis ewangeliste anno etc. 35 35 . Üwer gutwiliger diener all zitt, Hans R. Lafatar.
[Adresse auf der Rückseite:] Dem wolglerten, ersamen herren Meister Heinrichen Bulinger, predicant der stifft Zürich, minem innsonders vertruwten und lieben herren. [499]Johannes Stumpf an Bullinger Bubikon, 28. Dezember 1534 Autograph: Zürich StA, E II 340, 65 (Siegelspur) Ungedruckt Wünscht ein fruchtbares neues Jahr. Frau und Kind von Konrad Lüthard sind mit Thomas Bucher bevogtet worden. Bittet Bullinger zu bewirken, daß der Familie rasch ein Verhandlungstermin gewährt wird. Hat Gebhart K[rüttli]aufgefordert, die Partei der Familie zu vertreten. Befürwortet eine baldige Zusammenkunft, um die Angelegenheit [das Kloster Rüti betreffend?] zu besprechen. Bittet um Neuigkeiten. Das nüw geboren kindli Christus Jesus verlych uns ein fridsam, fruchtbar und seligs jar, in welchem wir from, gerecht und gleubig erfunden werdind etc. Lieber her und bruder. Uff jüngste abred 1 by m[ynen}h[eren]gehept, her Conrad Lutharten 2 betreffende, ist syn wyb und kind bevogtet 3 mit zeugern 4 diß brieffs, den ir wol heimlich umm alle gelegenheit 5 des klosters Rütti und ouch her Conrads halb befragen mögend. Er ist ein gut from man, Thomas Bucher 6 genampt, und myner g[nedigen] h[eren] v[on] Z[ürich] weybel in den kleynen gerichten dem huß Rum zugehörig etc. Demnach so das folckli 7 uß armut und mangel nit wol lang uffzehalten noch in grosßen kosten zu tryben, ist an uch myn gantz früntlich bitt, (uwers vermögens und sover uch zimbt) inen ze radten 8 , das inen fürderlich tag werde 9 . Gebharten K. 10 hab ich bestelt 11 , dem fölckli zu reden 12 , ouch hiemit ein instruction myns vermögens, doch uff syn verbesßerung 13 , zugeschickt, darin ir ouch radten und helffen mögend. Der tagsatzung 14 halb, darvon ir inn mym abscheid veranlasßet, mir zu schryben 15 , were myn radt umb meres ansehens willen, das ir nit nur mich,
sonder alle die, so zu meyen des verschinen 1534. jars by uch gewesen sind 16 , hiemit wider zu beschryben 17 zinstags post festum innocentum 18; werdend wir unß gemeinlich 19 in colloquio aller dingen 20 halb bereden, woby wir blyben 21 , ouch wie hoch wir unß gegen unsern g[nedigen] herrn embieten wöllind 22 des innemmens der kuntschafft halb 23 etc. Lasßend uns ettwas nüws wüsßen, und sind gott befolhen, der uch syner kilchen und unß allen zu trost gnediglich nach synem willen langwirig 24 enthalten 25 wolle. Datum Bubicken, in yl, mendags, den 28. decembris anno etc. 1534. Uwer bruder H. Stumpff. [Adresse auf der Rückseite:] Domino Heinrico Bullingero, Tigurine urbis episcopo, patri suo in Christo dilectissimo. [500]Bullinger an Johannes Stumpf [Zürich, zwischen 28. und 31. Dezember 1534] Autograph: Zürich ZB, Ms A 70, 637 (Siegelspur) Ungedruckt Hat in der Angelegenheit von Konrad [Lüthard]allen möglichen Fleiß angewandt. Wie es ausgegangen ist, kann Thomas Bucher berichten. Nach Neujahr soll das weitere Vorgehen [in der Angelegenheit der Mönche] beraten werden. Bullinger hat beim Rat die Freistellung des Pfarrers [Johannes Wagner] von Pfäffikon erwirkt. Zusammen mit einigen aus Solothurn vertriebenen Pfarrern wurde dieser nach Württemberg berufen. Mahnung zur Vorsicht. Die Zeiten sind schlecht. Gnad, frid und barmhertzigheyt vonn gott durch Jesum Christum, unsern herren. Fürgeliepter bruder imm herrenn, mitt h[erren] Conradten 2 handel 3 hab ich allen minen müglichen flyß angewendt. Was imm aber verlangt und wie
es ergangen, kan üch Thomas Bucher, 4 , der fromm, trüw, redlich man wol anzöygen. Nach dem nüwen jar wöllend wir unß beradtschlagen, ob wir untz 5 an synodum 6 wartind, oder belder darzu thügind, daß unß die kundtschafft 7 nitt ze schwerr werde 8 , sunder daß unsere kundtschafft allso 9 wol allß der widerparth 10 gehört, und wir allwäg 11 selbs verhört, beschickt 12 und bevragt werdint. Nüwer meren ist nützid vorhanden, onet 13 daß ich hüt vor minen herren urloub dem von Pflifficon 14 erworben hab. Der ist berufft inn Wirtemberg mitt sampt andern ettlichen armen brudernn uß Soloturner piet vertriben 15 . Das ich üch inn gheim befolhen ze erkundigen 16 , acht ich wol, es sye mir ein gschwatz fürgetragen, daruff nitt vil ze setzen sye. Sind allweg redlich, einfällt wie die tuben und fürsichtig wie die schlangen 17 . Tempora mala sunt. Grütze mir alle geliepte brüder. Bos lassus fortius figit pedem 18 . Tuus H. Bullingerus. [Adresse auf der Rückseite:] An Johansen Stumpfen, praedicanten ze Bubickon, sinem fürgeliepten bruder.
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